Über Humor

Von Lukas Heinser, 13. April 2016 11:23

Da war ja jetzt auch nicht unbedingt mit zu rechnen gewesen, dass Geisteswissenschaften in Deutschland doch noch zum Mainstream-Thema werden. Aber in einem Land mit 80 Millionen Bundestrainern und 80 Millionen Anti-Terror-Experten ist natürlich auch noch Platz für 80 Millionen Germanisten.

Nach den großen Erfolgen der Proseminarreihe „Remix und Zitat“ (vgl. Hegemann, 2010; zu Guttenberg, 2011) und der Übung „Reime sind Schweine: Das politische Gedicht im 21. Jahrhundert“ (vgl. Grass, 2012) befinden wir uns bereits seit vorletztem Wintersemester in der Ringvorlesung „Was muss Humor können sein dürfen?“ (vgl. Hebdo, 2015), für die wir auch in diesem Jahr wieder mehr Referenten als Zuhörer haben gewinnen können.

Weil nicht der gesamte Stoff klausurrelevant ist, habe ich mir erlaubt, eine kleine Handreichung zusammenzustellen, die nur die zentrale Frage „Was ist eigentlich lustig?“ beantwortet:

Nun, da wir diese Frage geklärt hätten, können Sie den Rest des Tages nutzen, um das Haus zu putzen, mit Ihren Kindern zu spielen, oder ein gutes, trauriges Buch zu lesen!

Hinter dem Horizont geht’s weiter

Von Lukas Heinser, 18. März 2016 23:36

„lit.COLOGNE zählt nicht: Da ist überall ausverkauft!“

Ist das Koketterie, Understatement oder echter Selbstzweifel? Bei Benjamin von Stuckrad-Barre weiß man ja nie. Vermutlich hätten die Mitarbeiter vom Verlag und vom WDR alleine den Sendesaal („Ist das eigentlich der große?“) vollgemacht, aber es gibt wohl auch genug zahlende Gäste und auch noch genug zahlungswillige, für die dann aber leider echt kein Platz mehr ist. Quasi-Heimspiel, Comeback, jetzt aber wirklich!

Stuckrad-Barre hat, das war in den letzten Tagen vielleicht gelegentlich mal in den Feuilletons und Kultursendungen angeklungen, ein neues Buch geschrieben, das „Panikherz“ heißt, von ihm selbst konsequent als „Memoir“ bezeichnet wird und eine Bestandsaufnahme der ersten vierzig Jahre Leben ist, die auch Stoff für achtzig Jahre geboten hätten. Jetzt sind’s eben 564 Seiten geworden.

Im ersten Kapitel, das hier heute Abend live vorgelesen wird, geht es um die Zeit in der Redaktion der kurzlebigen ARD-Sendung „Privatfernsehen“ mit Friedrich Küppersbusch. Das ist insofern lustig, weil Friedrich selbst auf der Bühne sitzt und vorliest, was da über ihn, Küppersbusch, in der dritten Person geschrieben steht. Ich habe mehr als 15 Jahre später in der Redaktion seiner (von vornherein als kurzlebig geplanten) WDR-Sendung „Tagesschaum“ gearbeitet und neben mir sitzt der Redaktionsleiter beider Sendungen und ich versuche, alle seine Reaktionen zu deuten. Hallo, Hermeneutik!

Es geht dann aber recht schnell auch um das, was „Panikherz“ für die etwas boulevardesker eingestellten Journalisten interessant macht: um Drogen, Abstürze und Selbstzweifel. In einer langen, aber grandiosen Passage erklärt Stuckrad-Barre, warum er unter keinen Umständen zu seinem 20-jährigen Abitreffen gehen konnte — dass jeder seinen Aufstieg und Fall, wenn schon nicht live medial miterlebt, in der Wikipedia nachlesen kann, spielt dabei keine Rolle, er findet genug andere Gründe.

In den vorgelesenen Kapiteln sind Selbstzweifel und Maximalabstürze mitunter schon auf Pointe gebürstet, das hilft hier natürlich, denn über zwei Stunden Elendsbeichte wären dann – lit.COLOGNE hin oder her – vielleicht doch ein bisschen zu viel. Kann man ja dann zuhause noch mal nachlesen und feststellen, dass es eigentlich gar nicht lustig ist. Und ohne Stuckrads Udo-Lindenberg-Imitationen (es geht in dem Buch viel um Udo Lindenberg, den Helden seit Kindheitstagen und Retter in den dunkelsten Stunden) fehlt bei der Lektüre im Lehnstuhl dann auch was.

Zwischendurch denke ich: Da sitzen jetzt echt der Mann, dessentwegen ich schon als Kind zum Fernsehen wollte, und mit dem ich heute ab und zu Podcasts produziere, und der Mann, dessentwegen ich als Teenager mit dem Schreiben angefangen habe, auf einer Bühne und lesen aus einem Buch, das zwar eigentlich eine Autobiographie – Verzeihung: ein Memoir! – ist, das aber auch super als Atlas der Popkultur der letzten 20 Jahre taugt. Tell me more, tell me more!

Zwischen dem Auftritt mit Rockstargeste zu „Suburbia“ von – natürlich! – den Pet Shop Boys und der Verabschiedung mit völlig aufrichtig wirkender Dankbarkeit liegen viele Seiten des Buches und einiges an Geplänkel zwischen den beiden Vortragenden. Wer alles deuten und interpretieren will, sieht das gealterte ADHS-Kind während dieser Zeit sicherer – und damit weniger albern – werden. Wer bei der langen Umarmung, bevor Friedrich Benjamin die Bühne zur Zugabe überlässt, nicht schlucken muss, hat ein frittiertes Herz.

Benjamin von Stuckrad-Barre ist wieder da und es sieht aus, als plane er zu bleiben. Aber jetzt entschuldigen Sie mich bitte: ich hab noch über 400 Seiten vor mir.

Lucky & Fred: Episode 11

Von Coffee And TV, 16. März 2016 15:54

Pünktlich wie immer erklären Lucky & Fred, warum die AfD mit Deutschland nichts am Hut hat, wer die Social-Media-Profile von Erika Steinbach betreut und wie man im Speisewagen der Deutschen Bahn eine Vesperplatte bekommt. Fred bewundert VW, Lucky hustet Fred was und gemeinsam gedenken sie der vielen verstorbenen Prominenten der letzten Monate.

Weiterführende Links:

„Lucky & Fred“ als RSS-Feed
„Lucky & Fred“ bei iTunes
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Spotlight

Von Dominik Bruns, 1. März 2016 22:36

In einer Zeit des Presse-Sterbens und der „Lügenpresse“-Schreihälse singt „Spotlight“ ein kleines Loblied auf den investigativen Journalismus. Anfang der 2000er, als das Modell Tageszeitung noch nicht völlig im Sterben liegt, deckt ein Recherche-Team des „Boston Globe“ die systematische Vertuschung von Kindesmissbrauch in der katholischen Kirche auf.

Die Journalisten, die uns „Spotlight“ zeigt, werden aber nicht zu übergroßen Helden stilisiert, sondern sind halt einfach Leute, die ihre Arbeit machen. Ihr Rechercheprozess wird nicht glorifiziert, sondern in kleine, teilweise wirklich extrem unspektakuläre aber eben notwendige Schritte zerlegt, zum Beispiel wenn meterweise Jahrbücher durchkämmt und in Excel-Tabellen übertragen werden, um die Muster der Vertuschung nachweisen zu können. Auch die Verfehlungen der Journalisten werden angesprochen, wenn Opfer beklagen, dass sie schon vor Jahren Hinweise auf die Größe der Geschichte geliefert hätten, aber im Alltagsgeschäft untergegangen sind.

Das Script umschifft dabei erfreulicherweise diverse typische Hollywood-Fallen. Viele Drehbuchschreiber wären sicherlich der Versuchung erlegen, das Team auf weniger Leute runter zu brechen — und denen idealerweise noch eine Lovestory anzudichten. Stattdessen wird „Spotlight“ schon fast eher zu einem Ensemble-Film, der sehr viele Charaktere unter einen Hut bekommt. Vielleicht ist das auch einer der Gründe, warum niemand aus dem Cast eine Oscar-Nominierung für eine Hauptrolle erhalten hat, weil diese eher schwierig auszumachen ist.

Das Drehbuch bleibt über die guten zwei Stunden Laufzeit strikt fokussiert, kaum wird auf Nebenkriegsschauplätze wie die Finanzierungssituation des Investivativ-Teams eingegangen.*
Regisseur Tom McCarthy inszeniert im Dienste des faktenlastigen Script ohne großen Pomp. Eine der intensivsten Momente des Films zeigt schlicht drei Leute, die um ein Telefon versammelt sitzen. Optisch alles andere als bombastisch, hat dieser Moment doch gewaltige Schlagkraft, weil sich hier die schiere Größe des Skandals entfaltet.

Normalerweise bin ich kein großer Fan von den typischen „Was danach geschah“-Texttafeln, die quasi obligatorisch am Ende jedes „Based on real events“-Film stehen. Hier zeigt dieses Stilmittel aber seine volle Wucht, wenn zum Schluss nicht das Schicksal der Filmcharaktere thematisiert wird, sondern schlicht eine nicht enden wollende Liste der Städte durchläuft, in denen Missbrauchsfälle in der Kirche aufgedeckt wurden.

*) Auch wenn die Frage, wo in Zukunft investigativer Journalismus stattfinden soll, ein interessanter Nebenaspekt des Films ist. Nicht umsonst trommelt das sehr unterstützenswerte Recherche-Netzwerk correctiv.org gerade intensiv für diesen Film.

In memoriam Roger Willemsen

Von Lukas Heinser, 8. Februar 2016 16:29

Elf Jahre sind nicht das Alter, in dem ich meinen Sohn abendliche Talkshows sehen lassen würde, aber so alt war ich, als „Willemsens Woche“ auf Sendung ging, und ich war von Anfang an dabei — warum auch immer. Ich weiß, dass ich an jenem Wochenende bei meiner Oma übernachtet habe und wir die erste Ausgabe gemeinsam gesehen haben. Die meisten weiteren habe ich dann mit meinen Eltern geschaut oder auch alleine. Merkwürdiges Kind, das ich war.

Die Sendung hat wie wenige andere meine Erwartungshaltung an gutes Fernsehen geprägt und ganz stark dazu beigetragen, dass ich auch „was mit Medien“ machen wollte. Roger Willemsen hatte Menschen zu Gast, die noch etwas zu erzählen hatten, und er wusste, wie man sie erzählen lässt. Sein Interview mit Helmut Markwort mag man heute eitel oder gar etwas bösartig finden, aber es zeigt, was ein Moderator mit einer Haltung ist, und sollte Standardwerk an Journalistenschulen sein. Nicht minder legendär: Wie Willemsen und Friedrich Küppersbusch, ein Mann, der meine Vorstellung von gutem Fernsehen ebenso mitbestimmt hat und den ich inzwischen meinen Freund nennen darf, die letzte Ausgabe von Friedrichs ARD-Magazin „Privatfernsehen“ so lange eigenmächtig verlängerten, bis die zentrale Sendeleitung entnervt den Stecker zog.

Ich bin Roger Willemsen zwei Mal bei der Aufzeichnung seiner (natürlich auch nicht sehr erfolgreichen) WDR-Sendung „Nachtkultur“ begegnet (Anlässe, bei denen ich auf Wim Wenders und Tom Tykwer traf — die ganz normale Freizeitbeschäftigung 16-jähriger Adoleszenten) und habe ein paar Mal mit ihm gemailt. Einmal ging es um einen Beitrag fürs BILDblog, einmal um den sehr komplizierten und heute nur noch schwer nachvollziehbaren Vorgang der Pressestelle der Stadt Dinslaken, die es irgendwie geschafft hatte, O-Töne von Willemsen, Jörg Kachelmann, Stefan Niggemeier und mir zu einem Potpourri der Kleinstadt-PR zu remixen (fragen Sie nicht).

Es endete jedenfalls mit diesem Kommentar Willemsens in Stefans Blog:

Wissen Sie, ich bin erleichtert, dass es jetzt raus ist. Schon jahrelang laufe ich mit der Schuld durch die Welt, Sandra Schwarzhaupt gefragt zu haben, warum sie in NY und nicht in Dinslaken wohne. Dieser unreife und ehrabschneidende Kommentar zum Weltzentrum der Selbstironie hat mit freier Meinungsäußerung nichts zu tun, er ist schädlich und dumm, bietet er doch der Pressestelle der Stadt Dinslaken die feige Möglichkeit, sich zu blamieren. Es soll wieder vorkommen.

Das Zitat schaffte es 2008 noch einmal in den Jahresrückblick der Lokalausgabe der „Rheinischen Post“ und „Es soll wieder vorkommen“ ist seitdem fester Bestandteil meines rhetorischen Werkzeugkastens.

Im letzten Jahr hat Roger Willemsen wegen einer Krebserkrankung alle Termine abgesagt. Ich weiß, dass Krebs der „größte Wichser im ganzen Land“ (Thees Uhlmann) ist, aber aus der Ferne hatte ich einfach gehofft, dass Roger Willemsen das überstehen werde. In kindlicher Naivität hatte ich mir sogar ausgemalt, dass wir ihn nach seiner Genesung bei Lucky & Fred zu Gast haben würden. Es schmerzt mich, dass dieser egoistische Wunsch jetzt nicht in Erfüllung gehen wird, aber noch mehr schmerzt es mich, dass Roger Willemsen nun im Alter von gerade einmal 60 Jahren gestorben ist. Menschen wie ihn könnten wir dieser Tage mehr denn je gebrauchen.

Erheben Sie sich also bitte mit mir für den (immer noch unfassbar geilen) Titelsong von „Willemsens Woche“:

Cantaloop by US3 on tape.tv.

Eine Liebe zur Musik, eine Liebe zu den Tönen

Von Lukas Heinser, 3. Februar 2016 14:10

Ich hab’s verpasst: Am Sonntag jährte sich zum zehnten Mal das Tomte-Konzert im Düsseldorfer Zakk, wenige Tage vor Veröffentlichung der „Buchstaben über der Stadt“. Ich war zum Interview mit Thees Uhlmann verabredet und entsprechend früh da, war aber trotzdem etwas erstaunt, als mich der Künstler dann höchstselbst auf dem Handy anrief und zum Gespräch bat.

Als er die Tür zum Backstageraum öffnete, trug er einen Blink-182-Kapuzenpullover, hatte ein Rotweinglas in der Hand und grinste mich an. Es war unser zweites Interview, wovon er aber vermutlich nichts wusste. Ich hatte das Album schon seit Anfang des Jahres und war schwer begeistert, musste aber erst noch was anderes loswerden:
„Hi, ist Simon nicht da? Ich hätte hier ein Demo für ihn. Sind Bekannte von mir, die machen so Strokes-mäßigen Indierock.“

Und Thees sagte so was wie: „Zeig mal hier“, guckte auf die Tracklist und sagte triumphierend: „Gott sei Dank, sie singen Englisch!“ Dann legte er die CD in seinen Laptop und drückte auf Play. Zu den ersten Takten von „At All“ sang er „Ein Volk steht wieder auf …“, weil der Beat was von kettcars „Deiche“ hat. Er skippte sich durch die sechs Songs und sagte die goldenen Worte: „Wenn ich die morgen noch geil finde, wenn ich wieder nüchtern bin, dann sign ich die!“ Dann erst konnte ich mein Interview beginnen.

Als Gerne Poets, der Manager, während des Interviews kurz vorbeischaute, erklärte ihm Thees im Überschwung, er habe gerade ein Demo gehört und werde eine neue Band beim Grand Hotel van Cleef unter Vertrag nehmen. Gerne dachte vermutlich das gleiche wie ich: „Ja, klar. Laberlaber!“ Acht Wochen später stand ich im E-Werk in Erlangen und sah die Kilians im Vorprogramm von Tomte spielen.

Seitdem ist viel passiert: Die Bands gibt es nicht mehr, einige von uns sind Väter geworden, die meisten Leute habe ich seit Jahren nicht gesehen. Aber diese vier Tage, die ich mit Tomte und den Kilians auf Tour war, als wir in Stuttgart im Copy Shop hunderte von CD-Booklets nachdrucken lassen mussten und auf allen verfügbaren Laptops diese EP gebrannt haben (teilweise am Merchstand: „Hi, ich hätte gerne die CD von der Vorgruppe!“ — „Ja, kleinen Moment, gleich ist wieder eine fertig!“), als ich die Songs von Tomte Abend für Abend gehört habe, als sich mein Leben wie „Almost Famous“ anfühlte und wir für eine kurze Zeit überzeugt davon waren, dass es im Leben nichts wichtigeres, bedeutsameres und größeres geben könne als Rockmusik, das alles wird für immer bleiben. Auf einem Platz in meinem Herz steht Dein Name an der Wand und ich will, dass Du es erfährst.

Cinema And Beer: „Star Wars — Das Erwachen der Macht“

Von Coffee And TV, 21. Dezember 2015 0:24

Es ist DAS Film-Ereignis des Jahrzehnts: „Star Wars“ kehrt zurück, überarbeitet von J.J. Abrams.

Was es mit den familiären Konflikten in der Geschichte und im Privatleben der Macher auf sich hat, wo die Ingenieure des Imperiums ihre Karriere begonnen haben und wieso ein Oppa, der sich über den kaputten Gully beschwert, auch noch irgendwie dazugehört — das alles klären Tom Thelen und Lukas Heinser bei einer kühlen Flasche Bier Pilsener Brauart.

Star Wars — Das Erwachen der Macht (Offizielles Filmplakat)

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Cinema And Beer: „Steve Jobs“

Von Coffee And TV, 26. November 2015 0:35

Genie oder Arschloch, Biopic oder Kammerspiel, Steve Jobs oder Aaron Sorkin — wir sprechen über den, Film der ausgewählte Momente aus dem Leben eines Mannes präsentiert, der die Gegenwart erfunden hat. Oder zumindest ziemlich viel Unterhaltungselektronik.

Steve Jobs (Offizielles Filmplakat)

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Cinema And Beer: „Spectre“

Von Coffee And TV, 8. November 2015 0:07

Drei Jahre nach „Skyfall“ ist James Bond (Daniel Craig) wieder da, doch anders als beim Start unserer kleinen Podcastreihe vor drei Jahren sind wir diesmal nicht wirklich begeistert.

Hören Sie also, was es mit schlechten Sex-Szenen, Christoph Waltz als Christoph Waltz und großen Weißflächen auf sich hat — aber hören Sie nicht, wenn Sie den Film noch sehen und dabei komplett überrascht werden wollen.

Spectre (Offizielles Filmplakat)

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Bei Bild.de kann man was erleben

Von Lukas Heinser, 29. Oktober 2015 18:12

ozy.com ist eines dieser sehr bunten, sehr egalen Internetportale mit wilden Anrissen und wenig Inhalt. Oder, wie Mathias Döpfner es nennt: „ein überzeugendes Beispiel für attraktiven digitalen Journalismus“. Döpfner ist Vorstandsvorsitzender der Axel Springer SE und in dieser Funktion Mitglied im Verwaltungsrat von OZY, in das Springer ganz gut investiert hat.

Eugene S. Robinson ist der „Dr. Sommer“ von OZY, der Sex-Onkel, dem (angebliche) Leser (angebliche) Zuschriften über ihre (angeblichen) Erfahrungen, Meinungen und Sorgen zum Thema zukommen lassen, und die er mal launig und meist sehr rätselhaft beantwortet.

In seiner aktuellen Kolumne bittet eine Frau um Rat, die schreibt, gemeinsam mit einer anderen Frau im Hotelzimmer eines „berühmten Komikers, der nicht Bill Cosby heißt und von allen geliebt wird“ gewesen zu sein:

We get to his room and we’re drinking and having a good time, and he says out of the blue, „Do you gals mind if I jerk off?“ We laughed, because we thought he was joking, until he pulled it out and started masturbating. At this point, we moved to leave quickly. He stood in front of the door and said, „Not until I finish.“ When he finished, he moved and we left.

Die (angeblichen) Frauen seien sich unsicher, was ihnen da eigentlich genau widerfahren sei, schreibt die (angebliche) Verfasserin.

Robinson versucht sich an einer Einordnung und erhält von einem (angeblichen) Polizisten diese (angebliche) Antwort:

„It’s a crime in California. It’s a 236 PC, false imprisonment, and maybe a 314 PC, indecent exposure. But the most important question is, did he have a freckled dick?“

(Sie ahnen vielleicht, warum die Lektüre dieser Seite nicht zu meinem täglichen Freizeitvergnügen gehört.)

Robinsons Text endet so:

Criminality aside, I am going to gamble that no one’s ever written a letter like this about Brad Pitt. And not because Brad Pitt hasn’t not done this either. If you know what I mean.

Oooookay …

Nachdem wir uns alle geduscht und gesammelt haben, schauen wir mal, wie Bild.de diese (angebliche) Geschichte über einen Vorfall, der nach deutschem Strafrecht mit bis zu einem Jahr Freiheitsstrafe geahndet werden könnte, auf der eigenen Startseite bewirbt:

Mein Sex-Erlebnis mit einem Promi

Nachtrag, 30. Oktober: Auf Twitter weist Britscilla darauf hin, dass der vorgebliche Brief an Eugene S. Robinson erstaunliche Parallelen zu einer Geschichte aufweist, die Gawker schon vor dreieinhalb Jahren aufgeschrieben hatte.

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