„Ich bot meinen Rücken dar denen, die mich schlugen, …“

Von Lukas Heinser, 6. Juni 2007 19:02

„… und meine Wangen denen, die mich rauften.“ (Jesaja 50,6)

In Köln findet ja gerade der großangelegte Gegenentwurf zu G8-Gipfel und -Gegendemonstrationen statt: der Evangelische Kirchentag. Das ist mir irgendwie sympathischer und die schöneren Bilder gibt es da auch.

So ließ es sich der WDR gerade nicht nehmen, während der Grußworte von Frank-Walter Steinmeier und Jürgen Rüttgers – die beide beim Versuch einer Johannes-Rau-Impersonation kläglich scheiterten – demonstrativ zu zeigen, wie Zuschauer den Ort des Geschehens verließen. Manchmal ist ein Rücken eben eine deutlichere Botschaft als eine Stirn oder gar Faust …

Franz Josef Wagner schaut in den Abgrund

Von Lukas Heinser, 6. Juni 2007 17:34

Franz Josef Wagner ist ja dafür bekannt, dass er mitunter recht interessante Gedankengänge hat und sich nicht scheut, diese den Millionen Lesern der „Bild“-Zeitung auch mitzuteilen. Man kann ihn wegen seiner Briefe für völlig durchgeknallt halten oder für brillant. Ich bin mir immer noch nicht ganz sicher, was ich von ihm halten soll und lese seine Kolumnen auch zu selten, um mir ein finales Urteil zu erlauben. Deswegen habe ich auch erst gerade via Spiegelfechter mitbekommen, was Wagner gestern für einen Brief an die Bundeskanzlerin geschrieben hat, der in den folgenden Sätzen … äh: gipfelt.

Liebe Angela Merkel, schreibt die Weltpresse Sie so hoch oder sind Sie wirklich so hoch auf dem Gipfel Ihres Lebens?

Mir würde schwindelig werden auf diesem Gipfel. Wenn ich in den Abgrund schaue.

Die ganze Prosa in 116 Wörtern gibt’s hier – und nächstes Jahr vermutlich im Deutsch-Zentralabitur.

Ich schaue mir gern erste Teile an

Von Stephan Flory, 6. Juni 2007 12:41

Es ist wie jedes Jahr, aber es scheint jedes Jahr noch ein kleines Stück schlimmer zu werden. Im Sommer gehören die Kinos den Fortsetzungen. Dieses Jahr sind es vor allem die dritten Teile, die die Leinwände für originäre Stoffe nahezu komplett blockieren. „Spider-Man 3“, „Fluch der Karibik 3“, ab übermorgen noch „Ocean’s 13“, und am 21.6. folgt dann auch noch „Shrek der Dritte“ – über etwas anderes wird in den Massenmedien nicht mehr berichtet.

Trotz der Dauerpropaganda für die 300-Millionen-Dollar-Filme (mit dem noch einmal so großen Werbeetat) sendet das Publikum noch schwache Hilferufe nach neuen Stoffen. In den USA machte sich das letztes Wochenende damit bemerkbar, daß „Pirates of the Caribbean 3“ in seiner zweiten Spielwoche deutlich über 60% seines Umsatzes einbüßte und in Sachen Kopienschnitt (Umsatz pro an die Kinos ausgelieferter Kopie des Films) sogar von der Komödie „Knocked up“ (Teil 1 wohlgemerkt) überholt wurde. Bei uns in Deutschland halten sich unterdessen kleinere, originelle Filme wie „2 Tage Paris“ oder „Fracture“ erstaunlich gut und büßen kaum Zuschauer ein, während sich die Zuschauerzahlen der Piraten oder gewisser Spinnenmänner jede Woche nahezu halbieren. Wen wundert das, folgen doch sämtliche dritte Teile auf schwache Fortsetzungen, die allenfalls wirtschaftlich mit ihrem Vorgänger mitzuhalten vermochten, keinesfalls jedoch qualitativ. „Spider-Man 2“ und „Fluch der Karibik 2“ fügten dem Konzept ihrer Vorgänger nichts Neues hinzu, „Ocean’s 12“ hatte nichts vom Elan des ersten Teils und „Shrek 2“ ging der intelligente, bissige Witz des Originals völlig ab.

Wer sich allerdings nicht gezielt informiert, der erfährt im Prinzip nichts von den Alternativen. Höchstens durch Mundpropaganda spricht sich so mancher qualitativ hochwertige Film doch mal noch herum und findet so auch nicht nur in der ersten Woche seine Zuschauer. Schaut Euch also das Kinoprogramm genau an, bevor Ihr einfach nur dem Hype folgt. Es gibt trotz des Verdrängungswettbewerbs doch immer noch den ein oder anderen Film zu entdecken, der Euch mit einer frischen Idee unterhält und nicht mit einer doppelt aufgewärmten.

Shame For You

Von Lukas Heinser, 6. Juni 2007 12:30

Eigentlich mag ich den iTunes Store. Dort bekommt man schnell und relativ preiswert Songs, die man mitunter schon lange gesucht hat. Man kommt problemlos an B-Seiten, Compilation-Beiträge oder noch exotischere Songs seiner Lieblingskünstler und manchmal kann man auch echte Schnäppchen ergattern.

Dass niemand perfekt ist, zeigt sich aber auch beim Beispiel iTunes mal wieder: Seit einigen Tagen bietet Apple in seinem Musikladen auch DRM-freie Dateien an – packt allerdings die Nutzerdaten des Kunden in die Datei.
Und ich ärgere mich gerade über folgendes:

Jamie T bei iTunes

Nicht nur, dass man offenbar zu blöd war, den Namen der fantastischen Lily Allen richtig zu schreiben: Man erweckt auch noch den Eindruck, Jamie T hätte seinen sehr coolen Song „Sheila“ für die Single-Veröffentlichung noch mal als Duett mit der charmanten Lily Allen neu eingespielt. Dem ist, wie ich inzwischen festgestellt habe, nicht so. Dafür habe ich jetzt 99 Cent für einen Song bezahlt, den ich in genau der gleichen Version schon besitze (nämlich auf Jamie Ts sehr empfehlenswertem Album „Panic Prevention“). Für weitere 99 Cent gab es dann aber tatsächlich eine Zusammenarbeit mit der schnuckligen Lily Allen: das charmant verspulte „Rawhide“ (nicht das Lied aus dem Blues-Brothers-Film), das man sich (ganz kostenlos) auch auf Jamie Ts MySpace-Seite anhören kann.

Update, 07.06. 00:45 Uhr: Wie ich aus zuverlässiger Quelle erfahren habe, übernimmt man bei iTunes die Daten, die von der jeweiligen Plattenfirma geliefert werden. Ich möchte das „zu blöd“ also von iTunes abziehen und bei Virgin vor die Tür stellen.

Lieder für die Ewigkeit: New Radicals – You Get What You Give

Von Lukas Heinser, 4. Juni 2007 14:30

Berlin (hat nicht so direkt was mit den New Radicals zu tun)

Vor ziemlich genau acht Jahren begann – in musikalischer Hinsicht – ein neues Leben für mich. Die letzte Klassenarbeit des Schuljahres, ja: der Mittelstufe, war geschrieben, die Bundesjugendspiele überlebt und ich saß in einem Zug Richtung Berlin. Wir fuhren gerade durch ein ostwestfälisches Regengebiet, der Himmel war tiefrot, als ich im Bordradio ein Lied hörte, das mir außerordentlich gut gefiel. Zu meiner großen Überraschung sagte der Eins-Live-Moderator danach sogar, um was für ein Lied es sich gehandelt hatte. Ich notierte mir: „New Radicals – You Get What You Give“. Danach klarte es auf.

In Berlin hatte ich für die nächsten Tage einen Ohrwurm von dem Lied und als ich mir das Album „Maybe You’ve Been Brainwashed Too“ nach zwei Wochen des Abwägens (CDs waren auch 1999 für Schüler schon teuer und „illegal runterladen“ gab es kannten wir damals noch nicht) schließlich gekauft hatte, war sie eine von den zwei Platten, die ich den ganzen Sommer über immer abwechselnd gehört habe. (Die andere war „The Unauthorized Biography Of Reinhold Messner“ von Ben Folds Five.)

Etwa einen Monat später hatten sich die New Radicals aufgelöst, weil ihr Kopf Gregg Alexander keine Lust mehr hatte auf kommerziellen Erfolg und mediale Ausschlachtung. Er arbeitete hernach lieber als Produzent weiter und schuf mit Texas („Inner Smile“), Ronan Keating („Life Is A Rollercoaster“), Sophie Ellis-Bextor („Murder On The Dancefloor“) und sogar Rod Stewart („I Can’t Deny It“) und Carlos Santana („The Game Of Love“ mit Michelle Branch) noch einige weitere Popperlen, die im Prinzip „You Get What You Give Reloaded“ waren. Die New Radicals wurden somit automatisch zum One Hit Wonder, weil „Someday We’ll Know“, die zweite und letzte Single der Band, nicht an die weltweiten Erfolge von „You Get What You Give“ anknüpfen konnte. Bei Gregg Alexander würde es mich nicht wundern, wenn auch diese bewusste Reduktion auf einen Song Teil des Plans war – trotzdem finden sich auf dem Album elf zeitlose Popsongs, die der Perfektion immer wieder ganz nahe kommen, und einen durchgedrehte Track, dessen Lyrics zwar im Booklet stehen, aber einfach nicht gesungen werden. Es ist der Titeltrack des Albums.

Für mich, der ich bis dahin etwa zwanzig Film-Soundtracks, sowie Alben von Phil Collins und der Lighthouse Family besaß, war der Sommer 1999 und die Entdeckung der New Radicals der Beginn einer Liebe zur Musik.

Liveblog: Deutschland – San Marino

Von Lukas Heinser, 2. Juni 2007 18:30

18:30 Uhr Ich begrüße die Zuschauer hier in meinem Elternhaus und an den heimischen Computern und wünsche uns allen einen schönen Fußballabend. Den wird es leider nicht geben, denn moderiert wird das Rahmenprogramm von Johannes Bekerner, der offenbar den Gerhard-Delling-Wortspielpreis der Kriegsblinden gewinnen will.

Hier geht es weiter.

They Love To Torture Us

Von Lukas Heinser, 1. Juni 2007 22:36

Ist ja schön und gut, ProSieben, dass Ihr auf einen neuen Sendeplatz wechselt und mir das mitteilt. Aber warum muss das mit einem Textbalken mitten im Bild sein, der die ganze Zeit über zu sehen ist? Außer bei Werbung und eigenen Trailern …

Darth Vader lernt lesen mit ProSieben

Walfangverbot

Von Oliver Ding, 1. Juni 2007 21:33

Irgendjemand ließ heute unvorsichtigerweise mal wieder einen durchaus vertrauten URL fallen. Auf http://www.nme.com/magazine schaut man als musikinteressierter Mensch ja gerne mal nach, wenn man sich über die aktuellen Hypes informieren will. Und was blinkt einem da entgegen? Beth Ditto, Sängerin von The Gossip, in voller Größe und mit relativ wenig Textil. Beth Ditto auf dem NME-Cover Mancher wird dem Magazin unterstellen, dieses Covermotiv sei mutig. Mancher wird sich verschämt abwenden. Und mancher auch einfach nur reflexartig in seine Hose greifen. Sei’s drum – wichtiger als die persönliche Einstellung gegenüber Adipositas ist ohnehin die Musik. Die von The Gossip kann einiges, was man nicht nur daran ablesen kann, dass bei den geschätzen Kollegen von tonspion.de „Standing in the way of control“ 2006 zum MP3 des Jahres gewählt wurde.

Dass aber das mit dem Coverfoto ausgerechnet am Tag passiert, an dem die internationale Walfangkommission verkündet, dass das Walfangmoratorium fortgesetzt wird, ist sicherlich nur Zufall. Oder? Zum Glück kennen die beim NME Jacky D nicht.

Programmhinweis

Von Lukas Heinser, 1. Juni 2007 17:12

Nach dem großen Erfolg des Grand Prix Liveblogs mit integriertem Saufspiel will ich morgen mal wieder ein solches starten. Der Grund Vorwand ist das Länderspiel Deutschland – San Marino, bei dem jeder Treffer der deutschen Mannschaft gefeiert werden will. Das Hinspiel endete 13:0

Fußball-Liveblog
Deutschland – San Marino
Samstag, 2. Juni 2007
ab 18:30 Uhr
auf coffeeandtv.de

Hat man beim WDR etwas gegen Veronica Ferres?

Von Lukas Heinser, 1. Juni 2007 1:13

Ich habe seit Montag im WDR zwei Dokumentationen über Jörg Immendorff gesehen, die zwar teilweise aus dem gleichen Material bestanden, aber eben doch zwei verschiedene Filme waren.

In beiden Filmen waren Ausschnitte von öffentlichen Veranstaltungen zu sehen (die Eröffnung der Retrospektive in der Neuen Nationalgalerie 2005 und die Übergabe des Kanzlerporträts im Frühjahr 2007), bei denen neben Immendorff jeweils Gerhard Schröder und Veronica Ferres zugegen waren. Und, ungelogen: Jedes mal, wenn Frau Ferres im Bild war, sagte die Sprecherin gerade etwas von „Nutznießern“, „Bussi-Bussi-Gesellschaft“ und Leuten, die Immendorff am Ende „zuwider“ gewesen seien. Das kann doch kein Zufall mehr sein, oder?

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