Imagine all the people

Von Lukas Heinser
Veröffentlicht: 19. Mai 2007 13:37

Yoko Ono hat schon vor einiger Zeit die Rechte sämtlicher John-Lennon-Solosongs zur Verfügung gestellt, auf dass sie von namhaften Künstlern gecovert und zu Gunsten von Amnesty International online verkauft werden können. Die Idee ist natürlich insofern brillant, als durch den Onlineverkauf die ganzen Kostenfaktoren wie Presswerk, Vertrieb und Einzelhandel völlig vernachlässigt werden können. Zuletzt haben z.B. R.E.M. (in Originalbesetzung) “Dream #9″ gecovert und Green Day “Working Class Hero”. Ersteres ist (wie zu erwarten war) ziemlich fantastisch geworden, letzteres eher grenzwertig. Da aber auch zuletzt schon die Manic Street Preachers an dem Song scheiterten, könnte man sich vielleicht darauf einigen, dass “Working Class Hero” schon im Original nicht zu den besten Lennon-Songs gehört.

Aus der Sicht deutscher Musikfans besonders interessant sind vielleicht die heimischen Bands, die sich an dem Projekt beteiligen: Tokio Hotel haben es tatsächlich geschafft, eine gar nicht mal so unspannende Version von “Instant Karma” aufzunehmen, und auch MIA. retteten “Mind Games” gekonnt in ihren eigenen Klangkosmos.

Ganz neu dabei sind Tomte, denen es – wie zuvor schon die Barenaked Ladies – gelang, aus der eher unspannenden Nabelschau “Oh Yoko” ein wunderbares Kleinod herauszudestillieren. Es wird vielleicht doch mal Zeit, dass Tomte ihr – seit langem immer mal wieder lose angekündigtes – englischsprachiges Album aufnehmen …

“Es gibt doch nichts Schlimmeres als nervende B-Promis.”

Von Lukas Heinser
Veröffentlicht: 19. Mai 2007 12:51

Wie jeder Fußball- und Nicht-Bayern-Fan, so habe natürlich auch ich eine ordentliche Abneigung gegen den FC Bayern München. Wie viele andere Nicht-Bayern-Fans hege aber auch ich große Sympathien für Mehmet Scholl. Der Mittelfeldspieler, der sich auch als Sampler-Kompilierer einen Namen gemacht hat, beendet heute seine Karriere als Profifußballer.

Grund genug für die Süddeutsche Zeitung, noch einmal ein ausführliches Interview mit ihm zu führen – auch wenn er sonst ungern Interviews gibt:

Ich wollte mich eben nur dann äußern, wenn ich auch etwas zu sagen habe. Ich wollte das Gefühl haben, dass mir jemand zuhört. Viele Leute geben Interviews nicht, weil sie was zu sagen haben, sondern weil sie wo erscheinen möchten. Sie beziehen ihren Marktwert daher und werden mit Werbeverträgen belohnt. Das ist in Ordnung. Aber nichts für mich.

Es ist ein Anekdotenreiches, selbstkritisches und versöhnliches Interview, das einmal mehr das Bild bestätigt, das man von Mehmet Scholl allgemein so hat: Ein Typ, den man in einer Kneipe erst auf den zweiten Blick entdeckt, dem man ein Bier ausgeben und sich nett mit ihm unterhalten würde.

Mir ging es um den Erhalt einer gewissen Lebensqualität – und zudem darum, den Leuten nicht auf die Nerven zu gehen. Es gibt doch nichts Schlimmeres als nervende B-Promis.

Es ist aber auch nicht zuletzt deshalb ein tolles Interview, weil man sich die Szenerie (zweieinhalb Stunden im Restaurant, am Nebentisch sitzt Stefan Effenberg nebst Gattin) so lebhaft vorstellen kann – inklusiver der ungläubigen Blicke der SZ-Redakteure bei dieser Szene:

Mehmet Scholl: Stellt’ euch mal vor, ich täusch’ an und laufe auf Uli Hoeneß auf. Dann sinke ich wie die Titanic!

SZ: Das will ja keiner. Wo werden Sie dann künftig Ihren Spieltrieb ausleben?

Mehmet Scholl: Kegeln werde ich.

SZ: KEGELN?

Ich wünsche Mehmet Scholl, dass er heute noch mal ein Tor schießt (es wäre sein erstes in dieser Saison) – und nur seinetwegen dürfen die Bayern heute ausnahmsweise mal gewinnen.

Lieder für die Ewigkeit: Phantom Planet – California

Von Lukas Heinser
Veröffentlicht: 18. Mai 2007 17:49

California (Highway No 1)

Ich höre gerade ein Mixtape, das ich mir vor ziemlich exakt fünf Jahren aufgenommen hatte, wenige Tage nach meinen schriftlichen Abiturprüfungen. Diese Zeit war (im Gegensatz zur Zeit des Studienabschluss jetzt) von der Aura des Besonderen geprägt, entsprechend Bedeutungsbeladen wirken die dort versammelten Lieder auch heute noch auf mich. Unter den 24 Songs war einer, der es besonders in sich hatte: “California” von Phantom Planet.

Ich hatte das Lied (und das dazugehörige, sehr empfehlenswerte Powerpop-Album “The Guest”) im Frühjahr 2002 entdeckt. “California” war eine Hymne, Musikgewordene Lebensfreude mit einem winzigen Schuss Melancholie, kurzum: ein Lied, das perfekt in diese Zeit passte. Trotzdem brachte es Phantom Planet nicht den erhofften und verdienten Durchbruch in Deutschland, auch das selbstbetitelte (und längst nicht so gute) Nachfolgealbum ging unter.

Entsprechend überrascht war ich, als “California” vor zwei Jahren plötzlich überall lief: Im Vorspann der (zumindest in der ersten Staffel ziemlich unterhaltsamen) US-Serie “O.C., California” und infolgedessen auch in allen Radiostationen und Charts. Meine Freude, dass endlich mal ein von mir für gut befundenes Lied so weite Verbreitung erfahren hatte, erlitt auf dem Abiball meiner Schwester einen kleinen Dämpfer: Da waren junge Menschen, die drei Jahre nach mir ihren Abschluss machten, und auf ihrer Abschlussfeier mein Lied grölten, das sie aus einer doofen Fernsehserie kannten. Ich fühlte mich in gewisser Weise meiner Jugend beraubt.

Im vergangenen Jahr war ich für drei Monate in San Francisco und natürlich durfte “California” auf meinem extra für diesen Aufenthalt zusammengestellten Sampler nicht fehlen. Als mich ein Freund aus Deutschland besuchte und wir im Auto den Highway No. 1 Richtung Santa Cruz hinabfuhren, sprang der CD-Wechsler des Autos auf “The Guest” um. Die ersten Takte von “California” erklangen und obwohl wir uns über das Klischee amüsierten, das diese Szene umgab, passte der Song gleichzeitig doch perfekt zu der malerischen, sonnendurchfluteten Landschaft der Pazifikküste. Und so sangen wir “Califoooooorniaaaaaaaaaaaa, here we coooooooooooome!”

Here we are now, entertain us!

Von Lukas Heinser
Veröffentlicht: 17. Mai 2007 19:46

“TV Total” ist nicht mehr so gut, wie es früher einmal war. Das wissen wir spätestens seit Peer Schaders Artikel für die FAS (und, äh: die WAZ). In der Tat taucht fast nichts mehr von dem, was die Sendung früher ausmachte (und ihr ihren Namen gab) in den heutigen Shows auf.

Auf der anderen Seite gilt: Stefan Raab ist besser denn je. Beinahe unbemerkt hat er bei Pro 7 all die Posten besetzt, für die andere Sender eine halbe Fußballmannschaft, wenigstens aber Thomas Gottschalk, Harald Schmidt, Dieter Bohlen, Günther Jauch, Ralph Siegel und, äh: Axel Schulz brauchen. Er hatte als Musiker bisher acht Top-Ten-Hits, schickte drei Acts (darunter sich selbst) zum Schlager-Grand-Prix, erfand hernach aus Trotz über die erfolglosen Teilnahmen den Bundesvision Song Contest, ist Wok-Weltmeister und Grimme-Preis-Träger, sowie mehrfach wegen Verletzung der Persönlichkeitsrechte verurteilt worden. Zuletzt sorgte er für eine Renaissance der Samstagabendshow und wenn er demnächst seine Casting-Show “SSDSDSSWEMUGABRTLAD” startet, kann man sicher sein, dass auch dies ein Erfolg und eine wichtige Unterstützung des Musiknachwuchs sein wird.

In der letzten Zeit legt Raab bei “TV Total” das Verhalten an den Tag, das bei Harald Schmidt zu beobachten war, als der noch von allen (und vor allem: zu Recht) gut gefunden wurde: Er wirkt immer mehr, als interessiere ihn die Sendung gar nicht mehr, und setzt dadurch neue Akzente. So verbrachte er vor einigen Monaten die Hälfte der Sendung auf einem Segway stehend und wie wild durchs Studio rollend – eine Aktion, für die Schmidt gleich drei Grimmepreise bekommen hätte.

Gestern zeigte Stefan Raab mal wieder eine neue Seite: Bei “TV Total” war der Pianist Martin Stadtfeld zu Gast, mit dem sich Raab ein zunächst etwas zickig wirkendes, dann aber höchst unterhaltsames Gespräch lieferte. Je länger sich die Beiden unterhielten, desto offenkundiger wurde Raabs Faszination auch für die klassische Musik. Er warf mit Mozart und Bach um sich, schaffte es aber anfangs noch gekonnt, den Gast als Feingeist und sich selbst als albernen Halb-Intellektuellen zu inszenieren. Als er sein Publikum im Saal und vor den Fernsehgeräten dann vollends verloren hatte, war er aber mit so viel Freude dabei, dass ein weiterer angekündigter Gast schlichtweg auf seinen Auftritt verzichten musste. Stattdessen gab es – wohl erstmalig in der Geschichte von Pro 7 – Bach (Johann Sebastian, nicht Dirk oder Bodo) auf dem Konzertflügel.

Seit diesem Auftritt (der Stadtfelds aktuelle CD in den Amazon-Verkaufsrängen nach oben schießen ließ), frage ich mich, wie Raab wohl ohne sein Publikum wäre. Ohne den ewigen “Showpraktikanten” Elton und ohne die pubertären Scherze, die die Zuschauer erwarten. Was zum Beispiel passierte, wenn man ihm eine Sendung bei 3Sat gäbe (Absurde Idee? Oliver Pocher wechselt zur ARD!).

Man kann von Stefan Raab halten, was man will, aber er ist wahrscheinlich einer der fünf wichtigsten Medienmenschen in Deutschland. Was er macht, zieht er mit einem mitunter beunruhigenden Ehrgeiz und Ernst durch. Und er schafft es heutzutage noch, medienwirksame “Skandale” auszulösen, die nur indirekt etwas mit Talentshow-Jurys zu tun haben. Eigentlich könnte er “TV Total” doch einfach ganz Elton überlassen …

Who Let The Dogs Out?

Von Lukas Heinser
Veröffentlicht: 17. Mai 2007 12:48

Wenn der Artikel nicht hält, was die Überschrift verspricht …

Star-Coach Mourinho rastet wegen Terrier aus
(Screenshot: Spiegel Online)

Bei dieser Meldung dachte ich als alter Borussia-Mönchengladbach-Fan (Bitte, keine Häme!) natürlich: “Was hat Berti Vogts jetzt angestellt?”

Die Wahrheit ist eher öde: Weil der Hund (Sie ahnen die Rasse) des Chelsea-Trainers nach einer Auslandsreise angeblich ungeimpft nach Großbritannien eingeführt wurde, wollte die Polizei das Tier nach den landesüblichen Vorschriften in Quarantäne packen. Daraufhin rastete der mitunter als cholerisch bezeichnete Coach aus. Toll!

“Wir nennen es ‘Rad’ …”

Von Lukas Heinser
Veröffentlicht: 16. Mai 2007 19:14

Sony-BMG-Chef Rolf Schmidt-Holtz erklärt in der Financial Times Deutschland, dass sein Konzern, der sich bei der Fusion von Sony und BMG aus Wettbewerbsgründen von seinen Musikverlagen trennen musste, einen Musikverlag gründen will.

Ganz nebenbei plaudert der Chef des weltweit zweitgrößten Musikkonzerns eine echte Innovation aus:

Zusätzlich sollen neue CD-Formate den Umsatz stärken. “Bei jungen Künstlern kann man zum Beispiel ein Album mit sechs Titeln machen”, so Schmidt-Holtz. Der Preis werde bei etwa 5 $ bis 6 $ je Album liegen.

Was sagt man dazu? Vielleicht: “Herzlichen Glückwunsch, Schmidt-Holtz! Sie haben soeben die EP erfunden …”

Ich gehöre nicht dazu

Von Lukas Heinser
Veröffentlicht: 16. Mai 2007 17:57

Vergangene Woche wurde ich von meinem besten Freund, den ich seit meinem ersten Tag am Gymnasium kenne (damals wollte ich ihm eine reinhauen), gefragt, warum ich denn immer noch nicht beim StudiVZ angemeldt sei. Da seien doch schließlich fast all unsere Freunde und Bekannten aus Schulzeiten und man könne so doch super in Kontakt bleiben. Ich erging mich in einem halbstündigen Vortrag, den ich – weil ich die Argumente einmal beisammen hatte – hier Auszugsweise wiedergeben will:

Persönliche Daten
Ich weiß, dass meine Daten im Internet nirgendwo wirklich sicher sind. Trotzdem würde ich sie nur äußerst ungern nie bei einem Anbieter hinterlegen, der schon mehrfach durch Sicherheitsmängel aufgefallen ist und in seinen “Datenschutzerklärungen” andeutet, möglicherweise meine Privatkorrespondenzen lesen zu wollen. Ferner schreckt es mich ab, wenn in den AGBs eine “vom Betreiber nach billigem Ermessen festzusetzende [...] Vertragsstrafe” in den Raum gestellt wird, die “auf erstes Anfordern an den Betreiber zu zahlen” sei. Diese würde bei penibler Auslegung der AGBs zum Beispiel fällig, wenn nicht “alle von ihm [dem Nutzer] gegenüber dem Betreiber angegebenen persönlichen Daten der Wahrheit entsprechen” – ich also beispielsweise meine Körpergröße oder Augenfarbe (keine Ahnung, ob man die im Profil angeben kann, ich kann ja von außen nicht mal probeweise reingucken) nicht korrekt angebe.

Die Macher
Manchen Jungunternehmern steigt es zu Kopf, wenn sie plötzlich mit Geldsummen zu tun haben, die ihre Eltern in einem ganzen Leben harter und ehrlicher Arbeit nicht ansparen können. Manchen von ihnen entgleitet irgendwann alles. Ehssan Dariani, einer der drei StudiVZ-Gründer, benimmt sich hingegen nur wie die Axt im Walde: Er verfügt über eine recht eigentümliche Auffassung von “Satire” und Frauen. Das kann man natürlich als persönliche Erziehungsdefizite abtun, für mich hingegen ist klar, dass ich mit solchen Leuten so wenig wie möglich zu tun haben möchte.

Die Grundidee
Das Medium heißt Internet und eine seiner Stärken ist, dass man damit ganz schnell Kontakte knüpfen kann – weltweit eben. Wozu brauche ich da eine Plattform, die sich an die “Randgruppe” (etwas mehr als 2% Anteil an der Gesamtbevölkerung der Bundesrepublik) deutschsprachiger Studenten richtet, wenn es Portale für alle gibt? Klar: Es gibt auch Fan-Foren für Tokio Hotel und Newsgroups für Kernphysiker. Das sind noch kleinere Zielgruppen. Aber bei denen sehe ich wenigstens ein, warum die unter sich bleiben wollen.
Ich habe aber generell ein Problem mit In-Kontakt-bleiben- und Neue-Leute-Kennenlernen-Plattformen: Wenn sich meine früheren Mitschüler für mich interessieren würden, wäre es ein Leichtes für sie, meine E-Mail-Adresse herauszufinden (falls sie die nicht eh hätten) oder mich über meine Eltern zu kontaktieren. Die, äh: geringe Anzahl von Kontaktaufnahmen seit unserem Abitur vor fünf Jahren lässt für mich den Schluss zu, dass das Interesse so groß nicht sein kann. Jede “Und was machst Du jetzt so?”-Botschaft im StudiVZ wäre also genauso albern wie ein Klassentreffen. Mit den Mitschülern, die wirkliche Freunde waren, stehe ich auch heute noch in (unregelmäßigem, aber herzlichen) Kontakt – auch ohne StudiVZ.
Und wieso sollte ich online Kommilitonen adden, mit denen ich im Seminarraum kein Wort spreche? Ganz extrem wird das dann an Geburtstagen: Wenn mir jemand gratuliert, möchte ich mir wenigstens vorstellen können, dass er dies tut, weil ich ihm etwas bedeute und er sich deshalb das Datum gemerkt oder aufgeschrieben hat. Ich habe sehr gute Freunde, die bis heute nicht wissen, wann ich mein Wiegenfest begehe, und das ist für mich völlig okay. Aber wenn mir Wild- und Halbfremde gratulieren, nur weil ihnen ein Computerprogramm automatisch mitteilt, dass sie dies zu tun hätten, fühle ich mich wie ein Kind, dessen Großeltern an Weihnachten den korrekten Namen vom Geschenkpapier ablesen müssen. Außerdem sollte ein Gespräch nicht schon mit dem Dank des Jubilars für die Glückwünsche enden, weil man sich sonst nichts zu sagen hat.

Die Übersättigung
Ich habe je einen Account bei ICQ und Skype; bin bei jetzt.de, last.fm, MySpace, xing.com und Livejournal angemeldet; kann bei Amazon, eBay und im iTunes Store einkaufen und treibe mich mehr oder weniger regelmäßig in mindestens einem Dutzend Blogs, Webforen und Newsgroups rum. Ich habe keinen Nerv mehr, mir noch einen Usernamen ausdenken zu müssen, nur weil mein Standardnick schon vergeben ist. Ich weiß, dass jegliche Sorgen zum Datenschutz längst absurd sind: Sollte ich morgen mein Gedächtnis verlieren, kann ich mir alles Wissenswerte (und sehr viel Unwichtiges) über meine Person im Internet zusammensuchen.
Mit nur 23 Jahren hat sich bei mir eine gewisse Technikmüdigkeit eingestellt und will gar nicht mehr wissen, was Twitter, Meebo und Seekfreed sind.
Trotzdem kommt alle paar Monate irgendwas daher, von dem ich nie dachte, dass ich es brauchen würde, was mich aber fesselt und fasziniert.

Für StudiVZ gilt aber das, was ich meinem Freund gleich zu Beginn meiner Tirade sagte: “Ich melde mich da an dem Tag an, an dem ich ein Bild-Zeitungs-Abo abschließe und mir einen Ken-Follett-Roman kaufe.”

Dinslaken, Rock City: The Rumours

Von Lukas Heinser
Veröffentlicht: 15. Mai 2007 15:17

Ich hatte vor ein paar Wochen angedroht, die umfangreiche Musikszene meiner “Heimatstadt” Dinslaken vorstellen zu wollen. Inzwischen weiß wohl die halbe Welt, dass die neuen Indielieblinge Kilians von dort wegkommen, und nachdem der ebenfalls ortsansässige König des Popschlagers Michael Wendler auf Platz 27 der deutschen Singlecharts eingestiegen ist, ist es an der Zeit, die nächste Angriffswelle zu sichten.

Deswegen jetzt und hier herzlich Willkommen zu

Dinslaken, Rock City
Heute mit: The Rumours

The Rumours

Wer ist das?
Vier junge Männer zwischen 19 und 21 Jahren, die das machen, was junge Männer in dem Alter so machen: noch zur Schule gehen, Zivildienst leisten, studieren und in ihrer Freizeit rocken, rocken, rocken.

Was machen die?
Was Bands in dem Alter halt so machen: Indierock britischer Bauart mit Einflüssen aus den letzten dreißig Jahren Musikgeschichte. Wobei die Band Wert darauf legt, dass auch The Doors und die Beatles zu ihren Vorbildern zählen.

Die klingen ja wie …
The Libertines, Arctic Monkeys, Dirty Pretty Things, Babyshambles, Kilians, Madrugada, The Vines, …

Warum die?
Weil The Rumours – ganz ähnlich wie die Kilians – den Rock’n’Roll nicht nur spielen, sondern auch leben. Also eben nicht vier Lehrerkinder, die sich erst mal für teures Geld Equipment zusammenkaufen und dann unbewegt ihre Durchschnittrocknummern runterleiern, sondern eine Band, die mit Blut, Schweiß und Tränen bei der Sache ist.
Bei einem ihrer letzten Auftritte coverten sie “What Katie Did” und ich konnte meiner Begleitung hernach nur noch ein überdrehtes “Who needs Peter fucking Doherty?” ins Ohr krächzen.

Erfolgspotential
Falls mal wieder ein Labelchef darüber stolpert: hoch.
Die Kids werden es lieben, schon wieder eine Dinslakener Band zu sehen, die sich einbildet in Camden zu wohnen. Die engstirnigeren Vertreter des Indietums werden natürlich wieder jammern, dass das ja alles klinge wie irgendeine andere Band (die ihrerseits natürlich Rad, Rock’n’Roll und Rhabarberkuchen erfunden hat) und überhaupt so gar nicht deutsch sei.

Jetzt will ich mir aber selbst ein Bild machen!
Bitteschön: Wie heute allgemein üblich geht das sehr schön bei MySpace, wobei die dort abhörbaren Songs schon etwas älter sind. Die neuen sind noch besser, im Moment aber nur live zu erleben (Livetermine gibt’s da aber auch). Und für den Fall, dass der Webmaster in die Puschen kommt, gäbe es unter therumours.de dann auch eine eigene Website.

Hofnarr bei den Gremlins

Von Lukas Heinser
Veröffentlicht: 14. Mai 2007 15:49

Nach so viel Trash und Diskussionen am Wochenende wollte ich heute eigentlich mal wieder über Hochkultur schreiben.

Dann passierte das hier:

Oliver Pocher wechselt zur ARD und wird ab Oktober mit Harald Schmidt die neue Late-Night-Show “Schmidt & Pocher” präsentieren. Damit wird die bisherige Show von Harald Schmidt ersetzt.

Es war zu befürchten: Kaum war der dauerpubertäre Langweiler am üblichen Ende der medialen Verwertungskette angekommen und wurde in einem entlarvenden Porträt bei Polylux vorgestellt, ist er für die ARD ein kalkulierbares Risiko und wandert ratzfatz in die erste Reihe der Abendunterhaltung. Der Sender, der noch vor kurzem die Verpflichtung des Publikumslieblings Günther Jauch so öffentlichkeitswirksam versemmelt hatte, holt sich jetzt also einen, äh: Publikumsliebling, dessen letzte Arbeiten für das öffentlich-rechtliche Fernsehen in gerichtlichen Auseinandersetzungen endeten.

Pocher hat zwei Möglichkeiten:
a) Er gibt Vollgas, bleibt sich und seinem Humor treu – dann hat er in etwa jeder dritten Sendung einen guten Moment und schafft gleichzeitig in der Beschwerdestelle der ARD zwanzig neue Arbeitsplätze.
b) Er nimmt sich zurück, weil die ARD-Redakteure mit erhobenem Lineal hinter ihm stehen, jederzeit bereit, ihm eine hinter die Löffel zu geben, wenn statt “neuer Impulse” (WDR-Programmdirektorin Verena Kulenkampff) nur Beschwerden von BR-Granden und ARD-Zielgruppe kommen.

Für Schmidt ist das alles eigentlich egal. Wer sich zuletzt (also in den letzten fünf Jahren) von einem selbstverliebten Redaktionsleiter an die Wand quasseln (und leider viel zu oft auch: brüllen) ließ und völlig ironiefrei bei “Unser Charly” und dem “Traumschiff” mitmacht, wird wohl kaum mehr Ehrgeiz entwickeln, wenn neben ihm plötzlich ein lautstarker, aber eben vor allem auch professioneller Comedian sitzt. Schon der Name der neuen Show deutet eine Rückzugsmöglichkeit an: Wenn die Show nicht noch erfolgloser wird als Schmidts aktuelle, heißt sie ab Herbst 2008 eben “Pocher & Schmidt” und ab 2009 “Oliver Pocher”.

Letztendlich müssen wir natürlich erst einmal abwarten, wie die ersten Shows von “Schmidt & Pocher” so werden. Wenn Oliver Pocher bei Harald Schmidt zu Gast war, hatte das mitunter sehr witzige Momente. Heute überwiegt erst einmal die Überraschung, dass die ARD es tatsächlich geschafft hat, eine Überraschung zu landen.

Grand-Prix-Liveblog

Von Lukas Heinser
Veröffentlicht: 12. Mai 2007 20:55

Weil die Vorberichterstattung in der ARD mich ein wenig irre gemacht hat, kam mir die Idee, doch noch ein ganz spontanes Grand-Prix-Liveblog zu starten. Wenn alles gutgeht, gibt’s also hier gleich die halbherzige Nebenberichterstattung.

Hier geht es weiter.

Seite: << 1 2 3 ... 149 150 151 ... 159 >>