Mehr Abwechslung wagen

Von Lukas Heinser
Veröffentlicht: 28. April 2007 15:28

Ich will auf keinen Fall den Eindruck erwecken, ich hätte nichts besseres zu tun, als renommierten Musikmagazinen vergleichsweise nebensächliche Schreibfehler nachzuweisen. Zum einen ist es bei den Kilians, die vorher The Kilians hießen, wirklich nicht ganz einfach mit dem Namen (bis auf die Tatsache, dass da immer nur ein L im Bandnamen war); zum anderen habe ich erst letzte Woche den Namen von Conor Oberst mal wieder falsch geschrieben. Nehmen wir das nun folgende also lieber als Beispiel dafür, wie man durch verschiedenste Schreibweisen lästige Wiederholungen vermeidet und die eigene Arbeit auflockert.

Das Dortmunder Musikmagazin VISIONS hat in seinem aktuellen E-Paper u.a. einen Artikel über besagte Dinslakener Nachwuchsband. Dieser wird auf visions.de so angekündigt:

visions.de: “The Killians”

Im Inhaltsverzeichnis des E-Papers erfährt man dann, auf welcher “Seite” man den Artikel findet:

visions-weekly.de: “Kilians”

Und der Artikel selbst wird dann so überschrieben:

visions-weekly.de: The Kilians
(Alle Screenshots: visions.de/visions-weekly.de, Hervorhebungen: Coffee And TV)

Der russische Bärbeiß

Von Oliver Ding
Veröffentlicht: 27. April 2007 1:58

Vorgestern erst schaffte unser guter Freund Wladimir Putin seinen ehedem tapsigen Vorgänger unter die Erde, dem dessen Eltern den Namen einer französischen Wodka-Sorte gegeben hatten. Und heute sorgt er wieder für großen Spaß und Erinnerungen an den Kalten Krieg.

Ihr wisst nicht, was das ist? Tun wir also mal für einen Moment so, als gäbe es die Wikipedia nicht: Damals, als die Mauer noch stand und dafür sorgte, dass die einen Deutschen Bananen essen und BILD lesen konnten und die anderen Deutschen nicht, hatten die USA noch einen ebenbürtigen Feind. Die Sowjetunion, hierzulande auch gerne UdSSR abgekürzt und unsterblich im geworden Beatles-Song “Back in the USSR”, hatte die gleiche Unmenge an ABC-Waffen (die Klamotten, die George Dabbeljuh angeblich im Irak finden wollte) wie die USA. Und weil die Amis schon damals nur dann Krieg spielen wollten, wenn sie sicher waren, dass sie gewinnen werden und nicht eventuell doch eine Atomrakete aufs Haupt bekommen, machten sie mit den Sowjets eine Art Rasenschach. Nur ohne Rasen und ohne Schach. Man teilte die Welt in Blöcke auf und versuchte überall dort, wo man sich noch keinem Block zugehörig fühlte, mit Spionage, Sabotage und sonstigen Sauereien Fakten zu schaffen. “Der Feind meines Feindes ist mein Freund”, hieß es damals. Altmodisch, gell?

Nun will Putin also wieder Kalter Krieg spielen. Oder wenigstens die Abrüstung aussetzen. Das sorgt für Sorgenfalten in Brüssel, wo mittlerweile sogar ehemalige Sowjetrepubliken mit uns Westlern spielen, weil Abrüstung doch so wichtig ist. Lustigerweise bekommt aber die NATO ihre eigenen Abrüstungsselbstverpflichtungen selbst nicht so recht auf die Reihe. Und dann wundert man sich, wenn die Russen auch nicht weiter machen? Bitte sehr.

Natürlich gibt’s auch wieder den üblichen Dünnschiss aus Washington, wo man nach neuer Vorgabe “Wer nicht Feind meines Feindes ist, ist auch mein Feind” denkt. Condoleezza Rice lässt irgendwer Sachen sagen wie, dass russische Bedenken gegen ein paar Raketen in ihrem Vorgarten “einfach aberwitzig” seien. Sie hätte wohl auch kein Problem damit, wenn jemand ein paar Minen auf ihrer Veranda installiert. 

Die einzigen vernünftigen Gedanken hatte mal wieder Bundesaußensteinmeier Frank-Walter: “Die Nachrichten des heutiges Tages waren kein Vergnügen.” Aber sowas von.

Ein Klavier, ein Klavier!

Von Lukas Heinser
Veröffentlicht: 26. April 2007 18:35

Jetzt betreiben wir dieses Blog seit fast drei Monaten und ich habe immer noch keinen Satz über Ben Folds verloren. Das ist insofern skandalös, als Folds mein absoluter Lieblingskünstler ist, der gar nicht genug gewürdigt werden kann. Wer noch nie etwas von Ben Folds oder seiner früheren Band Ben Folds Five gehört hat, möge sich bitte erst ein paar Minuten schämen und diese Bildungslücke anschließend schließen.
Der Zustand des Nichtgeschriebenhabens ändert sich heute, denn gleich zwei, nun ja: überraschende bis verwirrende Meldungen aus dem Hause Folds erblickten das Licht der Welt:

Zum einen wird Folds das Solodebüt der Dresden-Dolls-Sängerin Amanda Palmer produzieren. Zwar bestand wohl nicht ernsthaft die Gefahr, Palmers Soloalbum könnte nicht auch ohne Folds gelingen, aber so besteht natürlich besonderer Grund zur Freude. Denn Folds’ letzte Produktionsarbeit war das kleine Meisterwerk “Has Been” von William “Captain Kirk” Shatner – und dessen Vorgänger aus dem Jahr 1969 gilt immerhin als eines der schlechtesten Alben ever. Wenn Folds also aus einem alternden Weltraumcowboy nur das Beste rausholt, was soll er dann erst bei Miss Palmer machen?

Zum zweiten ging heute per Newsletter und MySpace-Blog eine Botschaft in die Welt, die am Besten gleich wörtlich zitiert wird:

i need a vacation. but i hate vacations because i don’t know what to do with my time. so i stayed up all last night dialing up friends who play music who also want a vacation and most of them told me to call back when i was sober and not crying.

i’ll ring them up again today, but my point is that i’d like to get a lot of talented musical artists together in one holiday moment of glory with possibly a few comedians and have some kind of magical experience ..MAN.

the idea of painting a large bus psychedelic purple, not taking baths for a week and driving around the country jamming out on one chord about the war got shot down quickly. everyone wanted to bring their blackberry’s and sing about their record companies, then there was an issue because some of the musical acts wanted corporate sponsorship on the side of the bus etc. we’ll get everyone on board…. soon. my people will come up with something and contact their people who will contact your people and we’ll make my vacation fantasies come true.

Um eine Phrase zu vermeiden: Man darf gespannt sein.

Denkmal

Von Lukas Heinser
Veröffentlicht: 26. April 2007 11:45

Welches historische Ereignis wird hier auf spielerische Weise aufbereitet aufgegriffen?

Bilderraetsel

Der russische Bär

Von Oliver Ding
Veröffentlicht: 23. April 2007 23:15

Es gibt erschütternde Augenblicke. Wie, wenn man abends unvermutet plötzlich den Dicken aus der Pfalz mit aufgeweichtem Gesicht im TV sieht, obwohl man den doch eigentlich längst im Altersheim mit den anderen Polit-Zombies endgelagert erwartet hätte. Und das nicht, weil es plötzlich keine leckeren Saumägen mehr gäbe. Oder weil ihm plötzlich von all dem Aussitzen damals das umfängliche Gesäß mal so richtig schmerzte. Sondern weil der nette, tapsige, ausschließlich Wässerchen trinkende Ex-Präsident der Vorzeigedemokratie Russland, Boris Jelzin, verstorben ist. Schockschwerenot!

Dessen Nachfolger als Präsident der Vorzeigedemokratie Russland, Wladimir Wladimirowitsch Putin, weint bestimmt auch schon Krokodilstränen. Und wir fragen uns, wie lange es noch dauert, bis nach Michail Gorbatschow und Boris Jelzin nun auch Putin in die Flasche gefüllt wird. Oder hat der nette Ex-KGB-Chef etwa mit einem Sonderurlaub im Kaukasus gedroht, falls jemand so vorwitzig sein sollte?

Nastrovje, jedenfalls!

Bild mal meine Meinung ab!

Von Lukas Heinser
Veröffentlicht: 23. April 2007 19:06

Wir alle fragen uns sicher regelmäßig, wo Umfrageergebnisse wie “Männer finden Ursula von der Leyens neue Frisur gut”, “Deutsche fahren im Urlaub nur ungern in die Ukraine” oder “Wenn morgen Bundestagswahl wäre, würde Knut zur sexiesten Schauspielerin gewählt” herkommen. Bisher war mein Grundgedanke, dass da einige irre PR-Menschen in bombensicheren Kellern sitzen und solche Zahlen auswürfeln. Dann klingelte mein Telefon.

Eine Frau mittleren Alters aus der brandenburgischen Provinz war dran und sagte, sie rufe für das Meinungsforschungsinstitut Emnid an, ob sie bitte ein Haushaltsmitglied über 60 Jahren sprechen könne. Meine Erleichterung, dem Schicksal noch einmal entflohen zu sein, hielt nicht lange: auch wenn es bei uns kein solches gebe, würde sie mir gerne einige Fragen stellen, sagte die Frau. Ich willigte ein, fragte aber vorher selbst nach, wie man bitteschön an meine Nummer, die ich noch nicht mal kenne, und die wirklich nirgendwo verzeichnet sei, komme. Das mache ein Zufallsgenerator, entgegnete die Frau und legte los. Nach 23:15 Minuten war ich fertig, hatte zwei wundtelefonierte Ohren und meinen Beitrag zu einem Haufen toller Tortendiagramme in einem Haufen hochwertiger Medien geliefert.

Bei folgenden Statistiken werde ich in den nächsten Monaten “Mama, ich bin im Fernsehen!” schreien dürfen:

  • betr. der Zufriedenheit mit der Bundespolitik (“Geht so”)
  • betr. der Zufriedenheit mit der NRW-Landespolitik (“Haben Sie die Option ‘Beschissen’?”)
  • die sog. Sonntagsfrage
  • betr. des Rauchverbots bzw. dessen Interpretation durch die NRW-Landesregierung
  • betr. der Wiederaufnahme der Ermittlungen im Mordfall Buback und der möglichen Begnadigung von Christian Klar
  • betr. meiner Präferenzen für Kartoffelpuffer oder Reibekuchen (in deed: auf die Frage nach meiner Meinung über politisch motivierten Terrorismus folgte eine zu Kartoffelpuffern und Reibekuchen …)
  • betr. meines Geldinstituts
  • betr. meiner Erfahrungen mit Versandhändlern (“telefonisch, Katalog, Internet”)
  • betr. meiner Erfahrungen zu Dienstleistungen per Internet (inkl. Musikdownloads)
  • betr. meiner Meinung und Erfahrung zu und mit Biolebensmitteln
  • betr. meinem Geschmack in Sachen Feinkostsalate (“darunter verstehen wir Salate, die mit Mayonaise zubereitet werden”)
  • betr. diverser statistischer Daten meines Haushalts

Interessant. Ich befürworte übrigens, dass Christian Klar mit der Landesregierung in NRW Kartoffelpuffer essen soll – aber nur, wenn sie aus biologischem Anbau kommen und mit Apfelmus serviert werden.

Hör Bücher!

Von Lukas Heinser
Veröffentlicht: 23. April 2007 14:35

Heute ist der Welttag des Buches. Aus diesem Anlass hier eine Liste mit den schönsten, wichtigsten, belesensten Literatur-Songs. Wie immer so unvollständig wie mein Gedächtnis:

  • Muff Potter – Bis zum Mond
  • Nirvana – Scentless Apprentice (über “Das Parfüm” von Patrick Süßkind)
  • Maxïmo Park – Russian Literature
  • Kashmir – Small Poem Of Old Friend
  • Manic Street Preachers – The Girl Who Wanted To Be God (nach einem Zitat von Sylvia Plath)
  • Ryan Adams – Sylvia Plath
  • Jupiter Jones – Reiß die Trauer aus den Büchern
  • The Beatles – Paperback Writer
  • Elton John – Goodbye Yellow Brick Road (bezieht sich auf “The Wizard Of Oz”)
  • Love – My Little Red Book
  • Simon & Garfunkel – Bookends
  • Modest Mouse – Bukowski
  • The Weakerthans – Our Retired Explorer (Dines With Michel Foucault In Paris, 1961)
  • The Ataris – If You Really Wanna Hear About It … (erste Zeile aus “The Catcher In The Rye”)
  • Piebald – Holden Caulfield (benannt nach der Hauptfigur ebenda)
  • Babyshambles – À Rebours (benannt nach einem Roman von Joris-Karl Huysmans)
  • Tocotronic – Gegen den Strich (benannt nach dem deutschen Titel des Huysmans-Romans)
  • Black Rebel Motorcycle Club – Howl (benannt nach dem berühmten Beatgedicht von Allen Ginsberg)
  • Smashing Pumpkins – Soma (benannt nach der Droge in “Brave New World von Aldous Huxley)

Und hier der große Alice-im-Wunderland-Zugabenblock:

  • The Sisters Of Mercy – Alice
  • Elton John – Mona Lisa And Mad Hatters
  • Aimee Mann – Humpty Dumpty
  • Jefferson Airplane – White Rabbit
  • Symphony X – Through The Looking Glass
  • Travis – The Humpty Dumpty Love Song
  • Bright Eyes – Down In A Rabbit Hole

Eine Leiche zum Dessert

Von Oliver Ding
Veröffentlicht: 22. April 2007 17:54

Vergangener Donnerstag, Gebäude 9. Die erste Deutschland-Tournee führte Murder By Death aus Bloomington, Indiana nach Köln. Und diese Mischung aus düsterem Punk, zickigem Rockabilly und dramatischer Americana begeisterte das Publikum – trotz bisweilen schepperigem Sounds – vom ersten Moment. Die Spielfreude der Band, besonders der grollende Tenor von Sänger Adam Turla und das warme Jaulen von Sarah Balliets Cello, schubste sich von Höhepunkt zu Höhepunkt.

Und es gab akustische Vergleichsversuche im faszinierten Publikum: Die einen wollten die White Stripes oder den Gun Club herausgehört haben, die anderen dachten an 16 Horsepower oder Two Gallants, und noch jemand verglich Turla mit einem Bastard von Johnny Cash und Glenn Danzig. Stimmt alles, und ist doch komplett am Ziel vorbei. Nicht jedoch so weit daneben, wie der immer noch nicht ausgerottete Zusammenhang mit dem Genred called Emo, der damals einzig auf einer Labelzugehörigkeit beruhte. Albumtitel wie “Like the exorcist, but more breakdancing” und “Who will survive, and what will be left of them” sind tolle Vorboten für noch tollere Musik, und das lose an Dante Alighieris Göttlicher Komödie ausgerichtete “In bocca al lupo” setzt dem Ganzen die Krone auf. Das ist das ganz große Rock’n’Roll-Drama, und quält sich doch wie der Kojote aus dem Schwarzweiß-Western Deiner Wahl. Und wer immer noch zweifelt, höre einfach “Brother” auf der Myspace-Seite nach (oder schaue das entsprechende Video) – und verneige sich innerlich.

Gerade einmal 10 Euro Eintritt für eins der fasznierendsten Konzerte der letzten Monate. Da mag das Lineup z.B. der diesjährigen Pearl-Jam-Openairs, die mit eben Pearl Jam, Interpol und den Futureheads wuchern dürfen, “fetter” wirken. Aber das Preisleistungsverhältnis saugt tote Hamster durch Strohhälme. Vor einigen Jahren kam auf der Mailingliste LostHighwayGermany anläßlich einer Neil-Young-Solotour mit Ticketpreisen über 100 Euronen die Theorie auf, bei diesen Preisen wäre eine Idiotensteuer mitinbegriffen, die fällig würde, sobald jemand bereit wäre, diesen Preis zu zahlen. Herr Steinbrück, bitte mitschreiben!

PS: Die Überschrift bezieht sich natürlich auf die großartige Neil-Simon-Verfilmung “Murder by death” u.a. mit Peter Falk, David Niven, Alec Guinness, Peter Sellers, Maggie Smith, James Cromwell und Truman Capote. Gucken. Jetzt.

Falls ich in Ungnade bei Wolfgang fallen sollte

Von Oliver Ding
Veröffentlicht: 20. April 2007 18:27

Zeichen und Wunder und so. Da lese ich unbedarft im deutschen Rolling Stone, und plötzlich entdecke ich eine Aussage des notorischen Dylan- und Stones-Apologeten Wolfgang Doebeling, der sich gefälligst ein jeder vollinhaltlich anzuschließen hat. Gab’s das schon mal? Vermutlich: nicht.

Aber worum ging es eigentlich? Das anbetungswürdige “Fairytale of New York” von The Pogues mit der viel zu früh verstorbenen Kirsty MacColl, wird da auf Seite 113 der April-Ausgabe im “Vinyl”-Kasten behauptet, sei der “großartigste aller Xmas-Tracks”. Nicht nur in Zeiten, in denen die Temperaturen in Deutschland zu Ostern so sind wie sonst auf Malle in der Hochsaison, ist das mal die definitive Wahrheit. Und nicht mal die grundgute Coverversion der grundguten Stars, die man als B-Seite von “Your ex-lover is dead” im City-Slang-Store käuflich erwerben kann, wird daran etwas ändern. Und Doebelings Fauxpas, der Song hieße “Fairytale in New York”, schon mal gar nicht. Das alles muß etwas zu bedeuten haben. Vermutlich: nichts.

“Fairytale of New York” – Video bei Youtube
Herrlich derangierte Livefassung vom St. Patrick’s Day 1988, ebenfalls bei YouTube

Sparen wir uns den Klimaschutz

Von Lukas Heinser
Veröffentlicht: 20. April 2007 13:03

Mit der Getrennt- und Zusammenschreibung ist es manchmal echt ein Kreuz – schnell hat man etwas geschrieben, was man gar nicht meinte. Wenn dann auch noch eine crazy graphische Aufbereitung dazukommt, hat man den Salat:

Klimaschutz sparen

(Quelle: Newsletter von amazon.de)

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