So Long, And Thanks For All The Fish

Von Lukas Heinser
Veröffentlicht: 25. Mai 2007 17:06

Man stelle sich mal vor, ein Professor stellte sich vor seine Studenten und sagte:
“Ich wollte ja eigentlich nicht mehr über die Vergangenheit sprechen, aber weil da gerade alle wieder von anfangen müssen: Ja, ich hab als Student bei meinen Prüfungen geschummelt. Meine Doktorarbeit war abgeschrieben. Aber da will ich echt nicht mehr drüber sprechen, denn ich sorge doch heute an vorderster Front dafür, dass meine Studenten bei ihren Prüfungen nicht schummeln. Natürlich könnte ich mein Amt jetzt niederlegen, aber, hey: Wenn hier einer Erfahrungen auf dem Gebiet hat, dann ja wohl ich, oder?”

Klingt irgendwie idiotisch? Okay, dann sind meine Dänischkenntnisse einfach nicht gut genug und die reden grad im Fernsehen über was ganz anderes …

Mostly Harmless

Von Lukas Heinser
Veröffentlicht: 25. Mai 2007 14:36

Wir alle kennen Godwin’s Law:

As an online discussion grows longer, the probability of a comparison involving Nazis or Hitler approaches one.

Weil die immergleichen Vergleiche natürlich irgendwann langweilig werden und die deutsche Geschichte ja noch mehr dunkle Kapitel auf Lager hat, heißt die neue Königsdisziplin der Krawallrhetorik “Stasi-Vergleiche”.

So kamen derartige Vergleiche jüngst im Zusammenhang mit den eingesammelten Geruchsproben von G8-Gegnern auf (wobei die Bezeichnung “Stasi-Methoden” da gar nicht mal so abwegig ist, immerhin hat die Stasi Geruchsproben gesammelt). Generalbundesanwältin Monika Harms sieht aber offenbar weder den Vergleich, noch die Aktion an sich besonders eng:

Nur weil eine Methode von der Stasi in ganz anderem Zusammenhang eingesetzt wurde, heißt das noch nicht, dass sie für uns schon deswegen tabu ist.

Dieser Satz wird umso beunruhigender, je öfter man ihn liest – aber so viel Zeit haben wir gar nicht, denn die neueste Stasi-Äußerung (hier ständig frisch) kommt von Silvia Schenk, der ehemaligen Präsidentin des Bundes Deutscher Radfahrer:

Eine Chance hat der Radsport nur, wenn wie bei der Stasi rigoros alle Schuldigen aussortiert werden.

Da kann man ja schon froh sein, dass (noch) niemand “Entdopingfizierungslager” fordert …

Don’t Panic!

Von Lukas Heinser
Veröffentlicht: 25. Mai 2007 0:42

Heute (25. Mai) ist Towel Day. Bitte achten Sie – noch gründlicher als sonst – darauf, ein Handtuch bei sich zu führen.

Lug und Trug reloaded

Von Lukas Heinser
Veröffentlicht: 24. Mai 2007 20:00

Als ich gerade den Fernseher einschaltete, redete gerade Wolfgang Schäuble. Ich wollte schon entsetzt wieder umschalten, aber das, was Schäuble sagte, machte mich neugierig:

Ich bin wirklich erschüttert, dass in einem solchen Maß gelogen und betrogen worden ist.

“Nanu”, dachte ich, “was fangen die denn jetzt plötzlich wieder mit der CDU-Spendenaffäre an?”

War natürlich Blödsinn: Schäuble hatte nur kurz im Phrasenlexikon für Spitzenpolitiker nachgeschlagen, um sich zu den neuesten (natürlich total überraschenden) Enthüllungen in Sachen Doping im Radsport zu äußern.

Dinslaken, Rock City: Kukalaka

Von Lukas Heinser
Veröffentlicht: 24. Mai 2007 18:44

Nachdem die VISIONS in ihrer Juni-Ausgabe (S. 28) Dinslaken als “tiefste Provinz” verunglimpft hat (na ja, machen wir uns nichts vor: natürlich ist Dinslaken tiefste Provinz – aber das führt eben dazu, dass man Bands gründet und gute Musik macht), ist es mal wieder an der Zeit, das Bild geradezurücken:

Dinslaken, Rock City
Heute mit: Kukalaka

Kukalaka

Wer ist das?
Vier junge Männer Anfang Zwanzig, die (mit kleinen Änderungen) seit sechs Jahren gemeinsam musizieren. Der Bandname dürfte zumindest treuen Star-Trek-Fans bekannt vorkommen.

Was machen die?
Britpop jeglicher Ausprägung. Also das Beatgedengel der Sechziger, das Rockbrett der Siebziger, den spaßigen Punksong, die Oasis’sche Hymne und die ein oder andere Anleihe an den Manchester-Rave. Das alles recht virtuos gespielt und mit unwiderstehlichen Chorgesängen versehen.

Die klingen ja wie …
Blur, Supergrass, Ash, XTC, Stone Roses, The Charlatans, Kaiser Chiefs, Teenage Fanclub, Suede, …

Warum die?
Weil Kukalaka eine musikalische Vielfalt an den Tag legen, wie man sie bei den wenigsten Nachwuchsbands findet. Ihre Songs sind voller Querverweise auf 50 Jahre Popmusik, trotzdem bleibt ein eigener Stil erkennbar. Der Drang zum perfekten Popsong bringt Kukalaka das ein oder andere Mal (“Tance”, “Come On Sun”) in dessen Nähe- außerdem kenne ich nicht viele deutsche Sänger, die so ein schönes British English hinkriegen wie Lars Gerland. Die Band passt eigentlich gar nicht richtig in eine von Indie- und Punkrock geprägte Kleinstadt, denn ihr Sound ist (im besten Sinne) “studentisch”. Dazu passt, dass die meisten Bandmitglieder auch gar nicht mehr in Dinslaken wohnen.

Erfolgspotential
Auch die Zielgruppe dürfte eher im Studentenmilieu zu finden sein – wobei auch die Heimspiele dieser sehr guten Liveband immer ein großes Fest für alle Konzertbesucher sind. Der gegenwärtige Trend zum hingerotzten Jungalkoholikerrock kommt der Band – auch wenn sie ordentlich rocken kann – nicht unbedingt entgegen, andererseits findet zeitlose Popmusik immer ihr Publikum.

Jetzt will ich mir aber selbst ein Bild machen!
Here you go: bei MySpace kann man – wie es sich gehört – reinhören, auf der Website der Band kann man auch ihre aktuelle CD “Arcade Mode” bestellen.

[Mehr von Dinslaken, Rock City.]

Programmdirektor spielen (Nachtrag)

Von Lukas Heinser
Veröffentlicht: 23. Mai 2007 15:58

Ich bin großer Fan der “Daily Show” mit Jon Stewart. Der Start von Comedy Central Deutschland hat sich allein deshalb schon gelohnt, weil man die jeweils aktuellste Folge der großartigen amerikanischen Satiresendung dort online schauen kann. In den vergangenen Wochen habe ich mich des öfteren gefragt, ob ein solches Format wohl auch in Deutschland funktionieren würde. Nachdem der Name Jon Stewart kürzlich auch in unseren Kommentaren und damit in räumlicher Nähe zum Namen Stefan Raab auftauchte, habe ich den Gedanken mal zu Ende gedacht:

“Lustige Nachrichtensendungen” haben in Deutschland eine lange Tradition: Begonnen hat es (wie immer) mit Rudi Carrell und seiner “Tagesshow”, es gab die “Wochenshow” auf Sat 1 und zuletzt die “Freitag Nacht News” bei RTL. Diese Reihenfolge ist nicht nur die chronologisch korrekte, sondern auch eine nach Qualität absteigende. Im Gegensatz zur “Daily Show”, die die Politik in den USA auch (oder vor allem) inhaltlich auseinander nimmt, handelten Witze in den “Freitag Nacht News” hauptsächlich von Angela Merkels Frisur. Das deutsche Äquivalent der “Daily Show” müsste also mittig zwischen Comedy und politischem Kabarett platziert werden – und zwar, ohne auch nur auf einen Vertreter der beiden Genres zurückzugreifen.

Als Moderator kann ich mir von den bekannteren Vertretern ihrer Zunft deshalb eigentlich nur Dieter Moor vorstellen. Der hat in der Vergangenheit mit den brillanten Sendungen “Canale Grande” (Vox) und “Ex! Was die Nation erregte” (SWR/ARD) bewiesen, dass er ein sehr feines Gespür für Ironie hat und intelligente Interviews führen kann. Ihm würde man (nicht zuletzt wegen einer gewissen optischen Ähnlichkeit mit Jon Stewart) den Anchorman einer Nachrichtensendung abnehmen. Alternativ könnte man es auch mit einem jungen, unverbrauchten Gesicht versuchen.

Es stellt sich natürlich die Frage, ob in Deutschland überhaupt genug passiert, um eine tägliche Satiresendung an vier Wochentagen mit Inhalten zu versorgen. In den USA gibt es einige Dutzend Nachrichtensender, fünfzig Bundesstaaten, hundert Senatoren, 435 Abgeordnete im Repräsentantenhaus und eine Regierung, deren Mitglieder bei so ziemlich jedem öffentlichen Auftritt so viel sagt (oder nicht sagt), dass man damit mehrere “Daily Shows” füllen könnte. Für wöchentliche Satiresendungen wie die WDR-2-“Zugabe”, den “Wochenrückblick” von Peter Zudeick oder – mit Abstrichen – “Extra 3″ reicht aber auch das in Deutschland verzapfte Material aus, Satireseiten im Internet wie die “Schandmännchen” oder die der “Titanic” haben sogar täglich Material. Die wenigen guten politischen Kabarettisten (also Volker Pispers und die, die bei “Neues aus der Anstalt” und den “Mitternachtsspitzen” auftreten) schaffen es auch, noch in jeder Suppe, die der Politik dem Volk aingebrockt hat, diverse Haare zu finden. Mithilfe einiger guter Autoren (also nicht die, die demnächst bei “Harald Schmidt” freigesetzt werden) sollte es möglich sein, eine wenigstens wöchentliche Sendung zusammenzustellen, die gleichzeitig über Hintergründe informiert und die Aussagen von Politikern und sonstigen “hohen Tieren” auseinandernimmt. Außerdem haben wir Politiker wie Wolfgang Bosbach und Guido Westerwelle (gibt’s den eigentlich noch?), die mit nahezu jeder Äußerung um satirische Würdigung flehen. Und dann gibt es ja auch noch Wolfgang Schäuble

Auch wenn das Interesse an “intelligenter Unterhaltung” immer wieder bezweifelt wird, ich denke, die Zielgruppe wäre nicht einmal gering: Es gibt genug Leute, die die “Titanic” lesen; genug, die sich für Satire interessieren, aber Berührungsängste vor dem Lehrer-in-Lederwesten-Kabarett beim “Scheibenwischer” haben. In den USA ist die “Daily Show” für viele (gerade jüngere) Zuschauer inzwischen ein Hauptlieferant für Nachrichten geworden – obwohl die Macher immer wieder betonen, Unterhaltung und keine ernsthaften Nachrichten zu produzieren. Dass eine Untersuchung der Indiana University dennoch zu dem Ergebnis kam, dass der Nachrichtengehalt in der “Daily Show” im großen und ganzen mit dem in “richtigen” Nachrichtensendungen vergleichbar ist, spricht eine deutliche Sprache im Bezug auf die Mainstream-Nachrichten, denen viele US-Bürger ausgesetzt sind. Dazu passen aber die Einschaltquoten im deutschen Fernsehen, bei denen “RTL Aktuell” immer öfter vor der “Tagesschau” liegt.

Bleibt natürlich die Frage, welcher Sender so eine Sendung ausstrahlen würde. Wer hätte die Eier, nicht nach drei Wochen mit nicht ganz so guten Quoten (denn vielleicht irre ich mich und die rund 5.000 User, die sich die “Daily Show” online angucken, haben gar keinen Bock mehr auf das Uralt-Medium Fernsehen oder interessieren sich gar nicht für deutsche Politik) die ganze Show gleich wieder zu kippen? Wer könnte die vielen Redakteure und Autoren, die eine solche Sendung selbst mit dem besten Moderator nun mal bräuchte, bezahlen? Hält man sich die (sicherlich preisgünstigeren) Testballons vor Augen, die der WDR im vergangenen Sommer in seinem Spätabendprogramm losgelassen hat, scheint zumindest etwas Experimentierfreude und Geld vorhanden zu sein. Vielleicht wagt es sogar ein Privatsender wie Vox, der ja mit hohem Anspruch gestartet war und sich in den letzten Jahren als erfolgreichster Fernsehsender der zweiten Reihe etablieren konnte. Ich würde mich freuen und immer einschalten!

Nachtrag 29.05.: Auf meine Anfrage (die ich bereits einige Tage vor diesem Eintrag hier gestellt hatte) bestätigte man mir beim deutschen Comedy Central, dass weiterhin an einer Integration der jeweils aktuellsten “Daily Show” ins Fernsehprogramm gearbeitet werde. Pläne, eine ähnliche Show für Deutschland zu produzieren, gebe es bisher aber nicht.

Seifenoper

Von Lukas Heinser
Veröffentlicht: 23. Mai 2007 13:41

Seit Khaled al-Masri in der vergangenen Woche einen Brand in einem Großmarkt legte, berichtet die Bild-“Zeitung” in beunruhigender und hetzerischer Art und Weise über ihn (s.a. BILDblog).

Der neueste “Bild”-Artikel zum Thema ruft mal wieder nach einer ganzen Menge negativ behafteter Adjektive und der Frage, warum man diesmal eine Kampagne gegen einen wehrlosen Mann fährt, der schon lange am Boden liegt – und nicht, wie sonst üblich, gegen Schauspielerinnen, Politiker und Fußballtrainer. (Nicht, dass das besser wäre, aber Demontage macht doch eigentlich nur “Spaß”, wenn das Opfer über eine gewisse Fallhöhe verfügt, oder?)

Eines aber kann man “Bild” nicht vorwerfen: dass sie ihre Artikel nicht bis ins kleinste Detail recherchiert hätten.

Er kauft drei blaue Kanister für je 5,69 Euro, betankt sie, bezahlt und rauscht um 3.58 Uhr davon.

Der Rest des Artikels legt zwar den Verdacht nahe, dass ausschließlich kleinste Details recherchiert und andere Sachen ein wenig außer Acht gelassen wurden, dieser Satz aber qualifiziert die zuständigen Autoren für das Goldene Seifenstück.

Das “Goldene Seifenstück” leitet seinen Namen aus einem “Spiegel”-Artikel über den 11. September 2001 ab, in dem ausgeführt wurde, dass sich Mohammed Atta vielleicht mit einem 28,3 Gramm schweren Stück Seife gewaschen habe, bevor er zum Flughafen fuhr, um ein Flugzeug zu entführen und ins World Trade Center zu steuern (nachzulesen auch in diesem Buch). Es wird seitdem in unregelmäßigen Abständen für besonders detaillierte, aber völlig sinnlose Recherchetätigkeiten von Journalisten verliehen. Von mir.

“You can say ‘you’ to me!”

Von Lukas Heinser
Veröffentlicht: 20. Mai 2007 22:21

Die Anrede im Englischen öffnet Missverständnissen Tür und Tor. Da ist zum einen die Sache mit den Vornamen, die kürzlich in meinem neuen Lieblings-Blog USA Erklärt sehr anschaulich beschrieben wurde (nun ja, ‘anschaulich’ ist das falsche Wort für einen Sachverhalt, der in seiner Komplexität der Kernspaltung in nichts nachsteht – dann eben ‘gut beschrieben’). Zum anderen ist da die Sache mit dem Personalpronomen “you”, das Deutsche schon mal als “Du” verstehen, und sich deshalb freuen oder wundern, dass sich die Native Speaker des Englischen alle duzen. Die Wahrheit ist ungleich komplexer. Ganz knapp: Der englischen Sprache ist das “Du” (“thou”/”thy”) im Laufe der Jahrhunderte abhanden gekommen und existiert heute nur noch in Shakespear’schen Dramen, der Bibel und ähnlichen Texten früherer Tage.

Warum diese längliche Einleitung aus dem Bereich der Sprachwissenschaften? Zum einen habe ich vor wenigen Tagen einen Studienabschluss in Anglistik erlangt, zum zweiten muss man sich diese Situation vor Augen führen, wenn es um die schwierige Arbeit der Interview-Übersetzung in deutschsprachigen Redaktionen geht.

Dirk Peitz hat für jetzt.de ein Interview mit Fran Healy und Dougie Payne von Travis geführt. Die Musiker werden sich mit “Hi, I’m Fran” bzw. “Hello, I’m Dougie” vorgestellt haben (obwohl sie davon ausgehen können, dass ein Interviewer wenigstens die Namen seiner Gesprächspartner kennt – sie sind eben gut erzogen) und im Gespräch wird man sich, wie allgemein üblich, mit “you” angesprochen haben. Da Interviews grundsätzlich in übersetzter Form gedruckt werden, musste nun das englische Gespräch in einen deutschsprachigen Text umgewandelt werden, und irgendjemand kam bei der früheren Jugendbeilage der SZ auf die Idee, man könne doch die Musiker in der Übersetzung einfach mal siezen.

Das kann man machen, um sich so von vorneherein vom Vorwurf der Anbiederung freizumachen. Man kann es auch machen, um seinen Gesprächspartnern den nötigen Respekt zu erweisen (schon Max Goldt hat sich in seinem Text “Was man nicht sagt” dafür ausgesprochen, Musiker nicht als “Jungs” und “Mädels” zu bezeichnen – sie zu siezen wäre also auch nur konsequent). Man kann es sogar machen, um zu beweisen, dass man das mit dem “Du” und “Sie” im Englischen sehr, sehr gut verstanden hat. Aber egal, wie die Gründe gelautet haben mögen, sie werden bei den (zumeist jugendlichen) Lesern Verwirrung auslösen:

SZ: Sie haben sich fast vier Jahre Zeit gelassen, um Ihr neues Album aufzunehmen. Was haben Sie so lange getrieben?

Fran Healy: Es gibt dieses Sprichwort im Musikgeschäft: Für dein erstes Album brauchst du 23 Jahre, doch für jedes weitere geben dir die Plattenfirmen nur noch sechs Monate.

“Mutti, warum siezt der Journalist diesen verehrenswerten Musiker und dieser Rockstar-Stoffel duzt dann einfach zurück?”, werden natürlich die wenigsten Zahnspangenträgerinnen morgen am Frühstückstisch ihre Studienrätin-Mutter fragen. Täten sie es nur! Die Mutti würde erst den ganzen Sermon, den ich oben schon geschrieben habe, wiederholen, und dann erklären, dass “you” ja auch für “man” stehen kann und das Sprichwort von wirklich umsichtigen Redakteuren deshalb mit “Für sein erstes Album braucht man 23 Jahre, doch für jedes weitere geben einem die Plattenfirmen nur noch sechs Monate”, übersetzt worden wäre. Vielleicht würde sie aber auch nur sagen: “Gabriele, iss Deine Cerealien und frag das Deinen Englischlehrer, den faulen Sack!”

Absurder als das aufgeführte Beispiel ist übrigens die Angewohnheit der Redaktion des sehr guten Interviewmagazins Galore, jede aufkommende Anrede in ein “Sie” umzuwandeln. Diese automatisierte Angleichung flog spätestens auf, als Campino, der ja nun wirklich jeden duzt, den Interviewer plötzlich mit “Sie” ansprach.
Noch absurder war der Auftritt von Jan Ullrich bei Reinhold Beckmann. Aber das lag nicht nur an der Schieflage in den Anreden.

Perpetuum Mobile

Von Lukas Heinser
Veröffentlicht: 20. Mai 2007 15:25

Letzte Woche befasste sich Stefan Niggemeier in seiner FAS-Kolumne “Teletext” mit Max Schradin, einem lauten und nur bedingt sympathischen Endzwanziger, der beim umstrittenen Anrufsender 9live dafür zuständig ist, auf halbherzig bekritzelte Flipcharts zu zeigen und in nicht näher nachvollziehbaren Intervallen sehr laut von Zehn bis Null zu zählen.

Schradin reagierte darauf mit dem überraschenden Vorhaben, diesen Text über sich live im Fernsehen zu deklamieren und mit eigenen Anmerkungen zu versehen. Dass er dabei einige besonders kritische Textstellen überging, war sicher der Aufregung geschuldet, zum ersten Mal bei 9live einen Text vortragen zu müssen, in dem Subjekt, Prädikat und Objekt, sowie einige Nebensätze zweiter Ordnung vorkamen. Dieser, in jeder Hinsicht bemerkenswerte, Vortrag ist bei sevenload zu sehen und wurde selbstverständlich auch in Stefans Blog hinreichend gewürdigt.

Ich konnte natürlich mal wieder meine Klappe nicht halten und schrieb in den Kommentaren:

Zur Steigerung der medialen Rekursion würde sich das Ganze aber auch als Teledialog in der FAS ganz gut machen.

Und obwohl ich meinen Einfluss auf die Inhalte einer der wichtigsten und besten Sonntagszeitungen des Landes bis heute Morgen als sehr gering eingeschätzt hätte (und dies auch nach wie vor tue), verspürte ich doch ein leichtes Stechen im Hirn, als ich die heutige Ausgabe der FAS aufschlug und den aktuellen “Teledialog”, der in Ermangelung eines Gesprächspartners ausnahmsweise “Telemonolog” heißt, sah. Denn (natürlich) haben die kundigen Medienredakteure der FAS dort einen Teil dessen abgedruckt, was Max Schradin so von sich gab, während er aus der FAS vorlas – inklusive der Zitate aus der FAS-Kolumne der letzten Woche.

Nun hoffe ich einfach mal, dass Schradins Hang zur Postmoderne ähnlich groß ist wie die Gewinnchancen eines 9live-Anrufers, denn die Vorstellung, dass in der nächsten Woche in der FAS ein Text auftaucht, der widerspiegelt wie Max Schradin aus einem FAS-Text vorliest, der eine Mitschrift seiner Vorlesung aus einem FAS-Text ist (in dem Schradin bereits originär zitiert wurde), macht mich ganz schwindelig.

Und da sage noch einer, die Blogosphäre sei rekursiv …

Die Tiere sind unruhig

Von Lukas Heinser
Veröffentlicht: 19. Mai 2007 14:21

Ich war immer schon sehr fasziniert von der Tatsache, dass Tiere Erdbeben und ähnliche Katastrophen “vorhersagen” können.

Deswegen bin ich jetzt irgendwie beunruhigt:

Wie wird da wohl die Schlagzeile der morgigen “Bild am Sonntag” aussehen?

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