Wir Sind Haldern

Von Lukas Heinser, 31. Juli 2007 18:52

Haldern Pop 2003

Übermorgen ist es endlich soweit: das Haldern Pop Festival beginnt. Zeit, für einen letzten Stand der Dinge:

  • Ich werde versuchen, eine Art Liveblog zu betreiben. Natürlich nicht alle paar Minuten wie beim Grand Prix oder Fußball, aber ich werde schon versuchen, zu jeder Band zeitnah etwas zu schreiben. Mal gucken, wie das ohne eigenen Laptop geht, aber das sollte eigentlich schon passen. Ansonsten wird auch hier und hier von fachkundigem Personal live gebloggt.
  • Zu den Bands, die beim Wettbewerb für Nachwuchskünstler einen Slot im Spiegelzelt ergattern konnten, zählen Black Rust. Die hab ich letztes Jahr bei einem anderen Nachwuchswettbewerb in Bochum gewinnen sehen (sie erhielten einen Slot beim letztjährigen Area-4-Festival, das dann nie stattfand) und fand sie sehr gut. Das sollte man also nach Möglichkeit auch noch mitnehmen.
  • Als letzte Nachnominierung fürs „offizielle“ Aufgebot tickerte vergangene Woche Kate Nash herein. Die junge Dame gilt schon als neue Lily Allen (wurde ja auch langsam Zeit …) und ist mit ihrer Single „Foundations“ aktuell auf Platz 2 der britischen Singlecharts. Spielen wird sie am Donnerstag um 18 Uhr im Zelt – das könnte knapp werden.
  • Apropos Zelt und knapp: Sie haben es tatsächlich getan. Erstmals in der Geschichte des Haldern Pop werden sich Konzerte (absichtlich) überlappen. Am Freitag ist das für mich persönlich nicht so tragisch, weil zwischen Spiritualized und The Electric Soft Parade genug Zeit liegt, um vom Platz ins Spiegelzelt zu gelangen. Theoretisch zumindest, denn in den letzten Jahren war das schmucke Zelt fast immer bis an den Rand gefüllt – das kommt halt davon, wenn man Bands einlädt, die jeder sehen will. Schwieriger wird der Samstag, denn ich kann nicht gleichzeitig bei Jan Delay & Disko No. 1 und Ghosts sein. Im Zweifelsfall muss Herr Verzögerung dann vor einer Lukas-freien Zuschauerschaft spielen. Schade eigentlich.
  • Zuletzt das wichtigste: Hoffen wir mal, dass sich die Wettervorhersagen (Regenwahrscheinlichkeit ab Freitag Abend: 0%) bestätigen. Beim dritten Regen-Haldern in Folge würde ich nämlich meine Festivalbesucherkarriere beenden. Eigentlich bin ich eh schon viel zu alt, um im Zelt zu schlafen und notdürftig aufgewärmte Dosensuppen zu essen. Auf der Festivalseite gibt es aber ein Temperaturen-Tippspiel, bei dem man bis Donnerstag teilnehmen kann.

Haldern Pop 2002

Deine Mutter!

Von Lukas Heinser, 29. Juli 2007 22:21

Etwa einmal in der Woche gucke ich, was es bei apple.com für neue Trailer gibt. Bei meinem letzten Kontrollgang erblickte ich ein Plakat für „Beowulf“, erinnerte mich an die Vorlesung „Middle English Literature“ im zweiten Anglistik-Semester und guckte mir den Trailer an.

Nach ungefähr drei Vierteln kam eine Stelle, bei der ich dachte: „Also das sah jetzt aber gerade irgendwie billig animiert aus …“ – dann stellte ich fest, dass der komplette Trailer (und damit natürlich auch der Film) computeranimiert ist. Die Gesichter von Ray Winstone, Angelina Jolie, Brendan Gleeson, Anthony Hopkins, Robin Wright Penn, John Malkovich – alle aus dem Computer. Uff!

Natürlich stellt sich da irgendwie die Frage, warum man derart namhafte Schauspieler nicht einfach „in echt“ im Film auftreten lässt. Andererseits ist es nach „Sky Captain And The World Of Tomorrow“ und „Sin City“, die komplett vor einer Blue bzw. Green Screen gedreht und mit digitalen Hintergründen versehen wurden, ja nur noch ein weiterer Schritt, auch gleich die Schauspieler mit zu animieren. Sowas wurde sogar schon mal gemacht, z.B. bei „Polar Express – und dessen Regisseur Robert Zemeckis („Zurück in die Zukunft“, „Forrest Gump“, „Cast Away“, …) führt jetzt auch bei „Beowulf“ Regie.

Bei einem kurzen Blick in die IMDb stellte ich dann noch fest, dass das Drehbuch vom phantastischen Neil Gaiman und vom früheren Tarantino-Helfer Roger Avary stammt. Da kann eigentlich nichts mehr schief gehen, zumal Gaiman den Film als „cheerfully violent and strange take on the Beowulf legend“ angekündigt hat.

P.S.: Wer den Zusammenhang zwischen Überschrift und Inhalt dieses Eintrags ohne Nachzugucken (also googeln) herstellen kann, darf sie als bewandert in mittelenglischer Literatur betrachten.

Spiegelkinder

Von Lukas Heinser, 28. Juli 2007 17:55

Im letzten Jahrtausend, als ich noch die „Computer Bild“ gelesen habe (die mir erklärte, wie man unter „Word 97“ einen Flipper starten kann, und dass man das Wort „Browser“ als „Brauser“ ausspricht), zeichneten sich deren Artikel durch teils erschütternde „Wortspiele“ in der Überschrift aus. Ich erinnere mich an „Brennpunkt CD“, „Eulen nach Daten“ und „Handy hoch“ oder sowas in der Art.

Heute brauche ich keine „Computer Bild“ mehr. Heute habe ich „Spiegel Online“:

“Fluch der Karibit” bei “Spiegel Online”

Irrationale Ängste

Von Lukas Heinser, 27. Juli 2007 15:12

Als ich gestern „Das Model und der Freak“ sah, dachte ich, dass es doch ein bisschen beunruhigend wäre, wenn dort einmal ein ehemaliger Klassenkamerad als „Freak“ auftauchte. Möglicherweise hätte man sich mit unüberlegten pubertären Sprüchen oder der Wahl des Betreffenden zum „Schüler, der einmal in den Nachrichten erscheinen wird“ in der Abizeitung mitschuldig daran gemacht, dass der Arme nun von halbnackten Models in küchenpsychologische Gespräche verwickelt wird.

Dann dachte ich: Noch tragischer wäre doch, wenn man als Frau vor dem Fernseher sitzt und seinen Ex-Freund durch eine solche Sendung gescheucht sieht. Der neue Lebenspartner (oder gar Ehemann) sitzt mit einem Teller Möhren und einer Schüssel Kräuterquark auf dem Sofa neben einem und man muss jetzt ganz genau überlegen, ob das die richtige Situation ist, ihm seinen Vorgänger vorzustellen.

Dann erinnerte ich mich an ein Gespräch, das ich mal in einem Café mitbekommen hatte: Eine junge Frau erzählte einer anderen, sie habe kürzlich mit ihrem Ex-Freund telefoniert und als sie diesen gefragt habe, wie es ihm gehe, habe der geantwortet, er sei jetzt mit Soundso zusammen und Soundso war der Name eines Mannes und der Ex-Freund demnach auf einmal schwul. Ich konnte gerade noch an mich halten, mich zu den beiden umzudrehen, mich vorzulehnen und in Reinhold-Beckmann-Tonfall zu fragen: „Wie fühlt man sich in einer solchen Situation? Zweifelt man da nicht an seiner eigenen Weiblichkeit?“ Aber dann dachte ich mir, dass Reinhold Beckmann (ob echt oder falsch) der letzte ist, den man in einer solchen Situation um sich haben möchte.

Früher, als es im Fernsehen nur drei Kanäle gab, war man noch sicher: Ins Fernsehen kam nur, wer Politiker, Sportler oder Kandidat bei „Wetten, dass…?“ war. Dann kamen die Privatsender und rissen die vierte Wand, von der sie vermutlich nicht mal wussten, dass sie existierte oder wer sie dahingestellt hatte, ein. Aber auch nach über zwanzig Jahren haben die Leute auf der Straße nicht begriffen, dass die einzig angemessene Reaktion auf eine Fernsehkamera und einen überdrehten Reporter ist, schnell wegzulaufen und während der Flucht mit den eigenen Anwälten zu drohen, falls dieser Irrsinn ausgestrahlt werden sollte. Nein, die Leute sind immer noch ganz ehrfürchtig, wenn sie von albernen Franzosen, die in ein Baguette sprechen, oder TV-Total-Mitarbeitern angequasselt werden.

Einen, der dieses journalistische Subgenre in Deutschland „groß“ gemacht hat, sah ich neulich in der Essener Innenstadt: Theo West. Von weitem sah ich, wie er unvermittelt neben (meist älteren) Passanten auftauchte und sie mit vermutlich dadurch schon so weit irritierte, dass sie ihm später glauben würden, Bundeskanzlerin Merkel habe auf dem Essener Wochenmarkt einen Stand mit selbstgekochter Walnussmarmelade eröffnet (oder was immer er ihnen erzählte). Ich merkte, dass ich kaltschweißig wurde und inständig hoffte, dieser Knilch möge an mir vorübergehen. Ich hätte versucht sein können, witzig oder schlagfertig zu sein (zwei Eigenschaften, die ich für mich nie in Anspruch genommen habe), und das hätte neben einem solchen Vollprofi richtig peinlich wirken können. Da hätte nur noch apathisches Stieren direkt in die Kamera eine Ausstrahlung vermasseln können (so bin ich mal dem damaligen Musiksender Viva entkommen).

Aber selbst, wer die Essener, Kölner und Berliner (wo man immerhin noch von Carsten van Ryssen verarscht werden konnte) Innenstadt meidet, ist nicht mehr sicher: Seit neuestem läuft man auch zuhause Gefahr, von Sendungen wie „Quiz-Tour“ belästigt zu werden. Mein schlimmster Alptraum indes wäre, dass Tine Wittler bei mir klingelte, um mediterrane Wischtechnik und Stauraum in meine vier Wände zu bringen, auf dass ich zukünftig lieber unter einer Brücke schliefe als daheim. Wo sind die Leute, die immer mit dem Grundgesetz wedeln, eigentlich, wenn öffentlich derart gegen die Unverletzlichkeit der Wohnung verstoßen wird?

All dies sind natürlich Extrembeispiele; Ängste, die – wie die allermeisten Ängste – unbegründet sind. So habe ich jahrelang wiederholt geträumt, in einem Fahrstuhl zu sein, der wahlweise abstürzt oder nach oben durch die Decke schießt. Das ist insofern faszinierend, als ich im wachen Zustand keinerlei Probleme mit großen Höhen oder Fahrstühlen habe – mit der Einschränkung, dass ich panische Angst davor habe, gemeinsam mit Jürgen Drews und Gülcan Karahanci in einem Fahrstuhl stecken zu bleiben. Da ich aber weder dem „König von Mallorca“, noch der Plaudertasche von Viva bisher begegnet bin, basiert auch diese Angst mehr auf der vagen Möglichkeit, ein solches Ereignis könne eintreten, als auf persönlichen Erfahrungen. Noch unwahrscheinlicher ist lediglich der Traum, den ich kürzlich hatte, und in dem ich zum Bundesvorsitzenden der Jungen Union gewählt worden war. Der war aber auch schrecklich.

Eisen- und Haushaltswaren

Von Lukas Heinser, 27. Juli 2007 13:54

Ich hoffe doch, ich trete niemandem zu nahe, wenn ich schreibe, dass die Lektüre von Pressemitteilungen der Polizei Bremen bisher nicht zu meinen Hobbies gehörte, weil ich mir einfach nicht vorstellen konnte, dass die Ereignisse in der Hansestadt für mich als Bochumer (und wir haben immerhin Toto & Harry) unterhaltsam sein könnten.

Ich habe mich geirrt:

POL-HB: Nr: 0447 – Polizei sprengte alle Ketten

Bremen (ots) – –
Ort: Bremen, Fliederstraße
Zeit: 26. Juli 2007, 10.50 Uhr

Die “ fesselnden Momente des Lebens“ erlebte gestern Morgen eine 23-jährige Bremerin, und das gleich über mehrere Stunden. Die junge Frau bat die Polizei über Notruf um Hilfe, da sie derzeit ans Bett gefesselt sei. Als die Beamten bei der vermeintlich hilflosen Frau eintrafen, war die Erleichterung bei der 23-Jährigen groß. Nach einer Party am Vorabend, die sich durch den großzügigen Ausschank alkoholischer Getränke offenbar recht kurzweilig gestaltete, übermannte die letzten Gäste dann auch noch der Übermut. Bevor sie die Örtlichkeit verließen, ketteten sie die Gastgeberin einvernehmlich mit einem Paar Handschellen an den Bettpfosten und verschwanden feixend in den grauen Morgen. Nach ein paar Stunden Schlaf wollte sich die junge Frau befreien, stellte dann aber konsterniert fest, dass nicht das mit rotem Plüsch versehene Paar Handfesseln benutzt wurde, welches sich per Hand öffnen lässt. Vielmehr kam eine Neuerwerbung des dort offensichtlich zu den Haushaltswaren zählenden Armschmucks zum Einsatz. Für dieses Paar fehlte jedoch der Schlüssel, so dass die handwerklichen Fähigkeiten der Polizeibeamten gefordert waren. Mit einem Bolzenschneider wurde die Kette durchtrennt, und mit einem Draht konnten die Fesseln aufgeschlossen werden. Ohne den weiteren Verlauf der recht unterhaltsamen Party genauer zu hinterfragen, verließen die Beamten diskret den Ort des Geschehens.

[via „Spiegel Online“]

Klare Fronten und ’ne Schüppe voll Sand (Eurosport Revisited)

Von Lukas Heinser, 26. Juli 2007 18:26

Als ich die Herren Migels, Jansch und Schulz vor zweieinhalb Wochen kennenlernte, war ich ja eher amüsiert. Es stellte sich aber heraus, dass die Kommentatoren bei ARD und ZDF nicht nur nicht besser waren, sie waren letzte Woche auch einfach weg. Und da die Sat.1-Leute schlichtweg nicht zu ertragen sind, habe ich dann doch die letzten Wochen mit Migels, Jansch und Schulz verbracht, sie sind mir inzwischen ans Herz gewachsen. Am Sonntag ist die Tour zu Ende (und wer weiß, was im nächsten Jahr sein wird), deshalb habe ich heute noch einmal genau hingehört:

Jansch: Das Kloster und die Kirche von Notre Dame, gelegen im kleinen Örtchen Simorre, das in der Gascaogne liegt – also heute ’n ganzes Stück durch diese Landschaft, wir haben’s vorgestern, Nein: gestern schon mal erwähnt, dass sie sich bis zum Norden der Aquitaine erstreckt – von den Pyrenäen aus gesehen. Hier die Namenseinblendung für diese aus dem 13. Jahrhundert stammende kirchliche Einrichtung – und wir werden in diesem Baustil heute sicherlich noch ’ne ganze Menge von Schlössern, Burgen und Kirchen zu Gesicht bekommen, in den nächsten Tagen wird’s dann ein bisschen zisellierter, da ist der Baustil nicht mehr so gradlinig, die Steine nicht mehr so wuchtig und die Fronten nicht mehr so klar.

Besonders interessant werden manche Gedankensprünge, wenn man nicht unentwegt auf den Bildschirm starrt und einem deshalb manche Kontextwechsel verschlossen bleiben:

Jansch: Einer der beiden Caisse-d’Épargne-Kapitäne, nämlich Valverde, sollte zugleich auch der beste Sprinter des Teams sein – ich weiß nicht, ob ihm vielleicht diese Nachführarbeit dienen soll. [Ein riesiges Sonnenblumenfeld kommt ins Bild] Mein Gott, hier würde van Gogh sicherlich das Herz aufgehen.

Hier geht es weiter.

It’s gonna be an easy ride

Von Lukas Heinser, 26. Juli 2007 14:50

Jacqui Naylor (photo by Thomas Heinser)Es gibt Alben, die sind so Genre-sprengend, dass sie haarscharf an jeder Zielgruppe vorbeischrammen. „The Color Five“ von Jacqui Naylor könnte so ein Fall sein: Eigentlich ist die Kalifornierin Jazzsängerin, aber ihre Alben und Konzerte öffnen auch die Schubladen „Folk“ und „Pop“ so weit, dass die Kommode, auf der groß „Musikgenres“ steht, und die Musikjournalistenmetaphern um die Wette auseinanderfallen.

Gemeinsam mit ihrer (sehr guten, aber dazu kommen wir noch) Band hat Jacqui Naylor etwas erfunden, was sie „acoustic smashes“ nennt: Singt Naylor den Text eines Popsongs („Hot Legs“ von Rod Stewart“, „I Still Haven’t Found What I’m Looking For“ von U2, „Lola“ von den Kinks), spielt die Band dazu einen Jazzstandard („Cantaloupe Island“ von Herbie Hancock, „All Blues“ von Miles Davis, „Sidewinder“ von Lee Morgan); singt Naylor einen … nun ja: etwas abgegriffenen Klassiker wie das unvermeidliche „Summertime“ von George und Ira Gershwin, bemerkt man das vielleicht gar nicht auf Anhieb, weil die Band lieber „Whipping Post“ von den Allman Brothers spielt. Hört sich kompliziert, merkwürdig oder schlicht unvorstellbar an? Hier kann man in alle Songs reinhören und sich davon überzeugen, dass es ziemlich gut klingt.

Ein Drittel der fünfzehn Songs sind diese „acoustic smashes“, ein Drittel „normale“ Coverversionen und ein Drittel Originals, also Songs, die Naylor und ihr Musical Director Art Khu selbst geschrieben haben. Das nicht gänzlich unrenommierte Magazin „Jazz Times“ verglich das Songwriting der beiden mit dem der nicht gänzlich unbedeutenden Joni Mitchell und Paul Simon, und ich möchte wenigstens noch Sara McLachlan, Tori Amos und Neil Finn namedroppen. „Easy Ride From Here“ z.B. ist ein derart runder Popsong, dass ich ihn bitte in den nächsten Jahren in mindestens fünf verschiedenen romantischen Komödien oder amerikanischen Hochglanzserien hören möchte.

Ich weiß nicht, ob ich je von Jacqui Naylor erfahren hätte, wenn ich sie nicht persönlich kennengelernt hätte; ob ich auch so von ihrer Musik begeistert wäre, wenn ich sie nicht live gesehen hätte. Ihre Stimme bewegt sich zwischen butterweich und angenehm kratzig und ihre Band … Ach, diese Band: Jazzmusikern zuzusehen, ist für Menschen wie mich, die stolz sind, drei Akkorde fehlerfrei greifen zu können, immer in gleichem Maße beeindruckend wie ernüchternd. Diese Band ist besonders tight (ist „tight“ überhaupt eine Vokabel, die zum Beschreiben von Jazzbands geeignet ist?): Art Khu könnte man vermutlich ein Alphorn in die Hand drücken und nach fünf Minuten würde er dem Instrument lieblichste Töne entlocken, Drummer Josh Jones spielt nicht nur die vertracktesten Beats und Rhythmenwechsel, er grimassiert dabei auch noch, als müsse er während des Konzerts noch einer Gruppe durchgeknallter Comiczeichner Modell sitzen.

Es gibt Alben, die sind so Genre-sprengend, dass sie jede Zielgruppe begeistern. „The Color Five“ von Jacqui Naylor könnte so ein Fall sein.

Programmhinweis

Von Lukas Heinser, 25. Juli 2007 15:28

Morgen (Donnerstag, 26. Juli) werde ich noch einmal an meine alte Wirkungsstätte zurückkehren und die Sendung „Rockaway Beach“ bei CT das radio moderieren.
Es wird eine einstündige Vorschau auf das Haldern Pop Festival, das vom 2. bis zum 4. August wieder am schönen Niederrhein stattfindet, und ich werde hauptsächlich Künstler spielen, die dieses Jahr in Haldern am Start sind, und Anekdoten aus den vergangenen Jahren erzählen.

Rockaway Beach
am 26. Juli 2007
um 21 Uhr
auf CT das radio (Webstream gibt’s hier)

Totgesagte sollen leben!

Von Kathrin Grannemann, 25. Juli 2007 13:13

Trackback am Ende, so betitelte Marius einen Eintrag bei Maingold am Sonntag. Eine Abrechnung mit einem Sendeformat, das in Deutschland wohl nach wie vor seinesgleichen sucht (für alle, die nicht wissen, was Trackback ist: Es ist eine Radiosendung beim RBB, die sich mit Netz- und Blogthemen beschäftigt).

Seit einigen Wochen läuft die Sendung eher unrund. Mir fallen da vor allem diese Dinge ein: Wenig Themen, schlechte Vorbereitung und unstete Moderatorenauswahl. Erst am Sonntag wurde das so deutlich wie nie: Nachdem eine Woche vorher erst Holger Klein seinen Ausstand gegeben hat, musste Ole Stührmann ran. Was er da machte, wirkte eher mitleiderregend. Was, wie er selber im Trackback-Chat mitteilte, daran lag, dass er nur Ersatzmann vom eigentlichen Ersatzmoderator und außerdem ausgepowert gewesen sei. Bleibt abzuwarten, was in den nächsten Wochen so passiert mit der Sendung. Und wer der endgültige Nachfolger für Holgi wird.

Johnny Häusler von Spreeblick, mutmaßlicher Erfinder der Sendung, hat sich heute Nacht zu all dem geäußert, was mit Trackback aktuell so passiert. Erklärt die Umstände, unter denen die Sendung und der entsprechende Podcast im Herbst 2007 startete. Bevor ich jetzt alles konkret zitiere, was er zu erzählen hatte, verlinke ich den Beitrag lieber.

Sicher ist es schwer, im Medium Radio eine Sendung über Netzthemen zu machen. Blogs sind nunmal primär dazu da, um gelesen zu werden, und nicht um über sie zu reden. Entsprechend angenehm fand ich vor allem die Folgen, die sich mit dem aktuellen Netz-Zeitgeschehen beschäftigen. Die flickr-Zensur. Abmahnungen. Datenschutz. Alles relevante Themen, die auch mich als aktive Bloggerin interessieren. Es gab Hochs und Tiefs, und die Sendung letzten Sonntag war definitiv einer dieser Tiefpunkte. Der Meinung von Marius mag ich mich allerdings nicht anschließen.

Trackback ist aus meiner Sicht zu 100% gescheitert. Woran das liegt habe ich oben für mich erklärt, warum dies so ist kann ich nicht sagen. FRITZ sollte sich den Gefallen tun diese Sendung so schnell wie möglich komplett abzusetzen, bevor die ganze Angelegenheit noch trauriger wird als sie ohnehin schon ist.

Anstatt dessen zitiere ich dann doch mal Johnny:

Neue Ideen, Projekte und Medienexperimente brauchen den Wunsch nach Gelingen, nicht den Wunsch nach Scheitern. Und wer Angst vor dem Scheitern hat, kann immer nur auf Bewährtes zurückgreifen, allein der Versuch der Innovation wird dadurch unmöglich.

TRACKBACK wird weiter senden und weiter ausprobieren und weiter spielen, bestimmt nicht für immer, aber für jetzt. Ob mit oder ohne Spreeblick ist dabei noch ungeklärt, aber im Grunde irrelevant, denn die grundsätzliche Idee funktioniert auch ohne uns. Aber nicht ohne euch.

Das Potential hat die Sendung auf jeden Fall. Und diverse wirklich gute und interessante Sendungen lassen mich an das Gute am Thema glauben.

Doping-Liveblog

Von Lukas Heinser, 24. Juli 2007 17:59

17:55 Uhr: Auf das hier hingewiesen worden.
17:57 Uhr: Bei SpOn nachgeschaut:

Neuer Skandal bei der Tour de France: Alexander Winokurow ist bei einer Dopingprobe positiv getestet worden. Bei dem Astana-Fahrer wurde eine Fremdbluttransfusion nachgewiesen.

18:03 Uhr: Je ne parle pas français.
18:09 Uhr: Okay, damit wird Andreas Klöden auch nicht mehr ins Geschehen eingreifen können:

Wie die französische Sporttageszeitung „L’Equipe“ berichtet, wird sich das Astana-Team nach der positiven Probe von Winokurow mit sofortiger Wirkung von der 94. Frankreichrundfahrt zurückziehen.

(Aktualisierte „Spiegel Online“-Meldung)
18:13 Uhr: team-astana.eu ist down. War ja irgendwie zu erwarten.
18:17 Uhr: Jetzt auch endlich Sport bei n-tv: dort gelten Doping und Astana-Rückzug als Fakt.

Ich geh jetzt zur pl0gbar und melde mich vielleicht von unterwegs noch mal. Sonst später am Abend.

25. Juli, 00:15 Uhr: Wieder da. Erstmal die ganzen Nachrichten im Feedreader durcharbeiten …

00:34 Uhr: Irgendwas ist da zwischen Mitschreiben, Übersetzen und Umstellen bei der Netzeitung schiefgegangen. Der folgende Absatz ergibt jedenfalls höchstens halbwegs Sinn:

Tour-Direktor Christian Prudhomme sprach von einem «Versagen des Systems», das das größte Radrennen der Welt nicht ausreichend schütze. Der Astana-Rückzug sei die einzig mögliche Reaktion gewesen, sagte Patrice Clair von der Amaury Sports Organisation, die die Tour vermarktet. Dies habe er dem Team deutlich gemacht. «Ich habe seit Jahren immer wieder gesagt, wir sind in einem gnadenlosen Kampf gegen Doping. Aber wir werden den Betrügern das Feld nicht überlassen.»

Schön bildhaft auch der Bericht bei sueddeutsche.de:

Prudhomme forderte zudem ein neues System für den Radsport, womit der Weltverband UCI mit seiner unzureichenden Kontrollarbeit gemeint war. „Ich habe jetzt keinen genauen Plan, aber wir brauchen eine Revolution“, rief er mit hochrotem Kopf. „Doch selbst in dieser Scheiße, in der wir sitzen, geben wir nicht auf – die Fahrer sollen sich fürchten und Angst haben.“

14:05 Uhr: Um 15 Uhr soll der Name eines weiteren Dopingsünders veröffentlicht werden. Wir sind gespannt.
14:43 Uhr: Was nehmen eigentlich Jansch und Migels?

Migels: Sag mal, reißen die Bären eigentlich auch Kühe, oder nur Schafe?

15:52 Uhr: Noch ist immer noch kein Name genannt. Die Hubschrauberkamera für die Eurosport-Bilder sorgt bei mir gerade für gesundheitliche Probleme.

17:51 Uhr: Laut L’Equipe ist der neueste Dopingfall Cristian Moreni vom Cofidis-Team.

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