I Admit I Was Impressed With The Start

Von Lukas Heinser
Veröffentlicht: 8. Juni 2007 12:47

Willkommen im Wir-sind-Helden- und iTunes-Fanblog!

Erstere haben für letzteres an einem “Schüleraustausch” teilgenommen und mit +44 Songtausch gespielt. Das Ergebnis: Wir Sind Helden spielen “Wenn dein Herz zu schlagen aufhört” (iTunes, MySpace), als wäre es ihr eigener Song und als hätte es das tolle “When Your Heart Stops Beating” nie gegeben. Und auch bei +44, die ich ja offen gestanden ziemlich gut finde, würde man aufs erste Ohr nicht darauf kommen, dass die gerade einen fremden Song spielen, nur das deutsche “Guten Tag” (iTunes) irritiert etwas.

Ergebnis: Das Experiment ist geglückt, keiner der Songs, keine der Bands hat Schaden genommen. Ich freue mich auf eine Fortsetzung.

PS: +44 haben sich auch noch an der MySpace-Smashing-Pumpkins-Cover-Aktion beteiligt. Ihre Version von “I Am One” kann man hier hören und sei jedem ans Herz gelegt, der Billy Corgans Stimme noch nie mochte – die von Mark Hoppus aber schon.

This Is Zodiac Speaking

Von Lukas Heinser
Veröffentlicht: 8. Juni 2007 1:07

Zodiac (Amerikanisches Filmposter)Filme über wahre Begebenheiten haben ja immer den Nachteil, dass man weiß, wie sie ausgehen. Zwar berichtete mein Bruder mal von einer Freundin, die empört war, als man ihr vor dem Kinobesuch das Ende von “Der Untergang” offenbarte (“Hitler erschießt sich und Deutschland verliert”), aber das dürfte ebenso die Ausnahme sein wie Leute, die sich wundern, dass in “Titanic” ein Schiff untergeht. In “Zodiac” dem neuesten Film des großartigen David Fincher (“Fight Club”, “Sieben”, “The Game”) geht es um einen Serienmörder, von dem in Amerika jedes Kind weiß, dass er nie gefasst wurde. Wie man vor diesem Hintergrund trotzdem einen spannenden Film drehen kann, zeigt Fincher den Zuschauern in 158 Minuten.

In der San Francisco Bay Area werden Ende der 1960er Jahre mehrere Morde begangen, der Täter schickt verschlüsselte Botschaften an Lokalzeitungen und Polizei und inszeniert sich selbst als erstes mediales Phänomen dieser Art. Die Ermittler tappen im Dunkeln, die Nachforschungen des Reporters Paul Avery (Robert Downey Jr. spielt einen Mann mit Alkoholproblemen – How about that?) führen auch nicht weiter und der ganze Fall verläuft sich irgendwie. Und in dem Moment, wo man sich als Zuschauer fragt “Ja, und jetzt? Ist ja wohl noch was hin bis zum Schluss …”, in diesem Moment entwickelt der Karikaturist Robert Graysmith (der in vierzehn Jahren keinen Tag altert – Jake Gyllenhaal sei Dank) eine geradezu krankhafte Obsession, den Fall lösen zu wollen. Er forscht nach, kämpft sich durch Aktenberge und befragt alle mit dem Fall betrauten Personen.

Dass Fincher eine bedrückende Atmosphäre schaffen kann, wissen wir spätestens seit “Sieben”. In “Zodiac” rekonstruiert er das San Francisco der späten Sechziger und Siebziger Jahre mit beinahe beunruhigender Akribie und schafft so eine Welt in Braun und Grau, in der es auch noch ständig regnet. Zu jeder Sekunde sieht der Film so aus, als sei er wirklich schon über 30 Jahre alt und die Kamerafahrten durch inzwischen längst umgebaute Straßen zeigen, wie toll und unauffällig Spezialeffekte mittlerweile sind, wenn man sie ausnahmsweise mal für realistische Bilder einsetzt. Der Film nimmt uns mit in eine Zeit, lange vor der weltweiten Vernetzung, als längst noch nicht jede Polizeistation in den USA ein Faxgerät hatte und man von genetischen Fingerabdrücken und ähnlichen Spielereien noch nicht mal träumte – eine Zeit, in der die Amerikaner immerhin auf dem Mond landeten und in der Eduard Zimmermann schon “Aktenzeichen XY… ungelöst” moderierte.

Jake Gyllenhaal wird sein Image als “irgendwie unheimlicher Softie” wohl nie so ganz loswerden, aber wie schon so oft (und zu vördererst in “Donnie Darko”) überzeugt der 26-Jährige auch diesmal wieder voll und ganz. Sein Robert Graysmith, auf dessen Büchern der ganze Film basiert, ist ein ähnlich getriebener Charakter wie Detective David Mills in “Sieben”: Er belästigt die zuständigen Polizisten mitten in der Nacht, spannt seine Kinder als Hilfsermittler eins und als er zuhause Anrufe vom vermeintlichen Killer erhält, verlässt ihn seine zweite Frau. Seinen Bruder im Geiste findet er in Inspector David Toschi (Mark Ruffalo), der ihn mit Informationen versorgt und trotz aller Anstrengungen auch nicht vom Zodiac-Fall loskommt.

Die brutalen Morde bilden eigentlich nur das Grundgerüst für die Geschichte, auf einige Fälle, die dem Zodiac-Killer ebenfalls zugeschrieben werden, geht er gar nicht ein. Fincher orientierte sich nach eigenen Angaben an “All The President’s Men”, dem Film über die Journalisten Carl Bernstein und Bob Woodward, die den Watergate-Skandal aufdeckten. Trotzdem entwickelt sich in manchen Szenen eine unglaubliche Spannung, die auch durch Faktenwissen nicht herunterzuspielen ist. Auf dem Nachhauseweg war ich jedenfalls geringfügig paranoid.

Fünf Jahre nach “Panic Room”, der eigentlich auch nur enttäuschend war, weil man nach “Fight Club” wieder eine ähnliche Großtat von Fincher erwartet hatte, ist der Regisseur einmal mehr auf dem Höhepunkt seines Schaffens. “Zodiac” ist ein düsterer, intelligenter, letztlich aber pessimistischer Film. Für Leute, die sich schon länger mit dem Zodiac-Killer befassen, ist es eine Bebilderung der eigenen Vorstellungen, für Neulinge ist es eine sehr gute Einführung in den Fall. Die 2004 geschlossenen Akten des San Francisco Police Department zum Zodiac-Killer wurden im Frühjahr dieses Jahres wieder geöffnet.

Offizielle Website zum Film
Offizielle deutsche Website zum Film
Film-Trailer
“The Z Files” – Faktensammlung zum Zodiac-Killer

Was soll denn daran komisch sein?

Von Lukas Heinser
Veröffentlicht: 7. Juni 2007 19:03

Für alle, die sich fragen, was das für ein Lied sein könnte, das die Toten Hosen gerade gemeinsam mit Bob Geldof … interpretieren: Greifen Sie zum Original zur bekanntesten Version.

Nachtrag: Oh weh, “All You Need Is Love” gibt’s auch noch oben drauf. Selten waren der Zweck heiliger und die Mittel ketzerischer …

Bright Idea (Folge 317)

Von Lukas Heinser
Veröffentlicht: 7. Juni 2007 14:47

Heute: Sternmarsch auf eine Küstenstadt.

Acht- und Sachgeschichten

Von Lukas Heinser
Veröffentlicht: 7. Juni 2007 11:42

Ich glaub, ich verbring die nächsten Tage ausschließlich mit Phoenix-Gucken. Das Programm, das die aus Heiligendamm senden, muss man sich so vorstellen, wie wenn ARD und ZDF letztes Jahr rund um die Uhr von der Fußball-WM berichtet hätten, aber die Kameras nach den Nationalhymnen hätten abschalten müssen.

Dafür gibt es die ganze Zeit Gespräche mit Experten, die man sonst nie kennengelernt hätte – vorhin zum Beispiel mit dem Klimaforscher Mojib Latif. Zwischendurch wird an die Front geschaltet, wo Anwohner vorgestellt werden, die die Demonstranten mit Kaffee versorgen, dann werden direkt hinter dem Moderator Greenpeace-Boote aufgebracht. Wann bekommt man schon Weltpolitik, Lokalkollorit und Action gleichzeitig geboten?

Ich hätte mir allerdings gewünscht, dass bei den Übertragungen auch Lippenleser zur Verfügung stehen. Zu gern hätte ich erfahren, worüber Nicolas Sarkozy, Tony Blair, Wladimir Putin und George W. Bush mit Angela Merkel gescherzt haben. Überhaupt: Von Bush gab es heute Morgen eine sehr schöne Szene, wie er mal wieder die Bundeskanzlerin anflirtete.

Ich könnte mir dieses Geplänkel stundenlang angucken. Und solange die Staats- und Regierungschefs sich benehmen wie Teenager auf Klassenfahrt, können sie auch keine politischen Fehlentscheidungen treffen.

“Ich bot meinen Rücken dar denen, die mich schlugen, …”

Von Lukas Heinser
Veröffentlicht: 6. Juni 2007 19:02

“… und meine Wangen denen, die mich rauften.” (Jesaja 50,6)

In Köln findet ja gerade der großangelegte Gegenentwurf zu G8-Gipfel und -Gegendemonstrationen statt: der Evangelische Kirchentag. Das ist mir irgendwie sympathischer und die schöneren Bilder gibt es da auch.

So ließ es sich der WDR gerade nicht nehmen, während der Grußworte von Frank-Walter Steinmeier und Jürgen Rüttgers – die beide beim Versuch einer Johannes-Rau-Impersonation kläglich scheiterten – demonstrativ zu zeigen, wie Zuschauer den Ort des Geschehens verließen. Manchmal ist ein Rücken eben eine deutlichere Botschaft als eine Stirn oder gar Faust …

Franz Josef Wagner schaut in den Abgrund

Von Lukas Heinser
Veröffentlicht: 6. Juni 2007 17:34

Franz Josef Wagner ist ja dafür bekannt, dass er mitunter recht interessante Gedankengänge hat und sich nicht scheut, diese den Millionen Lesern der “Bild”-Zeitung auch mitzuteilen. Man kann ihn wegen seiner Briefe für völlig durchgeknallt halten oder für brillant. Ich bin mir immer noch nicht ganz sicher, was ich von ihm halten soll und lese seine Kolumnen auch zu selten, um mir ein finales Urteil zu erlauben. Deswegen habe ich auch erst gerade via Spiegelfechter mitbekommen, was Wagner gestern für einen Brief an die Bundeskanzlerin geschrieben hat, der in den folgenden Sätzen … äh: gipfelt.

Liebe Angela Merkel, schreibt die Weltpresse Sie so hoch oder sind Sie wirklich so hoch auf dem Gipfel Ihres Lebens?

Mir würde schwindelig werden auf diesem Gipfel. Wenn ich in den Abgrund schaue.

Die ganze Prosa in 116 Wörtern gibt’s hier – und nächstes Jahr vermutlich im Deutsch-Zentralabitur.

Ich schaue mir gern erste Teile an

Von Stephan Flory
Veröffentlicht: 6. Juni 2007 12:41

Es ist wie jedes Jahr, aber es scheint jedes Jahr noch ein kleines Stück schlimmer zu werden. Im Sommer gehören die Kinos den Fortsetzungen. Dieses Jahr sind es vor allem die dritten Teile, die die Leinwände für originäre Stoffe nahezu komplett blockieren. “Spider-Man 3″, “Fluch der Karibik 3″, ab übermorgen noch “Ocean’s 13″, und am 21.6. folgt dann auch noch “Shrek der Dritte” – über etwas anderes wird in den Massenmedien nicht mehr berichtet.

Trotz der Dauerpropaganda für die 300-Millionen-Dollar-Filme (mit dem noch einmal so großen Werbeetat) sendet das Publikum noch schwache Hilferufe nach neuen Stoffen. In den USA machte sich das letztes Wochenende damit bemerkbar, daß “Pirates of the Caribbean 3″ in seiner zweiten Spielwoche deutlich über 60% seines Umsatzes einbüßte und in Sachen Kopienschnitt (Umsatz pro an die Kinos ausgelieferter Kopie des Films) sogar von der Komödie “Knocked up” (Teil 1 wohlgemerkt) überholt wurde. Bei uns in Deutschland halten sich unterdessen kleinere, originelle Filme wie “2 Tage Paris” oder “Fracture” erstaunlich gut und büßen kaum Zuschauer ein, während sich die Zuschauerzahlen der Piraten oder gewisser Spinnenmänner jede Woche nahezu halbieren. Wen wundert das, folgen doch sämtliche dritte Teile auf schwache Fortsetzungen, die allenfalls wirtschaftlich mit ihrem Vorgänger mitzuhalten vermochten, keinesfalls jedoch qualitativ. “Spider-Man 2″ und “Fluch der Karibik 2″ fügten dem Konzept ihrer Vorgänger nichts Neues hinzu, “Ocean’s 12″ hatte nichts vom Elan des ersten Teils und “Shrek 2″ ging der intelligente, bissige Witz des Originals völlig ab.

Wer sich allerdings nicht gezielt informiert, der erfährt im Prinzip nichts von den Alternativen. Höchstens durch Mundpropaganda spricht sich so mancher qualitativ hochwertige Film doch mal noch herum und findet so auch nicht nur in der ersten Woche seine Zuschauer. Schaut Euch also das Kinoprogramm genau an, bevor Ihr einfach nur dem Hype folgt. Es gibt trotz des Verdrängungswettbewerbs doch immer noch den ein oder anderen Film zu entdecken, der Euch mit einer frischen Idee unterhält und nicht mit einer doppelt aufgewärmten.

Shame For You

Von Lukas Heinser
Veröffentlicht: 6. Juni 2007 12:30

Eigentlich mag ich den iTunes Store. Dort bekommt man schnell und relativ preiswert Songs, die man mitunter schon lange gesucht hat. Man kommt problemlos an B-Seiten, Compilation-Beiträge oder noch exotischere Songs seiner Lieblingskünstler und manchmal kann man auch echte Schnäppchen ergattern.

Dass niemand perfekt ist, zeigt sich aber auch beim Beispiel iTunes mal wieder: Seit einigen Tagen bietet Apple in seinem Musikladen auch DRM-freie Dateien an – packt allerdings die Nutzerdaten des Kunden in die Datei.
Und ich ärgere mich gerade über folgendes:

Jamie T bei iTunes

Nicht nur, dass man offenbar zu blöd war, den Namen der fantastischen Lily Allen richtig zu schreiben: Man erweckt auch noch den Eindruck, Jamie T hätte seinen sehr coolen Song “Sheila” für die Single-Veröffentlichung noch mal als Duett mit der charmanten Lily Allen neu eingespielt. Dem ist, wie ich inzwischen festgestellt habe, nicht so. Dafür habe ich jetzt 99 Cent für einen Song bezahlt, den ich in genau der gleichen Version schon besitze (nämlich auf Jamie Ts sehr empfehlenswertem Album “Panic Prevention”). Für weitere 99 Cent gab es dann aber tatsächlich eine Zusammenarbeit mit der schnuckligen Lily Allen: das charmant verspulte “Rawhide” (nicht das Lied aus dem Blues-Brothers-Film), das man sich (ganz kostenlos) auch auf Jamie Ts MySpace-Seite anhören kann.

Update, 07.06. 00:45 Uhr: Wie ich aus zuverlässiger Quelle erfahren habe, übernimmt man bei iTunes die Daten, die von der jeweiligen Plattenfirma geliefert werden. Ich möchte das “zu blöd” also von iTunes abziehen und bei Virgin vor die Tür stellen.

Lieder für die Ewigkeit: New Radicals – You Get What You Give

Von Lukas Heinser
Veröffentlicht: 4. Juni 2007 14:30

Berlin (hat nicht so direkt was mit den New Radicals zu tun)

Vor ziemlich genau acht Jahren begann – in musikalischer Hinsicht – ein neues Leben für mich. Die letzte Klassenarbeit des Schuljahres, ja: der Mittelstufe, war geschrieben, die Bundesjugendspiele überlebt und ich saß in einem Zug Richtung Berlin. Wir fuhren gerade durch ein ostwestfälisches Regengebiet, der Himmel war tiefrot, als ich im Bordradio ein Lied hörte, das mir außerordentlich gut gefiel. Zu meiner großen Überraschung sagte der Eins-Live-Moderator danach sogar, um was für ein Lied es sich gehandelt hatte. Ich notierte mir: “New Radicals – You Get What You Give”. Danach klarte es auf.

In Berlin hatte ich für die nächsten Tage einen Ohrwurm von dem Lied und als ich mir das Album “Maybe You’ve Been Brainwashed Too” nach zwei Wochen des Abwägens (CDs waren auch 1999 für Schüler schon teuer und “illegal runterladen” gab es kannten wir damals noch nicht) schließlich gekauft hatte, war sie eine von den zwei Platten, die ich den ganzen Sommer über immer abwechselnd gehört habe. (Die andere war “The Unauthorized Biography Of Reinhold Messner” von Ben Folds Five.)

Etwa einen Monat später hatten sich die New Radicals aufgelöst, weil ihr Kopf Gregg Alexander keine Lust mehr hatte auf kommerziellen Erfolg und mediale Ausschlachtung. Er arbeitete hernach lieber als Produzent weiter und schuf mit Texas (“Inner Smile”), Ronan Keating (“Life Is A Rollercoaster”), Sophie Ellis-Bextor (“Murder On The Dancefloor”) und sogar Rod Stewart (“I Can’t Deny It”) und Carlos Santana (“The Game Of Love” mit Michelle Branch) noch einige weitere Popperlen, die im Prinzip “You Get What You Give Reloaded” waren. Die New Radicals wurden somit automatisch zum One Hit Wonder, weil “Someday We’ll Know”, die zweite und letzte Single der Band, nicht an die weltweiten Erfolge von “You Get What You Give” anknüpfen konnte. Bei Gregg Alexander würde es mich nicht wundern, wenn auch diese bewusste Reduktion auf einen Song Teil des Plans war – trotzdem finden sich auf dem Album elf zeitlose Popsongs, die der Perfektion immer wieder ganz nahe kommen, und einen durchgedrehte Track, dessen Lyrics zwar im Booklet stehen, aber einfach nicht gesungen werden. Es ist der Titeltrack des Albums.

Für mich, der ich bis dahin etwa zwanzig Film-Soundtracks, sowie Alben von Phil Collins und der Lighthouse Family besaß, war der Sommer 1999 und die Entdeckung der New Radicals der Beginn einer Liebe zur Musik.

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