Redaktionsscrabble

Von Kathrin Grannemann, 16. Juni 2007 14:31

Entweder hatte man bei der Schweriner Volkszeitung keine Muße, sich eine treffende Bildunterzeile auszudenken, oder die Redaktionskatze hatte mal wieder Auslauf:

kerhtuerghiutaghiuwer

„Hoffentlich sieht das keiner!“

Von Lukas Heinser, 15. Juni 2007 11:16

Liebes ZDF,

da macht Ihr schon mal eine neue Talkshow mit zwei Moderatoren, die ich nicht nur ertrage, sondern wirklich gut finde, und dann erfahre ich erst am Morgen nach der Ausstrahlung bei Spiegel Online davon, dass es diese Sendung überhaupt gegeben hat.

Wenn Ihr „Roche & Scobel“ jetzt wegen schlechter Quote einstellt, komme ich persönlich in Mainz vorbei und erklär Euch das mit der Werbung noch mal. So lange könntet Ihr mal überlegen, ob Ihr eine Talkshow, die live im Internet übertragen und erst danach im Fernsehen gezeigt wurde, nicht vielleicht auch anschließend in Eurer „ZDF-Mediathek“ zur Verfügung stellen solltet …

Ich beglückwünsche Euch zu diesem offensichtlich interessanten Sendekonzept und bitte um Benachrichtigung vor der zweiten Ausgabe.

Viele Grüße,
Lukas

Nachtrag 18. Juni, 13:05 Uhr: Wie uns das ZDF höchstselbst in den Kommentaren mitgeteilt hat, kann man die Sendung nun online schauen. Und zwar hier.

The Geek (Must Be Destroyed)

Von Lukas Heinser, 15. Juni 2007 1:41

Uni-Seminare über Massenkultur haben den Vorteil, dass man sich „im Auftrag der Wissenschaft“ Fernsehserien anschauen kann, deren Kenntnis man ansonsten vehement abstreiten würde. Ich habe also die erste Folge von „Das Model und der Freak“ gesehen und geriet darüber in eine schwere Grübelei.

Das Konzept der Serie lautet: Zwei mir völlig unbekannte Models (Gottseidank, es ist ProSieben, da können es keine „Topmodels“ sein, denn das sind die Sieger von Heidi Klums Casting Show) sollen zwei „Freaks“ in „Topmänner“ verwandeln. „Freaks“, das sind in der Welt von ProSieben Leute, die Tennissocken, alte Sweatshirts und unmodische Frisuren tragen, an Computern herumschrauben und vielleicht auch noch bei ihrer Mutti wohnen. Vor wenigen Jahren, vor dem Siegeszug der Metrosexualität, hätte man sie schlicht „Männer“ genannt.

Diese Männer, die der Off-Sprecher mit ekelerregender Penetranz als „Freaks“ bezeichnet, werden zunächst ein bisschen öffentlich vorgeführt, dann machen die Models mit ihnen ein „Selbstbewusstseinstraining“, das jeder Heizungsmonteur glaubwürdiger hinbekommen hätte, und schließlich werden sie „umgestylt“.

Zugegeben: Nach ihren Friseurbesuchen sahen die beiden Kandidaten wirklich deutlich ansprechender aus und wirkten auch gleich ganz anders – eine Szene, die mich doch darüber nachdenken ließ, mein Gestrubbel auch mal wieder von denen richten zu lassen, die das können, was nur Friseure können. Möglicherweise war das, was man bei Tobias (21) und Thomas (27) sah, sogar echte Selbstsicherheit, die da plötzlich aufkeimte. Ich würde es ihnen wünschen, denn die beiden wirkten sehr sympathisch (und auch am Ende noch recht natürlich).

Zuvor hatten die beiden aber mehrfach meinen Beschützerinstinkt geweckt und in mir das Bedürfnis aufkommen lassen, den Zynismus dieser bunten Fernsehwelt zu geißeln. Was für eine „Moral“ soll das denn bitteschön sein, wenn junge Fernsehzuschauer, die gesellschaftlich aus was für Gründen auch immer außen stehen und die wir „Nerds“, „Geeks“ oder „Informatiker“ nennen wollen (ProSieben nennt sie bekanntlich „Freaks“), vermittelt bekommen, man müsse sich nur auf Kosten eines Fernsehsenders ein bisschen herausputzen lassen und schon lernt man die Frau fürs Leben kennen oder kann endlich von Mutti wegziehen?

Da mache ich gerne mal einen auf Evangelische Landeskirche, oder wie hauptberufliche Bedenkenträger sonst heißen, und stelle ein paar Vokabeln zur Selbstmontage einer lautstarken Empörung zur Verfügung: „zynisch“, „menschenverachtend“, „oberflächlich“, „innere Werte“, „materialistische Gesellschaft“, „geschmacklos“, „Gleichschaltung“, „öffentliche Zurschaustellung“, …

Im Ernst: Ich weiß nicht, was ich von dieser Sendung halten soll. Wenn sich die Kandidaten am Ende wirklich wohl in ihrer Haut und den fremden Klamotten fühlen, war es für sie vielleicht ein Erfolg. Andererseits besteht die Gefahr, dass man auch auf die optisch gerelaunchten Männer zeigen wird, wenn man sie in der Stadt erblickt, und sagen wird: „Mutti, sieh mal: Da ist der Freak aus dem Fernsehen!“ Die Aufmachung der Sendung ist mit „grenzwertig“ ganz gut charakterisiert und das (nicht mal neue) Konzept dahinter viel zu schwarz/weiß.

Ich bin jetzt Wir-Sind-Helden-Hören: „The geek shall inherit the earth“.

Nicht mehr jung und noch nicht alt

Von Lukas Heinser, 14. Juni 2007 19:40

Das Misstrauen, das ich gegen jegliche Form von Generationenbezeichnung hege, wird nur noch von dem Misstrauen überboten, das ich Leuten entgegenbringe, die von der „Jugend von heute“ reden. Personen, die mir launig erzählen wollen, alle Menschen meiner Altersstufe seien beispielsweise gemeinschaftlich unhöflich, kann man natürlich nur schwer mit Argumenten kommen. Man kann aber (trotz heftigen Widerwillens) freundlich zu ihnen sein, was sie im Idealfall ihren verallgemeinernden Kulturpessimismus überdenken lässt.

Ich neige dazu, nicht anwesende Kinder und Jugendliche gegenüber älteren Menschen zu verteidigen – weil sie es gerade selbst nicht können und weil ich Jugendlichen durchaus noch eine gewisse Unreife zugestehe, die sich in unser beider Interesse am Tage ihres achtzehnten Geburtstags in Wohlgefallen auflösen möge. Und auch wenn ich es natürlich in keiner Weise gutheißen möchte, dass sich Minderjährige in der Öffentlichkeit bis zur Bewusstlosigkeit betrinken und die Flaschen, aus denen sie ihren billigen Rausch gesogen haben, danach auf Radwegen und Wiesen zertrümmern, bin ich doch zumindest milde überrascht über Kommunen, die Pressemeldungen wie diese veröffentlichen:

Radfahren ja, Alkohol nein

Nicht nur, dass das Wort „Alkohohl“ so ziemlich zum peinlichsten gehören dürfte, was einer Pressestelle passieren kann: Der ganze Beschluss wird natürlich auch nur dafür sorgen, dass die Jugendlichen ihrem Hobby nun nicht mehr im Stadtpark, sondern an anderen Orten frönen. Und im angetrunkenen Zustand von der Innenstadt-Kneipe nach hause zu kommen, ohne die zentrale Parkanlage zu betreten, dürfte viele auch vor logistische Schwierigkeiten stellen. Ich möchte darüberhinaus zu einem Ideenwettbewerb „Die schönsten Unarten, die Rücksicht auf Mitbürger vermissen lassen“ aufrufen.

Aber bei allem (möglicherweise reichlich naivem) Vertrauen in die Jugend und bei aller Ablehnung gegenüber den apokalyptischen Phantasien von Menschen, die Jugendkultur nur vom Wegdrücken im Fernsehen kennen: Die letzten Tage haben mich nachdenklich zurückgelassen.

  • Am Freitag fuhr ich in einem Regionalexpress, in dem auch zwei junge Damen von vielleicht fünfzehn Lenzen abwechselnd gemeinsam für MySpace-Profilfotos posierten – der einen fiel zwischendurch ihre (bekleidete) Oberweite aus dem Hemd – und billigen Toffee-Likör und Schnäpse in sich hineinschütteten. Kurz vor dem Duisburger Hauptbahnhof war das eine Gör nach eigenen Angaben so weit, dass sie „gleich kotzen“ müsse und ich war froh, als die beiden ausstiegen.
  • Heute saß ich in der Bochumer U-Bahn und in der Sitzgruppe neben mir saß ein Mädchen, das gerade mit einem Feuerzeug dabei war, die Innenverkleidung des Zugs abzuflämmen. Ich glotzte, sah mich hilfesuchend nach Erwachsenen um und begriff dann, dass ich endlich alt genug war, die Rolle des sonderlichen alten Mannes zu einzunehmen: „Was soll das werden, wenn’s fertig ist?“, fragte ich denkbar unautoritär. Das Kind setzte kurz ab und schmorte dann weiter munter vor sich hin. „Kannst Du das bitte lassen?“, setzte ich nach und guckte unsicher, ob die Leute schon über mich tuschelten. „Mit wem reden Sie?“, murmelte das verzogene Blag, ohne mich auch nur anzusehen. „Mit Dir“, blaffte ich zurück, ehe wir beide ausstiegen. Immerhin: Genug Autorität für ein „Sie“ gestand mir der Satansbraten zu.
  • Als ich dann von der Uni nach Hause ging, standen an den Müllcontainern des Nachbarhauses zwei etwa zwölfjährige Jungen und ein bedeutend jüngerer. Die älteren hielten Zigaretten in ihren Händen und pafften diese so denkbar uncool, wie es nur Schüler können, die endlich mal was verbotenes ausprobieren wollen. Ich guckte kurz, ob sie dem kleinen Jungen („Ja, Kevin, Du darfst raus, aber nimm bitte den Patrick mit!“) auch eine Zigarette gegeben hatten. Sie hatten nicht und ich schritt fort.

Und jetzt fragt der aufmerksame Leser: „Wieso haben Sie denn das unschuldige Mädchen, das nur eine Verschönerung der hässlichen U-Bahn vornehmen wollte, so denkbar schroff behandelt, nicht aber die beiden Gruppen zukünftiger Rauschgiftabhängiger?“

„Tja“, werde ich antworten, „Sachbeschädigung gehört für mich nicht zu den Dingen, die man als Jugendlicher mal ausprobiert haben sollte, um seinen Körper besser kennen zu lernen. Und was mit den Lebern und Lungen der anderen ist, kann uns in dem Moment doch reichlich egal sein.“

„Na, das ist aber eine ziemlich egoistische Einstellung.“

Stimmt.

Jenseits von Eden

Von Lukas Heinser, 13. Juni 2007 13:51

Gestern war also die zweite pl0gbar in Bochum und wenn ich eines gelernt habe, dann dass man hinterher darüber bloggen sollte. Zum Beispiel, um sich selbst und den anderen noch mal zu versichern, was für ein netter Abend es war (war es wirklich), und um niederzuschreiben, wie die Themen lauteten, über die man gesprochen hatte: Die goldene Fleischwurst der Fiege-Brauerei, diverse Auftritte Anwesender in den sog. „alten Medien“ (ich hab mal lieber nicht erzählt, dass ich mal bei einer Aufzeichnung der Vox-Sendung „Kochduell“ zugegen und auch groß im Bild war), die schönsten Lieder bei „Singstar“, sowie die Viva-Moderatorin Gülcan Karahanci, die man lieber nicht in der Nähe einer Fledermauskolonie sprechen lassen sollte, die aber bald einen Fernseher heiratet (oder irgendwie sowas).

Neben diesem Themen-Potpourri wurde auch immer wieder kurz über die mögliche Organisation eines sog. „Barcamps“ in Bochum gesprochen, aber was das genau ist, hab ich auch nach längeren Erklärungsversuchen noch nicht ganz verstanden. Klang aber ein bisschen wie eine Mischung aus Informatikunterricht und Kirchentag. Gesungen wurde gestern schon – aber nur am Nebentisch.

Und hier noch die Nachklapps bei die ständige Reise, Pottblog, Tales from the Mac Hell und Ich denke nicht….

Totes Pferd gefunden

Von Lukas Heinser, 13. Juni 2007 2:58

Millionen von Menschen lesen jeden Tag die „Bild“-Zeitung, darunter viele Medienschaffende und Journalisten. Manche lachen sich danach ins Fäustchen und werfen die Zeitung weg – und andere setzen sich danach hin und schreiben los.

Ich hab mich daran gewöhnt, dass die „Rheinische Post“ bzw. „RP Online“ seit einiger Zeit wie schwarz-gelbe (die Zeitungsfarben, nicht die Politik) Ausgaben von „Bild“ und „bild.de“ wirken – es könnte damit zusammenhängen, dass Chefredakteur Sven Gösmann und Online-Chef Oliver Eckert von der Elbe an den Rhein gewechselt waren. Zuletzt sah man am Samstag, wie das geht: „ARD-Wetterfee rastet im TV aus!“ vs. „Vor laufender Kamera: Wetterfee Claudia Kleinert rastet aus“.

Dass aber ausgerechnet die von mir hochgeschätzte (und abonnierte) „Süddeutsche Zeitung“ auf ihrer Internetseite auch „Bild“-Inhalte recycelt, ist für mich – milde ausgedrückt – ein Schock.

Zur Erinnerung: Letzte Woche hatte „Bild“ eine angebliche Ex-Freundin des TV-Komikers Oliver Pocher samt Fotos ausgegraben und kurz darauf Pochers aktuelle Freundin samt Fotos vorgestellt. Das ist ja schon uninteressant genug, aber sueddeutsche.de nutzt diese Geschichte als Aufhänger für etwas, was wir „Desaster“ „Offenbarungseid“ „Bilderstrecke“ nennen wollen.

Auf elf Einzelseiten hangelt sich die Autorin Michaela Förster von Pocher und den Damen über Stefan Raab, Harald Schmidt und Herbert Feuerstein wieder zu Pocher zurück und dann noch einmal zu Schmidt. Der Text ist banal und dient nur der Betextung von Fotos, die hauptsächlich Oliver Pocher zeigen. Dabei schreckt sie auch vor der neuesten Unsitte des Onlinejournalismus nicht zurück und lässt den Text gerne auch mal mitten im …

… Satz umbrechen. Das ist in sprachlicher und ästhetischer Hinsicht mindestens unschön und führt nebenbei auch noch schnell zu misslungenen Bildunterzeilen:

… und diese Riege handhabt die Trennung von Beruf und Privatleben anders.

(Screenshot: sueddeutsche.de)

Wenn das die „hochwertigen Portale und Nachrichten im Internet“ seien sollen, gegen die Blogs angeblich keine Chance haben, dann möchte ich unter keinen Umständen minderwertige Portale zu Gesicht bekommen.

Pferd 2.0

Von Lukas Heinser, 11. Juni 2007 16:31

Bei Indiskretion Ehrensache und beim Handelsblatt selbst kann man seit einigen Wochen das schöne Essay „Web 0.0“ lesen, in dem Thomas Knüwer anhand einiger Beispiele aufzählt, warum Wirtschaft und Politik auf der einen und Internet auf der anderen Seite immer noch nicht unter einen Hut zu kriegen sind.

Die Kernaussage lautet:

Nun ist klar: Die digitale Spaltung ist da – doch sie verläuft quer durch die Gesellschaften der industrialisierten Nationen.

Und ob man sich in Sachen Computerdurchsuchung nun keine oder gleich riesige Sorgen machen sollte, kann jeder nach diesem Zitat für sich selbst entscheiden:

Oder Jörg Zierke. Dem Chef des Bundeskriminalamtes wurde bei einem Fachgespräch der Grünen zum Thema Bürgerrechte vom Dresdner Datenschutzprofessor Andreas Pfitzmann vorgeworfen: „Mit dieser Unbefangenheit über Informatik reden kann nur jemand, der nicht mit Informatik arbeitet.“ Zierkes entwaffnend naive Antwort: „Ich sage auch nur, was mein Mitarbeiter aufschreibt.“

Warum erzähle ich das? Zum einen ist der/die/das Essay recht lesenswert, zum anderen meldete die Netzeitung heute:

Deutsche Medienmanager zweifeln an Web 2.0

Das passt schön zu Knüwers Beobachtungen:

Und Gründer erhalten nur Geld, wenn sie ein Geschäftsmodell aus den USA kopieren. Originäre Ideen werden von Kapitalgebern abgelehnt mit ebendieser Begründung: es gebe kein US-Vorbild.

Im Netzeitungs-Artikel steht aber auch der Absatz:

In einem Punkt waren sich indes deutsche und ausländische Manager in der Befragung einig: Blogs und nutzergenerierte Inhalte werden etablierte und hochwertige Portale und Nachrichten im Internet nicht verdrängen.

Ich glaube auch nicht, dass Blogs „Portale und Nachrichten im Internet“ (was immer das genau sein soll) verdrängen werden – wenn, dann machen die das schon selbst, z.B. durch fortschreitende Boulevardisierung und nachlassende Qualität.

Trotzdem würde ich so einen Satz nie sagen. Meine Angst wäre viel zu groß, eines Tages im „Lexikon der größten Fehleinschätzungen“ oder wie sowas heißen mag, abgedruckt zu werden. Gleich hinter den totzitierten Worten von Wilhelm II.:

Ich glaube an das Pferd. Das Automobil ist eine vorübergehende Erscheinung.

Mein schönstes Urlaubsfoto

Von Lukas Heinser, 11. Juni 2007 14:12

Ab Mittwoch gibt es bei Aldi Nord eine preiswerte Digitalkamera, mit der man besonders schöne Urlaubsfotos schießen kann. Zum Beispiel vom Ground Zero:

Urlaubsfotos am Ground Zero
(Screenshot: aldi-essen.de)

Zum Vergleich: So sah es im letzten November von der gegenüberliegenden Seite des Lochs aus.

Seid Netz zueinander!

Von Lukas Heinser, 10. Juni 2007 18:40

Es gibt Sachen, für die fehlt mir irgendwie der Zugang. So weiß ich zum Beispiel mit dem Gerede von der „Blogosphäre“ nicht allzuviel anzufangen – nur weil ein paar Hundert Menschen mit der gleichen Content-Management-Software Texte ins Internet stellen, macht sie das doch nicht automatisch zu Gleichgesinnten. Genauso gut könnten sie sich ja auch „Generation Golf“ nennen oder so einen Blödsinn. Auch habe ich bisher nicht verstanden, warum man sich mit Leuten, die man online kennengelernt hat, im Real Life treffen sollte – das Internet wurde doch erfunden, damit jeder in seinem Elfenbeinturm sitzen bleiben und trotzdem mit Menschen aus aller Welt kommunizieren (und sie im Zweifelsfall beleidigen) kann.

Trotzdem (und obwohl parallel „Dr. House“ im Fernsehen lief) war ich vor knapp zwei Wochen bei der ersten pl0gbar in Bochum. Das war wider erwarten ein sehr netter Abend und deshalb wird dieser Spaß jetzt fortgesetzt.

Was ich auch nicht wusste ist, dass man hinterher darüber bloggen muss sollte. Klar, es kann ja außer den Dagewesenen keiner wissen, dass man da war – der Blog-Eintrag wird somit zur digitalen Urlaubspostkarte.

Wer also aus dem Großraum Bochum (wir nennen es „Ruhrgebiet“) kommt, irgendwie online aktiv ist und sich vielleicht darüber hinaus auch noch in der Lage sieht, mir die Angst vor Real-Life-Versammlungen zu nehmen, der ist am kommenden Dienstag, 12. Juni 2007 ab 19:00 Uhr im Café Konkret herzlich willkommen.

(Und jetzt kann ich noch diesen Link hier setzen, hat mein Betreuer gesagt. Ich weiß nur nicht genau, was das ist.)

Jesus, etc.

Von Lukas Heinser, 10. Juni 2007 13:30

Oft genug sind es ja die sog. „etablierten Medien“, die die sog. „neuen Medien“ meiden wie der Teufel das Weihwasser. Wenn deren Vertreter dann doch mal über so etwas wie Blogs reden, kann es schnell peinlich, und wenn sie Sinn und Funktionsweise von Blogs nicht verstehen, auch mal oberpeinlich werden.

Umso wichtiger ist es in meinen Augen, auf Beispiele hinzuweisen, bei denen ein „etabliertes Medium“ auf geradezu beispielhafte Weise ein Blog eingesetzt hat – und das bei einem Thema, das auf den ersten Blick so gar nicht Web 9 3/4 ist. Ich rede natürlich vom Kirchentagblog von wdr.de. Dort haben die Online-Redakteurinnen Marion Kretz-Mangold und Sabine Tenta bereits Ende Mai zu bloggen angefangen und während des Evangelischen Kirchentags in Köln waren sie richtig aktiv.

Dabei haben die beiden Damen das Blog genau für die Dinge genutzt, für die in der „klassischen“ Berichterstattung im Hörfunk oder Fernsehen kein Platz gewesen wäre: kleine Beobachtungen am Rande, Berichte über die Podiumsdiskussionen (inkl. mildem Jürgen-Fliege-Bashing) und Hintergrundinformationen. Wer nicht vor Ort sein konnte, hatte so zumindest die Möglichkeit, eine ordentliche Portion Kirchentagsatmosphäre vom eigenen Computer aus genießen zu können. Manchmal entsponnen sich in den Kommentaren sogar kleine Diskussionen, aber leider nicht oft – so ganz passen Thema und Medium wohl immer noch nicht zusammen.

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