Programmhinweis

Von Lukas Heinser
Veröffentlicht: 1. Juni 2007 17:12

Nach dem großen Erfolg des Grand Prix Liveblogs mit integriertem Saufspiel will ich morgen mal wieder ein solches starten. Der Grund Vorwand ist das Länderspiel Deutschland – San Marino, bei dem jeder Treffer der deutschen Mannschaft gefeiert werden will. Das Hinspiel endete 13:0

Fußball-Liveblog
Deutschland – San Marino
Samstag, 2. Juni 2007
ab 18:30 Uhr
auf coffeeandtv.de

Hat man beim WDR etwas gegen Veronica Ferres?

Von Lukas Heinser
Veröffentlicht: 1. Juni 2007 1:13

Ich habe seit Montag im WDR zwei Dokumentationen über Jörg Immendorff gesehen, die zwar teilweise aus dem gleichen Material bestanden, aber eben doch zwei verschiedene Filme waren.

In beiden Filmen waren Ausschnitte von öffentlichen Veranstaltungen zu sehen (die Eröffnung der Retrospektive in der Neuen Nationalgalerie 2005 und die Übergabe des Kanzlerporträts im Frühjahr 2007), bei denen neben Immendorff jeweils Gerhard Schröder und Veronica Ferres zugegen waren. Und, ungelogen: Jedes mal, wenn Frau Ferres im Bild war, sagte die Sprecherin gerade etwas von “Nutznießern”, “Bussi-Bussi-Gesellschaft” und Leuten, die Immendorff am Ende “zuwider” gewesen seien. Das kann doch kein Zufall mehr sein, oder?

Sie haben uns ein Denkmal gebaut

Von Lukas Heinser
Veröffentlicht: 31. Mai 2007 14:50

Am vergangenen Freitag erschien “Soundso”, das dritte Album von Wir Sind Helden. Hier meine patentierte Track-by-track-Analyse:

(Ode) An die Arbeit
Es bedarf schon einiges Mutes, sein Album mit einem funkigen Sprechgesang zu beginnen. Die Helden haben Mut und plaudern sich durch einen Track, der die elende Gesellschaftskritik bandtypisch mit zwei zwinkernden Augen auf den Punkt bringt: “Du bist Preußen!”

Die Konkurrenz
Noch mehr Arbeitswelt-Metaphorik für “Neon”-Leser und “Polylux”-Zuschauer. “Sag’s mir, Hippiekind!” sollte dringend als geflügeltes Wort in die deutsche Sprache eingehen. Musikalisch (mit Bläsern aufgehübscht) ganz nett, aber einer der schwächeren Songs des Albums.

Soundso
Aus einem Heavy-Metal-Gitarrensolo entspinnt sich eine melancholische Midtempo-Nummer, die im Refrain zu “Du erkennst mich nicht wieder”-mäßigen Höhen erwächst. Ein Lied über Anderssein und Schubladendenken, ein Lied, das aber auch zeigt, dass Wir Sind Helden nicht nur Text, sondern auch Musik sind.

Für nichts garantieren
Wenn man schon Tele-Sänger Francesco Wilking als Gastsänger verpflichten kann (der Gegenbesuch für Judith Holofernes’ Gesang auf “Wovon sollen wir leben”), muss man auch ein bisschen nach Tele klingen. Und das klappt bestens, denn musikalisch ist das genau die richtige Kragenweite mit leichtem Schunkelbeat und entspannten Bläsern. Textlich ist das dann wohl das Eltern-Lied der Platte, denn Frau Holofernes und Schlagzeuger Pola Roy sind ja jüngst Eltern eines kleinen Jungen geworden.

Kaputt
Noch ein Lied übers Anderssein, über kaputte Familien und das Gefühl, aufgeben zu wollen: “Es ist okay – jeder soll fliehen der kann / Wenn du den Fluchtwagen fährst / Schnall dich an”. Das ist ja überhaupt etwas, was die Band seit ihrem Debüt perfekt beherrscht: Sie vermitteln dem Hörer das Gefühl, verstanden zu werden, und fassen das in Worte, was er selbst nicht beschreiben kann.

Labyrinth
Okay, spätestens hier ist der textliche Schwerpunkt des Albums (eigentlich aller Helden-Alben) klar: Orientierungslosigkeit und Suche. Welche Metapher wäre da besser geeignet als “Labyrinth”. Wieder Midtempo, wieder Keyboards, wieder Nachts auf dem Fahrrad hören und die Arme ausbreiten.

The Geek (Shall Inherit)
Wenn die Serie aufrechterhalten wird, wird das die vierte Single des Albums. Bisher wurden meine Helden-Favoriten (“Denkmal”, “Wenn es passiert”) nämlich immer als letztes ausgekoppelt. Und das hier ist sowas von mein Favorit: Anderssein, natürlich. “Die Verletzten sollen die Ärzte sein / Die Letzten sollen die Ersten sein / Die Ersten sehen als Letzte ein: / The Geek shall inherit the earth” wird bitte jetzt sofort vor jeder Schule in Marmor gemeißelt. Wer sein Leben lang nicht dazu gehörte, hat jetzt endlich – von denn Weezer-Alben mal ab – seine ganz persönliche Nationalhymne. Ich muss dringend Krafttraining machen, um mir den kompletten Text auf den Oberarm tätowieren lassen zu können.
Ist übrigens auch musikalisch ein toller Song und das kettcar-mäßigste, was die Helden bisher hatten.

Endlich ein Grund zur Panik
Die Vorabsingle. Wie schon “Gekommen um zu bleiben” ein Lied, das man nicht erwartet hätte: Die Helden wieder laut, wieder wild, Frau Holofernes schreit wieder. Der Song hätte auch aufs Debütalbum gepasst und ist textlich eigentlich die einzig notwendige Antwort auf Wolfgang Schäubles Generalpanikmachung. Ach verdammt, jetzt hab ich die Helden schon wieder als “Sprachrohr einer Generation” misshandelt …

Der Krieg kommt schneller zurück als du denkst
Supertitel, was? Für ein Kind der Achtziger, das ich bin, ist die heutige Zeit natürlich regelrecht erholsam, verglichen mit dem atomaren Weltkrieg, der uns damals angeblich jeden Tag von neuem drohte. Trotzdem: Wie schnell Regierungen (auch die eigene) tatsächlich in den Krieg ziehen, haben wir in den letzten achteinhalb Jahren deutlich genug gesehen. Um viel mehr geht’s in dem Lied dann auch nicht, dafür noch die Super-Anspielung “Was ist so lustig an Liebe und Frieden?”

Hände hoch
“Es ist vorbei du bist umstellt / Um dich herum überall Welt” – Ja, fantastisch, was soll man denn nach einem solchen Liedanfang noch schreiben? Ein Lied übers Aufgeben, übers Akzeptieren, das seltsamerweise viel optimistischer klingt, als man es vermuten würde.

Stiller
“Ich bin nicht Stiller” – Was? Deutsch-LK mit Max-Frisch-Abi?! Nee, “stiller” als Komparativ zu “still”. Na, dann ist ja gut. Eine Ballade über … Ja, Herrgott: über Orientierungslosigkeit, übers Akzeptieren, übers Abkapseln: “Ich bin nicht stiller / Nur die Worte fehlen”.

Lass uns verschwinden
Im Wesentlichen gibt es bei Wir Sind Helden zwei Sorten von Liedern, die immer wieder neu und toll durchdekliniert werden: Den lauten, gesellschaftskritischen Stampfer (“Guten Tag”) und die melancholische, persönliche Ballade (“Du erkennst mich nicht wieder”). Der letzte Song ist immer die melancholische, persönliche Ballade und auch in ihrer x-ten Manifestation ist diese immer noch anrührend und wunderschön. Was ja bei aller Gesellschaftskritik und dem Sprachrohr-Geschwurbel immer wieder übersehen wird: Die persönlichen Helden-Songs waren fast immer noch ein bisschen besser als die gesellschaftskritischen. So auch hier.

Fazit
Nach dem dritten Album kann man sich meistens sicher sein, ob eine Band so gut ist, wie man das am Anfang vermutet hatte. Mehr als vier Jahre, nachdem ich Wir Sind Helden für mich entdeckt und sie vor damals noch zweihundert laut mitsingenden (vor der Veröffentlichung des Debüts!) Fans live gesehen habe, kann ich nun also beruhigt sagen: Ja, die sind so gut. Sie sprechen einem aus dem Herzen und der Seele, sie packen das in Worte, was man immer schon gedacht hat. Konzeptalben sind eine doofe Erfindung und natürlich ist “Soundso” keines, aber die immer wiederkehrenden Themen (ja ja: Anderssein, Orientierungslosigkeit, Schubladendenken, …) sind schon deutlich erkennbar. Und wer kennst sich mit Schubladen besser aus als das “Sprachrohr der Generation Praktikum”?

Wir Sind Helden - Soundso (Cover)
Wir Sind Helden – Soundso

VÖ: 25.05.2007
Label: Reklamation Records/Labels
Vertrieb: EMI

Listenpanik (3): Endlich ein Grund zur Panik

Von Lukas Heinser
Veröffentlicht: 31. Mai 2007 13:11

Der Monat ist um, es ist wieder mal Zeit, zurückzublicken. Hier die übliche subjektive Liste, in der hinterher wieder mindestens die Hälfte fehlt:

Alben (inkl. Amazon.de-Links)
1. Wir Sind Helden – Soundso
Veröffentlichungsdaten sind was tolles: Bis vor zehn Minuten dachte ich, das Album erscheine erst morgen. Die Track-by-track-Analyse kommt also erst heute Nachmittag liegt jetzt vor. Dass “Soundso” ein großartiges Album ist, das den etwas unentschlossenen Vorgänger “Von hier an blind” fast vergessen macht, kann ich aber auch jetzt schon mal mitteilen.

2. Travis – The Boy With No Name
Auch Travis machen ihr letztes Album wieder wett. Auch nach zigfachem Hören bin ich das Album noch nicht leid und entdecke immer wieder ein paar Details, die ich noch nicht gehört hatte. “The Boy With No Name” könnte das Sommeralbum werden/bleiben – fehlt nur noch das entsprechende Wetter.

3. Muff Potter – Steady Fremdkörper
Muff Potter zählten eigentlich immer schon zu den besten Bands des Landes – sie wurden nur irgendwie immer ignoriert. Das gab sich aber mit den letzten beiden Alben und während die Band immer noch besser wurde, stieg auch ihre Popularität. Jetzt veröffentlichen die Wahl-Münsteraner ihr neues Album, das wie üblich all ihre Qualitäten vereint. Man könnte es “Deutschpunk” nennen, wenn man dabei nicht an die Toten Hosen denken müsste, und das nicht sowieso so ein spießiges Etikett wäre. Dann halt: Tolle Texte, umarmende Melodien und immer noch genug Wumms. Muss man (mehrfach) gehört haben.

4. Manic Street Preachers – Send Away The Tigers
Noch eine Band für die Liste “Schwache Vorgänger, die man jetzt getrost vergessen kann”. Was bin ich froh. Detailliert habe ich mich hier ausgelassen, deshalb nur noch: Die Manics sind wieder da, gehen wieder auf die Zwölf und werden trotzdem nicht den Soundtrack zu den G8-Protesten liefern.

5. Mumm-Ra – These Things Move In Threes
Schöner Indiepop, den man hierzulande bereits im Vorprogramm der Killers bewundern konnte. Hier wird das Rad nicht neu erfunden und es versucht auch niemand, mit diesen zur Zeit so beliebten, aber unendlich nervigen absichtlichen Übersteuerungen den Hörer zu misshandeln. Natürlich ist das irgendwie “Mädchenmusik”, aber irgendjemand muss ja die Nachfolge der Kooks antreten. Und irgendwas muss man ja auch auf Kassettenmädchenkassetten aufnehmen können – Mumm-Ra sind dafür perfekt geeignet.

Singles (inkl. iTunes-Links)
1. Shout Out Louds – Tonight I Have To Leave It
Der Preis für die beste The-Cure-Single des Jahres geht jetzt schon an die Shout Out Louds – sogar für den Fall, dass Robert Smith und Band selbst noch was veröffentlichen sollten. Bei manchen Bands wäre man vielleicht ein bisschen ungehalten, wenn sie so sehr nach einer anderen klänge. Nach The Cure zu klingen hat aber schon Blink 182 geholfen und die Shout Out Louds sind sowieso eine tolle Band, die man dieses Jahr unter anderem auf dem noch tolleren Haldern-Pop-Festival bewundern kann.

2. Tocotronic – Sag alles ab
Eigentlich muss man zu Tocotronic ja fast nichts mehr sagen, so sehr über alle Zweifel erhaben ist diese Band schon lange. Doch dann schicken sie ihrem Album “Kapitulation”, das erst im Juli erscheinen wird, eine Single voraus, die rumpelt wie Anno 1997 und einer Epigonentruppe wie Madsen mal eben zeigt, wo Hammer, Harke und Froschlocken sind. Und dann muss man doch wieder was sagen, nämlich: “Wahnsinn!”

3. Wir Sind Helden – Endlich ein Grund zur Panik
Wir Sind Helden haben schon mit “Gekommen um zu bleiben” gezeigt, dass sie gerne ein wenig untypische und sperrige Vorabsingles veröffentlichen. Das macht die Band noch ein bisschen sympathischer, denn “Endlich ein Grund zur Panik” dürfte für viele Hörer und selbst für zahlreiche Helden-Fans eine Tortur sein: Treibender Rhythmus, wildes Gekreische, dazu Wortspiele, die so schnell aneinandergereiht werden, dass man die Hälfte erst beim Mitlesen im Booklet versteht. Sollte Wolfgang Schäuble einmal dem Beispiel von George W. Bush folgen und seine iPod-Playlist öffentlich machen, ich bin mir sicher, dieser Song wäre dabei. Nur die Ironie dahinter, die müsste jemand anders liefern.

4. The Killers – Move Away
Keine Single im eigentlichen Sinne, aber ein Soundtrack-Beitrag, der auch gelegentlich im Radio läuft. Die Killers trauen sich noch ein bisschen mehr als auf ihrem letzten Album und liefern einen Song ab, der fast nur aus Schlagzeug und Bass besteht und gefährlich durch die Nacht rumpelt. So kommen sie ihren großen Helden Joy Division mal wieder ein Stückchen näher.

5. Björk – Earth Intruders
Björk ist ja immer so ein Kapitel für sich: Sie hat großartige Sachen gemacht und welche, die sicher auch großartig waren, die aber außer ihr niemand verstehen wollte. Jetzt hat sie eine Single mit Timbaland (dessen Soloalbum beinahe noch in der obereren Hitliste gelandet wäre) aufgenommen und dabei mal wieder alles richtig gemacht: Der zuckende Beat und ihr sphärischer Gesang passen erstaunlich gut zusammen und so entsteht ein Song, den man mal wieder großartig finden kann.

Der doppelte Pfarrer

Von Lukas Heinser
Veröffentlicht: 30. Mai 2007 3:13

Eigentlich wollte ich nicht mehr so viel über Dinslaken bloggen, aber die Themen liegen da im Moment echt auf der Straße

Am Sonntag wurde der Pfarrer, bei dem ich meinen Zivildienst abgeleistet habe, in den Ruhestand verabschiedet. Ein wichtiges Ereignis für seine Gemeinde, ja: für die ganze Stadt. Die Bürgermeisterin sprach ein Grußwort, ebenso die Vertreter anderer Kirchengemeinden und diverser Vereine. Ich war auch da und natürlich durfte auch die Lokalpresse nicht fehlen. Heute konnte ich dann im Internet nachlesen (die Print-Versionen liegen mir noch nicht vor), was ich erlebt hatte.

Im Online-Angebot der NRZ stand:

Der Betsaal Bruch platzte am Pfingstsonntag aus allen Nähten. So viele kamen, um ihren Pfarrer Karl-Heinz Tackenberg nach fast 25 Jahren in den Ruhestand zu verabschieden. Gottesdienst und Abschiedsfeier gerieten zu einem tagesfüllenden Programm. Jugendleiterin und Mitarbeiterpresbyterin Sabine Fischer-Borgardts, die mit Presbyter Dieter Tepel durchs Programm führte, brachte es auf den Punkt. “Das Programm dauert solange, weil wir uns nicht trennen können.”

Auch die direkte Konkurrenz, die Rheinische Post, nähert sich dem Ereignis atmosphärisch:

Der Betsaal Bruch platzte am Pfingstsonntag aus allen Nähten. So viele kamen, um ihren Pfarrer Karl-Heinz Tackenberg nach fast 25 Jahren in den Ruhestand zu verabschieden. Gottesdienst und Abschiedsfeier gerieten zu einem tagesfüllenden Programm. Jugendleiterin und Mitarbeiterpresbyterin Sabine Fischer-Borgardts, die mit Presbyter Dieter Tepel durchs Programm führte, brachte es auf den Punkt. „Das Programm dauert solange, weil wir uns nicht trennen können.“

Erst dachte ich, ich wäre möglicherweise mit meinen zahlreichen Firefox-Tabs durcheinander gekommen. Dann dachte ich, ich sei gestern einfach zu spät ins Bett gegangen. Schließlich erkannte ich die unterschiedlichen Anführungszeichen und las weiter:

NRZ RP
Superintendent Martin Duscha würdigte den vielfältigen Dienst und wies in seiner offiziellen Entpflichtung vom Dienst in der Pfarrstelle darauf hin, dass nicht alles aus dem Dienst eines Pfarrers vor Augen liegt, sondern vielmehr vieles im Verborgenen liege. Superintendent Martin Duscha würdigte den vielfältigen Dienst und wies in der offiziellen Entpflichtung Tackenbergs vom Dienst in der Pfarrstelle darauf hin, dass nicht alles aus dem Dienst eines Pfarrers vor Augen, sondern vieles im Verborgenen liege.
   
Bürgermeisterin Sabine Weiss dankte Karl-Heinz Tackenberg für sein Engagement im kommunalen Bereich, besonders in der Agendaarbeit. Der katholische Pastor von St. Jakobus, Gregor Wolters, sprach Segenswünsche aus. Auch die Vertreter der Vereine in der Feldmark dankten für gute Zusammenarbeit. Bürgermeisterin Sabine Weiss dankte Karl-Heinz Tackenberg für sein Engagement im kommunalen Bereich, besonders in der Agendaarbeit. Der katholische Pastor von Sankt Jakobus, Gregor Wolters, sprach Segenswünsche aus. Auch die Vertreter der Vereine in der Feldmark dankten für die gute Zusammenarbeit.
   

Natürlich fielen auch mir die Unterschiede gleich ins Auge: Im NRZ-Text könnte auch der Superintendent entpflichtet worden sein, in der RP ist es eindeutig der Pfarrer. Außerdem ist “Sankt” besser zu lesen als “St.” und in der RP steht ein “die” mehr. Im buchstäblich letzten Satz wartet die RP dann sogar noch mit einer, äh: Überraschung auf:

Als er, begleitet von Tochter Bettina, in einem Abschiedslied zurück und nach vorne blickte, konnte mancher der Besucher eine wehmütige Träne nicht verbergen. Als er dann zur Überraschung aller, begleitet von Tochter Bettina, in einem Abschiedslied zurück und nach vorne blickte, konnte mancher der zahlreichen Besucher eine wehmütige Träne nicht verbergen.
   

Ich weiß nicht, wie viele Dinslakener beide Lokalzeitungen (die zumindest früher auch mal die unterschiedlichen politischen Lager repräsentierten) lesen – und wie viele von denen diese etwas merkwürdig anmutende Doppelung bemerkt haben werden. Wie viele dann noch Lust darauf hatten, einen polternden Leserbrief (natürlich zweimal den gleichen!) an die Lokalredaktionen zu schicken, kann ich im Moment nur raten. Seltsam finden kann ich es aber jetzt schon.

Der Autor des Textes der Texte ist übrigens selbst Dinslakener Pfarrer und hätte deshalb durchaus einen guten Grund, seinem langjährigen Kollegen und Weggefährten gleich zweimal öffentlich Tribut zu zollen. Diese Tatsache kann man in der NRZ, für die er des öfteren schreibt, aber allenfalls aus dem Autorenkürzel, in der Rheinischen Post (zumindest in der Onlineausgabe) gar nicht entnehmen. Außerdem muss man sich in der Lokalredaktion der Rheinischen Post jetzt natürlich die Frage gefallen lassen, ob man keinen eigenen Autor hatte, der ähnlich kompetent, aber vielleicht aus einem anderen Blickwinkel, über die Verabschiedung hätte berichten können.

Ich bin es inzwischen gewohnt, dass reine Nachrichten in den allermeisten Tageszeitungen und auf Internetseiten direkt aus Agenturmeldungen übernommen werden. Ich bin gewohnt, dass Veranstaltungsankündigungen in Lokalzeitungen oft genug identisch sind – identisch auch mit den Pressemitteilungen der Veranstalter. Dass aber die Nachberichterstattung, also die Beschreibung eines Ereignisses, bei dem der Leser entweder dabei war oder von dem er wissen will, wie es war; dass also diese Nachberichterstattung auch nahezu identisch ist, sehe ich mit sehr unguten Gefühlen. Denn gerade im lokalen Bereich haben die Bürger/Leser nicht viele Quellen, um sich über Ereignisse zu informieren. Wenn in beiden Zeitungen (fast) das Gleiche steht, verlieren diese ihre Unterscheidungsmerkmale und über kurz oder lang droht mindestens eine von ihnen überflüssig zu werden.

Nun ist ein doppelter Artikel über die Verabschiedung eines Pfarrers natürlich noch nicht gleich der Untergang einer pluralistischen Presse. Jeder Journalist, der darüber hätte berichten sollen, hätte über die verschiedenen Programmpunkte geschrieben und die Verdienste des Neu-Pensionärs gewürdigt. Ich bin aber gerade deshalb der Meinung, dass man zwei unterschiedliche Texte darüber hätte schreiben sollen: Wie sieht das denn aus, wenn man mit einer Art Serienbrief in den Ruhestand verabschiedet wird?

Die dazugehörigen Fotos sind – das sei nicht unerwähnt gelassen – von zwei verschiedenen Fotografen zu zwei verschiedenen Zeitpunkten geschossen worden. Dass die RP-Bildunterschrift nicht so direkt mit dem Motiv übereinstimmt, ist jetzt auch egal.

Fast Times At Dropout High

Von Lukas Heinser
Veröffentlicht: 29. Mai 2007 16:37

Da “lied abschlussfeier” (oder Artverwandtes) in den letzten Tagen auffallend oft in den Suchanfragen aufgetaucht ist, sehe ich das als Aufruf orientierungsloser Abiturienten, die dringend ein Mottolied für ihren Schulabschluss suchen, das nicht “(I’ve Had) The Time Of My Life”, “Summer Of ’69″ oder “Geile Zeit” heißt.

Euch kann geholfen werden mit dieser Liste und zahlreichen iTunes-Links:

Hier geht es weiter.

Dieser Weg ist steinig und schwer

Von Lukas Heinser
Veröffentlicht: 27. Mai 2007 17:29

Es ist Pfingsten, manche wissen auch wieso, ich liege bräsig auf der Terrasse habe den bisherigen Tag mit gesellschaftlichen Aufgaben verbracht und möchte jetzt diese allgemeine festliche Stille mit zwei Geschichten durchbrechen. Die eine ist heiter, die andere beunruhigend, und es ist jedem selbst überlassen, welche welche ist:

Als ich am Freitag mit dem Regionalexpress durchs Ruhrgebiet reiste (mein Leben also in vollen Zügen genoss), fuhr ich einen Teil der Strecke mit einer Pfadfindergruppe. Erst nachdem der Zug in den Duisburger Hauptbahnhof eingefahren war, bemerkten die Anführer der Gruppe, dass sie die letzten fünf Minuten vor einem Schild gestanden hatten, auf dem “Tür defekt” stand. Und so drehten sich die etwa zwanzig Pfadfinder, die sich über die gesamte Wagenlänge im Mittelgang gestaut hatten, um und gingen zur Tür am anderen Ende des Wagens hinaus. Sie gingen nicht etwa durch die Tür, die zwei Meter neben der defekten im nächsten Wagen lag und offen stand.

Als ich Dinslaken, die Stadt meiner Kindheit, erreicht hatte und zu Fuß zu meinen Eltern ging, stellte ich fest, dass die alljährlichen Straßenpflaster-Festwochen offenbar wieder in vollem Gange waren. Anders als im Osten der Republik, wo man am nächsten Wochenende den vierzigsten Jahrestag des Schahbesuchs mit großen Trachtenparaden begehen will, haben die Dinslakener Straßenpflaster-Festwochen wenig mit Gewalt, aber viel mit Verkehrsbehinderung zu tun. Denn jedes Jahr im Frühsommer wird das Pflaster der Hauptstraße aufgebrochen, die Steine werden gewendet, ein neues Sandbett wird gelegt und dann wird die Straße wieder zugepflastert. Leider liefert die offizielle Website der Stadt keinerlei Informationen zu diesem schönen Brauchtum, aber ich möchte jeden herzlich einladen, sich diese besondere Tiefbauprozession nicht entgehen zu lassen.

So viel für den Augenblick, mehr Content gibt’s, wenn mehr passiert.

So Long, And Thanks For All The Fish

Von Lukas Heinser
Veröffentlicht: 25. Mai 2007 17:06

Man stelle sich mal vor, ein Professor stellte sich vor seine Studenten und sagte:
“Ich wollte ja eigentlich nicht mehr über die Vergangenheit sprechen, aber weil da gerade alle wieder von anfangen müssen: Ja, ich hab als Student bei meinen Prüfungen geschummelt. Meine Doktorarbeit war abgeschrieben. Aber da will ich echt nicht mehr drüber sprechen, denn ich sorge doch heute an vorderster Front dafür, dass meine Studenten bei ihren Prüfungen nicht schummeln. Natürlich könnte ich mein Amt jetzt niederlegen, aber, hey: Wenn hier einer Erfahrungen auf dem Gebiet hat, dann ja wohl ich, oder?”

Klingt irgendwie idiotisch? Okay, dann sind meine Dänischkenntnisse einfach nicht gut genug und die reden grad im Fernsehen über was ganz anderes …

Mostly Harmless

Von Lukas Heinser
Veröffentlicht: 25. Mai 2007 14:36

Wir alle kennen Godwin’s Law:

As an online discussion grows longer, the probability of a comparison involving Nazis or Hitler approaches one.

Weil die immergleichen Vergleiche natürlich irgendwann langweilig werden und die deutsche Geschichte ja noch mehr dunkle Kapitel auf Lager hat, heißt die neue Königsdisziplin der Krawallrhetorik “Stasi-Vergleiche”.

So kamen derartige Vergleiche jüngst im Zusammenhang mit den eingesammelten Geruchsproben von G8-Gegnern auf (wobei die Bezeichnung “Stasi-Methoden” da gar nicht mal so abwegig ist, immerhin hat die Stasi Geruchsproben gesammelt). Generalbundesanwältin Monika Harms sieht aber offenbar weder den Vergleich, noch die Aktion an sich besonders eng:

Nur weil eine Methode von der Stasi in ganz anderem Zusammenhang eingesetzt wurde, heißt das noch nicht, dass sie für uns schon deswegen tabu ist.

Dieser Satz wird umso beunruhigender, je öfter man ihn liest – aber so viel Zeit haben wir gar nicht, denn die neueste Stasi-Äußerung (hier ständig frisch) kommt von Silvia Schenk, der ehemaligen Präsidentin des Bundes Deutscher Radfahrer:

Eine Chance hat der Radsport nur, wenn wie bei der Stasi rigoros alle Schuldigen aussortiert werden.

Da kann man ja schon froh sein, dass (noch) niemand “Entdopingfizierungslager” fordert …

Don’t Panic!

Von Lukas Heinser
Veröffentlicht: 25. Mai 2007 0:42

Heute (25. Mai) ist Towel Day. Bitte achten Sie – noch gründlicher als sonst – darauf, ein Handtuch bei sich zu führen.

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