Fernere Angaben

Von Lukas Heinser, 27. August 2007 19:43

Manchmal ist es aber auch bitter für Journalisten: Da erhält man eine sensationelle Meldung und dann ist diese Meldung eben nur die Meldung, also quasi die Überschrift und sonst nichts.

So meldete die „Berliner Morgenpost“ heute Morgen offenbar (die Meldung ist nicht mehr online), dass der Schauspieler Ben Becker bewusstlos in seiner Wohnung aufgefunden, reanimiert und ins Krankenhaus eingeliefert worden sei.

Die Nachrichtenagentur ddp tickerte dann am Mittag folgendes:

Zeitung: Schauspieler Ben Becker in Wohnung reanimiert Berlin – Der Berliner Schauspieler und Sänger Ben Becker ist einem Zeitungsbericht zufolge bei einem Notfalleinsatz reanimiert worden. Wie die «Berliner Morgenpost» heute auf ihrer Internetseite schrieb, wurde er am Morgen leblos in seiner Wohnung in Berlin-Mitte gefunden. Der 42-Jährige sei minutenlang reanimiert worden und liege jetzt in einem Krankenhaus, hieß es. Es solle auch ein Spritzbesteck in der Wohnung gefunden worden sein. Zunächst hatte die Zeitung geschrieben, Becker ringe mit dem Tod. Gegen Mittag hieß es, der Schauspieler sei wieder ansprechbar und sein Zustand habe sich stabilisiert.

Und wenn das die komplette Nachrichtenlage zum Thema ist, ist mit diesen sechs Sätzen eigentlich alles gesagt. Man kann sie so wiedergeben und fertig.

Oder wie die „Netzeitung“ dpa schreiben lässt:

Nähere Angaben gab es nicht.

Nur wirkt es dann natürlich ein bisschen albern, wenn man diese Meldung dann noch mit derart vielen biographischen Fakten aufbläst, bis sie auf dreifache Größe herangewachsen ist.

Und wenn man die Meldung von 11:01 Uhr um 13:04 Uhr aktualisiert hat, warum muss man dann, wenn sich die Nachrichtenlage um 16:53 Uhr ändert, plötzlich eine neue Meldung aufmachen? Damit der Leser der Ursprungsmeldung nicht erfährt, dass es Becker inzwischen offenbar wieder besser geht?

Tatort Programmdirektion

Von Lukas Heinser, 27. August 2007 12:33

Am Samstagabend sollte im WDR Fernsehen „Herr Schmidt wird 50, will aber nicht feiern“ wiederholt werden. Die Sendung mit diesem irre witzigen1 Titel, die erst am Vorabend in der ARD ihre Erstausstrahlung erlebt hatte, lief aber nicht. Nicht nur Michael vom Fernsehlexikon fragte sich, wieso.

Heute Morgen dann erfuhr ich bei der Frühstückslektüre der „Süddeutschen Zeitung“ den Grund:

„Aufgrund der zu erwartenden schlechten Zuschauerakzeptanz im WDR Fernsehen haben wir uns entschieden, sie kurzfristig aus dem Programm zu nehmen und stattdessen einen ‚Tatort‘ zu senden“, teilt Pressesprecherin Kristina Bausch mit.

Da fällt einem zunächst nichts mehr ein und dann eine ganze Menge.

Erstens hatte Michael offenbar (und wie’s aussieht eher unfreiwillig) Recht mit einer seiner drei Vermutungen:

Man hat festgestellt, dass 1,98 Millionen Zuschauer bei der Erstausstrahlung von Herr Schmidt wird 50, will aber nicht feiern gar keiner so guten Einschaltquote entsprechen.
Und will den vielen Blöden, die es nicht gesehen haben, bloß keine Chance geben, das Verpasste nachzuholen? Ja, klingt schlüssig.

Zweitens dürfte zumindest jedem, der nicht Betriebswirt oder Medienökonom ist, einleuchten, dass eine Sendung, die angekündigt ist, in jedem Fall mehr Zuschauer haben dürfte als eine, die nicht angekündigt ist: Wer vor dem Fernseher saß und Schmidt sehen wollte, hat die Glotze vermutlich noch während des „Tatort“-Vorspanns enttäuscht ausgetreten – und wer zu den fünf Leuten gehört, die Samstagsabend gerne noch eine „Tatort“-Wiederholung mitnehmen würden, lag wahrscheinlich schon im Bett, denn selbst auf der Internetseite des WDR stand zu diesem Zeitpunkt noch, dass „Herr Schmidt …“ laufe. Die 210.000 Zuschauer (6,4% Marktanteil) waren bestimmt einfach im Fernsehsessel eingepennt.

Drittens ist das ein Satz, den man normalerweise von ProSieben-Verantwortlichen hört. Wenn ein gebührenfinanzierter Sender wie der WDR meint, seine hektische und völlig kopflos wirkende Programmpolitik mit dem Blick auf die Quote erklären zu können, verwirkt er damit in meinen Augen sofort und auf alle Zeit den Anspruch, in der Gebührendebatte ernst genommen zu werden. Programmplaner, die ihre (nicht ganz freiwillig) zahlenden Zuschauer mit dem Hinweis auf Ökonomie und Quotendruck derart vor den Kopf stoßen, wären wohl selbst fürs Privatfernsehen noch zu dreist.

Anders als dieser programmplanerische Offenbarungseid war die abgesetzte Sendung übrigens kaum der Rede wert: Sie wurde gestern Abend bei EinsFestival wiederholt und entpuppte sich als einer dieser (von den zuständigen Redakteuren vermutlich als „wahnsinnig innovativ“ empfundenen) wüsten Zusammenschnitte, die weder chronologisch noch semantisch einen Sinn ergeben. Ohne Off-Sprecher oder sonst ein verbindendes Element wurden tausendmal gezeigte Szenen aus Harald Schmidts bisherigem Fernsehschaffen durcheinander gewürfelt und mit (wahrscheinlich „total ironisch“ gemeinten) Szenen garniert, in denen u.a. Thomas Gottschalk, Elke Heidenreich, Ingolf Lück und immerhin auch Herbert Feuerstein vor einer gipsernen Harald-Schmidt-Büste Barockmusik vortrugen. Und weil die ARD ja jetzt alles im 16:9-Format senden muss, wurden die Ausschnitte, die noch im richtigen Fernsehformat vorlagen, an den Seiten mit einer idiotischen Blümchentapete aufgefüllt, damit das Bild voll ist. Ach, es war ganz schrecklich – könnte aber im Falle von Schmidts Ableben jederzeit wiederholt werden.

1 Demnächst wirklich an dieser Stelle: Die zehn schönsten Achtziger-Jahre-Adjektive.

Heute anonym

Von Lukas Heinser, 25. August 2007 23:59

In ihren emsigen Bestrebungen, der „Bild“-Zeitung immer ähnlicher zu werden, ist die „Rheinische Post“ einen ganzen Schritt weitergekommen.

Die Samstagsausgabe sah so aus:

“Rheinische Post” vom 25. August 2007

Über das Foto der Deutschen-Bank-Zentrale ist ein Brief gelegt, den eine Düsseldorfer Anwaltskanzlei an die Deutsche Bank geschickt hat. In der Grafikabteilung der „RP“ gab man sich größte Mühe, diesen Brief zu anonymisieren – und dabei trotzdem dem großen Vorbild treu zu bleiben:

Beinahe anonym in der “RP”
(Rote Farbe: „Rheinische Post“, Schwarze Balken: Coffee And TV)

Beinahe wie die Profis

Heulen und Zähneklappern

Von Lukas Heinser, 24. August 2007 11:58

Stellen Sie sich vor, Sie würden von der amerikanischen Musikindustrieorganisation RIAA für die Benutzung von Internet-Tauschbörsen auf Schadenersatz verklagt.

Was wäre schlimmer: die Aussicht auf kostspielige Zahlungen und einen möglichen Gefängnisaufenthalt oder die Pressemeldung, dass Sie unter anderem „My Favorite Mistake“ von Sheryl Crow und „Didn’t We Almost Have It All“ von Whitney Houston heruntergeladen hätten?

Wie ich einmal Filmgeschichte schrieb

Von Lukas Heinser, 23. August 2007 19:48

Immer wieder werde ich von Menschen (manchmal wildfremden) gefragt: „Sag mal Lukas, wieso hast Du eigentlich einen Eintrag in der Internet Movie Database?“

Okay, das ist gelogen. Genaugenommen bin ich noch nie gefragt worden, warum ich eigentlich einen Eintrag in der IMDb habe. Aber ich erzähl die Geschichte einfach trotzdem mal:

Die Vorgeschichte
Im Frühsommer 1999 sollten wir im Deutschunterricht der damals zehnten Klasse „etwas kreatives“ machen. Und da einige Freunde und ich im Frühjahr für unsere sehr moderne Verfilmung (manche würden sie „avantgardistisch“ nennen – oder „krank“) von E.T.A. Hoffmanns „Das Fräulein von Scuderi“ eine Eins bekommen hatten, dachten wir uns: „Klar, wir drehen wieder einen Film!“

Im Zuge des damals vorherrschenden Millennium-Hypes (und weil der Deutschlandstart von „Matrix“ kurz bevor stand) entwickelten wir eine Geschichte, in der der Teufel auf die Erde kommt, um die Apokalypse einzuleiten. Mit meinem besten Freund schrieb ich das Drehbuch zu „Doomsday 99“ und als wir alle aus dem Sommerurlaub zurück waren, stürzten wir uns in die Dreharbeiten, die alles in allem etwa sechs Wochen verschlangen.

Mit dem harten Kern von acht Leuten drehten wir in so ziemlich allen Wohnhäusern, derer wir habhaft wurden, in verlassenen Industrieruinen (wofür wir über Zäune klettern und unter halbverschlossenen Toren drunterherrollen mussten) und in Autos, hinter deren Fenstern grüne Tischdecken gespannt waren (keiner von uns hatte damals einen Führerschein und bei „Cityexpress“ fuhr der Zug schließlich auch nicht wirklich).

Ich fungierte als Regisseur, Kameramann, Drehbuchautor und Produzent in Personalunion, was hauptsächlich bedeutete, dass ich meine Freunde und jüngeren Geschwister herumkommandierte, anschrie und manchmal mit Sachen bewarf. Anschließend schnitt ich den Film auf dem Videoschnittgerät meines Großvaters, dem heute weitgehend unbekannten „Casablanca“, wo ich auch das grüne Tischtuch durch Landschaftsaufnahmen ersetzte, die ich aus dem fahrenden Auto meines Vaters heraus getätigt hatte.

Die überaus spektakulären Ergebnisse (wie wir fanden) sahen in etwa so aus:

Green Screen beim Dreh von “Doomsday” (vorher/nachher)

Im September – wir gingen längst in die elfte Klasse – zeigten wir den fertigen Film endlich im Deutschunterricht. Und obwohl er blutrünstig, gewalttätig und zu einem nicht geringen Maße Frauenverachtend war (keine weibliche Person blieb länger als fünf Minuten am Leben – allerdings auch kaum eine männliche), bekamen wir dafür eine Eins bei „Sonstige Mitarbeit“ aufgeschrieben. Der Film wurde im kleinen Soziotop eines Dinslakener Gymnasiums das, was man wohl als „Kult“ bezeichnet. Oder als „Trash“. Oder als „so schlecht, dass es schon fast wieder gut ist“.

Der Eintrag
Weil wir so ungeheuer stolz auf unseren Film waren, wollten wir natürlich auch, dass er angemessen gewürdigt wird. Ein Eintrag in der IMDb erschien uns also das Mindeste.

Ich machte mich schlau und stellte fest, dass man die Datenbank mit einem einfachen Datenstring füttern konnte. Also schrieb ich die Mitwirkenden unserer letzten drei Filme („Jesus – Back for God“ von den Tagen religiöser Orientierung im Januar, „E.T.A. Hoffmann’s Das Fräulein von Scuderi“ aus dem Frühjahr und „Doomsday 99“ eben) in eine E-Mail und schickte das Ganze ab.

Nach einigen Wochen erhielt ich die Antwort, dass unsere Filme abgelehnt worden seien. In der amerikanischen Entsprechung von „da könnte ja jeder kommen“ hieß es, die Filme müssten mindestens auf einem anerkannten Filmfestival gelaufen sein.

Ein paar Wochen später stellte ich fest, dass mein bester Freund Benjamin, der bei unserem „Jesus“-Film Regie geführt hatte, plötzlich als Regisseur des TV-Zweiteilers „Jesus“ geführt wurde. Dieser Eintrag war nach wenigen Tagen wieder verschwunden.

Wieder ein paar Wochen später stellte ich fest, dass der Datensatz der „Doomsday“-Produzenten1 offenbar als einziger durchgekommen war und überlebt hatte – in den Credits des mir bis heute völlig unbekannten B-Movies „Doomsday Man“.

Die Folgen
Wir waren gleichermaßen enttäuscht wie erheitert über das, was die IMDb da so geboten hatte. Aber wir vergaßen das alles, als im Dezember 1999 ein Film anlief, der Handlung, Szenen und sogar einzelne Einstellungen aus „Doomsday“ geklaut zu haben schien: „End Of Days“ mit Arnold Schwarzenegger. Dann sahen wir ein, dass die Dreharbeiten dazu schon vor längerer Zeit stattgefunden haben mussten, und beide Filme jetzt nicht sooooo originell waren. Da war uns auch „End Of Days“ egal – wie der Film übrigens jedem egal sein sollte.

Mit den Jahren stellten wir fest, dass offenbar ziemlich viele Filmdatenbanken ihre Datensätze mit denen der IMDb … nun ja: abgleichen – und so stehen wir heute nicht nur dort, sondern auch hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier.

Und weil Sie diese kleine, feine, aber doch irgendwie unspektakuläre Geschichte bis zum Schluss durchgelesen haben, sollen Sie dafür mit einem kleinen Schmankerl belohnt werden. Es sind – natürlich – die besten Szenen aus „Doomsday“:

1 Wir hatten in der Zwischenzeit erkannt, dass „Doomsday 99“ doch ein zeitlich zu begrenzt verwertbarer Titel sein würde.

Regenzeit

Von Lukas Heinser, 22. August 2007 18:37

Nach nunmehr 48 Stunden Dauerregen („gefühltem Dauerregen“, zumindest) dachte ich mir, es sei mal an der Zeit für ein bisschen Eskapismus und Fernweh.

Deswegen jetzt und hier: Eine Minute San Francisco, CA – im Regen. Aufgenommen im vergangenen November.

So lange wie ich zum Umcodieren und Hochladen meines ersten YouTube-Clips ever gebraucht habe, hat es natürlich aufgehört zu regnen.

Schöner löschen

Von Lukas Heinser, 22. August 2007 12:52

Deutsche Bank in New York, NY

Von der deutschen Presse weitgehend unbeachtet sind am Samstag bei einem Brand im früheren „Deutsche Bank Tower“ am New Yorker „Ground Zero“ zwei Feuerwehrleute ums Leben gekommen. Das Gebäude war beim Einsturz des World Trade Centers am 11. September 2001 so schwer beschädigt worden, dass es jetzt, nach langen Planungen, Stück für Stück abgerissen wird.

Schon wieder zwei tote Feuerwehrleute, quasi genau an dem Ort, wo vor knapp sechs Jahren schon 343 Kollegen ihr Leben ließen. Klar, dass sowas alte Wunden aufreißt. Verständlich, wenn man da von einem „House of Horrors“ spricht.

Wie hilfreich mag es da noch sein, dass die Unternehmensberatung McKinsey den Feuerwehrleuten jetzt erklären will, wie deren Jobs zu machen seien?

After the Sept. 11 attack at the World Trade Center, an independent consultant studied the Fire Department’s performance and identified a number of lapses amid all the undeniable valor of that day. It said that too many men rushed into the buildings before anyone realized the danger they were in, contributing to the staggering death toll.

The consultant, McKinsey & Company, said the Fire Department needed to use more caution and preparation when it approached such a major, complicated fire, and not send too many men in before it knew what it was dealing with.

Die „New York Times“ liegt sicherlich nicht falsch, wenn sie feststellt:

In a way, it is a debate that goes to the heart of Fire Department culture — rushing into burning buildings, after all, is what firefighters do.

Nun handelte es sich bei der Ruine der Deutschen Bank um ein leerstehendes Gebäde, dessen Infrastruktur schon so weit in Mitleidenschaft gezogen war, dass die Steigleitungen nicht mehr richtig funktionierten und die Feuerwehrleute dem Großbrand deshalb mit trockenen Schläuchen gegenüberstanden, bis ihnen die Luft ausging. Man hätte also in aller Ruhe erst mal gucken können, was da denn so los ist, und dann irgendwann mal das Feuer löschen können, denkt da der Außenstehende, für den der tägliche Berufsverkehr das Höchstmaß an Gefahr darstellt.

Trotzdem erscheint es mir (selbst für eine berufsbedingt zynische Unternehmensberatung) eine Spur zu zynisch, Feuerwehrleuten, die ihr eigenes Leben riskieren, um das anderer Menschen zu retten, erklären zu wollen, wie man ihren Beruf besser und effektiver ausüben könnte. Die werden ja wohl kaum in selbstmörderischer Absicht in brennende Gebäude rennen.

Kilians-Content KW 34

Von Lukas Heinser, 21. August 2007 15:11

Es hat sich mal wieder viel getan bei der erklärten Coffee-And-TV-Lieblingsband:

  • Die Single „Enforce Yourself“ läuft bei einigen Radiostationen rauf und runter. Auf der MySpace-Seite der Band kann man sich den Song anhören, bei YouTube gibt’s das Video dazu und auf der frisch gerelaunchten offiziellen Bandseite auch noch ein Making Of.
  • Das Album „Kill The Kilians“ erscheint am 7. September und kann bei Amazon bereits vorbestellt werden.
  • „VISIONS.de“ verlost fünf mal zwei Gästelistenplätze für das exklusive Radiokonzert, das die Kilians am 5. September in Bochum für die Campusradios NRW spielen werden. Nähere Infos dazu findet man leider weder bei den Campusradios NRW, noch beim örtlichen Campusradio.
  • Dafür kann man auf campuscharts.de „Enforce Yourself“ in die Campuscharts wählen – also dahin, wo die Karriere der Senkrechtstarter vor gut anderthalb Jahren ihren Anfang fand. Bei „MTV TRL“ und „MTV TRL Rock“ kann man auch für den Song voten.

Biegen und Brechen

Von Lukas Heinser, 20. August 2007 14:39

NRW wird seit zwei Jahren von einer schwarz-gelben Landesregierung regiert, die es binnen kürzester Zeit geschafft hat, dass sich die Bevölkerung die zuletzt verhasste rot-grüne Vorgängerregierung zurückwünscht. Wer nach dem Machtwechsel geglaubt hatte, es könne ja eigentlich nur noch besser werden, wurde negativ überrascht. Redet man mit Menschen, die ein bisschen Einblick in das Innere dieser Landesregierung haben, möchte man das Land danach so schnell als möglich verlassen: Vom Ministerialrat bis zum Minister scheinen alle mindestens unfähig (aber wie und wo sollten die in 100 Jahren SPD-Regierung auch Erfahrung sammeln?) und von Ministerpräsident Jürgen Rüttgers heißt es, er sei selbst zum Vorlesen vorgeschriebener Reden nicht zu gebrauchen.

Aber was ist schon eine desaströse Bildungs- oder Baupolitik gegen äußerst fragwürdige (und unterirdisch schlecht verschleierte) Taktierereien?

Die „WAZ“ meldet heute, die Landesregierung wolle die Kommunalwahl 2009, die für den selben Tag wie die Bundestagswahl vorgesehen war, verschieben:

Nach Informationen der WAZ haben die Generalsekretäre von CDU und FDP den Verantwortlichen im NRW-Innenministerium aber bereits diktiert, dass „aus politischen Erwägungen“ eine Kopplung von Kommunal- und Bundestagswahl unerwünscht sei.

Meinungsforscher rechnen bei einer Doppelwahl mit einer deutlich höheren Wahlbeteiligung, weil sie vor allem viele der wahlmüde gewordenen SPD-Anhänger zurück an die Urnen holt. Das gute Abschneiden von CDU und FDP bei der Kommunalwahl 2004 wurde auch mit der im Vergleich zur Bundestagswahl 2005 dramatisch niedrigeren Beteiligung (54,4% Komm./ 81,3% Bund) erklärt.

Nochmal: Die Generalsekretäre von CDU und FDP wollen keine gemeinsame Kommunal- und Bundestagswahl, weil dann mehr SPD-Anhänger zur Bundestagswahl gehen könnten und gleichzeitig ihrer Partei auch bei der Kommunalwahl ihre Stimme geben könnten. Und das soll das Innenministerium jetzt regeln.

Es geht aber nicht nur um dieses leicht fragwürdige politische Taktieren, es geht auch knallhart um etwa 42 Millionen Euro, die zwei entkoppelte Wahlen mehr kosten würden. Von dem zusätzlichen Aufwand für Wahlhelfer und Wahlkämpfer mal ganz zu schweigen.

[via Pottblog]

Nachtrag 21. August: Auch heute berichtet die „WAZ“ wieder über das Thema und lässt u.a. Oppositionspolitiker zu Wort kommen, die die Idee naturgemäß nicht so doll finden. Auch der WDR hat unter Berufung auf die „WAZ“ groß darüber berichtet, ein bisschen kleiner die „Ruhr Nachrichten“, der „Kölner Stadt-Anzeiger“, die „Westdeutsche Zeitung“, die „Kölnische Rundschau“ und das „Westfalen-Blatt“.

Noch irgendwelche größeren NRW-Medien ohne Fahrschein? Ja: „Express“, „Bild“ und die „Rheinische Post“.

Fundversuch

Von Oliver Ding, 18. August 2007 0:01

Ich will gar nicht groß darüber schreiben, um welche Band es geht. Nachher würde man Coffee And TV wegen eher gelegentlicher Erwähnung noch einen Hype nachsagen. Es ist aber auch nur Zufall, daß es ausgerechnet um besagte Jungspunde ging. Halt also endlich das Maul, Ding, und komm zur Sache!

Mir wurde jedenfalls Anfang der Woche von einer netten Medienpartnerin ein heißerwartetes (nicht heiß erwartet, ich erwarte Tonträger eher in Raumtemperatur) Album angekündigt. Ich durfte also am nächsten Tag voller Erwartung in die Leere meines Briefkastens greifen. Und dieses freudige Erlebnis am Tag drauf noch einmal wiederholt, weil’s ja so schön war. Tag drei brachte dann gleich zwei Erkenntnisse: a) das erwartete Album, über welches von noch berufenerem Mund hier demnächst zu lesen sein wird, und b) eine Ahnung, warum ich gleich zwei Mal ins Leere greifen durfte.

Auf dem von der Medienpartnerin handschriftlich festgehaltenen Adresse auf dem Umschlag klebte so ein lustiger Computerausdruck. „Adressangabe unvollständig oder unzutreffend“, stand da und „Ermittelte Anschrift“. Die Post hatte dabei durchaus profund recherchiert und meine Adresse herausgefunden. Daumen hoch, dafür. Mein vorlauter Investigationstrieb sorgte dann recht schnell dafür, daß der hübsche Adressaufkleber entfernt war. Und überraschenderweise stand dort, wo eben noch der Aufkleber prangte, in hübsch lesbarer Damenhandschrift – na, was wohl? – meine Adresse.

Spontan verwarf ich die beiden Optionen „unvollständig“ und „unzutreffend“ und dachte lieber an ein Erlebnis aus derart grauer Vorzeit, daß es in einem ganz anderem Medium dokumentiert wurde. Ja, ja, die Post – wie wäre es damit, passenderweise einfach mal z.B. aus Obst hergestellte Getränke zu verticken statt überteuerter Transportdienstleistungen?

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