This Ain’t A Scene It’s A Bike Race

Von Lukas Heinser
Veröffentlicht: 23. Juli 2007 17:45

Nachdem die lustigen Dilettanten von DHL auch nach einer Woche noch nicht reagiert hatten und ich wenig Lust hatte, mein Buch erstmal wieder zurückgehen zu lassen, hab ich mich dann heute doch mal dazu durchgerungen, es in der Postagentur abzuholen.

Angestachelt durch tagelanges Tour-de-France-Gucken schwang ich mich auf meinen Drahtesel und machte mich auf den 2,4 Kilometer langen Weg. Anders als sonst üblich fing es nicht an zu regnen, als ich aus der Haustür trat – das tat es nämlich schon länger. Nach 200 Metern und noch bevor ich mich den ersten Hang runtergestürzt hatte (ja: Bochum ist hier wirklich hügelig, mindestens Kategorie 3 oder so), stellte ich fest, dass irgendein sehr armer Studentenwohnheimsbewohner meine sechs Jahre alten und nur noch halbwegs funktionierenden Batterieleuchten abgeschraubt haben muss. War ich also zum zweiten Mal in diesem Jahr Opfer eines Diebstahls geworden.

Die Postagentur war gar nicht mehr, wie noch bei meinem letzten Besuch, ein Reisebüro, sondern eine Boutique für recht groteske Mode. Am Tresen (nennt man die Theke den Tisch in Beinahe-Postämtern auch Tresen?) stand ein Philatelist, der sich durch einen Stapel frischer Briefmarkenheftchen wühlte und zu seiner großen Freude wertvolle Fehldrucke gleich im Dutzend fand. Nicht ganz so schnell fand der Beinahe-Postbeamte mein Päckchen – es lag ja schon seit einer Woche im Lager, vermutlich ganz unten in einem riesigen Stapel. Er fand es, es war doppelt so groß wie das eigentliche Buch, aber ich hatte es immerhin.

Der Rückweg führte mich wieder einen Berg hinab und einen hinauf und ich hatte noch ein bisschen mehr Respekt vor den Radfahrern, die gerade die Pyrenäen durchfahren. Ich hätte ja schon für die Straße hinter meinem Haus fast Jan Ullrichs Hausapotheke gebraucht.

Die ausführliche Besprechung zu “Chuck Klosterman IV” (das Amazon nach meiner Bestellung noch mal um zwei Euro heruntergesetzt hat, wie ich gerade feststelle) gibt es dann, wenn ich das Buch durchhabe. Die Uhr läuft ab jetzt.

Hardcore-Hoteliers

Von Lukas Heinser
Veröffentlicht: 21. Juli 2007 15:42

Tomte-Sänger, Grand-Hotel-van-Cleef-Labelchef und Kilians-Manager Thees Uhlmann hat eine neue Band entdeckt. Sie heißt Escapado, macht deutschsprachigen Hardcore und eine Hörprobe kann man sich hier herunterladen. Das neue Album erscheint dann wohl Ende September beim Grand Hotel.

Korrekturspalte

Von Lukas Heinser
Veröffentlicht: 21. Juli 2007 14:53

Am 19. Juli 2007 behauptete ich in dem Artikel “Öffentlich-rechtliche Radlosigkeit”:

Für die Öffentlich-Rechtlichen ist das ein lautstarker, öffentlicher Schlag in die Fresse, denn die Quoten bei Sat.1 werden – wie gestern die bei Eurosport – explodieren.

Diese Prophezeiung war falsch. Richtig ist vielmehr: Die Tour-Quoten von Sat.1 sind eine ziemliche Katastrophe. Ich bedauere diese falsche Voraussage zutiefst und werde fürderhin keine Quotenprognosen zu Sportveranstaltungen mehr abgeben.

Übliches Ableben

Von Lukas Heinser
Veröffentlicht: 20. Juli 2007 19:29

Am Flughafen von San Francisco ist ein toter Chinese im Bauch eines Flugzeugs entdeckt worden – offenbar ein blinder Passagier aus Shanghai.

Für die Art, wie der “San Francisco Chronicle” diesen und vergleichbare Fälle beschreibt, müsste man eigentlich eine Steigerungsform von “lakonisch” erfinden:

Bodies are periodically found in the wheel wells of airplanes, usually after people seek covert entry into the United States or Europe. Such stowaways usually die during the flight.

Rad und Tat

Von Lukas Heinser
Veröffentlicht: 20. Juli 2007 18:59

Man kann sicher viel darüber diskutieren, ob es eine gute Idee war, dass Sat.1 die Berichterstattung der Tour de France übernommen hat, kaum dass ARD und ZDF ausgestiegen waren. Das geschieht ja auch hie und da und dort. Letztendlich gibt es da sicherlich kein “richtig” oder “falsch”, aber es muss ja nicht jede Diskussion zu einem Ergebnis kommen.

Was mich aber gerade mal wieder auf die Palme treibt, sind die Berliner Hinterbänkler, die – kaum, dass sich das Sommerloch bedrohlich über der Medienlandschaft öffnet – eiligst durch die Gegend rennen und in die erstbesten Mikrofone hineinsalbadern:

Die Grünen sprachen von einem «fatalen Signal», wenn die Quote zähle, der Inhalt aber nicht. «An die Zuschauer wird dabei nicht gedacht, an einen sauberen Radsport schon gar nicht – Hauptsache Spektakel», heißt es in einer gemeinsamen Erklärung der medienpolitischen Sprecherin, Grietje Bettin, und des sportpolitischen Sprechers, Winfried Hermann.

Zunächst einmal freut es mich natürlich, wenn sich die mir bisher unbekannten Grünen-Sprecher als meine Anwälte (ich als Teilmenge von die Zuschauer) aufspielen. Allein: Ich will gucken – und eine knappe Millionen anderer Leute offenbar auch.

Sicher: Wir könnten auch der Übertragung bei Eurosport folgen, dafür braucht es keine langweilige Sat.1-Übertragung. Aber allein die Verwendung des Begriffs “Spektakel” zeigt, dass sich offenbar keiner der Beiden die Mühe gemacht hat, sich das Elend bei Sat.1 anzuschauen – dagegen ist ja jeder Wetterbericht nach den “Tagesthemen” ein größeres Spektakel. Und die Quote “stimmte” gestern bei Sat.1 schon mal überhaupt nicht.

Mir erschließt sich auch nicht so ganz, ob und wie der Radsport dadurch sauberer werden sollte, wenn die Tour nicht im Fernsehen auf einem Sender, der einen einstelligen Sendeplatz auf der Fernbedienung belegt, übertragen würde. Es ist ein bisschen wie mit Schrödingers Katze: entweder wird gedopt oder nicht – ob man dabei zusehen kann oder nicht, hat darauf keinen Einfluss.

Politiker müssen nicht zu allem eine Meinung haben und vor allem sollten sie darauf vertrauen, dass die Bürger, von denen sie mit der Wahrung ihrer Interessen beauftragt wurden, mündig genug sind, einen Fernseher einzuschalten oder nicht. So doll wie früher waren die Zuschauerzahlen der Tour schon bei ARD und ZDF nicht – also gibt es offenbar genug frühere Zuschauer, die entweder die Schnauze voll haben von gedopten Sportlern oder – auch das wäre nicht undenkbar – denen die ungedopten Fahrer zu langsam fahren.

Kneipenbekanntmachung

Von Lukas Heinser
Veröffentlicht: 20. Juli 2007 1:44

Ich bin nicht unbedingt immer sonderlich schnell, was das Aufspüren neuer Trends angeht. Noch ist es nicht so schlimm, dass ich bei “Polylux” anfangen müsste, aber die Nachfolge von Matthias Horx werde ich so bald nicht antreten. Würd’ ich mal so vorhersagen …

Deshalb ist das, worüber ich neulich bei Thomas Knüwer gestolpert bin, vielleicht schon gar nicht mehr wirklich das hippste, neueste Space-Age-Ding im Web 9 3/4. Aber ich finde es ganz und gar großartig und möchte es gerne mit möglichst vielen Menschen teilen:

Kloß und Spinne
(Screenshot: youtube.com)

Es geht um “Kloß und Spinne”, eine Animationsserie von Volker Strübing, die man am Besten als eine Mischung aus “Dittsche” und “South Park” beschreiben kann, garniert mit ganz viel von dem, was ich als Ruhrpottler für Berliner Lokalkolorit halten würde. Das sind unglaublich witzige und anrührende Cartoons, die ich am Liebsten in einer Endlosschleife gucken würde.

Bisher gibt es vier Episoden (“Computer kaputt!”, “Klimakatastrophe”, “Gehacktes!” und “Die Hölle war och schonma besser!”), die alle knapp fünf Minuten lang sind und mit so viel Kreativität und Liebe zum Detail gestaltet wurden, dass man sich fragt, wozu man eigentlich noch Fernsehen braucht. Ein Blog hat Volker Strübing übrigens auch.

Lieder für die Ewigkeit: Sportfreunde Stiller – Ein Kompliment

Von Lukas Heinser
Veröffentlicht: 19. Juli 2007 18:49

In allen vier Ecken soll Liebe drin stecken

Gerade habe ich bei MTV (bei MTV!!!!1) zum ersten Mal das Video zur neuen Sportfreunde-Stiller-Single “Alles Roger” gesehen. Ich bin mir relativ sicher: bei denen geht nicht mehr viel. Endgültig vorbei scheint die Zeit, in der die sympathischen Bayern intelligente, gewitzte Texte mit charmanten Melodien zusammenpackten und dabei Songs wie “Ein Kompliment” aus dem Ärmel schüttelten.

Man greift sicher nicht zu hoch, wenn man die damalige Vorabsingle zum zweiten Sportfreunde-Album “Die gute Seite” zu den besten deutschsprachigen Liebesliedern aller Zeiten (also inkl. Romantik und Sturm’n’Drang) zählt. Die unumwundene Sympathiebekundung, die bei vielen anderen Künstlern in schlimmstem Schlagerkitsch hätte versinken können, kam bei den Sportfreunden Stiller sympathisch und authentisch rüber. Ja, so ist das halt, wenn man verliebt ist: die Angebetete wird zum “Ziel einer langen Reise”, zur “Schaumkrone der Woge der Begeisterung”, kurzum zum “größten für mich”.

Man kann nur vermuten, auf wie vielen Kassettenmädchenkassetten “Ein Kompliment” in den letzten fünfeinhalb Jahren gelandet ist. Wer ein Mixtape mit diesem Song darauf verschenkt und darauf keine Antwort in der einen oder anderen Richtung bekommt, sollte sich ein neues Ziel aussuchen (hätte mir das damals mal jemand gesagt …). All das, was man sich als Teenager (und darüber hinaus) nie zu sagen getraut hat, kann man ein ganzes Stück einfacher trotzdem ausdrücken (lassen).

Aber auch fernab dieses Dienstleistungsgedankens ist und bleibt “Eine Kompliment” ein wunderbares Lied: emotional, euphorisch, aber immer noch mit einem sogenannten Augenzwinkern. Das ist das Schlachtschiff “Pathos” mit dem Rettungsboot “Ironie”, die neunundneunzigkommaneunprozentige Hingabe. Ein solches Lied kann man einer Band gar nicht hoch genug anrechnen.

Öffentlich-rechtliche Radlosigkeit

Von Lukas Heinser
Veröffentlicht: 19. Juli 2007 17:03

Gestern sind ARD und ZDF aus der Übertragung der Tour de France ausgestiegen. Der Spiegelfechter hat dieses Vorgehen recht ausführlich kommentiert und in zwei Sätzen gut zusammengefasst:

Wenn man „den Dopingsumpf“ halbwegs trocken legen will, ist weder krawalliger Aktionismus noch Hysterie hilfreich, wie die ARD und ZDF an den Tag legen. Wer bessere Kontrollen fordert und laut aufschreit, wenn diese Kontrollen tatsächlich etwas zu Tage fördern, agiert wie der Dieb der „Haltet den Dieb!“ schreit.

Heute haben dann völlig überraschend Sat.1 und ProSieben, zwei Sender die in der letzten Zeit nicht unbedingt durch Sportübertragungen auffielen, die Senderechte der Tour de France gekauft. Für die Öffentlich-Rechtlichen ist das ein lautstarker, öffentlicher Schlag in die Fresse, denn die Quoten bei Sat.1 werden – wie gestern die bei Eurosport – explodieren. Die Zuschauer wollen offenbar die Tour sehen und das ist ja auch gar nicht so abwegig: Unter Beobachtung werden die Fahrer ja wohl hoffentlich weniger Scheiße bauen, als wenn sie unter sich sind.

Die Teams von ARD und ZDF, die für drei Wochen gebucht waren, stehen jetzt mit ihren Übertragungswagen, Dekos und Kameras irgendwo mitten in Frankreich, ihnen droht auch noch der Entzug ihrer Akkreditierungen. Möglicherweise wird sich der eine oder andere Gebührenzahler fragen, welche Kosten die nunmehr beschäftigungslosen ÖR-Reporter gerade so verursachen.

Für Sat.1 kam die Nachricht unterdessen so überraschend, dass man improvisieren musste: Experte Mike Kluge erzählte vorhin, man habe ihn gestern Abend um 23 Uhr angerufen und gefragt, ob er kommentieren wolle. Deswegen sitzen er und N24-Sportchef Timon Saatmann heute auch noch in einem Berliner Studio und nicht (wie sonst üblich) am Ziel in Montpellier. Das erklärt auch, warum der Kommentar heute so sterbenslangweilig ist: die beiden haben ja noch nicht mal das Buch zur Hand, in dem historische Gebäude, lokale Wein- und Käsesorten vermerkt sind. Ich will hoffen, dass sich das ab morgen ändert. Sonst muss ich mir die Tour nachher noch von Eurosport kommentieren lassen.

“Wie man’s spricht!”

Von Lukas Heinser
Veröffentlicht: 18. Juli 2007 16:40

Eine der wichtigsten Regeln, die man lernt, wenn man für die Lokalredaktion einer Tageszeitung erste Berichte über Kaninchenzüchtervereine und Schultheateraufführungen schreibt, lautet: “Frag lieber noch mal nach, wie man den Namen richtig schreibt!”

Das gilt natürlich hauptsächlich für Kaninchenzüchter wie Manfred Subczierczyk und Nachwuchsschauspielerinnen wie Sabina Schneyda. Bei Rockstars, die man zwecks O-Ton-Absonderung kontaktiert, muss man nicht mehr unbedingt nachfragen. Das würde ja irgendwie peinlich wirken und man kann ja zur Not im Internet nachschauen, wie der Interviewpartner richtig geschrieben wird.

Sollte man vielleicht sogar:
Wer ist Tees Ullmann?
(Screenshot: taz.de, Hervorhebung: Coffee & TV)

Abiwitzig

Von Lukas Heinser
Veröffentlicht: 18. Juli 2007 14:56

Gestern las ich bei “Indiskretion Ehrensache” diesen schönen Satz:

Wie die Ostereiersuche durften die Fans [...] hinter jedes Sendefenster lugen, irgendwann kam halt mal wieder ein Stückchen.

“Nun ja”, dachte ich als erstes, “da sind Herrn Knüwer halt die Metaphern verrutscht. Weiß doch jedes Kind, dass das mit den Fenstern Adventskalender sind und die nichts mit Ostereiern zu tun haben.” Dann dachte ich: “Und was mach ich jetzt mit dem Satz?”

Verunglückte, ungewollt zweideutige oder auch von vorne bis hinten sinnlose Sätze werden von den etablierten Medien allenfalls stiefmütterlich behandelt. Wenn Edmund Stoiber nicht gerade die Vorzüge des Transrapids zu erklären versucht, ist “TV Total” so ziemlich die einzige Plattform, die sich am Scheitern von Sprache in der Öffentlichkeit weidet. Dabei hat beinahe jeder, der in diesem Land über einen Schulabschluss verfügt, sich schon als Katalogisierer von missglückten Aussprüchen betätigt.

Keine Abizeitung kommt ohne eine Zitatensammlung aus, in der Lehrern und Mitschülern mit schonungsloser Brutalität Aussprüche um die Ohren gehauen werden, an die sich die Betreffenden oft genug gar nicht mehr erinnern können. Wenig (nicht einmal die Abiturklausuren) bleibt im halböffentlichen Raum der Schule so lange bestehen wie die aus Gedankenlosigkeit formulierten und sofort mitstenographierten Sätze, die zumeist während der Oberstufenzeit fallen. Ich weiß, wovon ich spreche, denn ich war in unserer Jahrgangsstufe zuständig für das Sammeln, Sortieren und schließlich auch Abdrucken dieser Zitate.

Im Wesentlichen gibt es vier Klassen von Abizeitungszitaten. Die beliebtesten sind natürlich die zweideutigen, “versauten”:

SoWi-Lehrer: “Der Sven ist in den letzten Stunden gar nicht schlecht gekommen.”

Dann gibt es die, die an der fachlichen Kompetenz der Lehrer zweifeln lassen:

Erdkundelehrerin: “Wart Ihr schon mal auf Mallorca oder einer anderen griechischen Insel?”

Es gibt Aussprüche, bei denen man das Knacken in den Hirnwindungen der Sprecher hören zu können glaubt:

Geschichtslehrer: “In Wirklichkeit haben wir es nicht mit Fiktionen zu tun, sondern mit Realität!”

Und dann gibt es natürlich noch die Schüler, die glauben, durch besonders vorlaute und alberne Antworten in Erinnerung zu bleiben – oder es wenigstens in die Abizeitung zu schaffen:

Deutschlehrerin: “Gebt mal ein Beispiel für ‘scheinbar’!”
Schüler: “Er wollte mit Münzgeld bezahlen, aber die Bedienung sagte: ‘Dies ist eine Scheinbar’!”

Einige Lehrer haben ein Standardrepertoire an Sprüchen, mit denen sie es in beinahe jede Abizeitung schaffen, weil die mitschreibenden Schüler nicht über ausreichend Recherchewillen oder Lebenserfahrung verfügen. So ein Verhalten ist vergleichbar mit dem halbironischen Rumgeeier, das Bands wie die Toten Hosen produzieren, wenn sie bei einer “Award Show” ausgezeichnet werden, und äußert sich in Sätzen wie:

Physiklehrer: “Letzte Stunde standen wir vorm Abgrund, heute sind wir einen Schritt weiter!”

Seltsamerweise kommt außerhalb des Biotops Oberstufe kaum jemand auf die Idee, die Aussprüche seiner Mitmenschen aufzuschreiben und zu veröffentlichen. Vorgesetzte, Familienmitglieder, ja sogar Universitätsdozenten können sich trotz Videohandys in Sicherheit wiegen: Niemand wird mehr leise kichern und mit der Überschreibseite eines Tintenkillers hektische Notizen auf einem Collegeblock vornehmen, wenn mal wieder ein denkwürdiger Ausspruch im Raum hängt wie ein grotesker Papagei auf der Schulter einer rosagewandeten, überschminkten alten Dame.

Aber es gibt ja noch genug andere Beispiele für Dinge, die man nach seinem Abitur klugerweise nie wieder macht: Sich mit dem Bruttoinlandsprodukt Litauens auseinandersetzen; sich mit eigentlich unbekannten, davor und danach verhassten Altersgenossen verbrüdern; auf dem Schulhof mit Bier rumspritzen und sich alberne Wortspiele einfallen lassen. Vor allem letzteres wäre eigentlich mal ein Fall für irgendeine noch zu gründende Aufsichtsbehörde: Jede “Abi”-Verballhornung sollte pro Jahr maximal dreißig Mal und mit einem Sicherheitsabstand von 120 Kilometern zwischen den beteiligten Schulen verwendet werden dürfen. Und nach ein paar Jahren werden Slogans wie “KohlrABI – Wir machen uns vom Acker”, “CannABIs – Der Stoff ist durch!” oder “Abigeddon” dann vollständig verboten.

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