Geladene rote Ampel entgleist

Von Lukas Heinser, 20. September 2007 17:35

Das „Nachtmagazin“ der ARD verhält sich zum „RTL-Nachtjournal“ wie „Brisant“ zu „Explosiv“: Wenn oben nicht diese kleine Eins in der Ecke wäre, würde man kaum glauben, dass man gerade öffentlich-rechtliches Qualitätsfernsehen schaut. Klar: Um kurz nach Mitternacht richtet sich das „Nachtmagazin“ an die Menschen, die dann noch wach sind, und das sind eben eher die jüngeren und die sind eben eher Infotainment gewöhnt. Trotzdem kriege ich regelmäßig die Krise ob dieser zwanghaften Lockerheit, dem schon psychotisch wirkenden ständigen Augenzwinkern und der himmelschreienden Oberflächlichkeit von Beiträgen und Interviews.

Deshalb schauen wir uns die Sendung von gestern (also heute) mal genauer an:

CSU-Vorsitz
Gabriele Pauli hat überraschend gefordert, Ehen auf sieben Jahre zu befristen, mit der Möglichkeit auf eine anschließende Verlängerung. Hier von „verflixten sieben Jahren“ zu sprechen, drängt sich dermaßen auf, dass wir Ingo Zamperoni seine augenzwinkernde Anmoderation noch mal durchgehen lassen wollen.

Doch dann geht das Elend richtig los, denn Fernsehen braucht immer Bewegtbilder, auch wenn es nur erklärende und überleitende Worte aus dem Off gibt. Diese Szenen nennt der Fachmann „Schnittbilder“ und seit meinem Ausflug in die audiovisuellen Medien weiß ich, wie wichtig diese sind, und bei der ARD weiß man es erst recht:

Schnittbild: Gabriele Pauli steht auf einer Verkehrsinsel neben einer Ampel und posiert für Fotografen.
Sprecherin: „Medienrummel in München – wie so oft, wenn Gabriele Pauli sich zu Wort meldet. Sie weiß sich in Szene zu setzen, doch jetzt stehen die Ampeln auf rot für sie.“

Das wichtigste Buch in der Redaktion von „ARD Aktuell“ scheint also immer noch der Metaphern-Duden sein.

EU zu Energiemarkt

Ingo Zamperoni: „Zum Jahreswechsel dürften viele Stromkunden noch geladener sein, denn die Energiepreise drohen erneut zu steigen […]. Für *Ent*spannung will jetzt die Europäische Union sorgen.“

Es folgt ein Beitrag, dessen Aufhänger darin besteht, den EnBW-Chef Utz Claassen auf dem Weg zu seinem Auftritt bei „Hart aber fair“ zu begleiten. Man sieht dem armen Wirtschaftsboss förmlich an, wie oft er die Eingangstür des WDR-Funkhauses öffnen und dann forsch (oder besser noch: „energetisch“, haha!) an der Kamera vorbeigehen musste. Dafür hat er beim O-Ton die schmucke Lobby des Fünfziger-Jahre-Baus am Kölner Wallrafplatz im Nacken.

Dann steigt Claassen illegalerweise in den weltberühmten Paternoster ein (die Benutzung ist aus Versicherungsgründen ausschließlich WDR-Angestellten vorbehalten) und entschwindet nach oben aus dem Bild. Es folgt ein Schnitt und Aribert Peters vom Bund der Energieverbraucher fährt im gleichen Paternoster von oben ins Bild hinein. Wollen Sie raten, wie der Off-Kommentar dazu lautet?

Sprecherin: „In genau die andere Richtung bewerten Verbraucherverbände die Vorschläge.“

Herr Peters hatte dann wohl noch das Glück, für weitere Schnittbilder das Funkhaus am hellichten Tag wieder zu verlassen und noch in der Tür sein Mobiltelefon aufzuklappen und ans Ohr zu halten, obwohl es garantiert nicht geklingelt hat.

Deutsche Einheit

Ingo Zamperoni: „Der Aufschwung ist im Osten angekommen, das sagt ein verhalten zuversichtlicher Wolfgang Tiefensee und der müsste es ja schließlich wissen: Ist er doch Verkehrsminister – nicht nur, aber auch der Aufbau-Ost-Beauftragte der Bundesregierung. […] Aber die Schere zwischen Neuen und Alten Bundesländern klaffe immer noch viel zu weit auseinander. Tiefensee könnte das wohl nirgends besser feststellen als in – Tiefensee.“

Yes, indeed: Man hielt es für ein total verrückte Idee, ins brandenburgische Tiefensee zu fahren, um dort mal zu gucken, wie es im Osten denn so aussieht. Und da sage noch einer, Namenswitze seien das Privileg der Privatsender.

Schnittbild: Die Auslage eines Blumenhändlers.
Sprecherin: „Blühende Landschaften am Ortseingang. Kein Bäcker, kein Supermarkt, keine Kneipe – abgeschafft, weil unrentabel.“

Und keine anderthalb Minuten später:

Schnittbild: Verlassenes Bahnhofsgebäude, Schwenk auf zugewachsene Schienen.
Sprecherin: „Ist Tiefensee entgleist? Nein, aber Bahnanschluss gibt es trotzdem keinen mehr.“

Meteoriten-Aufprall

Ingo Zamperoni: „Es war, gängigen Theorien zufolge, ein Meteorit, der vor 65 Millionen Jahren das Schicksal der Dinosaurier auf unserem Planeten besiegelte. Ganz so gewaltig war der Einschlag nicht, der sich am Wochenende in Peru, unweit des Titicacasees ereignete, und doch hat der Meteoriten-Aufprall mysteriöse Folgen.“

Ach, geschenkt, dass wir das schon alle bemerkt hätten, wenn sich die Sonne verfinstert hätte und wir ausgestorben wären. Irgendwie muss man ja das Thema anmoderieren und im Vergleich zu den Vox-Spätnachrichten, wo ein armer Fachmann mit genau einem Satz zitiert wurde („Ich glaube nicht, dass das Außerirdische waren“), ist der ARD-Beitrag zum Thema völlig in Ordnung.

Wenn ich anfange, kleinlich zu werden, bringt mich diese eine Ausgabe des „Nachtmagazins“ noch ins Grab. Widmen wir uns also lieber noch kurz dem letzen Beitrag der Sendung. Es handelt sich um ein klassisches „Nachtmagazin“-Thema: Das Kratzen an der Popkultur.

Popkomm

Ingo Zamperoni: „Der Pop kommt – bei der Popkomm. Aber nicht nur der: Auf der internationalen Musikmesse geht es seit heute wieder um die Trends und Neuheiten in allen Bereichen der Musik- und Unterhaltungsbranche.“

Ein Brüller ohne Ende. Aber mal was ganz anderes: Der Pop kommt bei?! Nicht, dass ich Bastian Sick wäre, aber das ist doch ungefähr so neben der Spur wie das Plakat, das über viele Jahre in meiner Heimatstadt ein umherreisendes Kinderpuppentheater ankündigte. Dort stand: „Der Kasper kommt im Theaterzelt“.

Ich bin mir sicher, dort hat man fast so viel gelernt wie beim „Nachtmagazin“ – aber nur halb so viel gelacht.

Fatih Akin kann es einfach

Von Lukas Heinser, 20. September 2007 14:37

Dass Yeter sterben wird, erfahren wir noch bevor wir sie kennengelernt haben. Nach einem kurzen Prolog, den wir sehr viel später noch einmal sehen und erst dann verstehen werden, kommt eine Titeleinblendung: „Yeters Tod“.

Yeter (Nursel Köse) arbeitet als Prostituierte in Bremen. Bei ihrer Arbeit lernt sie den pensionierten Witwer Ali (Tuncel Kurtiz) kennen, der sie nach ein paar Besuchen bittet, als seine Lebensgefährtin zu fungieren – den üblichen Satz werde er ihr bezahlen. Alis Sohn Nejat (Baki Davrak) ist nicht sonderlich begeistert von dieser Aktion seines Alkohol- und Herzkranken Vaters, aber er ist beeindruckt von der Tatsache, dass Yeter einen Großteil ihres Verdienstes in die Türkei schickt, um ihrer Tochter das Studium zu finanzieren. Als Yeter stirbt (s.o.), begleitet Nejat den Sarg in die Türkei und macht sich auf die Suche nach Yeters Tochter Ayten, von der Yeter lange nichts mehr gehört hatte.

Nurgül Yeşilçay und Patrycia Ziolkowska in “Auf der anderen Seite” (Pressefreigabe)Auch von Lotte erfahren wir vor ihrem ersten Auftritt, dass sie sterben wird: „Lottes Tod“ steht auf dem Zwischentitel. In der Mensa lernt die junge Frau aus gutem Hause (Patrycia Ziolkowska) Ayten kennen, die vor der türkischen Polizei geflohen ist und in Bremen ihre Mutter sucht. Lotte freundet sich mit Ayten (Nurgül Yeşilçay) an und quartiert sie bei ihrer Mutter Susanne (Hanna Schygulla) ein. Als Ayten in die Türkei abgeschoben wird (ebenso lapidare wie irrige – und wohl leider auch authentische – Begründung: im Zuge des geplanten EU-Beitritts der Türkei werde ihr dort auch als politisch Verfolgte schon nichts passieren), reist Lotte ihr hinterher. Durch Zufall zieht sie bei Nejat, der sich inzwischen in Istanbul niedergelassen hat, ein und kommt wenig später unter tragischen Umständen ums Leben.

Die dritte Episode trägt den Namen, der auch auf den Kinoplakaten steht: „Auf der anderen Seite“. Susanne ist nach Istanbul gereist, um zu erfahren, wo und wie ihre Tochter kurz vor ihrem Tod gelebt hat. Auch sie kommt bei Nejat unter und sie geht den Weg, den Lotte eingeschlagen hat, weiter und holt Ayten aus dem Gefängnis. Ganz nebenbei bringt sie Nejat dazu, sich mit seinem Vater versöhnen zu wollen …

Was beim Lesen vielleicht etwas unübersichtlich, arg konstruiert und unwahrscheinlich wirkt, ist in Fatih Akins fünftem Spielfilm völlig organisch. Es sind die Geschichten dreier Elter-und-Kind-Paare1, Hanna Schygulla und Bavi Davrak in “Auf der anderen Seite” (Pressefreigabe)wobei der direkte Kontakt zwischen Eltern und Kindern eher gering ist. Die Handlungsfäden sind kunstvoll miteinander verwoben, die Hauptpersonen aber laufen mehrmals knapp aneinander vorbei. Man ahnt das Reißbrett, an dem Akin seine Geschichten nebeneinander aufgezeichnet und hintereinander arrangiert haben muss um den Überblick zu behalten, und trotzdem sind die Geschichten ebenso glaubwürdig wie die Charaktere. Den Drehbuchpreis in Cannes hat er also völlig zu Recht gewonnen.

Neun Jahre nach seinem Regiedebüt „Kurz und schmerzlos“ und dreieinhalb Jahre nach dem furiosen „Gegen die Wand“ lässt sich leicht zusammenfassen: Fatih Akin kann es einfach. Zwar sind derartige Erzählmuster längst keine Sensation mehr, aber es gibt ja auch genug Regisseure, die schon an einer völlig linearen Handlung scheitern. Nicht so Fatih Akin: Er bringt die ganz großen Themen, ohne dass diese den Film bemüht oder bedeutungsschwanger erscheinen ließen. Er komponiert Bilder und Dialog so geschickt, dass man sich hinterher fragt, ob überhaupt gesprochen wurde.

Fatih Akin sieht seinen Film nicht als einen „politischen“ an und vermutlich hat er recht: Auch wenn es am Rande um Abschiebung, türkische Gefängnisse und „Terrororganisationen“ geht; auch wenn der Film einer Bremer Demo zum ersten Mai mit Bratwurst essenden Ver.di-Funktionären und Spielmannszug Randale in Istanbul gegenüberstellt: das Politische ist immer nur Hintergrund für die privaten Schicksale. „Auf der anderen Seite“ ist aber ein Film über Ideale. Nejat sucht Ayten, weil er ihr auch nach dem Tod der Mutter das Studium ermöglichen möchte; Lotte nimmt Ayten bei sich auf und folgt ihr in die Türkei, weil es ihr wichtig und richtig erscheint, für ihre Freundin zu kämpfen; Susanne macht schließlich weiter, was Lotte nicht zu Ende führen konnte. So wie Ali und Nejat abwechselnd Deutsch und Türkisch miteinander sprechen, so verschwimmen auch die Grenzen zwischen Deutschland und der Türkei im Film, denn wer wo für jemanden kämpft, ist zweitrangig. Der einzige sichtbare Unterschied besteht in den hellen, farbenfrohen Bildern des lebendigen Istanbuls auf der einen, und den kühl und klar strukturiert erscheinenden deutschen Städten Hamburg und Bremen auf der anderen Seite.

“Auf der anderen Seite” (Filmplakat)Auch die Beziehungen zwischen Eltern und Kindern sind universell: Eltern lügen ihre Kinder an, weil sie nur das Beste für sie wollen; Kinder wollen auf keinen Fall wie ihre Eltern werden und finden sich plötzlich in deren Fußstapfen wieder; Eltern wollen, dass ihre Kinder etwas aus ihrem Leben machen, und sind dann irritiert, wenn die Kinder tatsächlich mal aktiv werden. Gerade Hanna Schygulla spielt die Mutter, die immer wieder über ihre Grenzen geht, erst als hanseatisch-vornehme Dame, die aber die ganze Zeit über ein großes Herz hat und von der man nach und nach erfährt, wie unkonventionell sie eigentlich ist. Außerdem hat sie eine große Nervenzusammenbruch-Szene, die völlig minimalistisch anfängt und dann trotz Auf-dem-Boden-wälzen und Schreien nicht peinlich wird. „Schauspiellegende“, eben.

Die 122 Minuten von „Auf der anderen Seite“ kommen einem länger vor. Aber nicht, weil sich der Film so zöge und langatmig würde, sondern weil so viel passiert und es auch neben dem Offensichtlichen noch viel zu entdecken gibt. Fatih Akin schafft es sogar, seine ganz eigene Ringparabel in der Geschichte zu verstauen, indem er Baki Davrak aus dem Koran erzählen lässt, von einem Mann, der Allah seinen Sohn opfern soll. Und wenn Hanna Schygulla an dieser Stelle nicht für das unstudierte Publikum sekundieren müsste: „Die Geschichte gibt es bei uns auch!“ (aufmerksame Kindergottesdienstbesucher wissen: Abraham und Isaak), dann wäre das ein richtig weiser und erhellender Moment.

„Auf der anderen Seite“ läuft ab heute in Hamburg und ab 27. September in ganz Deutschland.

Offizielle Website

1 Ich hab keinen Nerv, mir von der deutschen Sprache den Singular für „Eltern“ ausreden zu lassen. Wenn nur genug mitmachen, wird „ein Elter“ irgendwann normal.

Meine erste Pressevorführung

Von Lukas Heinser, 19. September 2007 16:59

Ich veröffentliche jetzt seit fast acht Jahren Filmkritiken im Internet. Ich habe bisher hunderte von Filmen in Dutzenden von Kinosälen auf zwei Kontinenten gesehen, war bei Previews dabei, bei Vorpremieren in Anwesenheit von Mitwirkenden und bei Filmfestivals. Aber heute war ich zum allerersten Mal bei einer Pressevorführung.

Das ist in etwa so spektakulär, wie es sich anhört: Man muss zu einer weitgehend abnormen Kinozeit (11 Uhr sei noch spät, hieß es) in einem großen, schmucken Kino antanzen, trägt sich in eine Liste ein, schüttelt Hände mit den lokalen Beauftragten und den Kollegen der anderen „Presseorgane“, kann sich was zu Trinken aussuchen und setzt sich dann mit einem Halbdutzend Cineastensäue in einen riesigen Kinosaal.

Keiner raschelt mit dem Popcorn, kein Handy klingelt und niemand quasselt. Leider hatte auch keiner der Kollegen so einen crazy Leuchtkugelschreiber dabei, die ich bisher für ein unabdingbares Arbeitsinstrument des gemeinen Filmkritikers hielt.

Übrigens tauge ich offenbar noch nicht zum Filmkritiker: Meine Matte mag von der Berufsvereinigung der Musikjournalisten abgesegnet sein, als professioneller Kinogänger müsste ich mein Haar aber grau und 5 Millimeter lang tragen. Und meine Brille hätte ich auch von Anfang an aufhaben müssen, um echt auszusehen. Die habe ich natürlich wieder erst im Saal aufgesetzt, als ich feststellte, dass ich die Leinwand sonst nicht sehen kann.

Einen Film habe ich natürlich auch gesehen, aber die Besprechung dazu gibt’s erst morgen. Ein bisschen Spannung muss hier ja auch mal sein.

Was?

Nein, es war nicht „Kilians – Der Film“. Scherzkeks!

Nachtrag 20. September: Die Filmkritik gibt’s jetzt hier.

Rollenspiel

Von Lukas Heinser, 17. September 2007 14:36

Stellen Sie sich bitte für einen Moment mal vor, Sie wären Angela Merkel. Das mit dem Gesicht und der Frisur überlassen wir schön den Kollegen vom Privatfernsehen, dort macht man ja auch noch Namenswitze.

Sie wären vielmehr die erste Kanzlerin in der Geschichte der Bundesrepublik und beliebt wie nur sonst was. Sie hätten in diesem Jahr als weibliches Gegenstück zu Al Gore den Klimawandel gestoppt und sogar die „New York Times“ hätte gerade groß über Sie und Ihren Rückhalt im Volke berichtet. Natürlich wären Sie auch so beliebt, weil Sie in fast zwei Jahren Regierung nichts getan hätten und die ganzen unbequemen Reformen, die jetzt zu wirken begönnen, alle noch auf das Konto der Vorgängerregierung gingen, aber das könnte Ihnen ja im Prinzip egal sein. Die einzigen Sorgen, mit denen Sie sich bis jetzt hätten rumschlagen müssen, wären eine missglückte Gesundheitsreform, leichte Widerstände gegen das „Elterngeld“ Ihrer Familienministerin und das ganze Theater um die Sicherheit beim G8-Gipfel gewesen.

Und dann hätte irgendjemand ein paar Türen in ein paar Ministerien nicht ordnungsgemäß verschlossen und zwei Minister würden plötzlich mit dem Bollerwagen durch die deutsche Medienlandschaft ziehen um dem letzten Bundesbürger klar zu machen, dass Sie Ihr Kabinett überhaupt nicht unter Kontrolle hätten.

Dass Wolfgang Schäuble seit Monaten immer tiefere Einschnitte in die Grundrechte der Bürger, Ihrer Wähler, fordert, wäre den meisten Betroffenen noch total egal gewesen. Doch plötzlich würde der Mann alle noch mal überraschen und munter herumerzählen, er hielte es ja nur noch für eine Frage der Zeit, bis mal ein Terrorist daherkomme und eine Atombombe zünde.1

Fast zeitgleich würde sich Ihr Verteidigungsminister hinstellen und einen Vorschlag der Vorgängerregierung, den das Bundesverfassungsgericht für verfassungswidrig erklärt hätte, wieder hervorholen und öffentlich ankündigen, im Zweifelsfalle auf Verfassung und Gericht zu scheißen und auf entführte Flugzeuge zu schießen. In den „Tagesthemen“ würde er auf die Frage, ob sein Vorstoß überhaupt mit Ihnen abgesprochen sei, antworten, er und der Bundesinnenminister seien die besten Buddies überhaupt und die Frage ansonsten unbeantwortet lassen. Politiker diverser anderer Parteien und die Bundesluftwaffe würden sich gegen seinen Vorschlag wehren und in Deutschland herrschte eine Aufruhr, als habe gerade jemand Hitlers Familienpolitik gelobt oder Kunst als „entartet“ bezeichnet.

Was würden Sie, der Sie ja Angela Merkel wären, jetzt tun?

1 Dass Schäuble meint, wir sollten uns „die verbleibende Zeit“ nicht auch noch „verderben, weil wir uns vorher schon in eine Weltuntergangsstimmung versetzen“, anstatt endlich mal das zu tun, was er die ganze Zeit vorgibt zu wollen, nämlich die Sicherheit der Bürger zu schützen, ist eigentlich einen eigenen Wutanfall wert.

Klickbefehl (2)

Von Lukas Heinser, 17. September 2007 9:42

„Meisner-Äußerungen“ widerlegen den Irrglauben, dass die katholische Kirche eine Art tibetisch-kalifornischer Meditationsclub sein könnte, unter dessen Regenbogenzelt Paulo Coelho, Oprah Winfrey und der Dalai Lama barfuß zum Tamburin tanzen.

Nils Minkmar findet in der „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ eine überraschende Begründung, warum Kardinal Meisner nicht mehr „tragbar“ ist.

Bei Hooters tragen die durchweg weiblichen Bedienungen enge Hot Pants und tief ausgeschnittene weiße Hemden. Außerdem geben die “Hooter Girls”, wenn es die Zeit hergibt, auch Tanzeinlagen im Lokal.

Fraglich ob so etwas ins Bermudadreieck passt und noch fraglicher wie ein solches Restaurantkonzept mit dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG) in Verbindung zu bringen ist…

Das Pottblog vermeldet die Sensation der Woche: In Bochum eröffnet eine Hooters-Filiale.

Wenn ich manche Webforen lese, da könnte ich mich genausogut an den Altherrenstammtisch setzen und die über Krieg, Politik und Fußball reden lassen.

Ausnahmsweise stelle ich mal nicht die Fragen, sondern bemühe mich um halbwegs kluge Antworten. Im ersten Teil der neuen Serie „Geschichte wird gemacht“ bei gulli.com.

„Alles Strokes!“

Von Lukas Heinser, 16. September 2007 0:29

Aller guten Dinge sind drei. Deswegen jetzt und hier der letzte Kilians-Content für … na ja, wir wollen nicht zu viel versprechen. Aber erst mal der letzte Kilians-Content.

In den Hauptrollen: weiterhin Simon den Hartog und ich, ein Schwedenpanzer und die Straßen von Dinslaken. Und wenn ich danach nicht „Polylux“ moderieren darf, weiß ich auch nicht weiter …

(Erst Teil 1 und 2 anschauen oder gleich die ganze Playlist)

„Wir sind ja leider keine Hip-Hopper“

Von Lukas Heinser, 15. September 2007 16:34

Dinge, die man an einem sonnigen Samstagnachmittag tun kann: Auto waschen, Bundesliga hören, Video-Interviews schneiden.

Viel Spaß mit dem zweiten Teil von „Simon und Lukas begucken sich Dinslaken“:

(Vorher Teil 1 gucken)

Nächste Woche: Autobahnen

Von Lukas Heinser, 15. September 2007 11:42

Der Liebe Gott hat in Köln ein sehr schönes Haus, aber der aktuelle Hausmeister ist ein Problem:

Dort, wo die Kultur vom Kultus, von der Gottesverehrung abgekoppelt wird, erstarrt der Kult im Ritualismus und die Kultur entartet.

(Zitiert nach „Spiegel Online“)

Nach dem Rauswurf von Eva Herman fragt man sich jetzt natürlich, ob und wie Katholische Kirche, gleichsam die ARD unter den Glaubensgemeinschaften dieser Welt, auf Kardinal Meisners Entgleisung reagieren wird.

Im Schmelztiegel der Subkultur

Von Lukas Heinser, 15. September 2007 2:38

Manche mögen der Meinung sein, ich hätte langsam mal genug über die Kilians, diese fantastische Nachwuchsband aus Dinslaken, deren großartiges Debütalbum letzte Woche erschienen ist, geschrieben. Das sehe ich inzwischen ähnlich – und habe schwups mal das Medium gewechselt.

Viel Spaß mit jede Menge Kilians und Dinslaken im ersten Teil unseres kleinen Interview-Specials mit Simon den Hartog:

Anti Pasta

Von Lukas Heinser, 13. September 2007 9:42

Stellen Sie sich vor, wir würden heute mal komplett auf Eisbein und Sauerkraut verzichten!

Gut, auch wenn das Klischee etwas anderes sagt: Das wäre für die allermeisten Deutschen kein Problem. Aber stellen Sie sich mal vor, wir würden heute mal komplett auf Nudeln verzichten! Kinder, Studenten und Berufstätige müssten sich schon was einfallen lassen (wobei „was“ vermutlich „Fischstäbchen“, „Pizza“ oder „Butterbrote“ hieße). Aber jetzt stellen Sie sich mal vor, die Italiener würden einen Tag auf Nudeln verzichten!!!!1

Lassen wir die Stereotypen beiseite und widmen uns den harten Fakten: Italienische Verbraucherverbände haben für den heutigen Donnerstag zum „Pasta-Streik“ aufgerufen. Einen ganzen Tag sollen die Verbraucher auf ihr Nationalgericht verzichten (AP berichtet interessanterweise: „not against eating it, but against buying it“, was auch irgendwie auffälliger wäre), um gegen steigende Preise für Nudeln, Öl und Fahrkarten zu protestieren.

Stellen Sie sich also besser vor, wir würden heute mal komplett auf Autofahrten verzichten!

P.S.: sueddeutsche.de hat das Problem des Alles-bebildern-Müssens übrigens derart gelöst, dass man den Screenshot eines „Telegraph“-Artikels zum Thema, auf dem noch ein halbes Pasta-Symbolfoto zu erahnen ist, in den Artikel eingebaut hat. Als Meta-Symbolbild, sozusagen.

sueddeutsche.de zeigt telegraph.co.uk, die einen Teller mit Nudeln zeigen
Screenshot: sueddeutsche.de

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