Doping-Liveblog

Von Lukas Heinser
Veröffentlicht: 24. Juli 2007 17:59

17:55 Uhr: Auf das hier hingewiesen worden.
17:57 Uhr: Bei SpOn nachgeschaut:

Neuer Skandal bei der Tour de France: Alexander Winokurow ist bei einer Dopingprobe positiv getestet worden. Bei dem Astana-Fahrer wurde eine Fremdbluttransfusion nachgewiesen.

18:03 Uhr: Je ne parle pas français.
18:09 Uhr: Okay, damit wird Andreas Klöden auch nicht mehr ins Geschehen eingreifen können:

Wie die französische Sporttageszeitung “L’Equipe” berichtet, wird sich das Astana-Team nach der positiven Probe von Winokurow mit sofortiger Wirkung von der 94. Frankreichrundfahrt zurückziehen.

(Aktualisierte “Spiegel Online”-Meldung)
18:13 Uhr: team-astana.eu ist down. War ja irgendwie zu erwarten.
18:17 Uhr: Jetzt auch endlich Sport bei n-tv: dort gelten Doping und Astana-Rückzug als Fakt.

Ich geh jetzt zur pl0gbar und melde mich vielleicht von unterwegs noch mal. Sonst später am Abend.

25. Juli, 00:15 Uhr: Wieder da. Erstmal die ganzen Nachrichten im Feedreader durcharbeiten …

00:34 Uhr: Irgendwas ist da zwischen Mitschreiben, Übersetzen und Umstellen bei der Netzeitung schiefgegangen. Der folgende Absatz ergibt jedenfalls höchstens halbwegs Sinn:

Tour-Direktor Christian Prudhomme sprach von einem «Versagen des Systems», das das größte Radrennen der Welt nicht ausreichend schütze. Der Astana-Rückzug sei die einzig mögliche Reaktion gewesen, sagte Patrice Clair von der Amaury Sports Organisation, die die Tour vermarktet. Dies habe er dem Team deutlich gemacht. «Ich habe seit Jahren immer wieder gesagt, wir sind in einem gnadenlosen Kampf gegen Doping. Aber wir werden den Betrügern das Feld nicht überlassen.»

Schön bildhaft auch der Bericht bei sueddeutsche.de:

Prudhomme forderte zudem ein neues System für den Radsport, womit der Weltverband UCI mit seiner unzureichenden Kontrollarbeit gemeint war. “Ich habe jetzt keinen genauen Plan, aber wir brauchen eine Revolution”, rief er mit hochrotem Kopf. “Doch selbst in dieser Scheiße, in der wir sitzen, geben wir nicht auf – die Fahrer sollen sich fürchten und Angst haben.”

14:05 Uhr: Um 15 Uhr soll der Name eines weiteren Dopingsünders veröffentlicht werden. Wir sind gespannt.
14:43 Uhr: Was nehmen eigentlich Jansch und Migels?

Migels: Sag mal, reißen die Bären eigentlich auch Kühe, oder nur Schafe?

15:52 Uhr: Noch ist immer noch kein Name genannt. Die Hubschrauberkamera für die Eurosport-Bilder sorgt bei mir gerade für gesundheitliche Probleme.

17:51 Uhr: Laut L’Equipe ist der neueste Dopingfall Cristian Moreni vom Cofidis-Team.

Autumnsongs

Von Lukas Heinser
Veröffentlicht: 24. Juli 2007 16:22

Als ich heute Morgen erwachte, war draußen Herbst. “Nun ja”, dachte ich, “das kann ja mal passieren!” Ich verwarf meine eigentlichen Blogpläne für heute, warf iTunes an und mich nebst Buch aufs Bett. Dann war mir aber doch für einen Moment langweilig und deshalb stelle ich jetzt hier exklusiv die Top Twenty meiner liebsten Herbst-Alben vor:

20. Manic Street Preachers – This Is My Truth Tell Me Yours (VÖ: 25. August 1998)
Überlebensgroßer Britpop des walisischen Trios. Jeder Song eine Hymne, jedes Streichinstrument eine Umarmung.
Definitiver Herbstsong: “The Everlasting”

19. The Smashing Pumpkins – Adore (VÖ: 2. Juni 1998)
Die unendliche Traurigkeit der zum Trio geschrumpften Pumpkins ging weiter. Billy Corgan spielt mit Drumcomputern rum und ist doch reduzierter denn je.
Definitiver Herbstsong: “Blank Page”

18. Dan Bern – New American Language (VÖ: 6. Mai 2002)
Amerikanischer Singer/Songwriter, der das exakte Mittelding zwischen Bob Dylan und Elvis Costello ist. Schade, dass das keiner kennt.
Definitiver Herbstsong: “Albuquerque Lullaby”

17. Get Cape. Wear Cape. Fly – The Chronicles Of A Bohemian Teenager (VÖ: 16. Februar 2007)
Der Junge mit der Gitarre und dem Drumcomputer aus Großbritannien. Muss sich eigentlich noch im kalendarischen Herbst beweisen, wird das aber sicher schaffen.
Definitiver Herbstsong: “Call Me Ishmael”

16. Toploader – Onka’s Big Moka (VÖ: 14. August 2000)
Das One Hit Wonder mit dem Bubblegum Radiopop. Trotzdem ist nicht nur das Albumcover wunderbar herbstlich, sondern auch die Musik.
Definitiver Herbstsong: “Only For A While”

15. Embrace – If You’ve Never Been (VÖ: 5. September 2001)
Die Britpop-Brüder, die nicht Oasis sind, mit ihrem eigentlich schwächsten Album. Trotzdem ein echter Herbst-Dauerbrenner mit einigen großen Melodien.
Definitiver Herbstsong: “Make It Last”

14. The Fray – How To Save A Life (VÖ: 27. Oktober 2006)
Collegerock auf dem Klavier, gemacht von vier überzeugten Christen aus Denver. Man muss schon einen Soft Spot für eine gewisse Menge Pathos haben, dann ist es aber großartig.
Definitiver Herbstsong: “Heaven Forbid”

13. Radiohead – Kid A (VÖ: 29. September 2000)
Das große, sperrige Meisterwerk der besten Band unserer Zeit. Unbeschreiblich und unbeschreiblich gut.
Definitiver Herbstsong: “How To Disappear Completely”

12. The Finn Brothers – Everyone Is Here (VÖ: 20. August 2004)
Neil und Tim Finn haben mit Split Enz und Crowded House beinahe im Alleingang die Musikgeschichte Neuseelands und Australien geschrieben. Als Finn Brothers schreiben sie daran weiter.
Definitiver Herbstsong: “Edible Flowers”

11. Kashmir – Zitilites (VÖ: 11. August 2003)
Die Wiederaufnahme von “Kid A” mit anderen, dänischen Mitteln. Kashmir machen alles richtig und sichern sich einen Platz in den Musikannalen, Kategorie: “Ständig übersehene Genies”.
Definitiver Herbstsong: “The Aftermath”

10. Maximilian Hecker – Infinite Love Songs (VÖ: 28. September 2001)
Sie können Falsettgesang und hoffnungslos romantische Texte nicht ausstehen? Dann werden Sie mit diesem Album nicht glücklich werden. Alle anderen schon.
Definitiver Herbstsong: “The Days Are Long And Filled With Pain”

09. The Cardigans – Long Gone Before Daylight (VÖ: 24. März 2003)
Mit diesem Folk-Album zeigten die Cardigans endgültig allen, dass sie kein Bubblegum Pop One Hit Wonder sind. Und wer vorher noch nicht in Nina Persson verliebt war, war es danach.
Definitiver Herbstsong: “You’re The Storm”

08. Death Cab For Cutie – Plans (VÖ: 29. August 2005)
Mit “O.C., California” und einem Majorlabel im Rücken eroberten DCFC endlich die Welt im Sturm. Wäre aber auch zu schade gewesen, wenn man dieses großartige Indiepop-Album übersehen hätte.
Definitiver Herbstsong: “Different Names For The Same Thing”

07. Muff Potter – Heute wird gewonnen, bitte (VÖ: 15. September 2003)
Nach Jahren des Übens und Fingerwundspielens an der Deutschpunk-Front waren Muff Potter bereit für ihr Meisterwerk. 14 Songs zwischen Bordsteinkante und Mond, die alles um einen herum vergessen machen.
Definitiver Herbstsong: “Das Ernte 23 Dankfest”

06. The Postal Service – Give Up (VÖ: 28. April 2003)
Death-Cab-Sänger Ben Gibbard und Dntel-Mastermind Jimmy Tamborello zeigen auf zehn Songs, dass sich Elektronik und Folksongs nicht ausschließen müssen – und die Welt von Indiedisco-DJs und Soundtrack-Kompilierern war hinfort nicht mehr die Selbe.
Definitiver Herbstsong: “The District Sleeps Alone Tonight”

05. Coldplay – Parachutes (VÖ: 21. Juli 2000)
Bevor sie Fußballstadien und Vorabendserien beschallten, waren Coldplay für einen Herbst die kleinen verhuschten Indienerds, die einen über unerfüllte Lieben und nasskalte Heimwege vom Schulsport hinwegtrösteten. We live in a beautiful world und everthing’s not lost.
Definitiver Herbstsong: “We Never Change”

04. Ben Folds – Rockin’ The Suburbs (VÖ: 11. September 2001)
Das erste Soloalbum nach dem Ende von Ben Folds Five, erschienen an dem Tag, nach dem nichts mehr so war wie zuvor. Großartige Songs voller Klaviere und Melancholie – und voller Witz und Ironie.
Definitiver Herbstsong: “Carrying Cathy”

03. Starsailor – Love Is Here (VÖ: 19. Oktober 2001)
Sie sollten die nächsten Coldplay werden, wenn nicht auch noch Jeff und Tim Buckley und möglicherweise Nick Drake – das konnte ja kaum klappen. Starsailor lieferten trotzdem ein unglaublich großartiges Album ab – und ließen Coldplay dann den Vortritt bei der Weltkarriere.
Definitiver Herbstsong: “Fever”

02. R.E.M. – Automatic For The People (VÖ: 1. Oktober 1992)
R.E.M. schafften den endgültigen Sprung vom Geheimtipp zu Megastars – sonst änderte sich nichts. Wer wissen will, wie sowas geht, sollte das Album hören.
Definitiver Herbstsong: Alle – einfach alle.

01. Travis – The Man Who (VÖ: 28. Mai 1999)
Kein Wunder, dass das Album in Deutschland erst im Herbst so richtig seine Hörer fand: der Sommer ’99 war einfach zu trocken für “Why Does It Always Rain On Me?”. Wer die Bedeutung des Wortes “Melancholie” erfahren will, ist hier richtig. Alle anderen auch.
Definitiver Herbstsong: “Turn”

Fahrrädchen im Wind

Von Lukas Heinser
Veröffentlicht: 23. Juli 2007 23:06

So ganz genau weiß man bei der ARD offenbar auch nicht, was man will, meint oder vorhat: Als letzten Mittwoch herauskam, dass eine Dopingprobe aus dem Training des T-Mobile-Fahrers Patrik Sinkewitz positiv war, stiegen ARD und ZDF angewidert aus der Live-Berichterstattung aus und inszenierten sich im eigenen Programm (für meinen Geschmack einen Tacken zu lautstark) als Gralshüter des guten Geschmacks und der öffentlichen Ordnung. Dann übernahm Sat.1 die Tour-Übertragung und neben einigen Politikern fand auch WDR-Chefin Monika Piel diese Entscheidung nicht gut.

Während Sat.1 mit grottenschlechter Live-Berichterstattung beeindruckte (die heute mit einem Jan-Ullrich-Interview einen neuen Tiefpunkt erreichte), berichtete die ARD weiterhin über die Tour – nur eben nicht live. Wo da der qualitative Unterschied liegen soll, weiß der Henker – es wird ja im Ersten niemand ernsthaft erwartet haben, da werde sich ein Radfahrer live eine Spritze in den Arm drücken, was man dann für die Zusammenfassung rausschneiden kann.

Heute meldet “Spiegel Online”, die ARD wolle ab morgen – morgen ist Ruhetag! – ein 25minütiges Tour-Magazin senden. Ein “Umdenken”, wie SpOn es nennt, ist das natürlich (s.o.) nicht, aber so wirklich glaubwürdig ist so langsam nichts mehr an dieser Tour: Nicht nur, dass der derzeit im gelben Trikot fahrende Däne Michael Rasmussen unter Dopingverdacht steht und der zweitplatzierte Alberto Contador auch eine etwas zweifelhafte Vergangenheit zu haben scheint – auch das Theater um die Berichterstattung spottet in diesem Jahr jeder Beschreibung.

Man kann davon ausgehen, dass den Leuten, die jetzt noch die Tour de France gucken, so ziemlich alles egal ist – die Fahrer könnten im Ziel Robbenbabies opfern und die (in Deutschland schwachen) Zuschauerzahlen würden kaum weiter abnehmen. Schaden können Tour und Umfeld jetzt nur noch den beteiligten Fernsehsendern: Sat.1 hat miserable Quoten, denen wohl auch die ab morgen einsetzende öffentliche Empörung über das Ullrich-Interview nicht mehr viel helfen können wird, und die ARD verheddert sich in einem Netz aus “Ja!”, “Nein!” und “Vielleicht!”.

This Ain’t A Scene It’s A Bike Race

Von Lukas Heinser
Veröffentlicht: 23. Juli 2007 17:45

Nachdem die lustigen Dilettanten von DHL auch nach einer Woche noch nicht reagiert hatten und ich wenig Lust hatte, mein Buch erstmal wieder zurückgehen zu lassen, hab ich mich dann heute doch mal dazu durchgerungen, es in der Postagentur abzuholen.

Angestachelt durch tagelanges Tour-de-France-Gucken schwang ich mich auf meinen Drahtesel und machte mich auf den 2,4 Kilometer langen Weg. Anders als sonst üblich fing es nicht an zu regnen, als ich aus der Haustür trat – das tat es nämlich schon länger. Nach 200 Metern und noch bevor ich mich den ersten Hang runtergestürzt hatte (ja: Bochum ist hier wirklich hügelig, mindestens Kategorie 3 oder so), stellte ich fest, dass irgendein sehr armer Studentenwohnheimsbewohner meine sechs Jahre alten und nur noch halbwegs funktionierenden Batterieleuchten abgeschraubt haben muss. War ich also zum zweiten Mal in diesem Jahr Opfer eines Diebstahls geworden.

Die Postagentur war gar nicht mehr, wie noch bei meinem letzten Besuch, ein Reisebüro, sondern eine Boutique für recht groteske Mode. Am Tresen (nennt man die Theke den Tisch in Beinahe-Postämtern auch Tresen?) stand ein Philatelist, der sich durch einen Stapel frischer Briefmarkenheftchen wühlte und zu seiner großen Freude wertvolle Fehldrucke gleich im Dutzend fand. Nicht ganz so schnell fand der Beinahe-Postbeamte mein Päckchen – es lag ja schon seit einer Woche im Lager, vermutlich ganz unten in einem riesigen Stapel. Er fand es, es war doppelt so groß wie das eigentliche Buch, aber ich hatte es immerhin.

Der Rückweg führte mich wieder einen Berg hinab und einen hinauf und ich hatte noch ein bisschen mehr Respekt vor den Radfahrern, die gerade die Pyrenäen durchfahren. Ich hätte ja schon für die Straße hinter meinem Haus fast Jan Ullrichs Hausapotheke gebraucht.

Die ausführliche Besprechung zu “Chuck Klosterman IV” (das Amazon nach meiner Bestellung noch mal um zwei Euro heruntergesetzt hat, wie ich gerade feststelle) gibt es dann, wenn ich das Buch durchhabe. Die Uhr läuft ab jetzt.

Hardcore-Hoteliers

Von Lukas Heinser
Veröffentlicht: 21. Juli 2007 15:42

Tomte-Sänger, Grand-Hotel-van-Cleef-Labelchef und Kilians-Manager Thees Uhlmann hat eine neue Band entdeckt. Sie heißt Escapado, macht deutschsprachigen Hardcore und eine Hörprobe kann man sich hier herunterladen. Das neue Album erscheint dann wohl Ende September beim Grand Hotel.

Korrekturspalte

Von Lukas Heinser
Veröffentlicht: 21. Juli 2007 14:53

Am 19. Juli 2007 behauptete ich in dem Artikel “Öffentlich-rechtliche Radlosigkeit”:

Für die Öffentlich-Rechtlichen ist das ein lautstarker, öffentlicher Schlag in die Fresse, denn die Quoten bei Sat.1 werden – wie gestern die bei Eurosport – explodieren.

Diese Prophezeiung war falsch. Richtig ist vielmehr: Die Tour-Quoten von Sat.1 sind eine ziemliche Katastrophe. Ich bedauere diese falsche Voraussage zutiefst und werde fürderhin keine Quotenprognosen zu Sportveranstaltungen mehr abgeben.

Übliches Ableben

Von Lukas Heinser
Veröffentlicht: 20. Juli 2007 19:29

Am Flughafen von San Francisco ist ein toter Chinese im Bauch eines Flugzeugs entdeckt worden – offenbar ein blinder Passagier aus Shanghai.

Für die Art, wie der “San Francisco Chronicle” diesen und vergleichbare Fälle beschreibt, müsste man eigentlich eine Steigerungsform von “lakonisch” erfinden:

Bodies are periodically found in the wheel wells of airplanes, usually after people seek covert entry into the United States or Europe. Such stowaways usually die during the flight.

Rad und Tat

Von Lukas Heinser
Veröffentlicht: 20. Juli 2007 18:59

Man kann sicher viel darüber diskutieren, ob es eine gute Idee war, dass Sat.1 die Berichterstattung der Tour de France übernommen hat, kaum dass ARD und ZDF ausgestiegen waren. Das geschieht ja auch hie und da und dort. Letztendlich gibt es da sicherlich kein “richtig” oder “falsch”, aber es muss ja nicht jede Diskussion zu einem Ergebnis kommen.

Was mich aber gerade mal wieder auf die Palme treibt, sind die Berliner Hinterbänkler, die – kaum, dass sich das Sommerloch bedrohlich über der Medienlandschaft öffnet – eiligst durch die Gegend rennen und in die erstbesten Mikrofone hineinsalbadern:

Die Grünen sprachen von einem «fatalen Signal», wenn die Quote zähle, der Inhalt aber nicht. «An die Zuschauer wird dabei nicht gedacht, an einen sauberen Radsport schon gar nicht – Hauptsache Spektakel», heißt es in einer gemeinsamen Erklärung der medienpolitischen Sprecherin, Grietje Bettin, und des sportpolitischen Sprechers, Winfried Hermann.

Zunächst einmal freut es mich natürlich, wenn sich die mir bisher unbekannten Grünen-Sprecher als meine Anwälte (ich als Teilmenge von die Zuschauer) aufspielen. Allein: Ich will gucken – und eine knappe Millionen anderer Leute offenbar auch.

Sicher: Wir könnten auch der Übertragung bei Eurosport folgen, dafür braucht es keine langweilige Sat.1-Übertragung. Aber allein die Verwendung des Begriffs “Spektakel” zeigt, dass sich offenbar keiner der Beiden die Mühe gemacht hat, sich das Elend bei Sat.1 anzuschauen – dagegen ist ja jeder Wetterbericht nach den “Tagesthemen” ein größeres Spektakel. Und die Quote “stimmte” gestern bei Sat.1 schon mal überhaupt nicht.

Mir erschließt sich auch nicht so ganz, ob und wie der Radsport dadurch sauberer werden sollte, wenn die Tour nicht im Fernsehen auf einem Sender, der einen einstelligen Sendeplatz auf der Fernbedienung belegt, übertragen würde. Es ist ein bisschen wie mit Schrödingers Katze: entweder wird gedopt oder nicht – ob man dabei zusehen kann oder nicht, hat darauf keinen Einfluss.

Politiker müssen nicht zu allem eine Meinung haben und vor allem sollten sie darauf vertrauen, dass die Bürger, von denen sie mit der Wahrung ihrer Interessen beauftragt wurden, mündig genug sind, einen Fernseher einzuschalten oder nicht. So doll wie früher waren die Zuschauerzahlen der Tour schon bei ARD und ZDF nicht – also gibt es offenbar genug frühere Zuschauer, die entweder die Schnauze voll haben von gedopten Sportlern oder – auch das wäre nicht undenkbar – denen die ungedopten Fahrer zu langsam fahren.

Kneipenbekanntmachung

Von Lukas Heinser
Veröffentlicht: 20. Juli 2007 1:44

Ich bin nicht unbedingt immer sonderlich schnell, was das Aufspüren neuer Trends angeht. Noch ist es nicht so schlimm, dass ich bei “Polylux” anfangen müsste, aber die Nachfolge von Matthias Horx werde ich so bald nicht antreten. Würd’ ich mal so vorhersagen …

Deshalb ist das, worüber ich neulich bei Thomas Knüwer gestolpert bin, vielleicht schon gar nicht mehr wirklich das hippste, neueste Space-Age-Ding im Web 9 3/4. Aber ich finde es ganz und gar großartig und möchte es gerne mit möglichst vielen Menschen teilen:

Kloß und Spinne
(Screenshot: youtube.com)

Es geht um “Kloß und Spinne”, eine Animationsserie von Volker Strübing, die man am Besten als eine Mischung aus “Dittsche” und “South Park” beschreiben kann, garniert mit ganz viel von dem, was ich als Ruhrpottler für Berliner Lokalkolorit halten würde. Das sind unglaublich witzige und anrührende Cartoons, die ich am Liebsten in einer Endlosschleife gucken würde.

Bisher gibt es vier Episoden (“Computer kaputt!”, “Klimakatastrophe”, “Gehacktes!” und “Die Hölle war och schonma besser!”), die alle knapp fünf Minuten lang sind und mit so viel Kreativität und Liebe zum Detail gestaltet wurden, dass man sich fragt, wozu man eigentlich noch Fernsehen braucht. Ein Blog hat Volker Strübing übrigens auch.

Lieder für die Ewigkeit: Sportfreunde Stiller – Ein Kompliment

Von Lukas Heinser
Veröffentlicht: 19. Juli 2007 18:49

In allen vier Ecken soll Liebe drin stecken

Gerade habe ich bei MTV (bei MTV!!!!1) zum ersten Mal das Video zur neuen Sportfreunde-Stiller-Single “Alles Roger” gesehen. Ich bin mir relativ sicher: bei denen geht nicht mehr viel. Endgültig vorbei scheint die Zeit, in der die sympathischen Bayern intelligente, gewitzte Texte mit charmanten Melodien zusammenpackten und dabei Songs wie “Ein Kompliment” aus dem Ärmel schüttelten.

Man greift sicher nicht zu hoch, wenn man die damalige Vorabsingle zum zweiten Sportfreunde-Album “Die gute Seite” zu den besten deutschsprachigen Liebesliedern aller Zeiten (also inkl. Romantik und Sturm’n’Drang) zählt. Die unumwundene Sympathiebekundung, die bei vielen anderen Künstlern in schlimmstem Schlagerkitsch hätte versinken können, kam bei den Sportfreunden Stiller sympathisch und authentisch rüber. Ja, so ist das halt, wenn man verliebt ist: die Angebetete wird zum “Ziel einer langen Reise”, zur “Schaumkrone der Woge der Begeisterung”, kurzum zum “größten für mich”.

Man kann nur vermuten, auf wie vielen Kassettenmädchenkassetten “Ein Kompliment” in den letzten fünfeinhalb Jahren gelandet ist. Wer ein Mixtape mit diesem Song darauf verschenkt und darauf keine Antwort in der einen oder anderen Richtung bekommt, sollte sich ein neues Ziel aussuchen (hätte mir das damals mal jemand gesagt …). All das, was man sich als Teenager (und darüber hinaus) nie zu sagen getraut hat, kann man ein ganzes Stück einfacher trotzdem ausdrücken (lassen).

Aber auch fernab dieses Dienstleistungsgedankens ist und bleibt “Eine Kompliment” ein wunderbares Lied: emotional, euphorisch, aber immer noch mit einem sogenannten Augenzwinkern. Das ist das Schlachtschiff “Pathos” mit dem Rettungsboot “Ironie”, die neunundneunzigkommaneunprozentige Hingabe. Ein solches Lied kann man einer Band gar nicht hoch genug anrechnen.

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