Beitrags-Archiv für die Kategorie 'TV On The Radio'

Grand-Prix-Liveblog

Von Lukas Heinser
Veröffentlicht: 12. Mai 2007 20:55

Weil die Vorberichterstattung in der ARD mich ein wenig irre gemacht hat, kam mir die Idee, doch noch ein ganz spontanes Grand-Prix-Liveblog zu starten. Wenn alles gutgeht, gibt’s also hier gleich die halbherzige Nebenberichterstattung.

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Dies ist nicht Amerika

Von Lukas Heinser
Veröffentlicht: 4. Mai 2007 23:25

Ich habe gerade etwa 20 Minuten von der Verleihung des deutschen Filmpreises gesehen. Genug, um zu wissen, warum Babelsberg nie (mehr) Hollywood sein wird:

  • Das ZDF übertrug mal wieder zeitversetzt. Schon vor der Auszeichnung des besten Films konnte man im Internet (und vermutlich auch im ZDF-Videotext) lesen, dass “4 Minuten” gewinnen würde.
  • Die Oscar-erprobte Idee, die Dankesreden musikalisch abzuwürgen, wurde mit deutscher Gründlichkeit auf die Spitze getrieben: auch die Preisträger für den besten Film (also die letzte Auszeichnung des Abends) wurden lautstark und barsch von der Bühne gefegt.
  • Michael “Bully” Herbig ist nicht Billy Crystal. Er ist noch nicht einmal Ellen DeGeneres. Aber er ist alles, was wir haben, wenn nicht wieder Jörg Pilawa, Johannes B. Kerner oder Günther Jauch moderieren sollen.
  • Bernd Eichinger hat in der neu zu schaffenden Kategorie “angepisste Dankesrede eines vermeintlichen Favoriten” eine Sonderauszeichnung verdient. “Na ja, ich danke der Akademie”, dürfte als Bonmont in die an Anekdoten eher arme Geschichte des deutschen Filmpreises eingehen.

Aus dem langweiligen Küsschen-rechts-Küsschen-links-Rahmen fiel einzig Monika Bleibtreu, die ihren Preis als beste Hauptdarstellerin ihrem Sohn Moritz widmete. Dass dieser seine Rührung und seinen Stolz gar nicht mehr verhehlen wollte, war dann auch schon das Höchstmaß an Emotionen.

Don’t Listen To The Radio

Von Lukas Heinser
Veröffentlicht: 16. April 2007 19:29

Man kann nicht immer alles gut finden und abfeiern. Selbst wenn an einem Tag zwei Platten erscheinen, auf die ich mich freue wie als Kind auf Weihnachten, so kommen am gleichen Tag doch mindestens genausoviele Platten, die auf deutlich andere Käufer hoffen müssen. Auch im Radio kommen auf einen guten Song mindestens drei okay und eine richtige Nervensäge (das ist jetzt nur geschätzt, ich bin aber fast bereit, Feldversuche durchzuführen) – und das fernab von Tokio Hotel, Xavier Naidoo und Silbermond.

Deswegen jetzt und hier: Die “Darum tret’ ich Dein Radio ein”-Charts – total subjektiv und krass polemisch.

05. Snow Patrol – Shut Your Eyes
Snow Patrol sind eine recht ordentliche Band. Man kann jedes Mal betonen, dass “Final Straw”, das Album vor dem Durchbruch, deutlich besser war als das Durchbruchsalbum “Eyes Open” selbst. “Chasing Cars” war eine Mörderhymne, aber “Shut Your Eyes” hat zu wenig Melodie, zu wenig Spannung, zu wenig Song. Einfach nur öde.

04. Incubus – Love Hurts
Ich hab Incubus immer schon für eine schwache Red-Hot-Chili-Peppers-Tribute-Band gehalten und diese Single bestätigt mich in meinem Glauben. Green Days “Boulevard Of Broken Dreams” auf Valium.

03. Razorlight – Before I Fall To Pieces
Razorlight sind ein weiches Ziel, noch extremer als Keane: kein Musikjournalist würde je öffentlich zugeben, die Band um den Fünf-Minuten-Libertines-Bassisten Johnny Borrell auch nur ansatzweise gut zu finden – trotzdem war “America” ein netter Popsong. “Before I Fall To Pieces” ist jetzt aber eine sterbenslangweilige Rock’n'Roll-Parodie, die selbst gegen Neunzigjährige nicht ankommt.

02. Dendemann – Endlich Nichtschwimmer
Bis hierher waren die Songs nur öde, jetzt werden sie nervig – und das richtig schnell und ganz doll. Der “Bluessänger auf Abwegen” Dendemann rappt sich durch Uraltbeats und Dicke-Hose-Strophen und krönt den Track mit einem der nervigsten Refrains ever.

01. Boundzound – Louder
Wenn das eigentlich sehr gute Musikerkollektiv Seeed mal gerade Betriebsferien hat, machen die diversen Mitglieder was anderes. Ob es unbedingt Musik sein muss, ist zumindest im Fall von Sänger Demba Nabé eine berechtigte Frage, denn die erste Single seines Projekts Boundzound ist nervtötender als vier Stunden Nachbars Alarmanlage hören – aber ähnlich repetitiv und melodiös. Selten reagiere ich körperlich auf unliebsame Musik, hier stehe ich kurz vor Schüttelkrämpfen. Das Lied ist so doof, dass ich mir sogar den unglaublichen Wortwitz von wegen Leiserdrehen spare.

Lindenstraße…eeeeh, Douglasienboulevard…ach Quatsch: Ahornallee!

Von Kathrin Grannemann
Veröffentlicht: 16. April 2007 18:07

Seite heute 17 Uhr gibt es auf RTL eine neue Serie: Ahornallee.

Die Geschichte ist schnell erzählt: Witwer zieht wegen Arbeitslosigkeit von der Ostwestfalenmetropole Herford nach Düsseldorf (genauer: in die Ahornallee), um dort einen neuen Job als Hausmeister anzutreten. Dort soll er sich um eine Schickimicki- Villa kümmern. Erwartungsgemäß findet er dort als bodenständiger Mensch keinen Anschluss. Oder, um mal die Wikipedia zu zitieren:

Die Serie zeigt vor allem gesellschaftliche Differenzen auf, der Kleinkrieg der armen Familie mit den anderen, höherstehenden Bewohnern der Ahornallee.

Es wohnen im Haus:

  • Der neue Hausmeister Willi Schlosser nebst Tochter Petra und Sohn Jan, die Mutter ist ein Jahr zuvor gestorben
  • “Gönner” Karsten Winterberg, der den Hausmeister eingestellt hat, seine Frau Erika, seine Schickimicki- Tochter Julia und der verkommene Sohn Stefan, der das Internat geschmissen hat
  • Ilona und Stefan Keller, er Schönheitschirurg, haben ne Tochter namens Jasmin, die sich in den Hausmeistersohn verguckt
  • Das Porno- Pärchen Isabelle Ferenczy und Udo Meister, beide relativ schleimig und unsympathisch
  • Lehrerin Silvia Eichhoff mit Sohn Lukas mit HIM-Shirt, Buttons und Jeansjacke

Kleine Fakten am Rande:

  • Der Umzugs-LKW der Hausmeisterfamilie ist liebevoll mit Müll drapiert
  • Ehepaar Keller besteht aus Claudia Neidig und Hans Holzbecher, die bereits vor einiger Zeit bei Unter Uns einen Auftritt fanden.
  • Wilde Schnittführung, fiese Kameraführung
  • Klassischer Konflikt: Arm vs. Reich
  • Flippige Soundtrack- Musik (von Billy Talent bis Gwen Stefani)
  • Schlecht gemachte Fake- Wunden
  • Gedreht wird in einer echten Villa in München

Hinter den Kulissen der “Ahornallee” arbeiten bei Tresor TV rund 70 Personen an der Herstellung der Serie. Im Haus wird mit drei Kameras gedreht, im Außendreh kommt eine vierte Kamera zum Einsatz. Innovativ ist der so genannte “tapeless workflow”. Erstmals werden im Rahmen einer RTL-Serienproduktion alle Szenen auf Festplatte aufgezeichnet und weiterverarbeitet. Bänder werden nur noch zur Archivierung und für Backups verwendet. (Quelle)

Fazit: Eine weitere Soap, die eigentlich keiner braucht.

I’m A Yesterday Man

Von Lukas Heinser
Veröffentlicht: 15. April 2007 13:40

Am Donnerstag startete in den deutschen Kinos “Robert Altman’s Last Radio Show” (was – angedenk der Tatsache, dass Regisseur Robert Altman inzwischen verstorben ist – ein überraschend passender “deutscher” Titel für “A Prairie Home Companion” ist). In dem höchst vergnüglichen Revuefilm mit Starbesetzung geht es um eine traditionsreiche amerikanische Radioshow, die nach vielen Jahren eingestellt werden soll.

Radio ist heute ein sog. Nebenbeimedium, d.h. die Radiomacher sind der Ansicht, ihre Hörer hörten ihnen sowieso nicht zu, weswegen sie ihr Programm so gestalten, dass ihnen auch wirklich niemand mehr zuhören will: Überdrehte Gute-Laune-Maschinen aus dem Privatradio, die eine Hektik verbreiten wie ein Hamster, der ein Kilo Ecstasy gefuttert hat, könnte ich nicht mal “nebenbei” ertragen, und die ehemaligen Qualitätssendungen der öffentlich-rechtlichen Sender sind inzwischen auch im “Formatprogramm” angekommen (zwei beliebige Popsongs; ein Studiogespräch, das auf keinen Fall länger als anderthalb Minuten dauern darf und mit einem nervigen “Musikbett” unterlegt ist; zwei beliebige Popsongs; eine kurze, pointenlose Zwischenmoderation; zwei beliebige Popsongs; Werbung – dazu alle drei Minuten der Hinweis, welchen Sender man gerade noch mal eingeschaltet hatte).

Da grenzt es fast an ein Wunder, dass es auch im deutschen Radio noch eine richtige Radioshow im besten, im klassischen Sinne gibt: sie heißt “Yesterday”, läuft seit 1995 auf WDR 2 und wird von ihrem Erfinder Roger Handt moderiert. Früher hieß sie “Yesterday – Die Oldie-Show” und genau das ist sie eigentlich auch: In der ersten Stunde der dreistündigen Sendung werden Hörerwünsche erfüllt (als “Oldie” gilt ein Song, der vor mehr als zehn Jahren erschienen ist, d.h. spätestens Ende dieses Jahres können wir mit “Angels” von Robbie Williams rechnen), in den zwei darauffolgenden Stunden findet das “Yesterday-Quiz” statt, bei dem je zwei Hörer in zwei Runden und einem Finale gegeneinander antreten.

Die Kandidaten, meist 55jährige Lehrer aus Essen, müssen (manchmal recht simple, manchmal wirklich knifflige) Fragen zu einem bestimmten Jahrzehnt beantworten, dazwischen gibt es viele Musiktitel, die – auch das ist im Radio inzwischen eine Seltenheit – fast immer ausgespielt werden. Als es im Januar um die Neunziger Jahre (des zwanzigsten Jahrhunderts) ging, fühlte ich mich plötzlich sehr, sehr alt. Einmal im Monat findet die Sendung vor einem Livepublikum statt, das mitunter mehrere Jahre auf seine Eintrittskarten warten musste, und was “Yesterday” (neben der vielen Musik, die heute kaum noch im Radio gespielt wird, und den durchaus interessanten Quizrunden) so besonders macht, ist die Art, mit der Roger Handt sie moderiert: es gibt keinen strikten Sendeplan, keine Anderthalb-Minuten-Regelungen, keinerlei Hektik.

Die Vorstellung der Kandidaten nimmt so viel Zeit in Anspruch, wie andere Sendungen gerade mal einem Starinterview (inkl. Musiktitel) einräumen würden. Handt kann sich minutenlang mit einem kaufmännischen Angestellten aus dem Siegerland über den Ein- und Verkauf von Schrauben (“für den Trockenbau, für Holz”) unterhalten oder sich von einer Hausfrau aus Köln über ihre Kinder berichten lassen, ohne dass es auch nur ansatzweise langweilig wird. Er interessiert sich für seine Anrufer (und wohl für alle seine Hörer) und die freuen sich, “endlich mal durchgekommen” zu sein – ob sie hinterher etwas gewinnen (es geht um CDs und Konzertkarten), ist den meisten fast egal. Handt ist locker im positiven Sinn, ohne dabei ins Joviale (s. Thomas Gottschalk) oder Überdrehte (s. Frühstücksmoderatoren auf jedem verdammten Sender) abzurutschen, und er sagt Sachen wie “Schon komisch, dass so ein Franz Beckenbauer mal Platten eingesungen hat. Obwohl: Marius Müller-Westernhagen singt ja auch …”

Die Sendung läuft Samstagabends ab 19 Uhr und sorgt damit regelmäßig dafür, dass man sich beim Abendessen festhört und das abendliche Fernsehprogramm einfach ignoriert. Roger Handt kennt jeden Song, den er spielt, und weiß, wer ihn wann (wahrscheinlich auch wo) geschrieben, und wer ihn Jahre später auf der B-Seite welcher Single gecovert hat – und wer dabei die Leadgitarre spielte, obwohl er gar nicht in den Liner Notes auftauchte. Sollte er sich doch mal einen groben Schnitzer erlauben, weist er hinterher ganz zerknirscht darauf hin.

Roger Handt ist kein deutscher John Peel. Der legendäre englische Radio-DJ entdeckte bis zu seinem plötzlichen und viel zu frühen Tod 2004 noch wöchentlich neue Platten und feierte Musiker, die seine Enkelkinder hätten sein können. Handt, der 1945 und damit sechs Jahre nach Peel geboren wurde, sagt heute in Interviews Sätze wie

Ich muss mich nur noch für das interessieren, was mich interessiert.

und dass Freddy Quinn ein paar geistreichere Sachen gesungen habe als Xavier Naidoo. Das ist sein gutes Recht, und gerade bei solchen Vergleichen wagt man – schon wegen mangelnder Werkkenntnis beider Künstler – kaum zu widersprechen.

“Yesterday” ist echte Radiounterhaltung. Man kann sich irre jung (“Das war Karl Schiller, Bundeswirtschaftsminister von 1966 bis 1972.”) und wahnsinnig alt (“Und als nächstes hören wir Hanson mit ‘MMMbop’!”) fühlen. Bei mir erzeugt die Sendung das, was schon lange keine Fernsehshow mehr erreicht: das Gefühl der Geborgenheit, so wie vor vielen Jahrzehnten die Illies’sche Badewanne vor “Wetten dass …?”

Keine Amnesie für Coffee And TV

Von Lukas Heinser
Veröffentlicht: 13. April 2007 17:46

Ich trat gerade ans Handwaschbecken, um meine Hände zu waschen, als ein Satz meine Synapsen durchzuckte:

Als Herr von Schelle trete ich viel energischer und zackiger auf

Weit schlimmer als der Satz ist sein Ursprung und vor allem die Tatsache, dass ich mich daran erinnere. Er entstammt nämlich einer Überschrift auf der Medienseite der NRZ, die ich etwa im Jahr 1992 auf dem Küchenfußboden meiner Eltern las. Gesagt hat ihn die inzwischen verstorbene, damals aber noch quicklebendige Annemarie Wendl, die in der beliebten ARD-Serie “Lindenstraße” die Hausmeisterin Else Kling spielte. In einer Folge dieser Serie musste sich Else Kling als Mann (eben jener Herr von Schelle) verkleiden, da sie – und hier wird meine Erinnerung bruchstückhafter – einen Aufenthalt auf einer Wellness Farm (die damals noch nicht “Wellness Farm” hieß) gewonnen hatte, es sich allerdings um eine Wellness Farm für Männer handelte und sie deshalb unter Pseudonym teilgenommen hatte und nun auch so dort anreisen musste.
Da man sich auf einer Wellness Farm eher selten voll bekleidet aufhält, will mir diese Erklärung heute, knapp 15 Jahre später, irgendwie völlig dämlich und weit hergeholt erscheinen, aber ich bin mir recht sicher, dass es sich so oder so ähnlich abgespielt hat. Der derart überschriebene Artikel drehte sich entsprechend um die Erfahrungen, die Frau Wendl bei den Dreharbeiten in disguise gemacht hatte.
Leider finde ich heute keinerlei aussagekräftige Quellen mehr zu dem Thema, aber ich bin bereit, einem Gedächtnis, das einen solchen Satz über Jahrzehnte verwahrt, auch die Begleitumstände zu glauben – seien sie auch noch so diffus und unsinnig.

Das Besorgniserregendste an dieser Geschichte aber ist: ich habe die “Lindenstraße” nie bewusst geguckt.

Ships ahoy

Von Daniel Gerhardt
Veröffentlicht: 28. Februar 2007 20:06

Zu schön, um’s zu verpassen: Das Video zur ersten Single “Dashboard” aus dem neuen Modest-Mouse-Album “We Were Dead Before The Ship Even Sank”. Wir sehen darin Sänger Isaac Brock als ergrauten Seemann mit Mikrofonhakenhand (hinreissend gespielt!), atemberaubende Spezialeffekte, riesige Seeungeheuer und gegen Ende auch Johnny Marr als so eine Art Gitarre spielenden Fischmenschen. Hat der gewusst, worauf er sich bei Modest Mouse einlässt? Ist gar nicht so wichtig, das Album ist super geworden, “Dashboard” sowieso und sonst ist auch alles gut.

Die Frage nach dem Schicksal…

Von irish
Veröffentlicht: 22. Februar 2007 0:28

Immer wieder stelle ich fest, dass das TV-Programm nicht immer die passende Alternative zum gemütlichen Feierabend ist, aber vorgestern lief auf SAT1 ein Film, der mich tatsächlich nachdenklich stimmte… zugegeben, Frauen haben eher eine Ader für Kitsch und Romantik, aber da gehöre ich normalerweise nicht zu. „Weil es dich gibt“ ist eigentlich eine typische Hollywood-Schnulze mit Happy End, jedoch hat dieser Film eine Prise realistische Dramatik. Eine Frau und ein Mann begegnen sich zufällig, verstehen sich gut und es könnte ein wunderbarer Anfang für eine Beziehung werden, wenn da nicht diese irre Idee vom Schicksal wäre… Auf die Frage, ob sie sich wieder sehen, entgegnet die Frau: „Wenn es das Schicksal so will… ja.“ Woraufhin sie ihren Namen in ein Buch kritzelt und es direkt danach an einen Antiquitätenhändler verkauft, ohne den Mann auch nur einen Blick darin werfen zu lassen. Er schreibt seinen Namen und seine Nummer auf einen Dollarschein und dieser wird als Wechselgeld benutzt. Wenn dieses Paar dafür bestimmt ist, sich wieder zu sehen, würde er das Buch irgendwann in die Hände bekommen oder sie diesen einen Dollarschein. Im Prinzip völlig unrealistisch – jedoch war es nicht diese Story, die mich so faszinierte, sondern alleine der Gedanke, ob es etwas wie Schicksal tatsächlich gibt. Man begegnet so vielen Menschen im Leben, ist dauernd neuen Herausforderungen ausgeliefert, ist gezwungen Entscheidungen zu treffen, und doch gibt es Situation in denen man sich denkt: Vielleicht musste das so sein… oder das andere Extrem: Was hatte das jetzt für einen Sinn?
10 Jahre hat das Paar in diesem Film gebraucht, um sich wieder zu treffen – dramatischerweise waren beide kurz vor ihrer Hochzeit. Auch das ist eher Hollywood-like – dennoch kann man da Parallelen für´s reale Leben ziehen, oder woran liegt es, dass man nach Jahren plötzlich an Menschen denken muss, die man Ewigkeiten nicht gesehen hat, man sich plötzlich fragt, was wohl aus denen geworden ist und nimmt den Kontakt plötzlich auf? Meiner Meinung nach, sollte jeder diese Erfahrung machen, dass es Menschen im Leben gibt, die einen (auch wenn man keinen Kontakt wirklich zu Ihnen hat) das ganze Leben lang begleiten… ob das wohl Schicksal ist? Albert Einstein hat einmal gesagt: Gott würfelt nicht.

Rock Me Amadeus

Von Lukas Heinser
Veröffentlicht: 16. Februar 2007 12:19

Ich mag die Österreicher. Und in den letzten 12 Stunden fand ich wieder zwei Sachen, an denen ich das festmachen konnte:

1. Die ORF-2-Übertragung vom Wiener Opernball. Während mann im deutschen Fernsehen (auch oder gerade im öffentlich-rechtlichen) bei solchen Ereignissen hektische, oberflächliche Interviews mit den immer gleichen Prominenten sehen würde, unterhielt sich Arabella Kiesbauer mindestens drei Minuten mit Stella Deetjen, die sich für ein Lepra-Projekt in Indien engagiert und den Opernball zum Kontakteknüpfen und Spendensammeln nutzen wollte. Man mag das als Alibi-Thema abtun, aber dann stelle man sich mal vor, bei irgendeinem deutschen “Event” (bei dem deutschen “Event”, was auch immer das sein sollte) käme eine nicht-prominente Wohltäterin zu Wort und redete drei Minuten über eine immer noch weit verbreitete, aber relativ gut heilbare Krankheit. Klingt eher unwahrscheinlich, oder? Dass der kurze Talk mit Paris Hilton dann auch noch gar nicht mal so oberflächlich war und Moderator Alfons Haider mit dem hübschen Nebensatz “sie versucht sich als Schauspielerin, Sängerin und Model” auch noch eine (unfreiwillige?) Spitze reinbrachte, rundete meine Freude über dieses TV-Ereignis ab.

2. Diese Worte, die die Österreicher, und wirklich nur die Österreicher haben, diese Berufsbezeichnungen, diese etwas antiquiert wirkende Höflichkeit, das alles finde ich ganz toll. Und ein neues Lieblingswort habe ich jetzt auch: Pönale.

In diesem Zusammenhang sollte man vielleicht darauf hinweisen, dass der zweit dritt viertberühmteste Österreicher der Welt nächste Woche 50 Jahre alt geworden wäre. Stand in der neuen Vanity Fair.

Fernsehbeweis #1 (12.02. – 18.02.)

Von Daniel Gerhardt
Veröffentlicht: 11. Februar 2007 14:19

Ein echter Meilenstein für die C&TV-Mission, aber wirklich auch noch den letzten Scheiß mit irgendeiner irreführenden, nichts sagenden Popkultur-Referenz zu benennen: Der Fernsehbeweis, ein hiermit gestarteter, vermutlich niemals fortgeführter Wegweiser durch die brennenden Überreste, die noch da sind vom deutschen TV-Programm. Als ob dein Leben nicht so schon langweilig genug wäre, richtig.

Montag: Lost (Pro 7, 22.15 – 23.15 Uhr)
Erste Folge des zweiteiligen Season-Finales. Letztes Jahr hätte man sich bei Pro 7 vielleicht noch die Mühe gemacht, beide Folgen am Stück zu zeigen, aber jetzt läuft ja vorher der “Gameshow Marathon” mit den beiden Olli P.s und Sonja Krauss als Gast. Ist das nicht eigentlich witzig, dass Olli Pocher so herunter gekommen ist, dass er eine Show zusammen mit Oliver Petszokat machen muss, dem gleichen Typ, dem er früher regelmäßig mental in die Eier getreten hat? Ist das jetzt Gerechtigkeit? Wie ist da die Stimmung Backstage? Nun ja, “Lost” jedenfalls, da geht es diesmal hoch her, man darf ja nichts Genaueres sagen, weil jeder Zuschauer auf seinem eigenen Stand ist mit den ganzen DVDs und Interneträubern, die es da gibt. Der Cliffhänger wird mörderisch, so viel sei verraten.

Dienstag: Lichter (3sat, 22.45 – 00.25 Uhr)
So eine Art Episodenfilm über deutsch-polnische Grenzschicksale, ganz ohne blöde Polenwitze, aber dafür mit Matratzenverkäufern, Zigarettenschmugglern und ukrainischen Flüchtlingen. Kann man auch mit geschlossenen Augen gucken, so schön ist der Soundtrack von The Notwist.

Mittwoch: Die Truman Show (Pro 7, 20.15 – 22.10 Uhr)
Erster Teil des großen Jim-Carrey-Ernsthaftigkeitfindungs-Marathons. Ace Venturra spielt hier einen tapsigen Jedermann, der ein bisschen ungehalten wird, als ihm dämmert, dass sein Leben eine Fernsehsendung ist. Die Moral: Unser aller Leben ist eine Fernsehsendung. Wer danach noch Lust hat, mag vielleicht David Lynchs “Blue Velvet” auf Arte gucken.

Donnerstag
Heute bleibt das Fernsehen geschlossen, Betriebsausflug.

Freitag: Der Mondmann (3sat, 22.45 – 00.40 Uhr)
Zweiter Teil des großen Jim-Carrey-Ernsthaftigkeitfindungs-Marathons. Bruce Almighty spielt hier den Komiker Andy Kaufman, dessen Leben zwar immerhin keine Fernsehsendung, aber doch auch ziemlich straff durchinszeniert ist. Unglaublicher Film, wir sind hier ja nicht zur Neutralität verpflichtet.

Samstag: In der Hitze der Nacht (ARD, 22.55 – 00.40 Uhr)
Wir widerstehen der Versuchung, mit „Batman Forever“ auf den dritten Jim-Carrey-Film der Woche hinzuweisen und empfehlen lieber diesen 40 Jahre alten Krimi, der sich an der Aufklärung eines Mordes in einer Kleinstadt in Mississippi, die noch auf die Erfindung der Rassengleichheit wartet, abarbeitet. Das Erste zeigt ihn wegen des 80. Geburtstags von Sidney Poitier am 20.2., wozu wir natürlich noch nicht gratulieren, weil das doch Unglück bringt und wir nicht schuld sein wollen, falls irgendwas mit Sidney Poitier passiert.

Sonntag: Scary Movie 3 (Pro 7, 20.15 – 20.25 Uhr) und Muxmäuschenstill (ARD, 23.30 – 01.00 Uhr)
Die ersten zehn Minuten des dritten “Scary Movie” sollte man mitnehmen, danach vielleicht noch schnell in die Badewanne und dann aber rüber ins Öffentlich-Rechtliche, wo diese Pseudo-Dokumentation um einen fanatischen Selbstjustizler gezeigt wird, der arglosen Mitbürgern auflauert und sie für ihre kleinen Sünden bestraft. War 2004 für den deutschen Filmpreis nominiert, falls das jemandem weiterhilft.

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