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	<title>Coffee And TV &#187; TV On The Radio</title>
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	<description>Popkultur - Allein das Wort schon!</description>
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		<title>Not Following</title>
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		<pubDate>Sun, 08 Jan 2012 22:16:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Lukas Heinser</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Seit Tagen wurde ich von Freunden darauf hingewiesen, dass am gestrigen Samstag auf arte die endgültige Demaskierung von Lena Meyer-Landrut zu bestaunen sei. Die sei nämlich doof, zickig und wahnsinnig anstrengend, so war es vorab in den Medien zu lesen. Die &#8220;Spex&#8221; verkündete: Dabei knüpft Lena an die fragwürdigen Dauerinterviews rund um ihre gescheiterten Titelverteidigung [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Seit Tagen wurde ich von Freunden darauf hingewiesen, dass am gestrigen Samstag auf arte die endgültige Demaskierung von Lena Meyer-Landrut zu bestaunen sei. Die sei nämlich doof, zickig und wahnsinnig anstrengend, so war es vorab in den Medien zu lesen.</p>
<p>Die <a href="http://www.spex.de/2012/01/06/durch-die-nacht-mit-casper-und-lena-arte/">&#8220;Spex&#8221;</a> verkündete:</p>
<blockquote><p>Dabei knüpft Lena an die fragwürdigen Dauerinterviews rund um ihre gescheiterten Titelverteidigung in diesem Jahr an, als das Bild vom ganz natürlichen Liebling der Nation erste Risse bekam.</p></blockquote>
<p>Und die <a href="http://www.visions.de/news/15575/Casper-vs-Lena">&#8220;Visions&#8221;</a> nutzte die Gelegenheit, auf dem doofen, doofen Mainstream-Publikum rumzuhacken:</p>
<blockquote><p>Bleibt nur zu hoffen, dass die Episode von &#8220;Durch die Nacht mit&#8221; das Bild von Lena als süßes, keckes Mädchen in den Köpfen der tumben Masse relativiert.</p></blockquote>
<p>Beides sind keine Medien, in denen Lena sonst groß stattfindet, und vielleicht hatten beide das Bedürfnis, den anderen Teilnehmer von &#8220;Durch die Nacht mit&#8221; beschützen zu müssen: den Indie-Liebling Casper, mit dessen Musik ich nach wie vor nicht viel anfangen kann, den ich in <a href="http://www.freitag.de/alltag/1143-ich-bin-mehr-derauf-distanz-ausrastende">Interviews</a> aber oft sehr sympathisch finde.</p>
<p>Ich hatte es vorher schon geahnt und tatsächlich bestätigte die fertige Sendung, dass alles so schlimm nicht werden würde. Im Gegenteil: Es war eine hochvergnügliche Tour durch Berlin, die (im Gegensatz zu anderen im Vorfeld hochgejazzten Sendungen) durchaus das Zeug zum Klassiker hat &#8212; nur halt ganz anders als gedacht.</p>
<p>Der Start ist tatsächlich kein guter: Lena kommt in Caspers Wohnung, beide stehen ein bisschen krampfig rum und Lena sagt: &#8220;Ja, schön. Schön eingerichtet, schön dreckig auch!&#8221; Damit bricht sie erst mal so ziemlich alle zwischenmenschlichen Konventionen, die so in den vergangenen Jahrhunderten zum Thema Höflichkeit entwickelt wurden. Vielleicht würde man den Privatbesuch, der einem so etwas sagt, auf der Stelle achtkantig wieder rausschmeißen &#8212; aber zu Beginn einer Fernsehsendung ist das doch ein spannender Auftakt, der das Gegenüber aus der Reserve holen könnte. Könnte, denn hier klappt es nicht.</p>
<p>Nach dem missglückten Auftakt sieht es erst mal nicht gut aus: Lena und Casper haben nicht den gleichen Geschmack bei Tattoomotiven (können sich aber darauf einigen, dass Leute, die dem Tättowierer ihre Lebensgeschichte erzählen, bestimmt super-anstrengend sind), bei Musik, bei der Abendplanung. Casper sitzt erst mal ziemlich nervös neben ihr, was aber auch sehr sympathisch wirkt. Lenas &#8220;Du malst jetzt echt &#8216;ne Katze und so&#8217;n Kack, ne?&#8221; liest sich transkribiert nach großer Boshaftigkeit, kommt im O-Ton in der Situation dann aber doch deutlich kumpelig-flapsiger rüber.</p>
<p>Tatsächlich gibt es zahlreiche harmonische Momente, zum Beispiel die Szene, in der beide erzählen, dass sie nicht in einem Raum bleiben könnten, in dem ihre eigene Musik läuft, und Lena dann kurz zu Höchstleistungen aufläuft:</p>
<video class='sublime' width='540' height='304' poster='' preload='none'>
	<source src='http://www.coffeeandtv.de/wp-content/uploads/2012/01/haltsmaul.m4v' />
</video>

<p>Das hier ist dann wieder nicht so gut:</p>
<p><img src="http://www.coffeeandtv.de/wp-content/uploads/2012/01/lenacasper.jpg" title='Screenshot: arte'></p>
<p>Grandios aber auch die Szene, wo die beiden in einem futuristischen Wohnraumkonzept voller riesiger aufgeblasener Plastikkugeln sitzen und Casper anfängt: &#8220;Wenn man sich das jetzt als Wohnung der Zukunft vorstellt &#8230;&#8221;, bevor Lena das ganze intellektuelle Künstler-Konzept mit einem &#8220;&#8230; isses scheiße!&#8221; kurz und knapp hinrichtet. So jemanden wie Lena braucht man in den Galerien, Konzertsälen und bei Poetry Slams, die von Leuten besucht werden, die mal gehört haben, dass sie dort Kunst erwarte.</p>
<p>Wirklich menscheln kann&#8217;s dann zum Beispiel in dem Moment, wo Lena &#8220;pinkeln&#8221; ist und Casper sich nett und ungezwungen mit zwei Museumsbediensteten unterhalten kann: &#8220;Wir halten doch die Menschen von ihrem Feierabend ab!&#8221; Lena wird ihm anschließend auf verstörend abgeklärte Art erklären, die beiden Mädchen seien total verliebt in ihn gewesen, was Casper überrascht zurückweist und ich weiß, das hört sich jetzt nicht spektakulär an, aber ich saß davor und rief entzückt &#8220;ist das toll!&#8221; in den sonst menschenleeren Raum.</p>
<p>Irgendwann haben die beiden dann eine Ebene gefunden, auf der sie sich durchaus humorvoll gegenseitig angehen können: &#8220;Ich würd&#8217; Dir noch &#8216;n Alster austun, wenn Du magst!&#8221; &#8211; &#8220;Austun?!&#8221;, &#8220;Ist das Deine echte Schrift?!&#8221;, &#8220;Na, das ist ja jetzt scheiße!&#8221; &#8211; &#8220;Wieso ist das scheiße? Du bist scheiße!&#8221; &#8211; &#8220;<em>Du</em> bist scheiße!&#8221;. Man muss das natürlich sehen und hören, denn in Schriftform taugt es tatsächlich zu der Skandalisierung, die die Medien im Vorfeld versucht hatten. Besorgniserregenderweise klangen ausgerechnet die Redakteure der Musikzeitschriften dabei wie ihre eigenen Großeltern, aber vielleicht sind das halt so Veganer, die zum Lachen in den Keller gehen und bei YouTube immer verzweifelt nach dem einen geilen Indie-Song suchen müssen, der noch nicht mehr als 34 Views hat. Lena und Casper zuzusehen ist jedenfalls, wie mit meinen Freunden unterwegs zu sein: hart, aber doch durchaus herzlich.</p>
<p>Nachdem die beiden Nachts durch die leeren Flure der Deutschen Popakademie (gähn!) gelaufen sind und in ein Zimmer mit Instrumenten gesperrt wurden, spielen sie Galgenmännchen. Das allein ist ja schon großartig abwegig, aber dann wird Frau Meyer-Landrut wieder gehässig, Herr Casper zickt zurück und herein platzt der wahnsinnig umtriebige Mann von der Popakademie, der von der &#8220;Lounge&#8221; erzählt, die &#8220;das Herzstück der Akademie&#8221; sei. Eigentlich ist es ein Wunder, dass in diesem Moment niemand vierhundert Arosa schlitzverstärkt mit kurzem Arm bestellen will, aber dann sitzen sie halt in dieser &#8220;Lounge&#8221;, trinken Mineralwasser und führen ein (wie Casper und Lena hinterher offen zugeben) eher zähes Gespräch mit Studenten. Jeder Versuch des Akademie-Manns, sich und seine tolle Institution irgendwie ins Gespräch einzubringen, prallt grandios ab und das geschieht ihm in diesem Moment ehrlich gesagt ganz recht.</p>
<p>Dass eine Frau eine andere beim ersten Händedruck vor allen Leuten fragt, ob die Wimpern echt oder angeklebt seien, verstößt mal wieder gegen so ziemlich alle zwischenmenschlichen Konventionen &#8212; aber es ist eben auch genau diese Authentizität, für die Lena mal eine kurze Zeit von den Medien geliebt wurde. Lena liefert nicht das, was die Medien bei ihr bestellen. Der Beobachtereffekt, der eigentlich zwangsläufig alle Natürlichkeit zerstört, sobald eine Fernsehkamera dabei ist, bleibt aus, stattdessen fragt man sich ständig, ob sie <i>das</i> jetzt grad wirklich wieder gesagt hat. Doch, hat sie: Der Frau mit den &#8220;natürlich echten&#8221; Wimpern sagt sie zum Abschied: &#8220;Ich finde, Du könntest mir &#8216;n bisschen was von Deinen Brüsten abgeben!&#8221;</p>
<p>Was die Medien vorab nicht für erwähnenswert hielten, ist etwa die Szene, in der die beiden im Auto voller Hingabe &#8220;Son Of A Preacher Man&#8221; oder &#8220;Big In Japan&#8221; singen, wobei sie die Texte von einem iPhone-Display ablesen müssen, oder die, wo sie sich Pommes essend über Fans beklagen, die Promis in privaten Situationen behelligen, und Lena dann unvermittelt und mit verklärtem Blick über Turnschuhe zu sprechen beginnt.</p>
<p>Das heißt: <a href="http://www.welt.de/fernsehen/article13797735/Ganz-schoen-zickig-Lena-Meyer-Landrut.html">&#8220;Welt Online&#8221;</a> hat das erwähnt, fasste es aber als Unprofessionalität auf und bölkte:</p>
<blockquote><p>Offensichtlich wird an diesem Abend, dass die beiden mit ihrer Rolle als Prominente noch überfordert sind.</p></blockquote>
<p>Natürlich war &#8220;Durch die Nacht mit Liza Minnelli und Fritz Wepper&#8221; schön, weil da zwei Vollprofis, die sich ewig kennen, formvollendet miteinander umgingen, aber das andere Ende des Spektrums kann ja genauso spannend sein, wenn man sich denn drauf einlassen will.</p>
<p>Man kann sich doch nicht einerseits über die ganzen stromlinienförmigen Popsternchen, Fußballer und Politiker der Gegenwart beklagen und dann andererseits sofort Zeter und Mordeo schreien, wenn mal jemand vorbeikommt, der unkonventionell und anders ist. Man muss das ja noch nicht mal als Natürlichkeit preisen und sich darüber freuen, man muss Lena oder Casper nicht mal mögen, aber man könnte doch zumindest mal anerkennen, wenn da plötzlich &#8220;Stars&#8221; auftauchen, die anders sind. Die müssen dann natürlich nicht &#8220;Liebling der Nation&#8221; sein, aber wer würde das auch wollen?</p>
<p>Ich hab in letzter Zeit von mehreren Kollegen gehört, dass Lena anstrengender und weniger locker geworden sei. Von Casper heißt es, dass er sich nach dem Abend regelrecht ausgeheult bzw. ausgekotzt haben soll. Das mag alles sein, nur die dabei entstandene Sendung taugt nicht zum Beleg. Ja: Lena hat offensichtlich keine große Lust auf die ganze Sache, sie zickt rum und Casper zickt zurück &#8212; aber das kann doch niemand, der in den letzten zwanzig Jahren mal mit jungen Menschen zu tun hatte, ernst nehmen! Man muss sich doch als Musikmagazin nicht dem Skandalisierungswahn der anderen Medien anschließen und wie die &#8220;Spex&#8221; &#8220;fast die Eskalation&#8221; herbeischreiben!</p>
<p>Selbst der Abschied der beiden voneinander oszilliert vielfarbig zwischen Neid, Gehässigkeit und schlichter Freude an exakt dieser Situation. Natürlich gibt es Szenen, in denen man ahnt, welche Leistung Cutter Martin Eberle erbracht haben muss, um aus vielen schwierigen Situationen einen erträglichen Film zu schneiden, aber es ist ihm gelungen.</p>
<p><em>&#8220;Durch die Nacht mit Lena und Casper&#8221; ist noch bis nächsten Samstag in der <a href="http://videos.arte.tv/de/videos/durch_die_nacht_mit_-6304534.html">arte-Mediathek</a> verfügbar.</em></p>
<p><small>Offenlegung: Ich bin Frau Meyer-Landrut ein <a href="http://duslog.tv/147/rendezvous-mit-lena-in-raum-305/">paar</a> <a href="http://duslog.tv/421/ein-mixtape-fuer-lena/">Mal</a> begegnet und finde sie recht sympathisch.</small><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/d0adb7a254624561a05a0426fa8f9b20" width="1" height="1" alt=""></p>
 <p><a href="http://www.coffeeandtv.de/?flattrss_redirect&amp;id=6511&amp;md5=ebd597f735ccbaa8a6575823e9b346bb" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://www.coffeeandtv.de/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Sehweg nach Indien entdeckt</title>
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		<pubDate>Wed, 23 Nov 2011 12:34:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Lukas Heinser</dc:creator>
				<category><![CDATA[Rock'n'Roll High School]]></category>
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		<description><![CDATA[Vor einem Jahr hatte ich Ihnen von Polyana Felbel vorgeschwärmt, einem Boy/Girl Duo aus Köln. Die Band macht zur Zeit Babypause (das Girl ist Mutter geworden), aber man kann jetzt auch Musik von Polyana Felbel kaufen. Streng genommen kann man das seit elf Monaten, als die sehr schöne Debüt-EP erschien, aber die neueste Veröffentlichung ist [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Vor einem Jahr hatte ich Ihnen von Polyana Felbel <a href="http://www.coffeeandtv.de/2010/11/12/und-dann-kam-polli/">vorgeschwärmt</a>, einem Boy/Girl Duo aus Köln. Die Band macht zur Zeit Babypause (das Girl ist Mutter geworden), aber man kann jetzt auch Musik von Polyana Felbel kaufen.</p>
<p>Streng genommen kann man das seit elf Monaten, als die sehr schöne <a href="http://vibedeck.com/polyanafelbel">Debüt-EP</a> erschien, aber die neueste Veröffentlichung ist schon etwas besonderes: Auf dem Sampler der Erst-Internet-dann-auch-TV-Sendung &#8220;TV Noir&#8221; ist neben exklusiven Mitschnitten von William Fitzsimmons, Heather Nova und Klee auch der Song &#8220;India&#8221; von Polyana Felbel enthalten. Und diese CD können Sie bei <a href="http://www.amazon.de/TV-Noir-Zwei-Various/dp/B005LTDPDY/ref=sr_1_1?ie=UTF8&#038;qid=1322050335&#038;sr=8-1">Amazon</a>, <a href="http://itunes.apple.com/de/album/tv-noir-zwei/id474168996">iTunes</a> oder im <a href="http://www.discover-music.de">lokalen Plattenladen</a> erwerben.</p>
<p><iframe width="540" height="304" src="http://www.youtube.com/embed/fONrKTN3qN4" frameborder="0" allowfullscreen></iframe></p>
<p>Die ganze Sendung mit Polyana Felbel (und Annett Louisan) können Sie auch heute Nacht noch einmal auf 3sat sehen, zu Beginn einer mittelgroßen <a href="http://www.3sat.de/page/?source=/musik/158594/index.html">&#8220;TV Noir&#8221;-Nacht</a> um 3.20 Uhr.</p>
<p>Alternativ gibt es die Sendung, von der ich immer noch nicht weiß, ob ich sie wegen ihrer Schwarz/Weiß-Ästhetik schön oder prätentiös finden soll, aber auch in diesem <a href="http://tvnoir.de/tv-noir-mit-annett-louisan-und-polyana-felbel-teil-1/">Internet</a>.</p>
 <p><a href="http://www.coffeeandtv.de/?flattrss_redirect&amp;id=6431&amp;md5=1bfe55452fd894d403127799047109c6" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://www.coffeeandtv.de/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Schlagzeilen nach Athen getragen</title>
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		<pubDate>Wed, 16 Nov 2011 17:25:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Lukas Heinser</dc:creator>
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		<category><![CDATA[paul ronzheimer]]></category>
		<category><![CDATA[selbstreferentielles]]></category>

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		<description><![CDATA[Paul Ronzheimer, &#8220;Pleite-Griechen&#8221;-Beauftragter von &#8220;Bild&#8221;, war kürzlich im griechischen Fernsehen. Dort tat er, was er in seinen Artikeln selten tut, und differenzierte zwischen der griechischen Bevölkerung und der griechischen Politik, weswegen er jede Menge Zustimmung bekam, wie er selbst schreibt. Doch Ronzheimer war nicht allein im Fernsehen: Wir waren mit dabei &#8212; zumindest ein bisschen. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Paul Ronzheimer, <a href="http://www.bildblog.de/tag/pleite-griechen/">&#8220;Pleite-Griechen&#8221;</a>-Beauftragter von &#8220;Bild&#8221;, war kürzlich im griechischen Fernsehen. Dort tat er, was er in seinen Artikeln selten tut, und differenzierte zwischen der griechischen Bevölkerung und der griechischen Politik, weswegen er jede Menge Zustimmung bekam, wie er selbst <a href="http://www.bild.de/politik/ausland/griechenland-krise/so-denken-die-pleite-griechen-ueber-bild-21035570.bild.html">schreibt</a>.</p>
<p>Doch Ronzheimer war nicht allein im Fernsehen: Wir waren mit dabei &#8212; zumindest ein bisschen.</p>
<p>Die Zeitungsausrisse, mit denen die Grafiker der Sendung im Hintergrund Ronzheimers Lebenswerk bebilderten, hatten nämlich wir ausgerissen:</p>
<p><img src="http://www.coffeeandtv.de/wp-content/uploads/2011/11/ronz1.jpg" title='Screenshot: Bild.de'></p>
<p><a href="http://www.bildblog.de/16896/hetzen-wird-olympisch/">BILDblog vom 7. März 2010</a>.</p>
<p><img src="http://www.coffeeandtv.de/wp-content/uploads/2011/11/ronz2.jpg" title='Screenshot: Bild.de'></p>
<p><a href="http://www.coffeeandtv.de/2011/06/22/jugend-hetzt/">Coffee And TV vom 22. Juni 2011</a>.</p>
<p>Ich kann übrigens gut verstehen, dass die Grafiker das nicht selbst machen wollten: Die obere Collage hat mich anderthalb Stunden gekostet.</p>
 <p><a href="http://www.coffeeandtv.de/?flattrss_redirect&amp;id=6417&amp;md5=a799000e0228d7ae5eb1560904a8c993" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://www.coffeeandtv.de/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Gelegentlich angeblich</title>
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		<pubDate>Tue, 08 Nov 2011 15:20:21 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Lukas Heinser</dc:creator>
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		<category><![CDATA[hape-kerkeling]]></category>
		<category><![CDATA[merkwürdiges]]></category>
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		<category><![CDATA[rosa-von-praunheim]]></category>
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		<category><![CDATA[zdf]]></category>

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		<description><![CDATA[Falls Sie die letzten Tage unter einem Stein oder auf einem anderen Planeten verbracht haben sollten: Hape Kerkeling hat am Samstag bei &#8220;Wetten dass..?&#8221; verkündet, dass er nicht als Nachfolger von Thomas Gottschalk zur Verfügung stünde. Eines der &#8220;drei wichtigen Ämter in Deutschland&#8221; (neben Kanzler/in und Bundestrainer) ist damit nach wie vor unbesetzt. Das &#8230; [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Falls Sie die letzten Tage unter einem Stein oder auf einem anderen Planeten verbracht haben sollten: Hape Kerkeling hat am Samstag bei &#8220;Wetten dass..?&#8221; verkündet, dass er nicht als Nachfolger von Thomas Gottschalk zur Verfügung stünde. Eines der <a href="http://www.bild.de/news/standards/franz-josef-wagner/post-von-wagner-20881084.bild.html">&#8220;drei wichtigen Ämter in Deutschland&#8221;</a> (neben Kanzler/in und Bundestrainer) ist damit nach wie vor unbesetzt.</p>
<p>Das &#8230; äh: &#8220;Nachrichtenportal&#8221; rentner-news.de (&#8220;Von Rentnern &#8211; für Rentner&#8221;) hat heute Vormittag die &#8220;ultimative Wahrheit über die &#8216;Wetten dass&#8230;.?&#8217;-Nachfolge von Thomas Gottschalk&#8221; <a href="http://www.rentner-news.de/content/Die-ultimative-Wahrheit-%C3%BCber-die-Wetten-dass-Nachfolge-von-Thomas-Gottschalk">enthüllt</a>:</p>
<blockquote><p>Wie aus dem näheren Umfeld des ZDF nach der Sendung verlautete, sollen einige Vorstandsmitglieder des ZDF erst während der Live-Übertragung erfahren haben, dass Hape Kerkeling gelegentlich angeblich homosexuell ist.</p>
<p>Aufgrund mangelnder Erfahrungen auf diesem Gebiet erschien ihnen dies inkompatibel zu den Programmrichtlinien des ZDF , und man verzichtete vorsichtshalber auf ein Engagement von Hape Kerkeling.</p></blockquote>
<p>Die anderen Medien, sonst hyperaktiv, wenn es um das Thema &#8220;Wetten dass..?&#8221; geht, haben die Geschichte bisher nicht aufgegriffen. Was womöglich damit zusammenhängen könnte, dass 20 Jahre dann doch eine Zeit sind, in der selbst beim ZDF eine Nachricht ankommt. So lang ist Kerkelings Outing durch Rosa von Praunheim bei <a href="http://www.fernsehlexikon.de/6281/explosiv-der-heisse-stuhl/">&#8220;Explosiv &#8212; Der heiße Stuhl&#8221;</a> fast auf den Tag genau her.</p>
<p><b>Nachtrag, 16.45 Uhr:</b> Womöglich handelt es sich bei rentner-news.de aber auch einfach nur um eine <a href="http://www.rentner-news.de/content/Wetten-dass-Der-Nachfolger-von-Gottschalk">Satire</a>-<a href="http://www.rentner-news.de/content/Kreuzz%C3%BCge-gegen-Moschee">Seite</a> &#8230;</p>
 <p><a href="http://www.coffeeandtv.de/?flattrss_redirect&amp;id=6404&amp;md5=232faa73837817226b5d31934a981696" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://www.coffeeandtv.de/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>TV-Tipp: Stromberg</title>
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		<pubDate>Tue, 08 Nov 2011 13:26:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Lukas Heinser</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Wir hatten uns ja neulich mit dem Phänomen der Fremdscham beschäftigt. Der Großmeister der Fremdscham ist Ralf Husmann, der Autor von Fernsehserien wie &#8220;Stromberg&#8221;, &#8220;Dr. Psycho&#8221; oder &#8220;Der kleine Mann&#8221;. Husmann schafft es &#8211; und da ist er einer der ganz wenigen &#8211; dass ich körperlich auf sein Werk reagiere und zwar dergestalt, dass ich [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wir hatten uns ja neulich mit dem Phänomen der Fremdscham <a href="http://www.coffeeandtv.de/2011/10/27/auf-der-strase-zur-ironie-holle/">beschäftigt</a>. Der Großmeister der Fremdscham ist Ralf Husmann, der Autor von Fernsehserien wie &#8220;Stromberg&#8221;, &#8220;Dr. Psycho&#8221; oder &#8220;Der kleine Mann&#8221;. Husmann schafft es &#8211; und da ist er einer der ganz wenigen &#8211; dass ich körperlich auf sein Werk reagiere und zwar dergestalt, dass ich mir Augen und Ohren zuhalten muss, während ich gleichzeitig versuche, meine Hände abzunagen. Ich habe entsprechend wenig vom Werk des theoretisch sehr geschätzten Herrn Husmann gesehen.</p>
<p>Da Leid in der Gruppe bekanntlich leichter zu ertragen ist, war es eine hervorragende Idee der Produktionsfirma Brainpool, die ersten vier Folgen der neuen &#8220;Stromberg&#8221;-Staffel in großen, vollen Kinosälen zur Aufführung zu bringen. So konnte ich vor drei Wochen im Bochumer UCI endlich auch mal wieder die Serie sehen &#8212; und was soll ich sagen: es hat großen, großen Spaß gemacht.</p>
<p>Und obwohl ich vorher noch nie laut bei &#8220;Stromberg&#8221; gelacht habe, funktioniert es jetzt, wo ich die Erfahrung einmal gemacht habe, auch noch im Nachhinein, beim Wiederansehen:</p>
<p><img src="http://www.coffeeandtv.de/wp-content/uploads/2011/11/stromberg.jpg" title="Screenshot: Pro 7"></p>
<p>[<em>Stellen Sie sich an dieser Stelle bitte vor, der <a href="http://www.myspass.de/myspass/shows/tvshows/stromberg/Duenenneger--/6220/">verlinkte Videoclip</a> wäre hier ins Blog eingebunden.</em>]</p>
<p>Heute startet die fünfte Staffel auf Pro Sieben und wenn ich mich ganz stark fühle, werde ich mir die Folgen, die ich noch nicht gesehen habe, auch noch alleine auf dem heimischen Sofa zu Gemüte führen, um zu sehen, wie es weitergeht mit Stromberg und Jennifer, mit Ernies religiösem Wahn und mit Strombergs Karriere.</p>
<p>Da ich nie länger als eine Woche am Stück in einem Büro gearbeitet habe, kann ich schlecht beurteilen, wie realistisch die ganzen Szenarien sind, aber nach dem, was ich von Leuten gehört habe, die tatsächlich in Versicherungen, Verwaltungen oder im Öffentlichen Dienst beschäftigt sind, erscheint mir das alles recht untertrieben.</p>
<p><b>Stromberg<br />
Ab heute jeden Dienstag<br />
Um 22.10 Uhr auf Pro Sieben</b></p>
 <p><a href="http://www.coffeeandtv.de/?flattrss_redirect&amp;id=6399&amp;md5=4e75ee84e647cc62cb3ab348078fd0ad" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://www.coffeeandtv.de/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Auf der Straße zur Ironie-Hölle</title>
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		<comments>http://www.coffeeandtv.de/2011/10/27/auf-der-strase-zur-ironie-holle/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 26 Oct 2011 22:03:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Lukas Heinser</dc:creator>
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		<description><![CDATA[&#8220;Irony is over. Bye bye.&#8221; (Pulp &#8211; The Day After The Revolution) In der &#8220;Zeit&#8221; von letzter Woche beschreibt Nina Pauer zwei postmoderne Phänomene: das der Fremdscham und der Ironie. Anhand von Casting- und Kuppelshows, von &#8220;Bad Taste&#8221;-Partys und &#8220;Bravo Hits&#8221; verhandelt sie das Zelebrieren von Dingen, die man eigentlich verabscheut. Die Überschrift &#8220;Wenn Ironie [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><small>&#8220;Irony is over. Bye bye.&#8221;<br />
(Pulp &#8211; The Day After The Revolution)</small></p>
<p>In der <a href="http://www.zeit.de/2011/43/Peinlichkeit-Ironie/komplettansicht">&#8220;Zeit&#8221;</a> von letzter Woche beschreibt Nina Pauer zwei postmoderne Phänomene: das der Fremdscham und der Ironie. Anhand von Casting- und Kuppelshows, von &#8220;Bad Taste&#8221;-Partys und &#8220;Bravo Hits&#8221; verhandelt sie das Zelebrieren von Dingen, die man eigentlich verabscheut. Die Überschrift &#8220;Wenn Ironie zum Zwang wird&#8221; verknappt den sehr lesenswerten Artikel leider etwas, denn tatsächlich geht es hier um zwei Phänomene mit ähnlichen Symptomen und einer gewissen Schnittmenge.</p>
<p>Da sind zum einen die Fernsehshows, die ähnlich funktionieren wie der sprichwörtliche Autounfall: Sie ziehen ihre Faszination aus dem &#8220;Grauen&#8221;, dessen sich der Zuschauer nicht erwehren kann. Castingshows möchte ich mal ausklammern, die sehe ich nicht (mehr). Viele werden offenbar von zutiefst verbitterten Zynikern verantwortet, die im Leben nicht die Eier hätten, sich vor drei Leute (geschweige denn eine Fernsehkamera) zu stellen, um ein Lied zu singen. Ihnen sollen die Fußnägel einwachsen und die Haare ausfallen.<sup><a href="http://www.coffeeandtv.de/2011/10/27/auf-der-strase-zur-ironie-holle/#footnote_0_6378" id="identifier_0_6378" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Au&szlig;er in den Ohren und den Nasenl&ouml;chern, da soll es wuchern wie im Amazonasgebiet.">1</a></sup> Die Partnersuchen bei &#8220;Bauer sucht Frau&#8221; oder &#8220;Schwiegertochter gesucht&#8221; mögen ähnlich zynisch produziert sein, lassen meines Erachtens aber auch Raum für mehr.</p>
<p>Wenn sich heute Menschen auf der Couch oder im Internet versammeln, um gemeinsam &#8220;Bauer sucht Frau&#8221; zu schauen (und vor allem zu besprechen), dann machen sie dabei Dinge, die Menschen seit Jahrtausenden tun: So hoffen sie auf den kathartischen Effekt von &#8220;Jammer und Schauder&#8221;, den schon Aristoteles in seiner &#8220;Poetik&#8221; beschrieben hat &#8212; nur, dass sich Aristoteles unter &#8220;Jammer und Schauder&#8221; etwas anderes vorgestellt hat als gelbe Pullover und Zungenwurstbrote. Auch war es in früheren Jahrhunderten ein beliebter Zeitvertreib der Oberschicht, sich die Leute, die in einem damals so genannten &#8220;Irrenhaus&#8221; einsaßen, anzusehen wie Tiere im Zoo.</p>
<p>Heute sind die Opfer dieser Besichtigungen nicht mehr &#8220;irre&#8221;, sondern &#8220;peinlich&#8221;, was ein noch subjektiveres Urteil ist. Niemand, der noch alle Tassen im Schrank hat, würde auf die Idee kommen, aufs Land zu fahren um Bauern beim Brautwerben zuzusehen, aber wenn RTL das schon mal gemacht hat, kann man sich das ja mal ansehen. Das Prinzip gleicht dem des &#8220;delightful horror&#8221;, der sich einstellt, wenn man aus dem Lehnstuhl heraus die Schilderungen von unerklärlichen Phänomenen oder brutalen Verbrechen in den Büchern der Schauerromantik liest &#8212; nur, dass wir heute selbst festlegen, wovor es uns schaudert.</p>
<div align="center">* * *</div>
<p>Nina Pauer schreibt:</p>
<blockquote><p>Pünktlich um 20.15 Uhr formieren sich die Abiturienten, Studenten, Doktoranden oder vielversprechenden Berufseinsteiger zu einem vergnügten Publikum, das bei Chips und Süßigkeiten nichts anderes tut, als sich der lustvollen Konträrfaszination des Schlimmen hinzugeben. &#8220;Wie peinlich ist das denn?!&#8221;, kreischt der Chor, den Zeigefinger kollektiv auf den Fernseher gerichtet.</p></blockquote>
<p>Ich bin auch öfters Teil solcher Runden, wenn RTL (wie aktuell) wieder einmal Schwiegertöchter und Bauernfrauen sucht. Alle Teilnehmer würde ich als durchaus aufgeklärte Menschen mit einem reinen Herzen bezeichnen, Zyniker sind keine dabei. Gerade deshalb habe ich mich schon öfter gefragt, ob es moralisch eigentlich verantwortbar ist, diese Sendungen zu gucken und zu kommentieren.</p>
<p>Grundsätzlich könnte man erst einmal sagen, dass es kein Opfer im klassischen Sinne gibt &#8212; die Kandidaten kriegen mögliche böse Kommentare ja gar nicht mit.<sup><a href="http://www.coffeeandtv.de/2011/10/27/auf-der-strase-zur-ironie-holle/#footnote_1_6378" id="identifier_1_6378" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Ich glaube auch, dass das, was man zu meiner Schulzeit &amp;#8220;L&auml;stern&amp;#8221; nannte, nicht grunds&auml;tzlich verwerflich ist, solange etwa die Person, &uuml;ber die gel&auml;stert wird, davon nichts mitbekommt, und solange man nicht vornerum nett zu jemandem ist, &uuml;ber den man dann hintenrum l&auml;stert. Au&szlig;erdem k&ouml;nnen andere ja auch &uuml;ber mich l&auml;stern, wenn sie wollen. Diese Position hat schon zu langen, unergiebigen Diskussionen gef&uuml;hrt.">2</a></sup> Auch das Begucken dieser Menschen erfolgt ja nur aus zweiter Hand &#8212; das Kind ist schon in den Brunnen gefallen, also kann man es sich auch ansehen. Letzteres ist natürlich Quatsch: Wenn niemand mehr hinsehen würde, wie RTL Kinder in den Brunnen schmeißt, würde der Sender sicher damit aufhören. Und man muss sich ja auch keine tödlichen Unfälle im Rennsport ansehen, nur weil sie auf Video gebannt sind.</p>
<p>Ich glaube nicht, dass die Geringschätzung anderer die Hauptmotivation ist, solche Sendungen zu sehen &#8212; der Reiz entsteht aus dem Gemeinschaftsgefühl heraus, was man als billiges Mittel zur Fraternisierung abtun, aber auch neutral oder positiv werten kann. Kaum jemand möchte oder kann so eine Sendung alleine sehen. Darüber hinaus ist es ja auch so, dass das Stirnrunzeln über Fliesentische, Tiefkühlpizzen und Kosenamen nicht allzu lang eine befriedigende Freizeitbeschäftigung abgibt. Wenn ich eine Sendung <i>nur</i> schlimm fände, würde ich sie nicht gucken.<sup><a href="http://www.coffeeandtv.de/2011/10/27/auf-der-strase-zur-ironie-holle/#footnote_2_6378" id="identifier_2_6378" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Tats&auml;chlich bin ich bei der aktuellen Staffel &amp;#8220;Schwiegertochter gesucht&amp;#8221; sehr schnell wieder ausgestiegen, weil es au&szlig;er ausgewalzten Merkw&uuml;rdigkeiten nicht viel zu sehen gab.">3</a></sup> Bei &#8220;Bauer sucht Frau&#8221; gibt es aber immer wieder rührende Elemente, in denen das besserwisserische Lachen echtem Mitgefühl weicht.<sup><a href="http://www.coffeeandtv.de/2011/10/27/auf-der-strase-zur-ironie-holle/#footnote_3_6378" id="identifier_3_6378" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Ob die portr&auml;tierten Bauern darauf gewartet haben, ist nat&uuml;rlich wieder fraglich.">4</a></sup></p>
<p>Als Vera Int-Veen <a href="http://www.spiegel.de/kultur/tv/0,1518,747835,00.html">im Februar</a> den &#8220;Regalauffüller&#8221; Stefan an die Frau zu bringen versuchte, war das nicht mehr im Mindesten witzig: Der Mann hatte so offensichtliche Probleme, sich zu artikulieren und mit den Situationen zurecht zu kommen, in denen ihn das Produktionsteam platziert hatte, dass die Arschlochhaftigkeit der Macher alles andere überstrahlte. In der aktuellen Staffel von &#8220;Bauer sucht Frau&#8221; geht der bisher größte Fremdschammoment auf das Konto von Moderatorin Inka Bause: Zum ersten Mal sucht ein homosexueller Bauer einen, ja: Mann und Bause war von der Situation so offensichtlich überfordert, dass sie ihn mit den Worten ansprach: &#8220;Du bist ja hier der erste Bauer <i>Deiner Art</i>.&#8221; Als der &#8220;pfleißige Pferdewirt&#8221; ganz locker &#8220;Der erste schwule Bauer, ja&#8221;, antwortete, fragte Bause noch einmal nach, ob sie &#8220;das so sagen&#8221; dürfe. So schlimm können zehntausend Zungenküsse bei offenem Mund nicht sein.</p>
<div align="center">* * *</div>
<p>Ich glaube übrigens, dass diese Kuppelshows auch mit Kandidaten funktionieren würden, die den Zuschauern deutlich ähnlicher sind:<sup><a href="http://www.coffeeandtv.de/2011/10/27/auf-der-strase-zur-ironie-holle/#footnote_4_6378" id="identifier_4_6378" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Wobei das eigentlich jetzt schon gelten muss: Es kann ja hierzulande keine acht Millionen Elitisten geben, die es sich auf ihrem hohen Ross bequem gemacht haben, also m&uuml;ssen auch zahlreiche Zuschauer mit Fliesentischen, Tiefk&uuml;hlpizzen und Kosenamen darunter sein.">5</a></sup> Liebe und vor allem ihre Anbahnung ist nie clever.<sup><a href="http://www.coffeeandtv.de/2011/10/27/auf-der-strase-zur-ironie-holle/#footnote_5_6378" id="identifier_5_6378" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="So wie Sex nie &auml;sthetisch ist.">6</a></sup> Im Leben geht es fast nie zu wie bei &#8220;Ally McBeal&#8221; oder bei &#8220;Bridget Jones&#8221;, wo sich gutaussehende Menschen im leichten Schneefall auf offener Straße küssen, nachdem sie eine geistreiche Bemerkung gemacht haben. </p>
<p>Vor vielen Jahren, in der Daily Soap &#8220;Unter uns&#8221;, schrieb die Person der Ute, die damals frisch in die Schillerallee zurückgekehrt war, einen Brief an ihren späteren Ehemann Till, in dem sie erklärte, sie sei derart verliebt, dass sie bei jedem Liebeslied im Radio mitsingen müsse, auch bei den Schlagern, die sie früher immer peinlich und doof gefunden habe.<sup><a href="http://www.coffeeandtv.de/2011/10/27/auf-der-strase-zur-ironie-holle/#footnote_6_6378" id="identifier_6_6378" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Der Brief geriet &uuml;brigens in die H&auml;nde der Sandra, dargestellt von Dorkas Kiefer, die ihn laut vorlas und sich &uuml;ber Ute lustig machte. Welche Aktion ist peinlicher? Discuss!">7</a></sup> <i>Das</i>, meine Damen und Herren, ist Liebe! Sie ist peinlich, aber ohne wären wir nicht hier.</p>
<div align="center">* * *</div>
<p>Doch zurück zur &#8220;Fremdscham&#8221; und zum &#8220;Peinlichen&#8221;, das Nina Pauer beschreibt: Andere Leute peinlich finden ist eine Emotion, die meist in der Pubertät erstmalig auftaucht und dann vor allem gegen die eigenen Eltern gerichtet ist. Das ist von der Natur so gewollt: Das Leben beschert einem so ein paar Jahre unbeschwerter Freiheit und sinnloser Freiheitskämpfe, ehe die Erkenntnis einkehrt, dass biologische Veranlagung und Erziehung mächtiger sind als jedes Schamgefühl und man natürlich wie die eigenen Eltern geworden ist. Als ausgleichende Gerechtigkeit finden einen dann zwanzig Jahre später die eigenen Kinder peinlich.</p>
<p>Sich für eine andere Person zu schämen, ist aber auch eine weitgehend irrationale Reaktion, zumal, wenn man in keinerlei persönlicher Verbindung zu dieser Person steht. Die wissenschaftliche Erforschung dieses Phänomens steht allerdings noch ziemlich <a href="http://www.n-tv.de/wissen/Fremdschaemen-kann-wehtun-article3098111.html">am Anfang</a>.</p>
<p>Nina Pauer führt aus:</p>
<blockquote><p>Als gemeinsames Ritual wirkt die Fremdscham wie eine Kompensation der individuellen Angst, die ansonsten überall lauert. Denn wie schwer ist es, diesem allgegenwärtigen Adjektiv &#8220;peinlich&#8221;, das unsere Zeit bestimmt, zu entrinnen! Nahezu unmöglich und vor allem furchtbar anstrengend ist es geworden, im weit und subtil verästelten analog-virtuellen Netzwerk stets die Balance aus lässigem Understatement, hübscher Ironie und gleichzeitiger Selbstvermarktung zu pflegen. Die Codes sind unendlich: Mit dem neuesten Smartphone prahlen? Peinlich! Immer noch keines haben? Peinlich! Zuckersüße Pärchenfotos auf Facebook veröffentlichen? Peinlich! Das eigene Mittagessen abfotografieren, den Stolz über den neuen Job allzu offensichtlich zeigen? Zu viele Freunde haben? Zu wenige? Peinlich, peinlich! Musik hochladen, die alle schon kennen? Musik hochladen, die nie irgendwer kennt? PEINLICH!</p></blockquote>
<p>Wenn tatsächlich <i>alles</i> peinlich ist, man also in jeder Situation nur verlieren kann, ist ja alles wieder völlig nivelliert und man kann nur gewinnen.</p>
<p>Frau Pauer nutzt diese Passage aber, um von der Fremdscham zur &#8220;inszenierten Fremdscham&#8221; und damit zur Ironie zu kommen. Ironie, das lernt man irgendwann als Kind, ist das Gegenteil von dem zu sagen, was man meint &#8212; also eigentlich das, was man vorher als &#8220;Lügen&#8221; kennengelernt hat und was man nicht tun sollte. Das trifft den Sachverhalt zwar nur zum Teil, ist aber das, was sich die allermeisten Menschen unter &#8220;Ironie&#8221; vorstellen und es entsprechend praktizieren. Das ist natürlich sterbenslangweilig.</p>
<p>Als Travis im Jahr 2000 anfingen, &#8220;Baby One More Time&#8221; von Britney Spears auf ihren Konzerten zu <a href="http://www.youtube.com/watch?v=-NwqN-xj9Xs">covern</a>, gingen viele erst einmal von Ironie aus. Aber Fran Healy, der das Lied mit viel Inbrunst vortrug, sagte, sie hätten den Song einfach nachgespielt, weil sie ihn so schön fanden. Und tatsächlich wäre es auch dann noch ein schönes Lied, wenn Komponist und Texter Max Martin sich beim Schreiben über die Naivität und Dummheit seines Lyrischen Ichs kaputt gelacht hätte.</p>
<p>&#8220;Irony is certainly not something I want to be accused of&#8221;, hat Craig Finn, der Sänger meiner Lieblingsband The Hold Steady, mal <a href="http://www.reax3.dreamhosters.com/articles/view/the_hold_steady_interview_with_craig_finn-447">gesagt</a> und ich finde auch, dass Liedtexte möglichst aufrichtig sein sollten.<sup><a href="http://www.coffeeandtv.de/2011/10/27/auf-der-strase-zur-ironie-holle/#footnote_7_6378" id="identifier_7_6378" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Ironie sollte h&ouml;chstens von Briten als Stilmittel in Songs eingesetzt werden. Die verstehen darunter etwas anderes als &amp;#8220;das Gegenteil von dem sagen, was man meint.">8</a></sup> Dann besteht zwar schnell wieder die Gefahr der Fremdscham, aber damit muss man klar kommen. Man kann das Werk <a href="http://www.coffeeandtv.de/2011/10/03/ihr-wollt-ein-liebeslied-ihr-kriegt-ein-liebes-lied/">verurteilen</a>, sollte dem Künstler aber Respekt zollen.</p>
<p>Die Zeit der ironisch gemeinten Beiträge beim Eurovision Song Contest, die notwendig war, um das schnarchige Schlagerevent der 1990er Jahre zu entstauben, ist ja inzwischen zum Glück auch wieder vorbei. Als ich im Mai von jetzt.de zum Duslog <a href="http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/524592">interviewt wurde</a>, war der Reporter sehr versessen darauf, uns eine ironische Haltung zum Grand Prix zu unterstellen. Natürlich kann man die musikalischen Beiträge nicht alle ernst nehmen,<sup><a href="http://www.coffeeandtv.de/2011/10/27/auf-der-strase-zur-ironie-holle/#footnote_8_6378" id="identifier_8_6378" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Gerade nicht &amp;#8220;I Love Belarus&amp;#8221;, den man aus politischen Gr&uuml;nden als einzigen ernst h&auml;tte nehmen m&uuml;ssen.">9</a></sup> aber wenn ich die Veranstaltung in Oslo scheiße gefunden hätte, wäre ich sicher kein zweites Mal hingefahren. </p>
<div align="center">* * *</div>
<p>Natürlich sollte man sich selbst und die Welt nicht zu ernst nehmen, aber man sollte auch nicht bis zur Selbstverleugnung mit den Augen zwinkern. Ich könnte schlicht keine Musik hören, die ich nicht mag, keine Klamotten (oder gar Frisuren oder Gesichtsbehaarungen) tragen und auch nichts in meine Wohnung stellen oder hängen, was ich nicht irgendwie gut finde. <a href="http://www.youtube.com/watch?v=hegEA6fY3LM">&#8220;We Built This City&#8221;</a> von Starship ist einer der kanonisch schrecklichsten Songs der Musikgeschichte, aber irgendetwas spricht das Lied in mir an &#8212; und das meine ich nicht auf die &#8220;So schlecht, dass es schon wieder gut ist&#8221;-Art. Andererseits würde ich nie in Skinny Jeans rumlaufen, weil ich die einfach mordsunbequem finde.</p>
<p>Benjamin von Stuckrad-Barre hat schon 1999 einen Text über Ironie verfasst,<sup><a href="http://www.coffeeandtv.de/2011/10/27/auf-der-strase-zur-ironie-holle/#footnote_9_6378" id="identifier_9_6378" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Nachzulesen in &amp;#8220;Remix&amp;#8221;.">10</a></sup> in dem er von der &#8220;Drüberlustigmachmühle&#8221; schreibt und dann eine Frage aufwirft, die er sich sogleich selbst beantwortet:</p>
<blockquote><p>Tennissocken sind fürchterlich, keine Frage, aber ist nicht das zwangsverordnete Drüberlachen noch schlimmer? Und dann tragen also Leute wieder Tennissocken, aus Protest, und das ist vielleicht zu verstehen, aber ja auch so krank, weil sie damit also, nur der Abgrenzung wegen, schlimme Socken tragen. Und dann nicht einfach still diese Socken dünnlaufen, sondern tatsächlich ERKLÄREN, warum sie die tragen, um sich zumindest, oh ja, INHALTLICH zu unterscheiden von jenen, die diese Socken nicht schon wieder, sondern immer noch tragen. Irgendwie muß man die Neuzeit ja rumkriegen.</p></blockquote>
<p>Im &#8220;Zeit&#8221;-Artikel steht dieses aktuelle Beispiel:</p>
<blockquote><p>In engen braunen Männerslips über rosa Trainingsanzügen aus Ballonseide trifft man sich, am besten mit einem allein zum Zweck der Party gewachsenen fiesen Schnauzer im Gesicht, zum Dosenstechen in der Küche.</p></blockquote>
<p>Noch bevor die Hipster so genannt wurden, gab es den &#8220;Irony-Schnäuz&#8221;. Irgendwann gab es dann die ironisch gebrochenen Hipster, die echte Hipster eigentlich scheiße fanden, aber genauso rumliefen. Der Schnauzbart war zu diesem Zeitpunkt schon mindestens zwei Mal umgedeutet worden, aber da geht sicher noch mehr. Nur: Warum?</p>
<p>In einem Text aus dem Juli 1999<sup><a href="http://www.coffeeandtv.de/2011/10/27/auf-der-strase-zur-ironie-holle/#footnote_10_6378" id="identifier_10_6378" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="&amp;#8220;Ein Ort der Eitelkeit&amp;#8221; in &amp;#8220;Der Krapfen auf dem Sims&amp;#8221;.">11</a></sup> beklagt sich Max Goldt über Menschen, die eine goldene Schallplatte oder eine Urkunde auf der Gästetoilette platzieren:</p>
<blockquote><p>So wird die Toilette zum Ort der Inszenierung von Selbstironie, einer Eigenschaft, die in der westlichen Zivilisation hoch im Kurs steht. Deshalb ist es erheblich eitler, seine Zertifikate in Bad oder WC unterzubringen, als sie naiv und arglos im Wohnzimmer zur Schau zu stellen.</p></blockquote>
<p>Goldt erklärt auch<sup><a href="http://www.coffeeandtv.de/2011/10/27/auf-der-strase-zur-ironie-holle/#footnote_11_6378" id="identifier_11_6378" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="&amp;#8220;Mein Nachbar und der Zynismus&amp;#8221;, ebd.">12</a></sup> den Unterschied zwischen Zynismus und Sarkasmus:</p>
<blockquote><p>Zynismus ist eine destruktive Lebensauffassung, während Sarkasmus das Resultat von trotziger Formulierungskunst ist, die über einen spontanen Zorn auf ein Meinungseinerlei hinweghilft. Zynismus ist ein Resultat von Enttäuschung und innerer Vereinsamung. Er besteht im Negieren aller Werte und Ideale, im Verhöhnen der Hoffnung, im Haß auf jedes Streben nach Besserung.</p></blockquote>
<p>Sind dann die beschriebenen &#8220;Bad Taste&#8221;-Partys nicht eher zynisch als ironisch?</p>
<p>Ich verstehe den Reiz nicht, der darin liegen sollte, sich so zu kleiden, wie man nie aussehen wollte, und Musik zu hören, die man nie hören wollte. Erstens grenzt das doch an Schizophrenie und zweitens finde ich das unfair gegenüber den Leuten, denen diese Musik etwas bedeutet. Denn auch wenn ich Schlager oder Volksmusik kitschig und doof finden sollte, so gibt es doch Leute, denen diese Musik etwas bedeutet.<sup><a href="http://www.coffeeandtv.de/2011/10/27/auf-der-strase-zur-ironie-holle/#footnote_12_6378" id="identifier_12_6378" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Dass die Texte dieser Lieder mitunter von Leuten geschrieben werden, denen die Inhalte und H&ouml;rer ziemlich egal sind, ist eine Meta-Ebene, die ich hier nicht auch noch bespielen m&ouml;chte.">13</a></sup> Ich finde es auch langweilig, ein Album nur des Verrisses wegen zu verreißen.</p>
<div align="center">* * *</div>
<p>Auch Chuck Klosterman hat sich dem Thema Ironie gewidmet.<sup><a href="http://www.coffeeandtv.de/2011/10/27/auf-der-strase-zur-ironie-holle/#footnote_13_6378" id="identifier_13_6378" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Im Essay &amp;#8220;T Is For True&amp;#8221; in &amp;#8220;Eating The Dinosaur&amp;#8221;.">14</a></sup> Er schreibt:</p>
<blockquote><p>An ironist is someone who says something untrue with unclear sincerity; the degree to which that statement is funny is based on how many people realize it&#8217;s false. If everybody knows the person is lying, nobody cares. If nobody knows the person is lying, the speaker is a lunatic. The ideal ratio is 65-35: If a slight majority of the audience cannot tell that the intention is comedic, the substantial minority who do understand will feel better about themselves. It&#8217;s an exclusionary kind of humor.</p></blockquote>
<p>Wenn jeder Depp alles nur noch &#8220;ironisch&#8221; meint, ist es kein Witz mehr, dann ist es nicht mal mehr Komödie, sondern Tragödie.</p>
<p>Nina Pauer schreibt dazu in der &#8220;Zeit&#8221;:</p>
<blockquote><p>Wo potenziell alles peinlich ist, bleibt nichts als der ewige ironische Reflex. Die Ironie wird zum Standard und die Distanz zum Zwang. Dann regieren die Zwinkersmileys, die alles Gesagte, Geschriebene, Getane sofort relativieren, um bloß immer &#8220;safe&#8221; zu sein. Von der Freude an der Peinlichkeit ist dann nicht mehr viel übrig. Die Lust wird zu ihrem Gegenteil, zur Langeweile.</p></blockquote>
<p>Es ist nicht nur langweilig, es ist auch wahnsinnig anstrengend.</p>
<p>Klosterman stellt in seinem Essay den Weezer-Sänger Rivers Cuomo, den Regisseur Werner Herzog und den amerikanischen Politiker Ralph Nader nebeneinander, denen er allesamt nachweist bzw. unterstellt, völlig ironiefrei zu sein. Herzog etwa sagt, er habe einen &#8220;Defekt&#8221;, der ihn daran hindere, Ironie zu verstehen, und Klosterman fügt an, die meisten von uns hätten das gegenteilige Problem: Wir würden auch dort Ironie verstehen, wo gar keine vorhanden ist.</p>
<p>Rivers Cuomo trug das, was man heute &#8220;Nerdbrille&#8221; nennt, immerhin schon in den frühen Neunzigern, als es grad nicht cool oder lustig war.<sup><a href="http://www.coffeeandtv.de/2011/10/27/auf-der-strase-zur-ironie-holle/#footnote_14_6378" id="identifier_14_6378" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Diese Brille ist tats&auml;chlich ein Problem. Als ich letztes Jahr auf der Suche nach einer neuen war, wollte ich &amp;#8211; pubert&auml;re Abgrenzung &amp;#8211; um jeden Fall zu vermeiden, auch so eine zu kaufen. Das Problem: Mir stand wirklich nichts anderes. Also dachte ich: &amp;#8220;Was soll&amp;#8217;s? Ray-Ban gibt&amp;#8217;s seit mehr als 50 Jahren und ich wei&szlig; ja, wie&amp;#8217;s gemeint ist.&amp;#8221; (N&auml;mlich gar nicht.) So wie man sich Musik nicht von ihren H&ouml;rern kaputt machen lassen darf, sollte man sich auch Mode-Utensilien nicht von ihren Tr&auml;gern zerst&ouml;ren lassen. Ich w&uuml;rde auch gerne Hemden von Fred Perry tragen, wenn die nicht so unfassbar teuer w&auml;ren.">15</a></sup> Heute schreibt er <a href="http://www.tape.tv/musikvideos/Weezer/Beverly-Hills">Lieder</a> darüber, dass er in Beverly Hills wohnen wolle, und Klosterman ist sich sicher, dass Cuomo das genau so meint. Die Fans wären allerdings enttäuscht, weil sie es für Ironie hielten und sich verarscht fühlten &#8212; und das ist dann natürlich auch schon wieder Ironie, und zwar die des Schicksals.</p>
<div align="center">* * *</div>
<p>Die Postmoderne hat, neben Fremdscham und Über-Ironisierung, noch ein weiteres Phänomen hervorgebracht: Ständig hinterfragt man jetzt alles, vor allem aber sich selbst. Wer sich fragt, ob er irgendetwas gut finden <i>dürfe</i>, hat noch nichts verstanden. Er hat die Freiheit (fast) alles gut zu finden, was er gut finden mag. Allenfalls die Auswahl potentiell gut findbarer Dinge und Personen kann einen etwas überfordern.</p>
<p>Das bedeutet natürlich letztlich auch: Man kann auch &#8220;Bauer sucht Frau&#8221; gucken, ohne sich dafür zu schämen.<img src="http://vg01.met.vgwort.de/na/11615d221fb84ca8b9d8a2c8aff947ed" width="1" height="1" alt=""></p>
<ol class="footnotes"><li id="footnote_0_6378" class="footnote">Außer in den Ohren und den Nasenlöchern, da soll es wuchern wie im Amazonasgebiet.</li><li id="footnote_1_6378" class="footnote">Ich glaube auch, dass das, was man zu meiner Schulzeit &#8220;Lästern&#8221; nannte, nicht grundsätzlich verwerflich ist, solange etwa die Person, über die gelästert wird, davon nichts mitbekommt, und solange man nicht vornerum nett zu jemandem ist, über den man dann hintenrum lästert. Außerdem können andere ja auch über mich lästern, wenn sie wollen. Diese Position hat schon zu langen, unergiebigen Diskussionen geführt.</li><li id="footnote_2_6378" class="footnote">Tatsächlich bin ich bei der aktuellen Staffel &#8220;Schwiegertochter gesucht&#8221; sehr schnell wieder ausgestiegen, weil es außer ausgewalzten Merkwürdigkeiten nicht viel zu sehen gab.</li><li id="footnote_3_6378" class="footnote">Ob die porträtierten Bauern darauf gewartet haben, ist natürlich wieder fraglich.</li><li id="footnote_4_6378" class="footnote">Wobei das eigentlich jetzt schon gelten muss: Es kann ja hierzulande keine acht Millionen Elitisten geben, die es sich auf ihrem hohen Ross bequem gemacht haben, also müssen auch zahlreiche Zuschauer mit Fliesentischen, Tiefkühlpizzen und Kosenamen darunter sein.</li><li id="footnote_5_6378" class="footnote">So wie Sex nie ästhetisch ist.</li><li id="footnote_6_6378" class="footnote">Der Brief geriet übrigens in die Hände der Sandra, dargestellt von Dorkas Kiefer, die ihn laut vorlas und sich über Ute lustig machte. Welche Aktion ist peinlicher? <i>Discuss!</i></li><li id="footnote_7_6378" class="footnote">Ironie sollte höchstens von Briten als Stilmittel in Songs eingesetzt werden. Die verstehen darunter etwas anderes als &#8220;das Gegenteil von dem sagen, was man meint.</li><li id="footnote_8_6378" class="footnote">Gerade nicht &#8220;I Love Belarus&#8221;, den man aus politischen Gründen als einzigen ernst hätte nehmen müssen.</li><li id="footnote_9_6378" class="footnote">Nachzulesen in &#8220;Remix&#8221;.</li><li id="footnote_10_6378" class="footnote">&#8220;Ein Ort der Eitelkeit&#8221; in &#8220;Der Krapfen auf dem Sims&#8221;.</li><li id="footnote_11_6378" class="footnote">&#8220;Mein Nachbar und der Zynismus&#8221;, ebd.</li><li id="footnote_12_6378" class="footnote">Dass die Texte dieser Lieder mitunter von <a href="http://www.stefan-niggemeier.de/blog/bernd-meinunger/">Leuten</a> geschrieben werden, denen die Inhalte und Hörer ziemlich egal sind, ist eine Meta-Ebene, die ich hier nicht auch noch bespielen möchte.</li><li id="footnote_13_6378" class="footnote">Im Essay &#8220;T Is For True&#8221; in &#8220;Eating The Dinosaur&#8221;.</li><li id="footnote_14_6378" class="footnote">Diese Brille ist tatsächlich ein Problem. Als ich letztes Jahr auf der Suche nach einer neuen war, wollte ich &#8211; pubertäre Abgrenzung &#8211; um jeden Fall zu vermeiden, auch so eine zu kaufen. Das Problem: Mir stand wirklich nichts anderes. Also dachte ich: &#8220;Was soll&#8217;s? Ray-Ban gibt&#8217;s seit mehr als 50 Jahren und ich weiß ja, wie&#8217;s gemeint ist.&#8221; (Nämlich gar nicht.) So wie man sich Musik nicht von ihren Hörern kaputt machen lassen darf, sollte man sich auch Mode-Utensilien nicht von ihren Trägern zerstören lassen. Ich würde auch gerne Hemden von Fred Perry tragen, wenn die nicht so unfassbar teuer wären.</li></ol> <p><a href="http://www.coffeeandtv.de/?flattrss_redirect&amp;id=6378&amp;md5=e4ffcedbfb26a667e2615eaebf0974cd" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://www.coffeeandtv.de/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Kostenfreiheit: 17,98 Euro</title>
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		<pubDate>Fri, 26 Aug 2011 13:41:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Lukas Heinser</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Ich halte offene Briefe für weitgehend albern. Aber mein Blutdruck war zu hoch, um die E-Mail-Adresse von Christian Nienhaus zu erraten. Dann eben so: Sehr geehrter Herr Nienhaus, ich hätte gern das Interview gelesen, dass Sie der &#8220;Frankfurter Allgemeinen Zeitung&#8221; in Ihrer Eigenschaft als Geschäftsführer der WAZ-Mediengruppe (&#8220;Harz Kurier&#8221;, &#8220;Die Aktuelle&#8221;, &#8220;Echo der Frau&#8221;, &#8220;Der [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><small>Ich halte offene Briefe für weitgehend albern. Aber mein Blutdruck war zu hoch, um die E-Mail-Adresse von <a href="http://waz-mediengruppe.de/Christian_Nienhaus.442.0.html">Christian Nienhaus</a> zu erraten. Dann eben so:</small></p>
<p>Sehr geehrter Herr Nienhaus,</p>
<p>ich hätte gern das Interview gelesen, dass Sie der <a href="http://www.faz.net/artikel/C30770/waz-geschaeftsfuehrer-christian-nienhaus-eine-grosse-ignoranz-und-auch-angst-der-politik-30491804.html">&#8220;Frankfurter Allgemeinen Zeitung&#8221;</a> in Ihrer Eigenschaft als Geschäftsführer der WAZ-Mediengruppe (&#8220;Harz Kurier&#8221;, &#8220;Die Aktuelle&#8221;, &#8220;Echo der Frau&#8221;, &#8220;Der Westen&#8221;) gegeben haben. Gerne hätte ich mich weiter über die dünne Argumentationskette der Verleger informiert, die gegen die sogenannte iPhone-App der &#8220;Tagesschau&#8221; (ein Programm, das die Inhalte von tagesschau.de für moderne Mobiltelefone aufbereitet) klagen. Doch es ging nicht.</p>
<p>Hängen geblieben (bzw. in die Luft gegangen) bin ich schon bei Ihrer ersten Antwort, genauer bei einem kurzen Satz:</p>
<blockquote><p>Wir halten zudem die Kostenfreiheit der Apps für nicht korrekt.</p></blockquote>
<p>Herr Nienhaus, ich weiß nicht, wie das bei Ihnen zuhause aussieht, aber ich habe für die Inhalte der &#8220;Tagesschau&#8221;, ja: für alle Inhalte der öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten, bereits bezahlt. 17,98 Euro jeden Monat, das ist mehr, als ich in meinem Leben für die langweiligen Lokalzeitungen Ihres Verlags ausgegeben habe. Deswegen finde ich es auch unerträglich, dass die öffentlich-rechtlichen Anstalten die Inhalte, die ich (mit-)bezahlt habe, wieder aus dem Internet entfernen müssen, weil die Zeitungsverleger und Privatsender (was teilweise aufs Selbe rauskommt) das so wollten.</p>
<p>Ich hätte gerne die Empörung in Ihrer Reihen gesehen, wenn die &#8220;Tagesschau&#8221;-App Geld kosten würde. Dann, da bin ich mir sicher, würden Sie sich nämlich meiner Argumentation anschließen, dass die Inhalte von den Zuschauern bereits bezahlt worden sind.</p>
<p>Ihr Interessenverband eiert seit Jahren ziellos umher und beleidigt jeden denkenden Menschen mit seinem unerträglichen Gejammer. Sie haben den Wandel vom Print- zum Internetzeitalter verpennt, jetzt sind Sie dabei, den Wandel zum App-Zeitalter ebenfalls zu verpennen. Das allein ist tragisch genug. Tun Sie sich einen Gefallen und erwägen Sie weniger durchsichtige Argumente!</p>
<p>Mit freundlichen Grüßen,<br />
Lukas Heinser</p>
<p><i>Stefan Niggemeier hat seinen Blutdruck schneller unter Kontrolle gekriegt und zerlegt Nienhaus&#8217; weitere &#8220;Argumente&#8221; bei sich im <a href="http://www.stefan-niggemeier.de/blog/christian-nienhaus-und-die-grose-ignoranz/">Blog</a>.</i></p>
 <p><a href="http://www.coffeeandtv.de/?flattrss_redirect&amp;id=6282&amp;md5=2b94637a43114f2f0f57050481d5c172" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://www.coffeeandtv.de/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Auswärtsspiel: TVLab</title>
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		<pubDate>Wed, 10 Aug 2011 14:23:05 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Lukas Heinser</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Auf ZDF_neo startet demnächst das &#8220;TVLab&#8221;, wo völlig neuartige TV-Konzepte vorgestellt und erprobt werden sollen. Begleitet wird das Projekt von einem Blog und ich hatte die Ehre, den ersten Eintrag zu verfassen. Die Ausgangsfrage lautete &#8220;Worüber sollen wir reden, wenn nicht über das Fernsehen?&#8221; und &#8211; ohne zu viel zu verraten &#8211; ich komme zu [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Auf ZDF_neo startet demnächst das &#8220;TVLab&#8221;, wo völlig neuartige TV-Konzepte vorgestellt und erprobt werden sollen.</p>
<p>Begleitet wird das Projekt von einem Blog und ich hatte die Ehre, den ersten Eintrag zu verfassen. Die Ausgangsfrage lautete &#8220;Worüber sollen wir reden, wenn nicht über das Fernsehen?&#8221; und &#8211; ohne zu viel zu verraten &#8211; ich komme zu dem Schluss: über nichts, bitte!</p>
<p><a href="http://blog.zdf.de/tvlab/2011/08/10/worueber-sollen-wir-reden-wenn-nicht-ueber-das-fernsehen/"><b>Der Beitrag bei blog.zdf.de</b></a></p>
 <p><a href="http://www.coffeeandtv.de/?flattrss_redirect&amp;id=6243&amp;md5=7ac69fe9cee39a419223106a04ed9c85" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://www.coffeeandtv.de/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Man wird sprachlos</title>
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		<pubDate>Wed, 13 Jul 2011 09:01:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Lukas Heinser</dc:creator>
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		<description><![CDATA[In der ARD läuft heute um 23.30 Uhr eine Dokumentation über die letztjährige Loveparade in Duisburg, bei der bei einer Massenpanik 21 Menschen gestorben sind und mehr als 500 verletzt wurden. Der WDR bewirbt diese Doku, indem er seit Tagen via Pressemitteilung einzelne O-Töne von Verantwortlichen in die Verwertungskette gibt. Vergangene Woche warf er Zitate [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>In der ARD läuft heute um 23.30 Uhr eine Dokumentation über die letztjährige Loveparade in Duisburg, bei der bei einer Massenpanik 21 Menschen gestorben sind und mehr als 500 verletzt wurden. Der WDR bewirbt diese Doku, indem er seit Tagen via Pressemitteilung einzelne O-Töne von Verantwortlichen in die Verwertungskette gibt.</p>
<p>Vergangene Woche warf er Zitate des Duisburger Oberbürgermeisters Adolf Sauerland unters Volk:</p>
<blockquote><p>&#8220;Ich habe mir immer gesagt: Du musst so lange durchhalten, bist du allen zeigen kannst, dass diese Katastrophe nicht durch dein Verhalten entstanden ist&#8221;, erklärt Adolf Sauerland. Er habe am Anfang das Gefühl gehabt, wenn er sich entschuldige, werde er automatisch für das Unglück verantwortlich gemacht. &#8220;Und das hat dazu geführt, dass man sprachlos wird.&#8221;</p></blockquote>
<p>Gestern kam Rainer Schaller, Veranstalter der Loveparade, zu Wort:</p>
<blockquote><p>Zum ersten Mal äußert sich Schaller im Film auch zur Problematik des Tunnels als einzigem Ein- und Ausgang zum Veranstaltungsgelände: &#8220;Man hat Monate geplant, und für mich ist es natürlich ein Rätsel, wie man das über Monate gemeinsam nicht hat sehen können. Das ist etwas, was ich mich bis heute frage: Wie konnte man das nicht sehen?&#8221;</p></blockquote>
<p>Ist Ihnen an der Wortwahl der beiden Herren etwas aufgefallen?</p>
<p>Um mal Benjamin von Stuckrad-Barre zu <a href="http://www.welt.de/politik/bundestagswahl/article4571194/Wie-war-die-Wurst-Wenn-Merkel-wahlkaempft.html">zitieren</a>:</p>
<blockquote><p>Das erste, was einem ein Psychotherapeut beibringt: Sagen Sie nicht &#8220;man&#8221;, sagen Sie &#8220;ich&#8221;. Das erste, was man als Profipolitiker wahrscheinlich lernt: öfter mal &#8220;man&#8221; sagen, dann kann nichts groß passieren.</p></blockquote>
 <p><a href="http://www.coffeeandtv.de/?flattrss_redirect&amp;id=6164&amp;md5=3f710579585f25dc9cb1554717c37bec" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://www.coffeeandtv.de/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Blöd On Blöd</title>
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		<pubDate>Tue, 24 May 2011 22:56:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Lukas Heinser</dc:creator>
				<category><![CDATA[Rock'n'Roll High School]]></category>
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		<category><![CDATA[boulevardjournalismus]]></category>
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		<description><![CDATA[Ich habe all das, was zu Bob Dylans siebzigstem Geburtstag gesendet, gesungen und geschrieben wurde, nicht sehen, hören, lesen wollen &#8212; und bin doch einigermaßen zuversichtlich, den schlechtesten Beitrag zum Thema gefunden zu haben: Er lief im Rock&#8217;n'Roll-Magazin &#8220;Brisant&#8221; im ARD-Vorabend und wenn Dylan davon Wind bekäme, würde er die Verantwortlichen schärfer angreifen als die [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ich habe all das, was zu Bob Dylans siebzigstem Geburtstag gesendet, gesungen und geschrieben wurde, nicht sehen, hören, lesen wollen &#8212; und bin doch einigermaßen zuversichtlich, den schlechtesten Beitrag zum Thema gefunden zu haben: Er lief im Rock&#8217;n'Roll-Magazin &#8220;Brisant&#8221; im ARD-Vorabend und wenn Dylan davon Wind bekäme, würde er die Verantwortlichen schärfer angreifen als die Adressaten in &#8220;Masters Of War&#8221;.</p>
<p>Der Moderator erklärt zunächst mal, dass sich dieser Bob Dylan &#8220;im Laufe der Jahre zu einem eigenwilligen, aber genialen Rock-Poeten entwickelt&#8221; habe. Logischer wird&#8217;s anschließend nicht mehr.</p>
<p>Schon der erste Satz des Beitrags lässt sich nicht von Raum und Zeit beirren:</p>
<blockquote><p>&#8220;Like A Rolling Stone&#8221; ist zum besten Rocksong aller Zeiten gekürt worden und Sänger Bob Dylan ist Mitte der Sechziger Jahre ein Halbgott.</p></blockquote>
<p>Doch weg von den Göttern, hinab in die Hölle: Musikmanager Thomas M. Stein habe Dylans Werk &#8220;analysiert&#8221;, erklärt die Sprecherin, doch bevor wir erfahren, wie es klingt, wenn Thomas M. Stein etwas analysiert, erfahren wir erst mal, wie es aussieht, wenn Thomas M. Stein etwas signiert &#8212; zum Beispiel sein eigenes Hörbuch, das bei ihm dekorativ und in mehrfacher Ausfertigung auf dem Schreibtisch liegt:</p>
<p><img src="http://www.coffeeandtv.de/wp-content/uploads/2011/05/brisant_dylan1.jpg" title="Screenshot: ARD"></p>
<p>Dylan sei deswegen ein Mythos, erklärt Stein (nachdem er zunächst &#8220;war&#8221; gesagt hatte, aber vielleicht hat er auch nur darauf spekuliert, dass sein O-Ton dereinst in den Nachrufen noch mal wiederverwendet wird), weil er &#8220;wunderbare Lieder, wunderbare Texte&#8221; geschrieben habe. Denn eine schöne Stimme habe der Mann ja nun wahrlich nicht.</p>
<blockquote><p>Nur: Er hat eine ganze Generation bewegt. Vergessen Sie nicht Woodstock, das sind legendäre Auftritte, die Bob Dylan gemacht hat. Damals nur mit der Klampfe und mit der Gitarre, ohne großen Background, währenddessen andere schon rockmäßig weiter &#8211; Rolling Stones und Santana, wie sie alle hießen &#8211; schon mit großem Orchester gereist sind, hat er sich sehr stark zurückgehalten.</p></blockquote>
<p>Was Thomas M. Stein bei seiner Analyse des Leben &#8216;n&#8217; Werk Bob Dylans offenbar entgangen ist: Dylan ist beim <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Woodstock_Festival">Woodstock Festival</a> gar nicht aufgetreten (die Rolling Stones übrigens auch nicht und Carlos Santana nicht mit Orchester).</p>
<p>Weiter Thomas M. Stein:</p>
<blockquote><p>Er hat später einen Knick bekommen in der Karriere, lustigerweise, weil er von der normalen Akustikgitarre zur elektrischen Gitarre übergegangen ist. Das haben ihm die alten Fans übel genommen.</p></blockquote>
<p>Ja, übel genommen haben sie&#8217;s ihm, aber nicht &#8220;später&#8221;, sondern beim <a href="http://campus.queens.edu/depts/english/dylan_goes_electric_the_newport_.htm">Newport Folk Festival 1965</a> &#8212; mehr als vier Jahre <i>vor</i> Woodstock.</p>
<p>Aber gehen wir doch noch ein paar Schritte zurück in die Geschichte:</p>
<blockquote><p>Hier in Minnesota, USA kommt Robert Allen Zimmerman 1941 zur Welt.</p></blockquote>
<p>Nun ist &#8220;hier in Minnesota&#8221; eigentlich ein bisschen unpräzise, weil der Staat mit 225.000 Quadratkilometern fast so groß ist wie die Bundesrepublik ohne DDR, aber zum Glück kann man das ja bildlich etwas präzisieren:</p>
<p><img src="http://www.coffeeandtv.de/wp-content/uploads/2011/05/brisant_dylan2.jpg" title="Screenshot: ARD"></p>
<p>Irgendwo entlang dieser Straße, also.</p>
<p>Doch es kommt noch schlimmer. Viel schlimmer, als sich die kranken Köpfe hinter &#8220;Saw&#8221;, &#8220;Hostel&#8221; und &#8220;Final Destination&#8221; es sich jemals hätten ausdenken können.</p>
<p>Auftritt Bernhard Brink.</p>
<p><img src="http://www.coffeeandtv.de/wp-content/uploads/2011/05/brisant_dylan3.jpg" title="Screenshot: ARD"></p>
<p>Den Schlagersänger, der &#8220;in einem anderen Genre zuhause ist&#8221;, hat das ARD-Team offenbar in seinem Lieblingsweinlokal angetroffen, wo er von der &#8220;großen Zeit der APO, Ende der Achtensechziger, in der großen Protestzeit&#8221; schwärmen darf. Er habe sich selbst &#8220;auch &#8216;n Playback besorgt von dem Klassiker, hier&#8221;, dessen Titel Brink offenbar nicht mehr einfallen will, was er aber charmant mit einer eigenen Interpretation von &#8220;Blowin&#8217; In The Wind&#8221; übergeht.</p>
<p><img src="http://www.coffeeandtv.de/wp-content/uploads/2011/05/brisant_dylan4.jpg" title="Screenshot: ARD"></p>
<p>So schlimm ist dann wiederum Bernhard Brinks Gesangseinlage nicht &#8212; zumindest, wenn man sie mit den zusammenhanglosen Sätzen vergleicht, die jetzt wieder aus dem Off blubbern:</p>
<blockquote><p>Doch Bob Dylan will sich vor keinen Karren spannen lassen; nicht für die Friedensbewegung, nicht für die Musikindustrie. Daran ändert auch seine Liebe zu Sängerin Joan Baez nichts. Interviews gibt er selten &#8212; und wenn, dann kurz und schmerzhaft.</p></blockquote>
<p>Man könnte annehmen, die &#8220;Brisant&#8221;-Leute hätten sich Joan Baez hier als eine Art Karren gedacht, wenn es nicht keinen Grund gebe, anzunehmen, dass sie sich irgendetwas gedacht haben.</p>
<p>Es folgt ein kurzer Ausschnitt, in dem sich ein sehr junger Bob Dylan über eine sehr dumme Interview-Frage echauffiert, dann geht der überraschende Einsatz von Konnektivpartikeln weiter:</p>
<blockquote><p>Dennoch: Von den zehn besten Schallplatten der Popgeschichte stammen zwei von Bob Dylan.</p></blockquote>
<p>Bis hierhin ist es ein peinlicher, ahnungsloser Beitrag. Doch jetzt wird der Jubilar nicht mehr nur von Schlagerbarden besungen, jetzt werden ihm haltlose Vorwürfe gemacht:</p>
<blockquote><p>Ohne ihn hätte es die deutsche Rockband BAP womöglich nie gegeben.</p></blockquote>
<p><img src="http://www.coffeeandtv.de/wp-content/uploads/2011/05/brisant_dylan5.jpg" title="Screenshot: ARD"></p>
<p>Natürlich! Wenn in Deutschland alle Dylanologen abgesagt haben mit dem Hinweis, für solche Quatschformate würden sie nicht den Hampelmann machen, dann gibt es immer noch Wolfgang Niedecken, den &#8220;Dylan der Südstadt&#8221;, von dem man einen kurzen O-Ton kriegt.</p>
<p>Dann spricht wieder die Boulevard-Fernseh-Tante:</p>
<blockquote><p>Der Mensch Dylan aber bleibt praktisch unsichtbar: Niemand weiß genaues über seine vier Kinder, das Scheitern seiner ersten Ehe, wenig über seine Drogensucht.</p></blockquote>
<p>Das &#8220;aber&#8221; hat natürlich wieder keine logische Funktion und tatsächlich gibt es über zwei der vier Dylan-Kinder nicht mal Wikipedia-Einträge, aber als Regisseur von &#8220;American Pie 3&#8243; bzw. als Sänger der Wallflowers sind <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Jesse_Dylan">Jesse</a> und <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Jakob_Dylan">Jakob Dylan</a> dann doch irgendwie mal so ein bisschen in Erscheinung getreten.</p>
<p>Doch zurück zu Bob und dessen Schaffen, das Thomas M. Stein wie folgt zusammenfasst:</p>
<blockquote><p>Er hat gezeigt, dass man neben &#8220;Lala&#8221; auch noch was anderes singen kann.</p></blockquote>
<p>Das hätte nicht mal der Graf von Unheilig verdient.</p>
<p><small>[via Ralf]</small><img src="http://vg01.met.vgwort.de/na/8faa01660d40441bbc778f1443998fc2" width="1" height="1" alt=""></p>
 <p><a href="http://www.coffeeandtv.de/?flattrss_redirect&amp;id=6039&amp;md5=0a4855a81ebfad6ed90bd43a4edaf83c" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://www.coffeeandtv.de/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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