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	<title>Coffee And TV &#187; Political Science</title>
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	<description>Popkultur - Allein das Wort schon!</description>
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		<title>Christian Wulff schockt Redakteure</title>
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		<pubDate>Sat, 07 Jan 2012 16:48:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Lukas Heinser</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Political Science]]></category>
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		<description><![CDATA[So langsam wird es wirklich eng für Christian Wulff. &#8220;Spiegel Online&#8221; kann heute mit einer weiteren Enthüllung aufwarten, die den Rückhalt des Bundespräsidenten weiter schmälern dürfte. Für wie brisant die Redakteure die neueste Geschichte halten, zeigt schon ihre Platzierung: Auf der Startseite, direkt unter dem Aufmacher. Meine Güte, der Mann schreckt aber auch vor nichts [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>So langsam wird es wirklich eng für <a href="http://www.coffeeandtv.de/2012/01/05/der-groste-fehler-des-christian-wulff/">Christian Wulff</a>. &#8220;Spiegel Online&#8221; kann heute mit einer weiteren Enthüllung aufwarten, die den Rückhalt des Bundespräsidenten weiter schmälern dürfte.</p>
<p>Für wie brisant die Redakteure die neueste Geschichte halten, zeigt schon ihre Platzierung: Auf der Startseite, direkt unter dem Aufmacher.</p>
<p><img src="http://www.coffeeandtv.de/wp-content/uploads/2012/01/spon_wulff.jpg" title='Screenshot: spiegel.de' alt='Wulffs Verhältnis zu den Medien: "Manchmal schock ich Redakteure". Der Bundespräsident hat ein schwieriges Verhältnis zu den Medien, nicht erst seit dem Anruf beim "Bild"-Chef. Schon als Ministerpräsident wetterte Christian Wulff gegen kritische Berichterstattung. Selbst bei einem Auftritt mit Kindern gab es Schelte vom damaligen Landesvater.'></p>
<p>Meine Güte, der Mann schreckt aber auch vor nichts zurück:</p>
<blockquote><p>Selbst bei einem Auftritt mit Kindern gab es Schelte vom damaligen Landesvater.</p></blockquote>
<p>Das klingt, als habe der <a href="http://www.der-postillon.com/2011/12/nette-schwiegersohne-beklagen.html">ehemalige</a> Traum-Schwiegersohn Kinder vor den Augen von Journalisten verdroschen &#8212; und ist völliger Unsinn.</p>
<p>Zugetragen hatte sich bei der &#8220;Kinder-Pressekonferenz&#8221; der &#8220;Braunschweiger Zeitung&#8221; im Jahr 2008 laut <a href="http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,807689,00.html">&#8220;Spiegel Online&#8221;</a> folgendes:</p>
<blockquote><p>Er sagt zwar, er könne mit Kritik gut umgehen, aber nur, wenn er sie für berechtigt halte. &#8220;Wenn Kritik unberechtigt ist, bin ich genauso ärgerlich wie jeder, der sich kritisiert fühlt, das aber nicht einsehen will.&#8221; Und dann wendet er sich an sein Publikum, die fragestellenden Kinder, damit die verstehen, dass es beim Berufspolitiker Wulff und der Presse genauso ist wie bei ihnen, wenn sie von ihren Eltern einen Rüffel bekommen. Schließlich würden die Kinder auch schmollen und sich zurückziehen, wenn die Eltern meckern. &#8220;Insofern bin ich bei Kritik, wenn sie unberechtigt ist, manchmal sehr grimmig&#8221;, so Wulff.</p>
<p>Noch 20 Jahre später könne er sich an unliebsame Berichterstattung erinnern, prahlt Wulff, und erzählt dann, wie er Journalisten direkt angehe: &#8220;Manchmal schock&#8217; ich Redakteure, die was geschrieben haben, und sage: Damals, &#8217;81, linke Spalte, dritte Seite &#8211; und das nehmen die mir manchmal übel!&#8221; Denn Wulff weiß: &#8220;Wenn Journalisten mal kritisiert werden, dann kann ich euch sagen, dann ist was los.&#8221; Das könnten die Journalisten nämlich überhaupt nicht aushalten.</p></blockquote>
<p><small>(Wenn Wulff &#8220;ich bin ärgerlich&#8221; sagt, meint er damit, dass er verärgert sei. So viel zum Gerücht, die Niedersachsen hätten keine merkwürdige Sprache.)</small></p>
<p>Die Behauptung, dass (einige) Journalisten keine Kritik vertrügen, ist &#8211; verglichen mit Wulffs strategischem Verhältnis zur Wahrheit und seinen bemerkenswerten Interpretation von Begriffen wie &#8220;marktüblich&#8221; &#8211; ein betoniertes Fakt. Nicht häufig, aber häufiger als nie, bekommen wir beim BILDblog E-Mails von Journalisten, denen wir Fehlern nachgewiesen oder deren Arbeit wir kritisiert haben, und nicht immer sind diese Zuschriften sachlich. In seltenen Fällen beschimpfen uns Chefredakteure in vielfarbigen Tiraden, weswegen ich ganz froh bin, dass ich nicht weiß, wie man die Mailbox an meinem Handy einschalten kann.</p>
<p>Dass Wulff vor Kindern damit kokettiert, <i>wie</i> nachtragend er angeblich sein könne, ist natürlich etwas besorgniserregend, aber es spricht doch für sich. Dass Wulff gegen kritische Berichterstattung &#8220;wetterte&#8221;, wie &#8220;Spiegel Online&#8221; im Vorspann vollmundig verspricht, lässt sich aus diesen Zitaten nicht einmal mit viel schlechtem Willen herauslesen.</p>
<p>Im Gegenteil: Wulff hat es sogar menscheln lassen.</p>
<blockquote><p>&#8220;Wir Politiker werden ja ständig kritisiert&#8221;, sagt Wulff, &#8220;wir haben ein ganz dickes Fell.&#8221; Er wolle aber auch, dass Menschen mit dünnem Fell in der Politik sein können. Das jedoch sei schwierig, man lese ja jeden Tag was über sich in der Zeitung. &#8220;Das ist nicht alles nur positiv.&#8221;</p></blockquote>
<p>Nun hat sich in den letzten Wochen der Eindruck aufgedrängt, dass Wulffs Fell in etwa so dick ist wie das eines Nacktmulls in der Mauser. Insofern kann der Rückblick auf diese harmlose Veranstaltung &#8211; natürlich begleitet von einem 37-sekündigen <a href="http://spon.de/ve4L3">Video</a> mit Werbung &#8211; durchaus lohnenswert sein.</p>
<p>Aber doch bitte nicht derart bemüht:</p>
<blockquote><p>Doch selbst bei dieser harmlosen Veranstaltung, fast vier Jahre vor seinem umstrittenen Anruf beim &#8220;Bild&#8221;-Chefredakteur, zeigte Wulff, wie sehr ihm Journalisten auf die Nerven gehen &#8211; und wie nachtragend er bei kritischer Berichterstattung ist.</p></blockquote>
<p>Im Übrigen schafft es der Artikel, Wulffs Image zumindest bei mir wieder ein bisschen aufzupolieren: Ein Mann, der angibt, <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Tapire">Tapire</a> und <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Manati">Manatis</a> zu mögen, kann kein ganz schlechter Mensch sein.<img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/8e030857e042446c9d96698523da363a" width="1" height="1" alt=""></p>
 <p><a href="http://www.coffeeandtv.de/?flattrss_redirect&amp;id=6494&amp;md5=7c8bc3398d36b4a471e249164f66942c" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://www.coffeeandtv.de/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Der größte Fehler des Christian Wulff</title>
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		<pubDate>Thu, 05 Jan 2012 16:00:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Lukas Heinser</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Political Science]]></category>
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		<description><![CDATA[Ich habe ein bisschen Angst, einen Blogeintrag über Christian Wulff anzufangen, weil es bei der aktuellen Gemengelage denkbar ist, dass der Mann schon nicht mehr Bundespräsident ist, bevor ich den Text das erste Mal Korrektur lesen kann. Natürlich kann Wulff seinen Versuch fortsetzen, gegen die gesamte deutsche Presse, aber mit dem deutschen Volk im Amt [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ich habe ein bisschen Angst, einen Blogeintrag über Christian Wulff anzufangen, weil es bei der aktuellen Gemengelage denkbar ist, dass der Mann schon nicht mehr Bundespräsident ist, bevor ich den Text das erste Mal Korrektur lesen kann.</p>
<p>Natürlich kann Wulff seinen Versuch fortsetzen, gegen die gesamte deutsche Presse, aber mit dem deutschen Volk im Amt zu bleiben. Das hat zwar schon bei Karl-Theodor zu Guttenberg nicht funktioniert (und der hatte immerhin bis zum Schluss die &#8220;Bild&#8221; auf seiner Seite), aber Wunder gibt es immer wieder.</p>
<p>Zwar war Wulffs Rückhalt in der Bevölkerung vor dem gestrigen TV-Interview schon merklich gesunken (am Mittwoch waren nur noch 47 Prozent dafür, dass Wulff im Amt bleiben sollte, am Montag waren es noch 63 Prozent), aber vielleicht hat Wulff das sogenannte einfache Volk mit seinem merkwürdigen Auftritt bei ARD und ZDF besser überzeugen können als die Journalisten. Wahrscheinlich ist dies allerdings auch <a href="http://www.rp-online.de/politik/deutschland/bundespraesident/das-soll-unser-aller-praesident-sein-1.2662364">nicht</a>.</p>
<p>Wie dem auch sei: So lange die Affäre Wulff die Titelseiten füllt und weite Teile der Nachrichtensendungen ausfüllt, so lange geht natürlich unter, dass sich Europa immer noch in einer großen Krise befindet, dass sich die Stimmung zwischen dem Iran und dem Rest der Welt täglich verschlechtert. Und ich meine das nicht in dem Sinn, mit dem Online-Kommentatoren &#8220;Habt Ihr denn sonst keine Sorgen?&#8221; fragen.</p>
<p>Als Richard Nixon im Zuge der Watergate-Affäre seinen Rücktritt als US-Präsident erklärte, <a href="http://www.youtube.com/watch?v=lzXL7C0JQDM">tat</a> er dies mit den unsterblichen Worten:</p>
<blockquote><p>I have never been a quitter.</p>
<p>To leave office before my term is completed is abhorrent to every instinct in my body. But as President, I must put the interests of America first.</p>
<p>America needs a full-time President and a full-time Congress, particularly at this time with problems we face at home and abroad.</p></blockquote>
<p>Nun unterscheiden sich die Befugnisse von US- und Bundespräsident fundamental: Vermutlich würde es niemandem auffallen, wenn Christian Wulff die letzten dreieinhalb Jahre seiner Amtszeit tatsächlich ausschließlich mit der Beantwortung der vielen, vielen Journalistenanfragen verbrächte. Einen Vollzeitpräsidenten hatte und brauchte Deutschland nie &#8212; weswegen ich übrigens den <a href="http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/thema/1643569/">Vorschlag</a> von Friedrich Küppersbusch aufs Heftigste begrüße, das Amt des hauptberuflichen Grüßaugusts abzuschaffen und den Bundestagspräsidenten zum Staatsoberhaupt zu machen.</p>
<p>Wulff lähmt vielleicht noch nicht einmal die Politik &#8212; Politiker von Koalition und Opposition, die sich wortgewaltig vor TV-Kameras um das Ansehen des höchsten Amts im Staate sorgen, können in dieser Zeit keinen anderen Schaden anrichten. Aber Wulff lähmt das öffentliche Leben in Deutschland: Die Medien beschäftigen sich seit Tagen mit kaum etwas anderem und wissen vermutlich längst, was sie als nächstes noch alles aufdecken werden &#8212; als Fortsetzungsroman verkauft sich jeder Skandal besser denn als abgeschlossene Erzählung und wer hat denn gesagt, dass Salamitaktiken nur etwas für Politiker sind? Der volkswirtschaftliche Schaden, der seit Tagen durch die vielen Wulff-Witze (seit gestern auch noch: Schausten-Witze) auf Facebook und Twitter entsteht, die alle während der Arbeitszeit gelesen und geteilt werden müssen, ist sicher auch nicht zu verachten.</p>
<p>Christian Wulff hat in dem gestrigen <a href="http://www.zeit.de/politik/deutschland/2012-01/wulff-interview-wortlaut/komplettansicht">Interview</a> viel davon gesprochen, dass er Freunde und Familie habe schützen wollen und sich deshalb mit Informationen zurückgehalten habe. Es steht außer Frage, dass die Redaktionen noch genug Munition haben, um den waidwunden Präsidenten abzuschießen (um mal eine martialische Phrase zu vermeiden). Die Chancen stehen gut, dass es dabei um weitere Details aus seinem Freundes- und Bekanntenkreis geht. Auch wenn ich nicht glaube, dass die in den vergangenen Tagen mehr oder weniger offen kolportierten Gerüchte zutreffen, so wäre Christian Wulff doch gut beraten, sein Umfeld aus der Schusslinie zu bringen.</p>
<p>Andererseits könnte es sein, dass das nun auch nichts mehr bringt: Wulff hat gestern im Fernsehen erzählt, er habe &#8220;Bild&#8221;-Chefredakteur Kai Diekmann auf dessen Mailbox gebeten, &#8220;um einen Tag die Veröffentlichung zu verschieben, damit man darüber reden kann, damit sie sachgemäß ausfallen kann&#8221;. Diekmann hielt heute dagegen und bat Wulff öffentlich um die Genehmigung, den Wortlaut des Anrufs veröffentlichen zu dürfen. Allein für diese Gelegenheit, dass sich Kai Diekmann als moralische Instanz und flauschiges Unschuldslamm präsentieren kann, muss man Wulff verachten. Jetzt hat Wulff <a href="http://www.bild.de/politik/inland/wulff-kredit-affaere/bild-bittet-wulff-um-transparenz-21916856.bild.html">abgelehnt</a> und damit mutmaßlich die Pforten zur Hölle aufgestoßen.</p>
<p>Der präsidiale Ausraster auf seiner Mailbox dürfte kaum Diekmanns letzter Trumpf gewesen sein. Wahrscheinlich ging er fest davon aus, dass Wulff seine Bitte zur Veröffentlichung negativ bescheiden würde, und hat die Anfrage deshalb gleich öffentlich gemacht. Diekmann konnte zwei Mal &#8220;im Sinne der von Ihnen angesprochenen Transparenz&#8221; argumentieren und hat den Präsidenten damit faktisch schachmatt gesetzt: Setzt man voraus, dass Diekmanns Version der Geschichte stimmt, wäre Wulff der Lüge überführt gewesen und damit endgültig untragbar. Setzt man voraus, dass Wulffs Version stimmt, hat er jetzt immer noch das Problem, nicht &#8220;im Sinne der Transparenz&#8221; gehandelt zu haben. Er konnte nur noch verlieren.</p>
<p>Es ist leicht, auf einen Abzockvollprofi wie Kai Diekmann reinzufallen, aber einem Spitzenpolitiker (auch wenn er &#8220;ohne Karenzzeit, ohne Vorbereitungszeit&#8221; in sein aktuelles Amt gekommen ist) sollte das nicht passieren. Ich fände es deprimierend, sagen zu müssen, dass man sich mit &#8220;Bild&#8221; nicht anlegen sollte, und glaube das auch nicht. Aber man muss schon wissen, <i>wie</i> man es macht &#8212; und dabei in einer etwas glücklicheren Ausgangsposition sein, als Wulff es <a href="http://www.bildblog.de/35960/gewitter-im-aufzug-bei-christian-wulff/">war</a>.</p>
<p>Kaum jemand stolpert, privat oder beruflich, über einen einzelnen großen Fehler. Meist ist es eine unglückselige Verkettung vieler kleiner und mittlerer Fehler. Egal, was jetzt noch rauskommt: Der größte Fehler, den Christian Wulff in meinen Augen gemacht hat, war der, &#8220;Bild&#8221; und Kai Diekmann die Gelegenheit zu geben, sich als seriöse, moralische Journalisten inszenieren zu können, was ihnen die Menschen vielleicht mehr abkaufen als Wulff seine Rolle als reuiger Sünder. Wulff hat &#8220;Bild&#8221; die Macht zurückgegeben, die die Zeitung <a href="http://www.coffeeandtv.de/2011/03/04/der-olprinz/">eigentlich</a> nicht mehr hatte.<img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/3d8d0213dcf3406888e4862f30dd4650" width="1" height="1" alt=""></p>
 <p><a href="http://www.coffeeandtv.de/?flattrss_redirect&amp;id=6486&amp;md5=e50b1791b1f0b7ab1df7e1485e99a3e4" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://www.coffeeandtv.de/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Christian Wulff im Wortlaut</title>
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		<pubDate>Mon, 02 Jan 2012 19:32:44 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Lukas Heinser</dc:creator>
				<category><![CDATA[Political Science]]></category>
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		<description><![CDATA[Sie können es heute überall lesen: Bundespräsident Christian Wulff hat &#8220;Bild&#8221;-Chefredakteur Kai Diekmann mit dem &#8220;endgültigen Bruch&#8221; gedroht, falls die Zeitung über seinen Privatkredit berichte. Einige Zitate vom Überschreiten des &#8220;Rubikons&#8221; und &#8220;Krieg führen&#8221; sind schon bekannt geworden, aber der genaue Wortlaut ist bisher nicht kolportiert. Bisher, denn Coffee And TV hat den Mitschnitt von [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Sie <a href="http://www.bild.de/politik/inland/wulff-kredit-affaere/der-wulff-anruf-beim-bild-chefredakteur-21863344.bild.html">können</a> <a href="http://www.sueddeutsche.de/politik/bundespraesident-in-not-wulff-drohte-mit-strafanzeige-gegen-bild-journalisten-1.1248384">es</a> <a href="http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/affaere-wulff-im-schatten-der-wahrheit-11586639.html">heute</a> <a href="http://www.bildblog.de/35960/gewitter-im-aufzug-bei-christian-wulff/">überall</a> <a href="http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,806754,00.html">lesen</a>: Bundespräsident Christian Wulff hat &#8220;Bild&#8221;-Chefredakteur Kai Diekmann mit dem &#8220;endgültigen Bruch&#8221; gedroht, falls die Zeitung über seinen Privatkredit berichte.</p>
<p>Einige Zitate vom Überschreiten des &#8220;Rubikons&#8221; und &#8220;Krieg führen&#8221; sind schon bekannt geworden, aber der genaue Wortlaut ist bisher nicht kolportiert.</p>
<p>Bisher, denn <em>Coffee And TV</em> hat den Mitschnitt von Kai Diekmanns Mailbox exklusiv:</p>
<p><iframe width="540" height="396" src="http://www.youtube.com/embed/5AZEg31risk" frameborder="0" allowfullscreen></iframe></p>
 <p><a href="http://www.coffeeandtv.de/?flattrss_redirect&amp;id=6482&amp;md5=3cfe0a666f8e6829d94dad1d66550264" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://www.coffeeandtv.de/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Man hat sich entschuldigt</title>
		<link>http://www.coffeeandtv.de/2011/11/25/man-hat-sich-entschuldigt/</link>
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		<pubDate>Fri, 25 Nov 2011 12:10:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Lukas Heinser</dc:creator>
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		<description><![CDATA[In unserer beliebten Reihe &#8220;Öfter mal &#8216;man&#8217; sagen&#8221; heute zu Gast: Karl-Theodor zu Guttenberg, Ex-Verteidigungsminister und Ex-Doktor. In dem ohnehin hochgradig verstörenden Gespräch, das &#8220;Zeit&#8221;-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo mit Guttenberg geführt hat, ereignet sich unter anderem folgender Dialog: ZEIT: Welche Fragen sind es denn, die Ihnen die Wohlmeinenden stellen? Guttenberg: Es ist vor allem die [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>In unserer beliebten <a href="http://www.coffeeandtv.de/2011/07/13/man-wird-sprachlos/">Reihe</a> &#8220;Öfter mal &#8216;man&#8217; sagen&#8221; heute zu Gast: Karl-Theodor zu Guttenberg, Ex-Verteidigungsminister und Ex-Doktor.</p>
<p>In dem ohnehin hochgradig <a href="http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,799706,00.html">verstörenden</a> Gespräch, das &#8220;Zeit&#8221;-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo mit Guttenberg geführt hat, ereignet sich unter anderem folgender Dialog:</p>
<blockquote><p><strong>ZEIT:</strong> Welche Fragen sind es denn, die Ihnen die Wohlmeinenden stellen?</p>
<p><strong>Guttenberg:</strong> Es ist vor allem die Frage, wie es bei jemandem, dessen politische Arbeit man sehr geschätzt hat, zu einer so unglaublichen Dummheit wie dieser Doktorarbeit kommen konnte. Und ich hatte noch nicht die Möglichkeit, diese Fragen in aller Offenheit zu beantworten.</p>
<p><strong>ZEIT:</strong> Was können Sie denn jetzt in aller Offenheit sagen?</p>
<p><strong>Guttenberg:</strong> Es steht völlig außer Frage, dass ich einen auch für mich selbst ungeheuerlichen Fehler begangen habe, den ich auch von Herzen bedauere. Das ist in dieser sehr hektischen Zeit damals auch ein Stück weit untergegangen. Ebenso, wie man sich damals bereits entschuldigt hat.</p></blockquote>
 <p><a href="http://www.coffeeandtv.de/?flattrss_redirect&amp;id=6445&amp;md5=5ac3c6847c45a35cb58d864def168423" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://www.coffeeandtv.de/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Städte, die das möchten</title>
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		<pubDate>Wed, 07 Sep 2011 23:11:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Lukas Heinser</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Damit war nicht zu rechnen gewesen, als wir Dirk Elbers zwischen Weißwein (er) und Sekt (ich) ansprachen. Doch der Düsseldorfer Oberbürgermeister antwortete auf meine Frage, ob seine Stadt Eurovision Song Contest, Marathon und eine riesige Industriemesse gleichzeitig locker wegstecken könne, mit einem Satz, der als Glaubensbekenntnis aller Stadtoberen in latent größenwahnsinnigen Kommunen (also quasi überall) [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Damit war nicht zu rechnen gewesen, als wir Dirk Elbers zwischen Weißwein (er) und Sekt (ich) <a href="http://duslog.tv/356/verheddert-am-roten-teppich/">ansprachen</a>. Doch der Düsseldorfer Oberbürgermeister antwortete auf meine Frage, ob seine Stadt Eurovision Song Contest, Marathon und eine riesige Industriemesse gleichzeitig locker wegstecken könne, mit einem Satz, der als Glaubensbekenntnis aller Stadtoberen in latent größenwahnsinnigen Kommunen (also quasi überall) gelten kann: &#8220;Das ist eine Stadt, die das möchte!&#8221;</p>
<p>Nun ist Düsseldorf, eine Stadt, die es sich nicht mal nehmen lässt, einen verdammten Skilanglauf-Weltcup in ihrer Innenstadt auszurichten, ein Extrembeispiel jener Städte, die so gerne eine Metropole wären, aber eben doch nur rein verwaltungsrechtlich eine Großstadt sind &#8212; aber beileibe kein Einzelfall.</p>
<p>Zwischen April und Oktober gibt es quasi kein einziges Wochenende, an dem nicht mindestens ein, zwei Buslinien in der Bochumer Innenstadt umgelegt werden müssen, weil die eine oder andere Hauptstraße (oder gleich mehrere davon) gesperrt ist. Da ist natürlich Bochum Total (&#8220;Europas größtes innerstädtisches Musikfestival&#8221;), aber auch der &#8220;Sparkassen-Giro&#8221; (ein Radrennen), der &#8220;Bochumer Musiksommer&#8221; (auch eine Art Musikfestival, aber mehr mit Weinbuden und angegrauten Lehrer-Ehepaaren als Zielgruppe), &#8220;Bochum kulinarisch&#8221; (keine Musik, noch mehr Weinbuden und Lehrer) und am vergangenen Wochenende erstmalig der &#8220;Rewirpower-Halbmarathon&#8221; (ein Halbmarathon). Hinzu kommen Veranstaltungen wie &#8220;Die Nordsee kommt &#8211; Das Weltnaturerbe Wattenmeer zu Gast in Bochum&#8221;, das &#8220;Kuhhirtenfest&#8221;, das Unifest, mehrere Flohmärkte, ein Fischmarkt, sowie diverse &#8220;Events&#8221; in und um die innerstädtischen Einkaufszentren. Wer keinen Schrebergarten hat, kann eigentlich jedes Wochenende irgendwo hingehen, bevor dann im November endlich der Weihnachtsmarkt eröffnet. Und das alles gibt es in jeder Nachbarstadt hier im Ruhrgebiet selbstverständlich noch einmal.</p>
<p>Verantwortlich sind natürlich viele unterschiedliche Veranstalter. Oft ist das Stadtmarketing dabei, aber nicht immer. Es gibt viele unterschiedliche Zielgruppen und für sich genommen mag jede Veranstaltung ihre Berechtigung und ihren Charme haben. In der Summe gleicht es einer Fünfjährigen, die sich Muttis Schmuck umgehangen hat (und zwar den ganzen) und deren Gesicht unter einer zentimeterdicken Schminkschicht verschwunden ist.<sup><a href="http://www.coffeeandtv.de/2011/09/08/stadte-die-das-mochten/#footnote_0_6296" id="identifier_0_6296" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Au&szlig;erdem kann die kleine nicht richtig gehen, weil sie in &uuml;bergro&szlig;en Pumps steckt.">1</a></sup></p>
<p>Was uns zum vorläufigen Tiefpunkt bringt, der erreicht war, als &#8220;City Point&#8221; und &#8220;Drehscheibe&#8221; (die zuvor erwähnten innerstädtischen Einkaufszentren) kürzlich die &#8220;Living Doll 2011&#8243; zu küren suchten. Da standen vor den einzelnen Geschäften Menschen, die Produkte aus den jeweiligen Läden trugen und sich nicht bewegen durften. Dazwischen standen andere Menschen,<sup><a href="http://www.coffeeandtv.de/2011/09/08/stadte-die-das-mochten/#footnote_1_6296" id="identifier_1_6296" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Oder waren es die gleichen? Ich hatte mich abwenden m&uuml;ssen.">2</a></sup> die Karaoke sangen. &#8220;Nur ein Wort&#8221; von Wir Sind Helden, zum Beispiel. Alles, aber auch wirklich alles muss schief gegangen sein, damit so etwas passiert.</p>
<p>Nun ist es natürlich nicht so, dass echte Metropolen völlig auf solcherlei Veranstaltungen verzichten würden. In New York ist an jedem Wochenende vermutlich mehr los, als in ganz NRW in einem halben Jahr. Aber die Stadt ist natürlich bedeutend größer, so dass nicht ständig die gleichen Straßen gesperrt werden müssen, und außerdem gibt es dort Touristen.</p>
<p>Andererseits hat der Veranstaltungswahn zumindest in Bochum den (politisch sicher so gewollten) Vorteil, dass man sich an den Wochenenden eher für das oft unansehnliche Ganze schämt, anstatt ständig für die eigene Stadtspitze. Immerhin hatte es unsere Oberbürgermeisterin für nötig gehalten, sich nach einer durchaus hitzigen öffentlichen Debatte darüber, ob Josef Ackermann im Bochumer Schauspielhaus reden soll (of all places), bei Herrn Dr. Ackermann persönlich &#8220;für die unwürdige Diskussion&#8221; zu <a href="http://www.bochum.de/C125708500379A31/CurrentBaseLink/W28KKHRZ316BOLDDE">entschuldigen</a>.<sup><a href="http://www.coffeeandtv.de/2011/09/08/stadte-die-das-mochten/#footnote_2_6296" id="identifier_2_6296" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Nicht etwa f&uuml;r die Art der Diskussion, die nat&uuml;rlich als &amp;#8220;weitgehend unsachliche Kritik, aber auch die &uuml;berzogene Berichterstattung in Teilen der Lokalpresse&amp;#8221; gegei&szlig;elt wurde, sondern gleich f&uuml;r die ganze verdammte Diskussion an sich! Wer schreibt dieser Frau ihre Briefe und Presseerkl&auml;rungen?!">3</a></sup></p>
<p>Jetzt aber ab heute und bis Sonntag &#8220;Bochumer Musiksommer&#8221; und die nächste ganz große Peinlichkeit: Am Sonntag wird das Programm auf allen Bühnen von 14.46 Uhr bis 15.03 Uhr unterbrochen. Warum so krumm? Nun, in dieser Zeit läuten in der ganzen Stadt die Glocken zum Gedenken an die Opfer der Anschläge vom 11. September.<sup><a href="http://www.coffeeandtv.de/2011/09/08/stadte-die-das-mochten/#footnote_3_6296" id="identifier_3_6296" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Warum man daf&uuml;r den Zeitraum zwischen dem Einschlag des ersten und des zweiten Flugzeugs ins World Trade Center gew&auml;hlt hat, die Abst&uuml;rze ins Pentagon und in Shanksville und den Einsturz der T&uuml;rme aber au&szlig;en vorl&auml;sst, wei&szlig; vermutlich vor allem der Wind.">4</a></sup> 17 Minuten Betroffenheit bei Bratwurst und Aperol Spritz, dann geht&#8217;s weiter mit Musik.<img src="http://vg01.met.vgwort.de/na/9eb68ba4bae34df1aaddbcaab5d8ee51" width="1" height="1" alt=""></p>
<ol class="footnotes"><li id="footnote_0_6296" class="footnote">Außerdem kann die kleine nicht richtig gehen, weil sie in übergroßen Pumps steckt.</li><li id="footnote_1_6296" class="footnote">Oder waren es die gleichen? Ich hatte mich abwenden müssen.</li><li id="footnote_2_6296" class="footnote">Nicht etwa für die Art der Diskussion, die natürlich als &#8220;weitgehend unsachliche Kritik, aber auch die überzogene Berichterstattung in Teilen der Lokalpresse&#8221; gegeißelt wurde, sondern gleich für die ganze verdammte Diskussion an sich! Wer schreibt dieser Frau ihre Briefe und Presseerklärungen?!</li><li id="footnote_3_6296" class="footnote">Warum man dafür den Zeitraum zwischen dem Einschlag des ersten und des zweiten Flugzeugs ins World Trade Center gewählt hat, die Abstürze ins Pentagon und in Shanksville und den Einsturz der Türme aber außen vorlässt, weiß vermutlich vor allem der Wind.</li></ol> <p><a href="http://www.coffeeandtv.de/?flattrss_redirect&amp;id=6296&amp;md5=a42ea56040e39062232437d3a3c88243" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://www.coffeeandtv.de/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Die Bonner Republik</title>
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		<pubDate>Sun, 07 Aug 2011 23:11:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Lukas Heinser</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Das Land meiner Kindheit existiert nicht mehr. Es ist nicht einfach untergegangen wie die DDR, in der ein paar meiner Freunde ihre ersten Lebensjahre verbracht haben, aber es ist auch nicht mehr da. Früher, als in den Radionachrichten noch die Ortsmarken vorgelesen wurden, gab es dieses Wort, das mehr als ein Wort oder ein Städtename [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Das Land meiner Kindheit existiert nicht mehr. Es ist nicht einfach untergegangen wie die DDR, in der ein paar meiner Freunde ihre ersten Lebensjahre verbracht haben, aber es ist auch nicht mehr da.</p>
<p>Früher, als in den Radionachrichten noch die Ortsmarken vorgelesen wurden, gab es dieses Wort, das mehr als ein Wort oder ein Städtename war: &#8220;Bonn.&#8221; Damals braucht man in den Nachrichten noch keine Soundtrenner zwischen den einzelnen Meldungen, denn es gab dieses Wort, das wie ein Trenner klang, wie der Schlag mit einem Richterhammer. Bonn.</p>
<p>Bonn war die Hauptstadt des Landes, in dem ich lebte, und die Stadt, in der meine Oma damals lebte. Ich glaube nicht, dass ich das eine mit dem anderen jemals in einen Zusammenhang gebracht habe, aber das Land, in dem ich lebte, wurde von alten, grauen Männern in karierten Sakkos regiert und ihre Entscheidungen wurden von gleichermaßen alten, gleichermaßen grauen Männern in gleichermaßen karierten Sakkos verlesen.</p>
<p>Wahrscheinlich wusste ich damals noch nicht, was &#8220;regieren&#8221; bedeutet und welche Funktion die letztgenannten Männer hatten (außer, dass man als Kind still sein musste, wenn sie zur Abendbrotzeit über den Fernseher meiner Großeltern flimmerten), aber es gab einen dicken Mann mit lustigem Sprachfehler, der immer da war und das war &#8211; neben Thomas Gottschalk &#8211; der König von Deutschland.</p>
<p>Die Auswirkungen, die die Existenz <a href="http://www.coffeeandtv.de/2007/08/02/stopf-den-tisch-oder-ich-butter-dir-die-bremen/">Helmut Kohls</a> auf ganze Geburtenjahrgänge hatte, sind meines Wissens bis heute nicht untersucht worden. Aber auch Leute, die in den ersten acht bis sechzehn Jahren ihres Lebens keinen anderen Bundeskanzler kennengelernt haben, sind heute erfolgreiche Musiker, Fußballer, Schauspieler oder Autoren, insofern kann es nicht gar so verheerend gewesen sein.</p>
<p>Es passte fast drehbuchmäßig gut zusammen, dass Kohls Regentschaft endete, kurz bevor das endete, was er geprägt hatte wie nur wenige andere alte Männer: die Bonner Republik. Gerhard Schröder wurde Kanzler und plötzlich wirkte die ganze gemütliche Bonner Bungalow-Atmosphäre angestaubt. Schröder zog nach einem halben Jahr in einen grotesken Protzbau, den Helmut Kohl sich noch ausgesucht hatte, der aber magischerweise von der Architektur viel besser zu Schröder passte. Bei Angela Merkel hat man häufig das Gefühl, sie säße lieber wieder in einem holzvertäfelten Bonner Büro.</p>
<p>Die Berliner Republik währte nur drei Sommer. Das hatte ausgereicht für ein bisschen <a href="http://www.coffeeandtv.de/2007/10/31/dont-party-like-its-1999/">Dekadenz und Fin de Siècle</a>, für einen Kanzler mit Zigarren und Maßanzügen, einen schwulen Regierenden Bürgermeister in Berlin und die vollständige Demontage von Helmut Kohl und weiten Teilen der CDU. In ganz Europa herrschte Aufbruchstimmung: Unter dem Eindruck von New Labour war <a href="http://www.guardian.co.uk/world/interactive/2011/jul/28/europe-politics-interactive-map-left-right">ganz Europa</a> in die Hände der sogenannten Linken und Sozialisten gefallen, die Sonne schien, alles war gut und nichts tat weh.</p>
<p>Dann kamen der 20. Juli und der 11. September 2001.</p>
<p>Bitte? Sie wissen nicht, was am 20. Juli 2001 passierte? An jenem Tag starb <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Carlo_Giuliani">Carlo Giuliani</a> auf den Straßen Genuas. Der 20. Juli hätte der <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Benno_Ohnesorg">2. Juni</a> unserer Generation werden können, Giuliani war schon wenige Wochen später als Posterboy der aufkommenden Anti-Globalisierungs-Bewegung auf der Titelseite des &#8220;jetzt&#8221;-Magazins. Doch 53 Tage später flogen entführte Passagierflugzeuge ins World Trade Center und Giuliani geriet derart in Vergessenheit, dass ich zu seinem 10. Todestag keinerlei Berichterstattung beobachten konnte. In Berlin tagte nun das Sicherheitskabinett, das aber auch in Bonn hätte tagen können, irgendwo in der Nähe des atomsicheren Bunkers im Ahrtal.</p>
<p>Das, was die CDU-Parteispendenaffäre von Helmut Kohl übrig gelassen hatte, wird gerade zerlegt &#8212; so zumindest die Meinung <a href="http://www.freitag.de/wochenthema/1128-wir-hatten-ein-idol">verschiedener</a> <a href="http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-79408584.html">Journalisten</a>. Zwei Biographien, eine über Hannelore Kohl, eine Auto- von Walter Kohl, enthüllen, was niemand für möglich gehalten hätte: Die ganze schöne Fassade der Familie Kohl war nur &#8230; äh &#8230; Fassade.<sup><a href="http://www.coffeeandtv.de/2011/08/08/die-bonner-republik/#footnote_0_6232" id="identifier_0_6232" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Und wie sehr das Privatleben von Politikern ihr Verm&auml;chtnis tr&uuml;ben k&ouml;nnen, sieht man ja etwa an John F. Kennedy und Willy Brandt.">1</a></sup></p>
<p>Die Familienfotos der Kohls weisen eine erstaunliche, aber kaum überraschende Deckungsgleichheit mit den Kindheitsfotos meiner Eltern (und mutmaßlich Millionen anderer Familienfotos) auf: Jungs in kurzen Hosen, die Familie am Frühstückstisch, auf dem ein rot-weiß kariertes Tischtuch ruht.<sup><a href="http://www.coffeeandtv.de/2011/08/08/die-bonner-republik/#footnote_1_6232" id="identifier_1_6232" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Es gab damals &amp;#8211; was nur die Wenigsten wissen &amp;#8211; ein Tischdecken-Monopol in Deutschland: Alle wurden in der Fabrik eines gesch&auml;ftst&uuml;chtigen, aber latent wahnsinnigen Fans des 1. FC K&ouml;ln produziert. Bitte zitieren Sie mich dazu nicht.">2</a></sup> Das alles in einer heute leicht ins Bräunliche changierenden Optik und obwohl die Anzahl von Gartenzwergen objektiv betrachtet auf den meisten Bildern bei Null liegt, hat man doch, sobald man nicht mehr hinschaut, das Gefühl, mindestens einen Gartenzwerg erblickt zu haben.<sup><a href="http://www.coffeeandtv.de/2011/08/08/die-bonner-republik/#footnote_2_6232" id="identifier_2_6232" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Nat&uuml;rlich ganz ordentliche Gartenzwerge und nicht so ein pfiffiges neumodisches Exemplar mit Messer im R&uuml;cken oder entbl&ouml;&szlig;tem Genital.">3</a></sup> Meine Kindheitsfotos sahen schon ein bisschen anders aus, verfolgten aber noch das gleiche Konzept. Auf heutigen Kinderfotos sieht man Dreijährige im St.-Pauli-Trikot auf Surfbrettern stehen, Gartenzwerge werden allenfalls von ihnen durch die Gegend getreten.</p>
<p>Die Gemütlichkeit der Bonner Republik ist verschwunden, obwohl ihre Bevölkerung immer noch da ist. Regelmäßig entsorgt man die Kataloge von Billigmöbelhäusern, die Schrankwände Versailler Ausmaße und Pathologie-erprobte <a href="http://kompetenzcenter.dirknet.net/?page_id=380">Fliesentische</a> anbieten, und regelmäßig fragt man sich, wer außer den Ausstattern von Privatfernseh-Nachmittagsreportagen so etwas kauft. Dann klingelt man mal beim Nachbarn, weil die Regenrinne leckt, und schon kennt man wenigstens einen Menschen, der so was kauft. In Deutschland gibt es 40,3 Millionen Haushalte und Ikea kann nicht überall sein. Ein Blick auf die <a href="http://www.bildblog.de/32476/die-perversion-des-rechtsstaats/">Leserbriefseite</a> der &#8220;Bild&#8221;-Zeitung oder in die Kommentarspalten von Online-Medien beweist, dass auch die Aufklärung noch nicht überall sein kann.</p>
<p>Eigentlich hat sich wenig geändert (oder alles, dann aber mehrfach), aber Deutschland wird heute &#8230; Entschuldigung, ich wollte gerade &#8220;Deutschland wird heute von Berlin aus regiert&#8221; schreiben, was völliger Unfug gewesen wäre, weil Deutschland nachweislich nicht regiert wird. Die deutsche Hauptstadt ist also heute Berlin, eine Stadt, die eigentlich gar nicht zum Rest Deutschlands passt: Eine Metropole, von der vor allem Ausländer schwärmen, sie sei <i>der</i> Ort, an dem man jetzt sein müsse. Ganze Landstriche in Schwaben und Ostwestfalen liegen verlassen da, weil ihre Kinder das Glück in der großen Stadt suchen. Von Bonn wurde solches nie berichtet.</p>
<p>Am Samstag war ich nach rund zwanzig Jahren mal wieder in Bonn. Der erste Taxifahrer, zu dem ich mich in Auto setzte, konnte nicht lesen und schreiben, was die Bedienung seines Navigationsgeräts schwierig machte. Der zweite musste seinen Kollegen fragen, wo die gesuchte Straße liegen könnte. Ich wollte in eine Neubausiedlung, erstaunlich, dass es das in Bonn gibt. Ich saß auf dem Beifahrersitz in der freudigen Erwartung eines Deutschlandbildes voller Bungalows und Gartenzwerge, aber Bonn sah eigentlich aus wie überall. Für einen Moment fühlte ich mich sehr zuhause.<img src="http://vg01.met.vgwort.de/na/50ca7eeb29fa48f6a5c88762c005c021" width="1" height="1" alt=""></p>
<ol class="footnotes"><li id="footnote_0_6232" class="footnote">Und wie sehr das Privatleben von Politikern ihr Vermächtnis trüben können, sieht man ja etwa an John F. Kennedy und Willy Brandt.</li><li id="footnote_1_6232" class="footnote">Es gab damals &#8211; was nur die Wenigsten wissen &#8211; ein Tischdecken-Monopol in Deutschland: Alle wurden in der Fabrik eines geschäftstüchtigen, aber latent wahnsinnigen Fans des 1. FC Köln produziert. Bitte zitieren Sie mich dazu nicht.</li><li id="footnote_2_6232" class="footnote">Natürlich ganz ordentliche Gartenzwerge und nicht so ein pfiffiges neumodisches Exemplar mit Messer im Rücken oder entblößtem Genital.</li></ol> <p><a href="http://www.coffeeandtv.de/?flattrss_redirect&amp;id=6232&amp;md5=03485326c316fe64328cce6e3b6b35cb" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://www.coffeeandtv.de/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Am längeren Hebel der Empörungsmaschine</title>
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		<pubDate>Wed, 03 Aug 2011 13:05:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Lukas Heinser</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Gestern schrieb Christoph Schwennicke einen Kommentar über die unterschiedlichen Reaktionen auf die Anschläge in Norwegen ebenda und in Deutschland. Gegen den deutschen Politiker, so Schwennicke, sei der pawlowsche Hund ein &#8220;vernunftbegabtes Wesen, das den Mut aufbringt, sich seines Verstandes zu bedienen&#8221;. Er fragte: Warum muss Politik in Deutschland so sein? Warum muss jeder und jede [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Gestern schrieb Christoph Schwennicke einen Kommentar über die unterschiedlichen Reaktionen auf die Anschläge in Norwegen ebenda und in Deutschland. Gegen den deutschen Politiker, so Schwennicke, sei der pawlowsche Hund ein &#8220;vernunftbegabtes Wesen, das den Mut aufbringt, sich seines Verstandes zu bedienen&#8221;.</p>
<p>Er <a href="http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,777728,00.html">fragte</a>:</p>
<blockquote><p>Warum muss Politik in Deutschland so sein? Warum muss jeder und jede jede Gelegenheit nutzen, das zu sagen, was er oder sie immer schon gesagt hat? Warum kann nicht einfach mal Ruhe sein?</p></blockquote>
<p>Schwennickes Kommentar hatte &#8220;Spiegel Online&#8221; einen Vorspann vorangestellt, in dem es hieß:</p>
<blockquote><p>Norwegen hat besonnen und ohne vorschnelle Schuldzuweisungen auf die Attentate reagiert. In Berlin lief dagegen sofort die Empörungsmaschine an: Gesetze verschärfen, Neonazis verbieten. Kann in der deutschen Politik nicht einfach mal Ruhe sein?</p></blockquote>
<p>Elf Stunden später stellte sich heraus: Auch bei &#8220;Spiegel Online&#8221; haben sie so eine Empörungsmaschine &#8212; und Christoph Schwennicke hat offensichtlich Zugang zu ihr.</p>
<p>Weil Heiner Geißler bei der Vorstellung des sogenannten Stresstests zum &#8220;Stuttgart 21&#8243;-Plan die versammelten Befürworter und Gegner des Projekts gefragt hatte, ob sie den totalen Krieg wollten, und sich hinterher partout nicht für dieses Goebbels-Zitat (das natürlich nicht als solches gekennzeichnet war) entschuldigen wollte, <a href="http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,778020,00.html">empört</a> sich Schwennicke:</p>
<blockquote><p>Er sollte jetzt, besser in den kommenden Minuten oder Stunden als erst in den nächsten Tagen, zur Räson kommen und sagen: Ich habe einen Fehler gemacht, und dann habe ich einen noch viel größeren Fehler begangen, als ich den ersten Fehler hanebüchen rechtfertigen wollte.</p>
<p>Das fällt schwer. Aber das muss jetzt sein. Sonst gab es einmal einen großen Politiker Heiner Geißler. </p></blockquote>
<p>Im Vorspann ist diesmal von &#8220;grauenhaften Worten&#8221; die Rede &#8212; als ob die verdammten Worte (oder gar ihre Buchstaben) etwas für die Irren könnten, die sich ihrer bedienen. (Aber das haben wir ja schon mal <a href="http://www.coffeeandtv.de/2009/01/16/seinen-oder-nicht-seinen/">besprochen</a>.)</p>
<p>Was es zur Empörungsmaschine in Sachen Geißler-Goebbels zu sagen gibt, hat Volker Strübing <a href="http://volkerstruebing.wordpress.com/2011/08/03/er-hat-jehova-gesagt/">zusammengefasst</a>.</p>
<p><small>[via Peter B. und Sebastian F.]</small></p>
<p><b>Nachtrag, 21.10 Uhr:</b> BILDblog-Leser Juan L. weist darauf hin, dass Schwennickes Geißler-Kommentar ursprünglich den folgenden Satz enthielt:</p>
<blockquote><p>Man hört sich die Audio-Datei wieder und wieder an und fragt sich, wie ein Mann von der politischen und der Lebenserfahrung eines Heiner Geißler derart Amok laufen kann.</p></blockquote>
<p>Nach Kommentaren im <a href="http://forum.spiegel.de/showpost.php?p=8420586&#038;postcount=53">Forum</a> wurde der Satz dann sang- und klanglos geändert in:</p>
<blockquote><p>Man hört sich die Audio-Datei wieder und wieder an und fragt sich, wie sich ein Mann von der politischen Erfahrung und der Lebenserfahrung eines Heiner Geißler eine derartige Entgleisung leisten kann.</p></blockquote>
<p>Herr Schwennicke scheint sich für seine grauenhaften Worte nirgendwo entschuldigt zu haben.</p>
 <p><a href="http://www.coffeeandtv.de/?flattrss_redirect&amp;id=6196&amp;md5=a02aad88d89d2cfa4d19ae7e7aeb7908" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://www.coffeeandtv.de/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Oh Gott, Herr Doktor</title>
		<link>http://www.coffeeandtv.de/2011/06/25/oh-gott-herr-doktor/</link>
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		<pubDate>Sat, 25 Jun 2011 18:12:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Lukas Heinser</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Da hätte ja auch keiner mit rechnen können, dass das Thema &#8220;Promotionsverfahren an deutschen Hochschulen&#8221; noch mal außerhalb der Hochschulrektorenkonferenz gesellschaftlich und medial ventiliert wird. Aber die Fälle, in denen deutsche Politiker ihre Doktorgrade wegen ausgiebigen Plagiats nachträglich wieder aberkannt bekommen, treten in den letzten Monaten derart vermehrt auf, dass man durchaus von einer Häufung [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Da hätte ja auch keiner mit rechnen können, dass das Thema &#8220;Promotionsverfahren an deutschen Hochschulen&#8221; noch mal außerhalb der Hochschulrektorenkonferenz gesellschaftlich und medial ventiliert wird. Aber die Fälle, in denen deutsche Politiker ihre Doktorgrade wegen ausgiebigen Plagiats nachträglich wieder aberkannt bekommen, treten in den letzten Monaten derart vermehrt auf, dass man durchaus von einer Häufung oder einem Trend sprechen könnte.</p>
<p>Zuletzt hat es Silvana Koch-Mehrin erwischt, die Vorzeigefrau der FDP. Die Politikerin reagierte darauf mit dem durchaus humorvollen Einfall, ihren geplanten Wechsel als Vollmitglied in den Ausschuss für Industrie, Forschung (!) und Energie des Europäischen Parlaments knallhart <a href="http://www.zeit.de/politik/deutschland/2011-06/koch-mehrin-forschungsausschuss">durchzuziehen</a>. Sie ersetzt dort ihren Parteikollegen Jorgo Chatzimarkakis, dessen Doktorarbeit derzeit ebenfalls &#8211; ich wünschte mir wirklich, ich würde mir das nur ausdenken &#8211; von der zuständigen Universität wegen Plagiatsverdachts <a href="http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/chatzimarkakis-am-plagiats-pranger-/4302488.html">überprüft</a> wird. (Wenn Sie Ihrem Unmut über Frau Koch-Mehrins neue Aufgabe Ausdruck verleihen wollen, empfehle ich Ihnen die Zeichnung <a href="http://www.gopetition.com/petitions/resignation-of-silvana-koch-mehrin-from-the-european-pa.html">dieser</a> kleinen Online-Petition.)*</p>
<p><img src="http://www.coffeeandtv.de/wp-content/uploads/2011/06/hzo.jpg" title="Graffito am Hörsaalzentrum Ost der Ruhr-Uni Bochum"></p>
<p>Längst ist offensichtlich, was im Frühjahr eher verhalten <a href="http://www.coffeeandtv.de/2011/02/21/menschenraub/">geäußert</a> wurde: Etwas ist faul im Staate Deutschland.<sup><a href="http://www.coffeeandtv.de/2011/06/25/oh-gott-herr-doktor/#footnote_0_6109" id="identifier_0_6109" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Verballhornung des Ausspruchs &amp;#8220;Etwas ist faul im Staate D&auml;nemark&amp;#8221; (&amp;#8220;Something is rotten in the state of Denmark&amp;#8221;) aus William Shakespeares Drama &amp;#8220;Hamlet&amp;#8221; (Marcellus, Akt 1, Szene 4).">1</a></sup> Die deutsche Bildungsministerin Annette Schavan reagierte auf die Situation, indem sie von den Universitäten &#8220;Selbstkritik&#8221; <a href="http://www.google.com/hostednews/afp/article/ALeqM5hzr4a5OvcjD3600-6R0CzFO_dZVg?docId=TX-PAR-QUU90">forderte</a>, was nun auch nicht unbedingt zu den zweihundert naheliegendsten Gedanken gezählt hätte. Dabei ist es ja gerade der desaströsen Hochschulpolitik der vergangenen tausend Jahre<sup><a href="http://www.coffeeandtv.de/2011/06/25/oh-gott-herr-doktor/#footnote_1_6109" id="identifier_1_6109" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Anspielung auf den Slogan &amp;#8220;Unter den Talaren: Muff von tausend Jahren&amp;#8221; der Studentenproteste in den sp&auml;ten 1960er Jahren.">2</a></sup> zu verdanken, dass an den Unis die Absolventen und Doktoren gleichsam am Fließband produziert werden: Jeder zusätzliche von ihnen sorgt für mehr Punkte in den unsäglichen &#8220;Hochschul-Rankings&#8221; und für mehr Drittmittel.</p>
<p>Kathrin Spoerr hat das hausgemachte Dilemma in ihrem <a href="http://www.welt.de/print/welt_kompakt/debatte/article13441078/Gross-D-und-klein-r.html">Leitartikel</a> in &#8220;Welt kompakt&#8221; gut zusammengefasst:</p>
<blockquote><p>Das Problem ist aber nicht, dass zu viele promovieren, sondern, dass die deutschen Universitäten von der Politik im Unklaren gelassen werden über ihren künftigen Sinn. Formelhaft wird an &#8220;Forschung und Lehre&#8221; festgehalten, tatsächlich aber kommen immer weniger Professoren neben ihren vielen Pflichten rund ums Lehren dazu, forschen zu können. Sie halten Vorlesungen und Prüfungen, verschwenden in überflüssigen Gremien Arbeits- und Lebenszeit, und ein immer größer werdender Teil ihrer Energie muss in Stellungnahmen zu Studentenklagen investiert werden, die mit ihren Noten unzufrieden waren. Zeit und vor allem Ruhe für Forschung bleibt wenig.</p></blockquote>
<p>Dabei, so Spoerr, beweise die Bereitschaft von Professoren, &#8220;auch Menschen zu promovieren, die nicht Wissenschaftler werden wollen&#8221;, &#8220;deutlich mehr Gespür für die Gesellschaft und ihre Anforderungen als die scheinheiligen Mahnungen von Schavan&#8221;. Womit wir beim eigentlichen Kern des <strike>Pudels</strike><sup><a href="http://www.coffeeandtv.de/2011/06/25/oh-gott-herr-doktor/#footnote_2_6109" id="identifier_2_6109" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Wohlfeiler Verweis auf den Ausruf &amp;#8220;Das also war des Pudels Kern!&amp;#8221; in Johann Wolfgang Goethes Trag&ouml;die &amp;#8220;Faust&amp;#8221; (Faust, Studierzimmerszene, Zeile 1323).">3</a></sup> Problems wären: Der Doktortitel ist eigentlich ein akademischer Grad und kein Ornat für Visitenkarten und Messingschilder.</p>
<p>Direkt zu Beginn meines Studiums gaben sich meine Dozenten größte Mühe, den Ball flach zu halten: Professoren wollten unter keinen Umständen mit &#8220;Herr Professor&#8221; angesprochen oder angeschrieben werden und Doktoren stellten klar, dass ihr Titel nun einmal Teil ihrer Arbeit und eine Sprosse auf der akademischen (wohlgemerkt!) Karriereleiter sei. Ein Dozent sagte, er verwende seinen Doktortitel eigentlich nur, wenn ihm Ärzte oder Sprechstundenhilfen blöd kämen &#8212; mit einem Doktor (weiß ja keiner, welcher Profession) würden die dann gleich ganz anders sprechen.</p>
<p>Das war eine völlig neue Weltsicht für mich. Ich war es eher gewohnt, dass mein Großvater (an dem in Sachen Titelhuberei mindestens ein Österreicher verloren gegangen ist) selbst enge Freunde in deren Abwesenheit als &#8220;Professor&#8221; bezeichnet und Geburtstagseinladungen an die Familie seines Schwiegersohns an &#8220;Familie Dr. med.&#8221; adressiert.<sup><a href="http://www.coffeeandtv.de/2011/06/25/oh-gott-herr-doktor/#footnote_3_6109" id="identifier_3_6109" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Wobei dieses Verhalten nicht auf schn&ouml;de Doktoren- und Professorentitel beschr&auml;nkt ist: es gibt ja auch noch Diplom-Ingenieure, Stadtbaur&auml;te und Markscheider. Nur ich warte bisher vergeblich auf Post an Lukas Heinser, B.A. &amp;#8212; was aber irgendwie auch ganz beruhigend ist.">4</a></sup> In meiner Heimatstadt liefen Menschen rum, die sich ihren frisch erworbenen Doktortitel nachträglich mit der eigenen Schreibmaschine auf ihren Leihausweis der Stadtbibliothek setzten.</p>
<p>An diesem Punkt setzt der Gastbeitrag an, den Fritz Strack, Professor für Sozialpsychologie an der Universität Würzburg, für <a href="http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,770186,00.html">&#8220;Spiegel Online&#8221;</a> geschrieben hat. Strack (für meinen Opa: &#8220;Professor Strack&#8221;) beginnt bei der in Deutschland üblichen, bei Licht betrachtet eher exotischen Tradition, den Doktortitel im Personalausweis zu vermerken.</p>
<blockquote><p>Durch die wiederholte Verknüpfung von Namen und Grad wird die Anrede &#8220;Herr oder Frau Doktor&#8221; als Höflichkeitsgebot obligatorisch, die dann demjenigen allmählich das Gefühl gibt, der Doktor sei doch Teil des eigenen Namens. Die Verwendung für den persönlichen Gebrauch auf Türschildern, Briefköpfen und beim Einträgen ins Telefonbuch werden zur Selbstverständlichkeit. </p></blockquote>
<p>Damit werde der Doktorgrad zu &#8220;einer Art Adelstitel&#8221;, mit dessen Hilfe das gesellschaftliche Prestige &#8220;aus eigener Kraft erworben und für den persönlichen und beruflichen Vorteil genutzt werden&#8221; könne.</p>
<blockquote><p>Warum wohl wollten sonst so viele Leute promovieren? Es sind eben nicht nur Nachwuchswissenschaftler, die eine berufliche Tätigkeit in Forschung und Lehre anstreben. Viele sind einfach scharf auf das zusätzliche Geld und die Karrierechancen, die die Titelfunktion des faktischen Namenszusatzes mit sich bringen. Vor allem für den Aufstieg in Führungspositionen in Wirtschaft oder Politik ist ein sichtbarer Doktorgrad von unschätzbarem Vorteil.</p></blockquote>
<p>Das unterscheidet diese Menschen von meinen bescheidenen Literaturwissenschaftlern an der Uni: Für sie ist der Doktorgrad ein Mittel zum Zweck, der ihnen Instant-Ansehen bringen soll. Dabei sollte die Doktorarbeit eigentlich Berufung und Hauptaufgabe im akademischen Alltag sein und nichts, was man über Jahre neben seiner &#8220;Berufs- und Abgeordnetentätigkeit als junger Familienvater in mühevollster Kleinarbeit&#8221; (Ex-Doktor Karl-Theodor zu Guttenberg) zum eigenen Schmucke vorantreibt. Überspitzt gesagt ist die Doktorarbeit etwas, was einen am Hungertuch nagen lässt und einem außer Erkenntnisgewinn und Respekt in der Wissenschaftsgemeinde nichts einbringen sollte &#8212; zumindest keinen beschleunigten Aufstieg in Politik und Wirtschaft.</p>
<p>Strack leitet aus seinem Essay zwei Kernforderungen ab: Eine Änderung des deutschen Personalausweisgesetzes und eine Reformation der Promotionsregeln für Mediziner. Ich finde, das klingt nach einem guten Anfang.</p>
<p>In den Medien ist der Anteil der Doktoren übrigens eher überschaubar, weswegen man sich mit einem anderen Prestige-Generator zu behelfen versucht: Hier ist fast jeder Träger irgendeines <a href="http://www.mediummagazin.de/jdj2010/07-kategorien-sport-unterhaltung/">Medienpreises</a>.</p>
<p>*) <b>Nachtrag, 26. Juni:</b> Frau Koch-Mehrin <a href="http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,770584,00.html">verzichtet</a> auf ihren Sitz im Ausschuss für Industrie, Forschung und Energie.<img src="http://vg01.met.vgwort.de/na/39f68c7fd82f4a8a97aaa1d2b9039c8d" width="1" height="1" alt=""></p>
<ol class="footnotes"><li id="footnote_0_6109" class="footnote">Verballhornung des Ausspruchs &#8220;Etwas ist faul im Staate Dänemark&#8221; (&#8220;Something is rotten in the state of Denmark&#8221;) aus William Shakespeares Drama &#8220;Hamlet&#8221; (Marcellus, Akt 1, Szene 4).</li><li id="footnote_1_6109" class="footnote">Anspielung auf den Slogan &#8220;Unter den Talaren: Muff von tausend Jahren&#8221; der Studentenproteste in den späten 1960er Jahren.</li><li id="footnote_2_6109" class="footnote">Wohlfeiler Verweis auf den Ausruf &#8220;Das also war des Pudels Kern!&#8221; in Johann Wolfgang Goethes Tragödie &#8220;Faust&#8221; (Faust, Studierzimmerszene, Zeile 1323).</li><li id="footnote_3_6109" class="footnote">Wobei dieses Verhalten nicht auf schnöde Doktoren- und Professorentitel beschränkt ist: es gibt ja auch noch Diplom-Ingenieure, Stadtbauräte und Markscheider. Nur ich warte bisher vergeblich auf Post an Lukas Heinser, B.A. &#8212; was aber irgendwie auch ganz beruhigend ist.</li></ol> <p><a href="http://www.coffeeandtv.de/?flattrss_redirect&amp;id=6109&amp;md5=8fa2e1a874e8ee5b7c1b02ac7ed4ceea" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://www.coffeeandtv.de/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Der Ölprinz</title>
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		<pubDate>Fri, 04 Mar 2011 12:38:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Lukas Heinser</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Am Ende sind sie alle geschockt. Auf den Fernsehschirmen ist Adolf Hitler zu sehen, der &#8220;Führer&#8221; ihrer Organisation. &#8220;Ja, ja, Ihr wärt alle gute Nazis gewesen&#8221;, sagt ihr Lehrer Ben Ross1 und die Schüler in der vollbesetzten Aula schweigen betreten. Steht &#8220;Die Welle&#8221; von Morton Rhue eigentlich immer noch auf dem Lehrplan von Englischkursen? Nazi-Vergleiche [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Am Ende sind sie alle geschockt. Auf den Fernsehschirmen ist Adolf Hitler zu sehen, der &#8220;Führer&#8221; ihrer Organisation. &#8220;Ja, ja, Ihr wärt alle gute Nazis gewesen&#8221;, sagt ihr Lehrer Ben Ross<sup><a href="http://www.coffeeandtv.de/2011/03/04/der-olprinz/#footnote_0_5938" id="identifier_0_5938" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Morton Rhue: Die Welle. Ravensburg, 2011 (11984), S. 176.">1</a></sup> und die Schüler in der vollbesetzten Aula schweigen betreten. Steht &#8220;Die Welle&#8221; von Morton Rhue eigentlich immer noch auf dem Lehrplan von Englischkursen?</p>
<p><a href="http://www.coffeeandtv.de/2008/02/02/nazi-selber/">Nazi-Vergleiche</a> verbieten sich eigentlich als Stilmittel in der sachlichen Auseinandersetzung. Und dennoch fällt es schwer, angesichts von Hunderttausenden, meist jungen Menschen, die sich bei Facebook <a href="http://www.facebook.com/#!/ProGuttenberg">&#8220;Gegen die Jagd auf Karl-Theodor zu Guttenberg&#8221;</a> aussprechen oder <a href="http://www.facebook.com/#!/pages/Wir-wollen-Guttenberg-zur%C3%BCck/136786223053705">&#8220;Wir wollen Guttenberg zurück&#8221;</a> fordern, nicht von einer &#8220;Guttenbergjugend&#8221; zu sprechen.</p>
<p>Es ist schwer zu sagen, woher ausgerechnet bei einer eher als unpolitisch gescholtenen Jugend plötzlich diese Begeisterung für einen einzelnen Minister herkommt &#8212; noch dazu für einen von der CSU, die sonst nicht unbedingt einen übermäßigen Zuspruch junger Wähler erfährt. Ist es wirklich &#8220;eine ganz natürliche Neigung der Menschen, nach einem Führer Ausschau zu halten, nach irgendjemandem, der alle Entscheidungen&#8221; trifft,<sup><a href="http://www.coffeeandtv.de/2011/03/04/der-olprinz/#footnote_1_5938" id="identifier_1_5938" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="ebd, S. 174.">2</a></sup> oder fällt das Licht einer Massenhysterie hier eher zufällig auf einen Politiker?</p>
<p>Chuck Klosterman hat einmal geschrieben,<sup><a href="http://www.coffeeandtv.de/2011/03/04/der-olprinz/#footnote_2_5938" id="identifier_2_5938" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Chuck Klosterman: Sex, Drugs and Cocoa Puffs. New York, 2004, S. 202.">3</a></sup> dass man wahrscheinlich alle Menschen außerhalb seines engsten Freundeskreises mit einem einzigen Satz beschreiben könne. In Wahrheit reicht vermutlich ein einziges Wort oder Gefühl aus: Der Typ, der auf dem Schulhof immer alleine rumstand? &#8220;Nerd&#8221;. Die Kellnerin aus dem Café um die Ecke? &#8220;Niedlich&#8221;. Stefan Effenberg? &#8220;Trottel&#8221;.</p>
<p>Wer das politische Tagesgeschäft nicht mal mindestens verfolgt, aber an Titelbildern wie <a href="http://www.stefan-niggemeier.de/blog/ein-stern-der-seinen-namen-traegt/">&#8220;Der coole Baron&#8221;</a>, <a href="http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-74549705.html">&#8220;Die fabelhaften Guttenbergs&#8221;</a> oder <a href="http://www.bildblog.de/26282/wir-sind-meinungsfreiheit/">&#8220;Wir finden die GUTT!&#8221;</a> vorübergeht, speichert den charismatischen Franken natürlich schnell unter &#8220;cool&#8221; ab, so wie ich als Kind Helmut Kohl unter &#8220;dick und mit Sprachfehler&#8221; abgespeichert hatte. Wenn Guttenbergs Karriere nicht ein jähes vorläufiges Endes gefunden hätte, wäre er bis zur Bundestagswahl 2013 sicher noch auf dem Cover des deutschen &#8220;Rolling Stone&#8221; (Herausgeber: <a href="http://www.coffeeandtv.de/2011/02/21/most-people-are-djs/">Ulf Poschardt</a>) und der &#8220;Bravo&#8221; aufgetaucht.</p>
<p>Im Prinzip ist Guttenberg für die jungen Leute also nichts anderes als Justin Bieber, Miley Cyrus oder Katy Perry &#8212; und genau auf diesem Level verteidigen die Fans ihr Idol auch. Doch während Diskussionen über musikalische Geschmäcker müßig sind (ich fand &#8220;Baby&#8221; von Justin Bieber zum Beispiel gar nicht schlecht), folgen politische Diskussionen für gewöhnlich gewissen argumentativen Regeln. (Dieser Satz ist eine Arbeitshypothese, die bei jeder Bundestagsdebatte und jeder Polit-Talkshow widerlegt wird, aber anders kommen wir hier nie aus dem Quark.)</p>
<p>Wie soll man jetzt jemandem begegnen, der &#8220;DIE sind doch nur neidisch!&#8221; für ein zwingendes Argument hält, einen Betrüger im Amt zu halten &#8212; noch dazu, wenn dieses &#8220;Argument&#8221; auch von führenden Unionspolitikern vorgebracht wird? Was soll man jemandem entgegnen, der wahrscheinlich nicht einmal die Hälfte der Bundesminister namentlich benennen könnte, aber im Brustton der Überzeugung verkündet: &#8220;Er war einfach der beste minister von allen!!&#8221;? Und wie erklärt man Menschen, die noch nie eine Universität von innen gesehen haben oder &#8211; viel schlimmer! &#8211; ein hektisches <a href="http://www.coffeeandtv.de/2010/04/22/die-%e2%80%baeichmannisierung%e2%80%b9-der-akademiker/">Bachelor/Master-Studium</a> zum Zwecke der schnellen Berufsqualifikation durchlaufen haben, wie erklärt man denen, was <a href="http://www.coffeeandtv.de/2011/02/21/menschenraub/">wissenschaftliche Ehre</a> und Bildungsgedanken sind?</p>
<p>Insofern kann man der Anruferin, die sich in einer zehnminütigen Diskussion mit dem Radio-Fritz-Moderator Holger Klein wiederfand (von der sie vermutlich anschließend annahm, aus ihr als Siegerin hervorgegangen zu sein), sicher attestieren: &#8220;Du bist Deutschland!&#8221;</p>
<p><iframe title="YouTube video player" width="540" height="435" src="http://www.youtube.com/embed/0LXGYMfG7bQ" frameborder="0" allowfullscreen></iframe></p>
<p>Der Fall Guttenberg war außerhalb des politischen Berlins auch eine Auseinandersetzung zwischen zwei Lagern: Auf der einen Seite die bürgerliche Presse und die entsetzten Akademiker, die den Ruf des Bildungsstandortes Deutschland in akuter Gefahr sahen, auf der anderen Seite <a href="http://www.bildblog.de/tag/bild-und-die-guttenbergs/">&#8220;Bild&#8221;</a> und das einfache Volk. Oder, vom Volk abgegrenzt, wie Herder sagen würde: &#8220;der Pöbel auf den Gassen, der singt und dichtet niemals, sondern schreyt und verstümmelt.&#8221;<sup><a href="http://www.coffeeandtv.de/2011/03/04/der-olprinz/#footnote_3_5938" id="identifier_3_5938" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Johann Gottfried Herder: &amp;#8220;Volkslieder. Nebst untermischten andern St&uuml;cken, Zweiter Teil&amp;#8221; [1779], in: Werke, herausgegeben von Ulrich Gaier. Frankfurt am Main, 1990, S. 239.">4</a></sup> </p>
<p>Karl-Theodor zu Guttenberg hat viel falsch gemacht, aber Fans, die so etwas womöglich ernst meinen könnten, hat auch er nicht verdient:</p>
<blockquote><p>Guttenberg ist der PERFEKTE Mensch! Sein selbstkritisches Auftreten, seine uneingeschränkte Ehrlichkeit sowie seine reichhaltige Kompetenz sind unübertroffen. Guttenberg ist der ERLÖSER!!! Er muss WELTHERRSCHER werden, dann würde es durch seine MENSCHLICHKEIT endlich WELTFRIEDEN geben!</p></blockquote>
<p>Es sind halt Fans und Fans handeln &#8211; das weiß jeder, der schon einmal im Fußballstadion oder auf einem Rockkonzert war &#8211; nicht immer rational. Entweder, sie bleiben ihren Helden bis zur Selbstverleugnung <a href="http://www.plattentests.de/rezi.php?show=8237">treu</a>, oder sie sind irgendwann so enttäuscht, dass sie sich gegen ihr Idol stellen.</p>
<p>Ich bin mir sicher, viele der Guttenberg-Fans fanden vor zwei, drei Jahren auch Barack Obama gut &#8212; einfach, weil er cool und anders war. Dabei wäre es doch irgendwie beruhigend zu wissen, dass die Menschen den heutigen US-Präsidenten in erster Linie verehren, weil sie seine Meinung teilen und seine Versuche bewundern, seiner Linie trotz allem treu zu bleiben. Dass er dabei unbestreitbar <a href="http://www.youtube.com/watch?v=daH0ltD20A0">cool</a> und einzigartig ist, kann ja dann gerne einer der weiteren Gründe für seine Beliebtheit sein.</p>
<p>Guttenberg ist dabei gar nicht der erste deutsche Nachkriegs-Politiker, der die Massen zu mobilisieren wusste: 1972 machten junge Leute, die noch lange nicht selbst wählen durften, unter dem Slogan &#8220;Willy wählen!&#8221; Wahlkampf für Willy Brandt. Nur: Diese Leute unterstützten Brandt wegen seiner politischen Ansichten, wegen seiner Ostpolitik, ohne die Helmut Kohl nie zum &#8220;Kanzler der Einheit&#8221; hätte werden können. Bei Guttenberg konnten nicht einmal aufmerksame Beobachter sagen, wofür er stand und was seine Linie war. Es war ja auch fast jeden Tag eine andere: Bei einer staatlichen Rettung von Opel mit Rücktritt drohen, dann doch im Amt bleiben; den Luftschlag von Kundus &#8220;angemessen&#8221; nennen, dann &#8220;unangemessen&#8221;; in Sachen Gorch Fock keine schnellen Urteile fällen wollen, dann spontan (und im Beisein der &#8220;Bild&#8221;-Zeitung) den Kommandanten feuern. Und immer waren die Anderen schuld. Wer das ernsthaft als &#8220;gute Arbeit&#8221; bezeichnet, den möchte ich nicht meine Heizung reparieren lassen &#8212; er könnte ja schon nächste Woche mit den montagebereiten Nachtspeicheröfen vor der Tür stehen.</p>
<p>Wenn Kai Diekmann jetzt vom &#8220;grauen Mittelmaß&#8221; der Politiker <a href="http://www.bild.de/BILD/news/standards/kommentar/2011/03/02/kommentar-von-kai-diekmann.html">schreibt</a>, die nun wieder das politische Berlin beherrschten, und Nikolaus Blome die &#8220;politische Hygiene&#8221; <a href="http://www.bild.de/BILD/politik/2011/03/01/guttenberg-ruecktritt-kommentar/der-fall-eines-polit-stars.html">beklagt</a>, möchte ich ihnen entgegen rufen: Meinetwegen können die Politiker so grau sein, wie sie wollen, sie sollen ihre verdammte Arbeit ordentlich machen und sich anständig verhalten! Politik ist nicht Teil des Showgeschäfts, auch wenn das seit dem Umzug der Bundesregierung nach Berlin immer mal wieder gern vergessen wird.</p>
<p>&#8220;Aber das Volk liebt ihn doch!&#8221;, wenden Diekmann und Blome dann unisono ein. Der Vorwurf, die Politik höre nicht auf das, was die Bevölkerung wolle, lenkt davon ab, dass selbst &#8220;Bild&#8221; es nicht geschafft hat, Guttenberg im Amt zu halten, und damit weiter an Einfluss verloren hat. Stattdessen beklagen ihre Redakteure die weiter fortschreitende &#8220;Politikverdrossenheit&#8221;, die Journalisten seit 20 Jahren zu erkennen glauben. Dabei wäre es die verdammte Aufgabe von Journalisten, den Bürgern die Zusammenhänge zwischen der graue Politik und ihrem Leben aufzuzeigen und kritisch, aber nicht pauschal verurteilend, zu begleiten, was &#8220;die da oben&#8221; eigentlich den ganzen Tag so machen. Die Aufgabe der Presse ist es jedenfalls nicht, Politglamour-Paare hochzuschreiben!</p>
<p>Warum sich das deutsche Volk (oder genauer: große Teile dessen) offenbar mehr als 90 Jahre nach Abschaffung des Adels in Deutschland ausgerechnet einen &#8220;Freiherrn&#8221; ins Kanzleramt wünscht, lässt sich eigentlich nur damit erklären, dass die Deutschen zu oft beim Arzt und/oder Friseur sind und ob der Lektüre der dort ausliegenden Magazine eine gewisse Sehnsucht nach Blaublütern verspüren. Das ist irritierend, denn bisher haben wir im Geschichts- und Politikunterricht gelernt, dass die Massen <i>gegen</i> die Klassen kämpfen würden.</p>
<p>Eigentlich ist es den Leuten aber eh egal, zu wem sie aufschauen, so lange sie zu jemandem aufschauen können: Zu <a href="http://www.novo-argumente.com/magazin.php/novo_notizen/artikel/der_verteidigungsminister_der_herzen/">Lady Di</a>, zum Papst oder eben zu &#8220;KT&#8221; und seiner Stephanie. Die Guttenbergs boten die ölige Projektionsfläche für alle, die niemals König oder Königin von Deutschland werden würden: Ausgestattet mit einem ordentlichen Stammbaum, in einer Bilderbuchehe verheiratet, mit einem Privatvermögen im Rücken, dessentwegen man gar nicht arbeiten <i>müsste</i>. Die Idylle lockte wie ein alter Heimatfilm.</p>
<p>Guttenberg war die personifizierte Umkehr der Zeiten, als die Populärkultur politisch wurde: im Politbetrieb war er &#8220;Pop&#8221;, was der Kulturwissenschaftler Thomas Hecken als &#8220;Kürzel für mal glatte und oberflächliche, mal durchschlagende und intensive Reize&#8221; beschreibt.<sup><a href="http://www.coffeeandtv.de/2011/03/04/der-olprinz/#footnote_4_5938" id="identifier_4_5938" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Thomas Hecken: Popul&auml;re Kultur. Bochum, 2006, S. 32.">5</a></sup></p>
<p>Ab einem bestimmten Punkt wird jede Bewegung zum Selbstläufer; die Masse findet gut, was beliebt und erfolgreich ist. So lässt sich der plötzliche unfassbare Charterfolg einer 17 Jahre alten <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Israel_Kamakawiwo%27ole#Over_the_Rainbow.2FWhat_a_Wonderful_World">Coverversion</a> eines heute mehr als 70 Jahre alten Songs erklären, aber auch der schier unglaubliche Zulauf, den die Pro-Guttenberg-Seiten bei Facebook erfahren. Ich wüsste gerne, wie viele der Guttenberg-Jünger gleichzeitig auch Fans von Unheilig sind.</p>
<p>Nach dem selben Prinzip funktioniert dann auch die Argumentation: Die Leute plappern nach, was sie anderswo (also: bei Gleichgesinnten) schon gehört und nicht verstanden haben. Aber haltlose Behauptungen werden nicht wahrer, wenn sie hundertfach wiederholt werden &#8212; und das gilt für beide Seiten, wie die <a href="http://www.bildblog.de/28427/das-khan-doch-nicht-wahr-sein/">peinliche Geschichte</a> mit dem angeblichen &#8220;Star Trek&#8221;-Zitat in Guttenbergs Rücktrittsrede beweist.</p>
<p>Dass man Verfehlungen nicht gegeneinander aufwiegt, lernt man normalerweise im Kindergarten. Offenbar wächst sich das mit der Zeit aber wieder raus:</p>
<blockquote><p>Für mich ist des ne Lapalie!!! Andere sind immernoch im Amt und treiben viel schlimmer Sachen ich sage nur Berlusconi!!!! Dass das nicht ok ist mit dem Doktortitel ist klar aber des hatte nichts mit seiner Arbeit als Politiker zu tun!!!</p></blockquote>
<p>Wenn nun also ernsthaft junge Menschen, die durchaus Abitur haben und studieren, fragen: &#8220;Was hat die gefälschte Doktorarbeit denn mit den politischen Fähigkeiten der Person zu tun?&#8221;, muss man erst mal kurz durchatmen und die Blutdruckhemmer einwerfen, bevor man in leicht verständlichen Worten zu erklären versucht, dass man persönlich für seinen Teil Menschen, die als Betrüger entlarvt seien, jetzt eher ungern in politischen Ämtern sähe. Das mit &#8220;Vorbildfunktion&#8221; und &#8220;Bildungsrepublik&#8221; lässt man lieber direkt weg.</p>
<p>Dann heißt es: &#8220;Wer ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein&#8221;,<sup><a href="http://www.coffeeandtv.de/2011/03/04/der-olprinz/#footnote_5_5938" id="identifier_5_5938" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Johannes, 8.7 in: Die Bibel.">6</a></sup> in dezenter Verkennung des Umstandes, dass Jesus das damals ziemlich konkret gemeint hat: Die Pharisäer wollten die Ehebrecherin nämlich <a href="http://www.bibel-online.net/text/luther_1912/johannes/8/">steinigen.</a> Nähme man die Geschichte aber als universellen Rechtsgrundsatz, wäre die Besetzung von Richterbänken und Staatsanwaltsposten eine unlösbare Aufgabe.</p>
<p>Ohne Sünde ist niemand (außer die Mutter Gottes in der Katholischen Kirche), aber bestimmte Sünden sorgen einfach dafür, dass man für bestimmte &#8211; oder gar alle &#8211; Ämter ungeeignet ist. (Die Ausnahme stellt auch hier wieder die CDU/CSU dar, wo man auch noch geschmeidig <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Otto_Wiesheu">Verkehrsminister</a> werden kann, nachdem man unter Alkoholeinfluss einen tödlichen Verkehrsunfall verschuldet hat, oder <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Wolfgang_Schäuble">Finanzminister</a>, wenn man sich nicht daran erinnern kann, einmal 100.000 DM in bar entgegengenommen zu haben.) Und dass &#8220;alle anderen Politiker auch Dreck am Stecken&#8221; haben sollen, entpuppt sich spätestens dann als windschiefe Verteidigung, wenn der eigene Partner zu einem sagt: &#8220;Aber alle anderen gehen doch auch fremd, Schatz!&#8221;</p>
<p>Wenn irgendwelche Jungspunde bei Facebook jetzt also &#8220;Guttenberg for Reichskaiser&#8221; fordern, können wir nur von Glück sprechen, dass Karl-Theodor zu Guttenberg zweifelsohne ein überzeugter Demokrat ist, und die Demagogen, die Deutschland in den letzten 65 Jahren hervorgebracht hat, allesamt unansehnlich oder rhetorisch überfordert waren &#8212; oder in den meisten Fällen gleich beides. Doch wehe, wenn jemand auftauchen sollte, der Pop-Appeal verströmt und nebenbei Volksverhetzung betreibt!</p>
<p>Eines noch zum Schluss: Die Frage &#8220;Gibt es denn nichts Wichtigeres auf der Welt?&#8221; ist das dümmste aller dummen Null-Argumente. Denn es gibt ja auch &#8220;Wichtigeres als Steuerhinterziehung, Fahren im angetrunkenen Zustand, das Heraustelefonieren von Lustmädchen aus Untersuchungsgefängnissen durch Ministerpräsidenten, Vulgarität und was nicht noch alles&#8221;, wie es Jürgen Kaube in der &#8220;F.A.Z.&#8221; <a href="http://www.faz.net/s/Rub117C535CDF414415BB243B181B8B60AE/Doc~EFD4E1E1A128C4A388760CEE978C4A7A1~ATpl~Ecommon~Scontent.html">formuliert</a> hat.<sup><a href="http://www.coffeeandtv.de/2011/03/04/der-olprinz/#footnote_6_5938" id="identifier_6_5938" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="J&uuml;rgen Kaube: &amp;#8220;Vgl. auch Guttenberg 2009&amp;#8243;, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 22. Februar 2011, S. 27.">7</a></sup> Die Antwort lautet also in nahezu jedem Kontext: &#8220;Doch, natürlich gibt es Wichtigeres.&#8221; Ginge es danach, müsste uns alles egal sein, was nicht direkt zur Schaffung des Weltfriedens beiträgt. Ich schlage vor, dass wir mit dem Ignorieren der Anzahl von Facebook-Fans anfangen.<img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/91432a04829141f38b3eb02ac74e16d7" width="1" height="1" alt=""></p>
<ol class="footnotes"><li id="footnote_0_5938" class="footnote">Morton Rhue: <i>Die Welle</i>. Ravensburg, 2011 (<sup><small>1</small></sup>1984), S. 176.</li><li id="footnote_1_5938" class="footnote">ebd, S. 174.</li><li id="footnote_2_5938" class="footnote">Chuck Klosterman: <em>Sex, Drugs and Cocoa Puffs</em>. New York, 2004, S. 202.</li><li id="footnote_3_5938" class="footnote">Johann Gottfried Herder: &#8220;Volkslieder. Nebst untermischten andern Stücken, Zweiter Teil&#8221; [1779], in: <i>Werke</i>, herausgegeben von Ulrich Gaier. Frankfurt am Main, 1990, S. 239.</li><li id="footnote_4_5938" class="footnote">Thomas Hecken: <i>Populäre Kultur</i>. Bochum, 2006, S. 32.</li><li id="footnote_5_5938" class="footnote">Johannes, 8.7 in: <i>Die Bibel</i>.</li><li id="footnote_6_5938" class="footnote">Jürgen Kaube: &#8220;Vgl. auch Guttenberg 2009&#8243;, in: <i>Frankfurter Allgemeine Zeitung</i> vom 22. Februar 2011, S. 27.</li></ol> <p><a href="http://www.coffeeandtv.de/?flattrss_redirect&amp;id=5938&amp;md5=860c6cc344466765a0397918608606a0" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://www.coffeeandtv.de/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Von der Außenwelt abgeschnitten</title>
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		<pubDate>Thu, 24 Feb 2011 19:14:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Lukas Heinser</dc:creator>
				<category><![CDATA[Digital Ist Besser]]></category>
		<category><![CDATA[Political Science]]></category>
		<category><![CDATA[behind the scenes]]></category>
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		<category><![CDATA[bundesministerium für verteidigung]]></category>
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		<category><![CDATA[pressesprecher]]></category>

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		<description><![CDATA[Zugegeben: In der Pressestelle des Bundesverteidigungsministeriums möchte man dieser Tage auch nicht arbeiten. Heute stand der Start der Bundeswehrreform auf dem Programm, in den letzten Tagen gab es die eine oder andere unschöne Meldung über die wissenschaftliche Reputation des Ministers und dann berichtete die &#8220;Financial Times Deutschland&#8221; auch noch, dass die Bundeswehr eine &#8220;große Werbekampagne&#8221; [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Zugegeben: In der Pressestelle des Bundesverteidigungsministeriums möchte man dieser Tage auch nicht arbeiten.</p>
<p>Heute stand der Start der Bundeswehrreform auf dem Programm, in den letzten Tagen gab es die eine oder andere unschöne Meldung über die wissenschaftliche Reputation des Ministers und dann berichtete die <a href="http://www.ftd.de/politik/international/:aussetzung-der-wehrpflicht-bundeswehr-plant-werbekampagne-bei-bild/60016285.html">&#8220;Financial Times Deutschland&#8221;</a> auch noch, dass die Bundeswehr eine &#8220;große Werbekampagne&#8221; bei &#8220;Bild&#8221;, &#8220;Bild am Sonntag&#8221; und Bild.de schalten wolle.</p>
<p>Wegen dieser &#8220;FTD&#8221;-Meldung hatte ich einige BILDblog-Fragen an das Ministerium. Aus der Erfahrung weiß ich, dass ich bei Versuchen, den richtigen Ansprechpartner zu treffen, <em>immer</em> zunächst den falschen anrufe und es auch <em>nie</em> möglich ist, mich zu verbinden.</p>
<p>Doch so weit kam ich heute nicht. Als ich die <a href="http://www.bmvg.de/portal/a/bmvg/!ut/p/c4/04_SB8K8xLLM9MSSzPy8xBz9CP3I5EyrpHK9pNyydL2CotTi4lQoVQykkjNSi_QLsh0VAUcBIts!/">Liste der Pressesprecher</a> durchklickte, bot sich mir folgendes Bild:</p>
<p><img src="http://www.coffeeandtv.de/wp-content/uploads/2011/02/bmvg1.jpg" title='Screenshot: bmvg.de'></p>
<p><img src="http://www.coffeeandtv.de/wp-content/uploads/2011/02/bmvg2.jpg" title='Screenshot: bmvg.de'></p>
<p><img src="http://www.coffeeandtv.de/wp-content/uploads/2011/02/bmvg3.jpg" title='Screenshot: bmvg.de'></p>
<p>Weil ich gerne den Wald vor lauter Bäumen nicht sehe, fragte ich Freunde und Kollegen, ob sie die Kontaktdaten der Sprecher irgendwo sähen. Nein, taten sie nicht.</p>
<p>Die Seiten mit den Ansprechpartnern sind alle auf dem Stand vom heutigen 24. Februar 2011. Im <a href="http://webcache.googleusercontent.com/search?q=cache:Os987cd_39oJ:www.bmvg.de/portal/a/bmvg/kcxml/04_Sj9SPykssy0xPLMnMz0vM0Y_QjzKLd4k3cQsESUGY5vqRMDFfj_zcVP2g1Dx9b_0A_YLciHJHR0VFAFwAQBQ!/delta/base64xml/L0lKWWttUSEhL3dITUFDc0FFVUFOby80SUVhREFBIS9kZQ!!%3Fyw_contentURL%3D%252FC1256F1200608B1B%252FN264WRFF331MMISDE%252Fcontent.jsp.html">Google-Cache</a> finden sich noch die Versionen von letzter Woche und die sahen beispielsweise so aus:</p>
<p><img src="http://www.coffeeandtv.de/wp-content/uploads/2011/02/bmvg4.jpg" title='Screenshot: Google Cache'></p>
<p>Die Übersichtsseite, auf der <a href="http://webcache.googleusercontent.com/search?q=cache:1bLK7iCGzoUJ:www.bmvg.de/portal/a/bmvg/kcxml/04_Sj9SPykssy0xPLMnMz0vM0Y_QjzKLd4k3cQsCSUGY5vqRMLGglFR9X4_83FT9gODUnNTkkoDE9FR9b_2C3IhyR0dFRQA4Hi1e/delta/base64xml/L2dJQSEvUUt3QS80SVVFLzZfRF80SDc!">sonst</a> immer die &#8220;Zentrale Servicenummer für Presseanfragen und Medienvertreter nach Dienst und am Wochenende&#8221; angegeben war, wurde offenbar schon am Dienstag überarbeitet.</p>
<p>Alt:<br />
<img src="http://www.coffeeandtv.de/wp-content/uploads/2011/02/bmvg6.jpg" title='Screenshot: Google Cache'></p>
<p>Neu:<br />
<img src="http://www.coffeeandtv.de/wp-content/uploads/2011/02/bmvg5.jpg" title='Screenshot: bmvg.de'></p>
<p>Ich habe jetzt mal nicht beim Ministerium nachgefragt, was das zu bedeuten hat.</p>
 <p><a href="http://www.coffeeandtv.de/?flattrss_redirect&amp;id=5909&amp;md5=f866d88be04ceacfb035c4ee374def30" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://www.coffeeandtv.de/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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