Beitrags-Archiv für die Kategorie 'Digital Ist Besser'

It’s My Lifestyle

Von Lukas Heinser am Freitag, 27. Januar 2012 18:56
Kategorie: Digital Ist Besser

Als Blogger erhält man erfahrungsgemäß viel unaufgeforderte Post. Manchmal tatsächlich per Post, meistens per E-Mail.

Häufig werden wir hier von Firmen angeschrieben, die irgendwas mit Kaffee machen oder verkaufen wollen — passt ja zum Namen. Beim BILDblog sind wir inzwischen im Verteiler von mindestens drei Promoagenturen aus dem Musikbereich, was angesichts der inhaltlichen Ausrichtung dort auch eher gewagt ist.

Gestern nun bekam ich wieder eine solche Spam-Mail an die Coffee-And-TV-Adresse:

Hallo Lukas,

bei meiner Suche nach tollen Blogs bin ich auf Deinen Blog “Coffee and TV” aufmerksam geworden und mir gefallen Deine Lifestyle & TV Bilder sehr.

Das fand ich alleine schon steil genug — immerhin sind wir hier graphisch ungefähr so abwechslungsreich wie die Titelseite der “FAZ” vor ihrem Relaunch.

Aber die E-Mail war so ähnlich auch an meine BILDblog-Adresse gegangen:

Hallo Lukas,

bei meiner Suche nach tollen Blogs bin ich auf Deinen Blog “Bildblog” aufmerksam geworden und mir gefallen Deine News & Lifestyle Bilder sehr.

Zur Erinnerung: Hier eines unserer aktuellen “News & Lifestyle Bilder”:

Something That I Didn’t Want To Know

Von Lukas Heinser am Samstag, 7. Januar 2012 19:35
Kategorie: Digital Ist Besser, Rock'n'Roll High School

Das Internet sorgt mit seiner ständigen Verfügbarkeit von unterschiedlichsten Musiken bekanntlich für eine immer stärkere Individualisierung des Musikgeschmacks. Der Einfluss der großen Plattenfirmen geht zurück, jeder hört nur noch das, was ihm gefällt und was er irgendwo entdeckt hat. So weit die Theorie.

Wenn sich die Menschen im Internet aber mal auf einen gemeinsamen Song einigen können, dann richtig: Seit Wochen posten meine Facebook-Kontakte jedweden Alters, Musikgeschmacks und jedweder sexueller Orientierung immer wieder ein Musikvideo. Gefühlt müssen alle aktuell 255 Freunde den Clip mindestens zwei Mal “geteilt” haben.

Da ich nicht jedes Video anschaue und jeden Song anhöre, den irgendjemand bei Facebook gepostet hat, ging der Song anfangs an mir vorbei. Gehört hab ich ihn tatsächlich das erste Mal im Radio, als alle anderen schon mitsingen konnten, auch wenn ich Song und Video-Posts erst anschließend in Verbindung zueinander setzen konnte:

Ich mag “Somebody That I Used To Know” von Gotye nicht besonders.1 Den Refrain finde ich sehr anstrengend und der echte Peter Gabriel hätte das schöner hinbekommen. Aber ich will nicht ausschließen, dass meine Ablehnung nicht allein auf dem Song selbst beruht, sondern auch auf dem merkwürdigen Hype, der ihn begleitet.

Ich habe nämlich festgestellt, dass, wenn nur genug Menschen in einem kurzen Zeitraum ein Video, einen Artikel oder ähnliches, das ich noch nicht kenne, auf Facebook geteilt haben, ich kein Interesse mehr daran habe, es überhaupt kennenzulernen. Es ist quasi ein innerer Backlash, der eigentlich ein Prelash ist. Ich nenne es: das “Videogames”-Paradox.

Denn auch Lana Del Reys Debütsingle hat einen derartigen Marsch durch alle Institutionen hinter sich, dass mich Nachfolgesingles und Album gar nicht mehr interessieren — dabei mochte ich den Song anfangs sogar.

Ich kann gar nicht erklären, warum sich manche Lieder so schnell “abnutzen”, andere schon vor dem Hören nerven und wieder andere mit jedem Mal besser werden. “We Found Love” von Rihanna und Calvin Harris liebe ich zum Beispiel umso mehr, je öfter ich es höre (und ich fand’s von Anfang an spitzenmäßig).

Bemerkenswert ist aber noch etwas: Auch wenn ich glaube, dass sich Hits nicht mit letzter Gewissheit planen lassen, wenn ich zugebe, dass “Somebody That I Used To Know” und “Videogames” beides sehr unwahrscheinliche Hits (Nummer-Eins-Hits in Deutschland gar) sind, und ich anerkenne, dass beide Songs in überraschendem Maße alle Altersgruppen und sozialen Schichten erreichen — beide erscheinen beim beinahe letzten existierenden Majorlabel Universal.

  1. Das Video habe ich gerade für diesen Artikel tatsächlich zum ersten Mal gesehen und ich mag es noch viel, viel weniger. Das sieht ja aus, als sei es von den ältlichen Hausfrauen gedreht worden, die sonst Steppdecken für die Wände von Pfarrgemeindehäusern und Arztpraxenwartezimmern quilten! []

Christian Wulff schockt Redakteure

Von Lukas Heinser am Samstag, 7. Januar 2012 17:48
Kategorie: Digital Ist Besser, Political Science

So langsam wird es wirklich eng für Christian Wulff. “Spiegel Online” kann heute mit einer weiteren Enthüllung aufwarten, die den Rückhalt des Bundespräsidenten weiter schmälern dürfte.

Für wie brisant die Redakteure die neueste Geschichte halten, zeigt schon ihre Platzierung: Auf der Startseite, direkt unter dem Aufmacher.

Wulffs Verhältnis zu den Medien: "Manchmal schock ich Redakteure". Der Bundespräsident hat ein schwieriges Verhältnis zu den Medien, nicht erst seit dem Anruf beim "Bild"-Chef. Schon als Ministerpräsident wetterte Christian Wulff gegen kritische Berichterstattung. Selbst bei einem Auftritt mit Kindern gab es Schelte vom damaligen Landesvater.

Meine Güte, der Mann schreckt aber auch vor nichts zurück:

Selbst bei einem Auftritt mit Kindern gab es Schelte vom damaligen Landesvater.

Das klingt, als habe der ehemalige Traum-Schwiegersohn Kinder vor den Augen von Journalisten verdroschen — und ist völliger Unsinn.

Zugetragen hatte sich bei der “Kinder-Pressekonferenz” der “Braunschweiger Zeitung” im Jahr 2008 laut “Spiegel Online” folgendes:

Er sagt zwar, er könne mit Kritik gut umgehen, aber nur, wenn er sie für berechtigt halte. “Wenn Kritik unberechtigt ist, bin ich genauso ärgerlich wie jeder, der sich kritisiert fühlt, das aber nicht einsehen will.” Und dann wendet er sich an sein Publikum, die fragestellenden Kinder, damit die verstehen, dass es beim Berufspolitiker Wulff und der Presse genauso ist wie bei ihnen, wenn sie von ihren Eltern einen Rüffel bekommen. Schließlich würden die Kinder auch schmollen und sich zurückziehen, wenn die Eltern meckern. “Insofern bin ich bei Kritik, wenn sie unberechtigt ist, manchmal sehr grimmig”, so Wulff.

Noch 20 Jahre später könne er sich an unliebsame Berichterstattung erinnern, prahlt Wulff, und erzählt dann, wie er Journalisten direkt angehe: “Manchmal schock’ ich Redakteure, die was geschrieben haben, und sage: Damals, ’81, linke Spalte, dritte Seite – und das nehmen die mir manchmal übel!” Denn Wulff weiß: “Wenn Journalisten mal kritisiert werden, dann kann ich euch sagen, dann ist was los.” Das könnten die Journalisten nämlich überhaupt nicht aushalten.

(Wenn Wulff “ich bin ärgerlich” sagt, meint er damit, dass er verärgert sei. So viel zum Gerücht, die Niedersachsen hätten keine merkwürdige Sprache.)

Die Behauptung, dass (einige) Journalisten keine Kritik vertrügen, ist – verglichen mit Wulffs strategischem Verhältnis zur Wahrheit und seinen bemerkenswerten Interpretation von Begriffen wie “marktüblich” – ein betoniertes Fakt. Nicht häufig, aber häufiger als nie, bekommen wir beim BILDblog E-Mails von Journalisten, denen wir Fehlern nachgewiesen oder deren Arbeit wir kritisiert haben, und nicht immer sind diese Zuschriften sachlich. In seltenen Fällen beschimpfen uns Chefredakteure in vielfarbigen Tiraden, weswegen ich ganz froh bin, dass ich nicht weiß, wie man die Mailbox an meinem Handy einschalten kann.

Dass Wulff vor Kindern damit kokettiert, wie nachtragend er angeblich sein könne, ist natürlich etwas besorgniserregend, aber es spricht doch für sich. Dass Wulff gegen kritische Berichterstattung “wetterte”, wie “Spiegel Online” im Vorspann vollmundig verspricht, lässt sich aus diesen Zitaten nicht einmal mit viel schlechtem Willen herauslesen.

Im Gegenteil: Wulff hat es sogar menscheln lassen.

“Wir Politiker werden ja ständig kritisiert”, sagt Wulff, “wir haben ein ganz dickes Fell.” Er wolle aber auch, dass Menschen mit dünnem Fell in der Politik sein können. Das jedoch sei schwierig, man lese ja jeden Tag was über sich in der Zeitung. “Das ist nicht alles nur positiv.”

Nun hat sich in den letzten Wochen der Eindruck aufgedrängt, dass Wulffs Fell in etwa so dick ist wie das eines Nacktmulls in der Mauser. Insofern kann der Rückblick auf diese harmlose Veranstaltung – natürlich begleitet von einem 37-sekündigen Video mit Werbung – durchaus lohnenswert sein.

Aber doch bitte nicht derart bemüht:

Doch selbst bei dieser harmlosen Veranstaltung, fast vier Jahre vor seinem umstrittenen Anruf beim “Bild”-Chefredakteur, zeigte Wulff, wie sehr ihm Journalisten auf die Nerven gehen – und wie nachtragend er bei kritischer Berichterstattung ist.

Im Übrigen schafft es der Artikel, Wulffs Image zumindest bei mir wieder ein bisschen aufzupolieren: Ein Mann, der angibt, Tapire und Manatis zu mögen, kann kein ganz schlechter Mensch sein.

Hut, Schweiß und Tränen

Von Lukas Heinser am Donnerstag, 22. Dezember 2011 19:49
Kategorie: Digital Ist Besser

Ich kann schlecht beurteilen, ob sie jetzt komplett verrückt geworden sind bei “Spiegel Online”, aber es wäre die naheliegendste (und ehrlich gesagt auch beruhigendste) Erklärung:

Gebot für Hemd: Scarlett Johansson schweiß, was sie will. Ein echter Entertainer macht selbst noch Ausdünstungen zu Geld: Hugh Jackman hat am Ende einer Show sein verschwitztes Unterhemd versteigert. Unter den Bietern war auch Scarlett Johansson - doch die hatte starke Konkurrenz.

Ja, ich weiß: Das tut sehr weh, wenn der Kopf nach der Lektüre der Überschrift auf die Tischplatte trifft. Und ich arbeite schon für zwei Blogs, die sich bei Überschriften für fast nichts zu schade sind.

Aber damit geht es erst los:

Er sang, unterstützt von einem 18-köpfigen Orchester. Er erzählte Anekdoten aus seinem Leben. Er grüßte seine Bekannten im Publikum. Und am Ende versteigerte er sein verschwitztes Unterhemd für einen guten Zweck: Hugh Jackman hat mit einer ungewöhnlichen Aktion Geld für wohltätige Zwecke gesammelt. 30.000 Dollar brachte der nasse Fetzen ein.

Gut, das rechtfertigt bisher weder Überschrift, noch Foto, aber macht mal weiter:

Der australische Schauspieler (“X-Men”) nutzte seine Show am Broadway für die ungewöhnliche Aktion. Mit dem letzten Gebot übertraf der glückliche Ersteigerer eine Berühmtheit: 30.000 Dollar waren zehnmal so viel, wie Scarlett Johansson für Jackmans Kleidungsstück geboten hatte. Am Ende des Abends soll die 27-Jährige laut einem Bericht der “New York Post” auf die Bühne gegangen und 3000 Dollar für das Unterhemd geboten haben.

Okay: Scarlett Johansson “schweiß”, was sie will, aber sie kriegt es trotzdem nicht. Traurige Geschichte, aber auch Hollywoodstars müssen hin und wieder Enttäuschungen hinnehmen.

Wer 30.000 Dollar dafür ausgab, Jackman wenigstens einmal indirekt hautnah zu sein, ist nicht bekannt.

Das macht die Geschichte jetzt auch nicht spannender, aber: pfffft.

Johansson dürfte ihre Auktionsniederlage verschmerzen. Laut “New York Post” machte die 27-Jährige zwar nicht bei der Versteigerung, dafür aber anderweitig eine gute Figur. Mit einem dicken Wollpullover, einem Hut und Brille habe die Schauspielerin sehr lässig ausgesehen, schrieb die Zeitung.

Gut, an dieser Stelle wäre es ausnahmsweise sogar mal sinnvoll, eine Bildergalerie einzusetzen, auf dass sich der geneigte Leser (wer auch immer das sein mag) selbst ein Bild von der Lässigkeit Johanssons machen kann. Schade, wenn es diese Fotos nicht gibt und auch die “New York Post” sich mit Schilderungen aus zweiter Hand begnügen muss:

(…) Johansson, who spies said looked stunning dressed down in a chunky sweater, woolly hat and glasses.

Überhaupt hat der Originalartikel etwa ein Drittel des Umfangs der Version von “Spiegel Online” und ist nur eine von vielen bunten Meldungen auf Seite 6, während “Spiegel Online” – Sie ahnten es bereits – als Top-Meldung des “Panorama”-Ressorts auf der Startseite verlinkt hat.

Trotzdem hat es die “New York Post” geschafft, in dieser Kürze noch eine wichtige Information unterzubringen, die “Spiegel Online” natürlich auch noch irgendwie wiederkäuen muss.

Und deshalb lautet der letzte Satz des Artikels:

Im Publikum war auch Johanssons Kollegin Uma Thurman (“Kill Bill”).

So viel Hitler war selten

Von Lukas Heinser am Donnerstag, 1. Dezember 2011 12:59
Kategorie: Digital Ist Besser, Living In A Magazine

Die Sensationsmeldung des Jahres entnehmen wir heute “RP Online”:

Hitler in bayerischer Höhle entdeckt

Dagegen verblasst selbst diese Schlagzeile auf der Titelseite der heutigen “Bild”:

Schweighöfer küsst Hitler

Tatsächlich verhält es sich dann aber doch ein bisschen anders:

Der Rabenfels bei Rennertshofen birgt seit rund 80 Jahren ein Geheimnis, das nur wenigen bekannt war. Wenn man weiß, dass der Berg einst den Zweitnamen “Hitlerfelsen” hatte, kann man erahnen, worum es geht. 1933 meißelte ein Anhänger Hitlers ein Porträt des Führers in den Stein – und das ist bis heute erhalten.

Fern jeder Selbsterkenntnis berichtet “RP Online”:

Anwohner fürchten jetzt, der Fels könne zu einer Wallfahrtsstätte der rechten Szene werden.

Und Matthias Schweighöfer? Der verkleidet sich in seinem neuen Film als Frau und hat dann eine Szene, in der er einen Schauspieler küsst, der Adolf Hitler darstellt.

Die Überschrift hab ich mir vom Kollegen und Hitler-Blogger Daniel Erk geborgt, dessen neues Buch “So viel Hitler war selten” heißt.

Absolut nicht aussagekräftig

Von Lukas Heinser am Montag, 28. November 2011 22:47
Kategorie: Digital Ist Besser, Social Distortion

Es ist ein erschütternde Nachricht, die “Spiegel Online” heute überbringt:

Nirgendwo in Deutschland werden mehr rechte Straftaten gezählt als in dem bevölkerungsreichen Nordrhein-Westfalen.

Und nicht nur das: Auch die meisten Verkehrsunfälle, Ehescheidungen und Sterbefälle werden im bevölkerungsreichen Nordrhein-Westfalen gezählt. (Aber auch die meisten Eheschließungen und Geburten.)

Tatsächlich bringt es erstaunlich wenig, die absoluten Zahlen verschiedener Bundesländer zu irgendeinem Thema zu vergleichen.

Im Verfassungsschutzbericht 2010 (PDF) steht zum Beispiel:

Die – in absoluten Zahlen – meisten politisch rechts motivierten Gewalttaten mit extremistischem Hintergrund ereigneten sich mit 149 registrierten Delikten in Nordrhein-Westfalen, das allerdings bezogen auf je 100.000 Einwohner im mittleren Feld der Statistik liegt.

Jörg Diehl, Düsseldorfer Korrespondent des Online-Magazins, verbreitet die wenig erstaunliche Nullinformation schon länger:

Das Klischee besagt zwar, Skinheads und Neonazis trieben vor allem im Osten der Republik ihr Unwesen, doch in Wahrheit werden nirgendwo in Deutschland mehr rechte Straftaten gezählt als in dem bevölkerungsreichen Nordrhein-Westfalen.

(31. August 2011)

Das Klischee besagt zwar, Skinheads und Neonazis trieben vor allem im Osten der Republik ihr Unwesen, doch in Wirklichkeit werden nirgendwo in Deutschland mehr rechte Straftaten gezählt als in Nordrhein-Westfalen.

(15. Juni 2011)

Das Gute an Diehls aktuellem Artikel aber ist, dass man bei der Lektüre kaum bis zu dem unsinnigen Satz durchdringt — vorher ist man nämlich schon über den Einstieg gestolpert und bewusstlos liegen geblieben:

Man hätte meinen können, die Neonazis hielten sich erst einmal zurück. Man hätte denken können, die allgemeine Empörung über die der Zwickauer Zelle zugeschriebenen Verbrechen machte sie vielleicht nachdenklich. Doch das Gegenteil scheint der Fall zu sein: Während die Republik mit der bitteren Erkenntnis ringt, dass es hierzulande tatsächlich rechtsradikale Terroristen gibt, schlagen die Glatzen in Dortmund wieder zu.

Natürlich: Bei all der “allgemeinen Empörung” werden Neonazis “nachdenklich”. Weil das, was diese Leute jahrelang am Liebsten gemacht hätten, schon jahrelang gemacht wurde.

Wer seine Artikel in einer derartigen rhetorischen und logischen Schieflage eröffnet, kann sie auch so beenden. Bei Jörg Diehl liest sich das so:

Jetzt allerdings könnten die Dortmunder Neonazis mit Sven K. einen schlagkräftigen Kader verlieren. Seit Sonntag sitzt der 24-Jährige in Untersuchungshaft und schon macht in Justizkreisen ein Wort die Runde, das eigentlich auch von den linken Aktivisten sehr begrüßt wird. Es lautet: Sicherungsverwahrung.

Offiziell indes mag sich die Staatsanwaltschaft dazu nicht äußern. Noch nicht.

Linke Aktivisten begrüßen das Wort “Sicherungsverwahrung” (aber nur eigentlich) und die Staatsanwaltschaft mag sich dazu noch nicht äußern. Und das alles im bevölkerungsreichen Nordrhein-Westfalen.

Jetzt oder Apophänie

Von Lukas Heinser am Mittwoch, 23. November 2011 18:28
Kategorie: Digital Ist Besser

Täglich gibt es neue Erkenntnisse, Spekulationen und Mutmaßungen über die rechtsradikal motivierte Mordserie, die die Presse etwas widerwillig nicht mehr als “Döner-Morde” zu bezeichnen versucht.

Seit Montag berichten die Medien darüber, dass es eventuell eine wie auch immer geartete Verbindung zwischen der im Rahmen der Mordserie ebenfalls erschossenen Polizistin und den Mördern gegeben haben könnte.

Der Artikel bei “Spiegel Online” endet mit den Worten:

In Polizeikreisen kursiert inzwischen eine neue Theorie der Tat: Demnach könnten sich die abgetauchten Rechtsterroristen und mutmaßlichen Killer, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt, von der Beamtin erkannt gefühlt haben. Vielleicht führten die Neonazis etwas anderes im Schilde, als Kiesewetter und ihr Kollege Martin A. dem Duo zufällig über den Weg liefen. Das erklärte, warum die Täter das Risiko auf sich nahmen, zwei bewaffnete Polizisten am helllichten Tag auf einem belebten Platz niederzuschießen. Sie glaubten, umgehend handeln zu müssen.

Das war nicht von Anfang an der letzte Absatz. In der ersten Version folgten noch zwei weitere Sätze:

Offiziellen Angaben zufolge machten die Beamten an diesem brüllend heißen 25. April 2007 gerade eine Pause, als sie attackiert wurden. Und dem Vernehmen nach aßen sie dabei Döner.

Selena Gomez’ kleiner Einblick

Von Lukas Heinser am Freitag, 18. November 2011 11:26
Kategorie: Digital Ist Besser

Jahrelang unentdeckte Rechtsterroristen, die Eurokrise, Regierungswechsel in Griechenland und Italien, Schüsse auf das Weiße Haus und Pornofilme bei Ryan Air — wir leben in schweren Zeiten.

Auch “Spiegel Online”, lange Jahre Marktführer unter den deutschen Nachrichtenwebsites, berichtet über diese schweren Zeiten:

Bieber-Freundin Selena Gomez: Schwere Zeiten. Eine 20-Jährige behauptet, Justin Bieber sei der Vater ihres Kindes. Die Freundin des Teenie-Idols, sonst alles andere als zurückhaltend, hat die Gerüchte bisher nicht kommentiert. Nun gab Selena Gomez einen Einblick in ihre Gefühlswelt. Zumindest einen kleinen.

Selena Gomez, Sie erinnern sich, ist die Hauptdarstellerin der Disney-Channel-Serie “Die Zauberer vom Waverly Place”, eine erfolgreiche Popsängerin und die Freundin von Justin Bieber, dem womöglich größten Popstar unserer Tage.

Bieber hatte in den vergangenen Wochen mit einer “pikanten Angelegenheit” zu tun, die “Spiegel Online” gerne noch mal für uns zusammenfasst:

Die 20-jährige Mariah Yeater behauptet, der 17-Jährige sei der Vater ihres Kindes. Bieber bestreitet das und erklärte sich auch zu einem DNA-Test bereit. Nach einigem Wirbel hat Yeater ihre Klage auf einen Vaterschaftstest offenbar zurückgezogen, hält aber an ihrer Darstellung fest. Es scheint sich jedoch gegen sie zu wenden: Nun berichtet TMZ auch noch von angeblichen SMS, die Yeater als Lügnerin enttarnen sollen.

(Nein, “Spiegel Online” verlinkt nicht auf TMZ und erklärt auch nicht, was es mit dieser angeblichen SMS auf sich haben soll. Das steht da einfach nur so im Text rum.)

Aber das ist ja nur die Vorgeschichte. “Spiegel Online” hatte uns ja einen Einblick in die Gefühlswelt von Frau Gomez versprochen, zumindest einen kleinen.

Blinzeln Sie besser jetzt noch mal schnell, denn gleich könnten Sie den entscheidenden Moment verpassen:

Es war also ein guter Zeitpunkt für Gomez, um die Talkshow von Ellen DeGeneres zu besuchen. Es seien zwei verrückte Wochen gewesen, sagte die Moderatorin. “Das ist noch harmlos ausgedrückt”, antwortete Gomez. Es sei nicht leicht, damit umzugehen.

“War denn alles in Ordnung bei dir?”, fragte DeGeneres. “Ja, war es”, sagte Gomez.

Puh, durchatmen.

Das war’s?

Zum Glück ging es dann schnell mit eher angenehmen Problemchen weiter. DeGeneres und Gomez plauderten fortan über die tiefhängenden Hosen von Justin Bieber.

Das war’s.

Das ist “Spiegel Online” einen eigenen Artikel wert, der als Topmeldung des “Panorama”-Ressorts auf der Startseite angeteasert wird. Und eine neunteilige Bildergalerie, natürlich.

Die tiefhängenden Hosen werden dann sicher morgen groß abgehandelt.

Gelegentlich angeblich

Von Lukas Heinser am Dienstag, 8. November 2011 16:20
Kategorie: Digital Ist Besser, TV On The Radio

Falls Sie die letzten Tage unter einem Stein oder auf einem anderen Planeten verbracht haben sollten: Hape Kerkeling hat am Samstag bei “Wetten dass..?” verkündet, dass er nicht als Nachfolger von Thomas Gottschalk zur Verfügung stünde. Eines der “drei wichtigen Ämter in Deutschland” (neben Kanzler/in und Bundestrainer) ist damit nach wie vor unbesetzt.

Das … äh: “Nachrichtenportal” rentner-news.de (“Von Rentnern – für Rentner”) hat heute Vormittag die “ultimative Wahrheit über die ‘Wetten dass….?’-Nachfolge von Thomas Gottschalk” enthüllt:

Wie aus dem näheren Umfeld des ZDF nach der Sendung verlautete, sollen einige Vorstandsmitglieder des ZDF erst während der Live-Übertragung erfahren haben, dass Hape Kerkeling gelegentlich angeblich homosexuell ist.

Aufgrund mangelnder Erfahrungen auf diesem Gebiet erschien ihnen dies inkompatibel zu den Programmrichtlinien des ZDF , und man verzichtete vorsichtshalber auf ein Engagement von Hape Kerkeling.

Die anderen Medien, sonst hyperaktiv, wenn es um das Thema “Wetten dass..?” geht, haben die Geschichte bisher nicht aufgegriffen. Was womöglich damit zusammenhängen könnte, dass 20 Jahre dann doch eine Zeit sind, in der selbst beim ZDF eine Nachricht ankommt. So lang ist Kerkelings Outing durch Rosa von Praunheim bei “Explosiv — Der heiße Stuhl” fast auf den Tag genau her.

Nachtrag, 16.45 Uhr: Womöglich handelt es sich bei rentner-news.de aber auch einfach nur um eine Satire-Seite

Ich will Dich treffen, wo es am schönsten war

Von Lukas Heinser am Montag, 7. November 2011 1:46
Kategorie: Auf Achse, Digital Ist Besser

New York, NY

Facebook macht mein Internet kaputt. Wann immer mir etwas halbwegs besonderes widerfährt oder ich etwas tolles entdecke, poste ich das bei Facebook und dann ist gut. Deswegen verwaist dieses Blog langsam aber sicher und wird nur noch befüllt, wenn sich bei mir genug negative Energie angesammelt hat. Das ist nicht gut.

Markus Herrmann alias Herm, der uns zum Beispiel das Oslog und das Duslog so schön tapeziert hat, war letzte Woche in New York. Er hat ungefähr alles, was er dort erlebt hat (dachte ich zunächst, waren aber nur zehn Prozent dessen), bei Facebook geteilt, sich hinterher aber auch noch die Mühe gemacht, das ausführlicher im Blog zu beschreiben.

Er war in zahlreichen Fernsehstudios, bei Google, an jeder denkbaren Touristenattraktion und hat Mark Hoppus, Conan O’Brien und Elmo aus der Sesamstraße getroffen. Ihm sind die unglaublichsten Dinge passiert und man sieht beim Lesen förmlich, wie er da mit großen Augen durch die Gegend tappst.

Womöglich finde ich das alles besonders toll, weil ich Herms Begeisterung für Popkultur und die USA teile (letzteres ein bisschen eingeschränkt, aber – love them or hate them – irgendwie kann man sich dem ja nicht entziehen) und ich fast auf den Tag genau fünf Jahre vor ihm in New York war und vieles ganz ähnlich erlebt habe.

In jedem Fall wäre es viel zu schade, wieder nur auf den “Gefällt mir”-Button zu klicken. Deswegen seien Ihnen die Einträge aus New York ausdrücklich auch hier im Blog empfohlen:

Herm in New York

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