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	<title>Coffee And TV &#187; Somebody Told Me</title>
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	<description>Popkultur - Allein das Wort schon!</description>
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		<title>Städte, die das möchten</title>
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		<pubDate>Wed, 07 Sep 2011 23:11:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Lukas Heinser</dc:creator>
				<category><![CDATA[Political Science]]></category>
		<category><![CDATA[Somebody Told Me]]></category>
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		<description><![CDATA[Damit war nicht zu rechnen gewesen, als wir Dirk Elbers zwischen Weißwein (er) und Sekt (ich) ansprachen. Doch der Düsseldorfer Oberbürgermeister antwortete auf meine Frage, ob seine Stadt Eurovision Song Contest, Marathon und eine riesige Industriemesse gleichzeitig locker wegstecken könne, mit einem Satz, der als Glaubensbekenntnis aller Stadtoberen in latent größenwahnsinnigen Kommunen (also quasi überall) [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Damit war nicht zu rechnen gewesen, als wir Dirk Elbers zwischen Weißwein (er) und Sekt (ich) <a href="http://duslog.tv/356/verheddert-am-roten-teppich/">ansprachen</a>. Doch der Düsseldorfer Oberbürgermeister antwortete auf meine Frage, ob seine Stadt Eurovision Song Contest, Marathon und eine riesige Industriemesse gleichzeitig locker wegstecken könne, mit einem Satz, der als Glaubensbekenntnis aller Stadtoberen in latent größenwahnsinnigen Kommunen (also quasi überall) gelten kann: &#8220;Das ist eine Stadt, die das möchte!&#8221;</p>
<p>Nun ist Düsseldorf, eine Stadt, die es sich nicht mal nehmen lässt, einen verdammten Skilanglauf-Weltcup in ihrer Innenstadt auszurichten, ein Extrembeispiel jener Städte, die so gerne eine Metropole wären, aber eben doch nur rein verwaltungsrechtlich eine Großstadt sind &#8212; aber beileibe kein Einzelfall.</p>
<p>Zwischen April und Oktober gibt es quasi kein einziges Wochenende, an dem nicht mindestens ein, zwei Buslinien in der Bochumer Innenstadt umgelegt werden müssen, weil die eine oder andere Hauptstraße (oder gleich mehrere davon) gesperrt ist. Da ist natürlich Bochum Total (&#8220;Europas größtes innerstädtisches Musikfestival&#8221;), aber auch der &#8220;Sparkassen-Giro&#8221; (ein Radrennen), der &#8220;Bochumer Musiksommer&#8221; (auch eine Art Musikfestival, aber mehr mit Weinbuden und angegrauten Lehrer-Ehepaaren als Zielgruppe), &#8220;Bochum kulinarisch&#8221; (keine Musik, noch mehr Weinbuden und Lehrer) und am vergangenen Wochenende erstmalig der &#8220;Rewirpower-Halbmarathon&#8221; (ein Halbmarathon). Hinzu kommen Veranstaltungen wie &#8220;Die Nordsee kommt &#8211; Das Weltnaturerbe Wattenmeer zu Gast in Bochum&#8221;, das &#8220;Kuhhirtenfest&#8221;, das Unifest, mehrere Flohmärkte, ein Fischmarkt, sowie diverse &#8220;Events&#8221; in und um die innerstädtischen Einkaufszentren. Wer keinen Schrebergarten hat, kann eigentlich jedes Wochenende irgendwo hingehen, bevor dann im November endlich der Weihnachtsmarkt eröffnet. Und das alles gibt es in jeder Nachbarstadt hier im Ruhrgebiet selbstverständlich noch einmal.</p>
<p>Verantwortlich sind natürlich viele unterschiedliche Veranstalter. Oft ist das Stadtmarketing dabei, aber nicht immer. Es gibt viele unterschiedliche Zielgruppen und für sich genommen mag jede Veranstaltung ihre Berechtigung und ihren Charme haben. In der Summe gleicht es einer Fünfjährigen, die sich Muttis Schmuck umgehangen hat (und zwar den ganzen) und deren Gesicht unter einer zentimeterdicken Schminkschicht verschwunden ist.<sup><a href="http://www.coffeeandtv.de/2011/09/08/stadte-die-das-mochten/#footnote_0_6296" id="identifier_0_6296" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Au&szlig;erdem kann die kleine nicht richtig gehen, weil sie in &uuml;bergro&szlig;en Pumps steckt.">1</a></sup></p>
<p>Was uns zum vorläufigen Tiefpunkt bringt, der erreicht war, als &#8220;City Point&#8221; und &#8220;Drehscheibe&#8221; (die zuvor erwähnten innerstädtischen Einkaufszentren) kürzlich die &#8220;Living Doll 2011&#8243; zu küren suchten. Da standen vor den einzelnen Geschäften Menschen, die Produkte aus den jeweiligen Läden trugen und sich nicht bewegen durften. Dazwischen standen andere Menschen,<sup><a href="http://www.coffeeandtv.de/2011/09/08/stadte-die-das-mochten/#footnote_1_6296" id="identifier_1_6296" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Oder waren es die gleichen? Ich hatte mich abwenden m&uuml;ssen.">2</a></sup> die Karaoke sangen. &#8220;Nur ein Wort&#8221; von Wir Sind Helden, zum Beispiel. Alles, aber auch wirklich alles muss schief gegangen sein, damit so etwas passiert.</p>
<p>Nun ist es natürlich nicht so, dass echte Metropolen völlig auf solcherlei Veranstaltungen verzichten würden. In New York ist an jedem Wochenende vermutlich mehr los, als in ganz NRW in einem halben Jahr. Aber die Stadt ist natürlich bedeutend größer, so dass nicht ständig die gleichen Straßen gesperrt werden müssen, und außerdem gibt es dort Touristen.</p>
<p>Andererseits hat der Veranstaltungswahn zumindest in Bochum den (politisch sicher so gewollten) Vorteil, dass man sich an den Wochenenden eher für das oft unansehnliche Ganze schämt, anstatt ständig für die eigene Stadtspitze. Immerhin hatte es unsere Oberbürgermeisterin für nötig gehalten, sich nach einer durchaus hitzigen öffentlichen Debatte darüber, ob Josef Ackermann im Bochumer Schauspielhaus reden soll (of all places), bei Herrn Dr. Ackermann persönlich &#8220;für die unwürdige Diskussion&#8221; zu <a href="http://www.bochum.de/C125708500379A31/CurrentBaseLink/W28KKHRZ316BOLDDE">entschuldigen</a>.<sup><a href="http://www.coffeeandtv.de/2011/09/08/stadte-die-das-mochten/#footnote_2_6296" id="identifier_2_6296" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Nicht etwa f&uuml;r die Art der Diskussion, die nat&uuml;rlich als &amp;#8220;weitgehend unsachliche Kritik, aber auch die &uuml;berzogene Berichterstattung in Teilen der Lokalpresse&amp;#8221; gegei&szlig;elt wurde, sondern gleich f&uuml;r die ganze verdammte Diskussion an sich! Wer schreibt dieser Frau ihre Briefe und Presseerkl&auml;rungen?!">3</a></sup></p>
<p>Jetzt aber ab heute und bis Sonntag &#8220;Bochumer Musiksommer&#8221; und die nächste ganz große Peinlichkeit: Am Sonntag wird das Programm auf allen Bühnen von 14.46 Uhr bis 15.03 Uhr unterbrochen. Warum so krumm? Nun, in dieser Zeit läuten in der ganzen Stadt die Glocken zum Gedenken an die Opfer der Anschläge vom 11. September.<sup><a href="http://www.coffeeandtv.de/2011/09/08/stadte-die-das-mochten/#footnote_3_6296" id="identifier_3_6296" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Warum man daf&uuml;r den Zeitraum zwischen dem Einschlag des ersten und des zweiten Flugzeugs ins World Trade Center gew&auml;hlt hat, die Abst&uuml;rze ins Pentagon und in Shanksville und den Einsturz der T&uuml;rme aber au&szlig;en vorl&auml;sst, wei&szlig; vermutlich vor allem der Wind.">4</a></sup> 17 Minuten Betroffenheit bei Bratwurst und Aperol Spritz, dann geht&#8217;s weiter mit Musik.<img src="http://vg01.met.vgwort.de/na/9eb68ba4bae34df1aaddbcaab5d8ee51" width="1" height="1" alt=""></p>
<ol class="footnotes"><li id="footnote_0_6296" class="footnote">Außerdem kann die kleine nicht richtig gehen, weil sie in übergroßen Pumps steckt.</li><li id="footnote_1_6296" class="footnote">Oder waren es die gleichen? Ich hatte mich abwenden müssen.</li><li id="footnote_2_6296" class="footnote">Nicht etwa für die Art der Diskussion, die natürlich als &#8220;weitgehend unsachliche Kritik, aber auch die überzogene Berichterstattung in Teilen der Lokalpresse&#8221; gegeißelt wurde, sondern gleich für die ganze verdammte Diskussion an sich! Wer schreibt dieser Frau ihre Briefe und Presseerklärungen?!</li><li id="footnote_3_6296" class="footnote">Warum man dafür den Zeitraum zwischen dem Einschlag des ersten und des zweiten Flugzeugs ins World Trade Center gewählt hat, die Abstürze ins Pentagon und in Shanksville und den Einsturz der Türme aber außen vorlässt, weiß vermutlich vor allem der Wind.</li></ol> <p><a href="http://www.coffeeandtv.de/?flattrss_redirect&amp;id=6296&amp;md5=a42ea56040e39062232437d3a3c88243" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://www.coffeeandtv.de/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Klar umrissene Zielgruppe</title>
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		<pubDate>Sun, 26 Jun 2011 15:18:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Lukas Heinser</dc:creator>
				<category><![CDATA[Somebody Told Me]]></category>
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		<description><![CDATA[]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://www.coffeeandtv.de/wp-content/uploads/2011/06/sportderaelteren.gif" title='Ausriss: "Neue Rhein Zeitung", Unkenntlichmachung von mir' alt='Aktionstag "Sport der Älteren" von 35 bis 70 Jahre'></p>
 <p><a href="http://www.coffeeandtv.de/?flattrss_redirect&amp;id=6122&amp;md5=0d15aa5fdeaf864bf53c71e10e43b72d" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://www.coffeeandtv.de/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Suggestivfrage, Euer Ehren!</title>
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		<pubDate>Fri, 03 Jun 2011 09:13:25 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Lukas Heinser</dc:creator>
				<category><![CDATA[Social Distortion]]></category>
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		<category><![CDATA[diebstahl]]></category>
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		<description><![CDATA[Eine Pressemitteilung der besonderen Art verdanken wir der Polizeidirektion Leipzig: Ob das eine Frau war? Ort: Zentrum, Brühl Zeit: 20.05.2011, 20:00 Uhr – 21.05.2011, 09:15 Uhr Viel zu tun hatte ein Einbrecher, um alle Sicherungseinrichtungen zu beseitigen. Zunächst hebelte er die Haustür, dann die Zwischentür und schließlich eine Gittertür auf, um in ein Schuhgeschäft zu [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Eine Pressemitteilung der besonderen Art verdanken wir der <a href="http://www.polizei.sachsen.de/pd_leipzig/5669.htm">Polizeidirektion Leipzig</a>:</p>
<blockquote><p><strong>Ob das eine Frau war?</strong>           </p>
<p>Ort: Zentrum, Brühl<br />
Zeit: 20.05.2011, 20:00 Uhr – 21.05.2011, 09:15 Uhr</p>
<p>Viel zu tun hatte ein Einbrecher, um alle Sicherungseinrichtungen zu beseitigen. Zunächst hebelte er die Haustür, dann die Zwischentür und schließlich eine Gittertür auf, um in ein Schuhgeschäft zu gelangen. Hier wurde der Kassenbereich durchwühlt und aus der Registrierkasse Bargeld im dreistelligen Bereich entwendet. Schuhe waren dabei offenbar völlig uninteressant, was die Frage nach dem Geschlecht des Einbrechers nahe legt. Die Ermittlungen werden es hoffentlich bald zeigen. Die Kripo hat die Ermittlungen aufgenommen. (FiA)</p></blockquote>
<p>Verfasserin ist interessanterweise eine Frau. Aber immerhin müsste die inzwischen ehemalige &#8220;Bild&#8221;-Gerichtsreportagepraktikantin Alice Schwarzer ja wieder <a href="http://www.bildblog.de/30921/verlierer-unter-sich/">genügend Zeit haben</a>, sich darüber ausgiebig aufzuregen.</p>
<p><small>[via Day]</small></p>
 <p><a href="http://www.coffeeandtv.de/?flattrss_redirect&amp;id=6065&amp;md5=3f980c1c383acc36d68388164056f3cf" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://www.coffeeandtv.de/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		</item>
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		<title>Fakin’ It</title>
		<link>http://www.coffeeandtv.de/2011/02/24/fakin-it/</link>
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		<pubDate>Thu, 24 Feb 2011 18:02:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Lukas Heinser</dc:creator>
				<category><![CDATA[Social Distortion]]></category>
		<category><![CDATA[Somebody Told Me]]></category>
		<category><![CDATA[plagiate]]></category>
		<category><![CDATA[schule]]></category>
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		<description><![CDATA[In der aktuellen Debatte um akademische und wissenschaftliche Ehre ist mir eine Geschichte wieder in den Sinn gekommen, die sich vor einiger Zeit an meinem ehemaligen Gymnasium ereignet haben soll und an deren Wahrheitsgehalt ich keinen Grund zu Zweifeln habe: In einem Englisch-LK war eine Schülerin am Tag der Klausur krank gewesen und musste diese [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>In der aktuellen Debatte um akademische und wissenschaftliche <a href="http://www.coffeeandtv.de/2011/02/21/menschenraub/">Ehre</a> ist mir eine Geschichte wieder in den Sinn gekommen, die sich vor einiger Zeit an meinem ehemaligen Gymnasium ereignet haben soll und an deren Wahrheitsgehalt ich keinen Grund zu Zweifeln habe:</p>
<p>In einem Englisch-LK war eine Schülerin am Tag der Klausur krank gewesen und musste diese nachschreiben. Wie allgemein üblich wurde sie dafür alleine in einen ungenutzten Raum (ich glaube, es war der Erdkunde-Kartenraum) gesetzt, wo ihr die Aufgabenstellungen vorgelegt wurden. Entgegen der üblichen Vorgehensweise und vermutlich auch entgegen zahlreicher Vorschriften gab ihr der Lehrer exakt die gleichen Arbeitsanweisungen, die er schon dem Rest der Klasse kurz zuvor bei der &#8220;echten&#8221; Klausur ausgehändigt hatte.</p>
<p>Interessanterweise hatte die Schülerin in ihrem Rucksack die bereits korrigierte und zurückgegebene Klausur eines Mitschülers, die sie nun über die nächsten Stunden ausführlich abschrieb &#8212; entgegen aller schulischen Regeln und jedweder Moral, versteht sich.</p>
<div align="center"><img src="http://www.coffeeandtv.de/wp-content/uploads/2011/02/thg.jpg" title="Gymnasium (Symbolbild)." alt="Theodor-Heuss-Gymnasium"></div>
<p>Dem Lehrer scheint das Komplett-Plagiat nicht aufgefallen zu sein, jedenfalls wertete er die Klausur nicht als Täuschungsversuch, sondern korrigierte sie ganz normal. Oder: fast, denn er hatte die Original-Arbeit des Schülers deutlich besser (die genauen Details sind niemandem mehr erinnerlich, aber die Rede war von mindestens sechs Punkten, was zwei Noten entspräche) bewertet als die der Schülerin.</p>
<p>Die Schülerin, die sich die ganze Zeit von dem Lehrer ungerecht behandelt gefühlt hatte, konnte natürlich nicht zum Rektor gehen, um sich über ihre Note zu beschweren. Aber eine bemerkenswerte Geschichte war es doch.</p>
 <p><a href="http://www.coffeeandtv.de/?flattrss_redirect&amp;id=5901&amp;md5=3b04891a082fbf937cc1394ad9e1611f" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://www.coffeeandtv.de/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Vandalen auf der Durchreise</title>
		<link>http://www.coffeeandtv.de/2010/12/16/vandalen-auf-der-durchreise/</link>
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		<pubDate>Thu, 16 Dec 2010 16:12:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Lukas Heinser</dc:creator>
				<category><![CDATA[Auf Achse]]></category>
		<category><![CDATA[Somebody Told Me]]></category>
		<category><![CDATA[bahn]]></category>
		<category><![CDATA[erlebnisse]]></category>
		<category><![CDATA[jugendliche]]></category>
		<category><![CDATA[vandalismus]]></category>

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		<description><![CDATA[Gerade im Regionalexpress die vielleicht beste Durchsage ever gehört: Verehrte Fahrgäste, wir wissen selbst, dass das heute alles etwas bescheiden ist, aber leider hatten wir heute auf dem Weg von Aachen nach Hamm eine Schulklasse im Wagen 3, die die Sitze aufgeschlitzt und mit Flüssigkeit übergossen hat. Wir musste den Wagen deswegen leider abschließen. Der [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Gerade im Regionalexpress die vielleicht beste Durchsage <em>ever</em> gehört:</p>
<blockquote><p>Verehrte Fahrgäste, wir wissen selbst, dass das heute alles etwas bescheiden ist, aber leider hatten wir heute auf dem Weg von Aachen nach Hamm eine Schulklasse im Wagen 3, die die Sitze aufgeschlitzt und mit Flüssigkeit übergossen hat. Wir musste den Wagen deswegen leider abschließen.</p></blockquote>
<p>Der Rest der Durchsage ging im Gelächter der Fahrgäste unter.</p>
 <p><a href="http://www.coffeeandtv.de/?flattrss_redirect&amp;id=5723&amp;md5=63512b5619cf999affbb997dcc553c40" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://www.coffeeandtv.de/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		</item>
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		<title>Out Of Time</title>
		<link>http://www.coffeeandtv.de/2010/10/29/out-of-time/</link>
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		<pubDate>Fri, 29 Oct 2010 14:56:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Lukas Heinser</dc:creator>
				<category><![CDATA[Somebody Told Me]]></category>
		<category><![CDATA[behörden]]></category>
		<category><![CDATA[ben folds]]></category>
		<category><![CDATA[bochum]]></category>
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		<category><![CDATA[tommy finke]]></category>
		<category><![CDATA[zeit]]></category>
		<category><![CDATA[zollamt]]></category>

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		<description><![CDATA[Ich war vorhin mit Tommy Finke beim Zollamt Bochum, um die gemeinsam bestellten Sondereditionen des neuen Ben-Folds-Albums abzuholen. Schon beim Betreten des Gebäudes merkten wir, dass etwas nicht stimmte: Die Zeit, die ja bekanntlich relativ ist, begann, sich gen Unendlichkeit zu dehnen. Alles. Wurde. Langsamer. Ein Mann, der aufgrund seines Arbeitsplatzes wohl als Zollbeamter interpretiert [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ich war vorhin mit Tommy Finke beim Zollamt Bochum, um die gemeinsam bestellten Sondereditionen des neuen Ben-Folds-Albums abzuholen. Schon beim Betreten des Gebäudes merkten wir, dass etwas nicht stimmte: Die Zeit, die ja bekanntlich relativ ist, begann, sich gen Unendlichkeit zu dehnen. Alles. Wurde. Langsamer.</p>
<p>Ein Mann, der aufgrund seines Arbeitsplatzes wohl als Zollbeamter interpretiert werden darf, schlurfte zu uns heran und bewegte seinen Mund. Wer ganz aufmerksam war, konnte Laute erkennen, die das menschliche Gehirn, in derlei Aufgaben geschult, zu einzelnen Worten und ganzen Sätzen zusammensetzen konnte. Ich reichte ihm das Anschreiben, das mich darüber in Kenntnis gesetzt hatte, dass die von mir bestellten Tonträger in jenem kleinen Haus kurz vor dem Rand der Erdscheibe abzuholen seien, und der Mann verschwand in einem Raum, in dem vermutlich mehrere Tonnen Elfenbein, Kokain und Anthrax-Viren seit vielen, vielen Jahren ihrer Abholung harren.</p>
<p>Ich dreht mich zu Tommy &#8211; eine Bewegung, die für die Menschen in dieser Zeitblase wie der Flügelschlag eines Kolibris gewirkt haben muss &#8211; um &#8220;Hier sieht&#8217;s genauso aus, wie ich es mir vorgestellt habe&#8221; zu sagen, doch da hatte Tommy schon &#8220;Hier sieht&#8217;s genauso aus, wie ich es mir vorgestellt habe&#8221; gesagt. An der Pinnwand hingen fotokopierte Hinweise aus einer Zeit, als die Olympia ES 200 gerade frisch auf den Markt gekommen war, auf einem Schreibtisch stand ein Wimpel des FC Schalke 04, auf den Fensterbänken: Bürobegleitgrün.</p>
<p>Der Zollbeamte kehrte mit einem Paket zurück, das uns sagte, dass es eine gute Idee gewesen war, mit dem Bulli vorbeizukommen. Umständlich holte er ein Teppichmesser, mit dem ich das Paket öffnen durfte. &#8220;Teppichmesser&#8221;, dachte ich, &#8220;haben damit nicht die Attentäter des 11. Sept&#8230;&#8221; Weiter kam ich nicht: In der unfassbar ruhigen Atmosphäre des Zollamts war mein Gehirn einfach eingeschlafen.</p>
<p>Eine Putzfrau wirbelte um uns herum in einem Tempo, in dem ich für meine eigene Wohnung zwar zwei Tage bräuchte, das in diesem Hause aber als hektisch empfunden werden musste. &#8220;Sie machen ja alles nass&#8221;, sagte der Zollbeamte, wobei sein monotoner Tonfall offen ließ, ob es sich dabei um einen Vorwurf oder nur um eine Feststellung handelte. Er bat uns in einen Nebenraum und riet uns, auf dem feuchten Untergrund vorsichtig zu gehen &#8212; nicht auszumalen, wenn sich einer von uns auf die Fresse gelegt hätte.</p>
<p>Während ich einige Zettel unterschreiben musste, durchbrach Tommy die Grabesstille mit einem Smalltalkversuch:</p>
<p>Finke: &#8220;Das ist aber ganz schön ruhig hier bei Ihnen &#8230;&#8221;<br />
Zollbeamter: &#8220;Das täuscht.&#8221;<br />
Finke: &#8220;Ah. Vor Weihnachten ist wahrscheinlich am meisten los, ne?&#8221;<br />
Zollbeamter: &#8220;Seit eBay. Seitdem ist hier die Hölle los. Früher war&#8217;s ruhig.&#8221;</p>
<p>Tommy und ich sahen uns an und sogleich wieder weg. Jetzt bitte nicht losbrüllen vor Gelächter. Ruhig bleiben! Kein Problem an einem Ort, gegen den in einem Zen-Tempel ein Trubel wie in der Grand Central Station herrscht. Ich bezahlte die Mehrwertsteuer und bekam mein Wechselgeld wieder, kurz bevor es aufgrund der normalen Inflationsentwicklung völlig wertlos geworden war. Wir durften gehen.</p>
<p>&#8220;Dann wünsche ich Ihnen noch einen geruhsamen Arbeitstag&#8221;, sagte Tommy zu unserem Sachbearbeiter und rief zum Abschied ein aufmunterndes &#8220;Gehen Sie verantwortungsvoll mit unseren Steuergeldern um!&#8221; in das fassungslose Großraumbüro. Ein Mann blickte kaum merklich von seinem Computerbildschirm auf und hob missbilligend die Augenbraue.</p>
<p><small><i>Dieser Text ist eine Ergänzung zu meiner “Ämter”-Trilogie (bestehend aus dem Singspiel “Kreiswehrersatzamt”, dem klassischen Drama “Finanzamt” und dem absurden Fragment “Arbeitsamt”).</i></small></p>
 <p><a href="http://www.coffeeandtv.de/?flattrss_redirect&amp;id=5635&amp;md5=92fefaa2d7280c013fb7f5ed7f448143" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://www.coffeeandtv.de/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Broder und ich</title>
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		<pubDate>Sun, 19 Sep 2010 21:25:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Lukas Heinser</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Ich hatte mir ehrlich gesagt gar keine großen Gedanken gemacht. Meine Freunde hatten mich gewarnt und mir wertvolle Tipps gegeben. Man könne ja ständig im Fernsehen sehen, wie das endet. Dabei sollte ich doch nur mit Henryk M. Broder diskutieren. Die Freischreiber, der Berufsverband freier Journalisten, hatten mich zu ihrem Kongress eingeladen und weil ich [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ich hatte mir ehrlich gesagt gar keine großen Gedanken gemacht. Meine Freunde hatten mich gewarnt und mir wertvolle Tipps gegeben. Man könne ja ständig im Fernsehen sehen, wie das endet. Dabei sollte ich doch nur mit Henryk M. Broder diskutieren.</p>
<p>Die <a href="http://freischreiber.de/">Freischreiber</a>, der Berufsverband freier Journalisten, hatten mich zu ihrem Kongress eingeladen und weil ich es immer lustig finde, wenn sich Journalisten ausgerechnet von mir etwas erzählen lassen wollen, und der Kongress in Hamburg stattfand, habe ich zugesagt.</p>
<p>Neben Henryk M. Broder und mir saßen noch der frühere Politberater und heutige <a href="http://www.sprengsatz.de/">Blogger</a> Michael Spreng und die frühere &#8220;Bunte&#8221;-Chefredakteurin und heutige <a href="http://www.beatewedekind50plus.blog.de/">Bloggerin</a> Beate Wedekind auf dem Podium, das im Wortsinne keines war, weil wir genauso hoch saßen wie die Zuhörer. In unserer Mitte saß Gabi Bauer, die die Diskussion moderieren sollte und erstes diplomatisches Talent präsentierte, als sie Broder und mir die jeweils äußeren Plätze in unserer kleinen Sitzgruppe zuteilte.</p>
<p>Vor Beginn der Diskussion führte ich ein bisschen Smalltalk mit den Frauen Bauer und Wedekeind und Herrn Spreng, der übrigens riesengroß ist. Henryk M. Broder gab ich nur kurz die Hand, aber er ist so klein, wie er im Fernsehen immer aussieht und trägt ein Herrenhandtäschchen bei sich. Die Raumtemperatur sinkt allerdings nicht, wenn er neben einem steht, und es wird auch nicht plötzlich dunkel.</p>
<p>Thema der Diskussion sollte Leserbeteiligung in allen Formen sein und wir vier sollten verschiedene Positionen einnehmen. Ich erzählte also, wie wichtig die Leserhinweise unserer Leser beim BILDblog sind und hörte, wie ich die gleichen Beispiele abspulte wie bei ähnlichen Veranstaltungen, zu denen ich gelegentlich eingeladen werde. Es ist mir schleierhaft, wie Schauspieler, Musiker und Politiker Interviewmarathons und Talkshow-Touren überstehen können, ohne vom Wahnsinn oder vom Selbsthass aufgefressen zu werden. &#8220;Wir haben bei <em>Coffee And TV</em> mit acht Autoren angefangen, was den Vorteil hatte, dass jeder Text schon mal mindestens sieben Leser hatte &#8230;&#8221; Sicherer Lacher. Letztlich sind wir alle kleine Mario Barths.</p>
<p>Henryk M. Broder ist noch ein bisschen mehr Mario Barth, nur dass seine todsicheren Lacher nicht &#8220;Schuhe&#8221; heißen, sondern &#8220;Konzentrationslager&#8221; — die Reaktionen sind allerdings auch kein hysterisches Gekicher, sondern so ein dumpfes &#8220;Hohoho&#8221;. Broder aber war am Samstag nicht in Form: Sein Geätze wirkte halbherzig, seine Polemik von sich selbst gelangweilt, er brauchte ganze 25 Minuten, bis er bei Hitler angekommen war. Twitter und Facebook fände er schrecklich, erklärte Broder, ohne eines von beidem mit einem KZ zu vergleichen, und irritierte damit Beate Wedekind, die sich sicher war, bei Facebook mit ihm befreundet zu sein. &#8220;Das bin ich nicht!&#8221;, machte Broder deutlich und stiftete damit allgemeine Heiterkeit.</p>
<p>Es war eine angenehme Gesprächsatmosphäre, in der jeder jedem irgendwann mal beipflichten oder müde den Kopf schütteln musste. Jeder konnte ein bis zwei große Lacher landen. Gabi Bauer leitete die Runde charmant und interessiert und nahm sich Zeit für jeden. Kurzum: Als ARD-Talkshow wären wir ein völliges Desaster gewesen. Allein der Erkenntnisgewinn war vergleichbar niedrig. Wenn wir noch Zeit gehabt hätten, ein Fazit zu ziehen, hätte es vermutlich lauten müssen: Ja, Leser sind die Hölle — und das Größte, was wir haben. Das kann ja nun wirklich jeder Sportler oder Künstler über die eigenen Fans sagen, jeder Politiker über die Wähler und alle Eltern über ihre Kinder.</p>
<p>Entsprechend ratlos war ich, als mich ein junger Mann anschließend inständig bat, ihm doch mitzuteilen, was ich aus der Veranstaltung denn nun mitnähme. Gabi Bauer, Beate Wedekind und Michael Spreng lesen jeden Tag etwa vier Tageszeitungen, was ich erstaunlich finde, Beate Wedekind verbringt viel Zeit in Facebook, was Michael Spreng erstaunlich findet, und Gabi Bauer sieht sich unter dem Namen einer Freundin bei Facebook um, was nun wirklich alle erstaunlich fanden. Henryk M. Broder hatte schlecht zu Mittag gegessen.</p>
<p>Mein Blutdruck bekam an diesem Tag aber doch noch Gelegenheit, besorgniserregend zu steigen. Aber da standen wir alle um das iPhone von Jens Weinreich herum und guckten auf die Bundesliga-Ergebnisse.</p>
 <p><a href="http://www.coffeeandtv.de/?flattrss_redirect&amp;id=5581&amp;md5=68e097faf5e6106359870a0beb572d2c" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://www.coffeeandtv.de/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Im Fernsehen</title>
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		<pubDate>Thu, 15 Apr 2010 16:35:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Lukas Heinser</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Das sind mehr Ränder als Augen, die ich da sehe. Es sind meine Ränder, da im Spiegel, was mir an jedem anderen Tag reichlich egal wäre, heute aber nicht. Heute bin ich in einer Fernsehsendung zu Gast und wollte dabei ungern aussehen wie Vatter Hein persönlich. Seit ich im Januar &#8220;Chef&#8221; vom BILDblog geworden bin, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Das sind mehr Ränder als Augen, die ich da sehe. Es sind meine Ränder, da im Spiegel, was mir an jedem anderen Tag reichlich egal wäre, heute aber nicht. Heute bin ich in einer Fernsehsendung zu Gast und wollte dabei ungern aussehen wie Vatter Hein persönlich.</p>
<p>Seit ich im Januar &#8220;Chef&#8221; vom BILDblog geworden bin, kamen immer wieder Interview-Anfragen von verschiedensten Medien und wenn man solche Aufmerksamkeit nicht gewohnt ist, keine Sekretärin hat, aber gut erzogen ist, sagt man erst jedem Anrufer zu und anschließend immer wieder das Gleiche. Am Sympathischsten waren meist die Gespräche mit den Campusradios, aber ab dem fünften Interview wusste ich, dass ich nie einen Hollywood-Film drehen würde &#8212; bei den internationalen Interview-Marathonen würde ich mich irgendwann selbst verletzen, weil ich mich selbst viel zu oft dasselbe sagen gehört hätte.</p>
<p>Aber Fernsehen, das wollte ich dann doch mal mitmachen. Zumal die Anfrage von einem dieser ARD-Digitalsender kam, die auch nicht viel mehr Zuschauer haben als Dinslaken Einwohner. &#8220;Da kann man ja erst mal üben, bevor man irgendwann unvorbereitet bei Gottschalk auf der Couch sitzt&#8221;, dachte ich und fuhr nach Köln.</p>
<p>Das heißt: Bis ich nach Köln fahren durfte, musste ich erst mal einen Fragebogen mit sensationell unbeantwortbaren Fragen (&#8220;Haben Sie ein Lieblingsbuch?&#8221;, &#8220;Wie würden Sie sich beschreiben?&#8221;) beantworten, auf dessen Grundlage dann eine Redakteurin ein einstündiges telefonisches Vorgespräch mit mir führte, aus dem dann die Fragen für das eigentliche Interview kondensiert wurden.</p>
<p>Man macht sich als Zuschauer ja keine Gedanken, wie viel Aufwand dahinter steckt, ein paar redende Köpfe auf die heimische Mattscheibe zu projizieren. Also von dem ganzen technischen Kram inklusive Erfindung der Braun&#8217;schen Röhre und den Rundfunkwellen mal ab.</p>
<p><img src="http://www.coffeeandtv.de/wp-content/uploads/2010/04/wdr-garderobe.jpg" alt="Stilleben in einer WDR-Garderobe." title="Stilleben in einer WDR-Garderobe." width="500" height="281" class="alignnone size-full wp-image-5198" /></p>
<p>Und jetzt sitze ich hier in der Garderobe im (geschätzt) vierten Untergeschoss des Filmhauses des Westdeutschen Rundfunks in Köln, sehe aus wie Manny Calavera und werde von einer Garderobiere gefragt, ob ich &#8220;das&#8221; (meinen roten Kapuzen-Sweater) anlassen wolle.</p>
<p>&#8220;Ich hätte auch noch ein Hemd&#8221;, fange ich vorsichtig an, &#8220;aber ich weiß nicht, ob das nicht zu kleingemustert ist.&#8221;</p>
<p>Das hatte man mir nämlich gesagt, mehrfach: Kein Grün, kein Gelb, nicht zu viel Weiß und um Himmels Willen bitte nicht kleingemustert. Die nette Garderobiere (nett sind sie überhaupt alle hier unten, obwohl sie hier ohne Tageslicht und frische Luft arbeiten müssen und man es durchaus verstünde, wenn sie sich deshalb von Blut ernährten) geht mal fragen und weil mein Hemd nicht zu kleinkariert ist, geht sie es gleich auch noch aufbügeln. Das letzte Mal, als irgendeines meiner Hemden aufgebügelt wurde, lebte ich noch bei meinen Eltern.</p>
<p>Dann darf ich in die Maske und die ist natürlich bitter nötig: &#8220;Es tut mir sehr leid, aber meine Augenringe sind heute noch tiefer als sonst&#8221;, beginne ich entschuldigend, &#8220;dabei war ich gestern extra früh im Bett.&#8221;<br />
&#8220;Kriegen wir hin&#8221;, sagt die nette Maskenbildnerin und beginnt mit umfangreicheren Stuckationsarbeiten, wie man sie von der Deckensanierung Berliner Altbauten aus der Gründerzeit kennt.</p>
<p>Neben mir sitzt Anja Backhaus, die Moderatorin der Sendung, die mit ihrer Maske schon durch ist, und betreibt Small Talk. Wir sprechen über den öffentlichen Personennahverkehr, Wuppertal und den drohenden Abriss des Kölner Schauspielhauses. Bloß nichts aus dem Interview vorwegnehmen, damit der Talkgast später nicht gleich im ersten Satz irgendwas mit &#8220;wie gesagt&#8221; antwortet.</p>
<p>Nach ein paar Minuten guckt mich ein frischer junger Mann aus dem Spiegel an und ich überlege kurz, wie lange ich wohl üben müsste, bis ich es selber hinkriegte, mich so zu schminken. So für jeden Tag. Meine Haare darf ich, wie jeden Tag, selbst verstrubbeln, was ich sehr gewissenhaft und lange tue, bis es so aussieht, als hätte ich exakt nichts daran getan. &#8220;Eitelkeit ist eine der sieben Todsünden&#8221;, höre ich meine katholische Großmutter sagen, drehe mich um, sehe aber niemanden.</p>
<p>Dann geht es ins Studio, wo Anja und ich in stylischen Lounge-Sesseln Platz nehmen, in denen man ganz phantastisch liegen kann. Nur aufrecht sitzen geht schlecht, wäre aber im Idealfall wichtig. Wir haben viel Zeit, um die Positionierung unserer Beine auszutesten, denn zunächst einmal müssen wir richtig eingeleuchtet werden. Während wir unsere Beine mal links, mal rechts aneinander vorbeischieben und dabei versuchen, weder verkrampft zu wirken noch uns die Hüften auszukugeln, werden über unseren Köpfen viele Scheinwerfer eingeschaltet, von denen jeder einzelne ausreicht, um eine Tiefkühlpizza aufzubacken. Ich versuche, nicht nach oben zu starren, aber sonst sind da nur eine riesige grüne Wand und drei Kameras, in die ich auch nicht gucken sollte. Wenigstens kann man seine Hände bequem so auf den Sesseln platzieren, dass ich nicht Gefahr laufe, die ganze Zeit über wüst zu gestikulieren, wie ich das sonst tue, wenn ich rede.</p>
<p>Anja redet hin und wieder mit dem Regisseur, den ich aber nicht hören kann, weil er sich in einem Knopf in Anjas Ohr versteckt hat. Als er über die Studio-Lautsprecher spricht, sagt er &#8220;Vorwarnung fürs Studio&#8221; und das klingt ein bisschen nach Raketenstart.</p>
<p>Beim ersten Versuch stimmt etwas mit Anjas Anmoderation nicht, beim zweiten läuft irgendwas anderes schief, aber da habe ich die erste Frage schon beantwortet. Jetzt also noch mal, wobei ich so tun muss, als würde ich die Frage zum ersten Mal hören und beantworten. Aber wozu war ich in der Unterstufen-Theater-AG meines Gymnasiums?</p>
<p>Diesmal klappt alles und wir befinden uns plötzlich mitten in einem Gespräch. Ich gucke Anja konzentriert an (was für sie ziemlich sicher beunruhigend wirken muss), während ich die Fragen beantworte, die stellenweise echtes Nachdenken erfordern. Da zeigt sich dann auch der Sinn und Nutzen des Vorgesprächs: Manche Fragen spielen gezielt auf eine Antwort an, die ich der Redakteurin vor drei Tagen am Telefon gegeben habe und jetzt idealerweise wiederholen sollte, wenn ich mich noch an sie erinnern würde.</p>
<p>Dass das hier eine Aufzeichnung sein würde ist klar, aber wir produzieren vor für in drei Wochen. Bezugnahmen zum Zeitgeschehen gilt es also eher zu vermeiden &#8212; ein bisschen schwierig, wenn man über Medien sprechen soll. Die Frage &#8220;Was war in den letzten Wochen besonders krass in den Medien?&#8221;, beantworte ich elegant mit einem Verweis auf einen BILDblog-Eintrag von gestern. Also: &#8220;vor ein paar Wochen&#8221;. Hollywood, ich komme!</p>
<p>Der Talk ist schnell vorbei, aber zwölfeinhalb Minuten sind mehr, als einem als einzelner Gast in der &#8220;NDR Talkshow&#8221; zustehen. Ich bin also ganz zufrieden mit dem, was wir alles abgehandelt haben. Es wird noch ein Extra-Clip fürs Internet gedreht, den wir vier Mal wiederholen, weil immer irgendwas schief läuft. Dann darf ich gehen.</p>
<p>In der (Nein: meiner) Garderobe packe ich hastig zusammen und vergesse dabei prompt die unangebrochene Packung Kekse, die dort für mich bereitstand. Dabei hat man doch so selten Gelegenheit, sich seine Rundfunkgebühren derart direkt zurückzuholen.</p>
<p>Als ich in den Kölner Nieselregen trete, bin ich noch geschminkt, aber wieder alleine. Niemand um mich, der fragt, ob ich zufrieden bin, ob ich irgendwas brauche, ob alles in Ordnung ist. Niemand, der mir freundlich zunickt. Die ersten Minuten ist das &#8211; nach gerade mal zweieinhalb Stunden im Fernsehstudio &#8211; ziemlich irritierend. &#8220;Hollywood- oder Rockstars würden jetzt Drogen nehmen&#8221;, denke ich und gehe stattdessen Freunde besuchen.</p>
<p><strong>EINSWEITERgefragt<br />
Freitag, 16. April 2010<br />
Um 20.01 Uhr auf <a href="http://www.einsfestival.de/sendungen/einsweiter.jsp">Eins Festival</a></strong></p>
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		<title>Boulevardjournalismus-Mäander</title>
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		<pubDate>Sun, 28 Mar 2010 20:38:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Lukas Heinser</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Es gibt Texte, die neben ihrem eigentlichen Inhalt auch ihre eigene Entstehungsgeschichte transportieren. In der heutigen &#8220;Bild am Sonntag&#8221; gibt es mindestens zwei dieser Sorte: Zehn Kollegen haben Stefan Hauck (der als Experte auf dem Gebiet der Existenzvernichtung zu gelten hat) bei seinem Versuch unterstützt, das Privatleben von Jörg Kachelmann auszuloten. Sie haben dabei keine [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Es gibt Texte, die neben ihrem eigentlichen Inhalt auch ihre eigene Entstehungsgeschichte transportieren. In der heutigen &#8220;Bild am Sonntag&#8221; gibt es mindestens zwei dieser Sorte:</p>
<p>Zehn Kollegen haben Stefan Hauck (der als Experte auf dem Gebiet der <a href="http://www.bildblog.de/728/ein-erbaermliches-leben/">Existenzvernichtung</a> zu gelten hat) bei seinem <a href="http://www.bild.de/BILD/news/2010/03/28/joerg-kachelmann/raetsel-leben-neue-vorwuerfe.html">Versuch</a> unterstützt, das Privatleben von Jörg Kachelmann auszuloten.</p>
<p>Sie haben dabei keine großen Erkenntnisse gewonnen und die Enttäuschung darüber schwingt mit:</p>
<blockquote><p>Viel genauer geht es nicht, denn auch am Ende von langen Gesprächen mit Weggefährten, Freunden, Geliebten, Kollegen und Feinden des Beschuldigten, hat zwar jeder über Jörg-Andreas Kachelmann gesprochen – aber immer einen anderen Menschen geschildert.</p></blockquote>
<p>Da betreibt man so einen Aufwand und am Ende sitzt man vor einem Berg aus Puzzleteilen, die alle nicht so rechtzusammenpassen wollen. Aber wenn man sie doch gewaltsam zusammenhämmert, entsteht da das Bild eines Menschen &#8212; oder, wie Hauck schreibt, einer &#8220;widersprüchlichen Person&#8221;.</p>
<p>&#8220;Herzlichen Glückwunsch!&#8221;, möchte man fast ausrufen, &#8220;Sie haben soeben begriffen, dass die wenigsten Menschen zweidimensionale Wesen sind!&#8221; Aber das wäre Quatsch. Hauck hat nichts begriffen, wie er gleich zu Beginn seines Textes selbst herausposaunt:</p>
<blockquote><p>Bis vergangenen Montag hat sich kein Mensch ernsthaft dafür interessiert, was der Fernsehstar Jörg Kachelmann, 51, für eine Beziehung zu Frauen hat. Und ob überhaupt. Kachelmann ist ein Star des Fernsehens, ist aber, was den &#8220;Glam-Faktor&#8221; anbelangt, also die Maßeinheit, in der man das Glitzernde eines Fernseh-Menschen misst, natürlich kein Roberto Blanco, wer ist schon wie Roberto Blanco?</p></blockquote>
<p>Wenn sich bis letzte Woche &#8220;kein Mensch ernsthaft&#8221; für das Intimleben dieses angeblich so unglamourösen Fernsehstars interessiert hat, warum sollte man es jetzt tun? Weil es helfen würde, als Außenstehender zu beurteilen, ob Kachelmann die Tat, die ihm vorgeworfen wird, begangen haben könnte? (Und was hat das Wort &#8220;ernsthaft&#8221; überhaupt in diesem Satz zu suchen?)</p>
<p>Die Suche nach Erklärungsmustern ist zutiefst menschlich, aber während es bei Amokläufern oder Terroristen,<sup><a href="http://www.coffeeandtv.de/2010/03/28/boulevardjournalismus-maander/#footnote_0_5070" id="identifier_0_5070" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Der Kabarettist Volker Pispers sagte einmal &uuml;ber die Reporter, die nach den Anschl&auml;gen des 11. September 2001 in Hamburg das Umfeld des Anf&uuml;hrers Mohammed Atta ausgefragt hatten: &amp;#8220;Solche Menschen k&ouml;nnen Sie nur zufriedenstellen, indem Sie sagen: &amp;#8216;Ja, so ein bisschen nach Schwefel gerochen hat er schon ab und zu.&amp;#8217;&amp;#8221;">1</a></sup> die ihre Taten in und an der Öffentlichkeit begangen haben, noch ein gerechtfertigtes Interesse an ihrer Vorgeschichte geben könnte &#8211; um im Idealfall in ähnlich gelagerten Fällen Taten zu vermeiden &#8211; geht es im &#8220;Fall Kachelmann&#8221; um das exakte Gegenteil: Ein mögliches Verbrechen im denkbar intimsten Rahmen, in dessen Folge nicht nur der mutmaßliche Täter der Öffentlichkeit präsentiert wird, sondern auch das potentielle Opfer, notdürftig anonymisiert.</p>
<div align="center">* * *</div>
<p>Die andere <a href="http://www.bild.de/BILD/unterhaltung/musik/grand-prix/2010/03/28/lena-meyer-landrut/bams-recherche-im-lena-land.html">Geschichte</a> hat nur eine Autorennennung, aber schon der erste Satz deutet an, dass auch Nicola  Pohl nicht allein war, als sie im privaten Umfeld der deutschen Grand-Prix-Hoffnung Lena Meyer-Landrut wühlte:</p>
<blockquote><p>Einen wehmütigen Jungen mit dünnem Bart. Eine Tanzlehrerin, die abhebt. Einen Friseur, der der Neunjährigen die Spitzen schnitt. Sie alle trafen wir, als wir zwei Tage durch Lena Meyer-Landruts Leben spazierten und uns fragten: Wo lebt, lacht, liebt, lümmelt Lena?</p></blockquote>
<p>Die Recherche muss noch enttäuschender verlaufen sein als die bei Kachelmann: Aus der Überschrift &#8220;Wie heil ist Lenas Welt?&#8221; tropft förmlich die Hoffnung auf Familiendramen, Drogen, Sex und Schummeln bei den Vorabiklausuren, aber nichts davon hat die Autorin gefunden. Jetzt muss sie unüberprüfbare und belanglose Aussagen wie &#8220;Für 7,90 Euro ließ sie sich Spitzen schneiden&#8221; als Sensations-Meldung verkaufen. Wenn man schon sonst nichts gefunden hat und extra hingefahren ist.</p>
<div align="center">* * *</div>
<p>Mal davon ab, dass ein Friseur, der mit irgendwelchen wildfremden Menschen über mich redet, mir die längste Zeit seines Lebens die Haare geschnitten hätte, habe ich nie verstanden, was so interessant sein soll am Privatleben von Prominenten. Ich bin mir sicher, wenn man die Nachbarn, Freunde und Familienmitglieder eines beliebigen Menschen befragt, werden die meisten nicht viel mehr als zwei, drei Sätze über die betreffende Person berichten können &#8212; wohl aber erstaunliche Details aus dem Privatleben von Brad Pitt, Angelina Jolie, Sandra Bullock und Tiger Woods.</p>
<p>Es ist mir egal, wie oft Ben Folds schon verheiratet war, welche Drogen Pete Doherty gerade nimmt und welche Haarfarbe Lily Allen im Moment hat. Ich wünsche diesen Prominenten wie allen anderen Menschen auch, dass es ihnen gut geht.<sup><a href="http://www.coffeeandtv.de/2010/03/28/boulevardjournalismus-maander/#footnote_1_5070" id="identifier_1_5070" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Auch wenn Musiker meist die besseren Songs schreiben, wenn es ihnen schlecht geht, aber so egoistisch sollte man als H&ouml;rer dann auch nicht sein.">2</a></sup> Mich interessiert ja offen gestanden schon nicht, was die meisten Menschen so machen, mit denen ich zur Schule gegangen bin.<sup><a href="http://www.coffeeandtv.de/2010/03/28/boulevardjournalismus-maander/#footnote_2_5070" id="identifier_2_5070" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Selbst einige Sachen, die mir gute Freunde &uuml;ber sich erz&auml;hlt haben, h&auml;tte ich am liebsten nie erfahren. Aber mit dieser Last muss man in einer Freundschaft irgendwie klarkommen.">3</a></sup></p>
<div align="center">* * *</div>
<p>Es sind Texte wie diese zwei aus &#8220;Bild am Sonntag&#8221;, bei denen man hofft, bei der Auswahl der eigenen Freunde das richtige Fingerspitzengefühl bewiesen zu haben, auf dass diese nicht mit irgendwelchen dahergelaufenen Journalisten plaudern, wenn man selbst mal zufälligerweise unter einen Tanklaster geraten sollte. Gleichzeitig ahnt man natürlich auch, dass die Menschen, die reden <i>würden</i>, nur das Schlechteste über einen zu berichten wüssten: Frühere Mitschüler, mit denen man nie etwas zu tun hatte; Ex-Kollegen, die man im Eifer des Gefechts mal eine Spur zu hart angegangen hat; Internet-Nutzer, die glauben, aufgrund der Lektüre verschiedener Blog-Einträge und -Kommentare einen Eindruck von der eigenen Person zu haben.</p>
<div align="center">* * *</div>
<p>Überhaupt sollte man bei dieser Gelegenheit und für alle Zeiten noch mal auf den <a href="http://www.bildblog.de/hilfe-ich-bin-in-bild-teil-1/">Ratgeber</a> &#8220;Hilfe, ich bin in BILD!&#8221; zu verweisen, den die Kollegen vor mehr als drei Jahren zusammengestellt haben, aber der natürlich immer noch gültig ist, wenn &#8220;Bild&#8221;-Reporter, <a href="http://www.bildblog.de/1836/im-zweifel-wars-immer-der-trittbrettfahrer/">Menschen, die sich als solche ausgeben,</a> oder andere Medienvertreter bei einem anrufen.</p>
<div align="center">* * *</div>
<p>Wenn ein <a href="http://www.wdr.de/themen/panorama/personen/wittke/index.jhtml">Verkehrsminister</a> seinen Führerschein wegen Geschwindigkeitsüberschreitung abgeben muss, ist das eine interessante Information, weil seine private Verfehlung mit seinem öffentlichen Amt kollidiert. Wenn dagegen ein Landwirtschaftsminister beim Rasen erwischt würde, sähe ich keinen Zusammenhang zu seinem Amt und somit auch keinen Grund für öffentliche Verlautbarungen.<sup><a href="http://www.coffeeandtv.de/2010/03/28/boulevardjournalismus-maander/#footnote_3_5070" id="identifier_3_5070" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Dass sich generell jeder an die Verkehrsregeln halten sollte, steht dabei au&szlig;er Frage.">4</a></sup></p>
<p>Im Falle Kachelmann haben die Vorwürfe gegen ihn nichts mit seinem Beruf zu tun. Zwar ist es durchaus denkbar, dass ein öffentlich-rechtlicher Sender auf die Dienste vorbestrafter Moderatoren verzichten würde (schon, um Schlagzeilen wie &#8220;Unsere Gebühren für den Vergewaltiger!&#8221; zu vermeiden), aber darüber kann die ARD ja immer noch entscheiden, wenn es ein rechtskräftiges Urteil eines ordentlichen Gerichts gibt.</p>
<p>Allein über die irrige (und oft gefährliche) Annahme, man müsse immer sofort losberichten, wenn man von einer Sache Wind bekommen hat, könnte ich mich stundenlang auslassen. Das Internet und der herbeiphantasierte Anspruch, man müsse nicht der Beste, sondern nur der Schnellste sein, hat Journalismus zu etwas werden lassen, was mit &#8220;work in progress&#8221; mitunter noch schmeichelhaft umschrieben wäre. &#8220;Work in preparation&#8221; wäre mitunter passender.</p>
<div align="center">* * *</div>
<p>Von der Arbeitsweise mancher Medienvertreter konnte ich mich in den letzten Tagen selbst überzeugen, als mich ein Mitarbeiter der Zeitschrift &#8220;Der Journalist&#8221; anrief, die ausgerechnet vom Deutschen Journalisten-Verband herausgegeben wird: Es ging um Vorwürfe, ein Kollege, der auch für BILDblog schreibt, habe Zitate erfunden. Der Mann vom &#8220;Journalisten&#8221; wollte die Handy-Nummer des Kollegen, die ich ihm nicht geben konnte, und erklärte mir dann, er wolle auf alle Fälle erst mal mit dem Betroffenen selbst sprechen, bevor er etwas veröffentliche. Der Zeitdruck sei ja auch nicht sooo groß, zumal bei einer Monatszeitschrift.</p>
<p>&#8220;Das ehrt Sie schon mal&#8221;, hatte ich sagen wollen, es dann aber doch nicht getan, weil es mir albern erschien, vermeintliche Selbstverständlichkeiten zu loben. Glück gehabt, denn ich hätte mein Lob zurücknehmen müssen, wie sich alsbald <a href="http://www.stefan-niggemeier.de/blog/vorurteil-im-schnellgericht/">zeigte.</a></p>
<div align="center">* * *</div>
<p>Doch noch einmal zurück zu Jörg Kachelmann: Wenn sich die Redaktion der &#8220;Tagesschau&#8221; nach langen Diskussionen <a href="http://blog.tagesschau.de/?p=7639">entscheidet</a>, nicht über die Vorwürfe gegen ihn und seine Verhaftung zu berichten, kriegt sie dafür einen auf den Deckel.</p>
<p>Die selben Medien, die sich im Vergleich zum bösen, bösen Internet (das neben hundert anderen Gesichtern natürlich auch seine <a href="http://www.stefan-niggemeier.de/blog/kommtn-meteorologe-inn-knast/">hässliche Fratze</a> zeigt) immer wieder ihrer &#8220;Gatekeeper&#8221;-Funktion rühmen (die also wichtige von unwichtigen, richtige von unrichtigen Meldungen unterscheiden zu können glauben), haben ihre eigenen Scheunentore sperrangelweit offen und leiten ihre <em>Verpflichtung</em> (mit einer Berechtigung ist es nicht getan) zur Berichterstattung daraus ab, dass auch die Justiz aktiv geworden ist.</p>
<p>Franz Baden auf <a href="http://www.sueddeutsche.de/medien/674/506841/text">sueddeutsche.de:</a></p>
<blockquote><p>Im Fall Kachelmann hat eine Frau Strafanzeige erstattet &#8211; und das Amtsgericht Mannheim Haftbefehl erlassen, als sich der Tatverdacht erhärtet habe. Darüber wird berichtet werden müssen.</p></blockquote>
<p>Wenn sich ein Journalist hinstellt und zu Besonnenheit aufruft, wie es Michalis Pantelouris in seinem Blog <a href="http://print-wuergt.de/2010/03/23/was-wir-schreiben-wenn-wir-vermuten-jorg-k-ware-unschuldig/">&#8220;Print Würgt&#8221;</a> getan hat, kommt der Chefredakteur <strike>des Mediendienstes</strike> <strike>des Trash-Portals</strike> von Meedia.de vorbei und wirft ihm in einem <a href="http://print-wuergt.de/2010/03/23/was-wir-schreiben-wenn-wir-vermuten-jorg-k-ware-unschuldig/#comment-1509">Kommentar</a> vor, solche Blogeinträge seien &#8220;rufschädigend für den Journalismus&#8221;.</p>
<p>Mir ist nach der letzten Woche ehrlich gesagt nicht ganz klar, auf was für einen Ruf er sich da eigentlich noch bezieht.</p>
<ol class="footnotes"><li id="footnote_0_5070" class="footnote">Der Kabarettist Volker Pispers sagte einmal über die Reporter, die nach den Anschlägen des 11. September 2001 in Hamburg das Umfeld des Anführers Mohammed Atta ausgefragt hatten: &#8220;Solche Menschen können Sie nur zufriedenstellen, indem Sie sagen: &#8216;Ja, so ein bisschen nach Schwefel gerochen hat er schon ab und zu.&#8217;&#8221;</li><li id="footnote_1_5070" class="footnote">Auch wenn Musiker meist die besseren Songs schreiben, wenn es ihnen schlecht geht, aber so egoistisch sollte man als Hörer dann auch nicht sein.</li><li id="footnote_2_5070" class="footnote">Selbst einige Sachen, die mir gute Freunde über sich erzählt haben, hätte ich am liebsten nie erfahren. Aber mit dieser Last muss man in einer Freundschaft irgendwie klarkommen.</li><li id="footnote_3_5070" class="footnote">Dass sich generell jeder an die Verkehrsregeln halten sollte, steht dabei außer Frage.</li></ol>]]></content:encoded>
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		<title>Hinter all diesen Türen</title>
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		<pubDate>Thu, 11 Mar 2010 18:43:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Lukas Heinser</dc:creator>
				<category><![CDATA[Somebody Told Me]]></category>
		<category><![CDATA[behind the scenes]]></category>
		<category><![CDATA[bildblog]]></category>
		<category><![CDATA[bremen]]></category>
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		<description><![CDATA[Bei Recherchen stößt man manchmal auf Dinge, die nichts mit dem aktuellen Thema zu tun haben, aber so außergewöhnlich, kurios oder toll sind, dass man sie trotzdem gern mit der Welt teilen möchte. So wie diese Pressemitteilung der Bremer Polizei: Unglaublich aber wahr (9. März 2010) Die Geschichte fing damit an, dass gestern Mittag eine [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Bei <a href="http://www.bildblog.de/17070/das-hunde-killer-phantom-von-bremen-west/">Recherchen</a> stößt man manchmal auf Dinge, die nichts mit dem aktuellen Thema zu tun haben, aber so außergewöhnlich, kurios oder toll sind, dass man sie trotzdem gern mit der Welt teilen möchte.</p>
<p>So wie diese Pressemitteilung der <a href="http://www.polizei.bremen.de/detail.php?gsid=bremen09.c.1569.de">Bremer Polizei</a>:</p>
<blockquote><p><strong>Unglaublich aber wahr</p>
<p>(9. März 2010)</strong> Die Geschichte fing damit an, dass gestern Mittag eine ältere Dame im Buntentorsteinweg ihren Abfall aus dem Haus bringen wollte. Nach Erledigung musste sie aber feststellen, dass ihre Haustür zugefallen und sie keinen Haustürschlüssel mitgenommen hatte. Die Frau wandte sich daraufhin hilfesuchend an ihren Nachbarn, der seine Schutzmannskollegen informierte. Die sehr aufgeregte 88 Jahre alte Frau konnte den uniformierten Helfern lediglich mitteilen, dass ihre Tochter im Besitz eines Ersatzschlüssels sei. Deren Adresse und Telefonnummer fielen ihr in der Aufregung nicht mehr ein. Nachdem diese Lücke schnell durch die Polizeibeamten geschlossen werden konnte, wurde ein Einsatzfahrzeug zur Adresse der Tochter entsandt. Die 55-Jährige wurde auch angetroffen und um Hilfe gebeten. Nach einigen Minuten mussten die Beamten allerdings über Funk ihren Kollegen bei der Mutter mitteilen, dass es mit der Hilfe noch dauern wird, weil der Tochter bei dem Gespräch mit ihnen die Haustür zugefallen sei. Einen Ersatzschlüssel hätte nur die Mutter! Daraufhin orderten die Beamten einen Schlüsseldienst zum Buntentorsteinweg. Als die Tochter sich jetzt auf den Weg machen wollte, um ihren Ersatzschlüssel bei der Mutter abzuholen, fiel ihr siedendheiß ein, dass sie das Mittagessen auf dem Herd hatte. Logische Konsequenz &#8211; ihre Haustür wurde jetzt von der eilig informierten Feuerwehr geöffnet. Außer einem leichten Brandgeruch wurden keine weiteren Schäden festgestellt. Nachdem der Schlüsseldienst die Haustür der Mutter geöffnet hatte, wurde auch hier leichter Brandgeruch wahrgenommen. Auch die Mutter hatte ihr Essen auf dem Herd gehabt. Die Mittagessen bei Mutter und Tochter waren nach Angaben der Einsatzkräfte gut durchgekocht.</p></blockquote>
<p>Eine Verfilmung mit Inge Meysel in der Hauptrolle ist angeblich bereits in Planung.</p>
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