Zum Schreien

Von Lukas Heinser, 11. April 2018 11:57

Ich habe den Moment noch relativ genau vor Augen: Vor über 20 Jahren (es muss im Frühjahr 1995 oder ’96 gewesen sein) ging ich in San Francisco eine Straße entlang und hatte ein Lied im Kopf, das ich zuvor bei „Hit Clip“, der legendären Musikvideoshow im WDR Fernsehen, gehört hatte. Eigentlich hatte ich nur einen Teil des Refrains im Kopf und der hatte folgenden Text: „Scream and shout, shout and let it out“. Den Interpreten wusste ich nicht und auch den Song, irgendsoein zeitgenössisches Eurodance-Dingen hatte ich schon weitgehend vergessen. Auch diese Zeile sollte alsbald wieder aus meinem Kopf verschwinden.

Bis sie irgendwann, Jahrzehnte später, wieder da war. „Kein Problem“, dachte ich, „kann man ja alles googeln!“ Allein: Diese Zeile führte zu keinem Ergebnis. Die Isley Brothers waren es nicht, die riefen zwar, drehten (sich) aber dazu und schrieen nicht. will.i.am von den schrecklichen Black Eyed Peas und Britney „Bitch“ Spears riefen und schrieen zwar (und wollten gar alles rauslassen), hatten den von mir gesuchten Song aber weder gecovert noch gesamplet. Oasis hatten zwar (zu einer Zeit, als sie nicht nur noch grandiose Songs schrieben, sondern diese sogar als B-Seiten veröffentlichten) davon gesungen, alles laut herauszurufen, aber die suchte ich natürlich ebenso wenig wie die Shout Out Louds.

Das war vor einigen Jahren. Die Textzeile kam immer mal wieder in meinem Gehirn vorbei und verlangte von mir, dass ich im Internet nach ihrer Heimat suchte, aber diese blieb unauffindbar und „Scream and shout, shout and let it out“ wurde bald zur Erika Steinbach meiner persönlichen Popkulturrätsel. (Klar: Neunzehnhundertwasmitneunzich hatte sich noch nicht jede Plattenfirma, die sich auf die schnelle Vermarktung von Autoscootermusik spezialisiert hatte, die Mühe gemacht, ihre – oftmals ja auch nicht besonders tiefgehenden – Texte ins damals noch sehr junge WWW zu stellen. Aber dieses Wissen half mir ja auch nicht.)

Und dann, letzte Woche: Auf Spotify erfuhr ich, dass Alex Christensen (Platz 20 beim ESC 2009) seinen alten Projektnamen U96 (benannt nach dem U-Boot aus dem Film, dessen Klaus-Doldinger-Titelmusik er weiland zu einem sehr erfolgreichen Technostampfer umgebaut hatte) wieder ausgegraben hatte, um mit dem ehemaligen Kraftwerk-Schlagzeuger Wolfgang Flür eine Art Kraftwerk-Tribute-Single aufzunehmen, die zwar „Zukunftsmusik“ heißt, aber natürlich das Gegenteil dessen ist.

Plötzlich war alles wieder da: „Club Bizarre“, 2 Unlimited — und auch diese verdammte Liedzeile. Also wieder: bei Google eingeben, vorab schon resignieren und …

Doch da: ein Suchergebnis!

Google-Suchergebnis

Warum steht denn da „2011“? Das hätte ich doch in den letzten Jahren … Egal: schnell nach „the free shout“ gesucht und, endlich, nach all den Jahren und Jahrzehnten, hatte ich den Rest vom Puzzle gefunden!

Gut: Ich muss das Lied jetzt auch kein drittes Mal hören!

3 Kommentare

  1. Chris
    11. April 2018, 12:41

    Zu Empfehlen ist auch das Cover von Groove Coverage aus dem Jahr 2012 (nennt sich auch „Shout“).

  2. Sebastian
    11. April 2018, 16:49

    Dein Shout! ist mein Shalali lala.
    https://www.youtube.com/watch?v=lJSK8Wd3sxE

  3. Lukas Heinser
    12. April 2018, 10:59

    @Sebastian: Bei diesen Worten denke ich natürlich nur an eines: https://www.youtube.com/watch?v=HdA2SsM3BLI

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