The best of whom?

Von Lukas Heinser
Veröffentlicht: 26. Oktober 2012 16:01

Ich hatte ja schon mal von der Idee berichtet, einen Internationalen Strafgerichtshof für Coverversionen (Sitz: Tötensen) ins Leben zu rufen. Dieser Gedanke wurde gerade wieder akut, als ich auf Bild.de über diese Schlagzeile stolperte:

Videopremiere von "Best Of You": Anastacia covert "Foo-Fighters"-Hit

Ja, fürwahr: Anastacia, die Anfang des Jahrhunderts einige Hits hatte, die mir auch nach dem Nachschlagen in der Wikipedia nicht mehr ins Ohr zurückgekommen sind, hat sich einen der besten Foo-Fighters-Songs vorgenommen.

Bild.de erklärt:

Für “It’s A Man’s World” hat die US-Sängerin klassische Rocksongs von männlichen Mega-Stars neu interpretiert, darunter den “Foo-Fighters-Hit “Best Of You”.

Anastacia wird mit den Worten zitiert:

“Ich würde ein Coveralbum mit klassischen Männer-Rocksongs machen. Wie ich selbst!! Das ‘Chick’, das einige eine B**ch mit Eiern nennen!”

Und so klingt es, wenn das Hühnchen, das auch eine Hündin mit Eiern ist, los … äh: rockt:


Anastacia — Best of you – MyVideo

Lassen Sie mich an dieser Stelle kurz Sean Connery in der Rolle des John Patrick Mason in “The Rock” zitieren:

Your “best”?! Losers always whine about their best. Winners go home and fuck the prom queen.

Ich habe wirklich nichts gegen Coverversionen, solange ich das Gefühl habe, dass da irgendetwas Eigenes vom Interpreten in die neue Version mit einfließt. Das hier ist vielleicht noch schlimmer als das “Ring Of Fire”-Massaker von den H-Blockx, weil dahinter keine einzige eigene Idee zu erkennen ist, nur ein halbwegs bekanntes Original, das mit zu viel Weichspüler zu heiß gewaschen wurde.

Zu den anderen Songs auf Anastacias Coveralbum zählen unter anderem “Sweet Child O’ Mine” von Guns N’ Roses, “Back In Black” von AC/DC, “Use Somebody” von den Kings Of Leon, “You Give Love A Bad Name” von Bon Jovi, “Wonderwall” von Oasis und “Black Hole Sun” von Soundgarden.

Anders gesagt: Ein ganz normaler Abend in der Karaokebar.

19 Kommentare

  1. Olaf
    26. Oktober 2012, 16:32

    > Anders gesagt: Ein ganz normaler Abend in der Karaokebar.

    YMMD! Anderseits aber, ich habe jetzt Angst vor den anderen Liedern.

  2. Robert
    26. Oktober 2012, 16:35

    Die haben bei Bild.de Bitch mit Sternchen zensiert, ja? Find ich ja krass bzw. erwähnenswert.

  3. Lukas Heinser
    26. Oktober 2012, 16:37

    Das machen sie auch mit Arsch, ficken und vergleichbaren Wörtern.

    Vermutlich sind an den Tagen, an denen Ernst Elitz* nicht im Blatt kommentiert, einfach noch ein paar Asteriske übrig, die irgendwo verwendet werden müssen.

  4. Rincewind_krm
    26. Oktober 2012, 17:00

    Vielen Dank für die Erinnerung an diese grauenhafte Coverversion der H-Blockx, die hatte ich seit Jahren erfolgreich verdrängt.

  5. Karsten
    26. Oktober 2012, 17:54

    Gibt es den Begriff “Milf Rock” eigentlich schon oder muss man ihn für diese “Interpretation” erst erfinden?

    Allein das völlig sinnlose Gitarrensolo. Dagegen ist “Cose della vita” als Ramazotti-Turner-Duett ja noch geschmackvoll arangiert.

  6. Matze
    26. Oktober 2012, 18:44

    Hmmm, ich fand Ring of Fire damals eigentlich ziemlich gut.
    Zu dem Song von Anastacia kann ich nichts sagen, da ich das Original von den Foo Fighters nicht kenne. Die Songliste im letzten Absatz macht allerdings Angst.
    Ich erinnere übrigens nochmal an dieses schlimme Cover, bei dem Anastacia auch ihre Finger drin hat: http://www.myvideo.de/watch/52.....Night_Long

  7. Tobias
    26. Oktober 2012, 19:17

    @Robert:
    Nennt sich “Safe For Work”. Wenn man schlimme Wörter ausschreibt, kann es sein, dass der Filter am Arbeitsplatz Bild nicht durchlässt und das wäre ja schade um die guten Klicks.

  8. Kunar
    26. Oktober 2012, 20:22

    Ich verwende seit Jahren den Spruch: “Für diese Coverversion werden sie sich eines Tages vor Den Haag verantworten müssen wegen Verbrechen gegen die Menschheit.” Ähnliches gilt fürs zu-Tode-samplen von guten Liedern.

    Anastacia gehört anscheinend zu den Musikern, die alles covern und benutzen, was nicht bei drei aus den Ohren ist. Ihr “Don’tcha Wanna” ist ursprünglich “I Believe (When I Fall in Love It Will Be Forever)” von Stevie Wonder (ja, das Lied aus “High Fidelity”).

  9. Hannah
    26. Oktober 2012, 21:10

    Sound und Auftreten erinnern in der Tat stark an Karaokebar-Auftritte, aber es gibt einen entscheidenden Unterschied: SIE will damit Geld verdienen…und schafft es vermutlich sogar auch noch…

  10. Robert
    27. Oktober 2012, 4:43

    Tobias: Ah, an Filter an Arbeitscomputern habe ich gar nicht gedacht. Schien mir sehr merkwürdig, ein fremdsprachiges Schimpfwort nicht auszuschreiben.

  11. Manfred
    27. Oktober 2012, 9:15

    Da fällt mir doch gleich das ein:
    http://www.amiright.com/parody/80s/bonjovi45.shtml

  12. Frank
    27. Oktober 2012, 11:32

    @Karsten: (kurze) Soli sind halt (wieder) in. Muss ma mit Leben, wird künftig in vielen (Pop)songs wieder vorkommen. Bald bestimmt auch wieder Saxofon…

  13. Sigmund
    27. Oktober 2012, 19:33

    Natuürlich ist sie Rock!! :-)

    Ich war einmal in meinem Leben bei Rock am Ring, im Jahre 1999. Da spielte Sie, allerdings nach Robbie Williams und Headliner war Bryan Adams.

  14. vib
    28. Oktober 2012, 16:05

    Die Vorstellung, dass diese Tanta da oben “Black hole sun” covert, führt bei mir zu mehr als nur ein wenig Unwohlsein…

  15. Eule
    28. Oktober 2012, 19:44

    @Frank: Apropos kurze Saxophon-Soli:

    http://www.youtube.com/watch?v=kxopViU98Xo

    (Und verflixt, ich mag diesen Song irgendwie immer noch.)

  16. JJPreston
    29. Oktober 2012, 19:11

    Why the fuzz? Stilistisch ist das Ding doch vollauf anastaciasiert (um nicht zu sagen: anästhesiert). Und es ist doch nun wirklich nicht neu, woher Anastacia ihre Daseinsberechtigung zieht: Aus den Leuten, denen Melissa Etheridge zu lesbisch, die Guano Apes zu heavy, die Foo Fighters zu maskulin und Andrea Berg zu wendler sind…

    @Sigmund:
    Anastacia ist nicht Rock – sie ist eher Jacke wie Hose…
    (muaha…)

  17. dot tilde dot
    2. November 2012, 13:26

    a propos black hole sun: brad mehldau!

    bier dazu, einen späten abend, vorsicht: jazz.

    .~.

  18. Martin
    14. November 2012, 8:26

    @Sigmund: GANZ sicher, dass es Rock am Ring gewesen ist? Und wenn ja: war es DAS Rock am Ring? :-)

    Wie schon erwähnt bereitet auch mir die Liste der gecoverten Songs mittlere Übelkeit. Aber erst wenn sich einer an “Nothing else matters” versucht, werde ich persönlich in Den Haag klagen…

  19. Melli
    6. Februar 2013, 20:11

    @ Kunar
    Ich weiß nicht, ob Sie “Don’t cha wanna” wirklich gehört haben (Ich habe es gerade nocheinmal zur Sicherheit getan), aber es war ganz sicher ursprünglich nicht “I believe (When I Fall in Love It Will Be Forever)!
    Ich persönlich finde die Songauswahl gut. Außerdem hätte sie die Songs ja nicht gecovert, wenn sie die Scheiße finden würde, oder? :) (Ich will damit sagen, sie kennt gute Musik…)
    Und eigentlich war die Idee hinter diesem Album, die Songs so zu lassen, wie sie sind, weil sie genial sind, wie sie sind, und dem Ganzen nur eine Note Weiblichkeit einzuhauchen, nur mit der Tatsache, dass sie es singt.

    P.S.: Das Album ist ziemlich geil geworden! :D

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