Whisper words of wisdom
Von Lukas Heinser
Veröffentlicht: 13. April 2012 11:58
Jeden Freitag veröffentlicht Christoph Dallach eine Popmusik-Kolumne auf “Spiegel Online”. Heute widmet er sich zum Beispiel inhaltlich missverstandenen Liedtexten:
Immer wieder passiert es Menschen, die des Englischen nicht ganz so mächtig sind, dass sie Liedtexte anders deuten, als die Autoren sie gemeint haben. Aber auch, wer Englisch als Muttersprache gelernt hat, bekommt mitunter nicht mit, was ein Song wirklich bedeutet. Acht Parade-Beispiele für häufig falsch verstandene Liedtexte hat nun das Blog Divine Caroline zusammengetragen.
Ferner geht es um Paul McCartneys Sohn James, der in einem Interview mit der BBC unvorsichtigerweise gesagt hatte, er könne sich vorstellen, gemeinsam mit Sean Lennon, Dhani Harrison und Jason Starkey Musik zu machen. Die Geschichte ging als “Next Generation Beatles” um die Welt.
Dallach schreibt:
Dummerweise entpuppte sich auch dieser Plan letztlich als Niederlage: Von der Online-Ausgabe des “Guardian” befragt, ob Interesse an so einer B-Beatles-Gang bestünde, antworteten 82,8 Prozent der User: Nein danke. Let it be!
Blöd, dass “Let It Be” nicht bei den acht “Parade-Beispielen für häufig falsch verstandene Liedtexte” dabei war, gilt es inzwischen doch als einigermaßen sicher, dass “let it be” nicht im Sinne von “lass es bleiben”, sondern als “lass es geschehen” gemeint ist.
Paul McCartney jedenfalls hat die Inspiration zum Song wie folgt beschrieben:
One night during this tense time I had a dream I saw my mum, who’d been dead ten years or so. And it was great to see her because that’s a wonderful thing about dreams, you actually are reunited with that person for a second… In the dream she said, ‘It’ll be alright.’ I’m not sure if she used the words ‘Let it be’ but that was the gist of her advice, it was ‘Don’t worry too much, it will turn out okay.’ It was such a sweet dream I woke up thinking, ‘Oh, it was really great to visit with her again.’ I felt very blessed to have that dream.
Aber es passiert halt immer wieder Menschen, die des Englischen nicht ganz so mächtig sind, dass sie Liedtexte anders deuten, als die Autoren sie gemeint haben.
Mit Dank an Philip.

13. April 2012, 12:49
Das falsch oder anders deuten trifft aber und natürlich auch auf Muttersprachler zu.
13. April 2012, 13:57
Oh ja, sowas kann schön sein. “Dieses Lied ist ja sooo romantisch! Das haben mein Freund und ich gleich zu *unserem* Lied gemacht! <3" "Äh, singt der nicht von einer ziemlich brutalen Trennung? Na dann, viel Glück euch….."
13. April 2012, 15:14
Oh Mann, das mit Let it be weiß sogar ich, der ich dazu neige, Passagen, die ich nicht verstehe, mir einfach selbst zusammenzureimen…
13. April 2012, 15:55
Das ist doch eine feine Sache. So kann sich jeder selbst eine Theorie zu dem Lied bilden und sich seine eigene Botschaft herauslesen. ;-)
Gruß
Fulano
13. April 2012, 23:38
Das Missverständnis in der Übersetzung trifft ja nicht nur Liedtexte.
Mein Lieblingsbeispiel ist das grausame “Das macht Sinn.” als eine direkte Übersetzung des englischen “it makes sense.”
Richtiger wäre eben “Das ergibt einen Sinn.”, wenn man schon nicht die logischere deutsche Version “Das hat Sinn.” benutzt.
14. April 2012, 9:41
Petra:
“Das macht Sinn” finde ich aber jetzt nicht so schlimm. Hat was Norddeutsches. Und Sprache darf sich ja auch unlogisch entwickeln.
Lukas: dein Beitrag ist geradezu boshaft – aber unterhaltsam :-)
14. April 2012, 17:04
Bastian Sicks Rempelei gegen „Das macht Sinn“ hat zwar viele Fans gefunden, doch nicht jeder will ihm dabei folgen:
http://www.iaas.uni-bremen.de/.....index.html
14. April 2012, 19:10
“Haha, der hat was falsch gemacht.” – Jetzt bin ich mir endgültig sicher: In der Schule warst du einer von den coolen Kids.
15. April 2012, 12:04
Könnte doch aber auch ironisch gemeint sein, oder nicht? Selbst mein 20 Jahre alter Sohn, der die Beatles mehr von Hörensagen kennt, interpretiert diese drei Worte richtig.
15. April 2012, 18:21
Genau. Ich würde Herrn Dallach hier auch mal Ironie unterstellen. Passte nach der selbstgestellten Vorlage doch schön :-)
16. April 2012, 8:03
Aber:
- “Let it Be” steht im Guardian-Artikel, nicht nur bei SPON
- Positiv gesprochen könnte man also annehmen, dass Herr Dallach den Kalauer des Guardians aufgenommen hat und sich – wohlweißlich der “wahren” Bedeutung des Textes – mit der Doppelbedeutung von “Let it Be” einen Scherz erlaubt hat.
Warum nicht?
26. April 2012, 12:48
Ohne “no woman non cry” als “keine Frau kein Geschrei” ist so eine Liste unvollständig!
8. Mai 2012, 20:12
Uargh!
Über “let it be” habe ich mich damals in der neunten mit meiner Musiklehrerin gestritten. Sie war nicht mal willens, meine Interpretation (“ermögliche es, indem du nicht intervenierst” statt “lass es sein”) als Möglichkeit anzuerkennen.