Beiträge vom November, 2011

Absolut nicht aussagekräftig

Von Lukas Heinser am Montag, 28. November 2011 22:47
Kategorie: Digital Ist Besser, Social Distortion

Es ist ein erschütternde Nachricht, die “Spiegel Online” heute überbringt:

Nirgendwo in Deutschland werden mehr rechte Straftaten gezählt als in dem bevölkerungsreichen Nordrhein-Westfalen.

Und nicht nur das: Auch die meisten Verkehrsunfälle, Ehescheidungen und Sterbefälle werden im bevölkerungsreichen Nordrhein-Westfalen gezählt. (Aber auch die meisten Eheschließungen und Geburten.)

Tatsächlich bringt es erstaunlich wenig, die absoluten Zahlen verschiedener Bundesländer zu irgendeinem Thema zu vergleichen.

Im Verfassungsschutzbericht 2010 (PDF) steht zum Beispiel:

Die – in absoluten Zahlen – meisten politisch rechts motivierten Gewalttaten mit extremistischem Hintergrund ereigneten sich mit 149 registrierten Delikten in Nordrhein-Westfalen, das allerdings bezogen auf je 100.000 Einwohner im mittleren Feld der Statistik liegt.

Jörg Diehl, Düsseldorfer Korrespondent des Online-Magazins, verbreitet die wenig erstaunliche Nullinformation schon länger:

Das Klischee besagt zwar, Skinheads und Neonazis trieben vor allem im Osten der Republik ihr Unwesen, doch in Wahrheit werden nirgendwo in Deutschland mehr rechte Straftaten gezählt als in dem bevölkerungsreichen Nordrhein-Westfalen.

(31. August 2011)

Das Klischee besagt zwar, Skinheads und Neonazis trieben vor allem im Osten der Republik ihr Unwesen, doch in Wirklichkeit werden nirgendwo in Deutschland mehr rechte Straftaten gezählt als in Nordrhein-Westfalen.

(15. Juni 2011)

Das Gute an Diehls aktuellem Artikel aber ist, dass man bei der Lektüre kaum bis zu dem unsinnigen Satz durchdringt — vorher ist man nämlich schon über den Einstieg gestolpert und bewusstlos liegen geblieben:

Man hätte meinen können, die Neonazis hielten sich erst einmal zurück. Man hätte denken können, die allgemeine Empörung über die der Zwickauer Zelle zugeschriebenen Verbrechen machte sie vielleicht nachdenklich. Doch das Gegenteil scheint der Fall zu sein: Während die Republik mit der bitteren Erkenntnis ringt, dass es hierzulande tatsächlich rechtsradikale Terroristen gibt, schlagen die Glatzen in Dortmund wieder zu.

Natürlich: Bei all der “allgemeinen Empörung” werden Neonazis “nachdenklich”. Weil das, was diese Leute jahrelang am Liebsten gemacht hätten, schon jahrelang gemacht wurde.

Wer seine Artikel in einer derartigen rhetorischen und logischen Schieflage eröffnet, kann sie auch so beenden. Bei Jörg Diehl liest sich das so:

Jetzt allerdings könnten die Dortmunder Neonazis mit Sven K. einen schlagkräftigen Kader verlieren. Seit Sonntag sitzt der 24-Jährige in Untersuchungshaft und schon macht in Justizkreisen ein Wort die Runde, das eigentlich auch von den linken Aktivisten sehr begrüßt wird. Es lautet: Sicherungsverwahrung.

Offiziell indes mag sich die Staatsanwaltschaft dazu nicht äußern. Noch nicht.

Linke Aktivisten begrüßen das Wort “Sicherungsverwahrung” (aber nur eigentlich) und die Staatsanwaltschaft mag sich dazu noch nicht äußern. Und das alles im bevölkerungsreichen Nordrhein-Westfalen.

Man hat sich entschuldigt

Von Lukas Heinser am Freitag, 25. November 2011 13:10
Kategorie: Living In A Magazine, Political Science

In unserer beliebten Reihe “Öfter mal ‘man’ sagen” heute zu Gast: Karl-Theodor zu Guttenberg, Ex-Verteidigungsminister und Ex-Doktor.

In dem ohnehin hochgradig verstörenden Gespräch, das “Zeit”-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo mit Guttenberg geführt hat, ereignet sich unter anderem folgender Dialog:

ZEIT: Welche Fragen sind es denn, die Ihnen die Wohlmeinenden stellen?

Guttenberg: Es ist vor allem die Frage, wie es bei jemandem, dessen politische Arbeit man sehr geschätzt hat, zu einer so unglaublichen Dummheit wie dieser Doktorarbeit kommen konnte. Und ich hatte noch nicht die Möglichkeit, diese Fragen in aller Offenheit zu beantworten.

ZEIT: Was können Sie denn jetzt in aller Offenheit sagen?

Guttenberg: Es steht völlig außer Frage, dass ich einen auch für mich selbst ungeheuerlichen Fehler begangen habe, den ich auch von Herzen bedauere. Das ist in dieser sehr hektischen Zeit damals auch ein Stück weit untergegangen. Ebenso, wie man sich damals bereits entschuldigt hat.

Warum “Bild” wohl über Herzog herzog?

Von Lukas Heinser am Donnerstag, 24. November 2011 17:09
Kategorie: Living In A Magazine

Irgendwann wird “Bild” in der Rubrik “Verlierer des Tages” mal über irgendeine Person schreiben: “XXX wurde in einer großen deutschen Boulevardzeitung zum Verlierer des Tages erklärt. BILD meint: Zu Recht”

Bis es soweit ist, begnügt sich die Zeitung mit solchen Varianten:

Verlierer: Kult-Regisseur Werner Herzog (69, "Fitzcarraldo") wurde in der Schule die Liebe zur Musik (vorerst) ausgetrieben. Fast eine Stunde habe der Lehrer ihn vor der Klasse stehen lassen, um ihn zum Singen zu zwingen. "Ich sang und schwor mir, nie wieder zu singen", verriet Herzog der "Zeit". BILD meint: Has(s)t du Töne?!

Das ergibt ungefähr gar keinen Sinn. Nach der gleichen Logik könnte “Bild” einem Kriegsheimkehrer sein Kriegstrauma vorwerfen oder einem Fernsehmoderator, dessen vermeintliches Privatleben in der Boulevardpresse ausgebreitet wurde, dessen Abneigung gegenüber der selbigen.

Es gibt auch keinen Anhaltspunkt, warum “Bild” Herzog heute einen auswischen können wollte: Im (hochgradig verstörenden) “Zeit”-Artikel äußert sich der Regisseur nicht über die Zeitung oder Friede Springer, ja gerade gestern war bei Bild.de anlässlich des 20. Todestages von Klaus Kinski noch ein Interview mit Herzog erschienen.

Auch ein Blick ins “Bild”-Archiv macht nicht schlauer, förderte aber eine schöne Bildunterschrift vom 23. April 2010 zutage:

Alt-Bundespräsident Werner Herzog mit seiner Frau Alexandra Freifrau von Berlichingen

Jetzt oder Apophänie

Von Lukas Heinser am Mittwoch, 23. November 2011 18:28
Kategorie: Digital Ist Besser

Täglich gibt es neue Erkenntnisse, Spekulationen und Mutmaßungen über die rechtsradikal motivierte Mordserie, die die Presse etwas widerwillig nicht mehr als “Döner-Morde” zu bezeichnen versucht.

Seit Montag berichten die Medien darüber, dass es eventuell eine wie auch immer geartete Verbindung zwischen der im Rahmen der Mordserie ebenfalls erschossenen Polizistin und den Mördern gegeben haben könnte.

Der Artikel bei “Spiegel Online” endet mit den Worten:

In Polizeikreisen kursiert inzwischen eine neue Theorie der Tat: Demnach könnten sich die abgetauchten Rechtsterroristen und mutmaßlichen Killer, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt, von der Beamtin erkannt gefühlt haben. Vielleicht führten die Neonazis etwas anderes im Schilde, als Kiesewetter und ihr Kollege Martin A. dem Duo zufällig über den Weg liefen. Das erklärte, warum die Täter das Risiko auf sich nahmen, zwei bewaffnete Polizisten am helllichten Tag auf einem belebten Platz niederzuschießen. Sie glaubten, umgehend handeln zu müssen.

Das war nicht von Anfang an der letzte Absatz. In der ersten Version folgten noch zwei weitere Sätze:

Offiziellen Angaben zufolge machten die Beamten an diesem brüllend heißen 25. April 2007 gerade eine Pause, als sie attackiert wurden. Und dem Vernehmen nach aßen sie dabei Döner.

Sehweg nach Indien entdeckt

Von Lukas Heinser am Mittwoch, 23. November 2011 13:34
Kategorie: Rock'n'Roll High School, TV On The Radio

Vor einem Jahr hatte ich Ihnen von Polyana Felbel vorgeschwärmt, einem Boy/Girl Duo aus Köln. Die Band macht zur Zeit Babypause (das Girl ist Mutter geworden), aber man kann jetzt auch Musik von Polyana Felbel kaufen.

Streng genommen kann man das seit elf Monaten, als die sehr schöne Debüt-EP erschien, aber die neueste Veröffentlichung ist schon etwas besonderes: Auf dem Sampler der Erst-Internet-dann-auch-TV-Sendung “TV Noir” ist neben exklusiven Mitschnitten von William Fitzsimmons, Heather Nova und Klee auch der Song “India” von Polyana Felbel enthalten. Und diese CD können Sie bei Amazon, iTunes oder im lokalen Plattenladen erwerben.

Die ganze Sendung mit Polyana Felbel (und Annett Louisan) können Sie auch heute Nacht noch einmal auf 3sat sehen, zu Beginn einer mittelgroßen “TV Noir”-Nacht um 3.20 Uhr.

Alternativ gibt es die Sendung, von der ich immer noch nicht weiß, ob ich sie wegen ihrer Schwarz/Weiß-Ästhetik schön oder prätentiös finden soll, aber auch in diesem Internet.

Selena Gomez’ kleiner Einblick

Von Lukas Heinser am Freitag, 18. November 2011 11:26
Kategorie: Digital Ist Besser

Jahrelang unentdeckte Rechtsterroristen, die Eurokrise, Regierungswechsel in Griechenland und Italien, Schüsse auf das Weiße Haus und Pornofilme bei Ryan Air — wir leben in schweren Zeiten.

Auch “Spiegel Online”, lange Jahre Marktführer unter den deutschen Nachrichtenwebsites, berichtet über diese schweren Zeiten:

Bieber-Freundin Selena Gomez: Schwere Zeiten. Eine 20-Jährige behauptet, Justin Bieber sei der Vater ihres Kindes. Die Freundin des Teenie-Idols, sonst alles andere als zurückhaltend, hat die Gerüchte bisher nicht kommentiert. Nun gab Selena Gomez einen Einblick in ihre Gefühlswelt. Zumindest einen kleinen.

Selena Gomez, Sie erinnern sich, ist die Hauptdarstellerin der Disney-Channel-Serie “Die Zauberer vom Waverly Place”, eine erfolgreiche Popsängerin und die Freundin von Justin Bieber, dem womöglich größten Popstar unserer Tage.

Bieber hatte in den vergangenen Wochen mit einer “pikanten Angelegenheit” zu tun, die “Spiegel Online” gerne noch mal für uns zusammenfasst:

Die 20-jährige Mariah Yeater behauptet, der 17-Jährige sei der Vater ihres Kindes. Bieber bestreitet das und erklärte sich auch zu einem DNA-Test bereit. Nach einigem Wirbel hat Yeater ihre Klage auf einen Vaterschaftstest offenbar zurückgezogen, hält aber an ihrer Darstellung fest. Es scheint sich jedoch gegen sie zu wenden: Nun berichtet TMZ auch noch von angeblichen SMS, die Yeater als Lügnerin enttarnen sollen.

(Nein, “Spiegel Online” verlinkt nicht auf TMZ und erklärt auch nicht, was es mit dieser angeblichen SMS auf sich haben soll. Das steht da einfach nur so im Text rum.)

Aber das ist ja nur die Vorgeschichte. “Spiegel Online” hatte uns ja einen Einblick in die Gefühlswelt von Frau Gomez versprochen, zumindest einen kleinen.

Blinzeln Sie besser jetzt noch mal schnell, denn gleich könnten Sie den entscheidenden Moment verpassen:

Es war also ein guter Zeitpunkt für Gomez, um die Talkshow von Ellen DeGeneres zu besuchen. Es seien zwei verrückte Wochen gewesen, sagte die Moderatorin. “Das ist noch harmlos ausgedrückt”, antwortete Gomez. Es sei nicht leicht, damit umzugehen.

“War denn alles in Ordnung bei dir?”, fragte DeGeneres. “Ja, war es”, sagte Gomez.

Puh, durchatmen.

Das war’s?

Zum Glück ging es dann schnell mit eher angenehmen Problemchen weiter. DeGeneres und Gomez plauderten fortan über die tiefhängenden Hosen von Justin Bieber.

Das war’s.

Das ist “Spiegel Online” einen eigenen Artikel wert, der als Topmeldung des “Panorama”-Ressorts auf der Startseite angeteasert wird. Und eine neunteilige Bildergalerie, natürlich.

Die tiefhängenden Hosen werden dann sicher morgen groß abgehandelt.

Schlagzeilen nach Athen getragen

Von Lukas Heinser am Mittwoch, 16. November 2011 18:25
Kategorie: TV On The Radio

Paul Ronzheimer, “Pleite-Griechen”-Beauftragter von “Bild”, war kürzlich im griechischen Fernsehen. Dort tat er, was er in seinen Artikeln selten tut, und differenzierte zwischen der griechischen Bevölkerung und der griechischen Politik, weswegen er jede Menge Zustimmung bekam, wie er selbst schreibt.

Doch Ronzheimer war nicht allein im Fernsehen: Wir waren mit dabei — zumindest ein bisschen.

Die Zeitungsausrisse, mit denen die Grafiker der Sendung im Hintergrund Ronzheimers Lebenswerk bebilderten, hatten nämlich wir ausgerissen:

BILDblog vom 7. März 2010.

Coffee And TV vom 22. Juni 2011.

Ich kann übrigens gut verstehen, dass die Grafiker das nicht selbst machen wollten: Die obere Collage hat mich anderthalb Stunden gekostet.

Ich sang die ganze Zeit von Dir

Von Lukas Heinser am Donnerstag, 10. November 2011 20:57
Kategorie: Rock'n'Roll High School

Im Frühjahr 2001 waren Ash groß. “Shining Light” lief auf Viva 2 rauf und runter und die Band spielte bei der guten alten Osterrocknacht in der Düsseldorfer Philipshalle. Alan Bangs fragte Sänger Tim Wheeler damals, ob er eigentlich noch mit der Frau zusammen sei, über die er das Lied geschrieben habe, und Wheeler antwortete: Ja, das sei ja auch sonst komisch, den Song jeden Abend spielen zu müssen. Inzwischen ist Tim Wheeler mit Emmy The Great zusammen, die beiden veröffentlichen in Kürze ein gemeinsames Weihnachtsalbum. “Shining Light” spielen Ash aber immer noch.

Man darf in der Musik wie in der Literatur das Lyrische Ich nie mit dem Verfasser verwechseln. Johnny Cash hat (nach allem, was wir wissen) nie einen Mann in Reno erschossen, nur um ihn sterben zu sehen. Und doch erwartet man besonders bei Liebesliedern oft einen Zusammenhang zwischen Werk und Realität — zumal, wenn der performende Künstler sie selbst geschrieben hat.

Andererseits wird es natürlich auch schnell uninteressant, für wen ein Liebeslied gedacht war, weil alle den Song auf ihren jeweils aktuellen Schwarm oder Partner projizieren. Und irgendwo in der Welt sitzt dann eine alleinerziehende Mutter, die damit leben muss, dass ihr früherer Lebensgefährte immer noch ein Heidengeld damit macht, sie zu besingen, obwohl er sie schon nach drei Monaten betrogen hat, und für hunderttausende Pärchen ist ihr Lied (also das der Frau) jetzt “ihr Lied” (also das der Pärchen).

In Nick Hornbys “High Fidelity” erklärt der Ich-Erzähler Rob Flemming:

All my life I have wanted to go to bed with — no, have a relationship with — a musician: I’d want her to write songs at home, and ask me what I thought of them, and maybe include one of our private jokes in the lyrics, and thank me in the sleeve notes, maybe even include a picture of me on the inside cover, in the background somewhere, and I could watch her play live from the back, in the wings (although I’d look a bit of a berk at the Lauder, where there are no wings: I’d be standing on my own, in full view of everybody).

Die Idee ist vermutlich nur so lange romantisch, wie die Beziehung noch intakt ist.

Auf seinem letzten Album erzählt Ben Folds in “Belinda” die Geschichte eines alternden Musikers, der jeden Abend seinen einzigen Hit spielen muss, den er vor Jahren für seine Ehefrau geschrieben hatte, bevor er sie für eine jüngere Frau (“big breasts / a nice smile / and no kids either”) verließ. Der Text zu “Belinda” stammt aus der Feder von Nick Hornby und lange dachte ich, dass er damit auf eine verquere Art Folds’ persönlichsten Text geschrieben hätte.

Denn auch Folds spielt bei Konzerten immer noch “The Luckiest”. Als dieses zauberhafte Liebeslied vor zehn Jahren auf “Rockin’ The Suburbs” erschien, musste man annehmen (“I don’t get many things right the first time”), dass er das Lied für seine dritte Frau und die Mutter seiner Zwillinge (“my collaborator, partner and wife”, wie er sie im Booklet bezeichnet) geschrieben hatte. Im Jahr 2006 ließen sich die beiden scheiden.

In den Liner Notes zu seinem Retrospektive-Album “The Best Imitation Of Myself” (auf dem auch drei neue Ben-Folds-Five-Songs sind, die ich hier sträflicherweise noch gar nicht gewürdigt habe) erklärt Folds nun, das Lied extra für einen Film geschrieben zu haben, in dem es dann doch keine Verwendung fand.

Folds schreibt:

Anyway, I didn’t understand completely what I was writing abaout until years later when I met my Fleur [seine vierte Ehefrau].

Es erscheint auf den ersten Blick recht unglaubwürdig, dass ausgerechnet so ein großartiger Lovesong “einfach so” entstanden sein sollte. Andererseits ist das ja genau die Magie von Pop und womöglich sind “I’ll Catch You” (The Get Up Kids), “The Book Of Love” (The Magnetic Fields) oder “Balu” (kettcar) in Wahrheit auch für niemand speziellen geschrieben. Dafür sind dann die Menschen echt, die sich in “Song For The Dumped” (Ben Folds Five) oder “Not Fair” (Lilly Allen) ihre menschlichen bzw. sexuellen Unzulänglichkeiten vorwerfen lassen müssen.

Jedenfalls hat Ben Folds die Geschichte mit dem Film auch den Leuten vom “A.V. Club” noch einmal erzählt, die ihn in seinem Studio in Nashville, TN besucht haben. Den Song gespielt hat er bei der Gelegenheit auch:


Ben Folds discusses and performs “The Luckiest”

“The Luckiest” funktioniert übrigens auch sehr schön als Sample in Novels “I Am” und Ben Folds Five planen, gemeinsam ein neues Album aufzunehmen.

Bernd Begemanns Gewaltphantasien

Von Lukas Heinser am Donnerstag, 10. November 2011 12:00
Kategorie: Rock'n'Roll High School

Ich hatte mich neulich ein wenig über deutschsprachige Gegenwartsmusik empört. Ein paar Wochen später hab ich Kraftklub live gesehen und damit die erste neue Band mit deutschen Texten seit sieben Jahren, die mich gekickt hat. Hopfen und Malz sind also noch nicht ganz verloren.

Bernd Begemann, dessen Musik ich auch eher nur zu Teilen schätze, hat offensichtlich auch ein Problem mit dem, was man dieser Tage so zu hören bekommt:

“Der normale Indierocker hat diese Akustikgitarre, fängt ein Lied in A-Moll an und singt darüber, dass seine Freundin nicht zurückruft, dass er ein bisschen traurig ist, ein bisschen besorgt ist wegen der Welt, weil er so sensibel ist. Meine Güte, diese Typen müsste man alle bei den Ohren packen und auf die Tischkante schlagen.”

Gesagt hat er das in einem Interview mit Radio Dreyeckland und man muss Begemanns leiernden Sprachfluss schon ertragen können, um das 20 Minuten lang auszuhalten. Aber dafür bekommt man ein paar charmante Kollegen-Bashings, Begemanns Unterscheidung zwischen Schlager und Pop, sowie seine etwas eigene Definition des Begriffs “Pop” zu hören, was die zeitliche Investition durchaus rechtfertigt. (Ich wollte erst “mehr rechtfertigt als ein halbes Tim-Bendzko-Album” schreiben, aber diese Aussage wäre ja quasi allgemeingültig.)

Bernd Begemann im Interview

[via taz Popblog]

Gelegentlich angeblich

Von Lukas Heinser am Dienstag, 8. November 2011 16:20
Kategorie: Digital Ist Besser, TV On The Radio

Falls Sie die letzten Tage unter einem Stein oder auf einem anderen Planeten verbracht haben sollten: Hape Kerkeling hat am Samstag bei “Wetten dass..?” verkündet, dass er nicht als Nachfolger von Thomas Gottschalk zur Verfügung stünde. Eines der “drei wichtigen Ämter in Deutschland” (neben Kanzler/in und Bundestrainer) ist damit nach wie vor unbesetzt.

Das … äh: “Nachrichtenportal” rentner-news.de (“Von Rentnern – für Rentner”) hat heute Vormittag die “ultimative Wahrheit über die ‘Wetten dass….?’-Nachfolge von Thomas Gottschalk” enthüllt:

Wie aus dem näheren Umfeld des ZDF nach der Sendung verlautete, sollen einige Vorstandsmitglieder des ZDF erst während der Live-Übertragung erfahren haben, dass Hape Kerkeling gelegentlich angeblich homosexuell ist.

Aufgrund mangelnder Erfahrungen auf diesem Gebiet erschien ihnen dies inkompatibel zu den Programmrichtlinien des ZDF , und man verzichtete vorsichtshalber auf ein Engagement von Hape Kerkeling.

Die anderen Medien, sonst hyperaktiv, wenn es um das Thema “Wetten dass..?” geht, haben die Geschichte bisher nicht aufgegriffen. Was womöglich damit zusammenhängen könnte, dass 20 Jahre dann doch eine Zeit sind, in der selbst beim ZDF eine Nachricht ankommt. So lang ist Kerkelings Outing durch Rosa von Praunheim bei “Explosiv — Der heiße Stuhl” fast auf den Tag genau her.

Nachtrag, 16.45 Uhr: Womöglich handelt es sich bei rentner-news.de aber auch einfach nur um eine Satire-Seite

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