The Second Great Depression

Von Lukas Heinser, 3. Juni 2011 13:36

Warum eigentlich Semisonic?

Ich habe keine Ahnung, ob es tatsächlich irgendwelche wissenschaftlichen Untersuchungen zu dem Thema gibt, aber die Verweildauer eines durchschnittlichen Popalbums im Leben eines Musikrezipienten dürfte eher in Monaten, als in Jahren zu messen sein. Zwar ermöglichen es uns die immer größer werdenden Speicher der MP3-Player-Telefone, quasi unsere gesamte musikalische Biographie in der Hosentasche herumzutragen, aber wie weit gehen wir da schon zurück?

Alben, die mir einst viel bedeutet haben und von denen die meisten eine Zeit lang bei mir als „Lieblingsalbum“ oder gleich „Bestes Album aller Zeiten“ firmierten, höre ich noch ein, zwei Mal im Jahr. Und dank iTunes weiß ich sogar, wann zuletzt: „The Unauthorized Biography Of Reinhold Messner“ von Ben Folds Five im Dezember, „Automatic For The People“ von R.E.M. im November und „The Man Who“ von Travis im September — den Uhrzeiten nach zu urteilen jeweils beim Einschlafen. Und das sind die Alben, die mir immer noch irgendwie wichtig sind und die auch einen recht tadellosen Ruf in der Musikgeschichte genießen.

Doch was ist mit den okayen Alben, die man mal intensiv gehört hat, mit denen man womöglich wichtige Ereignisse der Adoleszenz verbindet, die dann aber einfach in Vergessenheit geraten sind wie frühere Mitschüler, die eben immer so mit dabei waren, wenn man gemeinschaftlich unterwegs war? „Feeling Strangely Fine“ von Semisonic, „Onka’s Big Moka“ von Toploader oder das „MTV Unplugged“ von den Fantastischen Vier. Wenn man zufällig irgendwo über die Hits stolpert, wirft es einen um Jahre zurück (wie mein Vater stets über musikinduzierte Flashbacks sagt), aber welcher Mensch, der halbwegs bei Verstand ist, würde die CD aus dem Regal hervorkramen, um „Closing Time“ aufzulegen?

Der Teenager oder junge Twen (Sagt man das noch? „Twen“?) an sich hört überdurchschnittlich viel emotionale Musik. Irgendwann ist dann der Punkt erreicht, an dem man „So I look in your direction / But you pay me no attention, do you?“ oder „The killer in me is the killer in you“ nicht mal mehr für Statusupdates bei Facebook verwenden möchte. Zahlreiche Lieder und Alben sind durch zahlreiche Herzensbrüche verbrannt. Die ganz großen Liedzitate und -titel lässt man sich dann gleich tätowieren. Die Sorgen und Probleme sind eigentlich noch die gleichen wie zu Schulzeiten, aber alles ist viel komplexer geworden. Bei Berufstätigkeit, Familiengründung und Bausparvertrag wird der Soundtrack zum eigenen Leben für viele zunehmend unwichtiger. Es ist das Alter, in dem viele Menschen ihren Musikgeschmack plötzlich mit „was halt so im Radio läuft“ umreißen und die Songs, die ihnen gefallen, schnell bei iTunes kaufen. Diese Kapitulation ist womöglich die richtige Entscheidung, denn auf der anderen Seite sieht es noch schlimmer aus.

Wer aus verschiedensten Gründen weiterhin auf dem Laufenden bleiben will, verliert viel Geld und langsam auch den Verstand: Jede Woche erscheinen Dutzende neue Alben, die sich in „Neuer heißer Scheiß“ und „Von denen kaufe ich jede Platte“ gliedern. Bei ersterem ist man Dank Internet bestens informiert, so dass es das Einfachste der Welt ist, wöchentlich 200 neue Hype-Themen zu entdecken und womöglich auch zu kaufen. Hören kann das alles kein Mensch mehr, aber große CD-Sammlungen beeindrucken potentielle Sexualpartner immer noch mehr als eine MP3-Sammlung von mehreren hundert Gigabyte. Und die alten Helden? Natürlich ist es schön, wenn R.E.M., die Foo Fighters oder Moby neue Alben veröffentlichen, die auch noch gut sind. Aber muss man die noch hören? Und wenn ja: Wie oft? Selbst wenn da tolle Songs drauf sind (was zweifelsohne der Fall ist), hat man ja immer noch die alten Alben mit den alten tollen Songs im Regal, mit denen man eine gemeinsame Geschichte hat. Der Unterschied ist ein bisschen wie der zwischen den Arbeitskollegen, mit denen man mal ein Feierabendbier trinken geht, und den alten Freunden von früher.

Dann wollen wieder die neuen besten Freunde (Jack’s Mannequin, The Hold Steady, The Low Anthem) Aufmerksamkeit. Und die heißen Affären aus den Jahren dazwischen. Die Arctic Monkeys haben ein neues Album veröffentlicht? Entschuldigung, interessiert mich nicht. Die ganze Indie-Chause der mittleren Nuller Jahre ist mir inzwischen völlig egal, von Franz Ferdinand und Mando Diao will ich weder alte noch neue Alben hören. An deren Musik werden wir noch jahrelang tragen, weil immer noch in jedem Dorf gelockte 15-Jährige mit karierten Hemden, die eine Band gründen wollen, ihre Songs aus Achtelbeats, Schrammelgitarren und Partylyrik zusammenbauen. Alles okay, vieles gut, aber es kann doch nicht sein, dass Gitarrenmusik hier enden soll?!

Ungefähr an jedem zweiten Tag der vergangenen Wochen habe ich mir die Frage „Was hör ich denn jetzt mal?“ mit „Belong“ beantwortet, dem phantastischen zweiten Album von The Pains Of Being Pure At Heart. Daneben höre ich das weg, was sich eben so angesammelt hat im bisherigen Kalenderjahr, oder greife zu ausgewählten Lieblingen der vergangenen zwei Jahre, derer ich noch nicht überdrüssig bin. Ich käme ehrlich gesagt nie auf die Idee, „(What’s The Story?) Morning Glory?“ von Oasis aufzulegen — ich weiß ja, dass das ein gutes Album ist, auch wenn bei mir langsam die Zweifel einsetzen, ob Oasis tatsächlich so gut und wichtig waren.

Jahreszeitlich bedingt laufen gerade wieder zwei Alben bei mir rauf und runter, die schon neun bzw. 13 Jahre alt sind: „Hi-Fi Serious“ von A, eines meiner absoluten Lieblingsalben, bei dem ich bei jedem Hören erwäge, mir auf meine alten Tage doch noch ein Skateboard zu kaufen, und „Moon Safari“ von Air, das womöglich beste Sommer-Entspannungsalben aller Zeiten. Beide Alben sind so gut und für ihre Funktion als Sommer-Soundtrack so perfekt, dass ich mich kaum bemühe, Nachfolger zu finden.

Und das wird immer mehr. Während ich noch damit beschäftigt bin, mich in das Frühwerk von Bruce Springsteen reinzuhören, mir Led Zeppelin zu erschließen und die wichtigsten Grand-Prix-Songs der letzten 55 Jahre drauf zu schaffen, werden Menschen erwachsen, die Nirvana nie als zeitgenössische Musik kennengelernt haben, sondern offiziell als Oldies. Menschen, denen das Konzept „Album“ unbekannt ist, das die Popkultur von den 1960er Jahren bis hinein in die späten Nuller so geprägt hat.

Und dann stellt man wieder fest, dass Popkultur alt macht. Also: die intensive Beschäftigung damit. Eltern sehen ihre Kinder aufwachsen, Gärtner bekommen den Gang der Jahreszeiten zu spüren, aber als Popkulturfan entscheidet man sich bewusst dafür, Zeit anhand von Veröffentlichungsdaten von Musik, Filmen und TV-Serien wahrzunehmen. Die Summe des eigenen Lebens sammelt sich schön anschaulich in Regalen und sorgt bei jedem Umzug für größere Verstimmung. Und der Gedanke an eine Popband, die vor mehr als einer Dekade mal einen Mini-Hit hatte, löst Gedankengänge aus, denen man selbst nicht mehr folgen kann.

Deswegen Semisonic.

20 Kommentare

  1. Kunar
    3. Juni 2011, 14:03

    Endlich mal wieder ein „Lukas Heinser fühlt sich älter werden und philosophiert über Popmusik“-Eintrag. Jetzt weiß ich, was mir lange gefehlt hat!

    Sehr beruhigend, was im Text anklingt. Ich schaffe es kaum, die gekauften Alben einmal konzentriert zu hören, und frage mich, wie die Leute leben, die tatsächlich alles aktuelle mitbekommen wollen.

    Ebenfalls beruhigend: Der Zweifel, dass man allem Neuen hinterherhecheln muss, wo doch die alten Sachen immer noch gut sind und es noch ganz viel noch Älteres zu entdecken gibt.

    Was aber glücklicherweise nicht stimmt: Dass der Musikgeschmack angepasster wird, sobald das eigene Leben in ruhigeren Bahnen verläuft. Eher im Gegenteil: Als Teenager hören viele die Charts, egal was gerade aktuell ist. Wenn man älter (über 20, über 25, über 30…) wird, hat man den zeitlichen Horizont, um Popmusik vor der eigenen Zeit/Jugend zu entdecken und Sachen abseits des Mainstreams zu mögen. Und man kann auch zu „altem Kram“ stehen, ohne sich zu schämen. Wenn man dann noch zu den Leuten gehört, die für ihre Arbeit mit einem sog. echten Lohn bezahlt werden, kauft man auch gerne ganze CDs (oder Schallplatten!) und nicht nur einzelne MP3s. Die Zukunft ist das, was man daraus macht.

  2. Christian
    3. Juni 2011, 15:06

    Gerade bei Closing Time finde ich, dass der Song immer noch ganz hervorragend funktioniert. Höre ich durchaus mal.

    Was ich mittlerweile sehr befriedigend finde: Platten, die man kauft, am Anfang so 5-7mal hört (das ist so mein Minimum), dann wegstellt und im Laufe der Monate und Jahre wiederentdeckt und kennen/schätzen lernt.The Ideal Crash von dEUS ist bei mir im Moment son Fall.

    Und dass „Gitarrenmusik hier enden solL“ macht mir auch Sorgen. Warte noch auf das große Emopunkrevival.

  3. gesche
    3. Juni 2011, 15:41

    unfassbar, du hast meine gedanken der gesamten letzten nacht zusammengefasst. ich bekomme mit der ganzen musikflut langsam die krise und greife dann gerne zu alt bewährtem zurück, da weiß man zumindest was man hat…

  4. lu
    3. Juni 2011, 16:57

    Dancing in the moonlight.. you made my day!

  5. worange
    3. Juni 2011, 20:46

    ich war so verrückt, vor ein paar wochen tatsächlich (what’s the story) morning glory aufzulegen. war immer noch ziemlich gut, aber nicht mehr das gleiche. das album war schon immer da, seit ich CDs kaufe, also muss es gut sein, denn ich habe es ja immer gehört. und dann hab ich aus versehen aufs veröffentlichungsdatum geguckt und mich alt gefühlt.

  6. SvenR
    3. Juni 2011, 22:46

    Musik hat eine anderen Stellenwert im fortgeschrittenem Lebesalter (ich bin ja unwesentlich älter, als Du), man geht zur Arbeit, unternimmt was mit den Kindern, kümmert sich um Haus und Hof, Elternabende, Förderverein, Schuleltenbeirat – und zumeist ist man dabei nicht allein. Wenn man dabei tatsächlich Musik hört, dann eher als Hintergrundrauschen…oder das, was die Kinder hören wollen.

    Als Teenager und Twen hat man Nächte – insbesondere die in den Phasen des Liebeskummers und Weltschmerzes – Musik durchgehört, und die Musik war der Lebensmittelpunkt. Was hab‘ ich da Joe Jackson (kann ich im Moment gar nicht vertragen) und Style Counsil (Paul Weller ist immer noch der Größte) gehört. Frankie Goes To Hollywood, Arcadia (kennt die noch wer), Beverly Craven, Black, der junge Sting…hach!

    Fast die einzige Gelegenheit, die ich habe, in Ruhe, alleine, für mich, meine Musik zu hören habe ich, wenn ich dienstlich verreise. Ich muss häufig, aber unregelmäßig nach London. Das ist von Tür zu Tür knappe fünf Stunden. Da höre ich durch meine drei Playlist, die seit (erst) drei Jahren sich permanent verändern. Eine mit deutschsprachiger Musik (von Ideal über PeterLicht, Mia, Diane Weigmann, Tele bis zu Das Gezeichnete Ich), eine mit englischem (von Bob Dylan, Sugarcubes, Kirtsty MacColl, Crowded House, k.d.lang, The Verve, Adele bis ParaiseOskar) sowie Alben (Feist, Hubert van Goisern, A-Ha, Wir sind Helden, Aimee Mann, Travis, Lena und noch vieles mehr, lustigerweise auch Moon Safari von Air). Kein „echtes“ Konzeptalbum.

    Montag muss ich wieder fliegen, jetzt rätsel ich die ganze Zeit, welche großen Alben ich unbedingt mitnehmen muss…

  7. Chris
    3. Juni 2011, 23:13

    Das war doch mal besser als jedes Albumranking. Persönlich, reflektierend, in der Materie drin. Und während Deutschland noch den neuen Sommerhit sucht, schau ich ne Folge Scrubs, entdecke dabei ein super Lied aus alten Zeiten und höre „Cary Brothers – Ride“ im Liegestuhl…

  8. Julia
    4. Juni 2011, 13:56

    Im Rahmen meines Musiktherapiestudiums stoße ich zur Zeit immer wieder auf ganz andere, neue Musik. Aber mein Grundgefühl ist ähnlich: Alles mitnehmen? Geht nicht. Sich auf das konzentrieren, was (nur) mir gefällt? Gerne, nur auch da braucht es ja nach und nach neuen Input, sonst hat man das Gefühl, dass sich alles nur noch wiederholt. Zeitreisen, in die Musik vor 10 Jahren vermeide ich gerade, aber dann würde ich z.B. auch bei Semisonic landen…
    Danke, für diesen schön zu lesenden Text!

  9. Petra
    5. Juni 2011, 3:05

    Lustig, über den Stellenwert von Musik in meinem jetzigen Leben und alles andere, was damit zusammenhängt, habe ich vor ein paar Tagen auch nachgedacht. Schöner Text, es gäbe viele Sätze, die ich sofort unterschreiben würde. (Insbesondere der Teil mit dem Umzug – ich musste das vor ein paar Wochen am eigenen Leib erfahren.)

    Mit den Lieblingsalben ist das so eine Sache… Einerseits merke ich, dass ich manche auch nur noch ein paar Mal im Jahr bewusst auflege (und sie nach wie vor natürlich schön finde – nur muss ich in der entsprechenden Stimmung dazu sein), andererseits höre ich meine absolute Lieblingsplatte Long Gone Before Daylight mindestens einmal im Monat. Und jeden Tag mindestens ein Lied hiervon. Das ist kein verrücktes Ritual, an das ich mich aus irgendwelchen schrulligen Gründen halten möchte. Das Album ist für mich einfach durch und durch perfekt und passt an so vielen Tagen, ohne dass ich jemals davon gelangweilt werde. (Das Album besitze ich seit 7 Jahren)

    Was die Neuerscheinungen angeht: Mich hat das immer relativ kalt gelassen, ich habe mir nie den Stress gemacht dem neuesten heißen Scheiß hinterherzuhecheln. Was wohl primär einen monetären Grund hat: Ich gebe einfach ungern mehr als 10€ für ein reguläres Album aus. (Einzige Ausnahme: Gutterflower von den Goo Goo Dolls habe ich mir zwei Tage nach Veröffentlichungsdatum gekauft. Ich war blutjunge 14 Jahre alt, hatte meine Ich-entdecke-Gitarrenmusik-Phase, sie waren einer meiner ersten Lieblingsbands und haben meinen jetzigen Musikgeschmack im Wesentlichen beeeinflusst) Was zur Folge hat, dass man bei den Musik-Nerd-Diskussionen über die ganzen Hypes nicht wirklich mitreden kann, wenn man sich nur die Singles angehört hat, aber was soll’s. Musik war und ist für mich immer eine Sache, mit der ich mich in Ruhe, aber mit Leidenschaft beschäftigen will. Ich könnte das nicht tun, wenn ich weiß, dass ich diese Woche die 5 „unheimlich wichtige“ Platten unbedingt „fertighören“ muss, weil nächste Woche schon 6 neue „unheimlich wichtige“ Platten rauskommen.

    Und ich stimme Christian (#2) zu: Manche/viele Alben habe ich erst durch Zufall schätzen gelernt, obwohl sie schon lange Zeit in meinem Besitz sind. Sei es durch die Shuffle-Funktion von iTunes/meinem iPod, Filme, Konzerte etc. Joseph Arthur ist seit letzter Woche zu einem meiner Lieblingsmusikern mutiert, nachdem ich zwei seiner Gigs besucht habe. Alle Songs auf Come To Where I’m From hatte ich schon davor heiß und innig geliebt, wohingegen Honey And The Moon bislang eher nur solide klang. Allerdings hat mich die Live-Version so dermaßen weggeblasen, dass ich die zugehörige Platte seitdem mit anderen Ohren höre.
    Sometimes we don’t see certain things until we’re ready to see them in a certain way.

  10. Linkdump vom Do, 02. Juni 2011 bis Sa, 04. Juni 2011 Links synapsenschnappsen
    5. Juni 2011, 11:44

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  11. flowzilla
    6. Juni 2011, 0:37

    Ich kann die Gefühle gut nachvollziehen. Höre nach Beendigung des Studiums auch leider weniger Musik, besonders weniger neue. Habe mit Radiohead, Trail Of Dead und den Strokes die neuen Alben von Lieblingsbands ziemlich lange rumliegen lassen ohne reinzuöhren. Teilweise scheitert das sogar an der Faulheit sie für’s Handy zu rippen.

    Was ich aber überhaupt nicht nachvollziehen kann ist der Totgesang aufs Album. Warum sollte das Album sterben? Das Album war immer schon nur für interessierte Leute die Musikform der Wahl. Die Hauptverbreitungsformen Radio und Fernsehen basieren schon seit langem auf Singles. Wenn man ältere Menschen nach ihrer Liebingsmusik fragt, kriegt man wahrscheinlich sehr vie öfter Song- als Albentitel zu hören.

    Als ich jugendlich war kaufte ich mir am Anfang Singles und hoffte das da statt B-Seiten andere Versionen des Songs drauf waren. Alben wurden für mich erst interessant als ich mich mehr mit Musik beschäftigte und MP3s haben das bei mir auch kein bißchen geändert. Ich höre fast nie Playlists, sondern ganze Alben. Wenn Freunde zu Besuch sind, geh ich ans CD-Regal, anstatt per Laptop das Shuffle-Monster auszupacken.

    Zusammengefasst: Totgesagte leben länger!

  12. WolfPAD
    6. Juni 2011, 15:44

    Hallo,
    schöner Artikel.
    Mit dem Thema habe ich mich vor etwa drei Jahren mal beschäftigt. Welche CD’s/Musik höre ich überhaupt noch? Gar nicht Mal die Überlegung nach neuem zu suchen, da ist man bei der Anzahl neuer Musik schnell überfordert. Wesentlich fand ich die Überlegung, das ich Musik nicht als Hintergrund möchte. Dann habe ich ein paar alte Sachen aufgelegt. Resultat war, das ich meine CD Sammlung von etwas über 300 Stück auf den Flohmarkt getragen habe. Wirklich erstaunlich war das Nicht-Interesse der Kundschaft. Bücher gingen wie immer gut weg, aber die alten CD-Alben wollte keiner mehr kaufen. Das fand ich doch recht erschreckend.
    Jetzt fangen die Kinder langsam an, einen eigenen Geschmack zu entwickeln. Mal sehen wie das wird.

    WolfPAD

  13. Nummer Neun
    6. Juni 2011, 16:08

    Ich würde gerne mein „gefällt mir“ unter den Kommentar von flowzilla setzen. Alben sind eine Kunstform, die Arbeit von langen Monaten und Jahren. Songs und Singles sind Fast Food.

  14. Hendrik
    6. Juni 2011, 23:54

    Ein sehr schöner Essay! Und immer, wenn ich A höre oder an sie denke, fühle ich mich so jung :-)

  15. Andi
    7. Juni 2011, 11:59

    Manche Musik (okay, eher Songs als Alben) ist gar nicht dafür gedacht, ständig präsent zu sein. Es gibt eine ganze Reihe Songs und zwei, drei Alben, die ich bewußt nur selten höre, weil sie mich direkt an einen bestimmten Menschen oder ein bestimmtes Erlebnis denken lassen, und das will ich mir nicht kaputtmachen. Musik ist ein effektives Vehikel für solche Zeitreisen, genau wie Gerüche.

    Aber Langzeit-Lieblinge habe ich trotzdem, an denen ich mich nicht satthören möchte. Terra Naomi hat z.B. gerade ein neues Album, und sogar die Cranberries sind wieder im Studio. Und auf dem Weg zur Arbeit höre ich immer wieder gerne „At San Quentin“ von Johnny Cash. ;)

  16. B.
    8. Juni 2011, 12:34

    „Aber welcher Mensch, der halbwegs bei Verstand ist, würde die CD aus dem Regal hervorkramen, um ‚Closing Time‘ aufzulegen?“ – ich wollte gerade „Ich!“ schrei(b)en, als mir auffiel, dass du wohl gar nicht Tom Waits großartiges Debüt meintest.

    Ansonsten hast du natürlich recht, auch wenn das für so nostalgiesüchtige Menschen wie mich reichlich deprimierend erscheint. Es gilt (mal wieder, oder eben gleich wie immer), was die Smiths dazu zu sagen hatten: „But don’t forget the songs | that made you cry | and the songs that saved your life. | Yes, you’re older now |
    and a clever swine, | but they were the only ones who ever stood by you.“

  17. Thor
    9. Juni 2011, 1:02

    Lustig. Eintrag gerade erst gelesen und dafür gestern bzw. vorgestern im Flugzeug Morning Glory (Hinflug) und Moon Safari (Rückflug) gehört.

  18. tacke
    10. Juni 2011, 16:59

    „Sagt man das noch? ´Twen´?“

    Hat man das überhaupt je gesagt?

  19. Champagne Supernova
    16. Juni 2011, 16:25

    Ich wohne recht weit oben im Norden an der Grenze zu Dänemark, und in dieser Gegend ist es echt schwierig, beim Radioeinschalten nicht direkt auf James Blunt, Raemonn oder Nickelback zu stoßen. Die laufen hier immerimmerimmer. Und praktisch niemals läuft hier z.B. Oasis. Darum schalte ich das Radio nach Möglichkeit eigentlich besser gar nicht erst ein. Manchmal kommt man aber irgendwie nicht drumherum. Letzte Woche hörte ich an einem dieser Ausnahmetage morgens „Closing Time“ und dachte noch bei mir, dass der Song damals in etwa auf einer Nervebene mit „Narcotic“ lag, aber jetzt im diesem Moment ganz ok sei, weil schon ewig nicht mehr gehört und Lukas gestern so wohlwollend darüber im Blog geschrieben hatte. Als ich abends dann ins Auto einstieg und auf einem anderen dieser beknackten Sender hier „Wonderwall“ lief, konnte ich mein Glück kaum fassen, weil bei mir niemals Zweifel aufgekommen sind, dass Oasis vielleicht definitiv die wichtigste Band meines Lebens war/ist, und ich darüber hinaus völlig geplättet war, dass ausgerechnet ein Song der Platte gespielt wird, die Herr Heinser ebenfalls in seinem zuvor von mir gelesenen Blogeintrag erwähnt hat. Schicksalhafte Fügungen kannst du herbeiführen, Lukas! Bitte schreib doch heute abend mal ein wenig über Primal Scream und die Stone Roses, vielleicht laufen die dann auch schon morgen bei einem Radiosender meiner Ablehnung…

  20. SamVimes
    16. Juni 2011, 18:55

    lukas heinser hat schon 2002 über gleiches Thema philosophiert. Beweis:
    „Nachdem ich einen Sommer lang abwechselnd nur „The unauthorized biography of Reinhold Messner“ von Ben Folds Five und „Maybe you’ve been brainwashed too“ von den New Radicals gehört habe, habe ich angefangen, Songtexte zu schreiben.
    Und nachdem ich „The man who“ von Travis drei Monate durchgehört habe, habe ich angefangen, Gitarre zu lernen, um „Why does it always rain on me“ und „Driftwood“ spielen zu können.
    Im Moment lasse ich mir die Haare lang wachsen, aber das hat eher was mit den Friseurpreisen als mit Rockmusik zu tun ;-)“

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