Feels Like Home
Von Lukas Heinser am Dienstag, 26. Januar 2010 0:13
Kategorie: Somebody Told Me
Menschen mit entsprechenden Erfahrungen erklären gerne, ein Kind zu bekommen würde die Sichtweise auf die Welt völlig verändern. Ich bin weit davon entfernt, dem widersprechen zu wollen (oder zu können), aber ich kann diesen Menschen zurufen: “Für einen Perspektivwechsel braucht’s keinen ungeschützten Geschlechtsverkehr. Ein Umzug tut’s auch.”
In den letzten Wochen und Monaten habe ich mich mit Fragen zu Bodenbelägen, Wandfarben, Telefonanbietern und Möbeln herumgeschlagen. Ich habe angefangen, Werbeprospekte auf Kühlschränke, Waschmaschinen und Duschköpfe abzusuchen. Ich bin in eine Welt abgetaucht, in der man sich freut, dass die Farbe, die man gerade gleichmäßig auf Zimmerdecke und eigenem Haupthaar verteilt hat, wasserlöslich ist (was der Lack für Heizkörper und Fußleisten übrigens nicht ist). Gespräche im Freundes- und Familienkreis drehen sich plötzlich um Küchenfronten und die richtige Methode, gerade Linien abzukleben.
Bei der Renovierung ist mir aufgefallen, wie egal einem dieses Internet werden kann: Für die wirklich bedeutsamen Nachrichten hat man ja WDR 2, alles weitere kann man abends in zwanzig Minuten überfliegen. Und falls sich jemand Sorgen macht, weil man seit der Frage “Welcher dieser beiden Drähte gehört wo hin?” kein Statusupdate mehr bei Facebook durchgeführt hat, wird er schon anrufen oder eine SMS schicken.
Am Wochenende bin ich endlich umgezogen. Das zeitliche Verhältnis von Vorbereitung und Durchführung entsprach dabei in etwa dem Verhältnis zwischen WM-Qualifikation und Im-richtigen-Moment-den-Fuß-Hinhalten im Finale.
Jetzt stehe ich vor neuen Herausforderungen: Wie sortiere ich meine Bücher neu? Wie kriege ich meine Wohnung richtig beheizt? In welchem der vielen Zimmer könnte ich jetzt schon wieder Schlüssel und Portemonnaie liegen gelassen haben? Zumindest bei der ersten Frage können Freunde mit Fachwissen weiterhelfen.
Statt über meine Mitbewohner kann ich mich jetzt über die Selbstmontagemöbel schwedischer Prägung aufregen, die jeder ander Mensch (oder zumindest: jede mir bekannte Frau) in diesem Universum in einer halben Stunde aufgebaut bekommt, während ich nach vier Stunden mit heiserer Stimme kreische: “Ach, als ob diese eine Schraube für die Statik des ganzen Regals entscheidend wäre …”
Schwerer noch wird es, mich an die Supermärkte im neuen Stadtteil zu gewöhnen. Vergangene Woche bin ich zehn Minuten durch den Aldi geirrt, ohne die verdammten Nudeln zu finden. Und ohne Nudeln fehlt mir schon mal ein Drittel meines Speiseplans. Außerdem muss ich eine neue “Bild”-Verkaufsstelle finden — oder besser: mehrere.
Dienstag, 26. Januar 2010 0:15
Was sind die anderen beiden Drittel?
Dienstag, 26. Januar 2010 0:16
Reis und Kartoffeln.
Dienstag, 26. Januar 2010 1:47
Man trennt zunächst Belletristik und Sachbücher, Belletristik kommt in das Regal neben der bequemsten Sitzmöglichkeit, Sachbücher in das Regal neben dem Schreibtisch, Nachschlagewerke auf den Schreibtisch und ungelesenes Romane auf den Nachttisch. Die Belletristik im Regal wird alphabetisch nach Autor und dann nach Ersterscheinung sortiert (wenn man keinen Wert darauf legt, Bücher wiederzufinden, geht natürlich auch nach Größe oder Farbe), auf dem Nachttisch liegt das zuletzt gekaufte immer ganz unten, damit kein Buch ewig auf dem Nachttisch liegt. Sachbücher werden nach Themenbereich, Unterthemen und Aktualität sortiert. Das ist zB beim Thema (X)HTML & CSS relativ leicht einzuschätzen, kann bei Amerikanischer Außenpolitik bestimmt Zeit in Anspruch nehmen, wenn man mehr als vier, fünf Bücher zum Thema hat (Was ich nicht habe. Wofür gibt es schließlich Uni-Bibliotheken.)
Natürlich nur als Empfehlung, denn dieses System funktioniert bei mir ganz gut.
Dienstag, 26. Januar 2010 8:03
Danke Sven, für den Bücher-Tip. Da auch wir (also meine bessere Hälfte und ich) ebenfalls die Farbe-Ikea-WDR2-Erfahrung in den letzten zwei Wochen gemacht haben, steht das Bücherwiedereinräumen jetzt auch an.
Hinsichtlich Tips zum CD- und Alben-Sortieren werde ich nochmal High Fidelity konsultieren…
Dienstag, 26. Januar 2010 8:05
Nach ungefähr 3 Monaten wirst Du das letzte Bild aufgehängt haben, dass Du in dieser Wohnung aufhängen wirst. Du wirst Dich in der Wohnung nicht mehr verlaufen, den Schlüssel spätestens beim 2. Versuch finden, im Aldi, Lidl, Netto alles, was man da so finden kann auch usw. usf.
Bei Kindern fängt es da gerade an spannend zu werden. Die hören dann nämlich auf, nur rumzuliegen, zu essen und zu schlafen. Ich bin beim größten Kind jetzt im 8. Jahr und es ist nach wie vor ein Abenteuer. Nebenbei bemerkt, ich kann die Menschen, die ihr Kind gegen die Wand werfen manchmal schon ein bisschen verstehen. Nicht verstehen kann ich, nicht dazu zu stehen und keine Hilfe zu holen, wenn das notwendig ist. Ich schweife ab,
Ich wünsche Dir viel Glück in der neuen Wohnung! Und das mit dem Kinderkriegen, dass kannst Du ja später auch noch hinbekommen, Du bist ja noch jung. Es ist zwar ganz oft ganz furchtbar anstrengend, aber immer eine solche Bereicherung, eine permanente Feedbackschleife…Du wirst schon sehen.
*Brot*
*Salz*
*Geld*
Dienstag, 26. Januar 2010 9:19
Dürfen wir uns auch auf eine Fotostrecke beim Stylespion freuen? ;)
Dienstag, 26. Januar 2010 9:41
Herzlichen Glückwunsch! http://dawandaimages.s3.amazon.....08-881.jpg
Und ab heute kaufst du keine Nudeln mehr bei Aldi (bäh)! DeCecco sind die einzig vernünftigen und (ja ok *quengel*) Barilla geht auch noch. Oder selber machen.
Dienstag, 26. Januar 2010 11:07
Am Bücherregal habe ich mir auch die Zähne ausgebissen.
Ach – ich mache es eigentlich immer noch. Mit jedem neuen Buch stelle ich fest, dass mein System (strenge Verlags-Ordnung) zwar gut aussieht, aber doch ziemlich unpraktisch ist.
Matthew Caws von Nada Surf hat seine Vinyl-Platten übrigens nach Farben sortiert. Klappt bei Büchern natürlich auch, was allerdings wohl die am wenigsten praktische Variante ist. ;)
Dienstag, 26. Januar 2010 11:22
Seitdem es diese “Lustigen Taschenbücher” mit bedrucktem Einbandrücken gibt, sortiere ich meine Bücher nur noch nach Farbe und Größe.
Denn ich kann mich zu 99% an die Farbe und die Titelseite eines Buches erinnern, aber eher selten an den genauen Namen oder geschweige denn an den Autor … (ich lese ziemlich viel durcheinander).
Also bei mir passt das …
Mittwoch, 27. Januar 2010 0:21
häufig gelesene Bücher kommen auf Augenhöhe, die peinlichen ganz nach unten, und oben kommt alles hin, was weder heiß geliebt noch heimlich verehrt ist. nach dem System hab ich meine Regale schon seit Jahren sortiert (wobei die Bücher gerne mal die Etage wechseln), und ich finde nahezu jedes Buch auch im Dunkeln auf Anhieb. (Ausnahme: die SZ-Bibliothek – die ist nach Nummern sortiert)
Mittwoch, 27. Januar 2010 1:24
@Tobias:
Die Suche nach dem Cover kenne ich nur zu gut. So “sortiere” ich innerlich bei mir die c’t-Ausgaben (“der Artikel zum Thema XYZ war doch in der c’t mit dem grünen Titelbild, wo eine Instant Tütensuppe mit einem Tux drauf zu sehen war, oder?”).
Mittwoch, 27. Januar 2010 18:54
Ich hab meine Bücher auch nach Farbe sortiert, und wundere mich, dass das sonst auch noch jemand macht.
Das ist optisch nicht so unruhig.
Außer Nachschlagewerke kram ich aber auch nicht viel in schon gelesenen Büchern rum.
An die Umziehzeit erinnere ich mich auch noch gut, vor allem an den Moment, als ich zu Besuch bei Freunden zuallererst deren Fußleisten bewundert hab.
Mittlerweile bin ich psychisch wieder gesundet.
Mittwoch, 27. Januar 2010 22:43
Ich bin gerade in der Phase, wo ich bei Küchenwerkzeugen in Verzückung gerate. Hoffentlich lässt das auch wieder nach.
Freitag, 24. September 2010 0:11
[...] bin vor acht Monaten umgezogen. Seit Anfang Juli haben sich in Wurfweite1 meiner Wohnung folgende Dinge ereignet: Prof. Dieter [...]