Drei Tage im August
Von Lukas Heinser am Montag, 17. August 2009 15:05
Kategorie: Auf Achse, Rock'n'Roll High School

Der junge Mann war schon die ganze Zeit mit CDs und einem Filzstift über den Alten Reitplatz gelaufen und hatte Leute an den Eingängen zu Backstage- und Pressebereichen angesprochen, ob sie ihm weiterhelfen könnten. Jetzt stand er plötzlich hinter einer dieser Absperrungen und ließ sich Autogramme von Asaf Avidan und dessen Band geben. Nachdem dieses kleine Zusammentreffen für alle Beteiligten so erfreulich verlaufen war, ging Asaf Avidan noch einmal zum Security-Mitarbeiter am Zugang zum Pressebereich und bedankte sich bei ihm: “Thanks for letting that guy in!”
Es ist nur ein Detail, aber als ich es am Rande mitbekam, dachte ich: “Das ist Haldern!” Das Familiäre, Entspannte, etwas Andere macht das Festival am schönen Niederrhein auch bei der 26. Auflage zu etwas besonderem. (Mit “besonders” meine ich übrigens nicht einzigartig — ich weiß, dass es überall in Deutschland so kleine, persönliche Festivals gibt. Aber unter diesen dürfte Haldern dann schon wieder das größte sein.) Dokter Renz von Fettes Brot wirkte einigermaßen verwirrt, als er feststellte, dass die ganze Bühne frei von Mobilfunkwerbung war — eigentlich erstaunlich, dass die Festival-Tickets trotz solch ausgeschlagener Einnahmequellen vergleichsweise günstig sind.

Dass das Haldern Pop dieses Jahr erst am zweieinhalbten Augustwochenende stattfand, hing mit dem Termin des Lollapalooza-Festivals in Chicago zusammen (das letzte Festival in Nordamerika, nach dem dann all Künstler wie die Zugvögel nach Europa weiterziehen), erwies sich in Sachen Wetter aber als absoluter Glücksfall. Nach den legendären Schlammschlachten 2005 und 2006 ist man ja einigermaßen bescheiden und freut sich schon, wenn sich sowas nicht mehr wiederholt, aber so gut wie in diesem Jahr habe ich das Wetter seit neun Jahren nicht in Erinnerung (2003 war es wärmer, aber das war absolut unanständig und kurz vor tödlich). Und an den improvisierten Wasserwerfern Berieselungsanlagen zeigte sich dann wieder der besondere Haldern-Charme.
Auch sonst war mein Zehntes für mich eines der schönsten Haldern-Festivals überhaupt. Zwar war es musikalisch nicht hundertprozentig überzeugend, aber das liegt zum einen daran, dass ich immer noch jedes Haldern mit der 2001er Ausgabe (Travis, Starsailor, Neil Finn, The Divine Comedy, Phoenix, Muse, Slut, Blackmail, …) vergleiche, und zum anderen kann man’s ja eh nie allen gleichzeitig recht machen. Veranstalter Stefan Reichmann sagte sogar, er fände es legitim, “auch mal was richtig scheiße zu finden” — aber diese Einschätzung traf dann bei mir doch auf keinen der gesehenen Künstler zu.

Bon Iver waren wie erwartet großartig (und genau richtig in der frühen Abendsonne), Fettes Brot, Dear Reader, William Fitzsimmons und Athlete gefielen mir auch live gut. Colin Munroe war die Neuentdeckung des Festivals und mit Anna Ternheim, Asaf Avidan & The Mojos, The Thermals und Blitzen Trapper muss ich mich dann in den nächsten Wochen noch mal näher befassen.
Der Spannungsbogen hätte freilich ein wenig mehr Zug vertragen: Vieles plätscherte nett vor sich hin, was auch sehr schön war, aber als die Thermals plötzlich losbrachen, waren sich viele einig, dass es dem Festival bisher etwas an Drive gefehlt hatte.
Hatte ich in den letzten Jahren zwischendurch immer in bester “Lethal Weapon”-Manier geflucht, dass ich jetzt langsam aber wirklich “zu alt für diesen Scheiß” sei, bin ich mir diesmal absolut sicher: Wir sehen uns 2010!
Mehr Haldern Pop 2009 hier im Blog: Liveblog Freitag und Liveblog Samstag.
Haldern Pop im Fernsehen: Rockpalast.
Montag, 17. August 2009 15:31
Ein schönes Fazit – zu den Highlight würde ich gerne noch hinzu gefügt sehen: The Maccabees, Mumford&Sons und Little Boots.
Ich habe zwar keine Möglichkeit zum Vergleichen, da das Haldern Pop das einzige Festival ist, das ich kenne – aber ich würde insbesondere einige der Konzerte im Spiegelzelt als wirklich einzigartig bezeichnen. Und während der Rockpalast hoffentlich viel von der Hauptbühne zeigen wird, mag man sich hier einen Eindruck von der schönen Kammermusik verschaffen:
http://www.haldern-pop.tv (ich habe zwar kein neues Handy, aber wie man sieht, war ich für Werbebotschaften das Wochenende über dennoch auf Empfang).
Montag, 17. August 2009 17:58
Am Samstag erst nach den Maccabees zum Schmusefolk aufs Gelände laufen und dann fehlenden Drive monieren, tsehe.
Schon 2007 verpasst, oder warum ausgelassen?
Dienstag, 18. August 2009 10:51
Sowohl 2007 verpasst und daher nicht gewusst, was ich verpassen könnte, als auch irgendwie zu lange gebraucht morgens in meinem Zelt.
Dienstag, 18. August 2009 17:11
Wieso eigentlich drei Tage im August? Freitag und Samstag sind doch bloß zwei.
Dienstag, 18. August 2009 17:23
Möglichkeit a): Weil es ja eigentlich schon am Donnerstag losging, ich da aber noch verhindert war (bzw. mir nach der Absage von Soap & Skin der Elan fehlte, mich zu beeilen).
Möglichkeit b): Weil ich (wie die meisten anderen) erst am Sonntag früh abgereist bin.
(Du musst dich leider für eine der beiden Möglichkeiten entscheiden, weil’s sonst vier Tage wären — gemeinsam mit Deinen beiden aber durchschnittlich wieder drei.)
Dienstag, 18. August 2009 22:46
Das mit den Thermals hab ich auch so empfunden, hat den Leuten irgendwie richtig gut getan, dass sie mal jemand etwas härter angepackt hat. Und der Drummer, das ist ja echt ein Supertyp.
(Schade nur, dass das dann nicht mehr geklappt hat, sich noch mal zu treffen, Lukas. Wir sind allerdings Samstag abend schon wieder weg, und Freitag abend war das ja auch eher zwischen Tür und Angel. Aber ich bin ja jetzt in der Nähe, dann klappt’s bestimmt bald auch mal richtig.)
Donnerstag, 20. August 2009 3:00
[...] werden sich die Anspruchsvollen unter den Initiatoren des Festivals gesagt haben: Setzen wir mal einen krasser Kontrapunkt gegen [...]