Wo bitte geht’s zur Bildung?

Von Annika Krüger, 12. Juni 2009 19:30

Es werden momentan wichtige Weichen gestellt. Nicht nur in der Weltwirtschaft, sondern auch in der Bildung. Denn nicht nur in Deutschland muss Bildung ironischer Weise zugunsten der Wirtschaft zurückstecken, europaweit leiden Universitäten an den Beschlüssen der Politik zugunsten der Wirtschaftskrise.

Es werden Banken unterstützt, Milliardenbeträge für Automobilkonzerne aufgebracht und auf der anderen Seite werden sozialen Einrichtungen, Schulen, Kindergärten und Universitäten Zuschüsse gekürzt oder fallen ganz weg.

Wie soll jedoch die Gesellschaft von morgen optimal auf all die Probleme der Zukunft vorbereitet werden, wenn Schulen geschlossen werden? Wenn kein Geld in Bildung investiert wird? Wenn die Qualität der Lehre nicht verbessert, sondern gar nicht erst ernst genommen wird?

Wer wird ein Konto bei einer Bank eröffnen, ein Auto oder im Kaufhaus etwas kaufen können, wenn er kein eigenes Geld verdienen kann, weil er keine Ausbildung anfangen kann? Wenn für das Studium und die Ausbildung zu einem Beruf immer weniger Zeit bleibt?

Wie sollen Schüler und Studenten ausprobieren und ihre Nische finden, ihr Wissen festigen und sich in ihrem Beruf sicher fühlen, wenn sie in 6 Semestern durch die Uni katapultiert werden? Was, wenn sie ihr Studium wegen fehlender finanzielle Unterstützung erst gar nicht anfangen können?

Es sind Fragen, die vielmehr auch darauf aufmerksam machen, wie die Studenten bis jetzt mit ihrer Situation umgegangen sind: Der Großteil der Studenten nahm brav hin und zahlte die Studiengebühren, nahm einen Kredit auf oder brach das Studium ab.

Es tat sich nicht viel. Der große Ruck ging nicht durchs Land. Ein paar Proteste in den größeren Uni-Städten, vereinzelte Aktionen gegen Studiengebühren, aber die große Masse an Studenten konnte bisher nicht mobilisiert werden, alle Mühen der Demonstrationen blieben vergebens.

Jedoch gab es auch die Gründung verschiedener Organisationen, die sich für eine bessere Bildungslobby einsetzen wollten und dies auch taten!

Und es scheint, dass die Initiative – Bildungsstreik 09 – in diesen Tagen die Früchte ihrer Arbeit ernten kann. In bis zu 80 großen und kleinen Städten in Deutschland wird ab nächster Woche in Schulen und Universitäten gestreikt. Ab dem 15. Juni sind verschiedene Aktionen geplant die ein Zeichen setzen sollen – von Plakataktionen bis zu Debatten.

Chancengleichheit in der Bildung, selbstbestimmtes Lernen und die Verantwortung des Landes gegenüber der Schulen und Universitäten sind nur ein Teil der Forderungen.

An der Demonstration am 17. Juni werden rund 100.000 SchülerInnen und StudentInnen erwartet. Auch Attac und die Bildungsgewerkschaft GEW gab ihre Unterstützung bekannt.

Natürlich ist auch ein Hauch von Skepsis angebracht, ob die Demonstrationen ihre Wirkung nicht verfehlen? Ob viele wenige etwas ausrichten können?

Ich sage, ja! Es ist an der Zeit und angebracht, sich verantwortungsvoll zu engagieren. Denn es muss ein Stein ins Rollen gebracht werden. Nur dann nimmt die Öffentlichkeit davon auch Notiz.

Man konnte es in meiner Uni, der Pädagogischen Hochschule Weingarten ganz deutlich fühlen, dass die Zeit reif ist, sich für seine Ideale und seine Zukunft einzusetzen. In der Vollversammlung letzte Woche fanden knapp 300 Studenten zusammen. Das sind immerhin 10% der immatrikulierten Studentenschaft. Mit großem Interesse hörte man den Initiatoren des Bildungsstreiks 09 zu, die uns darüber informierten, wie der Stand der Dinge ist und was zu erwarten ist, wenn die Situation so bleibt wie sie ist. Sogar Professoren waren von der Stimmung während der Kundgebung begeistert und gaben durch die Blume ihre Unterstüzung bekannt.

Rückendeckung gibt es nicht nur von Seiten der Gewerkschaften, auch die Universitäten und Schulen haben für den Bildungsstreik die Regeln gelockert, aber auch klare Verhaltensregeln festgelegt! Nur mit Rückendeckung kann der Bildungsstreik ein Schritt in die richtige Richtung sein.

Was sich im Bildungsstreik 09 alles live tun wird, kann man ab nächster Woche nicht nur hier nachlesen!

Wer sich informieren möchte was in seiner Stadt geplant ist: bs.risiko09.de

30 Kommentare

  1. rantanplan
    12. Juni 2009, 20:48

    Verschiedene Anmerkungen.
    Ich war letztens auch auf einer Vollversammlung mit geschätzten 300 Teilnehmern. Das war aber nur 1%, es war nämlich an der Ruhr-Uni in Bochum.
    Die Beteiligung ist also nicht überall so groß.
    Was in Bochum auch mal wieder absolut nachvollziehbar war. Wenn es wirklich nur um Bildung ginge, könnte ich mich da durchaus engagieren. Da in Bochum im gleichen Atemzug aber immer auch die Abschaffung des Kapitalismus gefordert wird, möchte ich mit diesen Menschen wirklich nichts zu tun haben.

    Dann habe ich noch eine Frage zu der Finanzierbarkeit eines Studiums.
    Du schreibst „Was, wenn sie ihr Studium wegen fehlender finanzielle Unterstützung erst gar nicht anfangen können?“.
    Ich bin glücklicherweise in der Lage mein Studium unabhängig zu finanzieren, deshalb hat das was ich jetzt frage wirklich keinen ideologischen Hintergrund, sondern stellt eine Frage aus reinem Interesse dar.
    Der BaFög Höchstsatz liegt bei 643 Euro. 100-150 Euro schaffe ich neben einem recht zeitaufwendigen Ing Studium nebenher zu verdienen.
    In NRW sind die Schulden aus BaFög und Studiengebühren auf 10000 Euro gedeckelt.
    Für den Durchschnittsstudenten müsste das Studium doch eigentlich damit ganz gut zu finanzieren sein, oder?
    Ich werde von meinem Eltern unterstützt und habe mit Nebenjob so 550 Euro zum Leben. Das reicht in Bochum im Studentenwohnheim oder in einer WG recht gut zum Leben.
    Ich bin mir darüber bewusst, dass es große Probleme gibt, weil Leute über solche Angebote nicht informiert sind oder durch einen unifernen Hintergrund den Wert einer akademischen Ausbildung vielleicht nicht erkennen
    und nicht Akademikerkinder dardurch wirklich von den Unis fern gehalten werden.
    Aber rein von der finanziellen Seite sind die Bedingungen doch eigentlich in Ordnung, oder?
    10000 Euro Schulden für einen Studienabschluss sind meiner Meinung nach noch im Rahmen.
    Ich werde, obwohl ich kein BaFög erhalte, mit nicht so viel weniger Studiengebührenschulden aus dem Studium gehen und mache mir da eigentlich recht wenig Sorgen.
    Vielleicht kann mir ja jemand die Frage beantworten (wenn möglich ohne mich als Kapitalist zu beschimpfen, so enden Diskussionen in Bochum nämlich meistens…;)

  2. Annika
    12. Juni 2009, 21:06

    Einen BaFög Antrag auszufüllen ist einfach, aber die wenigsten bekommen ihr BaFög dann auch wirklich sonderen scheitern an Bürokratie oder eben am BaFög Vergaberegelwerk!

    Nicht jeder kann es sich leisten und will auch nicht mit 10.000 € Schulden dastehen. Nicht jeder kann neben dem Studium arbeiten.

  3. Stitch
    12. Juni 2009, 21:24

    …dann kann eben auch nicht jeder ein Studium aufnehmen. Ernsthaft: wie groß ist denn deiner Ansicht nach die Quote von abgelehnten BaFög-Anträgen? Meines Wissens steigt die absolute Zahl der BaFög seit Bestehen kontinuierlich an – natürlich auch die der Studierenden, das ist mir durchaus bewusst. Ich bin auch absolut dafür, mehr Geld in die Bildung zu investieren. Aber die Erwartungshaltung, ein Studium müsse weitestgehend für jedermann umsonst sein, konnte ich noch nie nachvollziehen und das ist nun mal auch nicht finanzierbar. Der Studienplatz wurde im übrigen jahrzentelang von der Supermarkt-Kassiererin und dem Bau-Hilfsarbeiter mitfinanziert und -subventioniert. Das müsste doch eigentlich auch den im oben im ersten Kommentar angesprochenen Systemgegnern und Antikapitalisten nicht passen können.

    Disclaimer: ich habe für mein Studium (in Bochum, by the way) keine Hilfen in Anspruch genommen, habe es allerdings auch nicht beendet sondern nach dem Vordiplom und ein paar verbummelten Semestern abgebrochen, was ich noch nie bereut habe.

  4. Kunar
    12. Juni 2009, 21:42

    Erinnert mich alles stark an die Studentenproteste von 1997. Damals ging es gegen das Hochschulrahmengesetz von Bildungsminister Jürgen Rüttgers. (Deswegen muss ich immer schmunzeln, wenn er sich heutzutage den sozialen Politiker mimt.)

    Gebracht haben die Proteste nichts, außer natürlich, dass sich einige hochschulpolitische Aktive als Revoluzzer fühlen durften. Die gemäßigten Stimmen mit recht guten Vorschlägen, was man konkret machen soll, sind natürlich in der Minderheit gewesen.

    Seitdem hat das Land mehrmals Studentenproteste gegen Studiengebühren erlebt. Das Ergebnis war meines Wissens immer dasselbe.

    Ein Grundproblem eines Unistreiks besteht darin: Der Normalbürger glaubt, Studenten täten sowieso nichts. Die fleißigen Lerner hocken in der Uni und sind für Außenstehende unsichtbar. Die Faulen füllen die Kneipen und fallen aufgrund anderer Schlafphasen umso mehr auf. Wenn die Studenten dann „streiken“ und nicht in die Vorlesung gehen, hat das auf das Alltagsleben eines normalen Menschen keinerlei Auswirkungen. Deswegen gibt es wenig Möglichkeiten, Druck zu machen oder für Verständnis zu werben.

    Wie gesagt, ich bin da aus Erfahrung Pessimist. Möge der jetzigen Studentengeneration ein besseres Schicksal beschert werden!

  5. Julius
    12. Juni 2009, 22:37

    Ich kann mich meinem Vorredner eigentlich anschließen. Einen Effekt auf Proteste gab es selten. Dafür wird aber seit Jahrzehnten mit der gleichen Abwehrhaltung und den gleichen Klischees gekontert (warum umsonst, die sollten mal, sowieso faul etc.). Kein Wunder, daß die Bereitschaft der Lernenden (auch Schüler, Azubis, …), sich für bessere Bedingungen zu engagieren, m.E. stark abnimmt. Dazu kommt eine Ellenbogenmentalität insbesondere derer, die weniger Probleme haben (finanziell, ausbildungszielbedingt).
    Ich will jetzt auch nicht (wie immer gerne praktiziert) tausend verschiedene Ausbildungsszenarien und Finanzierungsmodelle als Beispiele pro/contra/egal heranziehen. Ich hoffe einfach auf Interesse, Solidarität und gute Resonanz, denn – platt, aber irgendwo richtig – gut ausgebildete Menschen sind der einzige verwertbare ‚Rohstoff‘, den dieses Land hat.

  6. Niklas
    12. Juni 2009, 23:16

    Ein großartiger Beitrag zum Thema in der aktuellen „Blätter für deutsche und internaionale Politik“: http://www.blaetter.de/artikel.php?pr=3103

  7. Muriel
    13. Juni 2009, 0:51

    @rantanplan: Ja, sowas hab ich auch beim Lesen des Beitrags gedacht. Wer ist schon gegen Bildung? Und das wir mehr dafür tun sollten, finde ich auch noch. Aber wenn ich dann auf der verlinkten Seite z.B. die Aktion Banküberfall sehe, wird mir das Ganze noch mal unsympathisch. Wenn ich das richtig verstehe, wird (natürlich) nicht wirklich eine Bank überfallen, aber ums Behindern und Stören gehts wohl schon. Und von diesem antikapitalistischen Geschwurbel, das da bei vielen Beiträgen mitschwingt, krieg ich sowieso immer schweres Zähneknirschen.

  8. elplato
    13. Juni 2009, 1:00

    @stitch: Wenn du sagst, dass „dann eben nicht jeder ein Studium aufnehmen kann“, dann gibst du damit selbst das beste Argument gegen Studiengebühren. Es muss doch das Ziel sein, eben jedem die Chance zu geben zu studieren. Sobald auch nur ein einzelner begabter oder interessierter Mensch sein Studium nicht aufnehmen kann, weil er es nicht finanzieren kann, so versagt meines Erachtens unser Bildungssystem. Gerade Bildung sollte als Mittel für die soziale Durchlässigkeit angesehen werden und nicht nur gut betuchte Söhne oder Töchter sollen studieren können, sondern jeder – und zwar im besten Fall unter möglichst gleichen Bedingungen.
    Zu dem Thema ist der von Niklas gepostete Text von Wolfgang Lieb sehr lesenswert und ansonsten habe ich mich auch schon ein bissjen damit beschäftigt (wenn auch eher auf die Situation an den Schulen bezogen):
    http://nightwindowsnight.blogs.....ildet.html

  9. JMK
    13. Juni 2009, 1:48

    Stitch und Rantanplan haben doch grundsätzlich recht. Ich hätte gerne Studiengebühren bezahlt (immer unter der Voraussetzung, dass diese Gebühren zweckgebunden genutzt werden), dann hätte man nicht auf uralten PCs arbeiten müssen, wären die Warteschlangen vor dem PC Pool nicht so lang wie im Sommer vor der Eisdiele, dann wäre die Ausstattung der Bibliothek so umfangreich, dass man nicht wochenlang auf Literatur hätte warten müssen, etc.pp.

    Woher diese Selbstverständnis kommt, dass Bildung in erster Linie kostenlos sein soll, erschliesst sich mir nicht, sollte das Ziel nicht in erster Linie sein, die beste Lehre zu bekommen und nicht die „billigste“?

    Seltsamerweise schaffen es doch andere Staaten auch ihren Bürger eine, zumeist auch höhere Bildung, zukommen zu lassen, die nicht kostenlos ist und nach deren Ende kein Heer von überschuldeten Absolventen steht.

  10. Stitch
    13. Juni 2009, 10:23

    @elplato: Ich bitte meinen Einleitungssatz nicht so ernst zu nehmen, was ich durch das nachgeschobene „ernsthaft“ auch – vielleicht etwas zu unbeholfen – deutlich machen wollte. Es ging mir um die Argumentation, dass nicht jeder Schulden machen wolle oder nebenbei arbeiten könne. Daraus spricht nämlich eben diese Anspruchshaltung, die ich nicht nachvollziehen kann und die mir auch gewaltig gegen den Strich geht. Aber ich ziehe den Satz gerne zurück, wenn wir uns auf das dann folgende einigen können.

    Im übrigen sind imho Sätze, die mit „wenn auch nur ein einziger“ beginnen, in einer an der Realität ausgerichteten Diskussion immer ziemlich schwierig, bei aller grundsätzlichen Sympathie für rein idealistische Gedankengänge: wenn unter mehreren Hunderttausend oder gar Millionen Studierenden ein einziger aus welchen Gründen auch immer kein Studium aufnehmen, hat gleich das komplette Bildungssystem versagt? Wirklich? Ich weiss ja nicht…

    Ansonsten hat mein Vorredner meinen Standpunkt ziemlich gut ausgedrückt, da brauch ich an dieser Stelle auch gar nicht viel mehr sagen ;o)

  11. Lukas
    13. Juni 2009, 12:55

    Wenn ich die Kommentare von Stitch und Rantanplan zur Bochumer Studentenvertretung lese, bin ich zumindest beruhigt, dass es nicht nur mein Eindruck war, dass das ein völlig weltfremder Haufen ist … ;-)

    sollte das Ziel nicht in erster Linie sein, die beste Lehre zu bekommen und nicht die “billigste”?

    Vermutlich schon. Aber wenn man Studiengebühren zahlt und davon im Studienalltag nichts merkt, weil man in überfüllte Veranstaltungen nicht reinkommt, dann bekommt man für viel Geld ziemlich wenig.

    Über die Bochumer Germanistik kann ich kaum klagen, aber es scheint Institute und Unis zu geben, wo es richtig schlimm ist. Und da finde ich es mehr als legitim, auf diese Missstände hinzuweisen.

    (Dass ich das Wort „Bildungsstreik“ auch etwas komisch finde, steht auf einem anderen Blatt.)

  12. alexander fanatique* thomas
    13. Juni 2009, 13:04

    „Es werden momentan wichtige Weichen gestellt. Nicht nur in der Weltwirtschaft…“…

    Es werden momentan wichtige Weichen gestellt. Nicht nur in der Weltwirtschaft, sondern auch in der Bildung. Denn nicht nur in Deutschland muss Bildung ironischer Weise zugunsten der Wirtschaft zurückstecken……

  13. curt
    13. Juni 2009, 13:50

    Wenn ich sehe, dass das „Protestkomitee“ an der Ruhr-Uni aus Menschen besteht, die im Festival-Stil auf irgendwelchen Wiesen zelten und tagsüber mit dem Bademantel über den Campus flanieren, dann kann ich diese Personen beim besten Willen nicht ernst nehmen. Und wenn ich das schon nicht kann, warum sollte das dann irgendein Politiker tun?

  14. Thomas L
    13. Juni 2009, 17:56

    Lustig, mein BaföG-Antrag wurde damals abgelehnt.
    Der Verdienst meiner Eltern sei (knapp) zu hoch. Mein Vater war gerade arbeitslos geworden und die Familie tief verschuldet, auf den genauen persönlichen Hintergrund darf jeder selbst schließen. Jedenfalls waren meine Eltern nicht in der Lage mich zu unterstützen. Ich konnte Anfangs nicht nebenher arbeiten, konnte mir keine Bücher kaufen und habe zum Glück Geld von meiner Oma bekommen um die Semestergebühren (keine 500 Euro Studiengebühren, nur knapp die Hälfte) zu bezahlen. Ein gutes Studienumfeld ist das jedenfalls nicht. BaföG ist aus meiner persönlichen Erfahrung, in seiner jetzigen Form, für die Tonne.

  15. elplato
    13. Juni 2009, 21:05

    @stitch: Wenn es um Bildung geht, sehe ich sehr wohl Bedarf, idealistisch zu sein. Gerade wenn es um den Bildungsbegriff geht und man sagt, dass ein Studium eben wirklich ohne Einschränkungen für jeden möglich sein soll. Dass mehr Geld rein muss ist klar, aber von den Studenten sollte das meiner Meinung nach nicht in dieser Form kommen.
    Ich studiere in Heidelberg und was man da alles blechen muss, ist fast ein bissjen frech:
    500 € Studiengebühren
    64 € Studentenwerksbeitrag
    40 € Verwaltungskoten
    116 € Semesterticket (was im nächsten Jahr wohl entweder deutlich angehoben wird oder komplett abgeschafft wird)
    dazu kommt dann natürlich noch sowas wie Miete, die in HD auch nicht besonders niedrig ist.
    Da kann mir niemand erzählen, dass Studenten aus einkommensschwachen Familien einen großen Nachteil haben.

  16. Stitch
    14. Juni 2009, 9:55

    @elplato: Entschuldige bitte, wenn ich das zusammenrechne macht das 720€. Pro Semester wohlgemerkt, also eine monatliche Belastung von 120€. Das erscheint mir doch sehr erträglich, zumal viele Unis meines Wissens was die Zahlungsmodalitäten angeht sehr offen sind.

    Das Semesterticket ist übrigens zumindest zu meiner Zeit in Bochum eine an sich gute Sache gewesen, galt für den gesamten VRR, also halb NRW, ein normales Monatsticket für den gleichen Gültigkeitsbereich kostet so weit ich weiss noch ein paar Euro mehr. Und darüber hinaus wurde einem das auch nicht von der Uni oder dem Land auferlegt, das hat seinerzeit die Studentenvertretung mit den Verkehrsbetrieben ausgehandelt (und zwangsweise jeden Studierenden dazu verpflichtet). Klar, das musst du dann halt auch zahlen, aber das steht auf einem ganz anderen Blatt als die Gebühren.

    Dein letzter Zeit ist dann wohl eine Freudsche Fehlleistung. ;o)

    @Lukas: Dass die Gebühren auch für die Verbesserung des Studierendenalltags und der Studienbedingungen verwendet werden sollten ist überhaupt keine Frage, wo das nicht passiert, sollte auch auf jeden Fall darauf hingewiesen und dagegen vorgegangen werden, da bin ich auf jeden Fall bei dir. Doch auf der im Eingangsposting verlinkten Seite spielt das ja überhaupt keine Rolle, da gibt es wieder nur diese schon mehrfach angesprochene Allianz aus Anspruchshaltung, ökonomischem Unsachverstand, linker Systemkritik und revolutionärem Geblubber. Wer soll sich damit ernsthaft auseinandersetzen wollen?

  17. Stitch
    14. Juni 2009, 9:57

    Öhm, ich ersetze „Zeit“ durch „Satz“ an der entsprechenden Stelle und bekenne mich auch einer Fehlleistung schuldig…

  18. stk
    14. Juni 2009, 11:27

    Ca. 120 EUR monatlich fuer Studiengebuehren, Semesterfahrschein und Studentenwerksbeitrag. Ca. 250 EUR monatlich fuer Unterkunft mit Nebenkosten. Macht zusammen 370 EUR im Monat. So viel darf ein Student verdienen, ohne dass ihm die Krankenkasse monatlich noch einmal 50 EUR abknoepft.

    Von diesem Betrag ist aber noch kein Essen bezahlt, keine Klamotten, keine Lernmaterialien.

  19. Mickey
    14. Juni 2009, 11:54

    Ich frage mich immer, was es bringen soll, wenn Studenten streiken… Schadet das irgendwem? Ach ja: ich war selber Student, und zwar in einem Land, in dem Studiengebühren selbstverständlich sind. Zurecht.

  20. JMK
    14. Juni 2009, 16:41

    @stk
    ja und?
    mit welcher Begründung soll/muss den Bildung umsonst sein? Im Umkehrschluss müssten Studienabbrecher oder Fachwechsler ihre „Bildungsdividende“ zurückzahlen.
    Um das alte, nichtsdestotrotz richtige Beispiel der Meisterausbildung zu bemühen. Diese kostet ca. 8000-10000 Euro, seltsamerweise sehe ich herzlich wenige demonstrierende Gesellen auf der Strasse.

    Wie oben schon genannt müssen die Studiengebühren natürlich zweckgebunden verwendet werden und das auch Fachbereichs übergreifend. An den beiden Unis hatten „seltsamerweise“ die Wirtschaftswissenschaftler und die Juristen das neueste Gebäude und die umfangreichste Bibliothek. Die Sozialwissenschaftler hausten in 60er Jahre Bauten, das hat sich bis heute leider nicht geändert.

    Es wird auch niemand genötigt zu studieren, wichtiger erscheint mir die Baföggrenze zu erhöhen, das System zu vereinfachen oder ein anderes System zu etablieren. Man möge mich korrigieren, aber soviel ich weiss studieren in den USA weit mehr Kinder aus einkommensschwachen Familien als in Deutschland, trotz Studiengebühren und ohne Bafög.

  21. Vuffi Raa
    14. Juni 2009, 18:36

    Ich sehe nicht den Sinn dieses Bildungsstreik. Hab ich nie verstanden. Wenn die Müllmänner streiken, bleibt der Müll liegen und stinkt, wenn die Kindergärten streiken, wissen die Eltern nicht wohin mit ihren Blagen, aber wenn die Studenten streiken?

    Ja okay, man erregt mit den Demos ein bisschen Aufmerksamkeit, aber man erzeugt doch in keinster Weise irgendwelchen Druck. Auf wen denn auch? Das Leben im Land läuft weiter wie gehabt und wenn man es nicht in den Medien sehen würde, würde es der Großteil der Bevölkerung gar nicht mitkriegen.

    Dazu kommt, dass ich in einem Bundesland wohne, in dem es keine Studiengebühren gibt und ein Fach studiere, das nur wenig Bücher und keine teuren Labore braucht, bei dem man also außer ein paar Tutoren und ein bisschen Kreide eh nix einsparen könnte.

    Da hab ich doch deutlich mehr von, wenn ich mich in meine Vorlesungen setze als an irgendwelchen Protestveranstaltungen teilzunehmen.

    Tut mir leid, wenn das egoistisch klingen sollte, aber so sehe ich die Sache nun mal.

  22. Lukas
    14. Juni 2009, 18:43

    Wenn die Müllmänner streiken, bleibt der Müll liegen und stinkt, wenn die Kindergärten streiken, wissen die Eltern nicht wohin mit ihren Blagen, aber wenn die Studenten streiken?

    Hab ich eigentlich auch immer gedacht. Dann fiel mir ein, dass es ja auch Hungerstreiks gibt, bei denen man ebenfalls die Aufnahme von irgendwas (halt Nahrung anstelle von Bildung) verweigert.

    Ist vielleicht ein schwacher Vergleich, macht’s aber vielleicht ein Eckchen verständlicher. (Auch wenn ich selber nicht von der Idee halte.)

  23. Phidi
    14. Juni 2009, 20:57

    Sonst lese ich ja nur mit, aber eines interessiert mich jetzt doch:
    @stk: Wo zahlt man nur 120€ Gebühren bzw. 250 Warmmiete? Ich studiere auch in einem Bundesland, dass angeblich keine Studiengebühren hat, zahle aber 280€ Semesterbeitrag. Und für unter 350€ kriegt man hier noch nicht mal ne Rumpelkammer in ner WG. Sollte ich vielleicht die Uni wechseln?

  24. rantanplan
    15. Juni 2009, 1:27

    @Phidi: Natürlich ist 250 warm auch nur ein WG Zimmer, aber das ist in Bochum durchaus schonmal drin. Wohnheimsplätze gibts hier sowieso auch genug.
    Höhere Ansprüche muss ein Student IMHO nicht haben.

  25. Julius
    15. Juni 2009, 2:51

    Ich hatte es befürchtet: Immer wieder die gleichen Argumente und die ewige Aufrechnerei. Es geht aber nicht nur ums Geld und darum, ob im Raum D408 der Beamer geht, oder nicht. Es geht u.a. um die m.E. berechtigte Kritik auf die Umstellung auf BA/MA-Studiengänge und auch um das teils organisatorische Chaos, das die Umstellung verursacht hat. Aber die Diskussion will ich hier überhaupt nicht anreißen. Es gibt Befürworter und Leute, denen das schlicht egal ist (jeder, wie es für ihn/sie am besten passt) – und ich habe ehrlich gesagt schon resigniert, da jemanden überzeugen zu wollen.
    Nur eins noch: Jetzt wird sich am Begriff ‚Bildungsstreik‘ abgearbeitet. Wird hier die Bildung bestreikt? Nein. Darf man nicht auch *für* etwas streiken? Für bessere Bildung? Bildungsstreik heißt eben nicht, daß man sich der Bildung eine Woche entzieht und in den Urlaub fliegt. Die Veranstaltungen laufen wie gewohnt weiter und *zusätzlich* gibt es Angebote, sich mit Bildungsbedingungen (den eigenen und denen anderer) auseinanderzusetzen.
    Ist das verwerflich, faul und destruktiv? Also ich weiß nicht, aber eine kritische Auseinandersetzung mit Aspekten die die Lebenswirklichkeit in diesem Land prägen, halte ich nicht für falsch.

  26. Warum man in Ulm mit Verspaetung streikt | stk
    15. Juni 2009, 15:35

    […] haben, waehrend der Posteingang des — seit zwei Jahren unbesetzen — Aussenreferats mit Aufrufen zur Beteiligung am bundesweiten Bildungsstreik unbeachtet […]

  27. stk
    15. Juni 2009, 15:41

    @Phidi: 120 EUR pro _Monat_, nicht Semester. Und ja, fuer 250 EUR bekommt man ne Altbauwohnung in Ulm ;)

    @JMK De facto sieht es derzeit so aus, dass Erstsemester in ein durch die Bachelorumstellung beschissen restrukturiertes Studium gequetscht werden, nach dem Motto „friss oder stirb“. Im Endeffekt sieht es teilweise so aus, dass am Ende des zweiten Semesters die Haelfte eines Jahrgangs rausgekegelt wird, weil eine Klausur beschissen gestellt war. 1000 EUR Studiengebuehren futsch, Studium beendet.

    Es meckert und schimpft sich immer sehr leicht ueber die faulen Studenten, da oben im Elfenbeinturm. Ich empfehle einmal Einblick in Fachschaftsarbeit an einer beliebigen Uni zu nehmen, um herauszufinden, warum Bologna auf dem Papier wunderbar, in der Praxis eine Deklassifizierung der deutschen Hochschulausbildung ist.

  28. stk
    15. Juni 2009, 15:42

    (korrigiere: Altbau-WG-Zimmer, keine komplette Wohnung natuerlich.)

  29. Bildungsstreik 2009 « Zivilschein
    15. Juni 2009, 21:11

    […] Studienbedingungen zu fordern und allgemeine Politkritik zu üben. Das ist ja grundsätzlich eine gute Sache. Allein, es wird nichts […]

  30. Lukas
    16. Juni 2009, 1:18

    Der heutige Tag hat mich die Form des Protestes (zumindest in Bochum) dann doch stärker anzweifeln lassen, als ich gedacht hätte: lesen Sie hier.