Der neue Hitler

Von Lukas Heinser, 1. April 2009 23:09

Vor ein paar Wochen hatte ich geschrieben, Kinderpornographie habe Terrorismus als … äh: Totschlagargument bei der Einschränkung von Rechten abgelöst.

Kinderpornographie ist aber nicht nur der neue Osama, sie ist auch der neue Hitler.

Den Eindruck könnte man zumindest bekommen, wenn man sich anhört, welch beeindruckende Vergleichskette Bayerns Innenminister Joachim Herrmann gestern aus dem Hut zauberte:

Killerspiele widersprechen dem Wertekonsens unserer auf einem friedlichen Miteinander beruhenden Gesellschaft und gehören geächtet. In ihren schädlichen Auswirkungen stehen sie auf einer Stufe mit Drogen und Kinderpornografie, deren Verbot zurecht niemand infrage stellt.

[Zitiert nach golem.de]

Mir fällt leider beim besten Willen nichts ein, womit ich diesen Unfug vergleichen könnte.

15 Kommentare

  1. Manuel
    1. April 2009, 22:37

    Das ist, als ob man sagt, dass Tee auf einer Stufe mit Tee stünde und das niemand in Frage stellen würde.

  2. shd
    1. April 2009, 23:05

    Ahh ganz einfach. Bald ist Europawahl und die Chancen stehen nicht schlecht das die CSU nicht ins EU Parlament einzieht. Joachim Herrmann ist einer der wenigen alten die aus der Ära Stoiber übrig sind. Seehofer wird bestimmt nicht gehen müssen wenns bei den Wahlen diese Jahr nicht läuft, also steht Herrmann ganz oben auf der Liste.

    Ich versteh garnicht warum sich jeder über jede Äuserung eines CSU’lers so aufregt.. in Bayern sieht man das lockerer :P
    Morgen gibts es wieder ne schöne Abreibung ;)

  3. Mickey
    2. April 2009, 7:30

    Wobei ich immerhin die Minderheitenmeinung (?) vertrete, dass Killerspiele tatsächlich geächtet gehören. Nicht verboten – aber geächtet. Das Zitat ist natürlich Nonsense.

  4. asdrubael
    2. April 2009, 8:24

    „Ich versteh garnicht warum sich jeder über jede Äuserung eines CSU’lers so aufregt.. in Bayern sieht man das lockerer :P“
    Wollte ich auch gerade sagen, was die CSU Politiker absondern empfindet man als Bayer als so etwas wie Real-Satire und nicht als ernst zu nehmende Äußerung (ein bisschen wie beim Papst). Wenn der Herr Schäuble ungeheuerliche Sprüche ala „Die Unschuldsvermutung heißt im Kern, dass wir lieber zehn Schuldige nicht bestrafen als einen Unschuldigen zu bestrafen.“ absondert fühlt sich ja leider auch keiner genötigt, solche Subjekte mit brennenden Fackeln aus dem Land zu jagen, bevor sie noch mehr Schaden anrichten können.

  5. mnostg
    2. April 2009, 8:25

    Hallo Mickey,

    würdest du mir bitte erklären was ein Killerspiel denn jetzt ist. Nach 25 Jahren spiele konsum weiß ich das wirklich nicht.

  6. Daniel
    2. April 2009, 19:32

    Schach entspricht auch nicht dem „Wertekonsens unserer auf einem friedlichen Miteinander beruhenden Gesellschaft“, ist ergo ein Killerspiel und mindestens genauso schlimm wie Kinderpornografie. Oder so ähnlich…

  7. Manuel
    2. April 2009, 22:35

    Ehrlich gesagt finde ich Drogen besser als Killerspiele. Aber auch besser als Kinderpornographie.

  8. Hendrik
    2. April 2009, 22:47

    Ich schließe mich dieser Minderheitenmeinung auch an und kann Herrmanns 1. Satz ausdrücklich unterschreiben. Natürlich bringen Gewalt-Spiele niemanden um, genauso wenig wie z.B. braune Stammtischparolen das tun. Man muss nicht alles verbieten in der Welt. Aber beides gehört für mich nicht zu einer „friedlichen Gesellschaft“.

  9. asdrubael
    3. April 2009, 9:25

    Kleiner Denkanstoß zur Definition „Killerspiele“: Was ist schlimmer ein indizierter FSK 18 Ego Shooter bei dem ordentlich Blut spritzt oder ein FSK 13 „Americas Army“ das den sauberen Krieg zelebriert und junge Leute für den Militärdienst begeistern soll? Siehe:
    http://usaerklaert.wordpress.c.....us-heeres/

    Auf der anderen Seite gibt es inzwischen fünf „Saw“ Titel in denen Menschen auf grausamste Weise gefoltert werden, die sich aber anscheinend großer Beliebtheit erfreuen. Ich frage mich wie das in eine „friedliche Gesellschaft“ passt, in der Folter allgemein abgelehnt wird.

  10. Joe
    3. April 2009, 10:32

    @Daniel
    In Deiner Ansicht kann ich Dich nur unterstützen. Beim Schach werden Bauern, Springer, Damen sowie Könige gemetzelt und dann wird das Ganze noch als die Intelligenz förderndes Spiel und sogar Sport verkauft. Sollte man nicht zudem auch das urbayrische Fingerhakeln einmal unter dem Aspekt der Gewalttätigkeit unter die Lupe nehmen? Es gibt viel zu tun, Herr Herrmann.

  11. Stefan
    4. April 2009, 15:22

    Der Kerl ist betrunken, pfui.

  12. Mickey
    6. April 2009, 18:37

    @mnostg: weisst Du, solche Fragen empfinde ich als schlaumeierisch. Unter dem Wort Killerspiel fasse ich alle Computerspiele zusammen, in denen Menschen (bzw. „Menschenfiguren“) getötet werden müssen. Ich weiss, dass jetzt viele aufheulen werden, vielleicht auch Du, aber es geht mir ja nicht um eine wasserdichte Definition, um solche Spiele per Gesetz verbieten zu können; ich stelle lediglich fest, dass ich der Meinung bin, dass solche Spiele geächtet gehören. (Diese Meinung muss man nicht teilen.)

  13. Klaus
    8. April 2009, 23:02

    Brief an die Bayerische Staatsregierung:

    Sehr geehrte Damen und Herren,

    für Herrn Innenminister Herrmann ist es laut Pressemitteilung „wissenschaftlich klar erwiesen, dass der andauernde Konsum derartiger [Computer-]Spiele, in denen Gewalt und Brutalität anders als bei Filmen aktiv ausgeübt und gesteuert wird, die Gewaltbereitschaft fördert und die Fähigkeit, Mitleid zu empfinden, verkümmern lässt.“

    ( Quelle: http://www.stmi.bayern.de/pres.....09/127.php )

    Da mir keine einzige Quelle bekannt ist, wonach dies „wissenschaftlich klar erwiesen“ ist, hätte ich hierfür gerne eine beispielhafte Quellenangabe von nur einer wissenschaftlichen Veröffentlichung, welche zu diesem eindeutigen Ergebnis kommt und weshalb beispielsweise die von mir genossene staatliche Zwangsausbildung zum mitleidlosen Töten (Bundeswehr) diese oben beschriebene Wirkung nicht haben soll.

    Zudem möchte ich darauf aufmerksam machen, dass im Zuge von „LAN-Partys“ es keinen einzigen Fall gibt, bei dem die Polizei wegen gewaltsamer Ausschreitungen eingreifen musste – übrigens im Gegensatz zu Fußballspielen, in deren Umfeld es in der Bundesrepublik erwiesenermaßen bereits etliche Tote gab – komischerweise fordert kein Politiker, Fußball zu verbieten.

    Zudem würde mich interessieren, weshalb von den Millionen Wehrmachtveteranen, welche nun wirklich ohne Zweifel zum „mitleidlosem Töten“ erzogen wurden und dies auch Jahrelang praktizieren mussten, es nach dem Kriege nur einen einzigen Fall eines amoklaufenden Veteranen gab (am 11. Juni 1964 in Köln ). Ist Herr Herrmann der Meinung, dass Computerspiele stärker traumatisieren als der Zweite Weltkrieg?

    Ich selber habe noch im Studium diese Spiele gespielt und habe als junger mehrfacher Familienvater und Diplomingenieur heute andere Präferenzen – nach der Mitteilung von Herrn Herrmann und die angeblichen „wissenschaftlichen Nachweise“ mache ich mir jedoch Sorgen über verborgene potentielle Traumatisierungen, welche möglicherweise in mir schlummern.

    Daher nochmals die Bitte meinerseits nach wenigstens einer ernsthaften Veröffentlichung mit besagtem „eindeutigen Nachweis“

    Mit freundlichen Grüßen
    ——————-

  14. birgit
    9. April 2009, 12:56

    Ich finde, das ist eine schöne Ergänzung zum Thema:

    http://www.zeit.de/2009/16/Martenstein-16

  15. mnostg
    16. April 2009, 10:41

    @Mickey Also gut. Die definition versteh ich warum gehören dann nicht alle Medien in den MEnschen getötet werden geächtet. Also Tatort, Bücher Fernsehen, Musik, Usw? Wo ist da der unterschied?