Turm und Jungfrau sind aus dem Spiel

Von Lukas Heinser am Donnerstag, 19. März 2009 19:18
Kategorie: My Culture, Rock'n'Roll High School

Ein iPod und eine CD-Sammlung (Ausschnitt).

Der Virgin Megastore in San Francisco (Ecke Market und Stockton Street) macht dicht. Die Menschen werden ihre Kiss-Hemden, AC/DC-Unterhosen und Jonas-Brothers-Regenschirme in Zukunft woanders angucken (denn wer kauft sowas schon?) müssen.

cnet.com illustriert diesen Vorgang mit einem Foto, dem man hohe Symbolkraft unterstellen könnte: Genau gegenüber vom Virgin Megastore verkauft der Apple Store seine iPods — und Downloads machen inzwischen ein Drittel der verkauften Musik in den USA aus.

Ich will das alles nicht kleinreden. Seit ich meinen iPod habe, habe ich auch mehr aktuelle Alben in Form von Downloads gekauft als auf CD. Nur Musik von Künstlern, deren Gesamtwerk ich im Regal stehen habe, muss weiterhin auch physisch erworben werden — was bei Starsailor z.B. hieß, dass ich für die Hülle und das Booklet acht Euro Aufpreis gezahlt habe, was selbst unter Fan-Aspekten einigermaßen bescheuert ist.

Was ich aber am Beispiel San Francisco besonders faszinierend finde: Zweieinhalb Jahre, nachdem Tower Records pleite ging und sein Filialen an der Ecke Columbus/Bay Street schließen musste, zieht sich die zweite große Entertainment-Kette zurück. Es bleiben Best Buy (eine Art amerikanischer Media Markt außerhalb der Innenstädte) und die “alternativen” Klein-Ketten wie Rasputin und Amoeba (s.a. Reisetipps für San Francisco: Geschäfte). Die sind natürlich viel zu groß und dann doch zu gut organisiert, um noch als “David” durchzugehen (andererseits: verglichen mit Virgin …), aber doch scheinen sie gewonnen zu haben.

Die Frage bleibt, wie lange es überhaupt noch Plattenläden geben wird.

8 Kommentare

  1. 1

    Selbst wenn ich ein Album als “richtige” CD haben will, kaufe ich es mittlerweile im Netz. Nur für LPs und lange vergriffene Sachen suche ich ab und zu noch die kleinen Läden in der Oberstadt auf.

  2. 2

    Ich stelle mal die Behauptung auf, dass die Zukunft von Plattenläden in der Besinnung auf ihre Vergangenheit liegt: im Verkauf von Vinyl.

    Das kann man am Beispiel der neuesten Radiohead-Scheibe sehen. Obwohl auch übers Internet mittels “pay-what-you-want” vertrieben, wurden da unglaublich viele Vinylplatten verkauft.

  3. 3

    So gern ich meine Musik im Internet kaufen würde, fehlt mir einfach ein verständlicher, aktueller Überblick über die Angebote. Ich will keine obskuren Kopierschutzmaßnahmen, ich will keinen Laden der in wenigen Jahren meine Musik mit in den Konkurs reißt oder mir mit eigenartigen Formaten auf den Nerv geht.

    Zudem scheint ständig ein anderer Shop günstiger zu sein, mal iTunes, dann Saturn, dann wieder Musicload. Sich das im ganzen Netz zusammenzukaufen, das kann es aber auch kaum sein.

    Lukas, tu doch mal was! :D

  4. 4

    Vor allem ist die Sortierung in den meisten Großmärkten total daneben. Da findet sich doch keiner zurecht. Amazon ist da ordentlicher. ;)

  5. 5

    Mein Hauptproblem ist das CD’s relativ schnell (im Gegensatz zu Platten) Opfer des Zersetzungsprozesses werden. Da bevorzuge ich doch Daten oder beständiges Vinyl :)

    Wenn ich mir doch mal ne echte CD kaufe ist es meist eher um die angenehme Atmosphäre in einem Plattenladen auszukosten, ein wenig zu stöbern, ein bisschen zu schweifen, in Gedanken ein bisschen die eigene musikalische Geschichte zurückverfolgen, ein paar Zeilen mit dem kundigen Verkäufer zu wechseln und dann innerlich befriedigt mit einem Stück Plastik von dannen zu ziehen das man sich fernab vom Rechner in aller Ruhe im Wohnzimmersessel von der alten Stereoanlage aus zukommen lässt (passiert meist dann wenn das Geld für Vinyl nicht reicht).

  6. 6

    Meine Hoffnung ist, dass es wieder den kleinen Plattenladen umme Ecke geben könnte, der all die Dinge hat, die es bei Amazon, iTunes und Co. nicht geben wird.

  7. 7

    Ich habe einen iPod, “kenne” also iTunes – kaufe aber jedes Album, das ich haben möchte, als CD. Nun bin ich aber auch nicht (mehr) der ganz grosse Sammler, so dass sich meine Ausgaben sowieso in Grenzen halten. Wenn ich mir eine CD kaufe, erwarte ich allerdings auch ein anständiges Booklet.

  8. 8

    Ich halte das genauso wie Mickey und ich habe ähnliche Schwierigkeiten bei Download-Musik wie Max. Meine CD-Sammlung wächst und wächst, hören tu’ ich jedoch fast nur vom Mp3-Player, dafür kaufe ich fast ausschließlich Spezial-Editionen und nicht die gewöhnliche 0815-Ausgabe.

    Natürlich kann man sich das auf Dauer nur leisten, wenn man nicht jeder gehypten Castingscheiße o.ä. hinterherrennt.

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