Mit dem Zweiten sieht man alles

Von Lukas Heinser
Veröffentlicht: 15. März 2009 12:48

Es ist ja nicht so, dass ein öffentlich-rechtlicher Fernsehsender irgendwelche Gewaltverbrechen bräuchte, um die eigenen, niedrigen Qualitätsstandards unter Beweis zu stellen. Im Zweifelsfall tut’s auch ein Fußballspiel.

Der Kapitän des 1. FC Köln Ümit Özat, der im August 2008 während eines Bundesligaspiels einen Herzstillstand erlitten hatte, hat gestern sein Karriereende bekanntgegeben.

In der Redaktion des “Aktuellen Sportstudios” dachte man sich wohl, dass viele Zuschauer das im letzten Sommer nicht richtig mitbekommen hätten oder sich nicht vorstellen könnten, wie das so aussieht, wenn ein Fußballer auf dem Spielfeld einen Herzstillstand hat. Deswegen hielt man es für eine gute Idee und im Zweifelsfall für seine journalistische Pflicht, vor dem Bericht über das Rhein-Derby rheinische Derby zwischen Köln und Mönchengladbach (4:2 für die Borussia, aber man muss sich für die eigenen Mit-Fans schämen) noch einmal kurz zu zeigen, wie das damals war: Özat mit verdrehten Augen zuckend auf dem Boden; Özat, der auf einer Trage vom Spielfeld getragen wird; Kölner Spieler und Funktionäre, die fassungslos zu weinen anfangen.

10 Kommentare

  1. Manuel
    15. März 2009, 13:59

    Funktionäre die Weinen? Das hätte ich abe auch gerne mal gesehen. Ich dachte Funktionäre sind diese Gestalten, die kein Herz haben.

  2. Freiwild
    15. März 2009, 14:44

    Zum Glück funktionieren Deine journalistischen Qualitätsstandards. Manch anderer Blogger hätte jetzt wahrscheinlich das Video auf Youtube hochgeladen, (zur “Dokumentation”), damit wir alle zusammenzucken und “pfui, wie schrecklich!” rufen können.

  3. Sportteil » Blog Archive » Der Außenristgott
    15. März 2009, 22:57

    [...] den Zeitpunkt der Verkündung und die Art der Medienberichterstattung sollen andere (berechtigterweise) streiten – ich bin einfach traurig, dass Ümit Özat [...]

  4. Rocco
    16. März 2009, 9:56

    gut dass es leute wie dich gibt, die wirklich jede kleinigkeit gnadenlos aufgreifen und anprangern.

    jetzt werden also schon bildschnipsel die eine sekunde lang zu sehen sind, als beweisstück für die globalen qualitätsstandards eines ganzen öffentlich-rechtlichen systems hervorgeholt.

    cool.

  5. Rocco
    16. März 2009, 9:57

    muss nochma fragen: wo zum geier ist das problem, bilder zu zeigen, in denen ein spieler vom feld getragen wird oder auf dem funktionäre anfangen zu weinen?

  6. Rocco
    16. März 2009, 9:58

    Hätte man Hitzfeld Abschiedstränen zeigen dürfen?

  7. kurz notiert, 16.03.2009 « Gedankensolo
    16. März 2009, 16:37

    [...] Mit dem Zweiten sieht man alles (CofeeandTV) [...]

  8. -ela
    16. März 2009, 19:44

    Mit dem ZDF hört man manchmal auch nicht richtig…glaubt man zumindest: Eben in heute hat Klaus Prömpers, der Korrespondent, der den Fritzl-Prozess für das ZDE verfolgt, berichtet, die Opfer seien in der “Klapsmühle” untergebracht. Ohne Worte.

  9. annarose
    17. März 2009, 10:35

    @Rocco

    Es ist für mich keine Kleinigkeit einen leidenden, kranken Menschen zu zeigen sondern eine abscheuliche und überflüssige Geschmacklosigkeit.
    Vielleicht kannt du es auch mit anderen Augen sehn wenn du dir vorstellst dein Kind oder dein Vater oder du selbst wärst betroffen.

    Im Strassenverkehr nennt man Leute die sich so verhalten Gaffer und die müssen im TV nicht mit solchen Bildern bedient werden.

  10. Hendrik
    17. März 2009, 23:36

    Macht ist auch, Dinge nicht zu tun. Das gilt genauso für Medienmacht.

Diesen Beitrag kommentieren: