Homegrown Terror

Von Lukas Heinser am Freitag, 13. März 2009 15:43
Kategorie: Social Distortion, Somebody Told Me

Vorhin hatte ich noch zwei Absätze über meine Schule und die Folge von Amokläufen geschrieben.

Was ich nicht ahnen konnte: Zu diesem Zeitpunkt war das Theodor-Heuss-Gymnasium in Dinslaken in heller Aufregung. Im Internet (aha!) hatte jemand mit einem Amoklauf gedroht — “Wahrscheinlich ein Nachahmungstäter”, wie die “Rheinische Post” berichtet.

Während sich bei derwesten.de Kommentare besorgter Eltern sammeln, habe ich meinen Bruder Justus, der in diesem Jahr am THG sein Abitur macht, gebeten, mir seine Eindrücke vom Vormittag zu schildern:

Als ich heut morgen zur Schule lief, war ich spät dran. Von weit weg habe ich zwei Polizeiautos gesehen. Erst dachte ich, die Polizei würde wieder armen Schülern Geld für das Fahren auf der falschen Straßenseite abnehmen, aber als ich dann noch 2 Mannschaftswagen sah dachte ich mir, es muss was größeres sein.

Die ersten beiden Stunden verliefen normal, nach der 1. großen Pause blieben jedoch alle Schüler auf dem Schulhof, da fiel erst auf, dass sich kein Lehrer auf dem Schulhof befand. Diese haben in der Zwischenzeit, im Lehrerzimmer eingeschlossen, einen Crashkurs in Sachen Amokverhalten bekommen. In der Situation hat man sich gefragt: “Wenn alle Lehrer und Polizisten im Lehrerzimmer sind, wer passt dann hier auf, falls wirklich einer Amok laufen sollte?”

Eine halbe Stunde später ging der Unterricht weiter und unser Lehrer hat uns mitgeteilt, dass in einem Chat im Internet ein Schüler des THGs eine Amokwarnung geschrieben hat. Als Vorsichtsmaßnahme sollen die Türen abgeschlossen werden und bei einem bestimmten Codewort durch die Lautsprecher sollten Tische umgeworfen werden und die Schüler sich flach auf den Boden legen.

In der Freistunde danach wurde bekannt, dass der Username irgendwas mit Marcus wäre und jeder Marcus der Schule verhört wurde. Bei manchen soll die Polizei sogar zuhause gewesen sein. Als ich mit einem Freund den Schulhof verlassen wollte, wurde uns mitgeteilt, dass wir beim Wiederbetreten des Schulhofs unseren Ausweis vorzeigen müssen. Allgemeiner Unterrichtsschluss war um 13.15 Uhr, damit die Polizisten Feierabend machen können. Nächsten Montag und Dienstag soll die Schule ebenfalls überwacht werden.

Alles in allem waren 2 Motorradpolizisten im Stadtpark, 2 Mannschaftswagen, 4 Streifenwagen und auch noch ein Zivilfahrzeug rund ums Schulgelände positioniert.

Wir hatten nicht wirklich Angst. Eher kamen Scherze von allen Seiten zu den Markusen unserer Schule. Keiner ist wirklich davon ausgegangen das was passieren würde, bis auf ein paar junge Lehrerinnen.

5 Kommentare

  1. Mathelehrer_Karl-Heinz
    Freitag, 13. März 2009 17:40
    1

    Und was lehrt uns das? Unbedingt “police”, “lehrer” “tetris” oder “silbereisen” in sämtlichen Nicks verwenden.

  2. 2

    “…bis auf ein paar junge Lehrerinnen.”

    Haha, zwar noch in der Ausbildung, Gedanklich jedoch bereits im Ruhestand :o)

  3. 3

    ich finde randgruppen sowieso dubios.

  4. 4

    Peter Scholz, Uhlandstrasse 1, 34305 Niedenstein

    ——————————————————————————–

    Entsetzen nach dem Amoklauf
    “Autos wichtiger als Kinder?”
    Die Politik von CDU und SPD könnte man unter dem Titel “Denn sie wissen nicht was sie tun” führen. Dazu Querdenken reicht schon lange nicht mehr. Man muß 180° Gegendenken.
    Eine Woche lang wird man den Amoklauf bejammern und dann läuft die Karre weiter so. Mit den Gewerbegebieten in Edermünde, Gudensberg, Langes Feld oder sonstwo werden die Grundlagen für weitere Wahnsinnstaten gelegt, indem Eltern möglichst lange von ihren Kindern getrennt sind und diese dann falschen Orientierungen nachgehen. CDU und SPD werden dann auf ihre Wahnsinnstaten “Gewerbegebiet”, “lange ausgebaute Straßen” und “Pendlerpauschale” stolz sein und der Bürger hat es zu schlucken. Schluckt er auch. Immerhin sind 41 Mio. PKWs zugelassen. Und wieviel Kinder?
    3.3 Mrd. Euro für eine marode Unternehmung gegen 10 Euro mehr für Kinder! Das ist das Wertigkeitsgefälle.
    Was Kindern angetan wird ist sehr lange bekannt: Im Standardwerk für -Städtebau- von Baudirektor a.D Wolfgang Müller (Teubner Stuttgart) wird hinsichtlich der Erkrankungen durch Großsiedlungen (Satellitenstädte) auf die von Piperek in den 50er und 60er Jahren durchgeführten “Wiener Untersuchungen” folgendes ausgeführt:
    ” Der Mensch fühlt sich verunsichert und gefährdet, wenn er sich in einer Umgebung aufhält, die er nicht überschauen und in der er sich nicht
    orientieren kann. Vielerlei gesellschaftliche Schäden der neueren Zeit werden zu einem mehr oder weniger großen Teil mit auf den Trend der
    Entwicklung zur unüberschaubaren und übergroßen industriellen Massengesellschaft und zur Unüberschaubarkeit der Städte zurückgeführt:
    Kontaktarmut, Streß, Neigung zum Extremismus, Depressionen, Neigung zu Gewalttätigkeit in deren verschiedensten Formen, Neurosen und
    Verhaltensstörungen verschiedenster Art, Drogenmißbrauch.”
    Gleichzeitig wurden Verhaltensweisen von Kindern in Satellitenstädten untersucht. Piperek nennt als Schädigungen: Reizbarkeit, leichte Ermüdbarkeit, Naturfremdheit, Hast, Gemütsarmut, Konzentrationsschwäche, Aggressivität, Unselbständigkeit, Mangel an Selbstvertrauen, Genußgier und Depression. Bei Nachbars Kindern hat man das schnell gemerkt.
    Und es geht unablässig weiter. Jeden Tag werden 100 ha Landwirtschaftsflächen geopfert, um Einkaufszentren, Wohnsiedlungen, Gewerbegebiete und viele viele Straßen zur Zerstückelung der Familien zu schaffen. Die Stadt hat längst den ländlichen Raum erreicht.
    Wer nun meint, das würde ja wenigstens unsere Existenz sichern, der irrt. Das INFRAS-Institut in Zürich hat ermittelt, daß uns alleine der PKW-Verkehr nachträglich über Steuern 77 Mrd. Euro pro Jahr kostet. (Internet: Externe Kosten Verkehr) Dafür machen wir Jahr für Jahr neue Schulden und setzen die Zukunft unserer Kinder aufs Spiel. Derzeit erleben wir die größte Weltwirtschaftskrise seit 1929 weil überall auf diesem Globus autogerechte Städte als Auslaufmodell auf Pump gebaut werden. Elektroautos ändern an der Situation nichts. Im Gegenteil. Wegen der geringen Geräuschentwicklung haben Kinder und Alte Wahrnehmungsschwierigkeiten, die die Anzahl der Verkehrsopfer erhöhen könnte.
    Abu Dhabi und China beginnen nun mit den ersten menschengerechten Städten. Deutschland nicht!
    Wie gesagt, in einer Woche sind die Opfer begraben und die “Karawane” zieht ungerührt weiter. Bis zum nächsten Mal!
    [Werbelink gelöscht]

  5. 5

    Interessanter Post über Amokläufe, Nachahmer und Informationsunschärfen.

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