Beiträge vom März, 2009

Tausend Stimmen singen, singen

Von Lukas am Montag, 30. März 2009 11:18

Am Donnerstag war ich endlich mal wieder bei Scudetto. Neben “HSV-Kultautor” Axel Formeseyn (der u.a. erzählte, wie er als HSV-Präsidiumsmitglied die “Bild”-Zeitung boykottierte) und Ex-VfL-Bochum-Profi1 Thomas Stickroth war auch Tommy Finke zu Gast, den ich ja im letzten September schon mal gelobt hatte.2

Tommy Finke spielte eigene Fußballsongs, die er für die Filme von Scudetto-Gastgeber Ben Redelings geschrieben hatte, und stellte die schlechteste Vereinshymne aller Zeiten vor. Dass das keine Übertreibung war, mussten wir im Saal alsbald am eigenen Leib erfahren — und Sie können es jetzt auch: im Scudetto-Blog oder direkt hier.

Und wo wir grad von Scudetto sprachen: Der Geist von Malente, der Bochumer Laden für alles, was mit Fußball und Fankultur zu tun hat, macht ab heute Ausverkauf.

  1. Nur “VfL” ist für mich natürlich Borussia Verein für Leibesübungen 1900 e.V. Mönchengladbach. []
  2. Ich hab mir dann am Donnerstagabend auch endlich seine EP und sein Album im Downloadstore gekauft. []

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München

Von Lukas am Samstag, 28. März 2009 11:33

Es gibt Orte, die für immer den Stempel des Grauens verpasst bekommen haben. Wenn man ihren Namen hört, denkt man unwillkürlich an die schrecklichen Taten und menschlichen Tragödien, die sich dort abgespielt haben. Winnenden, ein kleiner beschaulicher Ort in Baden-Württemberg, gehört nun dazu: .. (Foto: dpa)

Und falls Sie sich fragen, wie die Sachbearbeiter des Grauens so aussehen mögen, die beschaulichen Orten den Stempel des Grauens aufdrücken: Vermutlich so wie die Online-Redakteure der “Abendzeitung”.

Die haben nämlich eine 23-teilige Klickstrecke online, in der fleißig gestempelt wird: Winnenden, Erfurt (eine Landeshauptstadt …), Emsdetten, Eschede, Ramstein, Mölln, Bad Reichenhall (wegen Eishalle, obwohl’s dort auch schon mal einen Amoklauf gegeben hat), Gladbeck natürlich und Amstetten.

Schön aufgeführt und auf ewig im Internet archiviert unter einer Überschrift, in der sicher kein Funke Selbsterkenntnis mitschwingt:

Bilderstrecke: Orte des Grauens

Dass ganz nebenbei auch noch mal die berühmtesten Amokläufer, Geiselnehmer und Vergewaltiger der jüngeren Vergangenheit gewürdigt werden wie die Verstorbenen des Jahres bei der Oscarverleihung, versteht sich natürlich von selbst.

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Er war ein guter Simon

Von Lukas am Donnerstag, 26. März 2009 23:58

Gestern Abend war ich beim Konzert von Tomte in Mülheim an der Ruhr. Erwarten Sie keine allzu differenzierte Kritik — es war toll!

Und weil ja gerade Kilians-Festspiele sind, passt es natürlich supergut ins Konzept, dass da ein junger Mann auf die Bühne schlurfte, um die zweite Strophe von “Ich sang die ganze Zeit von Dir” zu schmettern:

“Wer war das?” – “Das ist mein unehelicher Sohn, den ich in Mülheim hab. Mit einer wunderschönen Frau!”

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Blog am Bein

Von Lukas am Montag, 23. März 2009 19:28

Writer's block

Kürzlich wohnte ich einer Diskussion bei, bei der es um die (zugegebenermaßen sehr nebensächliche) Frage ging, ob es eigentlich “der Blog” oder “das Blog” heiße. Mein Standpunkt war, dass ich zwar “das Blog” sagen würde, aber beim besten Willen nicht wüsste, warum. Vielleicht, um Verwechslungen mit “der Block” (damn you, Auslautverhärtung!) zu vermeiden. Aber wozu hat man Germanistik und Anglistik studiert und seine B.A.-Arbeit über die Veränderungen in der Internetsprache geschrieben?

Bevor wir uns dem konkreten Fall nähern, müssen wir zwei grundsätzliche Probleme erwähnen: Erstens gibt es im Deutschen Unterschiede zwischen grammatischem (Genus) und biologischem (Sexus) Geschlecht, die dazu führen, dass sprachlich alle Hunde männlich, alle Katzen weiblich und alle Mädchen sächlich sind.1 Da die Artikel (bestimmte wie unbestimmte) vom grammatischen Geschlecht abhängen, muss man zu jedem Wort auch seinen Genus dazulernen. Daraus folgt auch, dass man zweitens für jedes Fremd- oder Lehnwort ein grammatisches Geschlecht festlegen muss. So sagt man “das Trottoir” (im Französischen ein Maskulinum), “die Toilette” (im Französischen auch Femininum) und “der Cappuccino” (im Italienischen ebenfalls Maskulinum).

Versuchen wir, die Kurve Richtung “Blog” zu kratzen, und nähern uns der Welt von Computern (mask.) und Internet (neutr.): So sagt man in Deutschland “die E-Mail”, was sich damit erklären ließe, dass die deutsche Übersetzung (“E-Post”) ebenfalls feminin ist.2 In Österreich und der Schweiz heißt es aber “das E-Mail”, womit wir den Salat endgültig hätten.

Nehmen wir der Einfachheit halber trotzdem mal für einen Moment an, die deutsche Übersetzung bestimme alleine den Artikel. “Blog” ist die Kurzform von “Weblog”, was sich wiederum auf “log” bezieht, wozu das “Oxford English Dictionary” Folgendes zu berichten weiß:

log /lɒg/ n.¹ ME. [Origin unknown] I 1 A bulky mass of wood; esp. an unhewn portion of a felled tree, or a length cut off for use as firewood. ME. b Surfing. A large or heavy surfboard. M20. 2 a A heavy piece of wood, fastened to the leg of a person or an animal to impede movement. L16. b Mil. Hist. A form of punishment whereby a heavy weight was chained to an offender‘s leg to be dragged or carried around as the person moved. M19. 3 A piece of quarried slate before it is split into layers. E18. 4 In pl. A jail, a lock-up. Austral. slang. L19.

[...]

II 5 An apparatus for ascertaining the speed of a ship, consisting of a float attached to a line wound on a reel. Also, any other apparatus for the same purpose. L16. 6 a A book containing a detailed daily record of a ship‘s voyage; a logbook. E19. b A systematic record of things done, found, experienced, etc., as (a)a record of discoveries or variations at successive depths in drilling a well; a graph or chart displaying this information; (b) a record with details of journeys kept by a lorry driver; (c) a record of what is broadcast by a radio or television station; (d) Computing a sequential file of transactions on a database. E20. c A list or summary of claims for a wage increase etc. Freq. more fully log of claims. Austral. E20.

(The New Shorter Oxford English Dictionary on historical principles; Edited by Leslie Brown; Oxford, 1993.)

Wäre ich gezwungen, diesem Eintrag eine einzige deutsche Vokabel zuzuordnen, würde ich mich wohl für “Klotz” entscheiden.3 Er deckt den Bereich I komplett ab und passt im Bereich II zumindest noch zur Nummer 5. Außerdem ist er ähnlich schön lautmalerisch.

Werfen wir auch noch einen (wenig aufschlussreichen) Blick ins mittelenglische Wörterbuch (“ME” = “Middle English”):

loglog(ge n. (1); lok n. (2); lough.

log(ge n. (1) [Cp. ML loggum.] (a) An unshaped piece of wood, stave, stick; (b) as surname.

(Middle English Dictionary; Sherman M. Kuhn, Editor & John Reidy, Associate Editor; Ann Arbor, 1968.)

Das englische Wort “weblog” könnte also mit einiger Berechtigung als “Netzklotz” übersetzt werden, womit es ein Maskulinum wäre. Der Duden, über dessen Rolle man auch erst einmal streiten müsste, lässt übrigens “das” und “der” zu:

1. Blog, das, auch: der; -s, -s [engl. blog, gek. aus: weblog, →Weblog] (EDV Jargon): Weblog. ...

Ich bevorzuge wie gesagt “das Blog”4 und finde “der Blog” etwas merkwürdig, aber merkwürdig finde ich ja auch regionalsprachliche Varianten wie “eingeschalten” statt “eingeschaltet” oder “ich bin gestanden” statt “ich habe gestanden” und das macht sie ja auch nicht falsch.

Sprache ist – da wiederhole ich mich gerne – etwas Lebendiges und die Mehrheit hat immer Recht. Sollte sich also “der Blog” durchsetzen, würde das zwar vermehrt zu Verwechselungen von “der Blog” und “der Block” führen, aber man müsste es akzeptieren, wenn man nicht gegen Windmühlen kämpfen will.

Zu den Blog-nahen Sprachveränderungen zählen auch “Blog” als Synonym für “Blogeintrag” (Matthias Matussek veröffentlicht ja regelmäßig “neue Blogs”) und “Blogger” als Bezeichnung für Blogleser und -kommentatoren. Das sind natürlich schon erhebliche Bedeutungsverschiebungen bzw. -erweiterungen, aber sowas ist bei jungen Themengebieten Blogs völlig normal.

Viel entscheidender als die Frage, ob es “der Blog” oder “das Blog” heißt, ist doch die, was drinsteht wer mir die vier Stunden Lebenszeit ersetzt, die ich in der Uni-Bibliothek verplempert habe.

  1. Besonders das mit den Mädchen ist ein ungeklärtes Problem, dem dessen sich Sprach- und Genderwissenschaften dringend annehmen sollten. []
  2. Schlimm wird’s bei einem Wort wie “blogger”, das für weibliche wie männliche Personen steht, für Deutsche aber nach einer männlichen Endung ausschaut. Spätestens bei “girlfriend” empfiehlt es sich, auf fremdsprachliche Vokabeln zu verzichten und einfach den deutschen Begriff “Freundin” zu verwenden. []
  3. Der Spiegelfechter hatte bei einer ähnlichen Diskussion auf freitag.de angeführt, das englische Wort “log” stamme vom altisländischen und altnorwegischen “lag” ab, was “umgefallener Baumstamm” heiße — ich will nicht ausschließen, dass er da tatsächlich mehr wusste als das Oxford Dictionary, halte diese Information aber auch eher für Bonuswissen, das uns bei der konkreten Fragestellung nicht weiterhilft. []
  4. Weil ich es sinnvoll finde, wenn sachliche Dinge auch sachliche Artikel haben. []

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Inzwischen, mittlerweile, neu

Von Lukas am Sonntag, 22. März 2009 23:12

Auf der Plattform „Facebook” richteten Schweizer sogar ein Hass-Forum ein. Name: „Ich könnte Peer Steinbrück pausenlos die Fresse polieren.” Das Forum hatte gestern bereits 4147 Mitglieder!

[Bild.de, 20. März 2009]

Die „Bild“-Zeitung berichtet, dass es auf der Internetplattform „Facebook“ mittlerweile eine Gruppe mit dem Titel „Ich könnte Peer Steinbrück pausenlos die Fresse polieren“ gibt. Sie soll mehr als 4000 Mitglieder haben.

["Welt Online", 20. März 2009]

Kuno Hämisegger, Cheflobbyist der Schweizerischen Bankiervereinigung ruft zum Beitritt in eine neue Facebook-Gruppe auf.

[blick.ch, 22. März 2009]

Dafür hagelt es jetzt harte Kritik aus dem kleinen Nachbarland. Wie groß die Empörung über Steinbrück in der Schweiz inzwischen ist, zeigt eine Gruppe in der Internet-Community Facebook mit dem Namen "Ich könnte Peer Steinbrück pausenlos die Fresse polieren!"

[express.de, 22. März 2009]

Wie groß die Aufregung um Steinbrücks umstrittene Äußerungen zur Schweiz ist, zeigt eine Gruppe auf der Internet-Plattform Facebook. Knapp 14 000 Mitglieder unterstützen das Gruppenmotto: "Ich könnte Peer Steinbrück pausenlos die Fresse polieren!"

[suedkurier.de, 22. März 2009]

Frage: Wann wurde die Facebook-Gruppe “Ich könnte Peer Steinbrück pausenlos die Fresse polieren!” gegründet?

Antwort: Irgendwann vor 11:42 Uhr am 29. Oktober 2008 — da wurde nämlich der älteste Kommentar in der Gruppe abgegeben:

M*** (Switzerland) wrote<br />
at 11:42 on 29 October 2008<br />
gfrüüret doch mau aui dütschä guethabä uf schwiizerbankä i, mau luege wisech das uf di dütschi wirtschaft uswürkt.. oder mit sine wort: «den Geschäftsverkehr belasten».....

Aber das Alter von Facebook-Gruppen ist erfahrungsgemäß ein bisschen schwerer zu bestimmen.

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The Smashing Pumpkin

Von Lukas am Samstag, 21. März 2009 13:03

Als die Smashing Pumpkins vor zwei Jahren zurückkamen (nachdem sie sich im Jahr 2000 mit einer großen Tour von der Welt verabschiedet hatten), waren sie nur noch zur Hälfte die Smashing Pumpkins: Neben Mastermind Billy Corgan war lediglich Drummer Jimmy Chamberlin aus dem Original-Line-Up dabei. Gitarrist James Iha war irgendwo auf der Strecke geblieben und weder D’arcy Wretzky noch Melissa Auf der Maur (die man auch nur mit viel Mühe als Original-Mitglied werten könnte, weil sie nur bei der Abschiedstour dabei war) stand am Bass. Um ehrlich zu sein bin ich zu faul, die Namen ihrer Nachfolger nachzuschlagen.

Wie NME.com berichtet, ist jetzt auch Chamberlin ausgestiegen. Ausgerechnet Chamberlin, der Corgan immer die Treue gehalten hatte. Der nach erfolgreichem Entzug und der damit verbundenen Pause 1999 in die Band zurückgekehrt war, der auch bei Corgans gescheiterter Supergroup Zwan am Schlagzeug saß und auf Corgans völlig desaströsem Soloalbum bei einem Song zu hören war.

Die Smashing Pumpkins sind jetzt nur noch Billy Corgan und Gäste, wobei mancher behaupten würde, dass dies schon immer oder zumindest lange so war.

Die eigentliche Frage lautet natürlich: Wen interessiert das? Das Comeback-Album “Zeitgeist” war nicht wirklich schlecht, hatte dem Gesamtwerk der Band aber nichts hinzuzufügen. Da war die letztjährige Akustik-EP “American Gothic” schon interessanter, konnte aber letztlich auch nicht mit den alten Sachen mithalten.

Immerhin: Der Sänger ist noch dabei. Das unterscheidet die Pumpkins von den kranken Wiedergeburten von Queen, den Doors oder der (glücklicherweise verworfenen) Idee von Led Zeppelin, ohne den (noch lebenden) Robert Plant auf Tour zu gehen.

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You say party! We say Dinslaken!

Von Lukas am Freitag, 20. März 2009 12:41

Downtown Dinslaken

Während Dinslakens größter Sohn gerade auf Sylt weilt, um sich dort zu vermählen (alles unter Vorbehalt, es stand in “Bild”), wurden die Kilians – wie ich erst jetzt feststellte – schon vor mehr als einem Jahr wieder aus dem Wikipedia-Artikel zur Stadt entfernt.

Es wird ihnen egal sein, denn in zwei Wochen werden die Kilians das (mutmaßlich) größte Konzert spielen, das die Stadt ohne Dinge mit dem Etikett “Das muss man unbedingt gesehen haben” je erlebt hat.

Oder wie es der GHvC-Newsletter noch eine Spur kryptischer ausdrückt:

Am 03.04. spielen die Kilians (das ist klingonisch für: “die coolen Typen, die in der Schule rauchen und sich dabei über Cunt, äh Kant unterhalten!”) umsonst und draußen auf dem Red Bull Bus!

Man kann nur auf Regen hoffen, denn sonst könnte das ein Ereignis von
epochaler Größe werden für eine Kultur und Ästhetik liebende Stadt wie
Dinslaken:

19:30 Uhr Dinslaken, Hans-Böckler-Platz! Und danach gehen wir alle zusammen in die KuKa zur Aftershow, wo uns das Kilians DJ Team zeigt, dass ihm auch die Plattenteller nicht fremd sind.

Am gleichen Tag erscheint die Single “Said & Done”. Zufälle gibts, Wahnsinn…

Wer immer schon mal nach Dinslaken wollte, dazu aber bisher (berechtigterweise) keinen Grund hatte, sollte die Gelegenheit nutzen. Eine Coffee-And-TV-Delegation wird ebenfalls vor Ort sein und Bericht erstatten.

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Turm und Jungfrau sind aus dem Spiel

Von Lukas am Donnerstag, 19. März 2009 19:18

Ein iPod und eine CD-Sammlung (Ausschnitt).

Der Virgin Megastore in San Francisco (Ecke Market und Stockton Street) macht dicht. Die Menschen werden ihre Kiss-Hemden, AC/DC-Unterhosen und Jonas-Brothers-Regenschirme in Zukunft woanders angucken (denn wer kauft sowas schon?) müssen.

cnet.com illustriert diesen Vorgang mit einem Foto, dem man hohe Symbolkraft unterstellen könnte: Genau gegenüber vom Virgin Megastore verkauft der Apple Store seine iPods — und Downloads machen inzwischen ein Drittel der verkauften Musik in den USA aus.

Ich will das alles nicht kleinreden. Seit ich meinen iPod habe, habe ich auch mehr aktuelle Alben in Form von Downloads gekauft als auf CD. Nur Musik von Künstlern, deren Gesamtwerk ich im Regal stehen habe, muss weiterhin auch physisch erworben werden — was bei Starsailor z.B. hieß, dass ich für die Hülle und das Booklet acht Euro Aufpreis gezahlt habe, was selbst unter Fan-Aspekten einigermaßen bescheuert ist.

Was ich aber am Beispiel San Francisco besonders faszinierend finde: Zweieinhalb Jahre, nachdem Tower Records pleite ging und sein Filialen an der Ecke Columbus/Bay Street schließen musste, zieht sich die zweite große Entertainment-Kette zurück. Es bleiben Best Buy (eine Art amerikanischer Media Markt außerhalb der Innenstädte) und die “alternativen” Klein-Ketten wie Rasputin und Amoeba (s.a. Reisetipps für San Francisco: Geschäfte). Die sind natürlich viel zu groß und dann doch zu gut organisiert, um noch als “David” durchzugehen (andererseits: verglichen mit Virgin …), aber doch scheinen sie gewonnen zu haben.

Die Frage bleibt, wie lange es überhaupt noch Plattenläden geben wird.

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Nazi und Indianer

Von Lukas am Donnerstag, 19. März 2009 12:10

Weder Deutsche noch Schweizer sind bekannt für ihren Humor. Das macht ein Aufeinandertreffen der beiden Völker meist zu einem gequälten, drögen Ereignis.

Überhaupt keine Witze verstehen die Schweizer, wenn es ums Geld geht. Nachdem die Schweiz aus Angst vor einer “schwarzen Liste” der OECD angekündigt hatte, in Zukunft stärker mit ausländischen Finanzbehörden zu kooperieren, ließ sich der deutsche Finanzminister Peer Steinbrück zu einem abenteuerlichen kleinen Vergleich hinreißen:

Steinbrück hatte am letzten Samstag am Rande des Treffens der Finanzminister der G-20 in London die Drohung mit einer schwarzen Liste gegenüber der Schweiz mit der «siebten Kavallerie vor Yuma» verglichen, die man auch ausreiten lassen könne. «Aber die muss man nicht unbedingt ausreiten. Die Indianer müssen nur wissen, dass es sie gibt», hatte Steinbrück in einer vom Schweizer Fernsehen (SF) aufgezeichneten Stellungnahme gesagt.

In der Schweiz wollte man aber nicht mit Indianern verglichen werden und bestellte den deutschen Botschafter ein.

Das offizielle Protokoll der schweizer Bundesversammlung notiert für gestern dann folgende Ausführungen des Abgeordneten Thomas Müller aus der christlich-demokratische Fraktion CEg:

Wenn die deutsche Politik in Schwierigkeiten steckt, und das tut sie im Moment, dann braucht sie Geld und Sündenböcke. Peer Steinbrück, das darf man in aller Offenheit sagen, definiert das Bild des hässlichen Deutschen neu. Er erinnert mich an jene Generation von Deutschen, die vor sechzig Jahren mit Ledermantel, Stiefel und Armbinde durch die Gassen gegangen sind. (Teilweiser Beifall, Unruhe)

Damit wäre zumindest geklärt, wie gut der Geschichtsunterricht an schweizer Schulen ist — denn vor sechzig Jahren dürfte der Anteil der Deutschen, die mit Ledermantel, Stiefel und Armbinde durch die Gassen gingen, eher überschaubar gewesen sein.

Ratspräsidentin Chiara Simoneschi-Cortesi wies Müller später zurecht, übersah das historische Detail aber ebenfalls:

Herr Nationalrat Müller Thomas hat in seinem Votum von heute Morgen gesagt, dass ihn der deutsche Finanzminister Steinbrück an die Generation von Deutschen erinnere, die vor sechzig Jahren mit Ledermantel, Stiefel und Armbinde durch die Gassen gegangen seien. Hätte ich diese Aussage in diesem Moment richtig wahrgenommen, hätte ich Herrn Müller zurechtgewiesen. Seine Aussage ist deplaziert und beleidigend. Ich habe es Herrn Müller persönlich gesagt. Ich entschuldige mich als Ratspräsidentin dafür. (Teilweiser Beifall)

Herr Müller darf sich damit als Erfinder der Kategorie “Verkleidete-Gründerväter-der-Bundesrepublik-Vergleich” fühlen. Der Einfachheit halber heften wir es hier im Blog aber trotzdem bei den Nazi-Vergleichen ab.

[Mit Dank auch an Hans Martin U. für den Hinweis!]

Kategorie: Political Science | Kommentare (14)

New York, New York

Von Lukas am Montag, 16. März 2009 22:10

Die Freiheitsstatue vor New York

Unsere Autorin Annika fliegt in Kürze nach New York City. Wie schon im Januar mit San Francisco habe ich auch diesmal wieder einen kleinen Reiseführer zusammengestellt — aber weil ich nur vier Tage in New York war, gibt es diesmal nicht drei Teile, sondern nur einen, in dem dafür so ziemlich alles abgeklappert wird, was man in vier Tagen machen kann. Nur der obligatorische Ausflug auf einen der noch stehenden Wolkenkratzer fehlt hier — die waren mir einfach zu teuer.

[...]

Kategorie: Auf Achse | Kommentare (16)

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