Beiträge vom Januar, 2009

Seinen oder nicht Seinen

Von Lukas Heinser am Freitag, 16. Januar 2009 17:16
Kategorie: Living In A Magazine, Social Distortion

Wir müssen noch mal auf die Nummer mit der gemeinsamen Werbeaktion von Tchibo und Esso unter dem Slogan “Jedem den Seinen” zurückkommen. Zwar hat sie es nicht auf die Titelseite von “Bild” geschafft, aber die mediale Aufmerksamkeit, die die “Frankfurter Rundschau” in bester “Bild”-Manier selbst generiert hatte, hat mich dann doch ein wenig überrascht.

Besonders interessant fand ich die Ansichten, mit denen sich Volker Nickel, der Sprecher des Deutschen Werberats, von der “taz” zitieren lässt:

“Offensichtlich haben alle Filter versagt, weil kein Wissen vorhanden war, dass dahinter irgendetwas anderes stecken könnte.” Er glaubt, dass die fehlgeleitete Kaffeekampagne nur ein Symptom für die gesellschaftliche Entwicklung ist. “In 40 Jahren wissen wahrscheinlich noch weniger Menschen über die Bedeutung solcher Sätze Bescheid”, sagt er. “Deswegen ist es Aufgabe der Schulen und Medien, dass die Ereignisse während des Nationalsozialismus in unseren Köpfen wach bleiben.”

Herr Nickel vertritt damit die gegenteilige Position der Meinung, die hier in den Kommentaren vorherrschte, und wünscht sich offensichtlich eine schwarze Liste der Sätze und Wörter, die seit 1945 und für alle Zeit nicht mehr verwendbar sind. (Oder, wie der große Nazi-Wörter-Experte Johannes B. Kerner sagen würde: die “nicht gehen”. Gar nicht.)

Der großartige und oft übersehene Songwriter Dan Bern hat 2002 die “Swastika EP” veröffentlicht, auf der sich auch der Song “My Little Swastika” (“Mein kleines Hakenkreuz”) befindet. Im Text heißt es unter anderem:

the chinese had it for 20,000 years
the nazis took it and made it spell tears
still has power to hurt a little bit
but now I’m decorating my house with it

Dan Bern darf das: er ist Jude (seine Begleitband heißt The International Jewish Banking Conspiracy), seine Eltern haben den Holocaust knapp überlebt. In einem Interview erklärte er ausführlich, warum er das Hakenkreuz als Symbol umdeuten will und wie dies geschehen soll.

Nun liegt Berns Position ungefähr in der Mitte zwischen “frommer Wunsch” und “etwas weltfremd” und lässt sich auch schlecht verallgemeinern: Natürlich wären die Irritationen berechtigt, die die Bundesagentur für Arbeit auslösen würde, wenn sie morgen “Arbeit macht frei” zu ihrem Slogan erwählte. Und wenn Angela Merkel einmal keine Lust mehr auf ihre ungebrochene Popularität bei den deutschen Wählern haben sollte, müsste sie nur darauf bestehen, fortan als “Führerin” angesprochen zu werden.

Der grundsätzliche Gedanke, dass man sich bestimmte Bereiche des Alltags nicht von irgendwelchen Arschlöchern wegnehmen lassen sollte, ist aber ein kluger. Wer sich ernsthaft an Worten wie “Führerschein” reibt, der bewahrt damit nicht das Andenken der Opfer, sondern der verhilft der Nazi-Bande von damals zum posthumen letzten Sieg — mal ganz davon ab, dass das Verbot oder die Selbstzensur bei bestimmten Begriffen inhaltlich sehr viel näher am Dritten Reich dran wäre als die Verwendung der Begriffe selbst.

Es ist schwer zu überbietender Zynismus, eine antike Gerechtigkeitsformel auf das Tor eines Konzentrationslagers zu schreiben — die Losung aber deshalb zum unzitierbaren bösen Wort ernennen zu wollen, ist ungefähr so dämlich, wie ein Verbot von Totenköpfen, schwarzen Ledermänteln und Pechfackeln zu fordern.

Situationen wie diese erfordern etwas, was dem deutschen Volk (hihihi) seit jeher fehlt: Fingerspitzengefühl. Es muss etwas geben zwischen dem “Schlussstrich”, den manche fordern, und der absoluten Empörung, die noch immer irgendjemand empfindet, wenn ihn ein Journalist anruft und um eine Stellungnahme zu diesem oder jenem “Nazi-Skandal” bittet, von dem der Empörte oft genug in diesem Moment zum ersten Mal hört.

Und damit sind wir wieder bei “Jedem den Seinen”: Eine seltsam altertümliche Formulierung, finden Sie nicht?

Ich finde es viel merkwürdiger als sonst etwas, dass ein solch sperriger Slogan im Jahr 2009 an Tankstellen für Kaffee werben soll. Mich würde wirklich interessieren, wie diese Kampagne ausgesehen hat, was sich die Macher dabei gedacht haben und was mit dem Spruch überhaupt gemeint war. Aber im Internet finde ich nirgends ein Foto von den Plakatmotiven, fast alle Artikel zu dem Thema sind mit dem Tor aus Buchenwald bebildert. Mir fehlt der Kontext um zu entscheiden, ob die Kampagne nun wirklich eine “nicht zu überbietende Geschmacklosigkeit” war, wie Salomon Korn sie (natürlich nur bis zur nächsten, nicht zu überbietenden Geschmacklosigkeit) nannte, ob dahinter eine originelle Idee steckte, oder ob sie einfach nur banal und doof war. Und die Freiheit, solche Urteile selbst fällen zu dürfen, hätte ich als mündiger Bürger eigentlich schon ganz gerne.

“Welt Online” auf den Spuren vieler

Von Lukas Heinser am Freitag, 16. Januar 2009 15:42
Kategorie: Digital Ist Besser, My Shared Folder

Oliver Michalsky, stellvertretender Chefredakteur von “Welt Online” freut sich: gestern verzeichnete das Portal erstmals mehr als acht Millionen page impressions.

Dafür verantwortlich sein könnte unter anderem diese 39-teilige Klickstrecke über die Notwasserung in New York, diese ebenfalls auf der Startseite verlinkte Klickstrecke zur Notlandung einer Qantas-Maschine aus dem vergangenen Juli (25 Teile) und diese Klickstrecke zum Flugzeugabsturz in Madrid (August 2008, 13 Teile, auch auf der Startseite verlinkt).

Aber ich will Herrn Michalskys Freude gar nicht schmälern. Mit großen Worten und vielen Ausrufezeichen lobt er in einer internen E-Mail die Arbeit der Kollegen, die diesen Erfolg möglich gemacht haben.

Ich hab Ihnen hier mal die wichtigste Stelle rausgesucht:

Betreff: Die WELT-Gruppe sagt: Internet? Yes, we can!

Ja, Ihr könnt mich mal (12)

Von Lukas Heinser am Freitag, 16. Januar 2009 13:52
Kategorie: My Shared Folder

Ja ja, ich hatte auch geglaubt, mit dem Howard-Carpendale-Schlager, den Stefan uns neulich freundlicherweise ins Blog gekippt hatte, wäre die Talsohle der Obama-Ranschmisse so langsam erreicht — zumindest musikalisch.

Wir alle haben Howard Carpendale Unrecht getan — sein Song zeigte immerhin noch, dass sich jemand Gedanken gemacht hatte (Gospel!), und bei einem gebürtigen Südafrikaner ist es auch noch mal etwas anderes, wenn er über einen schwarzen Präsidenten singt.

Aber das hier, das geht wirklich nicht und unter gar keinen Umständen:

Frank Farian, dessentwegen man immer ein bisschen Angst haben musste, dass George W. Bush Deutschland bombardieren lassen könnte, hat das gemacht, was er seit 20 Jahren macht, und versucht aus einer alten Idee noch ein paar Taler rauszuquetschen, indem er sich auf den Zeitgeist stürzt wie seine ganzen Ex-Schützlinge ins Unglück.

Deshalb hat er den alten Boney-M.-Schlager (ein Hit war das schon nicht mehr wirklich) “Felicidad” wieder aufgewärmt und auf Barack Obama gemünzt. Natürlich hat er die Belegschaft dafür mal wieder ausgetauscht, aber wen interessiert sowas?

Nun ja, Bild.de interessiert es natürlich, weswegen das Video (der Zeichner der alten E-Rotic-Musikvideos ist offenbar auch wieder in Lohn und Brot) dort exklusiv zu besichtigen ist. Ich rate allerdings dazu, das Browserfenster spätestens nach zwanzig Sekunden zu schließen, weil bleibende Schäden sonst nicht auszuschließen sind.

[Mit Dank an Björn für den Hinweis]

Von der Attraktivität deutscher TV-Nachrichten

Von Lukas Heinser am Freitag, 16. Januar 2009 12:52
Kategorie: Digital Ist Besser, TV On The Radio

Sie werden es mittlerweile alle mitbekommen haben: Gestern Nachmittag (Ortszeit) fielen bei einem Airbus A320 kurz nach dem Start am La Guardia Airport beide Triebwerke aus und der Pilot musste die Maschine auf dem Hudson River notlanden.

Dass alle 155 Insassen überlebt haben, darf man wohl getrost als ziemliches Glück bezeichnen: zwar ist der Hudson einigermaßen breit und frei von Brücken und damit – im Gegensatz zum East River auf der anderen Seite Manhattans – durchaus für Notwasserungen geeignet, aber ein Flugzeug auf einem viel befahrenen Fluss aufzusetzen und es anschließend zu evakuieren, während es langsam im eiskalten Wasser untergeht, das zählt schon zu den außergewöhnlicheren Aufgaben eines Linienpiloten.

Wer gestern Abend unserer Zeit beim Microblogging-Dienst twitter reingeschaut hat, wurde über die Lage bestens informiert: als eine der ersten Meldungen gab es ein Foto, das Janis Krums, der zufällig auf einer der Fähren im Hudson und damit direkt am Unfallort war, mit seinem iPhone gemacht hatte. twitpic.com brach zeitweise unter dem Ansturm zusammen und ziemlich viele Nachrichtenseiten berichteten darüber.

Wer mit einem Liveticker von Augenzeugen und ebenfalls twitternden Nachrichtenagenturen versorgt wurde, für den waren die Informationen, mit denen das deutsche Fernsehen seine Zuschauer zu beglücken versuchte, natürlich ein Desaster. Statt einfach “ins Internet” zu gucken, griff man lieber auf dünne Agenturmeldungen und Reporter vor Ort zurück.

Dabei ist es ein überholter Irrglaube der Nachrichtenmacher, bei einem Ereignis erst mal an den Ort des Geschehens schalten zu müssen. Dort steht dann ein überforderter Reporter den Rettern im Weg rum und kann seine Eindrücke schildern — wobei er sich natürlich gerade gar keine eigenen Eindrücke verschaffen kann, weil er ja in einer zwar atmosphärischen, aber weitgehend Informationslosen Schalte mit einem wissbegierigen Reporter gefangen ist. Wenn er Glück hat, hat er vorher einen Passanten fragen können, ob der einen lauten Knall gehört habe.

Nun würde ich nicht so weit gehen und sagen, das Internet könne schon jetzt das Fernsehen ersetzen. Wenn sich meine Großeltern, Eltern und viele meiner Freunde über derartige Ereignisse informieren wollen, schalten sie natürlich irgendeinen Nachrichtensender ein und auch ich hatte zwischendurch CNN laufen, wo Wolf Blitzer einen der Passagiere gerade telefonisch derart mit Fragen löcherte, als müsse er selbst noch in dieser Nacht den Untersuchungsbericht der Luftaufsichtsbehörde verfassen.

Aber was die deutschen Nachrichtensendungen da über den Äther schicken, war eine dumpfe Mischung aus Kaffeesatzlesen mit Tante Mimi, Onkel Heinz erzählt vom Angeln und Klein-Fritzchen erzählt seiner Mutti, wie es in der Kirche war, obwohl er währenddessen Fußballspielen war.

“Zahlreiche Fährschiffe versuchen, Überlebende zu retten”, teaserte RTL sein “Nachtjournal” an, was wohl ebenso richtig, aber weit weniger dramatisch war als das “Es gibt keine Anzeichen für einen Terroranschlag”, mit dem Gabi Bauer die ARD-Nachrichtenattrappe “Nachtmagazin” eröffnete, bevor sie eine Viertelstunde später Thorsten Schäfer-Gümbel mit der Frage, wie wichtig Sex im Wahlkampf sei (gemeint war wohl eher “Sexappeal”), völlig aus der Fassung brachte.

Den besonderen Ernst der Lage konnte man daran erkennen, dass n-tv seine geplanten “National Geographic”-Reportagen kippte und live auf Sendung ging. Während CNN, Fox News, MSNBC und BBC World ziemlich beeindruckende Live-Bewegtbilder aus New York hatten (die Hubschrauber der großen Networks schweben ja eh die ganze Zeit über der Stadt), hatte n-tv einen Moderator im Studio, mehrere “Breaking News”-Laufbänder, ein paar Fotos und einen Reporter am Telefon. Und der sagte, wenn ich ihn nicht völlig falsch verstanden habe, dass es wohl “bald” die ersten Handy-Fotos und -Videos im Internet zu sehen geben würde. Zu diesem Zeitpunkt war twitpic bereits down und bei flickr gab es jede Menge Fotostrecken und Einzelbilder zu sehen. Sogar erste Witze.

Es geht mir gar nicht darum, Internet und Fernsehen gegeneinander ausspielen zu wollen — und die Zeitungen von heute waren schon gedruckt, bevor das Flugzeug überhaupt abgehoben hatte. Aber ich denke, dass auch die Menschen, die nicht bei twitter, flickr und Facebook unterwegs sind, ein Anrecht auf aktuelle Informationen haben. Und die bekommt man heute nun wirklich so einfach und billig wie noch nie. Auch als Nachrichtenredakteur des deutschen Fernsehens.

Nachtrag, 20:20 Uhr: Auch meine Freunde von “RP Online” berichten über die Fotos bei twitter und bei flickr.

Das Sensationelle daran: Sie schaffen das ohne einen einzigen Link!

Nachtrag, 17. Januar, 00:23 Uhr: Zwei Tweets später hat “RP Online” alles verlinkt.

Bochum überraschend eingelaufen

Von Lukas Heinser am Donnerstag, 15. Januar 2009 18:47
Kategorie: Auf Achse, Rock'n'Roll High School

Hatte ich geglaubt, mit meinem Umzug von Dinslaken nach Bochum ein Provinznest gegen eine Großstadt eingetauscht zu haben, weiß ich es spätestens seit heute besser: Die Loveparade, die in diesem Jahr in Bochum stattfinden sollte, fällt aus.

Der Westen schreibt dazu:

Hintergrund für die Absage ist eine Erklärung der Stadt Bochum, dass die vorhandene Infrastruktur der Stadt nicht dazu ausreiche, die erwarteten Besuchermassen zu bewältigen.

Ich sehe es förmlich vor mir, wie die ganzen Mitglieder der Stadtverwaltung, die seit Jahren behaupten, so eine Loveparade in Bochum sei schon zu stemmen, plötzlich gestern Morgen auf dem Weg zur Arbeit von der Erkenntnis getroffen wurden: “Ach Du Scheiße, dat is ja allet viel zu klein hier!”

Schade vor allem für Dominik Peters, der morgen die erste Jugendherberge Bochums eröffnet:

Spätestens zur Loveparade, da ist sich Peters sicher, wird die Herberge proppenvoll sein.

Barack Around The Clock

Von Lukas Heinser am Mittwoch, 14. Januar 2009 23:54
Kategorie: My Favourite Game, Rock'n'Roll High School

Ich bin mir grad nicht sicher, was ich davon halten soll.

Aber eigentlich sind Sie ja auch alt genug, um selbst zu entscheiden, wie witzig oder doof dieses T-Shirt-Motiv des renommierten Labels Verve ist:

Jazz We Can

[Mit Dank an Guido für den Hinweis!]

Schon wieder das Vergessen

Von Lukas Heinser am Dienstag, 13. Januar 2009 16:42
Kategorie: Living In A Magazine, Social Distortion

Vor lauter Obamanie ist eine andere Liste etwas in Vergessenheit geraten.

Aber irgendeine PR-Agentur findet sich ja immer wieder, die den Karren in den braunen Dreck steuert:

Tchibo und Esso haben nach einer Anfrage der Frankfurter Rundschau eine gemeinsame PR-Aktion gestoppt, die bundesweit an rund 700 Tankstellen unter dem Slogan “Jedem den Seinen” für Kaffeesorten warb.

berichtet die “Frankfurter Rundschau” heute ein ganz klein wenig wichtigtuerisch.

Auch um den obligatorischen Empörten musste sich die Zeitung selbst kümmern:

Salomon Korn, Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, sagte der FR, das Plakat sei entweder eine “nicht zu überbietende Geschmacklosigkeit” oder ein Beispiel “totaler Geschichtsunkenntnis”. Solange es noch einen einzigen Menschen gebe, der bei der Redewendung an Buchenwald denke, sei es unmöglich, sie zu verwenden.

Dafür waren die Redakteure so freundlich, noch ein paar weitere Unternehmen aufzuschreiben, die mit “Jedem das Seine” geworben hatten — oder hatten werben wollen. Von Rewe, Burger King und der Merkur-Bank hatte ich in dem Zusammenhang auch noch nicht gehört.

Barack Obama, der Weise der Steine

Von Lukas Heinser am Dienstag, 13. Januar 2009 15:44
Kategorie: My Shared Folder, Political Science

In einer Woche wird Barack Obama in Washington DC den Amtseid schwören und auch endlich offiziell der 44. Präsident der USA sein. Dann geht es los mit seiner Weltrettungsmission, an deren Ende alle Menschen Brüder geworden und alle Schwerter zu Pflugscharen umgeschmiedet sein werden.

Wie das genau aussehen wird, darüber haben sich die Macher von Nicht gedreht, Projekt Hörspiel und Prisac so ihre Gedanken gemacht. Dank dieses Internets, von dem man im Moment so viel hört, können wir alle daran teilhaben:

[Direktlink]

Der schwarze Gürtel im Nervensägen

Von Lukas Heinser am Montag, 12. Januar 2009 18:03
Kategorie: Living In A Magazine

Als ich noch ein kleiner Junge war und mit meiner Familie in der Innenstadt von Dinslaken wohnte, fuhr die Straßenbahnlinie 903 direkt hinter unserem Haus entlang. Mit meinem besten Freund habe ich oft an den Gleisen gespielt (was man natürlich, liebe Kinder an den Bildschirmen zuhause, nie tun sollte) und ein, zwei Mal bin ich auch (natürlich in Begleitung Erwachsener) mit der Straßenbahn nach Duisburg und von da aus weiter in den Zoo gefahren.

Warum erzähle ich Ihnen das? Ralf Birkhan hat für die “NRZ” eine Reportage über die Linie 903, mit der man durch halb Duisburg juckeln kann, geschrieben. Es ist eine sehr atmosphärische Schilderung geworden, die sprachlichen Bilder sind manchmal etwas zu bemüht, aber manche Sätze sind auch ganz großartig in ihrer Schlichtheit:

An der Haltestelle „Fischerstraße” in Hochfeld ist der Mittag gekommen, sonst niemand.

Und weil hier ja viel zu oft über schlechten Journalismus gemeckert und guter viel zu selten gelobt wird, möchte ich Ihnen die Reportage mit dem leider fürchterlich verunglückten Titel “Straßenbahn-Linie 903: mittags beim „Kuaför” – abends das Arbeiter-Bier” hiermit ans Herz legen — auch, wenn Sie noch nie in Duisburg waren.

Allerletztes.fm 2008

Von Lukas Heinser am Montag, 12. Januar 2009 1:45
Kategorie: Digital Ist Besser, Rock'n'Roll High School

Werfen wir einen letzten Blick zurück auf die Musik des vergangenen Jahres!

last.fm wurde ja primär für Statistik- und Listengeeks wie mich entwickelt, die Social-Network-Komponente ist da eher ein Nebeneffekt. Ich habe meinen neuen iPod auch nur, damit auch die unterwegs gehörten Musikstücke in meine Statistiken mit einfließen. Für 2009 werden die Zahlen also (von Radio- und Konzertbeschallung vielleicht mal ab) noch exakter sein — für 2008 tun’s aber auch fast exakte Statistiken.

Etwas erstaunlich finde ich, dass unter den 25 meistgehörten Künstlern des Jahres gleich acht sind, die 2008 keine neuen Alben veröffentlicht haben — darunter der unangefochtene Spitzenreiter:

Meistgehörte Künstler
1. Hem (353 Songs)
2. R.E.M. (253)
3. Travis (223)
4. Tomte (203)
5. Coldplay (200)
6. The Killers (195)
7. Goldfrapp (178)
8. Hotel Lights (175)
9. Oasis (169)
10. Kettcar (161)
11. Slut (153)
12. The Clash (140)
13. Stereophonics (138)
14. The Beatles (128)
15. Danko Jones (127)
16. Ben Folds (124)
17. The Smashing Pumpkins (117)
18. Manic Street Preachers (116)
19. Jimmy Eat World (114)
20. Nada Surf (110)
21. Ben Folds Five (106)
22. Gregor Meyle (105)
23. Nizlopi (103)
24. Starsailor (93)
24. Death Cab For Cutie (93)

Meistgehörte Songs
1. Goldfrapp – A&E (50 Mal)
2. The Killers – Human (47)
3. The Gaslight Anthem – Old White Lincoln (27)
4. Gregor Meyle – Niemand (25)
4. R.E.M. – Supernatural Superserious (25)
6. Hem – Not California (23)
7. Coldplay – Viva La Vida (22)
7. Coldplay – Violet Hill (22)
9. Stefanie Heinzmann – My Man Is A Mean Man (20)
9. Black Lab – Lonely Boy (20)
11. Hotel Lights – Amelia Bright (19)
11. Hem – Hotel Fire (19)
11. Tomte – Der letzte große Wal (19)
14. Travis – Song To Self (18)
14. Gregor Meyle – Irgendwann (18)
14. Travis – J. Smith (18)
17. Hem – The Burnt-Over District (17)
17. Travis – Get Up (17)
17. Travis – Before You Were Young (17)
20. Steffi List – Break The Silence (16)
20. Goldfrapp – Some People (16)
20. R.E.M. – Living Well Is the Best Revenge (16)
23. Slut – If I Had A Heart (15)
23. Sigur Rós – Inní Mér Syngur Vitleysingur (15)
23. Great Lake Swimmers – Your Rocky Spine (15)
23. Goldfrapp – Monster Love (15)

[und hier die Hits des Vorjahres]

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