Enduring Freedom
Von Lukas Heinser am Mittwoch, 24. September 2008 16:54
Kategorie: Rock'n'Roll High School
Auf die Idee muss man erst mal kommen: ausgerechnet eines der widerlichsten, prätentiösesten Lieder deutscher Sprache aus der Gruft der Achtziger-Jahre-Deutschrocker zu schleifen und im Jahr 2008 als Sample einzusetzen.
Der Rapper Curse, der seit langem mit Xavier Naidoo um den Titel als prätentiösester Musiker deutscher Zunge ringt, hat sich also “Freiheit” vorgenommen, Westernhagens besorgniserregenden Pathos-Schlager, dessen auf ewig archivierte Live-Darbietung in der Dortmunder Westfalenhalle den anbiederndsten Moment bundesrepublikanischer Deutschrockgeschichte (“So wie wir heute Abend hier!”) enthält.
Das dabei entstandene Werk hört ebenfalls auf den Namen “Freiheit” und muss wohl als gelungener Versuch betrachtet werden, gleichzeitig Gänsehaut und Brechreiz auszulösen. Man hört dieses Lied und fragt sich, ob native speaker des Englischen eigentlich genauso leiden müssen, wenn sie die Texte von U2 oder Coldplay hören. Vermutlich nicht.
Und weil ich mich jetzt gerade durch diese grauenhafte Nullnummer gequält habe, lade ich Sie herzlich ein, es mir unter diesem Link gleichzutun.
Denken Sie immer daran: Freiheit heißt vor allem, jederzeit auf die Stop-Taste drücken zu können.
[via Visions.de]
Mittwoch, 24. September 2008 17:07
Hallo!
Insbesondere die Kommentare unter dem YT-Video sind großartig!
Beste Grüße
Martin
Mittwoch, 24. September 2008 17:10
Ich weiß nicht, was ich von ihm halten soll: seine Texte sind soweit oftmals sehr durchdacht und ansprechend. Aber sein Denglisch geht mir oftmals sowas von auf die Klötze – ist jetzt hier nicht der Fall, aber wusste auch gar nicht, dass das ein Westernhagen-Cover ist. Wieder was gelernt.
Und das Cover gefällt mir besser als das Original und ist mir auch lieber als der Gangsta-Rap aus Germany. Big up!
Mittwoch, 24. September 2008 17:27
Soweit ich weiss, wollte er erst die alte Aufnahme samplen, aber Westernhagen war dann so angetan (yay! Eine Möglichkeit, mich nochmal bei der Jugend anzubuiedern!), dass er extra nochmal ins Studio ist.
Ich möchte dass ihr das, was heute abend hier passiert ist, mit nach Hause nehmt! Waaaah!
Mittwoch, 24. September 2008 17:49
Und du hast dir das wirklich bis zum Ende angehört? Respekt! Ich bin nach 20 Sekunden ausgestiegen, weil ich Angst davor hatte, dass das Ende hält, was der Anfang verspricht.
Mittwoch, 24. September 2008 17:54
Es hat nur geschätzte 5 Sekunden gedauert, bis ich mich fremdgeschämt habe und das Fenster geschlossen habe. Respekt!
Mittwoch, 24. September 2008 18:21
in holland kann ich mir das video nicht angucken. (?!)
Mittwoch, 24. September 2008 18:25
@iolanthe: Dabei haben die doch sonst so liberale Gesetze …
Klappt’s hiermit?
Mittwoch, 24. September 2008 18:32
Och kommt Leute. Gibt schlimmeres, heult hier mal nicht so rum. :-(
Mittwoch, 24. September 2008 18:35
Reim dich oder ich fress dich.
Mittwoch, 24. September 2008 18:43
Finds jetzt auch nicht so dramatisch. Gibt besseres, aber gibt auch weitaus schlimmeres – gerade auf dem Rap-Sektor…
Mittwoch, 24. September 2008 21:12
vermutlich nicht? na da will ich aber erstmal einen native speaker zu hören. aber vielleicht stellen die sich auch nicht so an wie wir in good old germany.
Mittwoch, 24. September 2008 21:38
Schon mal gesehen und tu ich mir bestimmt nicht nochmal an. Grauenvoll!!! Könnte Curse aber auch noch nie was abgewinnen. Nimmt sich einfach viel zu ernst, dabei kann man nur drüber lachen.
Mittwoch, 24. September 2008 21:46
@lukas; danke, der funktioniert. sehr – interessant…
Mittwoch, 24. September 2008 21:48
find den song eigentlich einfach nur egal.
genauso wie ich deutschlands sozialpädagogen-rapper no.1 (nichts gg. sozialpädagogen übrigens) einfach nur egal finde.
Mittwoch, 24. September 2008 22:57
Hatte bis vor kurzem nix gegen Curse (gegen Marius so einiges). Bis ich irgendwo dieses Stück gehört hab. Was soll ich sagen? Ich hab gekotzt.
Donnerstag, 25. September 2008 0:53
Ich hab 20 Sekunden geschafft, bis ich so frei war, es abzuschalten.
Donnerstag, 25. September 2008 9:46
Was ist denn mit den Texten von Coldplay?
Donnerstag, 25. September 2008 10:42
Irgendwie bin ich mir noch nicht so sicher, ob ich das jetzt mögen soll oder nicht. Die Stop Taste habe ich noch nicht gedrückt, aber ob ichs mir noch einmal anhören würde? Ich glaube eher nicht.
Donnerstag, 25. September 2008 11:07
Um hier mal ein bisschen Höfliche-Paparazzi-Flair reinzubringen: Jahrelang hatte ich nicht mehr an Marius M-W gedacht (abgesehen von der Lektüre von “Fleisch ist mein Gemüse”), und es ging mir sehr gut damit. Und gerade gestern war ich bei der Eröffnung einer Ausstellung, als er (MMW) hereinkam und sich drei Reihen vor mich setzte. Tja, jetzt seid Ihr dran …
Die Zeit ist übrigens auch an Moooarius nicht spurlos vorübergegangen. Von hinten erinnerte seine Frisur etwas an Jens Lehmann ohne Locken (also die ein-paar-Strähnen-von-vorne-nach-hinten-über-die-beginnende-Pläte-gekämmt-Variante).
Dass er mir dann heute Morgen hier schon wieder begegnet, verwirrt mich nun ein wenig. Nachdem ich mir gerade das verlinkte Video angeschaut habe (entsetzlich!), hoffe ich jedenfalls, nun für die nächsten 15 bis 20 Jahre vor ihm wieder Ruhe zu haben.
P.S. an diejenigen, die hier schreiben, das sei doch gar nicht so schlimm: Abgesehen vom unerträglichen Pathos und der Geschmacklosigkeit, ausgerechnet dieses schon im Original schreckliche Stück noch schlimmer zu machen – dreht sich euch nicht der Magen um, wenn jemand z.B. “beitragen” auf “ausatmen” reimt?
Donnerstag, 25. September 2008 11:18
Ich könnte Kevin Kuranyi bei einer Ausstellungseröffnung bieten.
Donnerstag, 25. September 2008 11:27
Okay, du hast gewonnen. ;-)
Donnerstag, 25. September 2008 12:56
Ich möchte Curse in keiner Weise in Schutz nehmen, denn dessen Musik überzeugt mich nicht und schon sein Tonfall beim Reden und Rappen, der “bedeutungsschwer” wirken soll und bei mir immer nur prätentiös ankommt, geht mir tierisch auf den Zeiger.
Aber wer sich über die unsauberen Reime aufregt, denkt für meinen Geschmack zu sehr in Gedicht-Strukturen. Denn beim Rap geht es ja nicht _nur_ um tatsächliche Reime, sondern es lassen sich schließlich auch lautmalerische Ähnlichkeiten einfügen, die den Fluss des Textes einfach gut fortführen.
Ich gebe allerdings zu, dass so etwas noch hölzerner wirkt, wenn einem der Interpret (wie in diesem Fall) ohnehin unsympathisch ist. :)
Donnerstag, 25. September 2008 14:22
S T O P !
Donnerstag, 25. September 2008 14:57
Nichts auf der Welt ist so gerecht verteilt wie der Geschmack. Denn jederman ist davon überzeugt, dass er genug davon hat.
Nicht wahr, Lukas?
Donnerstag, 25. September 2008 16:43
“This video is not available in your country.”
schweden genießt curse-freiheit…
Donnerstag, 25. September 2008 16:47
ich habe Westernhagens Freiheit sogar als Single. Finde weder Westernhagen noch den Song schlimm, da ärgert mich Grönemeyers pseudoambitioniertes Deutschgerocke vielmehr.
Aber Curse “cover” ist ein Graus. Das ist noch schlimmer als die albernen Das Bo Versuche, Münchener Freiheit & Modern Talking zu verhiphopen – weil bei Bo weiß man wenigstens, dass es a) berechnend, weil verzweifelt auf Erfolg zielend und b) sich selbst nicht allzu ernst nehmend ist – bei Curse aber dagegen ist ja maximaler Pathos eh schon am Start. Und das dann noch durchs Westernhagen Megaphon zu verstärken, ist widerlich. Kandidat für schlimmsten Song des Jahres.
Donnerstag, 25. September 2008 18:06
Wow, das ist wirklich grausig.
Ich war ja früher mal ein Fan von deutschem Hip Hop, bei solchem Zeug weiß ich wieder warum mittlerweile nicht mehr.
Samstag, 27. September 2008 22:14
Im Gegensatz zu den meisten andern hier ist Curse mir sogar sympathisch – auch, weil er was zu sagen hat. Pathos hin oder her, den gibts in englischen Texten noch viel mehr, nur hier fällts mehr auf. Find ich vollkommen ok. Kaufen werde ich die Single nicht, aber die letzten Sekunden (mit dem oben zitierten Reim) mit MMW und Curse gleichzeitig find ich sehr gut.
Sonntag, 28. September 2008 3:08
In diesem Blogbeitrag und bei den meisten Kommentatoren scheint mir v.a. eins zu fehlen: Ahnung von Hip Hop. So schlecht, wie das Lied von Curse hier gemacht wird, empfinde ich es bei weitem nicht. Es ist m.E. nichts Besonderes, auch nicht wirklich gut, aber längst keine Nullnummer.
Während sonst viele Beiträge in diesem Blog gut ausgearbeitet und auch begründet/belegt sind, fehlt das hier eindeutig. Eine wirkliche Auseinandersetzung mit dem Text oder dem Video hat nicht stattgefunden.
Ja, auch auf mich wirkt das Lied von Curse wie ein sich anbiedernder und mit aller Macht gewollter Chartserfolg. Aber: eine derart unbegründete und vernichtende Kritik aus der Feder einer Person, die Populärmusik bevorzugt, welche sich den Anschein (und auch nur diesen) von “Alternative” bzw. “Indie” verleiht, finde ich doch etwas makaber.
Ich verfolge die Werke von Xavier Naidoo und Curse nicht. Was aber ist denn nun bei beiden so prätentiös? Auch im Vergleich zu jemandem, der Begrifflichkeiten in seinem Blog verwendet, die dann erst via Wikipedia erklärt/verlinkt werden (müssen).
Was ist so ungewöhnlich daran, daß im Hip Hop gesamplet wird – egal, wie alt die Quelle ist?
Wäre es übrigens nicht auch möglich, daß “native speaker des Englischen” bei U2, Coldplay u.a. nicht so leiden müssen, weil sie derartige Texte von jeher in ihrer Muttersprache gewöhnt sind?
Freiheit heißt auch, sich nicht (womit auch immer) auseinandersetzen zu müssen. Z.B. mit der Linkspartei. Spitzen zu dieser Partei fallen in diesem Blog auch immer wieder auf – mehr, als zu anderen. Der Grund erschließt sich mir nicht. Mir ist bis heute nicht klar, was an dieser Partei verwerflicher sein kann, als bei all den anderen etablierten.
Und das verfaßt von jemandem, der für BILDblog schreibt?
Sonntag, 28. September 2008 13:14
Nomen est omen? Jedenfalls benötigt es nur ein Mindestmaß an Auseinandersetzung mit Betbruder Xaver und den ach so nachdenklichen und reflektierten Curse, um das daraus hervorquellende Pathos zu orten.
Sonntag, 28. September 2008 19:41
Hi Lukas, vielen Dank für diese treffende Liedkritik. Ich bin kein Hip-Hop-Fan, will also über die musikalische Qualität gar nichts sagen, aber “prätentiös” ist wohl das richtige Wort wenn man sich Xavier Naidoo und Curse anschaut. Ich sehe daher im Gegensatz zu Oberlehrer auch keinen weiteren Bedarf, diese Charakterisierung zu erläutern, ein Blick auf den Text von “Freiheit” (Curse-Version) genügt völlig. Und IMHO wäre es für alle Welt besser gewesen, MMW und seine Musik in den Tiefen der Vergessenheit zu belassen – und insbesondere dieses Lied, dessen Live-Version auch für mich ein Pubertäts-Trauma war. ;-)
Aber vielleicht bin ich hier auch ungerecht. Habe immerhin 2 Jahre mit Curse in einer Klasse gesessen und durfte mir derlei prätentiöse Reden (zwar nicht gerapt) täglich anhören.