Die Jugend der Weltpresse
Von Lukas am Sonntag, 17. August 2008 20:59
Kategorie: Auf Achse, Somebody Told Me
Gestern durfte ich beim Jugendmedienevent zwei Seminare unter dem Motto “Web 2.0 – Blogs, Social Networks & Co” leiten.1 Zweimal 16 Nachwuchsjournalisten unterschiedlichen Alters und mit unterschiedlichsten Vorkenntnissen wollten unterhalten werden und sollten natürlich etwas lernen.
Die erste Gruppe war die pure Wonne: die Jugendlichen2 hatten Interesse am Thema, kannten Portale, von denen ich noch nie gehört hatten, und meldeten sich allesamt bei twitter an, nachdem ich ihnen den Dienst vorgestellt hatte. Sie wirkten angenehm skeptisch und zurückhaltend, was die Angabe persönlicher Daten im Netz anging, und sahen sich die Blogs, die wir uns gemeinsam vornahmen, mit Interesse an.3
Die zweite Gruppe erwies sich als sehr viel schwieriger zu knacken: die Frage, warum sie sich für dieses Seminar entschieden hätten, konnte niemand so recht beantworten. Statt halbwegs gleichmäßig verteilter Redeanteile gab es ein paar wenige aktive Teilnehmer4, ein paar gelangweilte Besserwisser und viel Schweigen. Mit social networks war dieser Gruppe kaum beizukommen: nicht mal die Hälfte war bei einem der Holtzbrinck-Fauzette, kaum jemand bei Facebook und, wenn ich mich recht erinnere, niemand bei MySpace. Diese Menschen interessieren sich vor allem für Blogs.
Einige hätten vorab schon überlegt zu bloggen, wussten aber nicht genau, was, wie oder wo. Das “wo” lässt sich ja recht leicht beantworten (blogger.com, wordpress.com, twoday.net), das “wie” ist mit “(im Rahmen der juristischen Möglichkeiten) einfach drauf los” auch schnell zusammengefasst, das “was” bleibt als zentrale Frage. Als Betreiber eines thematisch völlig offenen Blogs hielt ich den Hinweis für angebracht, dass man sich darüber auf alle Fälle im Vorfeld im Klaren sein sollte. Manchmal habe ich einen etwas merkwürdigen Humor.
Ich weiß nicht, ob es an der Nachmittagszeit lag, die generell träge macht, am gleichzeitig stattfindenden Bundesligaspieltag oder an ganz anderen Gründen, aber das mit der zweiten Gruppe lief nicht so richtig rund. Mitunter hatte ich das Gefühl, zu skeptischen Vertretern meiner Eltern-Generation zu sprechen und nicht zu weltoffenen Jungjournalisten. Andererseits stellten ein paar von ihnen auch wirklich kluge Fragen.
Es war eine interessante Erfahrung, die unter anderem gezeigt hat, dass die fünf Jahre zurückliegende Entscheidung, auf keinen Fall Lehrer werden zu wollen, eine sehr weise war. Wie ich mit Till, der ebenfalls unter den Referenten war5, später noch diskutierte, sind auch längst nicht alle Leute, die heute jung sind und einen Computer einschalten können, digital natives. Bei einigen besteht das Internet aus der “Dreifaltigkeit” (Till) Google, StudiVZ und Wikipedia. Aber um das zu ändern waren wir ja da.
Mein insgesamt positiver Grundeindruck der Jungjournalisten wurde allerdings heute etwas getrübt, als ich im Blog “Onlinemagazin” zum Jugendmedienevent den Bericht über mein Seminar las: die haben meinen Vornamen falsch geschrieben.
- Am Titel trifft mich keine Schuld. [↩]
- Genau genommen waren die Ältesten der Gruppe gerade mal zwei Jahre jünger als ich, die Jüngsten aber 14. Es war wohl eher Zufall, dass eine so heterogene Mischung gut ging. [↩]
- Ich hatte wahllos Platzierungen aus den deutschen Blogcharts an die einzelnen Teilnehmer verteilt. Das war insofern spannend, weil ich selber nicht genau wusste, über welche Blogs wir sprechen würden. Dass das System auch Nachteile hat, musste ich feststellen, als ich eine Teilnehmerin zur Auseinandersetzung mit der “Achse des Guten” zwang. Es tut mir aufrichtig leid. [↩]
- Und Teilnehmerinnen. Wenigstens mit dem Gerücht, Mädchen würden das Internet nur für die Ansicht von Pferdefotos und das Erstellen von MySpace-Profilen nutzen, sollte an dieser Stelle einmal gründlich aufgeräumt werden. [↩]
- Das wussten wir vorher nicht. Die Veranstalter wollten vorab keine Referentenlisten herausgeben, weil sie nicht “sicherstellen [konnten], dass jeder damit einverstanden ist”. Entsprechend wussten wohl auch die Teilnehmer vorab gar nicht, mit wem sie das Vergnügen haben würden. Eine wie ich finde eher mittelprächtige Idee. [↩]
Sonntag, 17. August 2008 21:26
mhm, freu dihc doch wenigstens das die Reporter im ersten Seminar waren und nicht im Zweiten, wer weiß wie es da gelaufen wäre :D
Danke nochmal für das unterhaltsame Seminar
Sonntag, 17. August 2008 23:43
Du hast auch immer was zu meckern, Lucas! ;-)
Montag, 18. August 2008 0:37
Was zum Geier ist ein “Blogg”? Meine Güte, was für ungebildetes Volk heutzutage was mit Medien machen darf…!
Montag, 18. August 2008 0:39
(Nachtrag: “Was mit Medien” sei dann bitte ebenfalls in Anführungszeichen gesetzt, um die Ironie adäquat zum Ausdruck zu bringen. ;))
Montag, 18. August 2008 8:27
Immerhin hast du Lisa aus Raesfeld beeindruckt! Und vielleicht macht sie sich ja auch einen Blogg. (Wieso schreiben die das mit 2 g? Wieder was, was ich nicht weiß.)Man darf gespannt sein!
Ich finde übrigens ich hätte auch eingeladen werden können! So als Teilnehmer. Ich bin zwar nicht mehr jung, also nicht mehr so richtig jung, aber mein Blog ist es.
Montag, 18. August 2008 9:17
Ach, ich fands gut. :)
Montag, 18. August 2008 11:11
Die Dreifaltigkeit ist spitze.
Hätte aber eher an Spiegel Online als an Wikipedia gedacht… obwohl für Studenten sicher Wikipedia die bessere Alternative ist. Ah.
Montag, 18. August 2008 14:30
Diese Aussage steht in wunderbarem Widerspruch zu einm nicht unwesentlichen Bestandteil dieses Blogs und beweist mal wieder die Selbstdiagnose des merkwürdigen Humors. Daumen hoch.
Montag, 18. August 2008 14:36
Na ja, das Zitat ist so direkt auch nichts, was ich selbst gesagt hätte. Vielleicht mit gefettetem und blinkendem “nicht unbedingt”. Und auch nur, wenn man das Gegenteil genauso gelten lässt.
Aber ich bin nicht der Typ, der hoffnungsvolle Nachwuchsjournalisten nach solchen Veranstaltungen verbal hinrichten würde. Das sind andere.
Montag, 18. August 2008 14:45
Der Bericht strotzt vor Allgemeinplätzen, wie man es von jedem guten Lokalblättchen erwarten würde. Nix substanzielles, aber wenigstens auf die Gefahren hingewiesen.
Schön zu wissen das die nächste Journalistengeneration nicht besser sein wird als die alte .. ;-)
SCNR
Montag, 18. August 2008 18:24
“ie zweite Gruppe erwies sich als sehr viel schwieriger zu knacken: die Frage, warum sie sich für dieses Seminar entschieden hätten, konnte niemand so recht beantworten. Statt halbwegs gleichmäßig verteilter Redeanteile [b]gab es ein paar wenige aktive Teilnehmer4, ein paar gelangweilte Besserwisser und viel Schweigen.[/b] Mit social networks war dieser Gruppe kaum beizukommen: nicht mal die Hälfte war bei einem der Holtzbrinck-Fauzette, kaum jemand bei Facebook und, wenn ich mich recht erinnere, niemand bei MySpace. Diese Menschen interessieren sich vor allem für Blogs.” zu welchen von denen gehöre ich denn =)(würde mich mal interessieren^^)
Toller Artikel über die gema, vor allem fand ich interessant, dass das wohl keine einmalie Aktion war.
Alex
Montag, 18. August 2008 18:26
sorry falscher Blog =)
Alexadner
Dienstag, 19. August 2008 9:59
“Sich einen eigenen Blog einzurichten, ist bei den meisten Plattformen kostenlos”, sagt Lucas.
Gleich zwei schlimme Fehler in einem Satz.
:-S
Dienstag, 19. August 2008 10:51
Ja. Jaaa. Aber nun hört doch auf.
Das Mädel war vielleicht zwanzig Minuten in einem der beiden Seminare, hat sich hinten reingesetzt und nicht weiter mit mir gesprochen. Sie wusste nicht, wer ich bin und was ich bisher schon so erzählt hatte. Ich sage ihr eine große Karriere im Lokaljournalismus voraus.
Dienstag, 19. August 2008 10:56
Och, der eine Fehler könnte auch von Dir sein XD
Dienstag, 19. August 2008 11:41
Welcher?
Dienstag, 19. August 2008 11:47
Na, der männliche Artikel in Deinem wörtlichen Zitat. Hast ja schließlich Du gesagt :P
Dienstag, 19. August 2008 11:59
Als ich diesen Lexikoneintrag gezeigt habe, war die Reporterin wohl noch nicht da.
(Jetzt ist aber gut, nee?)
Freitag, 22. August 2008 18:03
Ich war auch dort beim JME. Ich hab’ dort Seminare zum Thema Fotografie gehalten. Eines kann ich definitv bestätigen: Dem Publikum war zuweilen nicht anzumerken, warum Sie das Seminar eigentlich gebucht hatten ;-)