Warum Fran Healy so gut schläft

Von Lukas Heinser am Freitag, 1. August 2008 9:42
Kategorie: Digital Ist Besser, Rock'n'Roll High School

Ich bin seit Jahren großer Fan von Travis. Nicht nur, dass die Musik (beinahe) immer toll ist, Fran Healy sagt auch von Zeit zu Zeit sehr kluge Sachen, von denen man sich wünscht, es würden die betreffenden Leute zuhören.

Zum Beispiel aktuell zu einem Fall, den man bei torrentfreak.com nachlesen kann: Travis hatten zur Verbreitung des neuen Songs “J. Smith” per MP3 aufgerufen – wie man das eben heutzutage so macht. Plötzlich meldete sich die IFPI, die International Federation of the Phonographic Industry, bei Kevin, der den Song in seinem Blog So Much Silence gehostet hatte, und forderten ihn zur Löschung auf. (Das heißt: genau genommen forderten sie ihn auf, einen Song von Hercules And Love Affair zu löschen, weil sie sich da wohl irgendwie mit der Zuordnung vertan hatten.) Kevin schrieb Fran Healy an, der prompt reagierte und klar stellte, dass der Song weiter verbreitet werden soll. Die IFPI, die ja angeblich im Namen der Künstler gegen das Unrecht in der Welt kämpft, musste zugeben, von einer solchen Genehmigung nichts mitbekommen zu haben.

Und auf Anfrage von torrentfreak.com legte Fran dann richtig los:

With a view to music, the internet is like radio. The only major difference is that, at the moment, I don’t get a PRS payment everytime my song is listened to.

The problem is, the business is trying to fit old rules on a new model. Like trying to fit the square peg in the round hole. I think someone has to sit down and re-write the rules for the new model.

[...]

As far as illegal filesharing goes. There are people who will buy albums and people who will record them off friends. If you took away the Internet this would still happen so I don’t lose any sleep. Goodnight.

Jetzt müsste er das nur noch irgendwie seinen Plattenbossen verklickern.

Ach, und runterladen können Sie “J. Smith” jetzt hier – ganz legal und mit Einwilligung des Künstlers. (Das Album “Ode To J. Smith” können Sie sich bei Gefallen dann ab dem 26. September kaufen.)

20 Kommentare

  1. 1

    Wenn ich mal viel Zeit habe und auch Lust auf Krawall, dann werde ich alle meine Platten und CDs, die ich gekauft habe bevor das Recht auf Privatkopie nach Ansicht der Industrie eingeschränkt wurde, MP3en und auf einen Server im Internet freigeben…

    Bravo, Fran Healy.

  2. 2

    Bravo!!!
    Ich mag Travis ja auch sehr gerne, auch wenn ich das in meiner Rockerverkleidung niemals zugeben würde. :-)

  3. 3

    @SvenR: Ich bin mir nicht sicher, ob Ihr Vorhaben von Gesetzen gedeckt und von Fran Healy beabsichtigt wäre.

  4. 4

    Keine Angst, ich neige zu Übertreibungen.

    Aber: Als ich meine erste CD gekauft habe, ich glaube es war Stings “Dream of the blue tutle”, das muss so 1987 gewesen sein, gab es keinerlei Einschränkungen hinsichtlich des Abspielgerätes. Und tatsächlich, alle CD-Player – ob Discmans, Standalone, Autoradios, B&O-CD-Player, Computer-CD-Laufwerke, selbst der “Ghettoblaster” meiner Tochter – spielen diese CD problemlos ab. Bei modernen “kopiergeschützen” CDs ist das nicht so. Deshalb nennen viele sie ja auch Un-CD.

    “Mitgekauft” habe ich damals auch das “Recht auf Privatkopie”. Kurzgefasst darf ich jedem so viele Kopien anfertigen, wie ich möchte, solange ich sie nicht verkaufe. Dieses Recht habe ich ja auch mitbezahlt. Im Nachhinein mir dieses Recht aberkennen zu wollen, ist und bleibt ein Unding. Ich hätte damals ja auch auf meinen Internetserver (den ich da noch nicht hatte) eine Kopie legen können.

    Warum soll ich das heute nicht mehr dürfen?

    Leider sind nach wie vor die meisten Staatsanwälte und Richter, ja sogar Anwälte anderer Meinung. Für Recht halte ich das nicht.

  5. 5

    Wird immer sympathischer der junge Mann! Und diese Symphathie hätte ich gerne mit einem Konzertbesuch mitgeteilt und musste gerade mit Entsetzen feststellen, dass die Jungs am Tag meiner Abreise aus England spielen :-(

  6. 6

    @SvenR: Mal halblang: Die Privatkopie ist doch weiterhin so lange erlaubt, wie beim Kopiervorgang kein wirksamer Kopierschutz umgangen wird. Wenn Du die CD zudem selbst gekauft hast, kann kaum von einer “offensichtlich rechtwidrigen Vorlage” die Rede sein, die kopiert werden soll.

  7. 7

    @ OliverDing #6:

    Hm, ein wirksamer Kopierschutz der von mir umgangen werden kann, ist kein wirksamer Kopierschutz. Würde ich meinen. Sehen andere anders.

    Ich bin mir sicher, wenn ich auch nur einen Song aus einer CD, die ich vor 1990 gekauft habe in ein MP3 umwandle und sie auf einen Server lege und die Jungs von der GVU kriegen das mit, bin ich schneller vor Gericht als ich “Moment mal” sagen kann und mit der wahscheinlichkeit von 99,5 % hinterher verurteilt.

  8. 8

    einen song auf einen öffentlichen server für die welt zum download stellen ist allerdings (technisch wie moralisch) ein kleines bisschen was anderes als eine privatkopie anzufertigen. wenn
    man eine privatkopie in dem sinne macht, was man sich eigentlich mal unter dem begriff vorstellte (etwa zu zeiten von “dream of the blue turtle”) und nicht das, was die P2P-szene dem begriff hinzugedichtet hat, dann juckt das keine sau. aber man kann sich halt auch nicht mehr so gut drüber aufregen.

    übrigens sind inzwischen die meisten labels (gottseidank) wieder auf vertrieb gänzlich ungeschützter CDs übergegangen, und bis bei uns flächendeckend download-musik ohne DRM verkauft wird wie das in den USA bereits der fall ist (beispielsweise über amazon) ist zum glück jetzt auch nur noch eine frage der zeit.

    spannend wird es sein zu beobachten, ob sich danach wirklich etwas ändern wird und wieder mehr leute für musik bezahlen, aber ich bin da zumindest milde optimistisch.

  9. 9

    Ja. Ja. Ja! Ihr habt ja alle recht, dass das unrecht wäre. Das was die Industrie mit uns macht ist aber auch nicht zu nett, oder? Ich bin momentan emotional ein wenig unausgewogen, habe zu wenig Zeit und privaten (ziemlich positiven) Stress und bin ein wenig über’s Ziel hinausgeschossen.

    Entschuldigung.

  10. 10

    “die industrie” (im sinne einer verallgemeinerungsfähigen instanz) gibts überhaupt nicht, siehe lukas’ ausführungen zum thema “die blogosphäre” – vielleicht denkt er nächstes mal dran wenn er mal wieder mit pauschalbösewichten hantiert ;-)

    (wahrscheinlich aber eher nicht)

  11. 11

    zensur? warum?

  12. 12

    @svenr: Recht auf Privatkopie heißt auch nicht, dass du es unbegrenzt oft vervielfältigen darfst. Sweit ich weiß, hat irgendein hohes Gericht mal gesagt, dass so ungefähr Kopien für 7 Leute oder so, davon abgedeckt wären. Denn wenn man es für alle möglichen Leute kopiert, ist das eben nicht mehr privat.

  13. 13

    krieg ich noch ne antwort? ich staune grad schon ein bisschen, wäre meine erste zensur :-)

    dass ein kommentar der indirekt (meiner meinung nach) berechtigte kritik am blog selbst übt so direkt weggelöscht wird überrascht mich jetzt doch ein bisschen, etwas mehr kritikfähigkeit hätte ich hier jetzt irgendwie schon erwartet. wo doch alle hier den öffentlichen diskurs so hochhalten…

    sicher wars ein bisschen polemisch formuliert, aber ich wage mal zu behaupten deutlich weniger als die meisten blogeinträge hier (was ich begrüsse und weswegen ich das blog gerne lese).

    polemik nur erlaubt wenn im sinne des blogurhebers, oder was. pah, das prangere ich an ;-)

  14. 14

    @mosley #13: Warum “berechtigte Kritik am Blog selbst”? Das Wort “Industrie” taucht das erste Mal im ersten Kommentar von SvenR auf. Davon ab gibt es natürlich eine Musikindustrie, auch wenn die nicht sonderlich homogen ist.

  15. 15

    ah da isser ja wieder…komisch, dafür fehlt der beitrag auf den dies die antwort war, und lukas’ “wovon reden sie, hier wurde nix zensiert” kommentar den ich per email-notify bekommen habe ist auch nicht zu sehen.

    dann nehme ich mal alles zurück und schiebs auf eine seltsam verwackelte updatefunktion…sorry :-)

  16. 16

    ah überschneidung, jetzt ist die verwirrung wohl endgültig perfekt…

    also das “die industrie” war auf einen (weiterhin leider fehlenden) kommentar von svenR bezogen. und natürlich gibt es “eine” musikindustrie, deswegen schrub ich ja auch “im sinne einer verallgemeinerungsfähigen instanz”, und dass da nur zu gerne verallgemeinert wird wird ja wohl kaum jemand abstreiten.

    anders gesagt, nachdem das ganze wegen dem posting-weg-posting-wieder-da-aber-ohne-das-posting-auf-das-es-antwortet-spass
    jetzt ziemlich zerfasert ist:

    mir geht halt diese ewige schwarzweissmalerei
    auf den sack, die stets und zuverlässig einsetzt, wenn jemand “die musikindustrie”
    sagt. ein bösewicht auf den sich alle einigen
    können, weswegen die diskussion zu dem thema
    selten über eins zwei polizei-niveau hinauskommt. wozu auch, wenn man doch
    “die plattenbosse” als stets taugliche schuldige zur verfügung hat…

  17. 17

    So. Kommentarchaos aufs Maximum angehoben und anschließend beseitigt.

    @mosley: Es ist aber doch so, dass viele Plattenbosse in den letzten Jahren mit einer verheerenden Mischung aus Weltuntergangsangst, Arroganz, Weltfremdheit und Ignoranz unterwegs waren, dass sie Trends nicht erkannt und ihre zahlenden Kunden teilweise wie Dreck behandelt haben. Natürlich nicht alle, aber viele, gerade an wichtigen Stellen.

    (Fran Healy hat übrigens gar keine Plattenbosse mehr, wie ich behauptete: das neue Travis-Album wird über das bandeigene Label Red Telephone Box erscheinen.)

  18. 18

    @lukas: 1. danke :-)

    und 2.: das stimmt sicherlich teilweise, und es läge mir auch fern pauschal die industrie in schutz zu nehmen – wie gesagt glaube ich grundsätzlich nicht dass man das verallgemeinern kann, auch nicht per reduktion auf sagen wir mal die obersten bosse der grössten majors. oder würdest du jemanden wie rick rubin mit jemandem wie tom bohne in einen topf werfen wollen?

    woran deine argumentation meiner meinung nach krankt ist, dass du die laissez faire-haltung von fran unhinterfragt als schlussendliche, allgemeingültige weisheit einstufst um sodann dich über “die plattenbosse”, die das nicht genauso sehen zu beschweren.

    dabei übersiehst du, oder lässt zumindest komplett aussen vor, dass es sich bei dieser haltung um die klassische luxushaltung handelt, die sich nur künstler leisten können, die “schon oben” sind – und die diesen weg nach oben noch über genau jene mechanismen gemacht haben, die sie jetzt verteufeln. das ist leider ein “kleiner” fehler im detail, der absolut überall begangen wird wo auch immer das thema diskutiert wird.

    immer werden sie herangezogen, die radioheads, der herr robbie williams, herr reznor usw, und ihnen allen ist die downloaderei wurschtegal. ziehen sie halt die ticketpreise an, die leute rennen ihnen doch auch für 20 euro mehr immer noch die bude ein. super! dann kanns ja nicht so schlimm sein!

    dass das nicht die ganze wahrheit sein kann ist eigentlich ziemlich offensichtlich, und dass das überall so konsequent “übersehen” wird zeugt schon auch von einem gewissen wunschdenken.

    jetzt wäre wahrscheinlich die naheliegende reaktion “ich stufe das nicht so wie du beschreibst als ultimative weisheit ein”, und das würde ich dir auch sofort glauben. aber wenn du unter diesem aspekt deinen blogeintrag (und viele andere) nochmal liest wirst du sehen dass sich dieser eindruck sehr wohl aufdrängt. böse IFPI! toller, grosszügiger künstler! doofe plattenbosse! checken wiedermal garnix! dabei isses doch so einfach!

    und so zieht sich das durch die gesamte journalistische welt im netz, jedesmal wenn es um “die musikindustrie” geht. und das ist es, was ich meine.

  19. 19

    Vermutlich verschenken mehr aufstrebende Bands ihre Musik, als es die “Großen” jemals tun werden.

  20. 20

    ja, und können sich vor erfolg mit dieser methode kaum retten…

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