Zigaretten statt Eier

Von Lukas Heinser am Mittwoch, 30. Juli 2008 11:08
Kategorie: Political Science, Social Distortion

Also, wenn ich das aktuelle Urteil des Bundesverfassungsgerichts zum Nichtraucherschutz richtig verstanden habe, lautet es sinngemäß: Wer so einen Wischi-Waschi-Nichtraucherschutz mit Raucherräumen zulässt, muss auch zulassen, dass in Eckkneipen geraucht wird, die kleiner als 75 m2 sind und kein eigenes Essen verkaufen. Aber: Jeder soll wissen, dass auch ein absolutes Rauchverbot mit dem Grundgesetz vereinbar wäre – wenn die Gesetzgeber nur die Eier dazu hätten, es auch einzuführen.

Also eigentlich das Übliche: Win-Win für alle Beteiligten bei gleichzeitiger Schelte unausgegorener Gesetze.

Höre ich Widerspruch von Juristen?

Nachtrag, 16:40 Uhr: Nadja Erb hat für die “Frankfurter Rundschau” eine kluge und besonnene Einschätzung des Urteils geschrieben.

40 Kommentare

  1. 1

    Nein, aber von einem Liberalen: die ganze Angelegenheit ist eine weitere Bevormundung des Bürgers durch den Staat. Der Markt für Nichtraucherkneipen kann so groß nicht sein, sonst gäbe es doch schon längst mehr davon. Aber anstatt dem mündigen Menschen die Entscheidung zu überlassen, fühlt sich der Nanny-State mal wieder berufen.

    Der nächste logische Schritt wäre es jetzt, das Rauchen auch in der eigenen Wohnung zu verbieten, weil ja auch Nichtraucher anwesend sein könnten. Denn die Entscheidung, ob der Nichtraucher sich dem Rauch aussetzen will oder der Raucher bei Anwesenheit von Nichtrauchern aufs Rauchen verzichtet, die können wir ja nicht den Bürgern überlassen, nicht wahr? Wo kämen wir da auch hin?

  2. 2

    Ähm. Nö. Stringente Gesetzgebung wär auch für Juristen mal ganz nett.

  3. 3

    @Stitch: Ich denke durchaus, dass es einen Markt für Nichtraucherkneipen gibt (und immer schon gegeben hat). Ich wäre zum Beispiel hingegangen.

    Überspitzt gesagt, verstehe ich auch nicht, warum Zigaretten, die nicht viel anderes machen als die Gesundheit der Raucher und seiner Umgebung zu schädigen und die Krankenkassen zu belasten, erlaubt sein sollten.

    Wenn es zum Beispiel mein Hobby wäre, Kettensägenmassaker zu veranstalten, wäre mir das auch nicht erlaubt.

  4. 4

    @Lukas: Das Krankenkassenargument ist doch schon mehrfach widerlegt, Raucher belasten im Schnitt die Kassen weniger, weil sie früher sterben. Und diese eine Studie zum Thema “Schädigung durch Passivrauchen”, auf die sich alle weiteren beziehen, ist, gelinde gesagt, äusserst umstritten. Der Vergleich mit dem Kettensägenmassaker ist dementsprechend rein polemischer Unsinn, auf den ich eigentlich gar nicht eingehen sollte.

    Hinzu kommt, bei Deinem Diskussionsansatz, doch sofort der Gedanke: dann müssen auch Alkohol, Autofahren und, was-weiss-ich, Bungeespringen verboten werden. Sterben auch immer wieder Menschen davon.

    Und wenn du in Nichtraucherkneipen gegangen wärest, dann spricht das doch noch lange nicht für einen Markt. Selbst, wenn du zehn Leute kennen würdest, dann gäbe es halt zehn Leute, die hingehen würden. Ist zwar ein Markt, aber ein verflucht kleiner, so zehn Leutchen.

    Nein, im Ernst: offenbar ist das doch wesentlich mehr nichtrauchenden Leuten ziemlich egal gewesen, denn nochmal: wo sind die ganzen Nichtraucherkneipen die letzten 30, 40, 60 Jahre denn gewesen? Wenn eine große Nachfrage bestanden hätte, wären sie doch auch entstanden.

  5. 5

    Von mir aus könnte man auch alle Drogen legalisieren – mir ist ja letztlich egal, was Menschen, die alt genug sind, mit ihrem Körper anstellen. Ich will darunter aber nicht leiden müssen.

    Die Nichtraucherkneipen gab es ebensowenig, wie es den freiwilligen Einsatz von Mehrwegflaschen gab. Offenbar kann man von der Industrie nichts freiwilliges erwarten und muss deshalb nachhelfen. Vielleicht nicht unbedingt so wie im Falle des Dosenpfands mit albernen und kontraproduktiven Gesetzen, aber mit Gesetzen.

    Im Übrigen gelten in vielen Staaten der USA – ohne Zweifel ein Land, in dem sehr viel Wert auf die Freiheit des Einzelnen gelegt wird – noch viel strengere Rauchverbote, an die sich komischerweise jeder hält. Wenn die Deutschen bei der Einschränkung ihrer Grundrechte immer so lautstark protestieren würden wie bei Rauchverboten in Gaststätten, hätten wir eine gesunde Demokratie.

  6. 6

    Rauchen ist im Prinzip ein Kulturgut – Gesundheit ist im Prinzip ein Menschenrecht!

  7. 7

    @Lukas: Zunächst einmal hat ein Wirt mit “der Industrie” gar nichts zu tun. Ein klassischer Wirt hat einen sehr direkten Kontakt zu seinen Gästen und Kunden und wird sich nach deren Wünschen richten. Aber wenn du schon den hinkenden Vergleich anstellen möchtest: auch die Industrie weigert sich nicht aus reiner Boshaftigkeit, Mehrwegflaschen einzuführen. Das kostet Geld, und deshalb ist da erstmal eine Hürde. Bei genügender Nachfrage wird sie aber tun. Nur, wenn die nicht da ist, wird das nicht passieren. Solange der Nanny-State da nicht wieder marktverzerrend eingreift, natürlich…

    Die Einrichtung einer Nichtraucherkneipe ksotet hingegen erstmal sehr wenig Geld: ein, zwei, drei Schilder für aussen und innen, das wars. Die Hürde, das zu tun, ist also nicht gross. Trotzdem hats kaum ein Wirt getan. Weil einfach der Markt nicht da war.

    Deinem letzten Absatz stimme ich im übrigen natürlich vollkommen zu, erinnere aber trotzdem auch noch an die Protestwelle, die bspw. im Staat New York bei der Einführung des Rauchverbots losbrach.

  8. 8

    Die Einrichtung einer Nichtraucherkneipe ksotet hingegen erstmal sehr wenig Geld: ein, zwei, drei Schilder für aussen und innen, das wars. Die Hürde, das zu tun, ist also nicht gross. Trotzdem hats kaum ein Wirt getan. Weil einfach der Markt nicht da war.

    s/Markt/Mumm/

    Die Desinformation von Dehoga und Co. hat zu massiver Verunsicherung bei den Betreibern geführt, die nich wahr haben wollen, daß die Qualmer längst auch in der Kneipenkundschaft eine Minderheit darstellen. Wegen des Unfugs mit der einen umstrittenen Studie über die Schädlichkeit des Passivrauchens verweise ich nur auf die WHO, die Passivrauchern ein um 20% erhöhtes Krebsrisiko feststellt.

    Es ist letztlich nur das eine Argument: Wenn sich die Raucher nur selbst schädigen würden, hätte kaum jemand etwas dagegen. Tun sie dies aber in der Öffentlichkeit und in Anwesenheit von Menschen, die nicht rauchen und schon gar nicht fremden Qualm einatmen wollen, ist das nahe genug an vorsätzlicher Körperverletzung, dass ein Komplettverbot nicht nanny-mäßig sondern überfällig ist.

  9. 9

    “Win-Win für alle Beteiligten”

    genau. Also mit diesem Kompromiss können wir doch alle ganz gut leben. Denk ich jetzt mal.

  10. 10

    @OliverDing: Diese 20% sind allerdings ebenfalls umstritten. Die WHO sagt, dass das relative Krebsrisiko bei Passivrauchern ungefähr bei 1,19 liegt. (zur Erläuterung des statistschen Begriffs “relatives Risiko” siehe hier. Damit sind die ca. 20% rein rechnerisch korrekt, wissenschaftlich sehr umstritten ist aber, wie signifikant relative Risiken von unter 2 überhaupt sind, was die WHO unterschlägt. Zum Vergleich: das relative Risiko an Lungenkrebs zu erkranken bei Rauchern liegt jenseits der 20.

    Es steht und fällt alles mit der Bewertung der Schädlichkeit des Passivrauchens. Nimmt man diese als gegeben an, hast Du recht. Bezweifelt man das, geht es noch um die Belästigung der Nichtraucher durch den Rauch, da sind wir dann aber im Nanny-State-Bereich. Ich gehöre zur zweiten Kategorie, Du zur ersten. Einig werden wir uns damit wohl in diesem Leben nicht mehr… ;o)

  11. 11

    Hmm, ich muss wohl in einer Parallelwelt leben, aber ich gebe zu, sie liegt im Ausland.

    An meinem mittelgrossen Wohnort, in dem (noch) kein allgemeines Rauchverbot gilt, *gibt* es ausgesprochen gut besuchte Nichtraucherkneipen bzw. grössere Lokale, die einen abgetrennten Raucherbereich haben. Wirtschaftlich scheint sich das also durchaus zu lohnen.

    Den lustigsten EM-Abend habe ich übrigens mit einer ganzen Horde Engländer und Holländer in genau so einer Nichtraucherkneipe verbracht. Interessanterweise war das den alkohol- und sangeslustigen Engländern gar nicht aufgefallen. Als ich sie darauf ansprach, hatten sie aber auch überhaupt kein Problem damit, zum Rauchen vor die Tür zu gehen, und wollten nicht etwa sofort in eine “raucherfreundlichere” Kneipe wechseln. Das strenge Rauchverbot dort scheint mittlerweile wirklich akzeptiert zu werden.

  12. 12

    @stitch:
    diese “.. in der Wohnung verbieten ..” ist genau das Argument mit dem sich die Raucherlobby unmöglich gemacht hat. Wenn ich Deine Wohnung betrete und mich dort vollquarzen lassen weil Du so flegelhaft bist und auf Nichtraucher keine Rücksicht nehmen willst – dann ist das ein privates Problem.

    Aber mich – als Ex-Kettenraucher, der Brechanfälle bekommt wenn er Zigarettenrauch einatmen muss – vom öffentlichen Leben quasi auszuschliessen… Ich mein: Setzt Du Dich mit Deinem Bier neben ein versifftes, nach uralter Pisse stinkendem Klo, neben eine seit wochen im Sommer nicht geleerte Mülltonne?

    Ich habe genau wie Raucher das Recht, mich in der Öffentlichkeit zu bewegen ohne gequält zu werden. Wenn Du Dich damit einverstanden erklärst dass Dir auch jeder Drops auf den Tisch pissen darf an dem Du Dein Bier trinken willst – DANN stimme ich der Aussage “eine ungerechtfertigte Einschränkung” zu.

    Und Rauchen ist kein Kulturgut. Nicht bei Zigaretten.

    E.
    der 2,3 mal im Jahr mit Freunden ne Zigarre raucht. Draussen.

  13. 13

    @Elektritter: Sorry, aber genau das eben nicht. Wenn es Dir eben um die Belästigung durch den Rauch geht, dann ist es nicht Sache des Staates, da einzugreifen. Das kann er nur, wenn es um gesundheitliche Aspekte geht. Die sprichst Du aber nicht an. Alles weitere s.o.

  14. 14

    “Rauchen ist ein Kulturgut”, ein Zitat von Schauspieler Max Tidorf.

  15. 15

    “Rauchen ist ein Kulturgut”, ein Zitat von Schauspieler Max Tidorf.

    Kettensägenmassaker auch.

  16. 16

    Interessante Analyse von Heribert Prantl

  17. 17

    @stich
    Gut, kein Thema. Du kannst erzählen über Faktor 1.2 was du willst: als das rauchverbot an arbeitspl#ätzen durchgesetzt wurde gingen die Lungenkrebserkrankungen der nichtrauchenden Arbeitnehmer drastisch zurück.

    Nur nicht im Hotel- und Gaststättenwesen.

    -> Rauchen ist für Nichtraucher in höchstem Maße gesundheitsschädlich. Wer heutzutage noch was anderes behauptet, glaubt auch noch an das Märchen, das Spinat überproportional viel Eisen enthält

  18. 18

    Ich würde mir wünschen, das jetzt der Konflikt beendet ist – aber Verbotspolitiker wie Bätzing werden nich aufhören, bis wir in einer keimfreien Welt ohn Laster leben.

  19. 19

    Spinat enthält nicht viel Eisen!? ;-)

  20. 20

    Wieso Raucher meinen, es sei ihre persönliche Freiheit, krebserregende Stoffe in die Luft zu blasen, ist nicht nachzuvollziehen.

    Auch wenn das BVerfG gesagt hat, das auch ein striktes Verbot zulässig wäre, bezweifle ich, das sich unsere Gesetzgeber dazu durchringen werden. Es wird ein Flickenteppich von unterschiedlichen Regelungen bleiben und die Nichtraucher sind die Dummen.

  21. 21

    @Elektritter: Interessante These, hast du dafür Zahlen? Das Rauchverbot am Arbeitsplatz ist in Deutschland meines Wissens vor 5 oder 6 Jahren eingeführt worden, würde mich wundern, wenn die Zeit da schon für eine Studie gereicht haben sollte. Aber ich lasse mich durchaus gerne eines besseren belehren.

    Auf die Polemik im letzten Absatz möchte ich auch hier wieder nicht weiter eingehen.

  22. 22

    @Martin

    Da könnte ich dann aber auch etwas überspitzt sagen: “Wieso Autofahrer meinen, es sei ihre persönliche Freiheit, krebserregende Stoffe in die Luft zu blasen, ist nicht nachzuvollziehen.”

    Was mir an der ganzen Sache immer noch nicht so richtig in den Kopf geht, ist die Frage, wieso das denn in Deutschland so überhaupt nicht funktionieren zu scheint, während das in den USA, in England, in Schottland und wo auch immer aber recht problemlos zu klappen scheint.
    Ist das vielleicht einfach nur eine Gewöhnungsfrage, die man einfach mal ein, zwei Jahre aussitzen muss? Oder haben in anderen Ländern, die Gaststätten ebenfalls recht große Einbrüche verzeichnen, haben aber nicht aufgemuckt? Lässt mich alles etwas ratlos zurück, dieser ganze Themenkomplex.

    Lediglich aus meiner Sicht als Raucher kann ich nur sagen, dass ich es gut finden würde, wenn es nach der Reform des Gesetzes jeder “einräumigen” Kneipe und Bar freigestellt werden würde, für was man sich entscheidet, bei gleichzeitiger Maßgabe, dass Lokalitäten mit mehr als einem Raum klare Raucher”abteile” haben müssen.
    Damit wäre im Grunde allen gedient und den Rest würde der Markt regeln. Es gibt doch sicherlich auch einige Kneipen, die auch dann beim Rauchverbot bleiben werden (entweder weil sichs ohnehin vielleicht schon gelohnt hat oder weil die Reinigungskosten extrem gesunken sind oder einfach um sich von Konkurrenten abzusetzen).

  23. 23

    Ich kann Stitch uneingeschränkt zustimmen: Gäbe es ein großes Interesse an Nichtraucherkneipen, dann hätte es auch welche gegeben, ohne dass der Staat paternalistisch eingreift: Es war keinem Wirt verboten, ein Rauchverbot zu verhängen, nur gemacht hat es (fast) keiner.

    Wir leben in einer Gesellschaft, d.h. mit anderen zusammen. Da ist es immer schwierig, wenn sich einer (Nichtraucher) durch den anderen (Raucher) gestört fühlt. Mir geht aber die Freiheit der Raucher vor – was ließe sich nicht sonst alles verbieten: Autos (sondern nicht nur mindestens ebenso gefährliche Stoffe ab, sind auch noch laut dabei…), Parfüm (man denke an all die Allergiker…) und letztenendes auch Körpergerüche: alles potenziell störend, alles potenziell Ekel erregend.

    Meiner Meinung nach liegt es in der Verantwortung der (Über-)Empfindlichen, Störendes zu meiden. Nicht in der des Staates, monströse Regelwerke rund um die Privatangelegenheiten der Bürger zu konstruieren. Das schreibe ich als überzeugter Nichtraucher.

  24. 24

    Endlich! Diese schwachsinnige Vorschrift hat leider schon zu viele Kneipen in den Ruin getrieben.

    Stitch: “Der Markt für Nichtraucherkneipen kann so groß nicht sein, sonst gäbe es doch schon längst mehr davon.”

    Jein. Krass ist die Änderung der Leute in den Kneipen. Seit dem Nichtraucherschutzgesetz sind einige Kneipen völlig leer (und inzwischen auch geschlossen), andere brummen richtig und haben teilweise die Preise auf das doppelte angehoben um den Ansturm einzudämmen. Ein mir bekannter Kneipier, der sich SEHR über das Gesetz gefreut hat, weil er gemeint hat es würde seinen Laden sanieren, musste schon nach einem Monat schließen, weil die Nichtraucher ausblieben und die letzten Stammgäste verschwanden. Ein paar Häuser weiter hat sich eine Kneipe ins Nachbarhaus ausgedehnt. Sogesehen ist es offenbar Kneipenabhängig, ob sie als Raucher- oder als Nichtraucherkneipe besser funktioniert. Warum nicht den Wirt entscheiden lassen? Der muss davon leben. Und man muss ja nirgends hingehen. Ich gehe z.B. nicht in Nichtraucherkneipen, weil mich der Geruch, der sich von Douglas am frühen Abend zu Schweiß, Bier und Kotze am späten Abend wandelt wirklich anwidert. Jedem das seine.

    Lukas: “Ich denke durchaus, dass es einen Markt für Nichtraucherkneipen gibt (und immer schon gegeben hat). Ich wäre zum Beispiel hingegangen.”

    Wäre? Du hattest doch jetzt schon ein Jahr Zeit dazu. ;-) Gehst Du seit dem Nichtraucherschutzgesetz mehr in die Kneipe? (Ich für meinen Teil gehe deutlich weniger.)

    Lukas: “Von mir aus könnte man auch alle Drogen legalisieren – mir ist ja letztlich egal, was Menschen, die alt genug sind, mit ihrem Körper anstellen. Ich will darunter aber nicht leiden müssen.”

    Und der letzte Satz ist der Entscheidende. Ich war ganz Deiner Meinung, bis ein guter Freund von mir drei Wochen im Koma lag, weil er auf dem Heimweg von 3 Besoffenen zusammengeschlagen wurde. Diese Gesundheitsschädigung finde ich doch deutlich heftiger als das relative Risiko von 1,19. Ich wäre – und das ist kein Witz – ehrlich dafür, Alkohol in der Öffentlichkeit zu verbieten und starke Strafen auf das alkoholisiert in der Öffentlichkeit auftreten zu stellen. Die Unzurechnungsfähigkeit als mildernden Umstand könnte man dann auch gleich abschaffen. Alkohol ist für den Konsumenten kein Deut besser als Zigaretten, und für die außenstehenden zwar nicht so konstant latent schädlich, dafür aber in Einzelfällen SEHR schädlich (Schlägereien, Autounfälle, …).
    Wenn man mal mittags (wenn geschlossen ist) in eine Disko geht und den aktuellen Bier-Kotze-Geruch mit dem Aschenbechergeruch von vor 1 Jahr vergleicht, kann man sich übrigens auch streiten, was unangenehmer ist.

    Marcel: “Spinat enthält nicht viel Eisen!? ;-)”

    Nee, war’n Kommafehler.

  25. 25

    @ruhrpottjunge:

    Meiner Meinung nach liegt es in der Verantwortung der (Über-)Empfindlichen, Störendes zu meiden.

    Ich soll also auf ein Sozialleben verzichten, weil in jeder verdammten Kneipe geraucht wird? Entschuldigung, das kann doch nicht Dein Ernst sein!

    @Hannes:

    Wäre? Du hattest doch jetzt schon ein Jahr Zeit dazu. ;-)

    Da ich in Bochum (NRW) wohne, habe ich seit gut vier Wochen Gelegenheit dazu (wenn sich die Kneipen denn dran hielten).

    Gehst Du seit dem Nichtraucherschutzgesetz mehr in die Kneipe?

    Ja. Vor allem gehe ich lieber hin, seit ich mir vorher keine Gedanken mehr machen muss, welche Klamotten ich morgen in die Wäsche schmeißen will.

  26. 26

    @Lukas

    Du verstehst es nicht: Wenn dein Sozialleben sich in Kneipen abspeilt, und wenn die Menschen in Kneipen gerne rauchen, dann ist das ein Fehler deines Sozialverhaltens, nicht des Rauchens.

    Wenn mein Sozialverhalten darin bestünde, mich abends an die Straße zu setzen: Kann ich dann berechtigterweise einfordern, dass dort nicht mehr gefahren wird, weil mich die Abgase stören?

    Noch herrschen in Deutschland diejenigen, die sich über noch eine Gesetz, noch mehr Verordnungen freuen – weil sie nichts mehr fürchten als die Freiheit, sich selbst entscheiden zu können und nicht mehr im schützenden und einengenden Händchen von “Vater Staat” zu sitzen. Überhaupt: Mein Vater ist kein Staat, mein Staat ist niemandes Vater, mein Staat ist nur eine Form, in der sich Menschen organisieren.

  27. 27

    @Lukas: Echt, erst so kurz? Sorry, wusste nicht, dass es sich die Einführung so sehr zieht. Hier in Karlsruhe ist es schon seit letztem Sommer, dann bin ich für 7 Monate nach Bayern gezogen, dort konnte man dann wieder rauchen, und ab dem 1.1.2008 dann auch dort nicht mehr. Ich dachte das sei der letztmögliche Zeitpunkt gewesen.

    Das mit den Klamotten hör ich oft, sehr viele sind von der Regelung begeistert. Nur einige eben ganz und gar nicht. Daher denke ich, die Entscheidung den Kneipiers zu überlassen sei die beste Regelung. Die Möglichkeit, Nichtraucherkneipe zu bleiben ist momentan die Einfachste (ist ja ohnehin schon der Fall), und ich denke wenn sich die Sache nach der Nachfrage entscheidet sind wir mit 70% Nichtraucher und 30% Raucher dabei, in Diskos eher 50/50. Das wäre dann optimal und alle glücklich.

    Außerdem würde das die momentanen arg kindischen Trotzreaktionen vieler Raucher unterbinden. Im Winter hing auf einer Party ein Schild, dass ich zuerst für einen Witz gehalten habe, dann aber mitbekommen habe, dass es rigoros durchgesetzt wurde. Aufschrift: “Raucherparty. Wer nicht rauchen will kann das auf dem Balkon tun.”

  28. 28

    Was hat rauchen mit Freiheit zu tun? Rauchen ist eine Abhängigkeit, so ziemlich das Gegenteil von Freiheit!

  29. 29

    ich pesönlich kann mich des eindrucks nicht erwehren, dass bei kaum einem anderen thema (mir will spontan zumindest keins einfallen) der diskussionsacker derart großzügig mit allerlei analogien berieselt wird, welche dann jedoch erstaunlich zuverlässig und mit verblüffender genauigkeit den kern des pudels – verfehlen.
    beeindruckend. irgendwie.

    sich dann jedoch dummerweise in verblüffender häufigkeit

  30. 30

    hoppla
    (die letzte zeile ist natürlich unsichtbar)

  31. 31

    Dieses Thema ist so scheißegal. Würde man mal mit gleichem Enthusiasmus an wichtigere Probleme rangehen. Ob der rauchende Mensch kurz vor die Tür geht oder neben mir kurz raucht ist mir einfach wurst. Sollte man sich nicht reinsteigern. Jetzt relativiere ich ja eure Roman Kommentare, aber sorry.

  32. 32

    @Dings

    Will Dir da gar nicht widersprechen, denn Rauchen ist wirklich ein sehr banales Thema.

    Ich frage mich nur jedesmal, wenn irgendwo ein Kommentar dieser Färbung kommt (egal ob in Blogs oder sonstwo):

    Was ist eigentlich ein relevantes Thema?

  33. 33

    @ ruhrpottjunge #25:

    Wenn mein Sozialverhalten darin bestünde, mich abends an die Straße zu setzen: Kann ich dann berechtigterweise einfordern, dass dort nicht mehr gefahren wird, weil mich die Abgase stören?

    Ja, klar. Menschen, die an Straßen, Schienen, Flughäfen, Tennisplätzen, Kindergärten oder sonstwo wohnen, finden das nicht immer toll und versuchen die Umstände abzustellen. Oder wenigstens zu verbessern. Lobbyismus im besten Sinne des Wortes.

    Deswegen hat der Staat Lärmschutzwände errichten lassen, NacktNachtflugverbote und Feinstaubfahrverbotszonen erlassen usw. usf.

    Warum soll dass bei Rauchern anders sein?

    Nur mit dem kleinen Unterschied, dass Straßen, Autos, Bahngeleise, Züge, Kindergärten, Tennisplätze, Flughäfen und Flugzeuge einen Mehrwert haben, als nur Lärm, Abgase, Staub, Vibrationen und Unannehmlichkeiten zu verbreiten.

    Das sehe ich beim Rauchen in Kneipen nicht so.

  34. 34

    @SvenR

    Erklären Sie mir mal bitte, wo der Unterschied zwischen Tennis spielen und rauchen ist – in bezug auf den von Ihnen ja angesprochenen “Mehrwert”. Wer Tennis spielt, der macht das aus freien Stücken, wahrscheinlich, weil er es gerne macht. Rauchen tun Menschen auch aus freien Stücken, auch, weil sie es gerne machen. Wer sind Sie, dass Sie entscheiden können, was einen “Mehrwert” hat und was nicht?

    So sind sie, die Kinder von Vater Staat: Wo nichts vorgeschrieben wird, werden sie unsicher. Das eine muss gut, das andere schlecht sein. Und wer könnte das besser wissen als sie. Nach zehn Jahren in der grünsozialistisch Dauerberieselung verlassen sie Deutschlands Hochschulen frei: vom Denken.

  35. 35

    @ ruhrpottjunge #33:

    Oh, da haben Sie mich mißverstanden. Nicht ich maße mir an, nicht der böse bevormundene Staat maßt sich an, zu entscheiden, was einen Mehrwert hat. Sondern wir alle, die wir den Staat bilden.

    Sie kennen den Mehrwert von Tennis nicht? Da bin ich jetzt schon ein wenig enttäuscht. Wer Tennis spielt, treibt Sport. Das dient der Volksgesundheit. Nicht immer, ich habe mir beim Tennisspielen vor 7 Jahren die Achillessehne gerissen. Aber im Allgemeinen schon. Sagt der Staat. Also wir alle.

    Wo haben Sie den dieses klassenkämpferische Schätzchen ausgegraben? Oder trauen Sie mir eine akademische Ausbildung zu? Bin leider zu alt, um “grünsozialistisch Dauerberieselung” an Deutschlands Hochschulen über mich ergehen zu lassen zu dürfen zu haben. Und Sie wissen nicht einmal, dass Hochschulen Ländersache sind? Oder ist dass am Ende auf Sie gemünzt, “frei: vom Denken” und benebelt vom Rauch?

    Ja, ne, is’ klar.

  36. 36

    @ruhrpottjunge: Warum ist in der flauschigen Kommentarecke dieses Blogs, in der sonst so angeregt diskutiert wird, eigentlich immer dann schlechte Laune und Stunk, wenn Sie hier auftauchen?

  37. 37

    @SvenR

    “Volksgesundheit” – ‘is klar.

    @Lukas

    Anderslautende Meinung = Stunk?! Ich habe verstanden. Versprochen.

  38. 38

    @ ruhrpottjunge #36:

    Dass das “klar is’”, schrub ich doch schon.

    Schade, dass Sie meine Fragen nicht beantworten. Schade, dass Sie Ihre “anderslautende Meinung” nicht mit Argumenten belegen.

    Haben Sie am Wort Volksgesundheit etwas auszusetzen? Nicht alles, was mit “Volks” anfängt, ist auch nationalsozialistisches Gedankengut.

  39. 39

    …offensichtlich ist es dann doch nicht so leicht, allen vorzuschreiben, was sie machen müssen, auch wenn’s keiner mag. Die Kneipenkultur in München wurde lediglich erweitert durch viele, viele mehr oder weniger originelle Raucherpässe. Hab jetzt nen größeren Geldbeutel, des war’s…
    und den Vergleich mit dem Rauchen am Arbeitsplatz, der hinkt ja dann doch ein bisschen, da kann ich ja nicht weg…

  40. 40

    und den Vergleich mit dem Rauchen am Arbeitsplatz, der hinkt ja dann doch ein bisschen, da kann ich ja nicht weg

    Es gibt Gerüchte, dass es auch Leute gibt, die sich in Kneipen aufhalten und dort nicht lediglich getränkevernichtend herumstehen, sondern dort z.B. die Getränke zur Venrichtung an Ort und Stelle von der Theke zu den herumstehenden Sichinderkneipeaufenthaltenden tragen. Könnte man evtl. ggf. “Arbeit” nennen.

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