Geht ins Ohr

Von Lukas Heinser am Montag, 21. Juli 2008 20:55
Kategorie: Somebody Told Me

Ich höre gerne Musik, wenn ich unterwegs bin. Man hört zwar immer wieder auch sehr schöne Sachen, wenn man in Supermarktkassenschlangen, an U-Bahn-Haltestellen und an der Uni mit offenen Ohren durch die Welt geht, aber gerade morgens will ich mich gerne noch ein wenig vor der bösen, bösen Wirklichkeit verstecken.1

Wer viel unterwegs Musik hört, hat einen recht hohen Verschleiß an Kopfhörern.2 Mal tritt man beim Schuheanziehen drauf, mal geraten sie in den Staubsauger und manchmal verheddert man sich damit einfach in sich schließenden U-Bahn-Türen. Wenn das alles nicht passiert, brechen einfach irgendwann die Kabel, weil man sie ständig unschön aufwickeln muss, wenn man das mobile Musikabspielgerät in die Tasche steckt.

Deshalb muss ich regelmäßig los und neue Ohrhörer kaufen. Ich fürchte, seit meinem ersten Sony-Discman mehr Geld für Kopfhörer ausgegeben zu haben als für die daran angeschlossenen Geräte.3 Wenn man mal überraschend Ohrhörer gefunden hat, mit denen man weitgehend zufrieden ist4, kann man sicher sein, dass es sie nach der Verschrottung der aktuellen Ausgabe nicht mehr geben wird. Ohrhörer sind ein von Technikjournalisten nur wenig gewürdigter Markt – vermutlich wird die Produktpalette alle dreieinhalb Wochen einmal komplett umgestellt.

Sony scheint sich von heute auf morgen komplett aus dem Markt zurückgezogen zu haben, dafür sehen manche (sündhaft teuren) Geräte so aus, als wagten sie sich in Regionen vor, wo kein Wattestäbchen zuvor gewesen ist. Ich suche mir dann immer das Produkt aus, das am ehesten an die letzte Inkarnation von Ohrhörern erinnert und das preislich unter zehn Euro liegt. Und jetzt muss ich mal gucken, was meine Ohren dazu sagen.

  1. Ich höre die Musik nicht sonderlich laut, gerade so, dass sie alles andere überdeckt. Nehme ich die Ohrhörer aus dem Ohr, kann ich die Musik in zehn Zentimetern Entfernung nicht mehr hören. Deswegen ist mir einigermaßen unvorstellbar, wie laut die Musik bei Menschen sein muss, die mit ihren Kopfhörern ganze Regionalzugwagen beschallen. Vielleicht sind deren Kopfhörer aber auch anders gebaut und geben den Schall ausschließlich nach außen ab. (Je länger ich darüber nachdenke: Das sind Kopfhörer, die nach außen lautstark Techno spielen und innen hören die jungen Leute dann Udo Jürgens oder Hörbücher von Hermann Hesse.) []
  2. Damit meine ich nicht diese Dinger mit den Bügeln oben dran, sondern diese kleinen Stöpsel, mit deren Hilfe man das Ohrenschmalz tiefer in den Hörkanal drücken kann. []
  3. Einzig übertroffen vielleicht von den Ausgaben für Batterien. Zum Glück hat mein MP3-Player einen eingebauten Akku. []
  4. Menschliche Ohren sind ja so unterschiedlich, dass manche Geheimdienste Karteien mit Ohrabdrücken angelegt haben. []

24 Kommentare

  1. 1

    Ich bin sehr gespannt, weil ich meine leider mal wieder verloren habe und zehn Euro ziemlich genau dem Limit entsprechen, das ich vertragen kann. Bleiben Sie dran, Herr Heinser!

  2. 2

    Ich wunder mich auch jedesmal, wenn ich neue Kopfhörer kaufen muss. Irgendwie habe ich immer das Gefühl, der einzige Mensch zu sein der überhaupt noch Kopfhörer verwendet (mittlerweile das 99 cent Modell von WalMart – auch wenn es irgendwie peinlich ist). Schön zu lesen, dass es wenigstens noch eine weitere Person gibt, der es ähnlich geht! :)

  3. 3

    Wobei ich sagen muss: Mehr als 10 Euro für Kopfhörer ausgeben lohnt sich, die Ohren bedanken sich.

  4. 4

    Die Verlustquote kann ich nur bestätigen, obwohl ich gar nicht so viel unterwegs höre. Ist ähnlich wie mit Handschuhen.

    Wer ein Luxusprodukt sucht, sollte mal bei Bose schauen: http://www.bose.de/DE/de/home-...../index.jsp

    Die Teile kommen sogar im eigenen Case mit diversen Adaptern.

  5. 5

    Bei meiner letzten Suche nach einfachen Kopfhörern habe ich spontan zu einem Sennheiser MX 460 gegriffen. Mit 15 Euro über deinem Limit, ich bin allerdings zufrieden. Die Auswahl war so groß und die Beratung so winzig, dass ich nicht mehr Geld investieren wollte.

  6. 6

    Die Bose-Kopfhörer hatten wir mal in der Redaktion als Testexemplar. Ich würde zwar niemals soviel für einen Kopfhörer ausgeben, aber meine Güte, das war schon nicht schlecht.

  7. 7

    Ich stehe immer recht hilflos vor den Kopfhören im Saturn. Wo könnten die Unterschiede liegen zwischen den Modellen für 99 Cent und für 50 Euro?

    Ich lande dann auch meistens bei den 10 Euro teilen… ist vielleicht ne psychologische Preisschwelle…

  8. 8

    Nunja, im Klang liegen die Unterschiede.

  9. 9

    http://cgi.ebay.de/ws/eBayISAP.....0015381323
    MDR E755 – im klassischen Walkman-Design. Ich bilde mir ein, mein Musikgeschmack verzeihe mir keine schlechten Ohrstöpsel, deswegen bin ich mit diesen zufrieden – und das seit mehr als einem Jahr täglichem Wickeln, Fahrad-im-Regen-fahren, hekrisch-in-die-Tasche-stopfen und mit den [url=http://www.tagesspiegel.de/kultur/tagestipps/;art135,2572909]Adidas-Sambe an den Füßen[/url].

  10. 10

    Zum Thema RE-Beschallung: Ich meine ja, dass die Zielgruppe der Musikrichtungen, die dazu geeignet ist ganze Bahnwagons zu beschallen keine Kopfhörer besonderer Bauart trägt, sondern einfach innerhalb des Kopfes einen größeren Resonanzraum aufweist *nickt ernst*

  11. 11

    Das Problem kenne ich nur zu gut. Scheint auch so, das die Inflation gerade bei Kopfhörern noch viel viel schlimmer ist als bei Reis, Erdöl oder Druckertinte.

    Habe mich vor zwei Wochen für das Prollmodell mit Bügel und vergleichsweise riesiger Kopfhörermuschel entschieden… mal sehen, wie lange das dieses mal hält. Anders als im Topreview bei Amazon angegeben sind die Tiefen übrigens okay (es sei denn, man will sie gewollt unnatürlich), was sich IMHO etwas mau anhört sind hohe Töne. Für einen überall-dabei Kopfhörer, den man auch gerne mal verlieren oder kaputtmachen kann ist der Preis jedenfalls noch in Ordnung.

  12. 12

    Oh ein Beitrag wo ich den Spruch “ebbes Billigsch is onz zo toier” (= Etwas Billiges ist uns zu teuer) anwenden kann. Früher hatte ich auch einen großen Verschleiß (Drauftreten und so), aber hier lohnt sich wirklich die Mehrinvestition. Nicht nur wegen dem Klang. Ich hab jetzt so Sennheiser-Dinger, die mich schon seit vier Jahren begleiten :-) Die kriegt man nicht wirklich kaputt und klingen auch noch wirklich gut.

    Zum Ohrenpassproblem hat sich auch mal jemand Gedanken gemacht: es gibt nämlich formbare Schaumstoffdinger, die sich jeder Form anpassen. Habs aber noch nicht selber ausprobiert.

  13. 13

    Ich weiß, ich sehe damit aus wie ein 14jähriger Hip-Hopper, die Dinger sind äußerst unpraktisch und zerstören jeden Versuch einer Frisur, aber trotzdem: Ich verwende richtige *Kopf*hörer

  14. 14

    Also ich kann das Problem nur bedingt bestätigen. Obwohl ich jeden Tag auf dem Weg zur Arbeit und wieder nach Hause die “Stöpsel im Ohr” habe, musste ich letztens erst nach knappen 2 Jahren neue kaufen (aber soweit Zustimmung: die Alten hatten einen Kabelbruch). Jedoch muss ich vielen anderen Kommentaren Recht geben, ein bisschen mehr Investition lohnt sich definitiv. Mittlerweile gibt es ja schon um die 20€ Ohrstöpsel mit diesen Gummimuscheln zum “ins Ohr schieben”. Die haben nach meiner Erfahrung her einen viel besseren Klang als die flachen, “alten” Stöpsel, fallen nicht so leicht aus dem Ohr und blenden Umgebungsgeräusche besser aus (im Berufsverkehr des ÖPNV sehr nützlich). Und bei etwas teureren Ohrhörern gibt man auch ein bisschen mehr darauf acht ;)

  15. 15

    @juliaL49: Du kennst mich nicht. Ich krieg wirklich alles kaputt, wo ein Klinkenstecker dran ist oder reinpasst.

    Aber ich wollte kurz einen ersten Erfahrungsbericht zu den “Extra bass”-Hörern von Philips abgeben: Sie saßen (zumindest anfangs) so gut, dass ich mich fragte, ob überhaupt was in meinen Ohren drin war. Sie fallen auch beim Schlafen (ich höre gerne beim Einschlafen Musik) nicht raus, was ein bisschen gefährlich ist, weil man sich im Schlaf mit dem Kabel verletzen könnte. Der Ton ist (zumindest verglichen mit vorherigen Erfahrungen) ziemlich brillant. Ich hatte das Gefühl, Travis spielen in meinem Kopf. Allerdings fingen sie nach einiger Zeit dann doch ein bisschen an zu drücken. Da muss man mal sehen, wie sich das entwickelt.

    PS: Ich habe diese Kopfhörer gekauft.

  16. 16

    Keine Ahnung wie sie heißen, aber die Stöpsel, die bei meinem Sony Walkman mitgeliefert wurden sind perfekt.

    Eine andere Sache, die mich in der Kopfhörerhistorie nervt:
    Jahrzehntelang hat die Menschheit versucht die Kabel der Stöpsel so gut wie möglich zu verstecken, um ja nicht allzu bescheuert auszusehen. Dann kam die “Revolution” in Gestalt des iPod und prompt ist es total angesagt den Kabelsalat sichtbar nach außen zu kehren. Natürlich nur, wenn die Kopfhörer ein schönes Apple-weiß haben.

  17. 17

    Ich habe mir mal von meinem Papa Kopfhörer gewünscht und natürlich sofort so sündhaft teuere Sennheiser (damit stehe ich hier wohl auch nicht alleine) bekommen. Die haben mich allerdings auch sofort überzeugt! Dummerweise bin ich dann mit dem Kabel mal an so einer Absperrung hängen geblieben und da waren sie dahin. Leider konnte ich dann auch nicht wieder zurück zur 10 Euro-Ware. Also habe ich mir für 50 Euro (!!!!!) wieder das gleiche Modell gekauft. Was soll man machen?! Die Dinger sind einfach so scheisse gut, da kann man nicht wieder zurück. Seitdem passe ich aber auch besonders gut drauf auf. Was mich nur nervt ist, dass ich ständig diese kleinen Plastik-Nupsis verliere, die da drauf kommen.

  18. 18

    Ipod Kopfhörer sind auch göttlich. Im Preis und in ihrer Kurzlebigkeit zumindestens.

  19. 19

    Mein Verschleiß an Kopfhörern hält sich übrigens die Waage mit dem Verschleiß an Abspielgeräten, deren häufigster Fehler ein nerviger Wackelkontakt in der Kopfhörerbuchse ist. Mal hilft Drehen, mal hilft Pressen, mal hilft halt einfach gar nichts mehr.

    Bei meinem aktuellen Trekstor-MP3-Player funktioniert nach einem Jahr die Buchse nicht mehr für Kopfhörer, aber immerhin kann ich die 2GB noch als Datenspeicher benutzen. Da ich jetzt motorisiert bin und mein Autoradio einen USB-Anschluß hat, ist das ein recht brauchbarer Ersatz – und es hinterläßt auch weniger Druckgeschwüre im Ohr.

  20. 20

    Ich kann auch nur empfehlen, mehr zu investieren, außerdem geht nichts über richtige KOPFhörer. Habe seit 2 Jahren diese hier ( http://www.amazon.de/Sennheise.....amp;sr=8-1 ). Wem die zu sperrig sind, die hier ( http://www.amazon.de/Sennheise.....amp;sr=8-1 ) habe ich auch mal getestet, für den Preis und die Größe ein Wahnsinnsklang! Sowieso lohnt es sich meiner Erfahrung nach gerade im mobilen Musikhörbereich etwas mehr zu investieren und Qualität zu kaufen, auch bei MP3-Playern. Ich hab’ da mit Cowon sehr gute Erfahrungen gemacht, sehr gute Klangqualität und nicht kaputt zu kriegen. Kostet zwar dreimal so viel wie die Trekstor-Dinger ( z.B. 4GB 133 Euro http://www.amazon.de/Cowon-iAu.....amp;sr=8-7 ) aber in der Zeit müsste man sich eh mindestens drei Billiggeräte nachkaufen.

  21. 21

    Ich rate Dir nur noch weisse Kopfhörer zu kaufen, denn die gehen nie kaputt. ich hatte schon 5 schwarze und keiner hielt länger als zwei Monate. Meine weissen sehen zwar fuerchterlich aus (Zahn der Zeit, Staub der Kontinente, Ohrenschmalz), aber sie tun auch nach 2 Jahren noch ausgezeichnet! Liegt wohl daran, dass man weiss besser sieht und nicht so oft drauftritt ;)

  22. 22

    Die letzten waren weiß: Kabelbruch nach anderthalb Jahren am rechten Ohrstecker.

  23. 23

    Mmm. Immerhin anderthalb Jahre!

  24. 24

    Für etwas mehr als 10 Euro gibts jetzt die EP 630 von Creative. Die kann ich empfehlen, und mi In-Ears versteckt es sich noch besser vor der Welt.

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