Beiträge vom Juli, 2008

Der Westen hält an Sex-Angeboten fest

Von Lukas Heinser am Donnerstag, 31. Juli 2008 23:23
Kategorie: Digital Ist Besser

Fehler macht wirklich jeder mal. Oft ist man auch noch zu betriebsblind, sie wahrzunehmen. Aber dafür gibt es ja immer wieder Menschen, die einen auf den Fehler hinweisen. Nicht, weil sie selber frei von Fehlern wären, sondern gerade weil sie wissen, wie ärgerlich Fehler sind und wie gerne und schnell man sie wiedergutmachen oder korrigieren möchte.

Soweit die Theorie. Kommen wir nun zum Onlinejournalismus: Vor etwa anderthalb Monaten hatte die “WAZ” über eine Pressekonferenz des Ryanair-Chefs Michael O’Leary berichtet und dabei einen Scherz nicht als solchen erkannt (die Älteren werden sich erinnern).

Nicht weiter schlimm, man erkannte den Fehler im Haus als solchen und Katharina Borchert, Chefredakteurin des “WAZ”-Onlineportals derwesten.de) schrieb mir direkt am nächsten Morgen:

Ich warte auf einen Rückruf von Herrn Pott, dann sollte es einen Beitrag im Korrekturblog geben, der auch unter dem Artikel verlinkt wird.

[Herr Pott war der Verfasser des fehlerhaften Artikels - er hatte auf meinen Kontaktversuch gar nicht erst reagiert.]

Das Ganze ist, wie gesagt, etwa anderthalb Monate her und passiert ist seitdem – Sie werden es angesichts des Vorspanns und des versuchten Spannungsaufbaus längst erraten haben – nichts. Der Artikel steht immer noch fröhlich in seiner ursprünglichen Form online und wer heute oder in ein paar Jahren per Suchmaschine oder im Westen-Archiv darauf stößt, wird nach wie vor glauben, eine Fluggesellschaft habe sexuelle Leistungen an Bord anbieten wollen.

Nun fragt man sich natürlich (zumindest tue ich das): Warum tut der Westen nicht, was seine Chefin angekündigt hat? Immerhin musste man ja damit rechnen, dass ich den Artikel im Auge behalte und hier wieder und wieder darauf herumreite.

Eine mögliche Lösung: Es ist ihnen egal. Und zwar nicht nur, was schlecht gelaunte Blogger über sie schreiben, sondern auch, was in ihrem eigenen Portal steht. Das wäre (vor allem der zweite Teil) aus journalistischer Hinsicht fatal. Besonders, wenn man sich extra ein Korrekturblog leistet und ankündigt einen Fehler korrigieren zu wollen.

Eine andere Lösung: Herr Pott hat nie zurückgerufen und deshalb konnte Frau Borchert das alles gar nicht korrigieren (lassen).

Was mich zu einer (irgendwie beunruhigenden) Frage brachte, die ich Katharina Borchert am 23. Juni und am 18. Juli zukommen ließ:

Gehört es zur Redaktionspolitik der “WAZ” bzw. von derwesten.de, Fehler nur im Einvernehmen mit dem Autor eines Artikels zu korrigieren (bzw. eben nicht zu korrigieren, wenn der Autor uneinsichtig ist)?

Ich habe bis heute keine Antwort erhalten.

Tagewerk

Von Annika Krüger am Donnerstag, 31. Juli 2008 18:19
Kategorie: My Culture

Klassiker oder keine Klassiker? Spiegel-Bestsellerliste oder doch lieber im Buchladen stöbern? Eigentlich ganz egal – die Hauptsache ist doch: Bücher sollen Freude machen und einen auf irgendeine Weise bereichern.

Deshalb hier mein Buchtipp für den Sommer!

“Alle Tage” von Terézia Mora

Nun, der Titel verrät – eigentlich gar nichts, es wirft eher mehr Fragen auf. Auch das Cover ist außer taubengrau nicht wirklich hilfreich. Nein. Man muss sich schon selbst auf Entdeckungsreise begeben um herauszufinden warum “Alle Tage” so heißt, wie es heißt.

Man braucht aber ein wenig Geduld damit, um sich an einen ganz wunderbar neuen und filmischen Schreibstil zu gewöhnen. Kurze Sätze. Bilder und Emotionen prasseln auf den Leser nieder. Verwirrend, mäandernde Passagen, seltsame Geschichten und merkwürdige Menschen kreuzen den Weg. Ein klein wenig David Lynch hier und da. Aber man wird belohnt, belohnt mit einem Gefühl von Zufriedenheit. Man hätte es schon viel früher lesen sollen. Wirklich!

Es gab in meiner bisherigen Leserkarriere kein Buch das einen schöneren und melodischeren Anfang hatte als dieses, können Bücher melodische Anfänge überhaupt haben? Well… lest hier und urteilt selbst:

“Nennen wir die Zeit jetzt, nennen wir den Ort hier. Beschreiben wir beides wie folgt…”

Der Protagonist mit dem melodischen Namen Abel Nema wird eines Tages, in einem Hinterhof in einer Stadt die im Osten des Landes steht, tot aufgefunden. Nicht nur tot, sondern kopfüber hängend von einem Geländer, ein wenig Fledermaus-like. Geübte Kriminalisten oder solche die Krimis eher im Fernsehn verfolgen oder auch lesen, fragen sich natürlich gleich. Wer wars? Und warum? Und wie?

Nun, geklärt wird alles. Es ist aber mitnichten ein Krimi im herkömmlichen Sinne. Es ist überhaupt kein Krimi. Denn es gibt keinen Ermittler oder einen Mord aus Leidenschaft oder graue Mafiosi oder Hintermänner. Nein.

Der Ermittler, nennen wir ihn Entdecker von Abels Welt, ist der Leser selbst.

Man entdeckt also diesen Abel Nema und auch das er ein Genie ist. Er stammt aus dem Osten der Welt, allerdings kann nicht mehr zurück, denn dort herrscht Krieg. Er lernt Sprachen wie andere das Laufen, am Ende sind es zehn. Er findet eine Frau mit Namen Mercedes und begibt sich mit ihr in eine Scheinehe. Sein einziger Freund ist Omar, Mercedes’ Sohn.

Doch Abel Nema findet keine Ruhe, denn die Sehnsucht ist immer stärker als er, sie lässt ihn nicht los und bringt ihn immer weiter weg und wieder zurück. Bis es zu Ende ist. Auf seinem Weg begegnet er vielen Menschen und manche kehren immer mal wieder zurück. Doch was man immer spürt, ist die Einsamkeit die Abel Nema verspürt, ob er gerade in Begleitung ist oder in einem Zug sitzt, oder in einem Park.

Doch das soll jetzt nicht nach Depression klingen oder nach Dauermelancholie. Nein. Es ist eher eine Geschichte die dem Leser eine Welt, jenseits unserer zeigt, die es gibt und in der Geschichten wie Abels passieren können. Bücher, die einem einen Mensch beschreiben, der so ganz ander ist als die Protagonisten, die wir toll finden. Es ist eher der Anti-Protagonist, den man gern hat und man weiß nicht so genau warum.

Noch schnell was zur Autorin: Terézia Mora, ist in Ungarn geboren und studierte Hungarologie und Theaterwissenschaften in Berlin. Arbeitet heute als Schriftstellerin und Dramatikerin.

Noch schnell was zum Buch: Mit 10 Ören ist man dabei. Gibt es im Handel, seit kurzem auch auf Englisch – dort heißt es “Day in Day out”. Und natürlich als Hörbuch für ein paar mehr Öre.

Was war euer schönster Buchanfang? Kennt ihr das Buch schon?  Habt ihr Buchtipps? Immer her damit!

Auf wiederlesen, eure Nischen-Annika! Schönen Sommer =)

Sommerschlussverkauf mal anders

Von Lukas Heinser am Donnerstag, 31. Juli 2008 16:14
Kategorie: Digital Ist Besser, Social Distortion

Die Warenhauskette Hertie hat heute beim Essener Amtsgericht den Insolvenzantrag eingereicht. Was mich als Wirtschaftslaie immer ein bisschen überrascht: Dies geschieht, damit der Betrieb der 73 Warenhäuser der früheren Karstadt-Kompakt-Gruppe (darunter Häuser, die früher schon einmal Hertie hießen, bevor Karstadt Hertie aufgekauft und die Läden umbenannt hatte) aufrechterhalten werden kann. Der englische Mutterkonzern Dawnay Day war in erhebliche Schieflage geraten, weswegen die Zukunft von Hertie keine anderthalb Jahre nach der Umbenennung nun in den Sternen steht.

Die Meldung wird (neben den Angestellten) auch die Stadtoberen von Dinslaken sehr beunruhigen – deren Pläne, ein neues Einkaufszentrum in der Innenstadt zu bauen, fußten nämlich unter anderem auf der vagen Hoffnung, dass Hertie sich am Bau beteiligen würde. Jetzt könnte es passieren, dass es in Dinslaken bald nicht einmal mehr das alte Hertie-Kaufhaus gibt.

Die vielen An- und Verkäufe, Um- und Rückbenennungen bei Karstadt und Hertie sind natürlich unglaublich verwirrend. Als man sich bei “RP Online” daran machte, “Zehn Fakten über Hertie” aufzuschreiben (natürlich nicht etwa in einer Liste, sondern in einer verdammten Klickstrecke) schlug das Schicksal unbarmherzig zu:

Die Zulieferung der Waren vom Karstadt-Quelle-Konzern hat Hertie nach und anch eingestellt. Heute kommen 80 Prozent der Waren von der Arcandor AG

Um die ganze Tragweite dieser zwei Sätze zu verstehen, müssen Sie zwei Dinge wissen:
Erstens sind die “80 Prozent” offenbar aus der Wikipedia abgeschrieben – aber leider genau falsch:

Bis Mitte 2007 sollten 80 Prozent des Sortimentes auf andere Zulieferer als die Arcandor AG umgestellt werden.

Und zweitens ist “Arcandor” seit 2007 der neue Name von … nun ja: Karstadt-Quelle.

Nachtrag, 22:51 Uhr: Aus den “Zehn Fakten zu Hertie” sind neun “Fakten zu Hertie” geworden. Wer die Zulieferer sind oder nicht sind, erfährt der Leser jetzt nicht mehr.

Auswärtsspiel: Kanal 14

Von Lukas Heinser am Donnerstag, 31. Juli 2008 12:51
Kategorie: Digital Ist Besser

Für seinen Podcast Kanal 14 hat mich Sebastian Keil nach meiner Meinung zum neuen Musikportal Roccatune gefragt. Mit dabei sind Roccatune-Chef Constantin Thyssen, Thomas Knüwer und Djure Meinen.

Hören und/oder herunterladen kann man das Ganze hier.

Zigaretten statt Eier

Von Lukas Heinser am Mittwoch, 30. Juli 2008 11:08
Kategorie: Political Science, Social Distortion

Also, wenn ich das aktuelle Urteil des Bundesverfassungsgerichts zum Nichtraucherschutz richtig verstanden habe, lautet es sinngemäß: Wer so einen Wischi-Waschi-Nichtraucherschutz mit Raucherräumen zulässt, muss auch zulassen, dass in Eckkneipen geraucht wird, die kleiner als 75 m2 sind und kein eigenes Essen verkaufen. Aber: Jeder soll wissen, dass auch ein absolutes Rauchverbot mit dem Grundgesetz vereinbar wäre – wenn die Gesetzgeber nur die Eier dazu hätten, es auch einzuführen.

Also eigentlich das Übliche: Win-Win für alle Beteiligten bei gleichzeitiger Schelte unausgegorener Gesetze.

Höre ich Widerspruch von Juristen?

Nachtrag, 16:40 Uhr: Nadja Erb hat für die “Frankfurter Rundschau” eine kluge und besonnene Einschätzung des Urteils geschrieben.

Was der “Süddeutschen Zeitung” heilig ist (und was nicht)

Von Lukas Heinser am Montag, 28. Juli 2008 18:23
Kategorie: Living In A Magazine, Political Science

Wenn ich das damals im Kindergottesdienst richtig verstanden habe, sieht der liebe Gott alles, petzt aber nicht. Für ihn gilt das wohl umfassendste Zeugnisverweigerungsrecht und was man ihm erzählt, geht niemanden sonst etwas an. Wenn man ihm einen Brief schreibt, ist dessen Inhalt darüber hinaus noch von so etwas Weltlichem wie dem Briefgeheimnis geschützt.

Barack Obama, der sich gerade an so einiges gewöhnen muss, konnte sich also eigentlich auf der sicheren Seite wähnen, als er vergangene Woche in Jerusalem ein schriftliches Gebet in eine Ritze der Klagemauer schob. Immerhin hatten das schon Millionen von Menschen gemacht, darunter Papst Johannes Paul II.

Barack Obama musste nicht unbedingt damit rechnen, dass ein Religionsstudent (ausgerechnet!) seinen Zettel aus der Mauer porkeln und an die Zeitung Maariv weitergeben würde – und dass die diesen Brief dann abdrucken würde.

Nicht, dass Obama Schlimmes geschrieben hätte, es geht viel mehr um Vertrauen und ein uraltes religiöses Symbol. Entsprechend kann man auch den Aufschrei verstehen, der nun durch die Medien geht und auch die “Süddeutsche Zeitung” erfasste:

Der marktschreierischen Zeitung Maariv allerdings sind offenbar nicht alle Botschaften heilig. Am Wochenende veröffentlichte das Blatt auf seiner Titelseite die von Obama handschriftlich verfasste Note – und löste damit erhebliche Empörung aus, vor allem bei der Klagemauer-Verwaltung. Sie sieht nun ihre Glaubwürdigkeit in Gefahr, besonders bei den Betenden, die ihre Botschaften faxen oder mailen.

Wie “heilig” der “Süddeutschen Zeitung” Obamas Botschaft war, können Sie freilich daran ablesen, dass sie diese gleich zweimal druckte: einmal ins Deutsche übersetzt und einmal als Foto des Originalbriefs.

Mit “D” wie “Provinz”

Von Lukas Heinser am Montag, 28. Juli 2008 13:56
Kategorie: Living In A Magazine

Ich habe ja, wie ich schon mehrfach erzählt habe, die ersten zwanzig Jahre meines Lebens in Dinslaken verbracht – nicht durchgängig, aber eben doch “wohnhaft”.

Für Roger Willemsen war “Dinslaken” eine Zeit lang ein Synonym für “irgend so ein total hinterwäldlerisches Kaff”, und ich erinnere mich, dass er das mindestens zwei Mal in “Willemsens Woche” unter Beweis stellte: Als Jörg Kachelmann zu Gast war, forderte Willemsen, das Klimaphänomen El Niño möge doch Dinslaken holen, und die Sopranistin Sandra Schwarzhaupt fragte er, warum sie in New York Gesangsunterricht genommen habe und nicht zum Beispiel in Dinslaken.

Jetzt scheint Dinslaken endgültig zum Synonym für “irgend so ein total hinterwäldlerisches Kaff” geworden zu sein – wie sonst ist es zu erklären, dass der Ortsname innerhalb weniger Wochen gleich in zwei Cartoons führender deutscher Cartoonisten auftauchte?

Den Anfang machten “Hippenstocks Strategen” in der “Süddeutschen Zeitung” vom 5. Juli:

"In der ersten Woche teilen Sie Ihr Zimmer mit einem Ehepaar aus Dinslaken - ich denke deshalb der Rabatt"

Die Verwendung hier erfolgt mit freundlicher Genehmigung des Zeichners Dirk Meissner.

Und in der aktuellen “Titanic” ist ein zweiseitiger Cartoon von Katz & Goldt, in dem unter anderem folgendes Bild vorkommt:

"Ach je, in Dinslaken regnet's"

Die Verwendung hier erfolgt mit freundlicher Genehmigung des Comicduos Katz & Goldt.

[unter anderem via meinen Vater]

Nachtrag, 29. Juli: Wie ich gehört habe, soll sich der Intendant des Landestheaters Burghofbühne (aus Dinslaken) bei der Redaktion der “Süddeutschen Zeitung” über die obere Karikatur beschwert haben.

Nachtrag, 5. August: Wie der Intendant das Landestheaters Burghofbühne sich bei der Redaktion der “Süddeutschen Zeitung” über die obere Kandidatur beschwert hat (und wie man in München darauf reagierte) steht heute in der Lokalausgabe der “Rheinischen Post”.

Und ein Haken für Juli …

Von Lukas Heinser am Montag, 28. Juli 2008 0:38
Kategorie: Political Science

Gleich drei Vergleiche zum Preis von einem liefert die Büso-Chefin, Anglo-holländische-Verschwörungs-Gegnerin und Atomstromaktivistin Helga Zepp-LaRouche in ihrem aktuellen Kommentar zu Barack Obamas Deutschland-Besuch. Der Führer ist selbstverständlich mit dabei:

Das wirklich erschreckende aber war nicht Obamas Rede, die inhaltlich nichts brachte, was er nicht schon vorher gesagt hätte, von einigen Bezügen auf die Luftbrücke einmal abgesehen, worauf jeder professionelle Redenschreiber kommen mußte. Viel beunruhigender ist, daß die deutschen Massen anscheinend nichts aus der Geschichte gelernt haben, und bei bombastisch aufgezogenen Massenversammlungen offensichtlich eine fatale Neigung haben, in Manien zu verfallen. Dabei scheint es egal zu sein, ob es Hitler in Nürnberg, Gorby auf Deutschlandreise, der Dalai Lama oder eben jetzt das Soufflé Obama ist.

Auf eine etwas andere Art witzig (und zugegebenermaßen näher an meinem Humor) ist da der Kommentar von Jon Stewart in der “Daily Show”:

[Direktobama]

Eine unvollständige Liste der schönsten Nazi-Vergleiche seit 1945 finden Sie nach wie vor hier.

Amsterdamcontent

Von Lukas Heinser am Samstag, 26. Juli 2008 22:03
Kategorie: Auf Achse, My Shared Folder

Coffeeshop And TV und touri2 präsentieren: Tulpen Impressionen aus Amsterdam.

Herengracht in Amsterdam

[...]

The Dark Knight (Heinz Sielmann Cut)

Von Lukas Heinser am Dienstag, 22. Juli 2008 22:36
Kategorie: My Shared Folder

Fledermausfilme sollen ja zur Zeit schwer angesagt sein, hab ich gelesen.

[Direkttier]

Mit Dank an Kamerakind Justus!

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