Frau im Spiegel
Von Lukas Heinser am Samstag, 14. Juni 2008 0:24
Kategorie: Living In A Magazine
Vielleicht werden wir nie genau erfahren, was eigentlich vorgefallen ist in den Redaktionsräumen von “Emma”. Warum sich Lisa Ortgies, die gerade als neue Chefredakteurin eingearbeitet werden sollte, nicht “für die umfassende Verantwortung einer Chefredakteurin” “eignet”. Warum eine Fernsehjournalistin, die “bis dahin noch nie als Redakteurin oder Ressortleiterin, geschweige denn als Chefredakteurin gearbeitet” hatte, “ganz und gar überraschend für alle” “die Falsche zu sein scheint”. Ob der Satz “Im Sinne von Lisa Ortgies wird es hierzu keine weitere Stellungnahme von EMMA geben” vielleicht das bösartigste Arbeitszeugnis aller Zeiten darstellt. Und warum man bei “Emma” – entgegen der eigenen Ankündigung – immer noch nachtreten muss.
Aber wenigstens erklärt uns Alice Schwarzer jetzt, warum diese Personalie so hochgekocht wurde:
Aufmerksamen ZeitgenossInnen wird es nicht entgangen sein: Im Kleinen laufen diese Hetzkampagnen gegen Alice & EMMA rituell alle paar Jahre, im Großen etwa im Zehn-Jahres-Rhythmus. Der Anlass ist beliebig, jeder Vorwand ist willkommen. Zum Beispiel eine Personalie, die bei jedem anderen Verlag ein Dreizeiler oder eine einmalige kleine Glosse wäre.
Entschuldigung. Den letzten Satz habe ich unvollständig zitiert. Frau Schwarzer hat nämlich noch ein knackiges Beispiel parat:
Zum Beispiel eine Personalie, die bei jedem anderen Verlag ein Dreizeiler oder eine einmalige kleine Glosse wäre (wie im Falle Spiegel vor einigen Monaten).
[via]
Samstag, 14. Juni 2008 2:59
Auch FeministInnen werden im Alter wunderlich. Bei Frau Schwarzer leider schon länger zu beobachten. Sie hätte sich besser vor zwei Jahren oder so in den Ruhestand begeben sollen, sich in Frankreich zusammen mit Franz Joef Wagner schön warmen Camembert reinziehen.
Samstag, 14. Juni 2008 10:32
Emma ist nicht der Spiegel – ein Chefwechsel in einem so kleinen Magazin wäre normalerweise tatsächlich nur einen Dreizeiler wert. Das eine TV-Moderatorin nicht die Qualitäten einer Alice Schwarzer hat finde ich nicht überraschend. Klar, so etwas kann netter laufen, aber Nachfolger ab diesem Niveau zu finden ist schwierig. Und das Gründerinnen und Gründer sich damit schwer tun, los zu lassen ist doch auch nix neues und menschlich verständlich.
Samstag, 14. Juni 2008 10:58
Das mag ja sein.
Aber ist es nicht umso … merkwürdiger, als Beispiel für einen “Dreizeiler oder eine einmalige kleine Glosse” dann von allen deutschen Printmagazinen ausgerechnet dasjenige zum Beispiel zu ernennen, bei dem der Chefredakteurswechsel von einem wochenlangen Sperrfeuer in nahezu allen deutschen Medien begleitet wurde? Nicht?
Samstag, 14. Juni 2008 12:34
Zapp hatte dazu einen Beitrag, der auf der Internetseite noch abrufbar ist.
Montag, 16. Juni 2008 11:32
@Lukas: Vielleicht hat sie ja “Frau im Spiegel” gemeint :-)
Montag, 16. Juni 2008 11:37
Ich dachte ja, nachdem Schwarzer sich von der Bild-Werbung vereinnahmen lies, das es dumdreist-peinlicher nicht mehr ginge – der Gegenbeweis ist nun erbracht.
Es gibt viele Menschen mit Profilneurosen, viele “Gründerinnen und Gründer [die] sich damit schwer tun, los zu lassen” und selbstverliebte “Lautsprecher” mit verschobener Realitätswahrnehmung. Frau Schwarzer ist in meinen Augen wegen ihres scheinheiligen Gutmenschentums stärker zu Verurteilen, als die Lafontaines und Diekmänner dieser Welt.
Ich zweifle mittlerweile daran, ob Frau Schwarzer jemals ernsthaft “feministisch gearbeitet” hat, oder ob es ihr schon immer nur darum ging, sich selbst zu überhöhen und auf einen Sockel zu stellen.
Es gibt kein richtiges Leben im falschen!
Montag, 16. Juni 2008 13:32
@SvenR: Schwarzer und Gutmenschentum? Das kann man ihr nun wirklich nicht vorwerfen. Das Buch “Die Gotteskrieger und die falsche Toleranz” ist genial und hat mit Gutmenschentum mal eben nix zu tun. Vielleicht hat sie ja einen Fehler gemacht Ortguies zu holen und sie auch nicht nett rausgeworfen – aber warum wird ihr der Fehler so stark angekreidet? So etwas ist Alltag – und den Widerspruch zum Feminismus sehe ich auch nicht.
Montag, 16. Juni 2008 14:06
Ich würde sehr dafür plädieren, das extrem unschöne Wort “Gutmenschentum” und artverwandtes aus den Kommentaren dieses Blogs fernzuhalten. Danke!
@Stefan: Da die “Emma”-Redaktion in der hochnotpeinlichen “Chronologie der Ereignisse” gleich zwei Mal darauf hinweist, dass Frau Ortgies Termine “aus familiären Gründen” nicht habe wahrnehmen können, könnte man da schon durchaus gewisse Widersprüche zum Feminismus sehen. Zumindest zu dem, bei dem Familie und Beruf zusammengehören.
Montag, 16. Juni 2008 17:04
@Lukas: In Hamburg wohnen und in Köln arbeiten geht nun einmal nicht – niemand bringt das unter einen Hut.
Dienstag, 17. Juni 2008 11:55
@ Lukas: Entschuldigung, mir war das nicht bewußt, dass das für Sie extrem unschön ist. Ich werd’s nie wieder tun.
@ Stefan: Ich wohne in Frankfurt, hatte mal einen Job in München, jetzt arbeite ich viel in London und habe auch Familie. Das geht. Ich kann auch manche Terminvorschläge nicht annehmen, weil ich die Kinder in der Kindergartenaufführung sehen will, mit zum Arzt gehen will oder bei der Einschulung mit dabeisein will. Ich hatte deswegen noch nie wirkliche Probleme, obwohl ich ein Mann bin. Kopfschütteln und Lächeln muss man halt abkönnen.