
Der Film lief gestern Abend in der ARD …

Der Film lief gestern Abend in der ARD …
Am Mittwoch, 28. Mai 2008, wird das Deutsche Sportfernsehen (DSF) eine Dokumentation ausstrahlen, die sich mit dem immer noch größten Tabu im Fußball beschäftigt: der Homosexualität.
Wenn es stimmt, was die Deutsche Akademie für Fußballkultur vorab vermeldet, wird Christoph Daum, Trainer der Fahrstuhlmannschaft 1. FC Köln, in diesem Film folgende Worte sagen:
Da wird es sehr deutlich, wie sehr wir dort aufgefordert sind, gegen jegliche Bestrebungen, die da gleichgeschlechtlich ausgeprägt ist, vorzugehen. Gerade den uns anvertrauten Jugendlichen müssen wir mit einem so großen Verantwortungsbewusstsein entgegen treten, dass gerade die, die sich um diese Kinder kümmern, dass wir denen einen besonderen Schutz zukommen lassen. Und ich hätte da wirklich meine Bedenken, wenn dort von Theo Zwanziger irgendwelche Liberalisierungsgedanken einfließen sollten. Ich würde den Schutz der Kinder über jegliche Liberalisierung stellen.
Das klingt erst einmal ziemlich konfus, was sicher auch der freien Rede geschuldet ist. Aber es bedarf keiner besonders böswilligen Interpretation, um zu erahnen, dass da wohl mal jemand Homosexualität und Pädophilie durcheinander gebracht hat. Oder bringen wollte.
Nun halte ich normalerweise nicht viel davon, Menschen mögliche Verfehlungen aus ihrer eigenen Vergangenheit immer wieder vorzuhalten, aber an dieser Stelle sollte nicht unerwähnt bleiben, dass sich da ein Mann um Jugendliche und „Verantwortungsbewusstsein“ sorgt, der vor acht Jahren nicht Fußballbundestrainer wurde, weil ihm schwerer Kokainkonsum nachgewiesen werden konnte. (Meinetwegen kann jeder mit seiner Gesundheit machen, was er will, aber hier geht es ja um die moralische Komponente der Geschichte.) Dass Daum ausgerechnet Trainer in der „schwulsten Stadt Deutschlands“ ist, ist da das Tüpfelchen auf dem i.
Ich bin gespannt, wie die Dokumentation letztlich aussehen wird, und ob Daums homophober Ausfall von der Öffentlichkeit überhaupt wahrgenommen wird. Der Profifußball wird immer wieder mit der katholischen Kirche in einem Atemzug genannt, wenn es um die letzten Bastionen offener Schwulenfeindlichkeit gilt. Das Fußballmagazin „Rund“ hat diesem Thema schon mehrere große Artikel gewidmet, die man hier und hier bei „Spiegel Online“ nachlesen kann.
DFB-Chef Theo Zwanziger will jetzt „ein Klima schaffen“ in dem auch offen homosexuelle Fußballer entspannt im Stadion auflaufen können. Das ist ihm hoch anzurechnen, aber es wird ein schwerer Weg in einem Umfeld, in dem Fans gegnerische Spieler oder den Schiedsrichter immer noch als „schwul“ bezeichnen und das durchaus als Beleidigung meinen. Wie bei seinem Engagement gegen Rassismus wird der DFB einen langen Atem brauchen und auch seine eigenen Entscheidungen anpassen. So wurde der Dortmunder Torwart Roman Weidenfeller im vergangenen Jahr für drei Spiele gesperrt und musste 10.000 Euro Strafe zahlen, weil er seinen Gegenspieler Gerald Asamoah beleidigt hatte: angeblich wurde Weidenfeller für die Worte „Du schwule Sau“ verurteilt – wenn er den dunkelhäutigen Asamoah (wie zunächst behauptet wurde) als „schwarzes Schwein“ beschimpft hätte, wäre die Strafe noch erheblich schwerer ausgefallen.
Zum aktuellen Fall Daum hat sich Moritz von hellojed. im offiziellen Webforum des 1. FC Köln umgesehen und präsentiert die schlimmsten Kommentare.
[via queer.de]
Nachtrag, 18:40 Uhr: Wie Moritz in einem weiteren Eintrag schreibt, hat sich Daum inzwischen gegenüber dem Kölner „Express“ erklärt – und dabei eindrucksvoll unter Beweis gestellt, dass er den Unterschied zwischen Homosexualität und Pädophilie wirklich nicht kennt:
Grundsätzlich bin ich ein toleranter und liberaler Mensch. Ich habe keinerlei Berührungsängste zu homosexuellen Menschen. Auch in meinem Bekanntenkreis gibt es Einige, die gleichgeschlechtliche Beziehungen leben.
Kinderschutz geht mir aber über alles. Kinder müssen vor Gewalt und sexuellen Übergriffen, ganz gleich ob homo- oder heterosexuellen Menschen, geschützt werden. Deswegen arbeite ich auch aktiv bei der Organisation Power-Child.
Wer beim Wort „schwul“ gleich an eklige Männer denkt, die kleinen Jungs an die Sporthose wollen, sollte zumindest kurz überlegen, ob er dieses verquere Weltbild auch noch der Öffentlichkeit mitteilen muss.
Und während der „Express“ noch recht neutral „Wirbel um Daum-Aussage“ titelt, gehen bild.de („Daum beleidigt Schwule“) und stern.de („Daum macht gegen Schwule mobil“) gleich in die Vollen. Das muss ja auch nicht sein …
Das war ja klar: wir hören uns alle 43 Titel an, die in diesem Jahr beim Eurovision Song Contest (vulgo: „Grand Prix“) antreten, ich finde sogar ein Lied, das mir ganz ehrlich und ohne Ironie gefällt – und das scheitert dann natürlich grandios bereits im Halbfinale.
Leider lag die Treffsicherheit der Töne auf der Bühne ungefähr bei einem halben Kasten Bier auf der nach oben offenen Thees-Uhlmann-Skala und die „Choreographie“ hätte Detlef D! Soost sicher mit markigen Worten in die Tonne getreten. Aber ich dachte mir, bevor der einzig wirklich gute Song des diesjährigen Grand Prix wieder völlig in der Versenkung verschwindet, gönne ich ihm hier noch mal seine 3:28 Minuten Ruhm.
Meine Damen und Herren, mit der Startnummer 42, zum letzten Mal dabei, bitte nicht wiederwählen: Paolo Meneguzzi aus der Schweiz mit „Era Stupendo“!
… am 22. Mai 2008, kurz nach 18 Uhr:

[Alle Screenshots: „RP Online“, Zusammenstellung: Coffee And TV]
Nächste Woche ist ja fast schon wieder Juni, da sollte ich so langsam aber sicher doch mal alle Veröffentlichungen des Monats April durchgehört und geordnet haben. Habe ich natürlich nicht, weswegen ich die Liste traditionell bereits in fünf Minuten wieder umwerfen werde. Aber dann steht sie ja schon hier:
Alben
1. Sir Simon – Battle
Man muss sich das immer wieder erstaunt vor Augen halten: dieses Album ist wirklich in Deutschland entstanden, nicht irgendwo in den breiten Prärien der USA. „Battle“ ist ein ganz wunderbares Folkpop-Album, das abwechselnd an Ryan Adams, Wilco, Maritime und die Weakerthans erinnert. Definitiv mein mit-dem-Zug-durch-die-Provinz-juckel-Album des Jahres.
2. kettcar – Sylt
Vorher war ich einigermaßen skeptisch, nach den ersten Hördurchläufen war ich irgendwie enttäuscht, aber dann erschloss sich mir „Sylt“ doch noch Stück für Stück. kettcar trauen sich was mit ihrem dritten Album und ihr Mut wird belohnt. Ein Album wie das Debüt wird ihnen wohl nie mehr gelingen, aber die Band ist klug genug, es auch nicht mehr zu versuchen. [mehr dazu]
3. Rogue Wave – Asleep At Heaven’s Gate
Muss auch mal sein: gradliniger amerikanischer Indierock ohne allzu große Mätzchen. Halt einfach: schön. So wie Nada Surf und Death Cab For Cutie, mit denen Rogue Wave auch schon des öfteren unterwegs waren. Noch ein, zwei Einsätze in den richtigen TV-Serien, und die Band geht auch in Deutschland durch die Decke.
4. Portishead – Third
Portishead sind einer der weißen Flecken auf meiner musikalischen Landkarte: meine Musiksozialisation begann zu einer anderen Zeit und in einer anderen Ecke, und während ich die stets im gleichen Atemzug genannten Massive Attack noch für mich erschlossen habe, blieben Portishead (auch in Ermangelung aktuellen Materials) immer außen vor. An ihrem dritten Album in 15 Jahren führte aber kein Weg dran vorbei und so habe ich mich der Herausforderung auch mal gestellt: „Third“ ist eines dieser Alben, bei denen man sich fragt, warum es eigentlich als „Unterhaltungsmusik“ bezeichnet wird, während das Gefiedel von André Rieu „ernsthafte Musik“ sein soll. Kunstpop durch und durch, der sich mir nur teilweise erschließen und mich auch nur teilweise begeistern will. Wie auch schon beim letzten Radiohead-Album gilt aber: zweifelsohne große Kunst.
5. Kaizers Orchestra – Maskineri
Als Kaizers Orchestra vor fünf Jahren auf dem Haldern Open Air auftauchten, hinterließen sie gleichermaßen fassungslose wie begeisterte Massen. Ihr norwegischer Gypsie-Rock war anders als das meiste, was man bis dahin gehört hatte. Auf ihrem vierten Album klingt die Band nicht mehr so exotisch wie früher, hat aber ganz klar immer noch eine musikalische Sonderstellung. Es rumpelt, es pumpt, es sägt und es macht einfach Freude.
Songs
1. Mêlée – Built To Last
Ich habe einen soft spot für amerikanischen College Rock. Wenn dann noch ein Klavier dazukommt, bin ich (s. The Fray, Straylight Run oder OneRepublic) sehr schnell überzeugt. Die Musik von Mêlée fand ich schon auf ihrem letzten Album recht hübsch, diesmal könnte es einer größeren Gruppe so gehen. Falls Sie nicht wissen, worum es geht: „Built To Last“ ist der Song, der immer läuft, wenn Sie WDR2 einschalten. Und mit „immer“ meine ich immer.
2. Soko – I’ll Kill Her
Klar: ohne den französischen Akzent wäre diese Stalker-Hymne (inkl. der titelgebenden Morddrohung) nur halb so lustig. Aber Stéphanie Sokolinski singt eben mit diesem französischen Akzent und dieser mitleidsheischenden Stimme und verwandelt diesen Song so in ein ganz wunderbares Kleinod.
3. Phantom Planet – Do The Panic
Nachdem ihr letztes Album, Entschuldigung: ziemliche Grütze war, unternehmen Phantom Planet jetzt einen ernstzunehmenden Versuch, den „California“-Fluch des One Hit Wonders zu brechen. Es könnte klappen: „Do The Panic“ ist wieder großartiger Pop, voller Chorgesänge, toller Harmonien und Sixties-Anleihen. Nur blöd, dass die ganzen Radiosender grad immer noch „When Did Your Heart Go Missing“ von Rooney spielen …
4. MGMT – Time To Pretend
Believe the hype: die New Yorker Band MGMT (hießen früher The Management) spielen modernen Indierock mit elektronischen Einflüssen und klingen trotzdem spannend. Also: spannender als das meiste, was jetzt noch aus Großbritannien kommt. In der viel zitierten gerechten Welt wäre „Time To Pretend“ einer der Sommerhits des Jahres, aber ob es wirklich so toll wäre, das Lied ständig aus scheppernden Mobiltelefonen im Regionalexpress zu hören, ist eine berechtigte Frage.
5. Portishead – Machine Gun
Endlich mal ein Stück, das seinem Titel gerecht wird: selten in der Geschichte der Musik ist eine vollautomatische Schnellfeuerwaffe anschaulicher vertont worden als in diesem … äh: Lied. Gut: es hätte auch „Zahnarztbohrer“ heißen können, und öfter als einmal am Tag sollte man sich dieses Hämmern auch nicht anhören, aber wenn Kunst wirklich weh tun muss, ist „Machine Gun“ sehr große Kunst.
Aus aktuellem Anlass fühle ich mich verpflichtet, Ihnen ein Video zu präsentieren, das heute exakt fünf Jahre alt wird.
Für alle, die nicht persönlich angesprochen werden, beantwortet der Clip immerhin die (nie gestellte) Frage, warum Marina Ringel nie Moderatorin einer großen Samstagabendshow geworden ist:
<persönlicher Moment>Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag, Mathias!</persönlicher Moment>
PS: Ein weiteres Video, an dessen Entstehung ich beteiligt war, gibt’s im Moment im BILDblog.
Düsseldorfs Oberbürgermeister Joachim Erwin ist in der Nacht zum Dienstag verstorben und da er bereits seit längerem schwer krank war, lagen die Nachrufe natürlich schon fertig getippt in der Schublade.
Während die „Rheinische Post“ in salbungsvollen Worten auf das Leben und Wirken zurückblickt, während sogar politische Gegner lobende Worte für den wirklich nicht unumstrittenen Verstorbenen finden, entschied sich die „Neue Rhein Zeitung“ („NRZ“) für einen ganz anderen, eher gewagten Weg: über dem Artikel des Düsseldorfer Redaktionsleiters Frank Preuss prangt zwar das Wort „Nachruf“, aber eigentlich handelt es sich um eine vermutlich lange geplante Abrechnung:
Wer, schwerstkrank und abgemagert, die Öffentlichkeit wissen lässt, dass er am Tag der Arbeit mit Verkehrsplanern in seinem Garten diskutiert, löst nicht Bewunderung aus, sondern Mitleid. Das gilt auch für den, der immer wieder verkündet, wie viele Urlaubstage er der Stadt doch schenke. Wenn es um Düsseldorf ging, dann ging es vor allem um ihn: Vorschläge, die andere machten, hatten kaum Überlebenschancen. Und Erwin genoss über seine gesamte Amtszeit die Mär, dass ohne ihn nichts funktionieren könne in dieser Stadt.
[…]
Erwin, Schnelldenker mit stoiberscher Aktenkenntnis, enormem Fleiß und unbremsbarer Entscheidungsfreude, aber auch unbeherrscht und ohne Korrektiv, war einer, der sich noch selbst vergötterte, wenn andere ihn längst gelobt hatten. Dem es nicht langte, Siege still und damit stilvoll zu genießen: „Ich schwimme auf einer Woge der Begeisterung”, diktierte er Journalisten Ende 2000. Seine Eigenwerbung nahm bald krankhafte Züge an. Sich selbst zu hinterfragen, lag nicht in seinem Universum, Kritiker bügelte er in oft kleinkarierter Form ab. Dass erst Souveränität Größe ausmacht, hat sich ihm nie offenbart.
Nie Fragen, nur Lektionen
Und als er Rudi Assauer, dem Manager des FC Schalke 04, beim Anblick der Gelsenkirchener Arena einen Vortrag darüber hielt, wie man so etwas besser bauen könne, teilte der staunend Belehrte das Schicksal aller Gesprächspartner Erwins: Der glaubte nicht nur alles besser zu wissen, er glaubte es auch besser zu können. Joachim Erwin stellte nie Fragen, er erteilte Lektionen.
Eine Charakterschwäche, die den Ruf der Landeshauptstadt in der Nachbarschaft als Heimstatt der Großspurigen zementierte und Versuche regionaler Zusammenarbeit oft im Keim erstickte. Niemand hatte Lust, sich vorführen zu lassen. „Wer nur geliebt werden will, kann nichts gestalten”, begründete Erwin und gewährte sich so Asyl.
Die Liste derer, die er menschenverachtend behandelte und beleidigte, ist lang. Letztes Opfer: die von ihm nicht erwünschte Umweltdezernentin. Mit Medikamenten vollgepumpt wurde er selbst im Angesicht des Todes nicht entspannter, nur im Ton sanfter. Man müsse auch „mal hören, dass man ein Arsch ist”, hat er bei einem Vortrag einst gesagt. Nur: Wer hätte sich das in einem Klima der Angst getraut?
In den Kommentaren entsponn sich sogleich eine ausgiebige Diskussion (so also kriegt DerWesten seine Community ans Laufen), ob man denn sowas machen könne: eintreten auf einen, dessen Leichnam noch nicht mal kalt ist.
Es gibt Lob für die mutige Entscheidung:
Es gibt und gab nicht viele Journalisten die sich trauen einen Teil der Wahrheit über Herrn Erwin zu schreiben. Einer davon war Herr Preuss.
Die meisten anderen haben geschwiegen.
Es gibt böse Kommentare, die sogar extra das Wort „Schreiberling“ aus dem „Ratgeber für erzürnte Leserbriefschreiber“ herausgesucht haben:
Der Mann, der da geschrieben hat ist ein völlig unerträglicher Mensch, der von normalen mitteleuropäischen Umgangsformen offensichtlich noch nie etwas gehört hat. Kein Aushängeschild für die Zeitung, sondern einfach nur ein erbärmlicher, mediokrer, kleiner Schreiberling, der an das Niveau eines Joachim Erwin niemals heranreichen wird.
An diesem sehr konkreten Beispiel kann man eine zentrale Frage diskutieren, die nicht nur für den Journalismus, sondern für unsere ganze Kultur wichtig ist: Wie geht man mit Verstorbenen um, über die man bedeutend mehr Schlechtes als Gutes sagen könnte? Streng genommen könnte man lobhudelnde Nachrufe als unjournalistische Lügengeschichten brandmarken und sich über die Aufrichtigkeit von „Schreiberlingen“ wie Frank Preuss freuen. Andererseits fallen Sätze wie „eigentlich war er ja schon ’n Arsch“ für gewöhnlich frühestens beim dritten Schnaps nach dem Beerdigungskaffee und nicht unbedingt am offenen Grab.
Das Geheimnis dahinter heißt Pietät und sorgt unter anderem dafür, dass man die Frage „Wie sehe ich aus?“ mitunter nicht ganz wahrheitsgemäß beantwortet. Wer das für Lügen hält, findet es vermutlich auch „aufrichtig“, wenn er von unfreundlichen Supermarktkassiererinnen angepflaumt wird.
Letztlich muss wohl jeder für sich selbst beantworten, was schlimmer ist: Ein Nachruf, der die Formulierung „den wären wir los“ nur unter Anstrengung vermeidet, oder die Staatstrauer-Ambitionen von „RP Online“ (nicht unter „Düsseldorf verliert sein Herz“ zu haben), „Center TV“ und WDR. Vielleicht auch einfach beides.
Bei der Bekanntgabe der Nominierungen für den Grimme Online Award hatten die Verantwortlichen des Grimme-Instituts noch gescherzt: Peinlichkeiten wie im letzten Jahr wolle man dieses Jahr um jeden Preis vermeiden, außerdem dürfe die Jury ja maximal zwei Webseiten nachnominieren. Von diesem Recht machte die Jury prompt Gebrauch.
So schlimm wie im letzten Jahr, als die Jury das damalige Jury-Mitglied Mario Sixtus nachnominierte (der daraufhin sofort aus der Jury ausstieg und am Ende den Preis natürlich – und eigentlich zu Recht – gewann), ist es in diesem Jahr nicht geworden. Dieses Jahr entschied man sich nur, die Quote öffentlich-rechtlicher Angebote an den Nominierungen von erst 23,5% auf 26,3% zu erhöhen – immerhin strategisch geschickt zu einer Zeit, zu der Thomas Knüwer im Urlaub ist.
Wenigstens ist die jetzt nachnominierte „WDR Mediathek regional“ schon seit mehr als einem halben Jahr online. Außerdem ist sie bedeutend einfacher zu bedienen als die ebenfalls nominierte ZDF-Mediathek, was aber auch keine große Kunst ist. Einbetten kann man die zur Verfügung stehenden Filme aber auch beim WDR nicht, so dass ich auf einen Beispielbeitrag verlinken muss. Auch hier darf/muss die Nominierung als Signal an die Politik verstanden werden, die bald darüber entscheiden muss, wie viel öffentlich-rechtliche Sender im Internet machen dürfen.
Erfahrungsgemäß lässt eine Nachnominierung darauf schließen, dass die Webseite auch einen Award kriegen wird – immerhin sieht es so aus, als finde die Jury das Angebot besser als alle Vorschläge der Nominierungskommission. Und das scheint mir das Kernproblem des GOA zu sein: es gibt eine Nominierungskommission, eine Jury und über allem das Grimme-Institut, das seinen guten Namen hergibt. Sie alle mögen für sich genommen jeweils nur das Beste wollen, aber die strikte Trennung, die für Transparenz sorgen soll, führt in Wahrheit immer zu Chaos und Häme in der Blogosphäre. Und auch wenn die sicher nicht der alleinige Maßstab sein sollte: ein Online-Preis, der regelmäßig Onliner gegen sich aufbringt, ist nichts wert.
Ach so, ich schrieb von zwei Nachnominierungen: neben der WDR-Mediathek wurde intro.de in die Liste aufgenommen, das Onlineportal zu Deutschlands studentischstem Musikmagazin. Das erstrahlt seit kurzem in einem zweinulligen, langsamen und unübersichtlichen … äh: Glanz und ist damit so egal wie das dazugehörige Heft.
Wir wissen auch nicht mehr warum, aber Stefan Niggemeier und ich, wir haben uns sämtliche 43 Titel, die dieses Jahr in zwei Halbfinals und einem Finale am Grand Prix teilnehmen, angehört. Mehrmals. Und darüber geschrieben. Nämlich hier.
Am Samstag spielte Gregor Meyle, Zweitplatzierter bei Stefan Raabs Castingshow „SSDSDSSWEMUGABRTLAD“, im Bochumer Riff. Nachdem der Supportact, Steve Savage von den sehr empfehlenswerten Beggars Fortune, schon vom Publikum begeistert gefeiert wurde, legten Gregor Meyle und Band noch einen drauf und bescherten mir – im Ernst – eines der schönsten Konzerte ever. Der Zwischenruf „Besser als kettcar!“ war so abwegig nicht.
Dass Gregor Meyle nicht nur ein toller Songschreiber und Musiker, sondern auch ein sehr sympathischer Gesprächspartner ist, hat er vor dem Konzert bewiesen, als er uns im Schatten des Bahndamms ein Interview gab.
Und das können Sie jetzt hier sehen:
Gemäß Humor- und Scherzgesetz (HumSchG) erhebe ich Anspruch auf folgenden Namenswitz für Sportredakteure:
Ein deutscher Spieler bei der EM wird zwei Adler auf dem Trikot haben: einen auf der Brust, einen als Schriftzug auf dem Rücken.