Housebesuch
Von Lukas Heinser am Mittwoch, 7. Mai 2008 20:10
Kategorie: TV On The Radio
Ich habe erst heute (und damit passend zum gestern gesendeten Staffelfinale) festgestellt, dass “RP Online” vor mehr als einem Jahr sechs Mediziner zu “Dr. House” befragt hat.
Sie finden die Serie allesamt unrealistisch und Dr. Gregory House mindestens unsympathisch, wenn nicht gar unhaltbar, aber das soll uns nicht groß interessieren, denn es handelt sich ja um eine fiktionale Serie und nicht um einen medizinischen Fachaufsatz.
Ihre Einschätzungen sind nichtsdestotrotz fast durchgängig interessant und hier in einer siebenteiligen Klickstrecke nachzulesen.
Nachtrag, 8. Mai: Meine Mutter wies mich darauf hin, dass die “NRZ” vor ein paar Wochen etwas ganz ähnliches gemacht hat. Allerdings ist der Arzt, der die Serie dort analysiert, Fan.
Donnerstag, 8. Mai 2008 8:29
Natürlich ist House ein miserabler Mensch, die Fälle immer wieder überspitzt und die Handlungen irrealistisch. Wer etwas anderes glaubt, muss naiv sein. Aber auch in ER fangen gerade defibrillierte Patienten, die noch intubiert sind, an zu sprechen (und was noch erstaunlicher ist, es gelingt ihnen).
Das ist Unterhaltung und kein Bildungsfernsehen.
Donnerstag, 8. Mai 2008 9:11
Greg House als netter Mensch, das stelle man sich mal vor. “Ich schlucke Vicodin, weil ich sonst vor Strahlen im Gesicht den ganzen Tag nicht zum Arbeiten käme. Käffchen?”
Da hätten die Amerikaner gleich die Schwarzwaldklinik covern können.
Donnerstag, 8. Mai 2008 13:20
Es macht den Eindruck als hätten die sechs Mediziner nur diese eine Folge von Dr. House gesehen und würden die Serie allein auf dieser Grundlage beurteilen.
Da ich zufällig einige Ärzte kenne und selbst über brauchbares medizinisches Fachwissen verfüge, kann ich beurteilen, dass die besprochene Folge überdurchschnittlich viele schlecht recherchierte medizinische Details enthält. Grundsätzlich sind die Folgen aus medizinischer Sicht in der Regel deutlich exakter und realistischer als “Sleepings Dogs Lie”, was die Frage aufwirft, weshalb man ausgerecht diese Episode für die “Vorführung” gewählt hat.
Kritisieren kann man, wenn man schon “Realismus” als Maßstab anlegt, also keineswegs medizinische Details, sondern höchstens die Unwahrscheinlichkeit, dass zahlreiche Krankheiten, die alle durch eine extrem niedrige Inzidenz charakterisiert sind, in ein und demselben Krankenhaus auftreten. Nicht kritisieren kann man dagegen, dass Dr. House sich so benimmt wie er sich benimmt, denn das ist nun einmal die fiktionale Würze der Serie.
Das Kritiken zeigen, dass einige Ärzte wenig Ahnung von Medien zu haben scheinen und besser nicht ins Fernsehkritiker-Geschäft einsteigen sollten. Doktor, bleib bei deinem Stethoskop! ;-)
Donnerstag, 8. Mai 2008 13:28
Naja. Da halte ich es lieber mit
http://politedissent.com/house_pd.html
wo sich medizinisch Beleckte ausführlicher zu den einzelnen Folgen äußern.
Donnerstag, 8. Mai 2008 17:22
Gibt es etwas Dümmlicheres, als bei einem Unterhaltungsprogramm “Experten” nach einer Meinung bezüglich Realitätsnähe zu befragen.
Gibt es! Die Antworten. Mein Liebling: “Dadurch lernt der Laie nichts.” Tatsächlich? Und ich dachte immer, Fernsehen sei dazu da, nach der Arbeit noch mal ein paar Stunden richtig etwas zu lernen.
Donnerstag, 8. Mai 2008 17:34
Ich kenne übrigens auch Mediziner, die sich von House prächtig unterhalten lassen.
Donnerstag, 8. Mai 2008 19:46
“Echte-”Ärzte vs. Dr. House…
Gerade auf Coffee And TV gefunden: Etwäs älter, aber interessant und ehrliche Einschätzung von Dr. House durch ernsthafte Mediziner. Lesenswert! Ansonsten hätte ich noch eine wunderbare Dr. House Parodie aus Switch reloaded im Angeb…