Lieder für die Ewigkeit: U2 – Beautiful Day
Von Lukas Heinser am Donnerstag, 15. November 2007 20:31
Kategorie: Rock'n'Roll High School

Es gibt ungefähr gleich viele Gründe, U2 zu lieben, wie sie zu hassen. Man muss das Pathos mögen, das sie fast unentwegt verbreiten, sonst hat man keine Chance. Man muss damit klar kommen, dass Sänger Bono sich mitunter aufführt wie der uneheliche Sohn von Mutter Theresa und Al Gore, aber immerhin schöner singen kann. Aber man muss nur mal das langgezogene Intro von “Where The Streets Have No Name” hören, um das Prinzip Stadionrock zu verstehen.
U2 hatten in meiner musikalischen Früherziehung nur eine Nebenrolle gespielt, im Plattenschrank meiner Eltern findet sich bis heute kein einziges Album der Iren. 1998 wünschte ich mir das “Best Of 1980-1990″ zu Weihnachten und hörte die nächsten Wochen und Monate “I Still Haven’t Found What I’m Looking For”, “Sunday Bloody Sunday” und “With Or Without You”. U2 waren die erste Rockband in meinem Regal.
Im Herbst 2000 erschien dann “All That You Can’t Leave Behind”, der von den Fans heiß erwartete “Pop”-Nachfolger. Da mir die Experimente der Neunziger Jahre quasi komplett unbekannt waren, war der Übergang vom Achtziger-Best-Of fließend. Es war die Zeit, wo man CDs am Donnerstag nach Erscheinen kaufte (weil der örtliche Elektronikhändler dann seine Angebote rausbrachte) und erstmal fünf- bis zwanzigmal hintereinander hörte.
Auf “All That You Can’t Leave Behind” ist mit “Stuck In A Moment You Can’t Get Out Of” der vielleicht beste Song der ganzen Bandgeschichte enthalten, aber nachhaltiger hat mich das euphorische “Beautiful Day” beeindruckt. Der Rhythmus, den Larry Mullen dort klopft, war damals noch neu – heute kommt er in jedem zweiten Song von Coldplay, Snow Patrol oder Jimmy Eat World vor. Das Gitarrenspiel von The Edge hat mich damals tagelang in meinem Zimmer festgehalten, wo ich versuchte, diese nebensächliche Eleganz auf der Konzertgitarre meiner Schwester nachzuempfinden. Der Text grub sich durch das unzählige Nochmal-Hören tief in meine Gehirnwindungen ein, obwohl ich bis heute nicht genau weiß, was er eigentlich aussagen soll. Und dann war da noch dieses Video von Meisterregisseur Jonas Åkerlund:
Wann immer ich danach in einem Flugzeug saß und mir kurz vor dem Start doch ein wenig mulmig wurde, summte ich diesen Song vor mich hin und stellte mir vor, wir würden jetzt direkt über die auf der Startbahn rockende Band fliegen.
Ich würde mich bis heute nicht als U2-Fan bezeichnen. Ich kaufe mir die Alben, ich mag fast alles, was die Band macht, aber es fehlt trotzdem noch etwas bis zu der kultischen Verehrung, die ich beispielsweise R.E.M. oder Travis entgegenbringe. Trotzdem: Als “Beautiful Day” auf meiner Fahrt nach Berlin im ICE-Bordradio lief, wurde ich plötzlich so entspannt und gut gelaunt, dass mir das ganze Theater drumherum egal wurde. Da wusste ich: das Lied ist ein Fall für diese Rubrik.
Donnerstag, 15. November 2007 23:50
Auch wenn ich es wohl nicht ganz so pathetisch ausdrücke, kann ich doch sehr viel von deinem Text nachvollziehen. Auch ich habe mir damals zu Weihnachten das U2 Best Of-Album schenken lassen (und hab dann eine Woche danach Track 2 in der Dauerschleife laufen lassen), ohne vorher allzu viel mit der Band zu tun zu haben, und bin dann im nächsten Schritt zu “All that you can leave behind” gelangt, das mich sehr begeistern konnte, eben u.a. genau wegen der beiden von dir angesprochenen Songs.
Kurzum: Kann dir nur absolut zustimmen und “Beautiful Day” ist einfach ganz großartig. Wobei ich mit dem Song vor allem den Film “Bandits!” verbinde (der mit Bruce, Billy und Cate, nicht der mit Katja, Jasmin und Hannes), in dem der Song sehr toll eingesetzt wurde.
Und jetzt werde ich mir erstmal die anderen Einträge der Rubrik genauer anschauen, denen ich rein von den Titeln her ebenso beipflichten kann…
Freitag, 16. November 2007 11:06
Es gibt ein paar echt gute Songs, New Year’s Day zum Beispiel, aber zu seinem Coverwahn habe ich eine etwas andere Meinung.
Freitag, 16. November 2007 20:05
Ich bin ja schon ein bisschen älter und hätte eigentlich durch gewöhnliche Radiofrühprägung Freund von U2 – ich hasse das Wort „Fan“ – werden können.
Es kam aber ganz anders.
Die irische Band Clannad nahm dann irgendwann in den beginnenden Achtzigern „In a Lifetime“ auf und ich war verzaubert. Ich dachte nur, die Stimme von diesem Sänger, die kommt mir so bekannt vor, wer mag nur dieser Bono Vox sein? Mein älterer Bruder klärte mich irgendwann auf und kaufte mir „Rattle and Hum“ zum Geburtstag, die ich fortan wochenlang endlos hörte. War ja auch schön lang und abwechslungsreich. „All along the Watchtower“ und „All I want is You“ sind meine Favoriten auf dem Album.
Neben den oben genannten find ich des Weiteren „Misterious Ways“ von „Achtung Baby“ und „Vertigo“ von „How to Dismantle An Atomic Bomb “ ziemlich gut.
*schwelg in Erinnerung*
Montag, 19. November 2007 10:00
Das schöne an “Beautiful Day” ist, daß wenn man U2 peinlich findet, man jetzt die Ärzte-Version “Himmelblau” auf “Jazz ist anders” toll finden kann!
Man darf klauen, wenn man es besser macht.
Montag, 26. Oktober 2009 10:01
[...] mal bestätigen lassen, was mit “All That You Can’t Leave Behind” und Songs wie “Beautiful Day” und “Stuck In A Moment You Can’t Get Out Of” mühelos [...]