Beiträge vom März, 2007

Worstpiel statt Inhalt

Von Lukas Heinser
Veröffentlicht: 6. März 2007 13:56

Mal davon ab, dass seit der Veröffentlichung des UN-Klimaberichts eh die Freudenfeuer in den Wissenschaftsredaktionen sämtlicher Medien brennen (bzw. hoffentlich nicht, wegen CO2), hat Umweltminister Sigmar Gabriel mit seinem Vorschlag, doch auf Flugreisen in den Urlaub zu verzichten, jetzt auch noch sämtliche Wortspielfetischisten in Verzückung versetzt.

Coffee And TV präsentiert deshalb hier die große X-statt-Y-Liste mit gesammelten Kostbarkeiten und Selbstgedachtem zur Weiterverwendung:

  • Allgäu statt Anden (20 Minuten)
  • Bayern statt Bali (Thüringer Allgemeine)
  • Berlin statt Bangkok (20 Minuten)
  • Chemnitz statt Chicago
  • Dortmund statt Dubai
  • Eifel statt Eiffelturm
  • Frankfurt statt Frankreich
  • Göttingen statt Griechenland
  • Hallig statt Hawaii (Schleswig Holstein Zeitung, online nicht verfügbar)
  • Ingolstadt statt Indien
  • Jülich statt Jersey
  • Kanal statt Kurzurlaub (WAZ)
  • Lübeck statt Libanon
  • Münster statt Madagaskar
  • Neuss statt New York
  • Oberursel statt Osttimur
  • Pirmasens statt Portugal
  • Quickborn statt Queens
  • Rügen statt Rimini (Stern)
  • Sylt statt Seychellen (u.a. sueddeutsche.de)
  • Taunus statt Tropen (taz, online nicht verfügbar)
  • Unna statt USA
  • Viersen statt Vereinigte Arabische Emirate
  • Westerland statt Washington
  • Xanten statt Xi’an
  • Y statt eines Ortsnamens, der damit anfängt (gibbet nämlich nicht)
  • Zwönitz statt Zaire

Abzüge wegen nicht verstandener Alliterations-Voraussetzungen:

Mensch braucht HipHop

Von Daniel Gerhardt
Veröffentlicht: 3. März 2007 14:41

Sah ja fast schon so aus, als fehlte dem HipHop nur noch eine (weitere) Kugel im Brustkorb zum endgültigen Tod. Der Mainstream ist mittlerweile derart zugeschissen worden mit aufgepumpten Holadris (und ihren jeweiligen Posses), die gar nichts und noch weniger zu sagen haben, dass man schon froh ist, wenn irgendjemand mal ein Video ohne Frauenfeindlichkeiten zu Ende bringt. Die “Avantgarde” bei den Vorzeigelabels von Def Jux und Stones Throw scheint mir gleichzeitig ein bisschen selbstgefällig geworden zu sein, kaum mehr auszubrechen aus den selbst gesteckten, mühsam erarbeiteten Themenbereichen und Soundwelten. Und Dangermouse? Hatte schon bei Gnarls Barkley und den Gorillaz nur noch am Rande mit HipHop zu tun, bevor er zuletzt Platten von The Rapture und The Good, The Bad & The Queen betreute. Das jüngste Rapalbum deshalb, das mich völlig aufgefressen hat: Commons “Be” aus 2005, klug betextet, kein Bullshit drumherum und glänzend produziert von Kanye West, der damals noch Dinge zu beweisen hatte.

Das Gute nun an so einer Ausgangssituation: Im Prinzip konnte es für HipHop-07 nur aufwärts gehen, wenigstens an den Rändern des Genres, wo es nie viel zu verlieren, aber umso mehr zu holen gab. Wie schnell und steil das gerade passiert, finde ich trotzdem mindestens genauso überraschend wie erfreulich. Der März fängt gerade erst an, und es gibt trotzdem schon Einiges herzuzeigen:

Clipse – Hell Hath No Fury
Wirkt am Anfang etwas trocken und spröde, lebt im Endeffekt aber vor allem von diesen Eigenschaften. Unglaubliche Produktion von den Neptunes, sehr reduziert und trotzdem offen für Akkordeons und solchen Quatsch. Die Texte der beiden MCs dazu sind sehr böse und düster, fast schon verbohrt in ihre Hauptthemen (ca. Koks und Nutten), aber letztlich atemberaubend gut und konzentriert. Perfektes Pokerface, auch.

Dälek – Abandonded Language
Sind weggekommen vom Dröhnen und Ächzen der letzten Platte, jetzt ein bisschen zugänglicher und einfacher anzuhören. Der überwältigenden Tiefe ihrer Tracks hat das erstaunlicherweise nicht geschadet, es gibt immer noch ausreichend zu bemerken und verarbeiten, immer noch genug Rätselaufgaben von Dälek, dem kleinen, dicken MC mit der Donnerstimme. My Bloody Valentine in HipHop.

Talib Kweli & Madlib – Liberation
Konnte man sich Anfang des Jahres kostenlos auf der Stones-Throw-Homepage runterladen und war eigentlich nur als Warm-Up für Kwelis neue Platte gedacht, die irgendwann später in 07 kommen soll. Gerade diese zwanglose Herangehensweise hat der Sache sehr gut getan, die Old-School-Bläser-Samples knacksen und schleifen ganz herrlich, die Raps sind prima vertändelt. Wird nun doch noch “richtig” herausgebracht, vermutlich weil es zum Verschenken einfach zu gut war.

Busdriver – Roadkill Overcoat
Der Abenteuerspielplatz des HipHop. In der zweiten Hälfte verrennt es sich leider ein bisschen, davor brennt hier aber der Busch wie lange nirgendwo sonst mehr. “Less Yes’s, More No’s” muss bitte jeder gehört haben, viel präziser kann man einen solch sturen Schlagzeugbeat gar nicht mehr mit wunderbaren Kinderreien über den Bauch pinseln.

K-Os – Atlantis: Hymns for Disco
In dieser Liste wohl der Streber. Vielseitigkeits-HipHop, der sich bis zu Marvin Gaye rüberneigt, aber irgendwie immer noch die Kurve kriegt, bevor es zu viel werden könnte. Wyclef Jean würde so klingen, wenn er, na ja, wenn er gut wäre, vielleicht.

Eine Idee zur Gewalt

Von Oliver Ding
Veröffentlicht: 2. März 2007 13:24

Wenn Daniel schon gerechterweise von Modest Mouse schwärmt, fühle ich mich genötigt, auf die wundervolle Rose Kemp hinzuweisen, die ich unlängst schon auf Plattentests.de abfeiern mußte. Zu ihrem bewegenden Gemütsbrecher “Violence” haben Fránçois und Rozi Plain ein stimmungsvolles Video in Sepiafarben gedreht. Bunt ist anders. Aber sicherlich längst nicht so intensiv.

Und mit dem Geprügel der Dumpfbacken nicht nur im Fußballosten dieses Landes, sondern auch in anderen großen Fußballnationen wie Spanien oder Italien hat das zum Glück so wenig zu tun wie nur was.

Die Ziehung der Jahreszahlen

Von Lukas Heinser
Veröffentlicht: 1. März 2007 22:08

Eine der ersten Regeln, die man auf jeder Journalistenschule, achwas: als jugendlicher freier Mitarbeiter bei jeder Lokalzeitung lernt, ist die, dass jeder Artikel eine gute Eröffnung brauche. Einen knackigen Satz, einen Eye Catcher, eine Zeile, die den Leser am Kragen packt und bis zum letzten Punkt im letzten Absatz nicht mehr loslässt.
Eine weitere wichtige Regel ist die, dass man gut recherchieren sollte, was man in seinen Artikeln so behauptet.

Und jetzt überlegen wir mal alle, welche dieser beiden Regeln Florian Leclerc von FAZ.NET in seinem Artikel “Bürgerreporter im Netz” nicht beherzigt hat:

Zwölf Jahre ist das Internet nun alt.

PS: Selbst das WWW ist älter als zwölf Jahre, wie ein kurzer Blick in Geschichte des Internets ergeben hätte.

12, 483, 1, 2:0 (Zusatzzahl: 2007)

Von Lukas Heinser
Veröffentlicht: 1. März 2007 14:38

Morgen erscheint das neue Album von Herbert Grönemeyer “Zwölf”. Morgen erscheinen aber auch die aktuellen Albumcharts, in denen, wenn alles mit rechten Dingen zugeht, Tokio Hotels “Zimmer 483″ auf Platz 1 einsteigen dürfte. Deswegen bin ich gerade ein bisschen am Recherchieren, um dann nächste Woche (wenn, jede Wette, Grönemeyer auf 1 gehen wird) einen schönen Eintrag über den musikalischen Generationenkonflikt, der vielleicht gar keiner ist, schreiben zu können.

Ich stolperte also gerade über ein Interview, dass Spiegel Online mit dem Magdeburger Quartett geführt hat. Kreative Idee dabei: Prominente wie Boris Becker, Bushido oder Jonathan Meese durften auch Fragen stellen. Aber auch Niels Ruf und Dolly Buster. Und das ging wie folgt:

NIELS RUF, Schauspieler und Comedian: Mir haben damals die Pressekonferenzen zur Auflösung von Tic Tac Toe wahnsinnig gut gefallen. Wie die sich da gestritten haben! Plant Ihr zu Eurer Auflösung etwas Ähnliches?
Bill: Ich fand das mit Tic Tac Toe auch lustig, aber leider müssen wir Dich enttäuschen: Wir haben noch nichts geplant. Ich glaube, wenn man sich trennt, sollte man das vernünftig machen.
Tom: Und ich glaube, das wird Niels Ruf auch nicht mehr miterleben.

Zugegeben: die Frage war lahm. Die Antwort von Tom Kaulitz dafür gar nicht mal so schlecht.

Noch besser aber:

DOLLY BUSTER: Und hattest Du schon mal Sex?
Bill: Ich?! Das werde ich auch Dir nicht verraten. Ich weiß auf jeden Fall, dass Du schon welchen hattest!

Ich bin mir noch nicht sicher, ob das eine richtig gute Replik oder so ein “Tataa!”-Karnevalsspruch ist, dafür hätte man wohl den Tonfall miterleben müssen. Trotzdem: Solche Antworten hätte ich den Jungs gar nicht zugetraut. Um so mehr freue ich mich auf das Chart-Rennen der nächsten Tage.

Nachtrag 2. März, 15:00 Uhr: Ich hab natürlich wieder überhaupt keine Ahnung von Charts. Offenbar beziehen sich die aktuellen (es gibt leider keinen Permalink) auf die Verkäufe von letzter Woche. Tokio Hotel (letzten Freitag erschienen) sind also nächste, Herbert Grönemeyer erst übernächste Woche dran. Was diese Woche auf 1 ist, gucke ein jeder lieber selber nach …

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